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VII.

AUSBLICK

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Der Weg meines Buches hat über mancherlei weltanschauliche, politische und geschichtliche Pfade bis in die problematische Gegenwart des Jahres 1966 geführt. Den Anstoß zu seiner Abfassung gab die beleidigende Kampagne gegen den toten Papst Pius XII., die ad absurdum zu führen ich für meine Pflicht hielt, zumal da jener Hetzfeldzug sich gleichzeitig gegen die Bundesrepbulik [sic] Deutschland richtete, die als Nachfolgerin von Hitlers Drittem Reich angerempelt wurde und noch heute wird, als habe sie selber die Verbrechen des NS-Regimes begangen auch hier verlangt ein heißes Eisen entschlossenes Zupacken und Geradebiegen, wenn das so gern zitierte, aber nur selten bemühte Weltgewissen nicht bis ins Aschgraue seinem abseitigen Schlummer überlassen bleiben soll. Damit aber geriet mein Buch zwangsläufig in den Zeitstrom der Geschichte seit 1945 und führte zu kritischen Betrachtungen der allerjüngsten Vergangenheit, die sich gar nicht umgehen ließ, wenn meine Darstellung einen leidlich umfassenden Überblick über die heutige Situation des Judentums und seiner Sündenböcke, seiner Probleme und seiner Tabus geben wollte.

Zum Schluß darf nicht unerwähnt bleiben, daß auch die Transnistrien-Verschickten dem verstorbenen Papst Dank schulden. Pius XII. hatte den Bukowinern und rumänischen Juden, die nach Transnistrien verbannt worden waren, jede nur mögliche Hilfe zukommen lassen. Wenn man die Umstände und die damalige Möglichkeit in Betracht zieht, war die Hilfe sehr wertvoll.

1942 verfaßte in Transnistrien der aus Czernowitz stammende Professor Dr. Hermann Sternberg in lateinischer Sprache einen ausführlichen Lagebericht der Zustände in Transnistrien. Dieses Dokument wurde über Bukarest dem Vatikan zugeleitet. Nachdem Pius den Inhalt des Berichtes zur Kenntnis genommen hatte, ordnete er sofort an, daß man sich mit dieser Angelegenheit befasse. Dem päpstlichen Nuntius in Bukarest, Monsignore Cassulo, als treuer Diener seines Papstes, war es ein Herzensbedürfnis, den Transnistrien-Juden nach Möglichkeit zu helfen. Diesbezüglich nahm er Kontakte auf mit Vertretern der Judenheit, den oppositionellen rumänischen Politikern, mit Vertretern der orthodoxen Kirche, mit Regierungsmitgliedern und insbesondere mit dem bereits erwähnten Vertreter des Schweizerischen Roten Kreuzes, Ch. Kolb. Um die eingeleiteten Hilfsaktionen zu kontrollieren und zu koordinieren, scheute Monsignore Cassulo eine Reise ins Verbannungsgebiet nicht. So fand sich der päpstliche Vertreter 1943 im Zentrum Transnistriens in der Stadt Mogilew ein. Dort nahm er Kontakt mit Vertretern der Verschickten auf und sprach mit ihnen über die Hilfeleistung und deren Verwendung.

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Viele, sehr viele überlebende Transnistrien-Verschickte sind, wie oben bereits erwähnt, dem Papst und seinem Abgesandten Dank schuldig. Wenn die wenigen Überlebenden, die die ganze Wahrheit dieser Angelegenheit wissen, insbesondere Professor Sternberg, der sich in Tel Aviv befindet, es nicht für richtig halten, im Interesse einer ungefärbten Geschichtsschreibung, dies alles der Welt bekannt zu geben, dann ist es meines Erachtens die Pflicht des Schweizerischen Roten Kreuzes, alle Unterlagen in dieser Hinsicht, die sich in ihrem Besitz befinden, zu veröffentlichen.

Auch darf nicht unvermerkt bleiben, daß es der so verschmähte Pius XII. war, der die für uns diskriminierenden Worte "perfidos Judaeos" aus dem liturgischen Vokabular gestrichen hat. Auch diese Tatsache beweist zur Genüge, wie unsinnig und frevelhaft es ist, wenn einige Juden den traurigen Mut aufbringen, Pius XII. Nazisympathie vorzuwerfen.

