Rudolf Gutachten: »psychopathologisch und gefährlich«
Über die Psychopathologie einer Erklärung
Von La Vielle Taupe/Pierre Guillaume
La Recherche, Nr. 300, Juli/August 1997
Die Mitglieder der Sektion Chemie der Akademie der Wissenschaften haben
vor einigen Wochen ein Dokument des Titels "Rudolf
Gutachten" erhalten, das von einem Schreiben begleitet wurde, dessen Anonymität
wegen der laufenden "Hexenjagd" gegen die revisionistischen Historiker erklärt
wurde.
Einige Tage danach teilte uns Le Monde mit, daß die Verbreitung und der Verkauf dieses
Dokuments in Frankreich verboten ist.
Dieses Werk vermengt wissenschaftliche Tatsachen, die mit dem Thema in keinem Zusammenhang
stehen, zu einem krankhaften Fieberwahn, der vorgibt zu beweisen, daß die Gaskammern von
Auschwitz nur zur Vernichtung von Läusen, die in den Kleidern der aus Mitteleuropa
Deportierten eingeschleppt wurden, hätten verwendet werden können.
Wir hätten diesem Dokument keine große Aufmerksamkeit gewidmet, wenn darin nicht
ausgeführt würde, daß das Gutachten an alle Professoren der anorganischen Chemie an
deutschen Universitäten versandt worden sei, ohne daß "eine einzige
Beanstandung" erfolgt sei. Unser Schweigen hätte daher sicherlich als ein
Einverständnis interpretiert werden können. Wir legen daher Wert darauf festzustellen,
daß dieses Werk ein bemerkenswertes Beispiel der Perversion der Wissenschaft ist: es ist
ausschließlich auf der Ebene der Psychopathologie interessant, aber es ist
selbstverständlich sehr gefährlich wegen des seriösen Aussehens das daraus resultiert.
Die Mitglieder der Sektion Chemie der Akademie der Wissenschaften«
Dieser oben wiedergegebene Text ist erstaunlich. Es handelt sich dabei um eine kollektive
Erklärung der Mitglieder, also aller Mitglieder, der Sektion Chemie der
französischen Akademie der Wissenschaften, die somit übereingekommen sein müssen, sich
kollektiv mit einem gemeinsamen Text zu engagieren. Um einen derartigen Schritt
einzuleiten, bedarf es einer ernsten Angelegenheit, und um eine derartige Einstimmigkeit
an den Tag zu legen, muß die vertretene Meinung Selbstverständliches hervorheben, wobei
es aber trotzdem notwendig sein muß, diese Selbstverständlichkeiten in Erinnerung zu
rufen.
Demnach wird diesen Selbstverständlichkeiten von anderen widersprochen. Und dies ist der
Grund, warum dieser erstaunliche Text in einer wissenschaftlichen Zeitschrift erschien,
wodurch ihm Autorität verliehen wurde.
Da haben wir es. Durch die Veröffentlichung dieses einmütigen Textes will man offenbar
die Autorität dieses beeindruckenden Blattes in Anspruch nehmen. Man wundert sich,
welcher Anlaß so wichtig sein kann, daß er eine kollektive Initiative der Akademiker
rechtfertigt, der aber zugleich dermaßen überstürzt erfolgt. Was ist das für ein Text,
der solche Einstimmigkeit hervorruft.
Handelt es sich dabei um spontane Einstimmigkeit, oder um stillschweigende Einstimmigkeit
unter dem Druck erregter Zeloten, die bereit sind, jeden zu denunzieren, der einen Mangel
an Standhaftigkeit zeigt?
Die Antwort auf diese Frage kann wichtig sein. Der Vorfall ist da. Die Sektion Chemie der
Akademie der Wissenschaften und jedes ihrer Mitglieder setzen ihre Autorität ein
Aber die Wissenschaft kennt kein Argument der Autorität, sie darf es nicht kennen!
