Versuche der Widerlegung revisionistischer Thesen

Von Prof. Dr. Michael Shermer

Nachfolgend reagiert Prof. Shermer auf die von Germar Rudolf im letzten Heft angebrachte Kritik an seiner wissenschaftlichen Methodik zur Untersuchung des Holocaust. Wir haben uns dabei erlaubt, diesen Beitrag etwas zu kürzen, da er zum Thema KL Majdanek über längere Passagen Ausschnitte aus seinem in Vorbereitung befindlichen Buch zitiert. Damit vermeiden wir nicht nur eventuelle urheberrechtliche Schwierigkeiten mit Prof. Shermers Verlag. Mehr noch ist uns daran gelegen, den Eindruck zu vermeiden, wissenschaftlich längst überholte Ansichten zu großen Raum zu geben, ruhen Shermers Ausführungen doch zumeist auf alter Sekundärliteratur sowjet-polnischer Herkunft, die spätestens seit der jüngst veröffentlichten Studie Jürgen Grafs und Carlo Mattognos, die allen unseren Lesern bekannt ist, als überholt gelten muß.


Zunächst möchte ich mich für die Gelegenheit bedanken, auf Ihren Artikel zu antworten, in dem Sie meine Analyse des Holocaust-Revisionismus kritisieren. Wir von der Skeptic Society haben dem Revisionismus eine ganze Ausgabe unserer Zeitschrift Skeptic gewidmet (Vol. 2, Nr. 4) und vor wie nach dieser Ausgabe verschiedene Aktualisierungen und Nachrichten von und über Revisionisten gebracht. Ich habe den Revisionisten im meinem Buch Why People Believe Weird Things (W. H. Freeman, 1997), drei volle Kapitel gewidmet, und ein Buch von mir zu diesem Thema wird im Jahr 2000 bei University of California Press erscheinen. Nun zu den im Artikel von Germar Rudolf angesprochenen Fragen.

Das Ereignis beim Institute for Historical Review war keine Diskussion am runden Tisch, sondern eine Debatte zwischen Mark Weber und mir. Ich wurde mit großer Höflichkeit und großem Respekt behandelt. Weber meint, er habe die Debatte gewonnen, und ich meine, ich habe sie gewonnen, was wohl nicht überraschen kann, zumal sich in einer Debatte immer jeder als Sieger wähnt. Ich würde sagen, daß die Zuhörer der Auffassung waren, Weber habe gewonnen, aber die Zuhörer bestanden ja auch aus Revisionisten!

Bezüglich der Gaskammertüre in Mauthausen bin ich nun in der Lage nachzuweisen, daß die heute dort eingebaute Tür tatsächlich nicht die ursprüngliche ist, die kurz nach dem Krieg ausgebaut wurde und in irgendein Museum in Europa verschickt wurde. Die heute dort eingebaute Tür wurde später eingebaut, als die Anlage als Museum hergerichtet wurde. Meiner Auffassung nach muß bezüglich aller Lager noch viel mehr geforscht werden. Da das Interesse am Holocaust weltweit immer noch wächst, denke ich, daß im Laufe des nächsten Jahrhunderts weit mehr über dieses Thema geforscht und revidiert werden wird, als es in den Jahren seit 1945 der Fall gewesen ist.

Bezüglich Majdanek ist die Lage sehr komplex. In meinem beiden Büchern und insbesondere in dem neuen Buch des Titels Denying History (Geschichte leugnen) gehe ich darauf recht ausführlich ein, einschließlich einiger Grafiken.[1]

Mögliche Kurzgeschichte des KL Majdanek

Bei der Rekonstruktion der historischen Ereignisse bei der Errichtung des KL Majdanek fallen die Parallelen zum KL Auschwitz ins Auge. Am 21. Juli 1941 ordnete Heinrich Himmler die Planung zur Errichtung des Lagers Majdanek an, um darin 25.000 bis 50.000 sowjetische Kriegsgefangene unterzubringen »mit der Absicht, diese in Werkstätten und Baustellen der SS vor Ort zu beschäftigen.« Später wurde die Funktion des Lagers erweitert auf die eines Konzentrationslagers.

Die Errichtung von Gaskammern begann im August 1942 und wurde im Oktober 1942 abgeschlossen. Genaue Kenntnisse über die Funktionsweise dieser Kammern gibt es jedoch bis heute nicht.

