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VIII.

NACHWORT

Saboteure der Völkerversöhnung

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(leer)

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Die Israelitische Kultusgemeinde in München

gab nun nach langem Zögern dem Drängen einiger Ultraheuchler nach und schloß mich aus. Ich erfuhr es zuerst durch die Münchener philozionistische Presse am 26. Februar 1968: sie brachte Variationen über das Thema "Burg ist aus der Israelitischen Kultusgemeinde ausgeschlossen". Dann erhielt ich einen Einschreibebrief ohne Absender, datiert vom 22. Februar 1968. Das sogenannte Dokument trägt nicht einmal eine Unterschrift. Ich erspare mir jeden weiteren Kommentar.

Zusätzlich war der Tagespresse noch zu entnehmen, daß dieser Ausschluß wegen meines in München erschienenen Buches "Sündenböcke" und meiner Mitarbeit bei der Deutschen Nationalzeitung und Soldatenzeitung erfolgte. Ist die Israelitische Kultusgemeinde - künftig IKG - mit diesem Beschluß nicht in eine Sackgasse geraten? Oder ist in der "Begründung" des Hinauswurfes etwas zu finden, was mit Kultusproblemen zu tun hat? Und berührt etwa das zur Ehrenrettung des verewigten Papstes Pius XII. geschriebene Buch "Sündenböcke" oder meine Mitarbeit bei der Deutschen Nationalzeitung irgendein mosaisches Gebot oder Verbot?

Der Führer der Münchener Zionistischen Organisation ist zugleich der Führer der IKG. Die im "Beschluß" erwähnten 20 Mitglieder des Vorstandes sind aktive Zionisten. Mit meinem Ausschluß bewiesen sie, daß sie nur zionistische Tätigkeit dulden, die natürlich an den Aufgaben einer Kultusgemeinde vorbeigeht. Hätten sich diese 20 Herren einmal mit der Geschichte der Münchener IKG befaßt, müßte ihnen bewußt werden, wie sehr sie die Tradition der Münchener Juden verletzen, die nur deutsche Juden und nicht Juden in Deutschland sein wollten und streng auf geistige Freiheit und auf Objektivität achteten. Die Herren von der IKG-Vorstandschaft würden auch gelesen haben, daß Theodor Herzl, als er 1896 seinen ersten Zionisten-Kongreß in München abhalten wollte, bei den Maßgebenden der Kultusgemeinde keinerlei Mithilfe fand. Daher hielt er ein Jahr später seinen ersten Kongreß in Basel ab.

Darauf, wie man mit dem Vermögen der Münchener IKG umgeht, das die hiesige Judenschaft in Jahrhunderten erarbeitet hat, wie man wirtschaftet und verwirtschaftet, sei nicht eingegangen, aber doch darauf, daß die Unduldsamkeit der Verantwortlichen in der IKG längst in Meinungstyrannei ausgeartet ist.

In dem Ausschlußbrief werde ich beschuldigt, die Würde des Ju-

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dentums aufs tiefste verletzt, hochangesehene Persönlichkeiten des jüdischen Volkes und des Staates Israel beleidigt zu haben usw.

Die 20 Mitglieder des Vorstandes sprechen von Judentum, wenn sie Zionismus meinen, und das keineswegs mangels besserer Einsicht! Obwohl die Genannten also im Vorstand der IKG zu München sitzen, fehlt ihnen, eben w e i l sie aktive Zionisten sind, das Recht, sich als Anwälte des Judentums aufzuspielen, ebenso wie das Recht, Israel vor Beleidigungen in Schutz zu nehmen. Doch habe ich, abgesehen davon, weder Persönlichkeiten des jüdischen Volkes und des Staates Israel beleidigt, noch gar das Andenken führender jüdischer Männer verunglimpft, am allerwenigsten aber die Würde des Judentums verletzt. Denn immerhin gehöre ich als Nichtzionist noch eher dem Judentum an als die sogenannten Zionisten in der Bundesrepublik. Was sich die 20 Vorstandsmitglieder gegen mich erlaubt haben, das wagte nicht einmal ein Torquemada (spanischer Großinquisitor, 1420-1498): Man hat mich nicht einmal gehört - lies verhört -, ein wahrhaft "demokratisches" Vorgehen!

