Der Erste Holocaust anno 1914-1927

Von Don Heddesheimer

Der Sturz der russischen Monarchie im Jahr 1917 führte bekanntlich zur Errichtung der bolschewistischen Schreckensherrschaft. Allgemein anerkannt ist heute zudem der ungeheuer große Anteil, den russische Juden bei der Durchsetzung dieser Schreckensherrschaft insbesondere im ersten Jahrzehnt dieses Terrorregimes hatten. Nicht nur, aber insbesondere die Völker der Sowjetunion bekamen daher den Eindruck, daß die bolschewistische Schreckensherrschaft mit den Juden gleichzusetzen sei. Erstmals in der neuzeitlichen Geschichte Europas hatten sich Juden von ihrer bisherigen Außenseiterrolle zu absoluten Herrschern aufgeschwungen, waren sie nicht mehr Leidtragende, sondern Leidbringende der Politik. In Mittel- und Westeuropa verfolgte man die Massenmorde unter Lenins zumeist jüdischen Schergen mit Schrecken. Selbst jüdische Kreise empfanden nach teilweise anzutreffender anfänglicher Euphorie zunehmend Entsetzen über die dortigen Ausschreitungen. Um so erstaunlicher ist die Rezeption, die die Vorgänge in Osteuropa damals in den USA erfuhren, insbesondere in den dortigen jüdischen Kreisen. Anstatt gegen den jüdisch dominierten Terror aufzutreten, zeichnete man dort ein der Wirklichkeit völlig entrücktes Bild von bis zu sechs Millionen leidenden, unterdrückten, verfolgten und um ihr Leben ringenden Juden, zu deren lebensrettender Unterstützung man Millionen von Dollar sammeln müsse. Sogar die US-Regierung ließ sich von dieser Lügenpropaganda einspannen. Und tatsächlich wurden Millionen von Dollar für diese "wohltätigen" Zwecke gesammelt, allerdings verschwanden sie anschließend zum großen Teil in dunklen Kanälen. Angesichts der Tatsache, daß die russische Revolution offenbar von nicht wenigen jüdischen Persönlichkeiten und Institutionen aus den USA gefördert wurde, fragt man sich zwangsläufig, ob dieser Propagandavorhang, der damals in den USA aufgebaut wurde, nicht nur dazu diente, von den vorwiegend jüdischen Greuel in Rußland abzulenken, sondern auch, um diesen womöglich sogar noch zu unterstützen.

Die Geschichte des Todes von bis zu sechs Millionen europäischen Juden ist also nicht erst im Zweiten Weltkrieg entstanden, sondern bereits im Ersten Weltkrieg und während seiner Nachwehen. Das ganze Szenario wurde schon damals in weniger aufsehenerregender Weise durchgespielt. Diese Tatsache dürfte für die Bewertung der nach dem Zweiten Weltkrieg erneut in Schwung gekommenen Holocaust-Industrie bedeutsam sein.


Während eines Krieges herrscht natürlicherweise menschliche und materielle Zerstörung, doch es gibt ebenfalls den Krieg mit Worten - die Propaganda. Dieser Propagandakrieg ist der Kampf um die Herzen und Köpfe sowohl der Soldaten wie der Zivilisten, und er ist oft auf die Neutralen gezielt, die noch nicht in den Krieg einbezogen sind. Dieser Krieg der Worte liefert die moralische Grundlage für das unvermeidliche Massaker. Obwohl der Propagandakrieg mit seinen Schimpftiraden nicht so blutig ist wie der Schießkrieg, ist er oft genauso brutal. Er heizt langlebigen Haß und hartnäckige Vorurteile an, die den Schießkrieg überdauern. Er bildet den Rahmen für die Themen, die durch den gegenwärtigen Krieg entschieden werden sollen und sät oft die Saat für künftige Auseinandersetzungen.

Felix Warburg im Jahr 1920 auf seiner Privatjacht. 1919 wurde er Vorsitzender des Joint Distribution Committee for Jewish War Sufferers. Obwohl in erster Linie die christliche Bevölkerung Europas unter den Folgen des Ersten Weltkrieges zu leiden hatte - und zwar sowohl auf den Schlachtfeldern als auch unter den Zivilisten -, meinte Warburg: »Die Juden litten am meisten am Kriege«.

