Tierschutz

Nach einer intensiven Vorbereitungsphase ist es uns nun endlich gelungen, selbst einen Versuch zur Vergasung von Tieren mit Dieselmotorabgasen durchzuführen. Selbstverständlich geschah dies unter Beachtung der allfälligen Tierschutzbestimmungen.

Einige zahme Kaninchen verbrachten eine dreiviertel Stunde in einem etwa mannshohen, wetterfesten Raum, zwei Schritt breit und drei Schritt lang, und zwar in einem Drahtkäfig, der auf einem Tisch aufgestellt war. Der Raum war diese Zeit mit Abgas von einem Dieselmotor gänzlich angefüllt. Abgas wurde immer reichlich und laufend durch einen Schlauch zugeführt, der an den Auspuff des außerhalb des Raumes stehenden Pkw angeschlossen war. Innerhalb des Raumes war die Sicht bei elektrischer Beleuchtung stark dunstig. Eine Testperson spürte während eines Aufenthalts von zwei Minuten ein leichtes Kratzen im Halse. Die Kaninchen fraßen das mitgegebene Futter. Sie wurden auf etwa 50 cm durch ein kleines Fenster laufend beobachtet. Überdruck konnte nicht entstehen, da durch kleine Ritzen am Eingang überschüssiges Abgas entweichen konnte. Einen Monat nach dem Versuch zeigten die Tiere keine besonderen Erscheinungen.

Mit diesem Tierversuch sollte bewiesen werden, daß Wirbeltiere, speziell Säuger, unter diesen Umständen nicht geschädigt werden.

Das war zu erwarten. Denn im Dieselabgas ist der Sauerstoffgehalt der Luft nur um zirka 20 Prozent vermindert. Das ist der Sauerstoffgehalt in dreitausend Meter Höhe oder der Sauerstoffgehalt der ausgeatmeten Luft, die ja auch zur Lebensrettung verwandt wird.

Obgleich man meinen könnte, daß das Experiment gar kein Eingriff in den Tierkörper sein kann, man also von einem Tierversuch kaum sprechen kann, ist bei der gesetzlich vorgeschriebenen Anmeldung des Versuchs zu beachten: Es muß ein ethischer oder sonst medizinischer Zweck für die Gesundheit des Menschen angegeben werden. Da ließ sich der Behörde gegenüber erklären, daß man mit dem Überleben der Kaninchen beweisen könne, daß auch Menschen unter den gleichen Umständen überleben könnten. Und wenn man das einmal richtig demonstrieren darf, im Fernsehen zum Beispiel, dann könnte man die traumatische Besessenheit unserer Landsleute auskurieren. Man könnte sie von ihrer seelischen Schädigung durch die ewige Beschuldigung, sie hätten massenhaft Menschen in einem Lager im Osten durch Dieselabgase ermordet, endlich heilen. Und alle übrigen würden auch zufrieden sein, daß dem nicht so war.

Hermann Oberst


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(2) (1999), S. 217f.


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