Da eine der drei als Gaskammern bezeichneten Räume im Gebäude »Bad und Desinfektion I« ein Fenster besitzt, meint dazu der Majdanek Historiker Michael Tregenza:

»Die Wände dieser Räume sind fleckig blau, was die Anwendung von Zyklon B belegt. [...] Zur Zeit ist man eher der Ansicht, daß diese Kammern nur der Entwesung gedient haben - hauptsächlich, weil sie zu groß sind, um als Vernichtungskammern zu dienen: derart große Menschenmengen, wie diese Räume fassen können, wurden in Majdanek nie auf einmal vergast.«

Wenn man dieses Gebäude [»Bad und Desinfektion I«, mit der "Hauptgaskammer"] betritt, wird tatsächlich klar, daß die große Gaskammer darin zur Entlausung von Kleidung und Bettwäsche benutzt wurde, nicht aber für den Massenmord, da die Türen nach innen öffnen und nicht verriegelbar sind, und weil es darin ein großes Glasfenster gibt (etwas 30 × 60 cm), das leicht hätte zerbrochen werden können. Der Fensterrahmen ist ursprünglicher Natur, da sein Holz mit Eisenblau von den Zyklon B-Begasungen verfärbt ist (wie auch der Rest des Raumes). Aber die zwei anderen als Gaskammern bezeichneten Räume in dieser Anlage unterscheiden sich signifikant davon: Sie sind kleiner, sind verbunden mit einem Raum, von dem aus die SS Giftgas durch eine kleine Öffnung in die Räume pumpte. Sie haben eine Betondecke und einen Zementestrich. Die Türen dieser Räume stammen von der Firma Auert: solide Stahltüren mit Verschlüssen aus Bolzen und Eisenstäben, luftdicht, mit Guckloch und Vorrichtung zur Einführung von Gasdetektoren. Auch deren Wände sind durch Eisenblau verfärbt. Allerdings erklärt dies nicht die Verwendung von Kohlenmonoxid, das als Entlausungsmittel wirkungslos ist und nur zur Tötung von Menschen hätte verwendet werden können.

Meiner Meinung nach wurde daher der größere Raum anfangs als Entwesungsraum benutzt. Später aber wurden arbeitsunfähige Gefangene in den beiden anderen Räumen vergast, die zu diesem Zweck überhaupt erst entsprechend errichtet wurden. Warum auch sonst hätte die SS sie bauen sollen, wenn ihr der andere Raum zur Entwesung bereits zur Verfügung stand? Und wozu diese Türen, die im Entwesungsraum offenbar nicht nötig waren?

Nach Marszalek starben im KL Majdanek etwa 360.000 Gefangene. Nach Tregenza aber war Majdanek nicht in erster Linie ein "Vergasungslager", wie etwa Auschwitz. Vergasungen sind dort nur ausnahmsweise erfolgt.

Meine in Vorbereitung befindliche Analyse des KL Auschwitz ist etwa doppelt so lang wie die über Majdanek, einschließlich vieler Fotos, Grafiken und Baupläne, so daß sie hier nicht wiedergegeben werden kann.

Der Behauptung, ich sei bestimmten Fragen ausgewichen und habe Zugeständnisse gemacht, muß ich widersprechen: nichts Derartiges habe ich gemacht. Dieser Vorwurf ist eine typisch Strategie der Revisionisten, um vorzuspiegeln, sie hätten die Leute bei einer Lüge ertappt. Was ich wirklich gesagt habe, war, daß die Revisionisten, wenn sie wirklich Revisionismus betreiben wollen, sich auf das Gebiet der Geschichtsforschung begeben und sich den Beweisregeln unterwerfen sollten. Und bezüglich der ideologischen Motive der Revisionisten ist es doch so, daß jeder, der sich deren Literatur anschaut, sofort sehen kann, daß sie von allen jüdischen Dingen fasziniert sind - oder besser besessen. Also wirklich, nun kommt Jungs, warum bestreiten? Sie mögen keine Juden - das ist offensichtlich. Warum sind Sie also überrascht, daß die jüdische Gemeinde Ihnen gegenüber zurückhaltend oder gar feindlich gesonnen ist, wenn sie mit Ihnen konfrontiert wird? Und was den Umstand anbelangt, daß ich mich nicht um die Motive anderer Gruppen als der Juden kümmere, so liegt das daran, das mich dies nicht interessiert. Ich weiß, daß es eine umfassende Debatte über die jüdische Kultur gibt, und zwar sowohl innerhalb als auch außerhalb der jüdischen Gemeinde, ich bin daran kaum interessiert.