So fällt zum Beispiel selbst flüchtigen Betrachtern jener Epoche auf, daß britische Propagandisten im Ersten Weltkrieg Deutsche darstellten, die Säuglinge auf ihre Bajonette gespießt herumtrugen, ihnen die Hände abschnitten und Massenmorde begingen. Die deutsche Propaganda war genau so selbstgerecht wie die der Alliierten, allerdings weit weniger brutal. Bei einem großen Teil dieser Offensiven an der Heimatfront waren die Lügen um so besser, je maßloser sie waren.

Wie Rudyard Kipling, der berühmte britische Schriftsteller jener Epoche, es sagte:[1]

»Was wir in unsere dicken Köpfe hineinbringen müssen, ist die Tatsache, daß, wo auch immer der Deutsche, Mann oder Frau, eine geeignete Kultur zum Eindringen findet, er oder sie Tod oder Verlust zivilisierter Menschen bedeutet, genau wie die Vermehrung von Keimen jeglicher Krankheit Tod und Verlust für die Menschheit bedeuten. Von Haß ist da keine Rede, auch nicht von Wut oder Erregung, das ist nichts anderes, als wenn man Klärgruben ausspült oder Öl ins Wasser tut, um Moskitos an der Ablage ihrer Eier zu hindern. Was uns betrifft, ist der Deutsche anfällig für Typhus: Wenn man so sagen will - die Deutsche Pest. Doch bis wir im Frieden diese grundlegende Tatsache erkennen, werden wir immer für Ausbrüche einer Anti-Zivilisation haftbar sein.«

An Hysterie grenzende Propaganda ist nicht auf die verschiedenen Kriegführenden beschränkt gewesen. Während des Ersten Weltkriegs und noch viele Jahre danach haben zionistische und jüdische Führer große Geldsummen unter dem Vorwand flüssig gemacht, jüdischen Opfern des Krieges zu helfen. »The Price of Liberty« (Der Preis der Freiheit), ein Buch über die Geschichte des American Jewish Relief Committee (Amerikanisch-Jüdischer Hilfsausschuß), herausgegeben 1948, erwähnt einige der Spendenaktionen aus dem Ersten Weltkrieg und in späterer Zeit. Das folgende Zitat bezüglich dieses schrecklichen Kampfes findet man im fünften Kapitel unter dem Titel »The Holocaust of War« (Der Holocaust des Krieges):[2]

»Als die Armeen in dem furchtbaren Konflikt über die Grenzen von Polen, Galizien und Ostpreußen vor- und zurückfluteten, stürzten Terror, Verzweiflung und Tod auf die Zivilbevölkerung insgesamt nieder, aber am allermeisten auf die sieben Millionen Juden. Die christlichen Polen, Ruthenen und Deutschen litten unter den unvermeidlichen Härten, die jeder Krieg mit sich bringt; doch den Juden, die von Russen und Polen bereits für vogelfrei erklärt waren, waren der konzentrierten Orgie des Hasses, des Blutdurstes und der Rachsucht ausgesetzt, die drohte, sie in einem großen Holocaust auszutilgen.«

Ein früheres Buch, Felix M. Warburg, a Biographical Sketch von Cyrus Adler, führt aus:[3]

»Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde offensichtlich, daß ein großer Teil des Krieges in einem Gebiet geführt werden würde, in dem sechs oder sieben Millionen Juden lebten, in Polen, Rußland, Galizien. Viele angesehene Leute gründeten Organisationen, um Gelder für die Leidenden in den Kriegsgebieten zu sammeln.«

1915 erklärte Louis Marshall für das American Jewish Relief Committee:[4]

»Es gibt heute in der Welt etwa 13 Millionen Juden, von denen mehr als 6 Millionen genau inmitten des Kriegsgebiets sind - Juden, deren Leben auf dem Spiel steht, und die jetzt jeder Art von Leiden und Leid ausgesetzt sind. [...] Wir hören von Pogromen in Rußland, in Galizien und bleiben dabei gleichgültig. In Palästina geht der Hunger um.«

In England berichteten jüdische Führer, einschließlich Leopold de Rothschild, daß 11/2 Millionen russische Juden am Verhungern seien. Oberrabbiner Chetz erklärte:[5]

»Fast ein Jahr lang hat in der allgemeinen Presse ein unheilvolles Schweigen geherrscht, nur gelegentlich unterbrochen durch eine höhnische Bemerkung gegen die Juden seitens der Prediger des Rassenhasses und der Verteidiger der Reaktion. [Die Juden...] standen einer Tragödie ohnegleichen in der Geschichte jüdischer Agonie gegenüber.«