Daß der Zionismus, namentlich der aktive Israel-Zionismus im Mittelpunkt meiner Betrachtungen steht und die stärkste Kritik herausgefordert hat, ist begreiflich; denn diese jüdische Weltgruppe ist während der le[t]zten Jahrzehnte am sichtbarsten, um nicht zu sagen: am aufdringlichsten in Erscheinung getreten und hat die wildesten Wirbel jüdischer Rassengebarung erregt, während das übrige Judentum - trotz oder gerade wegen seiner weitaus mächtigeren Weltstellung - nicht so drastisch hervorgetreten ist. - Ich bin kein zelotischer Zionist: doch wäre ich wahrscheinlich Zionist geworden, wenn der Zionismus sich im Geiste seines großen Begründers Theodor Herzl zu dem von ihm angestrebten "Judenstaat" entwickelt und ausgewachsen hätte. Da er das nicht tat, sich vielmehr dem fanatischen Kampf um "Alles oder Nichts" verschrieb und damit sämtliche Gefahren der Selbstvernichtung heraufbeschwor - ja, diese auch weiterhin heraufbeschwört, so vermag ich ihm nicht mit Sympathie, sondern nur mit Kritik zu begegnen; denn ich will dem ehrwürdigen Glauben meiner Väter und jener Weisheit des Talmud treu bleiben, die nicht auf die überhebliche Selbstherrlichkeit unseres Volkes oder auf die wütende Selbstzerfleischung seiner Glieder ausgerichtet ist, vielmehr von Güte und Versöhnlichkeit, von tiefer Erkenntnis der Lebenszusammenhänge und von der hellen Begeisterung für Wahrheit und Gerechtigkeit kündet, Haß und Rachsucht verwirft, dafür Edelmut und verzeihende Hilfsbereitschaft preist.

Als Chaim Weizmann 1927 Rumänien besuchte, wurde er sogar von der nichtjüdischen Öffentlichkeit fürstlich begrüßt und vom Königlichen Ehepaar empfangen. Man wähnte in ihm den Repräsentan-

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ten des Weltjudentums. Weizmann indessen wußte, daß er nur eine sehr kleine Gruppe des Weltjudentums vertrat. Dies brachte er auch zum Ausdruck, als er am 27. Dezember des gleichen Jahres in Czernowitz einen zweieinhalbstündigen Vortrag hielt. Nachdem der Präsident des Weltzionismus gesagt hatte ". . . ein großes Palästina in meinen Tagen sehen möchte!", erklärte Weizmann: "Wir haben alle überzeugt, (von der Notwendigkeit eines zionistischen Palästinas) die Judenschaft noch nicht." Weizmann hatte zwar die Gründung des Staates Israel erlebt, scheint aber an der Tatsache keine Freude gehabt zu haben. Noch vor Beginn des Suez-Abenteuers nannte der Erste Präsident des Israel-Staates seinen Ministerpräsidenten David Ben Gurion ". . . einen verdammten Faschisten." (C. L. Sulzberger, New York Times, 1. November 1956)

Von der Notwendigkeit eines Israel-Staates ist die Judenschaft heute erst recht nicht überzeugt. Überzeugt dagegen ist die Judenschaft davon, was der Czernowitzer Präsident der Advokatenkammer, Dr. Heinrich Kiesler, 1897 in seiner Broschüre "Judentum und moderner Zionismus" schrieb: "Die Juden sind keine Nation und Zion wird ein Land der Isolierung der Juden von allen Völkern sein."

Ich stehe auch nicht an, Moses Maimonides als den größten Lehrer unseres Volkes und als den universellsten Geist unserer Rasse zu bewundern: ihn, der im abendländischen Mittelalter alles jüdische Leben mit der Fülle seines Wissens wie mit der Kraft seines Wesens durchleuchtet und erhoben hat; der gleichzeitig aber auch geistige Brücken schlug zum Islam wie zum Christentum hinüber, und der von den Führern dieser beiden Glaubensbereiche als der große Mittler zwischen den Religionen begrüßt, benutzt und verehrt worden ist!

