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Von den insgesamt 226 Original-Aktenbänden der Wehrmacht-Untersuchungsstelle stehen heute im Freiburger Militärarchiv längst nicht mehr alle zur Verfügung. Zunächst als Beuteakten von den Amerikanern mitgenommen, sind sie 1968 nur unvollständig nach Freiburg zurückgekehrt. Neben dem Fehlen kompletter Akten fällt besonders schmerzhaft das Verschwinden der meisten Originalfotos in den Akten auf.

Insofern ist es ein zeitgeschichtlicher Glücksfall, daß die Wehrmacht-Untersuchungsstelle selber eine jahrgangsweise Auswertung ihrer Untersuchungsergebnisse vornahm und für die Jahre 1941/42 jeweils einen Textband mit der Zusammenfassung von Einzeluntersuchungsergebnissen anfertigte, sowie je zwei Dokumentenbände mit Zeugenvernehmungen, Gutachten u. v. a. Die hektografierten Textbände enthalten Abzüge der Originalfotos auf Fotopapier, so daß diese unwiederbringlichen Dokumente für die Nachwelt gerettet sind. Das Buch "Verbrechen an der Wehrmacht" greift auf diese Jahrgangs-Auswertungen der Wehrmacht-Untersuchungsstelle zurück. Sachverhaltsschilderungen der Textbände und Vernehmungsprotokolle sowie Gutachten der Dokumentenbände wurden mit den Original-Aktenbänden hinsichtlich ihrer Authentizität abgeglichen.

In den Jahrgangsbänden der Wehrmacht-Untersuchungsstelle wurde nicht eindeutig chronologisch vorgegangen. Das liegt u. a. daran, daß manche Verbrechen aus dem Jahr 1941 erst 1942 aufgeklärt bzw. die Akten abgeschlossen wurden. Es hat sich für die Übersichtlichkeit dieses Buches deshalb als sinnvoll erwiesen, die Aufteilung in zwei Jahrgangsbände aufzugeben und die Fälle thematisch gegliedert in nur einem Band vorzulegen. Die Originaleinleitungstexte der Jahrgangsbände werden zu Beginn des Dokumentarteils hintereinander wiedergegeben, weil sie wesentliche Aspekte des Untersuchungsgegenstandes noch einmal herausarbeiten und mit Dokumenten belegen, die bei der Wiedergabe nicht fehlen sollten. Aus Gründen der Pietät wurden die Namen von Opfern stets abgekürzt. Die Vollnamen sind in den Freiburger Akten einsehbar. Die Namen von Richtern, Zeugen, Gutachtern etc. werden dagegen voll ausgeschrieben wiedergegeben.

Können echte Bilder jugendgefährdend sein? Wir meinen Ja. Viele der Bilder, die die Wehrmacht-Untersuchungsstelle als Beweismittel für gegen deutsche Soldaten begangene Grausamkeiten archiviert hat, sind so entsetzlich, daß selbst einem hartgesottenen Erwachsenen bisweilen der Magen rebelliert. Wir haben uns daher entschlossen, den dokumentarischen Teil dieses Buches nicht im Internet zu veröffentlichen.

Wer sich par tout den Appetit verderben will, dem ist frei gestellt, das hier vorgestellte Buch von Prof. Dr. Seidler zu erwerben: Pour le Mérite - Verlag für Wehrwissenschaften, Postfach 52, D-24236 Selent.


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