Über den Abfall eines jüdischen Revisionisten

Der Fall David Cole: Bekehrung oder gewaltsame Beugung?

Von Prof. Dr. Michael Shermer

Seit einigen Jahren verfolgt Prof. Shermer die Entwicklung des Holocaust-Revisionismus mit großer Aufmerksamkeit. Im letzte Heft VffG 1/99 berichteten wir bereits über eine Debatte zwischen ihm und Mark Weber vom Institute for Historical Review (IHR), ausgelöst durch ein Themenheft des von Prof. Shermer herausgegebenen Magazins Skeptic, in dem er sich u.a. mit dem Revisionismus beschäftigte. Seither wurde in seiner Zeitschrift immer wieder über das Thema berichtet, so auch im Frühjahr 1998 über die Ende März 1998 abgehaltene IHR Konferenz, bei der Prof. Shermer teilnahm. Nachfolgend geben wir eine gekürzte Fassung des Berichts von Prof. Shermer wieder.[1]


Während der letzten Konferenz des Institute for Historical Review nahmen neben den beiden Herausgebern des Journal of Historical Review, Mark Weber und Greg Raven, auch der Mathematiker Dr. Costas Zaverdinos von der Universität Natal in Südafrika teil sowie der Manchmal-Revisionist David Irving. Während Greg Raven über den Streit des IHR mit Willis Carto und über die Fortschritte bei der Präsentation des IHR im Internet berichtete, merkte Mark Weber in einer Rede an, es sei ungerecht, die in die USA einreisenden Besucher nur nach möglichen Beteiligungen an NS-Verbrechen zu fragen, während Beteiligungen an den ungezählten anderen Völkermordverbrechen dieses Jahrhunderts anscheinend niemanden interessierten. Während man offenbar den »traditionellen Feinden der Wahrheit« (einem geflügelten Wort bei diesem Treffen) einen Sonderstatus gewähre, würden alle anderen zweitklassig behandelt. Dies alles kulminiere, so Weber, in einem Museum in Washington, wo man den ausländischen Opfern eines ausländischen Regimes in einem fremden Land gedenke.

Höhepunkt dieser Konferenz war der Vortrag von David Irving, den er paradoxerweise mit einer Distanzierung vom Revisionismus einleitete, indem er ausdrückte, er mache »alternative Geschichtsschreibung« oder »wahre Geschichtsschreibung«. So vertrat er an diesem Abend die Ansicht, Churchill habe im voraus von dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor gewußt, dies aber absichtlich den Amerikanern nicht mitgeteilt, um so deren Eintritt in den Krieg zu beschleunigen. Meiner Ansicht nach ruht diese Schlußfolgerung allerdings lediglich auf zweideutigen Dokumenten, die man so wie Irving interpretieren kann, aber nicht muß.

Daran schloß er eine Berichterstattung über seinen fortschreitenden Zivilprozeß gegen Deborah Lipstadt an, die ihn seiner Ansicht nach in ihrem Buch Leugnen des Holocaust mehrfach verunglimpft habe.

Das überraschendste Ereignis dieser Veranstaltung war allerdings die Mitteilung, der frühere jüdische Holocaust-Revisionist David Cole, der vor einiger Zeit zusammen mit seinen Revisionistenkollegen Bradley Smith und mit dem Herausgeber von Skeptic Magazin, Michael Shermer, in der US-Talkshow Donahue aufgetreten war, habe sich vom Revisionismus losgesagt. Die Umstände dieses Abfalls sind allerdings höchst merkwürdig. Er folgte einem auf der Internet-Seite der Jewish Defense League veröffentlichten Artikel von Robert J. Newman mit dem Titel »David Cole: Monstrous Traitor« (monströser Verräter), in der Cole als »Krankheit«, als eine »Geisteskrankheit« bezeichnet wurde sowie als »menschlicher Parasit, der seinen feurigen Nazi-Helfern und -Freunden anhängt, die seine Ideen vollherzig unterstützen.« Der JDL-Artikel schlußfolgert:

David Cole interviewt eine polnische Fremdenführerin in Auschwitz - und ertappt sie bei zahlreichen Propagandalügen.