Einen derart umfassenden Geist wie Moses Maimonides brauchte das Judentum auch heute wieder; denn nach wie vor steht es zwischen dem abendländischen Christentum und dem morgenländischen Islam - nur daß es sich seiner Vermittlerrolle und ihrer kraftvollen Möglichkeiten nicht mehr bewußt zu sein scheint. Gerade heute, wo das an den Westen assimilierte Weltjudentum und der zum Kampf gegen Arabien fanatisierte Zionismus sich als weltanschauliche Gegner anstarren, - gerade heute hat das zwischen diesen beiden Flügeln pochende Herz des toleranten und wahrheitsaufgeschlossen gebliebenen Judentums dahin zu wirken, daß die Kinder Israels sich zusammenfinden zu neuer, echter Gemeinschaft!

Darum muß auch dieser mein Ausblick in die Zukunft unser Gesamtjudentum und neben ihm die nichtjüdischen Völker umfassen, mit denen es den Lebensraum der Erde zu teilen hat: möchte es endlich zu einem wahren Mitsammen-Leben kommen, und möchte das

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Einander-Töten jetzt endgültig der Vergangenheit angehören! Ein heißer Wunsch, ein kühner Traum - vielleicht ein allzu lichter Traum, verwegen in seiner Erwartungsfreudigkeit: ich weiß das sehr wohl, und ich weiß auch, daß uns schwachen Einzelmenschen noch nicht die Kraft verliehen ist, den schönen Traum vom Weltfrieden zu verwirklichen!

Der große Menschenfreund Jesaja glaubte sogar, daß es zu einem Mitsammenleben in der Tierwelt kommen könnte. Warum sollen wir nicht hoffen, daß es zu dem allseits erhofften Frieden unter den Menschen auf Erden kommen wird? "Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugmessern schmieden und ihre Speere zu Winzermessern; nicht wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen." (Jesaja 2.4)

Uns Menschen ist der Trieb ins Herz gepflanzt, uns zu entwickeln und zu veredeln, unermeßlich kann daher die Schöpfungskraft des wahrheits- und friedensuchenden, sowie gerechtwirkenden Menschen sein.

". . . und sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst." (3. Moses 19. 18)

Bemühen wir uns so zu leben, wie die einmalige Frau unseres Jahrhunderts es uns vorgelebt hatte, nämlich Edith Stein, die jüdische Philosophin, die zum Katholizismus konvertierte und Karmeliten-Schwester wurde und den Namen Teresia Benedikta a Cruce annahm und im August 1942 in Auschwitz vergast worden ist. Teresia Benedikta schrieb: "Der Mensch ist dazu berufen, in seinem Innersten zu leben und sich selbst so in die Hand zu nehmen, wie es nur von hier aus möglich ist; nur von hier aus ist auch die rechte Auseinandersetzung mit der Welt möglich, nur von hier aus kann er den Platz in der Welt finden, der ihm zugedacht ist."

Bemühen wir uns, die Überheblichkeit, auserwählt zu sein, von uns zu weisen, da diese aus Minderwertigkeitsgefühlen resultiert und der Menschheit genug Leiden gebracht hat.

Meiden wir alles, was an Chauvinismus gemahnt, um zu Toleranz, zu Versöhnung und Frieden zu gelangen!

Lassen wir uns von einem der ältesten Monumentalwerke der Weltliteratur, einer Granitsäule des menschlichen Schaffens, dem Talmud, belehren. Er hat in Jahrtausenden praktische Alltagsweisheit gesammelt, die kristallhell und wegweisend leutet:

"Sei nicht Priester,

nicht Levit
nicht Israeli -
sei Mensch!"

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und:

"Die ganze Thora ist nur wegen der Sitten des Friedens gegeben, um den Frieden unter allen Menschen herzustellen."

Bekennen wir uns also, wie ein großer Europäer gefordert hat: - bekennen wir uns zu dem Geschlecht, das aus dem Dunkel ins Helle strebt!

Erfüllen wir unsere Aufgabe, indem wir sie zu bewältigen suchen!