Das Konterfei der 20 Herren

Mit der Ausrufung des Staates Israel am 14. Mai 1948 veränderte sich grundsätzlich auch das Leben der jüdischen Öffentlichkeit in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands. Die kompetenten Instanzen Israels und andere zionistische Organisationen verlangten ab diesem Zeitpunkt, daß jegliches jüdische öffentliche Leben in Deutschland lahmgelegt werde. Damit war gemeint: Jüdische Gemeinden, Schulen, Ausbildungsinstitute aller Art, Zeitungen, Theater und dergleichen sollten sich auflösen und alle Juden Deutschland verlassen. Sie sollten, möglichst nach Israel, auswandern. Mit einem Wort: Deutschland sollte judenfrei werden. Die leitenden Persönlichkeiten waren vorher aus Palästina hierher delegiert worden, um die Glaubensgenossen zionistisch zu schulen. Als die israelische Parole "Totale Auflösung" gegeben war, wurde sie von diesen Persönlichkeiten sofort befolgt. So wurden alle Institutionen aufgelöst, und die überwiegende Mehrheit der Juden verließ Deutschland. Sehr wenige hatten mit der Auswanderung Schwierigkeiten. Um diese wenigen zu betreuen, blieb nur das Büro der amerikanischen Auswanderungsgesellschaft HIAS zurück. Aber es blieben auch solche zurück, die für sich eine Chance witterten. Um indessen jeden irgendwie gearteten jüdischen Neubeginn in Deutschland zu verhindern, warnte die höchste zionistische Instanz Israels, die Sochnuth. Schließlich veröffentlichte die in Tel Aviv er-

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scheinende Zeitung "Jedioth Chadaschoth" am 7. August 1950 einen Artikel, der in seiner Deutlichkeit keinen Zweifel läßt. Es heißt darin unter anderem unter der Überschrift "Sochnuth stellt Arbeit in Deutschland ein": "Für ein Verbleiben der Juden in Deutschland gibt es keinen Grund mehr außer dem Schwarzen Markt. 35 000 Juden sind noch in Westdeutschland, 10 000 Warten auf ihre Ausreise. Der Rest genießt nicht mehr die Hilfe und die Unterstützung der israelischen Behörden."

Dieser Aufruf wurde bis heute nicht widerrufen. Trotz seiner Eindeutigkeit gründeten einige clevere Leute eine IKG in München.

Doch nicht nur in Israel, auch in den USA wandten sich wiederholt Juden gegen Leute vom Schlage der erwähnten Vorstandsmitglieder der IKG. Der bekannte Publizist und Radiokommentator in den USA, Schlomo Ben Israel, veröffentlichte in der jiddischen Zeitung "Vorwärts", New York, am 2. März 1960 einen Artikel "Juden haben schnell vergessen". Darin bemerkte er unter anderem: "Die Juden in Deutschland haben schon eine zionistische Organisation geschaffen, und wahrscheinlich werden sie sich der zionistischen Weltorganisation anschließen und mit anderen Juden an zionistischen Weltkongressen teilnehmen." Schlomo Ben Israel kritisierte diese Entwicklung heftig und verstieg sich dabei zu folgenden Sätzen: "Es darf keine jüdische Gemeinde in Deutschland mehr entstehen."1) "Die Juden, die sich wieder in Deutschland niederlassen, sind keine Ehre für das Weltjudentum." Er schloß mit der Feststellung: "Der größte Teil dieser Juden ist Müllabfall, eine Müllkiste des jüdischen Volkes."

Auch diese Veröffentlichung wurde bis heute nicht zurückgezogen. Jeder logisch und objektiv denkende Leser wird jetzt begreifen, daß hätten die Herren der IKG zu München Charakter und Ehrgefühl so würden sie - daraufhin wenigstens - es aufgegeben haben, sich als Anwälte jüdischer und israelischer Persönlichkeiten und Belange zu gebärden.