Sie schreiben:

»Zumal das Thema "Holocaust" wie kein anderes mit Emotionen angefüllt und von ideologischen Verführungen durchsetzt ist, fühlen sich auf beiden Seiten viele Menschen dazu berufen, zu diesem Thema ihre Meinung zum Besten zu geben, ohne dabei über eine ausreichende sachliche Basis zu verfügen bzw. ohne sie sich verschaffen zu wollen. Dementsprechend wimmelt es hier von Literatur und natürlich auch Filmen und Rundfunkreportagen, die ungeachtet des heutigen Forschungsstandes viele Legenden kolportieren.«

Ich bin damit einverstanden, mit der Ausnahme, daß diese Darstellungen nicht die »überwiegende Mehrheit« bilden, sondern eher eine unschöne Minderheit, die gewöhnlich von soliden historischen Arbeiten zum Holocaust ausgemerzt werden.

Poppers Modell der »Falsifizierbarkeit« als Unterschied zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft kann ich nicht ganz akzeptieren. Und zwar halte ich es für gut, wenn man eine Hypothese durch einen konkreten Test einer Falsifizierung unterziehen kann (und wenn sie den Test besteht, dann gewinnt sie an Überzeugungskraft). Aber das Fehlen einer Falsifikation befördert eine Hypothese nicht automatisch in die Kategorie von Pseudowissenschaft. Insbesondere die verschiedenen Disziplinen der Geschichtsforschung (z.B. die Geologie, Paläontologie, Archäologie und die Geschichtswissenschaft selbst), haben große Schwierigkeiten, ihre Thesen einer Falsifizierung zu unterziehen, wie es die Experimentalwissenschaften können. Deshalb ist das Argument von der »inneren Stimmigkeit der Induktionen« oder der »Konvergenz der Beweise«, wie ich es in meinen Artikeln und Büchern entwickelt habe, so wichtig.

Abgesehen von der Diskussion über die »fehlenden Beweise«, die die Nazis gegen Kriegsende vernichteten, ist es doch offensichtlich, daß nicht alle Beweise fehlen, denn ansonsten hätten wir abgesehen von den Augenzeugen keinerlei Kenntnisse, und jeder wird darin übereinstimmen, daß die Zeugenaussagen gewöhnlich unzuverlässig sind. Daher besteht die Notwendigkeit, diese Berichte mit anderen Beweismitteln "konvergieren" zu lassen. Nachfolgend führe ich nur ein paar Dokumente an von Hunderten, die in meinem in Vorbereitung befindlichen Buch aufgeführt werden, die allesamt die Ansicht stützen, daß die Nazis während des Krieges die Juden in Massen ermordeten:[2]

In einem emotionalen, persönlichen Brief von SS-Obersturmführer Karl Kretschmer an seine Frau vom 27.9.1942 führt er aus, daß in Rußland, wo immer deutsche Soldaten seien, kein Jude übrigbleibe. In einem späteren Brief schreibt er, es gebe dort keine Juden mehr. Am 19.10.1942 schließlich beschreibt er, daß der Anblick toter Menschen nur durch die Gewohnheit überwunden werden könne, indem man es noch öfter tue.

Am 7.10.1940 äußert Hans Frank, Generalgouverneur in Polen, er habe nicht alle Läuse und Juden in einem Jahr ausrotten können, daß er aber mit der Zeit und der Unterstützung anderer dieses Ziel werde erreichen können?[3] Wollen jene Leugner, die meinen, mit dem Wort »ausrotten« sei lediglich eine Deportation gemeint, behaupten, daß Frank die Läuse aus Polen mittels Minizügen deportieren wollte?

Am 31.12.1941, führt Hans Frank während einer Kabinettsitzung in Krakau aus, daß man die Juden auf die eine oder andere Weise loswerden müsse. Es sei nötig, sich jedes Mitgefühls zu entledigen, denn die Juden müßten ausgerottet werden.[4] Warum hätten sich die Nazis jedes Mitgefühls entledigen müssen, um die Juden in eine neue Heimat zu transportieren?