Das Positive der Juni-Ereignisse

Es ist noch zu früh, über die traurigen Geschehnisse im Nahen Osten vom Juni 1967 Bilanz zu ziehen. Einiges aber läßt sich darüber jetzt schon vermerken. Für einen Zionkenner kamen die Blitzereignisse nicht unerwartet, da Israel für alle seine Nachbarn ein Pulverfaß war, ist und bleiben wird. Auch weiterhin sorgt Zion-Israel dafür, der Weltpresse Schlagzeilen zu liefern, denn dies ist sein Lebensodem, und dies wird zum Leidwesen nicht nur der UNO geschehen. Eskapaden wie jene vom Juni 1967 haben jedoch auch ihre positiven Seiten; sie tragen bei zur Klärung moralisch-politischer Fragen. Fragen, die nicht allein in jüdisch-deutscher, sondern in internationaler Hinsicht überhaupt wichtig sind.

Ich möchte hier insonderheit zu den Fragen "doppelte Loyalität" und "Aggression" Stellung nehmen. Diesbezügliche Auseinandersetzungen sind bereits, namentlich in Frankreich und in der Bundesrepublik Deutschland, im Gange.

Obwohl ein jüdisches Sprichwort sagt, daß es unmöglich sei, auf zwei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, behaupten Zionisten und deren Mitläufer, daß sie sogar dies fertigbrächten. Sie treten für israelische Belange ein und glauben, die Belange des Landes, in dem sie leben, dadurch nicht zu schädigen. Solange die politische Richtung eines Landes mit jener Israels parallel läuft, hat es mit diesem Glauben ja auch seine Richtigkeit; was aber, wenn dem nicht so ist? Zu der Zeit des israelisch-arabischen Krieges im Juni 1967 unterstützten die Zionisten und ihre Mitläufer auch in Frankreich bedingungslos die israelischen Interessen. Die französische Regierung vertrat politisch einen gegensätzlichen Standpunkt. Sie erklärte unmißverständlich, daß Israel an den kriegerischen Auseinandersetzungen Schuld trage.

Die heikle Frage der doppelten Loyalität wurde durch folgenden Vorfall grell beleuchtet: Als profilierte Zionführer Frankreichs beim

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Staatspräsidenten de Gaulle mit der Bitte vorstellig wurden, er möge seinen Standpunkt in der arabisch-israelischen Frage revidieren, erhielten sie die Antwort: "Meine Herren, Sie sind doch Franzosen!"

Da die Auseinandersetzungen Israels mit den Araberstaaten nicht lange währten, kamen - diesmal noch - auch die französischen Zionisten mit einem blauen Auge davon. Denn, angenommen, der Krieg hätte länger gedauert und dadurch noch mehr Komplikationen verursacht - solche Komplikationen können noch folgen -, wie hätten die französischen Zionisten sich verhalten, um nicht gegen bestehende französische Gesetze zu verstoßen?

Über das nämliche Thema sind auch unter Zionisten in der Bundesrepublik schon Auseinandersetzungen im Gange; natürlich können auch diese nur sonderbar anmuten. Wenn es darum geht, nichtzionistische Juden, die sich ehrlichen Herzens um eine jüdisch-deutsche Versöhnung bemühen, mit Unwahrheiten abzukanzeln, so herrscht edelmütigste Einigkeit, ebenso im Hinblick auf die obenerwähnten Juniereignisse. Einträchtiglich unterstützten da die Herren Zionisten die israelischen Belange. Doch dies nur bis zu einem gewissen Punkt - und von da ab klafft ein Riß: Während sich die hauptsächlich in und um Düsseldorf konzentrierten zionistischen Juden, die zwar deutsche Juden sind, sich aber Juden in Deutschland nennen, mit den Israelis solidarisch erklären, fühlen sich jene aus dem Osten zugewanderten Juden mit dem Domizilschwerpunkt in München mit den Israelis geradezu identisch. Es ist zionistische Sitte, die Einstellung nichtzionistischer Juden als antijüdisch und antiisraelisch abzustempeln. (Wagt es hingegen ein Nichtjude, nichtzionistisch zu sein, so ergeht es ihm noch schlechter: Er wird gleich gar als Neonazi und Antisemit diffamiert.) Warten wir ab, welche der beiden obenerwähnten Gruppen - die Düsseldorfer oder die Münchener - die andere zuerst als antijüdisch und antiisraelisch beschimpfen wird!

