Der Vatikan und der »Holocaust«

Anfang dieses Jahres sorgte ein Papier des Vatikan für Furore, stimmte die katholische Kirche darin doch in die immer lauter werdenden politisch korrekten Choräle über die niemals zu vergessenden Leiden der durch das Dritte Reich verfolgten und vernichteten Juden ein. Freilich waren nicht alle mit dem Inhalt dieses insbesondere von jüdischer Seite immer wieder eingeforderte Papiers zufrieden, da die katholische Kirche darin nicht offen eingesteht, an der Verfolgung der Juden mit schuldig gewesen zu sein. Auch das Lesen zwischen den Zeilen mag manchen überrascht haben, wird in dem Papier doch weder von einer gezielten Vernichtung der Juden gesprochen, noch eine konkrete Opferzahl oder auch nur eine Mordmethode erwähnt.

Nachfolgend geben wir zwei Stellungnahmen bekannter revisionistischer Forscher wieder, die ein wenig Licht auf die Frage werfen können, warum der Vatikan erst so spät mit derartigen Stellungnahmen an die Öffentlichkeit trat. Bis zu seinem Tode im Jahr 1997 spielte der US-Historiker Robert Graham ein wichtige Rolle bezüglich der Erforschung der Archive des Vatikan. Er galt quasi als eine Art »Hofhistoriker«. Die nachfolgenden Beiträge zeigen, daß der Vatikan die Wahrheit über den »Holocaust« anhand der eigenen Unterlagen sehr wohl einzuschätzen wußte. Es ist unwahrscheinlich, daß sich dies nach Grahams Tod vollständig geändert hat, jedoch scheint sich nun eine geschmeidigere, "taktischer", d.h. weniger der Wahrheit verpflichtete Linie im Vatikan durchzusetzen.


Vatikan-Historiker wies Vorwürfe der »Komplizenschaft« zurück

Von Mark Weber[1]

Eine der hartnäckigsten und bösartigsten Beschuldigungen, die in den letzten Jahrzehnten gegen die Römisch-Katholische Kirche erhoben wurde, ist der Vorwurf, Papst Pius XII. und der Vatikan hätten die Ermordung von Millionen von Juden während des Zweiten Weltkrieges geduldet, da sie die Morde nie verurteilt hätten.[2]

Einen großen Beitrag zu dieser Kampagne leistete das Theaterstück »Der Stellvertreter«, das nach seiner Premiere im Jahr 1963 für weltweite Diskussionen sorgte. Dieses polemische Stück des deutschen Autors Rolf Hochhuth basiert zum großen Teil auf den »Geständnissen« des Kurt Gerstein.[3]

Es stimmt tatsächlich, daß Papst Pius während des Zweiten Weltkrieges niemals Öffentlich die Ermordung von Juden explizit verurteilte - eine Tatsache, die von den Kritikern der Kirche häufig angeführt wird, um den Vatikan der schwerwiegenden Schuld wegen passiver Komplizenschaft am »Holocaust« anzuklagen.

Aber eine vernünftigere Erklärung für dieses »Schweigen« ist die Tatsache, daß die Verantwortlichen im Vatikan trotz der umfassenden Informationen, die sie während des Krieges durch ihr hervorragendes Nachrichten-Netzwerk erhielten, nicht in der Lage waren, die Gerüchte zu bestätigen, die über deutsche Politik bzw. die deutschen Pläne zur Ausrottung der europäischen Juden im Umlauf waren, wie Dr. Arthur. Butz erläutert hat. Folglich teilte Papst Pius XII Ende 1942 einem US-Beamten in privatem Gespräch mit, daß er bezüglich der Berichte über die Vernichtung »der Ansicht sei, daß es da einige Übertreibungen zum Zwecke der Propaganda gebe«.[4]

Wie Dr. Butz ferner hervorgehoben hat, verhielten sich weder die Alliierten Regierungen, noch das Internationale Rote Kreuz, noch die größeren internationalen jüdischen Organisationen derart, als ob sie den Kriegsgeschichten von der Massenvernichtung der Juden ernsthaft Glauben schenkten.[5]

In den letzten Jahrzehnten war der in den USA geborene Historiker Robert A. Graham die wichtigste Stimme des Vatikan zur Widerlegung der Vorwürfe der »Komplizenschaft«. Graham galt als die Autorität bezüglich der Rolle des Papsttums im Zweiten Weltkrieg. Er beschrieb einmal die »Komplizenschaft«-Vorwürfe als eine »Obszönität«.