Am 16.12.1941 führt Hans Frank bei einer Regierungssitzung in Krakau im Zusammenhang mit der bevorstehenden Wannsee-Konferenz aus, daß man die zur Zeit in Polen befindlichen 31/2 Mio. Juden weder erschießen noch vergiften könne, daß man aber trotzdem zu einem Vernichtungserfolg kommen müsse, was mit übergeordneten Maßnahmen erreicht werden solle, die mit dem Reich diskutiert werden würden. Das Gebiet des Generalgovernements müsse wie das Reich auch judenfrei gemacht werden. Wenn also mit der Endlösung eine Deportation gemeint war, warum erwähnt Frank dann die Vernichtung der Juden durch Erschießen oder Vergiften?

In einer Rede vor der deutschen Presse betonte Goebbels am 23.9.1942 in Berlin, die Presse solle Stillschweigen über das bewahren, was mit den restlichen Berliner Juden geschehen werde, nämlich daß sie in den Osten verbracht würden, wo sie ein mörderisches Schicksal erwarte. Sie würden jetzt schon die unvermeidliche Härte der physischen Vernichtung spüren, weshalb sie, solange sie noch lebten, dem Reich schadeten, wo sie nur könnten.

Diese Rede wurde vom polnischen Widerstand niedergeschrieben und im Mai 1943 dem britischen Außenministerium übergeben, in dessen Archiv sie kürzlich von Sol Littmann, einem kanadischen Repräsentanten des Simon Wiesenthal Centers, gefunden wurde. Diese Rede wurde also im Jahr 1943 von der ganzen britischen außenpolitischen Führung, einschließlich Außenminister Anthony Eden, gelesen. Sie wurde aber damals weder veröffentlicht noch jüdischen Führern in England oder den USA bekannt gegeben.

Irving meint dazu:

»Das ist ein sehr dubioses Dokument, das wesentlich länger hätte verdaut werden müssen, bevor man es der staunenden und sich wundernden Welt auf die Weise vorlegte, wie dies vor einigen Wochen geschah. Diese Rede befindet sich auf englischem Papier, geschrieben von einer englischen Schreibmaschine und wurde in einem englischen Archiv gefunden. Man müßte diesbezüglich eine Menge Arbeit leisten - Ich habe das polnische Original dazu gefunden sowie die Leute, die es angeliefert haben, der polnische Geheimdienst. Ich denke, es ist ein Bericht aus zweiter Hand, und in keiner Weise etwa eine wörtliche Mitschrift.«

Diese Bewertung ist völlig korrekt. Die Rede ist vier Seiten lang und Juden sind darin nur in drei Sätzen erwähnt. Der Rest dreht sich um die Kriegsmoral der deutschen Bevölkerung und der Rolle, die die Presse zu deren Aufrechterhaltung spielen soll. Wenn ein Fälscher negative Passagen herstellen wollte, warum hat er dann nur drei Sätze dazu abgefaßt?

Ist es möglich, daß dieses Dokument eine Fälschung ist oder das der Schreiber Goebbels Wort mißverstand? Es ist möglich, aber nicht wahrscheinlich. Denn um einen vorschnellen Trugschluß zu vermeiden, müssen wir diese Rede im Kontext mit dem sehen, was Goebbels zu anderen Anlässen gesagt oder geschrieben hat, sowie die Tatsache, daß er dies nur acht Monate nach der Wannsee-Konferenz vom 20.1.1942 gesagt haben soll. Irving macht aber anschließend folgendes bemerkenswerte Zugeständnis:

»Wir haben bezüglich Goebbels und seiner Rolle in diesem Verbrechen wesentlich bessere Quellen. Goebbels Tagebücher lassen keinen Zweifel daran aufkommen, daß er sehr genau wußte, was sich zutrug.«

Welches Verbrechen? Was trug sich denn zu? Die Tatsache des Holocaust wird also von einem seiner Leugner indirekt eingestanden. Irving weiß das. Schließlich ist er ja Goebbels' Biograph, und er kennt die Primärquellen wie kein anderer sonst, insbesondere Goebbels' Tagebuch. In seinem kontroversen Buch Mastermind of the Third Reich legt Irving dar, wie Goebbels nach einem Mittagessen mit Hitler am 18.2.1942 in sein Tagebuch vermerkte:[5]

»Der Führer brachte wieder einmal seinen rücksichtslosen Entschluß zum Ausdruck, Europa von den Juden zu säubern. [...] Die Juden haben die Katastrophe, die sie jetzt erleben, reichlich verdient.«