Die traurigen Nahostereignisse vom Juni 1967 veranlaßten so manche zionistische Heuchler in den Galuthländern, in ihrem Siegesrausch noch chutzpemäßiger als vorher zu handeln. Sie schmückten sich dabei mit fremden Federn, denn gekämpft hatte doch nur die israelische Armee. Welchen Beitrag haben eigentlich die deutschen Zionisten zu diesem Kampf geleistet? Aber seit dem erwähnten Zeitpunkt treten sie nun offen als Meinungsdiktatoren auf. Wir haben jedoch nicht vergessen, daß selbst der Veteran der "Heim-ins-Reich"-Bewegung, David Ben Gurion, jene Zionisten, die nicht nach Israel

1) Kursiv-Hervorhebung von mir.

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ziehen, als Heuchler abstempelte, welche die Interessen Israels schädigen.

Unter den 20 Herren befinden sich Großkaufleute, Großfabrikanten und andere Begüterte. Sie unterstützen ihr - für sie doch nur imaginäres - Vaterland Zion lediglich mit Demagogie; eine Kostprobe stellt mein Ausschluß dar. Wollen sie sich damit Sympathien erhandeln?

Einer freilich, der hessische Landesrabbiner Dr. Lichtigfeld, ehemals Präsident des Rabbiner-Verbandes in der Bundesrepublik, der seine Schäflein bestimmt gut kannte, hat ihnen mit einem sachlichen Griff die Maske heruntergerissen. Er besuchte im November 1960 Israel und gab der Tel-Aviver Zeitung "Jedioth Chadaschoth" aus diesem Anlaß ein Interview. Dabei sagte er unter anderem: "Obwohl die Juden in Deutschland in den Logen und den zionistischen Organisationen wieder ein kulturelles Leben beginnen, leisten sie für Israel gar nichts, obgleich sie wirtschaftlich dazu in der Lage wären."

Auch diese Worte sind ein Spiegel, in dem sich die Herren der IKG und ihresgleichen beschauen können. Ich bin jedenfalls der Ansicht, daß die drei Zitate, die ich aus einer Anzahl analoger Feststellungen auswählte, zur Genüge die ideologischen, politischen und moralischen Qualitäten der Manager der IKG in München anstrahlen.

Selbstverständlich bin ich dafür, daß in der Bundesrepublik wieder ein jüdisches - aber ein deutsch-jüdisches! - Leben aufblüht, keineswegs jedoch ein extrem chauvinistisch-jüdisches Leben für Ziele und Zwecke eines fremden Staates! Ich fühle mich als Nichtzionist, der ich bei Gründungen jüdischer Organisationen niemals und nirgends mitgewirkt habe, von den zitierten Äußerungen natürlich nicht betroffen. Die 20 Vorstandsmitglieder der Münchener IKG, die sich als Zionisten betrachten - ich sage das bewußt, denn es kann ja in praxi keine Zionisten mehr geben: Wer Zionist ist, geht nach Israel, dann ist er Israeli geworden, wer in einem Galuthland bleibt und die israelische Heimat verschmäht, ist kein Zionist- hingegen müssen die Zitate sehr wohl auf sich beziehen. Sie verstoßen doch gegen das Verlangen der Sochnuth in Israel, gegen die Forderung des amerikanischen Publizisten, für den sie größtenteils Müllabfall bedeuten, und gaben gewiß auch Dr. Lichtigfeld Anlaß zu seiner Klage.

So sehen Männer aus, die über einen Wahrheitssucher zu Gericht sitzen und ihn verurteilen, ohne ihn gehört zu haben.

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München und Amsterdam

Zwar können Israelitische Kultusgemeinden Mitglieder aus ihren Reihen verstoßen, allein nur wegen Vergehen gegen mosaische Gesetze, niemals aber aus ideologisch-politischen Gründen. Mit anderen Worten: Die Münchener israelitische Kultusfeuerwehr hat da gelöscht, wo nichts brannte.

Ausschlüsse kamen in den letzten Jahrhunderten, soviel mir bekannt ist, nicht vor, da die Vertreter der Kultusgemeinden in aller Welt aus den unseligen Ereignissen der Amsterdamer Synagogalen Vereinigung im 17. Jahrhundert Konsequenzen gezogen haben. Es handelt sich um Acosta und Spinoza. Ich will nicht hoffen, daß jemand auf den Gedanken kommt, ich wolle mich mit diesen nicht nur für die jüdische Welt großen Persönlichkeiten in einem Atemzug nennen: doch stehen ja andere einschlägige Fälle aus den letzten Jahrhunderten nicht zur Verfügung.