ROBERT A. GRAHAM, S.J.
 VIA DI PORTA PINCIANA,     VILLA MALTA...............
  00187 ROME - (ITALY)      Fax (06) 699.40.997

Herrn Mark Weber
Institute for Historical Review
P.O. Box 2739
Newport Beach, CA 92659
U.S.A.

Werter Herr Weber,

Erst heute erhielt ich Ihren Brief vom 20. August; er kam, wie ausgewiesen, per Seepost. Das braucht Zeit; es gibt keine schnellen Transatlantik-Schiffe mehr.

Ich danke Ihnen für Ihre Beilagen. Ich danke Ihnen ebenfalls für Ihr Interesse an meinen eigenen Schriften. Ich möchte immer mehr über die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges wissen. Aber es wimmelt von Übertreibungen. Manche Leute machen ungeheuerliche Aussagen, und in vielen Fällen scheinen sie damit durchzukommen. Deshalb bin ich froh darüber, eine Vielzahl von Ansichten kennenzulernen. Ich möchte mir meine eigene Meinung bilden. Muß ich erwähnen, daß Sie und Ihre Mitarbeiter sich einen steinigen Weg ausgesucht haben, wofür Ihnen Dank gebührt?

Herr Butz hat mich vor einigen Jahren in Rom besucht. Kommen Sie jemals nach Rom?

  Herzlichst Ihr,

(Gez. Robert A. Graham)

Der aus San Francisco stammende Graham, Jahrgang 1912, war Sohn eines Baseball-Trainers. Nach seiner Weihe zum Jesuiten-Priester im Jahr 1941 studierte er an verschiedenen Jesuiten-Hochschulen und erwarb 1952 die Doktorwürde in politischer Wissenschaft an der Universität von Genf. Danach ging er zur Jesuiten-Zeitschrift America in New York. Als späterer Mitherausgeber dieser Zeitschrift widmete er sich den Jahrzehnte anhaltenden Forschungen auf sozialem, historischem und diplomatischem Gebiet.

Als Reaktion auf die Anfang der 60er Jahre aufkommende internationale Empörung über die Rolle des Vatikans während des Krieges ordnete Papst Paul IV. die Öffnung der geheimen Akten der Kriegszeit an und beauftragte Graham und drei weitere Gelehrte mit der großen Aufgabe, die Masse dieses Materials zu sichten, zu strukturieren und zu veröffentlichen.

Während der nächsten 17 Jahre veröffentlichten Graham und seine Mitarbeiter eine Serie von elf umfassenden Bänden mit Dokumenten und beigeordneten Kommentaren unter dem Titel Actes et documents du Saint Siège relatifs à la seconde guerre mondiale. Diese detaillierten Akten zeigen schlüssig, daß Papst Pius XII. einer großen Zahl verfolgter Juden während der Kriegsjahre aktiv half und daß der Vatikan ein wichtiger Zufluchtsort und Ort der Unterstützung für die Juden des Kontinents war.

Nach Abschluß dieses Projektes im Jahr 1981 führte Graham seine Archivstudien mit Forschungspublikationen bis in die letzten Monate seines Lebens fort.

24 Jahre lang leistete er regelmäßig Beiträge zu der Zeitschrift Columbia, der Zeitschrift der US-amerikanischen katholischen Bruderschaft Ritter des Columbus Knights of Columbus«).

Zusätzlich zu der oben genannten Serie des Vatikans verfaßte Graham weitere Bücher, die auf seinen umfassenden Forschungen in den Archiven des Vatikan und in anderen Archiven basieren, darunter Vatican Diplomacy (1959), Pius XII's defense of Jews and others, (1982) und The Vatican and Communism During World War II (1996). Während dieser Jahre veröffentlichte er zudem viele seiner Ergebnisse in einer Vielzahl von Artikeln, die in der in Rom herausgegebenen wissenschaftlichen Zeitschrift La Cività Cattolica erschienen.