»Meinen Sie nicht, daß es Zeit ist, daß wir dieses verrottete, krankhafte Individuum den Abfluß runterspülen? Ein David Cole weniger auf dieser Welt wird den Judenhaß sicher nicht beenden, aber damit wäre ein gefährliches, parasitäres, krankheitsbehaftetes Bakterium beseitigt, das sonst die Gesellschaft infizieren würde.«

Diesem Artikel folgte eine Ankündigung einer Belohnung für Informationen:

»JDL möchte wissen, wo sich der Holocaust-Leugner David Cole - siehe das obige Bild - aufhällt. Jeder, der uns die richtige Adresse mitteilt, erhält eine finanzielle Belohnung.«[2]

Prompt erschien kurz darauf, am 2.1.1998, auf der Website von JDL eine »Erklärung von David Cole«, in der Cole ausführte, daß alles, was er bisher über den Holocaust geglaubt habe, falsch sei, und daß er nun an die Standardversion glaube, wie sie in den Standard-Holocaustbüchern wiedergegeben werde. Er erklärte, daß

»ich während meiner vier Jahre als Leugner von Selbsthaß und Ekel zugrundegerichtet wurde [...] den Haß, den ich für mich selbst empfand, lud ich auf meinem Volk ab [...]. Ich bin von pseudo-wissenschaftlichem Unsinn und intelligent klingenden, aber hohlen Ideen und Schlagwörtern verführt worden«[3]

Er schloß die Erklärung wie folgt:

»Was ich getan habe, tut mir leid, und es tut mir leid, daß ich anderen Schmerzen bereitet habe. Diese Erklärung erfolgt aus freiem Willen und ohne Zwang, und ich bin froh, sie mit meiner vollen Zustimmung Herrn Irv Rubin von der Jewish Defense League geben zu können zwecks weitest möglicher Verbreitung.«

Laut Angaben der JDL-Webseite wurde die Unterschrift von David Cole notariell beglaubigt.

Dr. Franciczek Piper, Leiter des Museums Auschwitz, wird von David Cole mit den Propagandalügen seiner Fremdenführer und sonstigen Widersprüchen konfrontiert und gerät in arge Argumentationsnot.

Irgend etwas stimmt hier nicht. Angenommen, er hat diesen Widerruf wirklich geschrieben, ist es denkbar, daß er dies angesichts der obigen Andeutungen seitens der JDL ohne jede Angst um sein Leben tun konnte? Irv Rubin erklärte gemäß einem Interview vom 6. April 1998 dazu folgendes:

»Das war kein Anschlag oder Mordauftrag gegen ihn. Wir wollten lediglich herausfinden, was er gerade tat und was der Stand der Dinge war. Wir wußten nicht, ob er wirklich die Holocaust-Leugnungsbewegung verlassen hatte, wir frugen uns nur, wo er steckte. Wir wollten uns nur mit ihm zusammensetzen und herausfinden, was er gerade tut.

Schließlich habe ich in per Telefon erreicht und habe mehrmals mit ihm gesprochen. Er bat mich, ihn von unserer Website herunterzunehmen, weil er Angst hatte, jemand könnte diesen Artikel als Aufforderung zu einem Anschlag oder als Mordauftrag verstehen. Er ist nach Michigan umgezogen und sorgt dort für einen kranken Verwandten und er hat Angst, daß etwas Schlimmes passieren wird. Er sandte uns einige hundert Dollar, um uns zu helfen, dafür zu sorgen, daß Bradley Smith aufhört, sein Video zu verkaufen. Er sagt, die Videos seien ein Betrug und eine Fälschung«[4]

Rubin wiederholte zudem Coles Ansicht, daß das IHR längst eingegangen wäre, hätte es nicht die Möglichkeit gehabt, ein Video über die Debatte von Mark Weber mit Michael Shermer in einer Auflage von 30.000 Exemplaren zu verkaufen. Cole schloß daher gegenüber Rubin, daß Shermer dafür verantwortlich sei, daß das IHR weitermachen könne. Weber meinte dazu:

»Das ist lächerlich. Wir haben davon tausend, höchsten vielleicht zweitausend verkauft. Das IHR wird durch Spenden von Unterstützern, durch die Abonnenten unserer Zeitschrift sowie durch den Verkauf unserer Bücher und Videos finanziert. Unser Bestseller ist immer noch Arthur Butz' Der Jahrhundertbetrug.«

Auf die Frage, ob Cole diesen Widerruf vielleicht geschrieben habe, um sich selbst zu schützen, antwortete Rubin wie folgt:

»Ich setze meine persönliche Glaubwürdigkeit auf seine Konvertierung. Dies ist das Ergebnis der Tatsache, daß jemand es ihm ermöglichte, wieder das Tageslicht zu erkennen. Jemand zeigte ihm steinharte Beweise für den Holocaust, und deshalb konvertierte er.[5] Er hat erkannt, daß er zuvor falsch lag. Ich bin mir dessen sicher, weil ich beim UCLA einen Faustkampf mit ihm hatte, und er wurde dabei erniedrigt. Und wenn er sich danach besinnt und mir sogar noch 200 Dollar schickt, dann muß er es ernst meinen. Er verachtet Bradley Smith und Ernst Zündel zutiefst. Ich habe das große Zittern gehabt, bis ich den Notarstempel unter dem Brief gesehen habe. Derartige radikale Ansichtsänderungen macht man normalerweise nicht. Ich glaube, daß der Bursche es ehrlich meint. Im Briefwechsel mit mir schrieb er, er habe die Leugnerbewegung vor drei Jahren verlassen, und wir haben unser Material erst vor einem Jahr ins Internet gehängt.«