Uriel Acosta (1585-1640) wurde gleich zweimal aus der Synagogalen Gemeinschaft - so hieß damals die mosaische Vereinigung - ausgeschlossen: 1618 und 1633. Man setzte ihm so lange zu, bis er keinen anderen Ausweg mehr sah als den Freitod.

Benedikt Spinoza (1632-1677) wurde 1656 von der Amsterdamer Synodalen Verwaltung ausgeschlossen. Die damaligen Hasser jeden Fortschrittes hatten Angst, Amsterdam könnte Zentrum einer geistigen Erneuerung werden. Spinoza war nicht käuflich, und so kaufte man buchstäblich Mörder, die ihn abschlachten sollten. Das mißlang zwar; aber die unmenschlichen Leiden, die man ihm dann bereitete, beendeten das Leben dieses hochstehenden Menschen allzufrüh.

Auch hier müssen die zwei furchtbarsten Worte stehen: zu spät. Was helfen dem Toten die jährlichen Feiern zu seiner Ehre? Und es sind Zionisten, die Spinozas Größe in aller Welt verkünden. Unter den bedeutenden Anhängern Spinozas befand sich auch ein Präsident der Zionistischen Weltorganisation, nämlich der in Polen geborene Schriftsteller Nachum Sokolow (1861-1936), was die wiederholt erwähnten 20 Herren wahrscheinlich nicht wissen. Wer aber gedenkt jener traurigen Figuren, jener Cheremologen (Cherem = Bann) der Amsterdamer Synagogalen Vereinigung? Und wenn sich jemand ihrer erinnert, dann nur voller Abscheu!

Aber vielleicht glauben die 20 Ausschluß-Manager, die es nicht wagten, einen Cherem gegen mich auszusprechen, ja nicht einmal den Mut fanden, ihren eigenen Beschluß zu unterzeichnen - hatten sie

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da moralische Bedenken? oder juristische? oder beides? -, eine historische Tat vollbracht zu haben.

Übrigens scheinen die Herren, die meinen Hinauswurf beschlossen haben, einer Begriffsverwirrung zum Opfer gefallen zu sein. Zionismus ist nur eine von vielen politischen Richtungen im Judentum. Keine von ihnen bringt das Judentum so in Mißkredit wie die zionistische. Mein Bemühen war und ist es, geradezubiegen, was diese Richtung in geschichtlicher Hinsicht verbogen hat, und dazu beizutragen, daß die Weste des Judentums wenigstens leidlich sauber bleibt. Wer Scheuklappen trägt, wird dies Bestreben nicht verstehen wollen und es bekämpfen, ja verleumden.

Zu Beginn des nationalsozialistischen Regimes schlossen die palästinischen und die deutschen Zionisten mit der Regierung Hitlers einen Pakt, der unter dem Namen Haavara in die Geschichte einging. Der berühmte jüdische Schriftsteller Schalom Asch bezeichnete dieses Abkommen auf dem 18. Zionistischen Kongreß Ende 1933 in Prag als einen Verrat am Weltjudentum. (Mit dieser wahrheitsgemäßen Feststellung habe ich nach Ansicht der 20 Herren und ihrer Trabanten wohl wieder das jüdische Volk "verunglimpft".) Damals arbeitete ein palästinischer Zionistenführer in Berlin brav und fleißig mit Naziorganisationen zusammen - man nennt das ja wohl kollaborieren -, sein Name war seinerzeit Levi Schkolnik. Heute heißt er Levi Eschkol und ist israelischer Ministerpräsident. (Jetzt habe ich wohl wieder jüdische Persönlichkeiten "beleidigt".)

Wahre Zionisten leben, wie schon gesagt, in Israel und heißen Israelis; sie können nicht so verdorben sein wie jene Galuthzionisten, die das, was sie nun einmal nicht sind, mit der Vorsilbe "Hyper" sein möchten.

