Das Postberger Massaker

Der selbst für tschechische Verhältnisse größte planmäßige Massenmord an deutschen Kindern, Frauen und Männern geschah im Mai und Juni 1945 in dem kleinen Dorf Postberg (Postoloprty) in der Provinz Saaz (Zatec) in Böhmen. Die Tatsachen über dieses Massaker wurden bis vor kurzem von Politikern und Behörden geheimgehalten.

Die meisten haben wahrscheinlich schon von den Massakern auf der Brücke von Aussig gehört oder vom Todesmarsch von Brünn. Über diese Greueltaten wurden Bücher geschrieben und inzwischen sogar Filme gedreht. Aber bis heute hat kaum jemand von den Vorgängen in Postberg gehört.

Am 24. September 1997 schrieb Ota Filip über diese Greueltat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Darin berichtet er von der Erschießung von 763 deutschen Zivilisten. Diese Zahl basiert auf offiziellen tschechischen Untersuchungen vom September 1947. Es ist ein außerordentlicher Glücksfall, daß darüber zwei bisher geheimgehaltene Dokumente ans Tageslicht kamen. Aus diesen erfahren wir nähere Einzelheiten über die Erschießungen in Postberg.

Die von Tomàs Stanêk verfaßte Veröffentlichung Perzekuce 1945 (Verfolgung 1945, Prag) beschreibt bis ins Detail die Hinrichtungen und Bestattung der Opfer. Zusammengefaßt ergibt sich daraus folgendes:

Bis heute werden alle Beweise bezüglich der Massaker im Saazerland, zu dem Postberg gehört, sowohl von den deutschen als auch von den tschechischen Behörden streng geheimgehalten. Sie schweigen aus politischen Gründen. In einer vom 9.10.1997 datierten Auskunft des Nordböhmischen Amtes für öffentliche Angelegenheiten wird der Grund für dieses Verschweigen mit einem Dekret des Alt-Innenministers Nasek vom 9. Juli 1947 begründet, der seinerseits auf geheimgehaltene Forderungen des tschechoslowakischen Repräsentatenhauses zurückgeht. Wir zitieren nachfolgend aus diesen Forderungen:

»Dem Bericht der geheimen Untersuchungen können wir entnehmen, wer für die Grausamkeiten und Erschießungen verantwortlich war, und diese Person befindet sich in der Armee. [...] Was die Soldaten getan haben, geschah in erhabener Übereinstimmung mit dem Willen und Wunsch des Volkes der Tschechoslowakei. [...] und niemand hat sich von diesen Vorgängen distanziert, noch hat sich jemand von anderen derartigen Vorfällen distanziert, die gegen die Deutschen nach dem Krieg vorgekommen waren. [...] Informationen bezüglich des Vorfalles in Postoloprty dürfen niemals irgend jemandem zugänglich gemacht werden, weder Tschechen noch ein ausländischer Staat dürfen jemals davon erfahren. Es könnte der Tschechoslowakei schaden.«

Johan Randulf


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(2) (1999), S. 216f.


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