Man darf nicht müde werden, zu unterstreichen, daß nach Meinung der Bengurionisten jene Zionisten, die nicht nach Israel gehen, Heuchler seien. Die Identitätszionisten sind demgemäß aber Superheuchler.

Damit habe ich das Problem "doppelte Loyalität" kurz behandelt.

Wenden wir uns nun der weitaus wichtigeren Frage, der Aggression, zu! Bis heute gibt es noch keine einheitliche Definition des Begriffes Aggression. (In Nürnberg war man sich nur in Einem einig: darin, daß das Dritte Reich aggressorisch gewesen sei.) So gelang es beispielsweise weder dem sanft entschlafenen Völkerbund noch der UNO, eine universell annehmbare Definition des Begriffes Aggression zu schaffen. Wir wissen nur, daß bis zum heutigen Tage der jeweilige Sieger für sich in Anspruch nahm, die einzig richtige Bestimmung

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der Begriffe Recht, Wahrheit und Aggression gefunden zu haben. Wir wissen auch, daß nach dem zweiten Weltkrieg das Dritte Reich von den Siegerstaaten als alleiniger Aggressor bezeichnet wurde, weil es gegen Polen den ersten Schuß abgegeben hatte. Dies hatte auch die Kriegsverbrecherprozesse zur Folge, und daß dem bundesdeutschen Volk in moralisch-politischer Hinsicht die Kollektivschuld, in materieller die Reparationszahlungen (Wiedergutmachung) aufgebürdet wurden. Dafür, daß sich dies nicht ändere, ist bekanntlich der Zionismus federführend.

Die Ereignisse vom Juni 1967 brachten auch in der Frage Aggression neue Gesichtspunkte. Alle jene Zionisten in der Bundesrepublik und deren Gesinnungsgenossen, die mit blau-weißer Brille schofarblasend Israel bedingungslos unterstützten, merkten gar nicht, daß sie dadurch in der Frage Aggression in eine Zwickmühle geraten waren. Daß Israel im Juni 1967 gegen die Araber den ersten Schuß abgab, behaupten nicht nur die Ostblockstaaten, sondern auch einige Staaten in der Freien Welt und viele der blockfreien Staaten - dies leugnen heute nicht einmal mehr die Zionisten. Somit ist diesmal Israel nach Nürnberger Lesart der Aggressor. Dies hindert indeß die bundesdeutschen Meinungsfabrikanten und so manchen verantwortlichen Politiker keineswegs daran, weiterhin den israelischen Standpunkt anzuerkennen und zu verteidigen.

"Eine derartige Rechtfertigung für einen Krieg bringt aber das Fundament der Nürnberger Prozesse, die die deutsche Regierung allein für den zweiten Weltkrieg verantwortlich machten, zum Einsturz. Diese Prozesse und alle die auf den Konferenzen von Yalta und Potsdam beschlossenen Sanktionen gegen Deutschland - Demontage, Teilung, Umerziehung, Vertreibung der Bevölkerung aus den Ostgebieten und dem Sudetenland - versucht man mit Deutschlands angeblicher Schuld am Ausbruch des zweiten Weltkrieges zu rechtfertigen, die - so argumentiert man - unbestritten sei, da die Nazi-Regierung Danzigs wegen 1939 den ersten Schuß feuerte! Den Einwand, daß Provokationen schuld daran gewesen waren, daß es soweit kam, lehnte man als irrelevant und unstatthaft ab."

Die Amerikaner waren die eigentlichen Initiatoren der Nürnberger Jurisprudenz und Jurisdiktion, die auch in ihrer Besatzungszone angewandt wurden.