Schalom Asch wurde trotz seines Verhaltens im Jahre 1933 von dem israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion Mitte der fünfziger Jahre nach Israel eingeladen.

Trotz meines Ausschlusses aus der Münchener IKG erhielt ich von einem interessierten Verband aus Israel eine Anfrage, ob ich eine offizielle Einladung nach Israel annehmen und dort über "Sündenböcke" diskutieren würde. Ich erlaube mir zu bezweifeln, daß man jemals einen einzigen dieser 20 Herren, die mich der Beleidigung Israels anklagen, nach Israel einladen wird. Denn wie man anderswo über diese Patentzionisten denkt, beweisen ja die Sochnuthsche Verlautbarung und die Feststellungen kompetenter Männer.

Wie kam es zu meinem Ausschluß? Wer sind die Rädelsführer, welche die Verwaltung der IKG in München immer wieder aufstachelten, diesen Ausschluß zu vollziehen?

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Das Münchener jüdische Stürmer-Blättchen

In München erscheint in jiddischer Sprache und in jüdischem Druck eine Wochenzeitung, die sich Neue Jüdische Zeitung nennt. Nachdem alle anderen jüdischen Zeitungen der von mir zitierten Sochnuth-Aufforderung Folge geleistet und sich aufgelöst hatten, wurde diese Zeitung von cleveren Schreiberlingen und Geldwucherern gegründet und zu einem Hausorgan gemacht.

Diese Zeitung befaßt sich in nahezu jeder Nummer in gehässiger Weise mit den nationalen Strömungen der Bundesrepublik, sie schreibt also gegen die NPD, gegen die Deutsche Nationalzeitung, von ihr "Soldatenzeitung" genannt, und deren Herausgeber, Dr. Frey. Sie gebärdet sich so, als sei sie berechtigt, jene Deutschen abzukanzeln, welche die Ehrlichkeit und den Mut besitzen, sich dagegen zu wenden, daß die Bundesrepublik Deutschland ewig einer Kuh gleicht, die nur für fremde Interessen gemolken wird.

Obwohl eine maßgebende Stimme aus den USA sich gegen diese Herren erhob und sie als Müllabfall und Müllkiste des jüdischen Volkes attributierte, besitzen sie noch den traurigen Mut, jene US-Rabbiner und den integeren Juden Moshe Menuhin zu diffamieren, die Aufsätze in der ihnen verhaßten "neonazistischen und antisemitischen" Deutschen Nationalzeitung veröffentlichten. Da indessen die Münchener Giftspritzen nicht über den Ozean reichen, wandte man sich meiner Wenigkeit zu, da ich mich in der Deutschen Nationalzeitung ja auch von Zeit zu Zeit zu Worte gemeldet habe. Als ich einmal längere Zeit pausieren mußte, waren die Herren Schreiberlinge der Neuen Jüdischen Zeitung - künftig NJZ - förmlich unglücklich. Sie brachten in der Nummer 747 vom 8. Juli 1966 einen Aufsatz, zwischen dessen Zeilen man bei näherem Hinsehen lesen konnte: "Lieber Burg, schreib doch was, ansonsten droht uns Arbeitslosigkeit. Wir leben nur von Angriffen, und wenn du nichts schreibst, wen sollen wir angreifen?"

Und wie brodelte es erst im NJZ-Hexenkessel nach meinem Auftreten als Zeuge und Sachverständiger im Münsterer Kriegsverbrecherprozeß im März 1967! Die Herren sahen durch mein redliches Bemühen, nach bestem Wissen und Gewissen auszusagen und wenigstens einen Teil der durch Journaille oder gutgläubige Presseberichter entstandenen falschen Vorstellungen zu korrigieren, ihre Absichten durchkreuzt. Daß ich sowohl vor Gericht wie auch später in einem Aufsatz, den die Deutsche Wochenzeitung veröffentlichte, sogar Zi-

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tate aus der israelischen Presse brachte, die mir recht gaben, nahmen diese Hetzer und Saboteure der jüdisch-deutschen Versöhnung nicht zur Kenntnis. Da diese Schreiberlinge von Lug und Trug leben und, wie Gutinformierte behaupten, auch Unterstützung aus deutschen Steuergeldern erhalten, witterten sie Gefahr für ihre Existenz.