Aber dennoch schloß Rubin seine Anmerkungen, indem er wiederholte, Cole »habe tödliche Angst um sein Leben gehabt, daß ihn jemand finden und erschießen würde.« Nach Ausführungen des IHR sei diese Interpretation durch Cole nicht unangebracht, da das FBI die JDL bereits als terroristische Organisation bezeichnet habe. Rubin dagegen meint, das FBI habe diese im Jahr 1985 verwendete Bezeichnung inzwischen zurückgenommen. In der Literatur des IHR wird darüber spekuliert, daß die JDL für den Brandanschlag verantwortlich ist, der 1984 gegen das Hauptgebäude des IHR erfolgt sei, auch wenn Weber zugibt, daß dies niemals habe bewiesen werden können. Rubin bestreitet diesen Vorwurf.

Nach mehreren Versuchen unsererseits, Cole zu erreichen, rief er uns schließlich kurz vor Mitternacht am 10. April 1998 im Büro der Skeptic Society an, und bat darum, den Hörer wieder aufzulegen, so daß er eine Nachricht auf Band hinterlassen könne, die wie folgt lautet:

»Nun hören Sie fein zu, denn dies wird das einzige Mal sein, daß ich mit Ihnen kommuniziere. Eigentlich wollte ich Ihre Anrufe nicht beantworten, aber nachdem ich mit Irv Rubin gesprochen habe, dessen Rat ich in den letzten Monaten zu schätzen gelernt habe, ist mir klar geworden, daß mein Schweigen von Ihnen in dem Sinne falsch interpretiert werden könnte, daß ich mich von meinem der Jewish Defense League gegenüber abgegebenen Widerruf zur Klärung meiner geänderten Haltung zum Holocaust distanziere. Aus diesem Grunde lassen Sie mich absolut kristallklar feststellen, daß diese Erklärung eine völlig zutreffende Zusammenfassung meiner momentanen Ansichten ist. Ich habe sie aus eigenem Willen abgegeben, und sie war in keiner Weise das Ergebnis von Drohung, Erpressung oder irgendwelchen Mordaufträgen gegen mich. Die Leute, die Derartiges verbreiten, liegen damit entweder falsch oder wollen mir absichtlich Ärger bereiten. Meine Weigerung, Ihre Anrufe zu erwidern, ist in meinen Ansichten über Sie und Ihre Methoden begründet. Dies wird meine einzige Nachricht an Sie sein. Bitte sehen Sie davon ab, mich erneut anzurufen.«

David Coles Widerruf ist angesichts all dessen, was er zuvor hervorgebracht hat,[6] dermaßen unwahrscheinlich, daß eine gesunde Dosis Skepsis angebracht ist, bis nähere Informationen erhältlich sind.


Anmerkungen

[1]Vgl. Skeptic, 6(1) (1998), S. 23ff. Folgende von ihm abgehandelte Themen wurden hier gekürzt: a) Bericht über die juristische Auseinandersetzung des IHR mit Willis Carto; da wir uns in diesen überflüssigen Streit nicht einmischen wollen, sparen wir dieses leidige Thema grundsätzlich aus. b) David Irvings Ausführungen zum Thema Pearl Harbor, da wir über das Thema in einer Rezension bereits in VffG 3/98, S. 234ff., ausführlich berichtet haben; c) David Irvings inzwischen veraltete Darlegungen seiner Auseinandersetzung mit Deborah Lipstadt; Interessierte seien auf die aktualisierte Berichterstattung auf seiner Website, www.fpp.co.uk, verwiesen.
[2]Dieser Artikel wurde von JDL inzwischen von ihrer Website gelöscht, aber er kann bei Codoh gefunden werden: codoh.com/cole/Traitor_amer.html
[3]Die Erklärung im Wortlaut ist zu finden unter: codoh.com/censor/censgunpoint.html und bei JDL unter jdl.org/cole.html.
[4]Ein Transcript sowie das Video zum herunterladen gibt es bei: codoh.com/gcgv/gcgvcole.html (Transcript) bzw. codoh.com/cole.ra (Video)
[5]Ein trefflicher Kommentar zu diesen »steinharten Beweisen«, die man den Revisionisten und der Öffentlichkeit vorenthält, ist zu finden unter: codoh.com/newrevoices/nrhenry/nrvproof.html. Anm. des Übers.
[6]Vgl. dazu auch David Coles »46 Questions About the Gas Chambers«, codoh.com/gcgv/gc46-ORIGI.HTML.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(2) (1999), S. 192-194.


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