Grahams Unerschrockenheit und geistige Offenheit spiegelt sich ebenso in seinen Beziehungen zu revisionistischen Forschern wieder, verdeutlicht durch zwei hier publizierte Briefe.[6]


Anmerkungen

[1]Original-Beitrag: M. Weber, »American-Born Vatican Historian Refuted "Holocaust Complicity" Charges«, The Journal of Historical Review, vol 17, no. 2, March/April 1998, S. 26.
[2]Vgl. Mary Ball Martinez, »Pope Pius XII During the Second World War«, The Journal of Historical Review, vol. 13, no. 5, September/October 1993.
[3]Vgl. Henri Roques, Die Geständnisse des Kurt Gerstein, Druffel, Leoni 1986.
[4]Martin Gilbert, Auschwitz and the Allies, Holt, Rinehart & Winston, New York 1981, S. 104f.; dt.: Auschwitz und die Alliierten, Beck, München 1982.
[5]Vgl. A.R. Butz' Artikel »Context and Perspective in the "Holocaust" Controversy«, Anhang B in ders., Der Jahrhundertbetrug, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichte, Vlotho 1976.
[6]Hier in deutscher Übersetzung. Faksimile der Originalbriefe: The Journal of Historical Review, vol 17, no. 2, March/April 1998, S. 25.

 


 

Robert Graham und der Revisionismus

Von Prof. Dr. Arthur R. Butz

Als ich das Buch Der Jahrhundertbetrug schrieb, stieß ich auf eine außerordentliche Quelle, nämlich die 12-bändige Sammlung von Dokumenten und Kommentaren Actes et documents du Saint Siège relatifs à la seconde guerre mondiale (Akten und Dokumente des Heiligen Stuhles bezüglich des Zweiten Weltkrieges). Diese Serien, dessen Hauptherausgeber Robert A. Graham war, wurden damals immer noch vom Vatikan vertrieben und weitere Bände waren in Vorbereitung.

Graham war der frühere Herausgeber der Jesuiten-Zeitschrift America. Die Behauptung von der »Ausrottung der Juden« wird in dieser Serie nicht in Frage gestellt, und es war allgemein klar, daß Grahams Hauptanliegen darin bestand, Papst Pius XII. gegen Vorwürfe zu verteidigen, er habe mit der NS-Politik der Vernichtung der Juden stillschweigend übereingestimmt oder diese sogar unterstützt. Derartige Vorwürfe wurden durch Rolf Hochhuth's Theaterstück »Der Stellvertreter« gefördert.

Ich denke, daß diese Dokumente des Vatikans eine wichtige Quelle darstellen. Ich habe einen ganzen Anhang meines Buches der Diskussion dieser Dokumente gewidmet.

Als ich die Bände dieser Serie durcharbeitete, fielen mir einige Bemerkungen des Herausgebers auf, so daß mir schien, daß der Herausgeber implizit einige fundamentale Fragen mit revisionistischer Neigung stellte, auch wenn er kein Revisionist in unserem Sinne ist. Ein gutes Beispiel dafür ist die Anführung ausgewählter Passagen aus einigen Berichten, die am 15. Juli 1943 dem Papst zugingen. Darin wird Auschwitz hauptsächlich als ein Arbeitslager dargestellt, und es ist die Rede von aus Frankreich deportierten Juden, die Briefe zurück an ihre Familien senden.[1]

Die Eindrücke waren so stark, daß ich glaubte, mit Graham direkt Kontakt aufnehmen zu müssen. Anfang 1977 schrieb ich ihm daher nach Rom, womit eine sehr lange und zufriedenstellende Korrespondenz begann, auch wenn er meiner Bitte um Kopien von Dokumenten aus Gründen, für die er nicht verantwortlich war, nicht entsprechen konnte.[2]

Im Sommer 1977 war ich in Rom und besuchte Graham. Unsere Unterhaltung bestätigte, was ich in Actes et documents zwischen den Zeilen gelesen hatte. Der Herausgeber war von den Beweisen, die er untersucht hatte, irritiert, da vieles davon unvereinbar war mit der "Vernichtungs"-Legende. Er zeigte mir einen mir unbekannten Bericht, der 1943 von der »Polish Labor Group« veröffentlicht worden war, einer in New York ansässigen, aber mit dem polnischen Untergrund in Verbindung stehenden Gruppe. Der Titel des Berichts war passend: »Oswiecim - Camp of Death«. Der Bericht beschrieb die Wahrheit mit einigen Ausschmückungen, doch was Graham wichtig war, war der Umstand, daß darin von »Vernichtung« nicht die Rede war, so daß der Bericht mit der Legende nicht in Deckung zu bringen war. Er lieh mir den Bericht aus, um davon Kopien zu machen.

ROBERT A. GRAHAM, S.J.

VIA DI PORTA PINCIANA,     VILLA MALTA, 24 Januar 1983

  00187 ROME - (ITALY)

Werter Herr Butz,

  Ihre per Luftpost versandte Kopie Ihres Beitrages vom September 1982 erreichte mich heute. Ich beeile mich, Ihnen dafür zu danken, daß Sie an mich denken, wenn Sie sich zu Ihrem Thema äußern.

