Warschau oder Lübeck?

Bildfälschung im Regierungsauftrag?

In der Adenauerallee in Bonn befindet sich das »Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland«. Dieses Museum soll die Geschichte Deutschlands dokumentieren. Natürlich wird hier auch die Epoche des Nationalsozialismus breit ausgewalzt, und zwar, wie zu erwarten ist, recht einseitig.

Zumindest im Jahr 1996 befand sich in diesem Museum auch ein Bild einer ausgebombten Stadt mit einer Kirche in der Mitte. Damals befand sich folgender Erläuterungstext dabei:

»Erste Ansicht der Zerstörung Warschaus durch Bomben der deutschen Luftwaffe und Artillerie der deutschen Wehrmacht, wodurch die Einwohner gezwungen wurden, die Stadt aufzugeben.« (Rückübersetzung)

Der frühere Landesrepräsentant von Schleswig-Holstein, Karl Ernst Lober, schrieb daraufhin an das Bundesarchiv, das in Deutschland u.a. Akten aus der Kriegszeit archiviert, ob dies die richtige Betitelung des Bildes sei. Die Antwort darauf lautet wie folgt:

»Die Beschriftung des Fotos in der Ausstellung sowie der dem folgende Katalog sollte wie folgt lauten: Lübeck nach einem Luftangriff im Jahr 1942.«

Als das Museum gefragt wurde, warum man statt eines Bildes von Warschau eines von Lübeck genommen habe, meinte die Museumsleitung, man sei in Eile gewesen. Wenn man sich den Text näher ansieht, erkennt man allerdings, daß die Verantwortlichen sich mit ihrer Fälschung wirklich anstrengten, den realistischen Eindruck zu erwecken, wie Warschau anno 1939 ausgesehen habe.

Warschau wurde damals in Übereinstimmung mit dem Kriegsvölkerrecht bombardiert, weil sich deren militärische Führer weigerten zu kapitulieren. Die Zivilisten der Stadt wurden von den Deutschen auf Flugblättern aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Die Lage in Lübeck dagegen war bei ihrem Bombardement 1942 eine völlig andere. Dieser Angriff erfolgte ohne jede Vorwarnung gegen eine unbefestigte Stadt weit hinter der Front. Der Grund für die Bombardierung Lübecks war allein die Einschüchterung und Ermordung von Zivilisten.

Man kann den Menschen von heute den Schrecken des Krieges nicht dadurch klarmachen, indem man ihnen gefälschte Bilder vorsetzt. Dadurch verärgert man nur die Menschen und setzt sich dem Verdacht aus, nicht redlich zu sein.

KOMMENTAR: Sowohl die Bevölkerung Warschaus als auch die Lübecks durchlebten während der Bombardements eine schlimme Zeit, und wenn es dies war, was die Aussteller zeigen wollten, so hätten sie wenigstens die Ehrlichkeit aufbringen sollen, das Bild korrekt zu untertiteln.

Ich weiß nicht, ob dieser Fehler auch heute noch zu sehen ist, aber mich würde nicht wundern, wenn man das Bild ausgetauscht hat. Immerhin ist es heute ja politisch unkorrekt zu zeigen, daß die Deutschen während des Zweiten Weltkrieges mitunter mehr litten als die Völker, mit denen sie sich im Krieg befanden.

Johan Randulf


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(2) (1999), S. 217.


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