Das Ende der Unschuldslegende

In der Ausgabe vom 8.-14. August 1998 veröffentlichte die New Yorker Staatszeitung auf S. 3 einen Artikel, indem sie darüber berichtete, wie nun eine Historikerkommission in Deutschland die Legende von der Unschuld der Deutschen Bank während des Zweiten Weltkrieges – insbesondere im Zusammenhang mit der sogenannten »Raubgoldaffäre« – beenden werden. Der beste Kommentar zu diesem Artikel mit dem Titel »Braunes Gold: Das Ende der Unschuldslegende – Die Historikerkommission der Deutschen Bank packt aus« wurde am 20. Oktober 1945(!) in der alliierten Kontrollratsproklamation Nr. 2 veröffentlicht:

»15 a) Die deutschen Personen und alle Personen in Deutschland haben den Alliierten Vertretern in Deutschland alles Gold und Silber auszuhändigen, in Münze oder in Barren, und alles Platin in Barren, das sich in Deutschland befindet, und alle sich außerhalb Deutschlands befindlichen Münzen und Barren...

15b) Die deutschen Behörden und alle Personen in Deutschland haben den Alliierten Vertretern alle ausländischen Geldscheine und Münzen, die im Besitz irgendeiner deutschen Behörde sind oder irgendeiner Körperschaft, Vereinigung oder Einzelperson, die in Deutschland wohnhaft oder geschäftstüchtig ist, sowie alle Geldzeichen, die von Deutschland in den von Deutschland früher besetzten Gebieten oder anderswo herausgegeben oder zur Herausgabe vorbereitet wurden, auszuhändigen.« (Quelle: Erich Kern, Verheimlichte Dokumente, FZ-Verlag, München 1988, S. 412).

Es ergeben sich folgende Fragen:

  1. Welche alliierten Banken besitzen dieses deutsche Gold, Silber und Platin heute?
  2. Werden diese Banken das besagte Gold und Silber an die deutschen Eigentümer zurückgeben?
  3. Warum ist Goldraub legal für Siegermächte aber verbrecherisch für die Besiegten?

Dr. Otward Müller


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(2) (1999), S. 218.


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