Das Provisional Zionist Committee, dessen Vorsitzender Stephen S. Wise war, schrieb in einem Bericht unter dem Titel »Deutsche lassen Juden sterben, Frauen und Kinder in Warschau verhungern«:[6]

»Jüdische Mütter, barmherzige Mütter, schätzen sich glücklich, wenn ihr Säugling stirbt, weil dann sein Leiden ein Ende nimmt.«

1918 stand Louis Marshall an der Spitze einer patriotischen, nichtkonfessionellen Aktion zur Aufbringung von 15 Millionen Dollar für die Millionen hungernden Juden in den Kriegsgebieten. Die Aktion war nichtkonfessionell insofern, als sowohl Nichtjuden wie Juden um Beiträge angegangen wurden.[7] Das Ende des Ersten Weltkriegs schien die Intensität dieser Öffentlichkeitskampagnen zum Auftreiben von Geldern nur noch zu steigern.

1919 berichtete Felix M. Warburg, der Vorsitzender des Joint Distribution Committee of American Funds for Jewish War Sufferers (Gemeinsamer Verteilungsausschuß für amerikanische Gelder für jüdische Kriegsopfer) geworden war - (sein Sohn Erich M.M. Warburg war in ähnlicher Funktion im Zweiten Weltkrieg sehr aktiv), daß »Die Juden am schlimmsten unter dem Krieg gelitten haben«. Er sagte:[8]

»Die aufeinanderfolgenden Stöße kämpfender Armeen haben dem europäischen Judentum das Rückgrat zwar nicht gebrochen, aber etwa 6 Millionen Seelen in eine tragische, unglaubliche Armut versetzt, von der die Hälfte der jüdischen Bevölkerung der Erde betroffen ist. [...] Mehr als vier Jahre lang wurde der Krieg an der Ostfront weitgehend in den Zentren der jüdischen Bevölkerung geführt. [...] Nach der Katastrophe der letzten Jahre ist keineswegs zu erwarten, daß dieses Judentum innerhalb von 12 Monaten wieder selbst für sich sorgen kann.«

»Fünf Millionen stehen in Polen vor Hungersnot -Amerikanische Judenhilfe und Rote-Kreuz-Gesellschaften im Kampf gegen Krankheit und Hunger« war die Überschrift eines Artikels der in jüdischem Besitz befindlichen New York Times, der berichtete, daß weite Gebiete Europas, von denen man in den letzten fünf Jahren wenig gehört hatte, jetzt von den Vertretern des Jüdischen Hilfskomitees erforscht worden seien:[9]

»Der Krieg hat 5 Millionen verarmte und verzweifelte Juden in Osteuropa zurückgelassen [...] Ihre Zahl nimmt von Tag zu Tag durch eine Reihe der schrecklichsten Epidemien ab, die jemals in irgend einem Teil der Welt gewütet hat.«

In einem weiteren Bericht der New York Times berichtete der zum Tabakkönig gewordene Botschafter Henry Morgenthau Sr. (Vater von Henry Morgenthau Jr.) während einer »offiziellen Mission in Polen«, daß fünf bis zehn Millionen im kommenden Winter Hunger und Tod entgegensahen. Aber seine eigentliche Absicht war es nicht nur, von den »hungernden Millionen« zu sprechen, sondern mit beklemmender Genauigkeit zu schildern, wie 35 führende jüdische Einwohner an einer Kirchenmauer kaltblütig erschossen worden waren.[10] Morgenthau zufolge »fanden die Soldaten am nächsten Morgen, daß drei ihrer Opfer noch atmeten; diese erschossen sie, und alle 35 Leichen wurden dann auf einem alten jüdischen Friedhof in eine Grube geworfen.« Wie das in ähnlichen Greuelgeschichten der Fall zu sein pflegt, wird keiner der führenden Einwohner, die ermordet wurden, mit Namen genannt, die Kirche ist namenlos, der jüdische Friedhof anonym.

»Wegen dieses Krieges für die Demokratie verhungern sechs Millionen jüdische Männer und Frauen jenseits des Meeres; achthunderttausend jüdische Babys weinen um Brot.«
Martin H. Glynn, vom 17.10.1913 bis 31.12.1914 übergangsweise Gouverneur des Staates New York, in seinem Artikel »
The Crucifixion of Jews Must Stop!«, The American Hebrew, 31.10.1919. (Zum Vergrößern hier klicken)

Die erste Sechs-Millionen-Lüge in diesem Jahrhundert der Lügen.