"Nach der amerikanischen Lehre des 'gerechten Krieges' wird die Moralität bzw. Verwerflichkeit der Kriegführung nicht etwa durch die tieferen Ursachen des Krieges, noch weniger durch die eigentlichen Streitfragen, sondern ausschließlich durch die Umstände bestimmt, unter denen die Feindseligkeiten eröffnet werden. Derjenige Staat, der

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in Durchsetzung nationaler Belange zuerst zum Gebrauch militärischer Gewalt schreitet, wird eo ipso der Aggressor, den zu bestrafen die Gerechtigkeit gebietet." (Seite 68: Die Hoggan-Kontroverse; Marienburg-Verlag, Würzburg, 1965)

Dr. Kurt Glaser, Historiker der Universität Süd-Illinois, schreibt in seinem Buch "Der Zweite Weltkrieg und die Schuldfrage" auf Seite 68:

"In seiner Eröffnungsrede erklärte der amerikanische Hauptankläger, Generalstaatsanwalt Robert H. Jackson: 'Welche Beschwerden eine Nation auch haben mag, wie lästig sie auch den Status quo findet, wir stehen auf dem Standpunkt, daß die aggressive Kriegführung ein rechtswidriges Mittel für die Regelung jener Beschwerden oder für die Änderung jener Zustände bildet.'"

Klar und ohne Umschweife also verkündet der Generalankläger, Vertreter der Freien Welt, die Normen, nach denen die Sieger das besiegte Deutschland behandelten. Diese Normen indessen sollen 1967 nicht mehr gelten, insbesondere nicht im Falle Israel, obgleich der Fall Israel-Araberstaaten eindeutig eine Parallele zu dem Fall Drittes Reich-Polen darstellt. Die Nichtanwendung der Nürnberger Normen Israel gegenüber könnte sich für Israel, den Weltzionismus, das westliche Judentum und die internationale Lage schlechthin verheerend auswirkend. (Ich betrachte es als überaus ungerecht, daß in Nürnberg deutsche Politiker gehenkt wurden, und bin auch nicht der Meinung, daß man israelische Politiker henken soll.) In Israel wird sich ein härterer Trend durchsetzen, Josuaisten werden die Oberhand gewinnen, und es wird nicht so rasch zu einer befriedigenden politischen Lösung im Nahen Osten kommen. Die ultrazionistische Bewegung in den Galuthländern wird diese Richtung unterstützen. Dies könnte zu einem Siegesrausch der Israelis führen. Und ein solcher Siegesrausch geht bekanntlich mit Entgleisungen einher. Wenn solche israelischen Entgleisungen schließlich eine heiße Auseinandersetzung zwischen den Supermächten auslösen würden, so wäre das Unheil für die ganze Welt da. Dies würde eine Schalom (Friedens-)-Ära für Israel auf immer unmöglich machen. Und die Juniauseinandersetzungen mit den Araberstaaten sollten doch dem Ziel der Einleitung einer Friedensepoche dienen. Und wenn - Gott möge uns davor bewahren! - weltweite kriegerische Auseinandersetzungen, verursacht durch den Nahostkonflikt, kämen, dann würden wieder die Protokolle der Weisen von Zion aus der Mottenkiste herausgeholt werden. Dann würde die Welt glauben, bestätigt zu finden, was H. St. Chamberlain in "Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" auf Seite

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281 sagt: ". . . die felsenfeste Überzeugung, . . . die Juden würden die Welt beherrschen."

Und die Welt würde an Paul Rassinier denken, der in seinem Buch "Das Drama der Juden Europas" auf Seite 169 feststellt: "Der Staat Israel beweist es nur zu gut, daß sie . . . sich zu einer merkantilen Herrschaft erheben wollen, die . . . die gesamte Welt umschließen würde."

Noch einmal: Der Himmel möge uns davor bewahren. Ich will kein Schwarzmaler sein. Aber sollte das Gräßliche, das Unfaßbare eintreten, dann sehe ich im Geiste vor den Toren New Yorks, Montreals, Buenos Aires, Londons, Jerusalems und anderer Weltstädte Auschwitze entstehen.

Und darum wünsche ich, daß Israel sich zu den Lehren Hillels bekennt und dadurch sich selbst, seinen Nachkommen wie den ihm benachbarten Völkern dauerhaften Frieden beschert. In diesem Sinne: Schalom !

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