  Nach einem raschen Durchlesen erkenne ich, daß ich noch mehr über den Wert Ihres Ansatz nachdenken muß. Ich habe diesbezüglich niemals an eine Analogie zur Konstantinischen Schenkung gedacht!

  Ich habe Ihr Zitat von Laqueur über den Vatikan bemerkt. Er war anscheinend über uns verärgert, weil wir ihm sagten, wir hätten in Sachen 1942 alles veröffentlicht, was wir haben. Was bringt ihn dazu anzunehmen, daß es da im Gegenteil noch viel mehr gibt? Er bleibt da eine Antwort schuldig.

  Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Neues Jahr und frische Entdeckungen und neue Einsichten in ein großes Drama!

  Herzlichst Ihr,

(Gez. Robert A. Graham)

Die Veröffentlichung des 10. Bandes von Actes et documents verzögert sich, und ich schrieb Graham einige Male in meiner Ungeduld, es endlich zu lesen. Als der Band 1980 endlich veröffentlicht wurde, war Graham so aufmerksam, mich persönlich darauf aufmerksam zu machen. Ich erhielt ein Exemplar und fand darin Bezüge auf weitere interessante, aber gleichfalls unpublizierte Dokumente. Wieder schrieb ich Graham, und diesmal wurde meine Wünsche glücklicherweise erfüllt.[3]

Während der IHR-Konferenz im Jahre 1982 verglich ich die Holocaust-Legende mit der Konstantinischen Schenkung und sandte Graham eine Kopie dieses Beitrages. In diesem Vortrag merkte ich an, daß ich ebenso wie der Historiker Walter Laqueur davon ausginge, daß »die weitausgreifende Art der Aktivitäten der katholischen Kirche garantierten, daß der Vatikan wußte, was mit den Juden geschah.« Graham bedankte sich für die Übersendung dieses Beitrages mit einem sehr höflichen, respektvollen und ermutigenden Brief, in dem er sich - ohne Widerspruch zu erheben - auf die Anmerkung bezüglich des Vatikans bezog. Er beklagte sich lediglich darüber, daß Laqueur seine Gruppe grundlos verdächtigte, relevante Dokumente zu verheimlichen. Dieser Brief wird hier in deutscher Übersetzung wiedergegeben.[4] Ich war zu jeder Zeit gewiß, daß ein ehrlicher und ehrwürdiger Forscher die Veröffentlichungen der Dokumente des Vatikans redigiert.

Reverend Robert A. Graham, S.J., starb am 11. Februar 1997 im Alter von 84 Jahren in seinem Ruhesitz in Kalifornien.


Anmerkungen

[1]Actes et documents, vol. 9, pp. 42, 393. Die Fußnote auf S. 42 sollte auf »Nr. 264« verweisen, nicht auf 164. Mehr Beispiele sind im Anhang E meines Buches angeführt.
[2]Ich erbat Kopien von Dokumenten über Deportationen von Juden, die in Actes et documents zitiert, aber nicht reproduziert worden waren. Graham teilte mir mit, ich solle meine »Bitte durch Kanäle« leiten, d.h. über den Erzbischof Agostino Casaroli, den Sekretär des Rates für Öffentliche Angelegenheiten der Kirche. Ich tat dies, aber Casaroli antwortete mir, daß die entsprechenden Berichte von »jüdischen Organisationen in Frankreich erstellt« worden seien, so daß ich mich daher an diese wenden solle. Ich schrieb daher im Juli 1977 dem Centre de documentation juive contemporaine in Paris, konnte dort aber die Dokumente nicht finden.
[3]Das interessanteste Dokument war ein Brief von Alexandru Safran, Großrabbi von Rumänien, an Msgr. Andrea Cassulo, Päpstlicher Nuntius in Bukarest, vom 30.6.1944. Darin wird der Sorge Ausdruck gegeben, daß die Juden Ungarns »großen Entbehrungen und Leiden« ausgesetzt seien, und zwar zu einer Zeit, da uns die Legende weismachen will, die Juden seinen größtenteils bereits tot. Die Juden in Ungarn und Rumänien blieben in dieser Zeit in engem Kontakt zueinander.
[4]Faksimile des Originalbriefes: The Journal of Historical Review, vol 17, no. 2, March/April 1998, S. 25.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(3) (1998), S. 184ff.
Zurück zum Inhaltsverzeichnis