Trotzdem: Die Haßtiraden der Zwietracht-Apostel blieben nicht erfolglos. Als ich am 25. Juni 1967 den israelitischen Friedhof betrat, wurde ich auf dem Friedensgelände tätlich überfallen. Ich hatte es wohl geahnt, hatte den charakterlosen Herren dieser Zeitung eine goldene Brücke bauen wollen, indem ich sie zu einem Friedensgespräch einlud. Auffallend ist, daß die IKG in München kein Ehrengericht hat. Deshalb wandte ich mich an den mir persönlich nicht bekannten Gemeinderabbiner Grünewald mit der Bitte, er möge die Herren zu einem Friedensgericht auffordern. Ich verpflichtete mich schriftlich, mich seinem Urteilsspruch zu beugen. Die Herren lehnten ab. Kann man das anders als ehr- und charakterlos nennen? Dessen ungeachtet verlangten die NJZ-"Gewaltigen" immer wieder meinen Ausschluß aus der IKG. Da ein solcher Ausschluß angeblich nicht möglich war, forderten sie mich auf, selbst meinen Austritt zu erklären. Sie wandten sich sogar an den von ihnen als "bereits legendär" bezeichneten Simon Wiesenthal aus Wien um Hilfe. Sie konnten als Teilerfolg melden, daß mein Karteiblatt aus dem Archiv der IKG entfernt worden war. Zu einem endgültigen Ausschluß hatte sich der Vorstand noch immer nicht aufraffen können.

Am 9. Februar 1968 brachte das israelische Blatt Maariv eine längere Abhandlung über mein Buch "Sündenböcke" und mich. Der Aufsatz wurde von der Bonner Vertreterin des Maariv, der "edlen Dame" Deutschkron, verfaßt. Wie in allen unehrlichen und irreführenden Rezensionen wimmelt es auch im Deutschkron’schen Aufsatz von Entstellungen. Der Angriff schließt mit einem Satz, der fast als Aufforderung an die Zionisten in der Bundesrepublik verstanden werden kann, gegen "Sündenböcke" Klage zu erheben. Da besannen sich die 20 Herren der Münchener IKG nicht mehr lange. Denn aktive Zionisten in der Bundesrepublik können ja nur als Fünfte Kolonne betrachtet werden, und als solche sind sie eben Befehlsempfänger. Im Gegensatz zu der NJZ ist der Maariv "Autorität". Wie es heißt, wollen sich die genannten Vorstandsmitglieder mit ihren Düsseldorfer ideologischen Genossen beraten, um gemeinsam gerichtliche Schritte gegen "Sündenböcke" zu unternehmen. Ich bitte Jehova, daß die Herren sich’s nicht anders überlegen möchten, denn nur so wird ein für allemal gerichtlich festgestellt werden, wer hier im Trüben fischen will.

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Die Münchener NJZ hat sich zu einem Stürmer-Blättchen entwickelt.

Der Unterschied zwischen zionistischem Stürmer und dem von Julius Streicher besteht darin, daß Streicher mit seiner Zeitung seiner Partei, seinem Volk und seinem Staat zu dienen glaubte. Wem aber dienen die cleveren Münchener Geschäftsleute mit ihrem Hausorgan?

Das Dritte Reich distanzierte sich vom Nürnberger Stürmer nicht; vom Münchener hingegen, wie vorher bewiesen, wollen die Sochnuth-Leute und andere kompetente jüdische Persönlichkeiten nichts wissen. Die ideologisch-politischen Krämer des Münchener Blättchens haben die Verwaltung der IKG zu München so lange unter Druck gesetzt, bis die 20 Herren kapitulierten und mich ausschlossen. Jedoch werden sie sich auch bei den wirklichen Zionisten durch dieses Unrecht nicht mehr Achtung und Sympathie einhandeln. Sie bleiben eben weiterhin Juden zweiter Klasse. Sie leben hier in München, machen Geschäfte, und wenn sie anordnen sollten, nach ihrem Ableben ihre Leichen nach Israel zu überführen, werden sie wohl dasselbe Schicksal erleiden wie der zionistische Münchener Kaufmann S. P. Er starb im April 1965 in München. Im Leben war ihm München gut genug, aber die ewige Ruhe, die wollte er im Heiligen Land haben. Als seine Leiche nach dort überführt worden war, wurden Stimmen laut, ihm die traditionelle und zeremonielle Beerdigung zu verweigern. Höchstens dann sollte sie dem Toten gewährt werden, wenn seine Witwe eine größere Summe Geldes für Israel spenden würde. So behandelt man in Israel tote oder lebende Zionisten aus der Bundesrepublik.

