Augenzeuge oder Romanheld?

Die Serie der Enthüllungen gefälschter Augenzeugenberichte zum Holocaust will offenbar nicht abreißen. In der Ausgabe vom 24. Juli 1998 meldete die US-Zeitung Forward einen neuen Fall einer zumindest möglichen Fälschung. Held in der neuen Tragikomödie ist Salomón Isacovici, ein rumänischer Jude, der sich nach Kriegsende in Ekuador niederließ. Der Bericht über sein angebliches Kriegsschicksal in Europa unter deutscher Herrschaft wurde 1990 in Mexiko in dem Buch Mann in Asche veröffentlicht. Darin wird Isacovicis Lebensweg geschildert, jedoch besteht das Kern des Buches aus den üblichen, bekannten Kolportagen über die Lager Auschwitz, Groß-Rosen, Javorsno usw., in denen Isacovici einsaß bzw. eingesessen haben will. Was dieses Buch von den anderen abhebt ist weniger der Inhalt, als die Tatsache, daß es von einem in Lateinamerika ansässigen Juden verfaßt wurde, was bisher kaum je geschah. Das Buch sollte neulich auch in Englisch durch die Universität von Nebraska veröffentlicht werden, doch daraus wird vorerst nichts werden, denn inzwischen, da es nun um das große Geld geht, gibt es einen handfesten Streit um das Copyright.

Ausgelöst wurde dieser Streit von einem Jesuitenpriester des Namens Juan Manuel Rodríguez, der von Isacovici als Koautor gewonnen worden war. Dieser behauptet nun, bei dieser Geschichte handele es sich nicht um die Autobiographie Isacovicis, sondern um einen Roman, den er auf Grundlage der von Isacovici berichteten Ereignisse ganz alleine verfaßt habe. Inzwischen hat Rodriguez per Anwalt mitteilen lassen, daß die Veröffentlichung seines Buches durch die Uni Nebraska einen Bruch des Copyrights darstellen würde, gegen den er vorzugehen gedenke.

Isacovici selbst kann dazu nicht mehr befragt werden,. da er 1995 verstarb. In einem Schreiben kurz vor seinem Tod hat er allerdings behauptet, er sei der legitime Autor dieses Buches, und Rodriguez habe ihm lediglich bei Aufbau und schriftstellerischen Fragen geholfen.

Forward, 24. Juli 1998, S. 1

Rodriguez behauptet, Isacovici habe erst 40 Seiten seines Buches fertiggestellt gehabt, als er zu dem Projekt gestoßen sei. Isacovici habe ihn beauftragt, seine Niederschrift in gutes Spanisch zu bringen, was er aber ablehnte, da er kein Lektor sei. Er habe sich daraufhin die ersten Seiten ausgeliehen und noch in der gleichen Nacht das erste vollständige Kapitel daraus hergestellt. Als er Isacovici das Ergebnis zeigte, sei dieser mit der Vorgehensweise einverstanden gewesen. Dergestalt sei das Buch auf Grundlage von Isacovicis Manuskripten und mündlichen Berichten vollständig von Rodriguez verfaßt worden, einschließlich des Titels. Rodriguez führte wörtlich aus:

»Ich habe meine Erinnerungen an die iberische Landschaft als Inspiration benutzt. [...] Als ich Salomón das Ergebnis zeigte, war er begeistert darüber, wieviel ich über seine Vergangenheit wußte. Dies ging so weit, daß ich Passagen und Details erfand und er anschließend glaubte, er hätte dies wirklich erlebt. Für ihn ist das Buch eine Autobiographie. Für mich ist es ein reizender Roman.«

Rodriguez bezeichnet dieses Buch immer wieder als Roman, auch wenn diese Bezeichnung im Buch selbst nicht zu finden ist. Dort wird ausgeführt, es handele sich um ein schreckliches und wahrhaftes Zeugnis über das NS-Konzentrationslager. Nach diesen Ausführungen Rodriguez' wurde inzwischen auch die spanische Fassung des Buches vom Markt genommen.

Isacovicis Familie freilich ist erbost über die Behauptungen Rodriguez'. Da der US-Verlag von Isacovicis Familie eine Sicherheitskaution von $25.000 für die Auseinandersetzung mit Rodriguez verlangt, die diese arme equadorianische Familie nicht aufbringen kann, fühlt sie sich nun durch Rodriguez zensiert.

KOMMENTAR: Welch' schöneren Beweis kann es für die Tatsache geben, daß sich "Holocaust-Überlebende" alle möglichen Ereignisse als selbsterlebt einreden lassen, wenn sie nur aus einer vertrauenswürdigen Quelle stammen, die den üblichen ausgetretenen Pfaden folgt?

Bill Grimstad


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(2) (1999), S. 218f.


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