Tatsächliche hat die Ansicht und Meinung der Sektion Chemie der Akademie der
Wissenschaften nicht das Geringste mit Chemie, noch mit Wissenschaft überhaupt zu tun. In
der Erklärung heißt es:
»Wir legen daher Wert darauf festzustellen, daß dieses Werk ein bemerkenswertes Beispiel der Perversion der Wissenschaft ist: es ist ausschließlich auf der Ebene der Psychopathologie interessant, [ ]«
Die Mitglieder der Sektion Chemie setzen in dieser Erklärung ihre
kollektive Autorität ein, indem sie vom Leser ohne Beweisführung verlangen, daß ihren
Worten geglaubt wird, und genau das ist das Gegenteil einer wissenschaftlichen Erwiderung,
da sie die Beweisführung mit Argumenten durch die pure Autorität ersetzt.
Wie groß und berechtigt die Autorität eines Wissenschaftlers auch sein mag, er verliert
sie in dem Augenblick, wo er zur Stützung seines Urteils auf seine Autorität
zurückgreift, anstatt auf eine Beweisführung.
Aber handelt es sich überhaupt um ein Urteil? Oder ist es lediglich die Ausweitung eines
Bannspruches religiöser Natur? Immerhin sei das Rudolf
Gutachten ein bemerkenswertes Beispiel der Perversion der Wissenschaft. Nun denn!
Die Perversion der Wissenschaft ist eine gravierende Bedrohung, die das Eingreifen der
Akademie der Wissenschaften rechtfertigt. Die Enthüllung und wissenschaftliche
"Demontage" eines solch besonders bemerkenswerten Beispieles einer Perversion
würde die Akademie ehren und ihre Autorität und ihre Ausstrahlung in die Welt stärken.
Aber anstatt uns die Fehler, Unmöglichkeit und perversen Methoden, die man im Rudolf Gutachten entdeckt hat, zu zeigen, ja
vorzuführen, sie vor der erstaunten Öffentlichkeit und vor allem der wissenschaftlichen
Gemeinschaft bloßzulegen, beschränken sich die Akademiker darauf, zu erklären
Dieses Gutachten, daß lediglich auf der Ebene der Psychopathologie interessant
ist, ist »selbstverständlich sehr gefährlich wegen des seriösen Aussehens, das
daraus resultiert.«
Wie bizarr!
Ein Gutachten, das zur Stützung einer These vorgelegt wurde und das eine gefestigte
Psychopathologie enthüllt, würde wahrscheinlich dazu beitragen, jene These endgültig in
den Ruin zu führen. Wie kann dann das Rudolf
Gutachten gefährlich sein?
- Weil es der These, die es verteidigt, ein seriöses Aussehen gibt.
Hat dieses Gutachten daher ein seriöses Aussehen?
Wie seltsam dies ist! Man versucht uns weiszumachen:
»Dieses Werk vermengt wissenschaftliche Tatsachen, die mit dem Thema in keinem Zusammenhang stehen, zu einem krankhaften Fieberwahn, der vorgibt zu beweisen [ ]«
Wenn dies der Fall wäre, würde das Gutachten niemanden im
wissenschaftlichen Betrieb täuschen können, der die Psychopathologie erkennen kann, und
seine Verbreitung im Bereich der wissenschaftlichen Öffentlichkeit könnte nur dazu
beitragen, jene von der Sinnlosigkeit revisionistischer Argumente zu überzeugen, die
verleitet gewesen sein mögen, sich Fragen zu stellen.
Ein kollektives Vorgehen der Akademie, das sich anhört wie eine Warnung, erscheint
übertrieben. Wenn die im Gutachten wiedergegebenen wissenschaftlichen Tatsachen
ohne Zusammenhang mit dem Thema sind, und wenn das Thema genauso definiert ist, wie es die
Mitglieder der Sektion Chemie tun, ist nicht einzusehen, wie daraus ein seriöses Aussehen
resultieren kann. Falls aber das Gutachten unseriös ist und dennoch seriös zu
sein scheint, wäre jede merkliche Maßnahme, die diesen Anschein aufhebt,
erwünscht.