Im April 1967 zählte man in den jüdischen Gemeinden der Bundesrepublik 26 143 eingetragene Mitglieder. Es heißt, daß noch einmal so viele Juden hier leben, die nicht eingetragen sind. Nun, diese Zahl wird sich um einen erhöhen. Die eingetragenen Juden sind alles andere als die Elite der in der Bundesrepublik lebenden Juden.

Am 7. März 1968 meldete dpa aus New York, es sei zu einem scharfen Dialog zwischen den Vertretern der USA und den Vertretern der UdSSR in der UNO-Menschenrechtskomission gekommen. Der amerikanische UNO-Botschafter Goldberg protestierte gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in der Sowjetunion und verlangte, daß den dort verurteilten Schriftstellern Gerechtigkeit widerfahre. Der zionfreundliche Herr Goldberg meinte, ein Gerichtsverfahren wegen "des Verbrechens, ein literarisches Werk verfaßt zu haben", sei "ein empörender Versuch, der Unterdrückung der menschlichen Freiheit den Anstrich der Legalität zu geben". So weit, so gut.

Die 20 Herren in München wahrten nicht einmal den äußeren Schein und verzichteten darauf, mir den "Prozeß" zu machen. Was würden

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diese prinzipienlosen Herren, hätten sie politische Macht, wohl mit einem Andersdenkenden anfangen? Würden sie ihn ganz einfach vierteilen lassen?

Warum wurde ich ausgeschlossen? Weil ich vielleicht ein Dokumentenfälscher bin? Ein illegaler Geldwucherer? Oder gar Besitzer eines Bordells? Es ist viel schlimmer: Ich wagte den zionistischen Propagandisten und deren Helfern zu widersprechen. Ich wagte, das Buch "Sündenböcke" zu veröffentlichen und darin zu beweisen, daß der verstorbene Papst Pius XII. weder Nazi noch Antisemit war. Ich wagte gar, zu beweisen, daß einige Zionisten mit Hitler-Organisationen kollaborierten, andere hingegen das Dritte Reich provozierten, das europäische Judentum im Stich ließen und so erst die Voraussetzung für ein Auschwitz schufen. Wie kann man auch derartiges in der freien Bundesrepublik Deutschland publizieren!

Ein Großteil der 20 Ausschließer sind bundesdeutsche Bürger und wollten der bundesdeutschen Verfassung untertan sein. Wenn man die Moskauer Prozesse bedauert, das Münchener Unrecht aber ignoriert, dann ist das Heuchelei.

Allein Herr Goldberg wird die Untaten seiner Gesinnungsgenossen in München, die dem Unrecht von Moskau analog sind, nicht zur Kenntnis nehmen. -

Der Vertreter der Sowjetunion, Nasinowski, wiederum erwiderte, ". . . auch in den USA würden abweichende Meinungen unterdrückt, und verwies auf die Anklage gegen den pazifistischen Kinderarzt Benjamin Spook". Überall macht man den Wahrheitsuchenden das Leben schwer.

In den verschiedenen Verlautbarungen, in denen der Vorstand der IKG meinen Ausschluß bekanntgab, ist auch zu lesen, daß bei den Ausschlußberatungen der Gemeinderabbiner zugegen war. Er ließ sich als Transparent des Vorstandes benützen, als Fassade für Lug und Trug. Damit hat der Herr Rabbiner sein Amt und seine Person in ein schiefes Licht gerückt. Er sang das Lied seiner Brotherren.