Das New Yorker Städtische Schulamt half mit, daß Kinder in den Schulen die Berichte über das Leiden der (jüdischen) Kinder in anderen Ländern erfuhren. Dr. Boris B. Bogen, der vom Jewish Distribution Committee nach Warschau entsandt wurde, lieferte folgende Botschaft:[11]

»Hunger, Kälte, Lumpen, Verzweiflung, Krankheit; sechs Millionen menschliche Wesen [Juden], ohne Nahrung, Wohnung, Kleidung und medizinische Versorgung«.

Und weiter:

»Zu keiner Zeit während des Krieges, in keinem Land, weder in Belgien noch in Nordfrankreich, hat es eine kritischere Lage gegeben, eine größere Not, einen Bedarf an Opfer dringlicher als der, der jetzt aus Ost- und Mitteleuropa kommt. Sowohl der gegenwärtige wie auch der künftige Bestand eines Volkes steht auf dem Spiel.«

Diese unter Hochdruck laufende Spendenaktion war durch mindestens zwei Leitartikel der New York Times unterstützt und gerechtfertigt worden. Einer, überschrieben mit »A Work of Mercy« (Ein Werk der Barmherzigkeit) besagte:[12]

»In Europa gibt es heute mehr als 5 Millionen Juden, die am Rande des Hungertodes vegetieren, und viele sind im Griff einer akuten Typhusepidemie. Ein Appell ist in der ganzen Welt ergangen.«

Ein weiterer Leitartikel der New York Times mit der Überschrift »The Jewish War Sufferers« (etwa: Die jüdischen Kriegsopfer) erzählte den Lesern:[13]

»In Rußland und den angrenzenden Ländern sind die Juden einer besonders bösartigen Verfolgung ausgesetzt, die mit dem Krieg ihr Ende nicht gefunden hat. Ohne jede eigene nationale Organisation, haben sie keine Stelle, an die sie sich wenden können. Sie leben in getrennten und allgemein verarmten Gemeinden, und ihre Misere baut sich in einem Maße auf, wie es unter anderen Opfern unbekannt ist. Man schätzt, daß mehr als fünf Millionen akut hungern, und eine virulente Typhusepidemie wütet unter ihnen und verbreitet sich bereits unter den benachbarten Bevölkerungsteilen.«

Am 10. September 1920 hat Präsident Wilson seine Sympathie mit den leidenden Juden Osteuropas in einem Brief an Stephen S. Wise zum Ausdruck gebracht, der damals geschäftsführender Vorsitzender des Ausschusses für Jüdischen Status in Osteuropa war. Präsident Wilson erklärte:[14]

Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges war Jacob Schiff einer der reichsten und mächtigsten Männer weltweit. Parallel zu seiner massiven finanziellen Unterstützung der Bolschewistischen in der UdSSR engagierte er sich auch an zentraler Stelle für die Sammlung jüdischer Gelder in den USA. (Zum Vergrößern Bild anklicken.)

»Ich bin tief bewegt von den Berichten, die Sie mir über die Prüfungen und Leiden Ihrer Mitjuden in ganz Osteuropa zusandten. Kein Amerikaner, welcher Rassenzugehörigkeit und welchen religiösen Bekenntnisses er auch sein mag, kann sich der tiefsten Sympathie mit den Juden Osteuropas versagen, die weiterhin die Last nicht nur des Krieges tragen, sondern auch die Leiden unaufgeklärter und ungerechter Behandlung seitens Regierungen und Völkern. [...] Ich hege die Hoffnung, daß diejenigen Nationen, mit denen unser eigenes Land politische Beziehungen pflegt, alles in ihrer Macht stehende tun werden, nicht nur die Entrechtung ihrer jüdischen Bevölkerungsteile zu beenden, so wie es in den Minderheitenklauseln des Friedensvertrags vorgesehen ist, sondern alle Ungerechtigkeiten und Unzuträglichkeiten, die ihnen auferlegt sind.«

Der Friedensvertrag, auf den Präsident Wilson Bezug nahm, war natürlich der Versailler Vertrag und die Friedenskonferenz in Paris, die den Ersten Weltkrieg beendeten.