Am 27. März schließlich diktierte Goebbels eine laut Irving

»außerordentlich gefühllose und kalte Eintragung für sein Tagebuch, die bestätigt, daß er zumindest jetzt nur wenig Zweifel hatte, was geschehen würde: "In Lublin beginnend, werden die Juden jetzt aus dem Generalgouvernement weiter nach Osten deportiert. Es wird hier ein ziemlich barbarisches und nicht näher zu beschreibendes Verfahren angewandt, und von den Juden selbst bleibt nicht mehr viel übrig. Im großen kann man wohl feststellen, daß 60 Prozent davon liquidiert werden müssen, während 40 Prozent in der Arbeit eingesetzt werden können."«[6]

In einem Beitrag für das Journal of Historical Review meint Irving, daß alles, was sich daraus entnehmen lasse, sei, daß die Juden eine ziemlich harte Zeit durchlebten.[7]Das ist wohl die lockerste Bezeichnung, die jemals für "Liquidationen" benutzt worden ist. Diese Passage ist tatsächlich aber vorausschauender als Irving wahrhaben will, denn am 7.3.1942 schreibt Goebbels in seinem Tagebuch, noch gebe es 11 Millionen Juden in Europa. Wenn aber von diesen 60 % liquidiert würden, wie er 20 Tage später nahelegt, so ergibt sich daraus ein recht gute Annäherung an die 6-Millionen-Ziffer, und dies aus der Feder eines Führers des Naziregime.

Interessanterweise und im Gegensatz zu dem schlechten Ruf, den Irving und sein Goebbels-Buch in den USA erhalten haben, macht Irving in diesem Band keinen Versuch, Goebbels angesichts des folgenden Eintrages in sein Tagebuch zu rehabilitieren:[6]

»An den Juden würde ein Strafgericht vollzogen, das zwar barbarisch sei, daß sie aber vollauf verdient hätten. Er zitierte wieder Hitlers Prophezeiung aus dem Jahre 1939, die er den Juden für die Herbeiführung eines neuen Weltkrieges mit auf den Weg gegeben habe, die sich nun in furchtbarster Weise zu verwirklichen beginne. "Man darf in diesen Dingen keine Sentimentalität obwalten lassen. Die Juden würden, wenn wir uns ihrer nicht erwehren würden, uns vernichten. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod zwischen der arischen Rasse und dem jüdischen Bazillus", folgerte Goebbels und übernahm Hitlers Lieblingsvergleich. "Keine andere Regierung und kein anderes Regime könnte die Kraft aufbringen, diese Frage generell zu lösen. Auch hier", diktierte er seinem Stenographen, "ist der Führer der unentwegte Vorkämpfer und Wortführer einer radikalen Lösung, die nach Lage der Dinge geboten ist und deshalb unausweichlich erscheint."«

Was könnte aber eine "radikale Lösung" anderes bedeuten als Völkermord? Der Plan, die Juden nach Madagaskar zu deportieren, war gestorben, und außer den Lagern gab es im Osten nichts, wo man sie hätte hinschicken können. Und wiederum erkennen wir die Konvergenz der Beweise, die daraus hinauslaufen, daß mit der Endlösung schließlich der Massenmord gemeint war.


Anmerkungen

[1]Die hier nun etwas gekürzten Ausführungen Shermers zum KL Majdanek vertreten eine dezidiert exterminationiste Auffassung von Planung, Bau und Betrieb von Menschentötungsgaskammern und ruhen auf folgender, von Herrn Shermer nicht genauer spezifizierter Sekundärliteratur: Jozef Marszalek, The Concentration Camp in Lublin, Interpress, Warschau 1986; Van Pelt, 1994; Pressac, in Shapiro, 1985; Michael Tregenza 1996 (zwei Werke).
[2]Auch hier wurde leicht gekürzt, und zwar weil
1. keine Rückübersetzungen aus dem Englischen erfolgen soll;
2. die von Prof. Shermer angeführten Dokumente altbekannt sind;
3. Prof. Shermer nur unvollständige Quellenangaben machte;
4. der Leser gegebenenfalls nach der Veröffentlichung seines Buches noch Gelegenheit haben wird, dieses in Gänze zur Kenntnis zu nehmen.
[3]Nürnberger Dok. 3363-PS, 891.
[4]Nürnberger Dok. 3363-PS, 892.
[5]D. Irving, Goebbels, Macht und Magie, Arndt, Kiel 1997, S. 393.
[6]Ebenda, S. 394.
[7]JHR, 15(1) (1995), S. 17.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(2) (1999), S. 173-175.


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