Unser berühmter Klassiker Schalom Alechem (eigentlich S. Rabbinowicz, 1859-1916), der selber im Besitz eines Rabbinertitels war, sagte einmal: "Wie der Gemeindevorstand, so der Rabbiner, wie der Rabbiner, so der Gemeindevorstand." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Einige dieser edlen Ritter gegen Licht und Wahrheit sind auch aktiv in der alljährlich wiederkehrenden Woche der Brüderlichkeit. Was sie unter Brüderlichkeit verstehen und wie sie diese Brüderlichkeit gehandhabt wissen wollen, haben sie durch ihre unedle Tat zur Genüge bewiesen.

Auch die demokratische freie Presse in der Bundesrepublik, welche die

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Ausschlußmeldung brachte, merkte gar nicht, daß hier etwas vielleicht noch Schlimmeres als der Moskauer Prozeß vor sich gegangen war.

Wer sich hier um Völkerversöhnung bemüht und wer sie sabotiert, wer für ehrliche und bedingungslose jüdisch-deutsche Versöhnung eintritt und wer alles tut, damit das deutsche Volk Sklave der zionistisch-israelischen Richtung ist und bleibt, das wird jedem objektiven Leser klar geworden sein. Es geht nämlich hier gar nicht um mich. Nicht mich wollte man treffen, als mein Name in der Kartei der Münchener IKG gelöscht wurde. Man will vielmehr das Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit unterbinden. Man will die Reihen jener lichten, die für eine Jüdisch-deutsche Versöhnung sich einsetzen.

Die 20 Herren der IKG, die hier leben, ihr Brot verdienen, Geschäfte machen, haben sich mit dem Beschluß ein Armutszeugnis ausgestellt. Sie haben außerdem damit bewiesen, daß sie nicht nur ideologisch, sondern auch territorial heimatlos sind. Sie gehören zu jenem Münchener Kreis, der sich bedingungslos mit den Israelis identifiziert. Das bedeutet praktisch: Wenn israelische Agenten fremde Wohnungen durchsuchen, so identifizieren sie sich mit diesen Agenten. Wenn Attentate gegen bundesdeutsche Politiker verübt werden und ein Polizist dabei ermordet wird, so erklären sie sich mit dem Täter identisch. Wenn ich solches nicht mitmache und für eindeutige Loyalität bin - denn zweifache Loyalität ist ärger als Heuchelei -, dann habe ich all das verbrochen, dessen das unterschriftslose "Dokument" mich anklagt.

Die meisten der 20 sind politische Analphabeten, einige wenige besitzen zwar akademische Titel, sind jedoch intellektuelle Eunuchen und haben "Sündenböcke" bestimmt nicht gelesen, stimmten aber lakaienmäßig, bedenkenlos für das Löschen meines Namens. Was wissen solche von Gewissen, die die Tätigkeit in der IKG nur als Sprungbrett für ihre privaten Interessen benützen. Gegen so manchen der wackeren Herren könnte ich mich "erkenntlich" zeigen, werde es aber lassen, da die "Auge-um-Auge"-Methode mir nicht eigen ist. Die geistig-seelisch armen Namenslöscher tun mir leid.

Matthias Claudius schreibt: "Es tut weh, wenn man beleidigt wird, und die Rache ist den Menschen süß. Das kommt mir auch so vor, und ich hätte wohl Lust dazu. Da tritt mir aber der Schalksknecht aus dem Evangelium unter die Augen und mir entfällt das Herz, und ich nehme es nur vor, daß ich meinem Mitknecht vergeben und ihm kein Wort von den hundert Groschen sagen will."

Als Trost bleibt, daß jene Nichtopportunisten, die sich unbeirrt der Wahrheit, dem Recht und der Gerechtigkeit verpflichtet fühlen und auch für die jüdisch-deutsche Versöhnung wirken, weder von einem

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Beschluß 20 unterschriftsloser Herren noch durch Schmäh- und Verleumdungskampagnen in der NJZ ihre Aktivität beeinträchtigen lassen werden. Die jüdisch-deutsche Versöhnung wird genauso wenig aufgehalten werden können wie eine ziehende Karawane durch bellende Hunde. Mögen sich die Saboteure der Völkerversöhnung noch so sehr bemühen.


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