Wie wir gezeigt haben, wurden diese Geschichten selbst an hohen Stellen ernst genommen. Aber dachte zu jener Zeit irgend jemand, daß sie mehr oder weniger künstlich erzeugt oder übertrieben waren? War das so, wer könnte eine solche Geschichte erfinden? Ein Beitrag der New York Times mit der Überschrift »Pogrome in Polen« sprach genau dieses Thema an und auch eine mögliche Quelle. Dieser Artikel besagte:[15]

»Die Vertreter der alliierten Regierungen in Paris sind in der Lage, erstens die Wahrheit über die Judenverfolgung in Polen festzustellen, und zweitens zu verlangen, daß diese überhaupt aufhöre. Es ist darauf hingewiesen worden, daß manche dieser Berichte von deutschen Propagandisten stammen oder von ihnen übertrieben worden sind mit dem offensichtlichen Zweck, Polen bei den Alliierten zu diskreditieren, in der Hoffnung, daß Deutschland dabei der Gewinner sein werde. Deutsche dürften dabei geholfen haben, diese Geschichten zu verbreiten, und sie mögen sogar manche davon selbst erfunden haben, obwohl es ein grausamer Betrug wäre, die Herzen der Menschenmassen dermaßen zu ergreifen, um so etwas zu erreichen.«

Dies spricht die Frage an: Wenn andere bei der Verbreitung dieser Geschichten halfen, vielleicht um Sympathien zu gewinnen oder sie erfanden, um an Spendengelder zu kommen, würde das nicht einen grausamen Betrug bedeuten?

Diese Geschichten, die in Bezug auf den Umfang des einzigartigen Leidens unglaublich sind (und zumindest weit übertrieben), setzten sich mehr oder weniger von Jahr zu Jahr fort. Im Jahr 1922 verurteilte Rabbi Joseph A. Herr, der Oberrabiner des Britischen Empire, das Schweigen über Pogrome, die nach seiner Aussage in der Ukraine verübt wurden. Er erklärte, daß eine Millionen Menschen abgeschlachtet worden waren und daß man drei Jahre lang drei Millionen Menschen in der Ukraine »durch alle Schrecken der Hölle« hatte gehen lassen. Er sagte das, obwohl die Pogrome in der Ukraine zu Ende gegangen waren, es dort um die 600.000 heimatlose Kinder, 50.000 Halbwaisen und 35.000 Vollwaisen gebe, »die an Kälte, Hunger und Krankheit sterben würden, wenn nicht jüdische Herzen menschlich blieben und ihnen zu Hilfe kämen.«[16]

Mit »menschlich bleiben und Zuhilfe kommen« meinte Rabbi Herz speziell Geldbeiträge für bestimmte jüdische Hilfsmaßnahmen. Eine unerwähnte und kurze Nachrichtenmeldung »Jews take over Relief« (Juden übernehmen die Hilfe) berichtete das Jewish Joint Distribution Committee, die Arbeit der American Relief Administration beim Überwinden der Hungersnot in den südukrainischen Gouvernements übernommen habe.[17]

Die Geschichten über die »singulären Opfer« gingen weiter. 1923 berichtete das Jewish Relief Committee des Joint Distribution Committee über 1.165.290 heimatlose Kinder, die in der Ukraine umherwanderten. Die Organisation stellte ferner die erstaunliche Behauptung auf, daß diese 1.165.290 heimatlosen Kinder in der Ukraine umherwanderten, weil Zusagen auf Millionen-Dollar-Spenden nicht erfüllt worden seien. Die New York Times berichtete. daß das Komitee erkläre:[18]

Krieg der Welten

Wußten Sie, daß H.G. Wells in seinem berühmten, im Jahr 1898 verfaßten Science-Fiction-Roman The War of the Worlds davon berichtet, daß bei einem Giftgasangriff der "Marsianer" »6 Million« Opfer verzeichnet wurden? Phantasien beflügeln bekanntlich...

»Es ist noch Zeit, diese 1.165.290 heimatlosen Kinder zusammenzuholen und sie vor dem Verwildern zu bewahren. Es ist noch Zeit, sie vor dem ersten Wintereinbruch in Rußland wegzuholen, der jetzt schon über die Berge kommt, aber es wird jeden Dollar erfordern, der für das Hilfsprogramm vorgesehen und zurückgehalten wird. Wenn das Geld nicht sofort zur Verfügung steht, wird es zu spät sein.«

Die Aktion für den American Relief Fund for the Jews of Eastern Europe von 1926 beschäftigte eine Korrespondentin mit Namen Irma May, die Funktelegramme von Warschau nach New York schickte. Eines von diesen lautete:

»In Lodz zeigen die Berichte ein bedrohliches Anwachsen von Hysterie, Wahnsinn und Selbstmord innerhalb der letzten Monate. Schulen berichten eine Tuberkuloseerkrankung bis 65%. 60% der Kinder leben von Tee und Brot, das von Schulen verteilt wird, die vor der Schließung stehen. Ausbrüche von Typhus und anderen Hungerepidemien sind zu erwarten, und es stehen keine Mittel zur Verfügung, um das abzuwenden. Annähernd 230.000 Juden sind verloren, wenn keine sofortige Hilfe kommt.«

Eine weitere Radiobotschaft von Miss May beschrieb die Verhältnisse in Rowno/Polen:[19]

»Man verkauft das letzte Möbelstück, um dem Gefängnis wegen Nichtzahlung von Steuern zu entgehen.«

Etwa 500.000 Personen haben an Versammlungen in New York City teilgenommen, um diese Aktion von 1926 zu unterstützen, und »Redner verbreiten die Botschaft von dem Leiden von Millionen Juden im Ausland«.[20] Das Jewish Distribution Committee telegraphierte, daß,

»wenn nicht schnell nachhaltige Hilfe komme, das jüdische Waisenasyl gezwungen sein werde zu schließen. [...] Tausende von Kindern werden auf der Straße landen, um ziellos umherzuirren, hoffnungslos, blind.«[20]

David A. Brown aus Detroit, Michigan, war der nationale Vorsitzende dieser Aktion von 1926. Seine Botschaft, die bei allen Versammlungen verlesen wurde, begann wie folgt:[20]

»Niemals in der Geschichte des jüdischen Volkes, die über Jahrhunderte geht, hat es eine Situation wie diese gegeben, niemals früher in der Geschichte des jüdischen Volkes gab es eine größere Notlage als diese.«

Die New York Times führte Mr. Brown mit seiner Erklärung an, daß der »Lebensstandard der russischen Juden niedriger ist als der der Völker Indiens, Chinas, Japans und Koreas«.[21] Der Beitrag nannte die Aktion

»das letzte Kapitel in der Geschichte amerikanischer Hilfe für Europas bedrängte Bevölkerung, die mit Herbert Hoovers Arbeit in Belgien begann und die Form großer Summen angenommen hat, die für Kriegshilfe, Hungerhilfe und Wiederaufbau ausgegeben werden.«

Am 6. Dezember 1926 lautete eine Schlagzeile auf Seite 1 der New York Times:

»Die St. Jone's Cathedral ist Schauplatz einer Versammlung für die Jüdische Hilfe.«

Es wurde berichtet, daß 1.500 Menschen an der Massenveranstaltung für die 5 Millionen notleidenden Juden ist Osteuropa teilnahmen. Die Versammelten hörten den Kommandeur der amerikanischen Expeditionsarmee im Ersten Weltkrieg, General J. Pershing, der großzügige Beiträge forderte, und es sprachen protestantische und katholische Führer und auch Louis Marshall. Diese Versammlung wurde unter der Leitung des American Christian Fund for Jewish Relief organisiert. Der Gouverneur von New York und spätere Präsidentschaftskandidat Alfred Smith sowie der Richter des Obersten Gerichtshofs Arthur S. Tompkins sandten Telegramme. Dieser American Christian Fund schickte einen Brief an 150.000 christliche Führer in den ganzen Vereinigten Staaten und legte ihnen folgendes ans Herz:[22]

»Der Ruf nach Mitarbeit christlicher Organisationen führt aus, daß es in Mittel- und Osteuropa 5 Millionen Juden gebe, die dem Hungertod ausgesetzt sind. Die amerikanischen Christen sind sich der Leiden der Juden Osteuropas nie bewußt geworden, oder sie haben es nie verstanden. Fünf Millionen Juden sind heute in verzweifelter Lage, 2.225.000 in Rußland, 2.225.000 in Polen und 500.000 in Bessarabien, Litauen und in umliegenden Ländern. Seit 1914 sind die apokalyptischen Reiter über die Hälfte der jüdischen Bevölkerung des Weltkrieges hinweggegangen und haben Pest, Hunger und immer den Tod verbreitet.«

Ein von mehreren Sprechern betontes Thema war, daß durch finanzielle Hilfe für die hungernden Juden Europas Rassenvorurteile bekämpft würden sowie Haß und Fanatismus in den Vereinigten Staaten. Ein Artikel der New York Times, der diese Aktion unterstützte, berichtete, daß 62 Millionen Dollar aufgebracht worden seien und daß sie dabei seien, weitere 25 Millionen Dollar aufzutreiben.[23]