Wenn also der Schein nicht mit dem Sein übereinstimmt, kann die einzig angebrachte und
wirksame Maßnahme nur im Beweis liegen. Eine simple verbannende Erklärung,
die an die Autorität appelliert, stellt die schlimmste aller möglichen raschen
Erwiderungen dar. Wo der Anschein bestimmte Leute täuschen kann, ist es wichtig,
Maßnahmen zu ergreifen, die den Anschein bloß legen, indem die Fehler deutlich
aufgezeigt werden. Bleibt dergleichen aus, kann das Schweigen zu diesem Punkt »sicherlich
[
] interpretiert werden«, denn dieser Text der Akademiker sagt viel aus
oder
nicht genug.
Zudem erfährt man beiläufig, daß dieses Gutachten allen deutschen Professoren für
anorganische Chemie zugesandt wurde, »ohne daß "eine einzige Beanstandung"
erfolgt sei.« Das ist genau das, was diesen kollektiven Liebesbrief der Akademiker
veranlaßt haben wird. Sie wollen nicht, daß gesagt werden könne, das Rudolf Gutachten sei an alle Mitglieder usw.
verschickt worden, »ohne daß "eine einzige Beanstandung" erfolgt sei«.
Aber nun sind die entsetzlichen Revisionisten im Recht zu sagen, das Rudolf Gutachten habe völlige Ablehnung und
eine Reaktion des beleidigten Adels hervorgerufen, aber nicht eine einzige auch nur
minimal begründete Beanstandung.
Die Antwort darauf ist offensichtlich, und das ist womöglich die Nachricht, die die
Autoren tatsächlich mitteilen wollten: Das Gutachten ist es noch nicht einmal
wert, daß man es der geringsten begründeten Kritik unterzieht.
- Aber warum ist es dann »selbstverständlich sehr gefährlich«?
Wenn es gefährlich ist, verlangt es vordringlich nach einer fundierten Kritik, die
zugleich sehr einfach zu erstellen sein sollte, da das Gutachten gröbste Fehler enthalten
soll. Sie wäre auch überaus notwendig, da seine Fehler angeblich nur schwer zu erkennen
sind.
Ist nun die Widerlegung des Rudolf Gutachtens
schwierig oder einfach?
Je nachdem,
Aber die Geschichte, die man uns hier anbietet, hat weder Hand noch Fuß und eröffnet nur
eine neue Unmöglichkeit. Wer sind diese entsetzlichen Revisionisten, die unter größtem
Aufwand und größter Plackerei den kompetentesten Persönlichkeiten Frankreichs ein
derart schlecht abgefaßtes und mit nicht zum Thema gehörenden wissenschaftlichen Fakten
versehenes Gutachten zuschickten, um damit ihre Betrügereien offenzulegen? Und all
das nur, um sich auf ein Schweigen berufen zu können
!!!
Offenbar ist dies eine komplizierte Strategie, die zudem unmittelbar dadurch zerschlagen
werden kann, indem man das Schweigen unterbricht - so einfach ist das.
Es sei denn, die Mitglieder der Sektion Chemie der Akademie der Wissenschaften erwiesen
sich als unfähig, Das Rudolf Gutachten. Gutachten
über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den Gaskammern
von Auschwitz zu widerlegen oder aber sie haben unvorsichtigerweise ihre
Unterschrift beigesteuert, ohne den Untersuchungsgegenstand wirklich erfaßt zu haben.
Auf jeden Fall setzen sie sich dem entsprechenden Verdacht aus.
Aber glücklicherweise wurden wir ja von Le Monde aufgeklärt, daß der Vertrieb
und der Verkauf dieses Gutachtens in Frankreich verboten wurde.
Es gibt also kein Problem mehr!
Schlaft
schlaft, ihr Kleinen
schlaft!
Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen!
Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(4) (1997), S. 224f.
Zurück zum Inhaltsverzeichnis