Wohin ging dieses Geld tatsächlich? Der Vorsitzende Davis A. Brown berichtete, daß weniger als 20% der gesammelten Geldmittel tatsächlich in die Nothilfe gingen. Der Rest wurde »konstruktiven Unternehmungen« gewidmet, so wie der Errichtung von kooperativen Banken in Polen, der Finanzierung von Händlern und Handwerker und der Förderung von jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen.[23] Ein gewisser Max Steuer, der zu Nachforschungen nach Europa gegangen war, behauptete, daß 40% des gespendeten Geldes »bei Manipulationen der Banker an der Börse verschwanden. Ich verstehe die technische Handhabung nicht.« Mr. Steuer machte klar, daß er sich auf europäische Banker bezog und nicht auf amerikanische.[24] Weil er solche Äußerungen machte, wurde Steuer von Felix Warburg vom Jewish Joint Distribution Committee angegriffen. Warburg beklagte die breite Publizität und bestand darauf, daß Steuer einen übertriebenen Wert auf Aussagen durch Hörensagen gelegt habe und daß er den Fall in die Presse gebracht habe. Warburg erklärte ferner, daß durch Steuers Äußerung keinem guten Zweck gedient werde und daß das Problem richtiggestellt worden sei. Die Jewish Daily News schrieb in einem Artikel, daß Mr. Steuer sich aus der Rolle eines jüdischen Gemeindeführers einfach entfernt habe.[25] Es mag von Bedeutung sein oder nicht, daß Felix Warburg in Hamburg/Deutschland geboren und aufgewachsen ist und aus einer prominenten Bankerfamilie stammt. Er war zu jener Zeit amerikanischer Bürger.

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Die Ziffer Sechs hat in der Kabbalistik, der jüdischen Zahlenmystik, eine übergeordnete Rolle.[26] Es kann daher nicht wundern, daß gerade auch bei allen Fragen des Holocaust die Ziffer 6 eine wichtige Rolle spielt. Im hebräischen Text der Tora-Prophezeiung heißt es, »ihr werdet [ins Gelobte Land] zurückkehren«. In dieser Passage befindet sich jedoch ein Schreibfehler, denn es fehlt dort ein »vav«, das im Hebräischen zugleich die Zahl 6 symbolisiert. Dies wird von jüdischen Gelehrten so interpretiert, daß die Juden mit sechs Millionen Juden weniger heimkehren würden, womit der Holocaust prophezeit worden sei.[27]

1916 wurde den Juden durch die Balfour-Deklaration Palästina versprochen, jedoch hielten die Briten ihr Versprechen nach dem Ersten Weltkrieg nicht. Inwiefern diese erste damals in die Welt gesetzte Sechs-Millionen-Lüge damit zusammenhängt, kann man nur vermuten.

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Haben diese jüdischen Menschen in Europa tatsächlich gehungert? Und wenn das der Fall war, ist irgend etwas von dem gesammelten Geld zu ihrer Hilfe verwendet worden? Der Vorsitzende der Kampagne hat öffentlich zugegeben, daß weniger als 20% in Hilfsmaßnahmen gingen. Die Frage ist, wieviel weniger als 20%? Und wieviele Leute sind tatsächlich gestorben oder waren sie kurz davor? Verschiedene Artikel der New York Times aus dem Jahr 1920 setzten die Zahl auf über 5 Millionen Juden fest, die hungerten oder am Rande des Verhungerns waren. Mehrere Kampagnen später im Jahr 1926 berichteten sie immer noch über 5 Millionen hungernde Juden. Diese Bemühungen um Spendengelder gingen nach 1926 auf regulärer Grundlage weiter. Es gibt Beweise für ähnliche Vorgänge sogar vor dem Ersten Weltkrieg. Steven S. Wise in seiner Autobiographie Challenging Years (Jahre der Herausforderung) sprach von einer Zeit, da der Minister des Zaren Konstantin Petrowitsch Pobyedonostzew einen Plan hatte, mit dem Judentum fertigzuwerden, das 6 Millionen Menschen zählte:[28]

»Ein Drittel der russischen Juden war zu vertreiben, ein Drittel zum Christentum zu bekehren und Drittel muß erschlagen werden.«

Schon 1900 sagte Wise bei einer zionistischen Versammlung, daß es »6 Millionen lebendige, blutende und leidende Argumente zugunsten des Zionismus gibt.«[29]Das waren emotionale Appelle, die mit den Ängsten von Menschen spielten, um viel Geld aufzutreiben. Und sie brauchten eine glaubhafte Krisis, um die Spender davon zu überzeugen, große Summen beizusteuern. Brachten diese Führer diese Appelle berechnend und skrupellos genug vor, um Fakten zu erfinden? Wenn es um genügend viel Geld ging, konnte eine Wiederholung über einen ausgedehnten Zeitraum hinweg Tatsachen schaffen, die als völlig glaubhaft akzeptiert werden würden? Könnten solche "Fakten", wenn man sie Tag für Tag über Generationen wieder und wieder wiederholte und ausweitete und sie durch institutionelle Quellen vortrug, unangreifbar werden?


Anmerkungen

Entnommen der Zeitschrift The Barnes Review, 3(2) (1997), S. 19-24 (130 Third Street, SE, Washington, D.C., 20003, USA).

[1]New York Times, Mai 1916 »Sieht die Deutschen als Bakterien«, siehe auch 16. Januar 1918 »Schreckensgeschichten, in Belgien erlebt«, und am 26. August 1918 »Er sagt, deutsche Soldaten hätten Amerikaner gekreuzigt«.
[2]Nathan Schachner, The Price of Liberty, The American Jewish Relief Committee, New York 1948, S. 60.
[3]ebenda 1938, S. 14.
[4]»Gleichgültigkeit der Juden gegenüber Kriegshilfe gerügt«, New York Times, 14. Januar 1915, S. 3.
[5]»1,5 Millionen russische Juden sterben Hungers, wird berichtet.«, ebenda, 1. November 1915.
[6]New York Times, 10. August 1917.
[7]»Jüdische Aktion nicht konfessionsgebunden«, ebenda, 15. September 1918.
[8]»Die traurige Notlage der Juden«, New York Times, 12. November 1919.
[9]Ebenda, 29. September 1919.
[10]Ebenda, 3. Dezember 1919.
[11]Ebenda, 2. Mai 1920.
[12]Ebenda, 21. April 1920.
[13]Ebenda, 3. Mai 1920
[14]Ebenda, 12. September 1920
[15]»Pogrome in Poland«, ebenda, 23. Mai 1919.
[16]Ebenda, 9. Januar 1922, »British Chief Rabbi Condems Silence in Ukraine« (Der britische Oberrabiner verurteilt das Schweigen in der Ukraine).
[17]Ebenda, 2. Juli 1922, »Jews Take Over Relief. Will Carry on Work of American Body in Ukraine« (Juden übernehmen Hilfsmaßnahmen. Werden Arbeit amerikanischer Stelle in Ukraine fortführen.)
[18]Ebenda, 3. September 1923
[19]New York Times Sunday Magazine, 28. Mai 1926
[20]New York Times, 3. Mai 1926, S. 6.
[21]Ebenda, 28. April 1926.
[22]Ebenda, 6. Dezember 1926, S. 1 und fortgesetzt auf Seite 18. Siehe auch den Artikel vom 27. November 1926: »Will Aid starving Jews«, der die Bildung einer christlichen Organisation verkündet, um 5 Millionen verhungernde Juden zu retten. Der Artikel bezeichnete sie als die Near East Relief Movement.
[23]New York Times Editorial, 12. September 1927
[24]Ebenda, 7. September 1927, »Steuer puts Blame on Polish Bankers« (Steuer macht polnischen Bankern Vorwürfe).
[25]Ebenda, 9. September 1927: »Warburg Assails Steuer's Charges« (Warburg greift Steuers Vorwürfe an).
[26]Vgl. Erich Bischoff, Die Kabbalah. Einführung in die jüdische Mystik und Geheimwissenschaft, Th. Griebens Verlag, Leipzig 1903; ders., Die Elemente der Kabbalah, Nachdruck, Verlag Richard Schikowski, Berlin 1985.
[27]B. Blech, The Secret of Hebrew Words, Jason Aronson, Northvale, NJ, 1991, S. 214; vgl. dazu auch den Beitrag von Ernst Manon, »Rückblick auf den Revisionismus«, VffG 3(1) (1999), hier S. 36.
[28]G.P. Putnam and Sons, New York, 1949, Seite 23.
[29]»Rabbi Wise's Address«, New York Times, 11. Juni 1900.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(2) (1999), S. 153-158.


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