Wahnwelten

Von Ernst Manon

Im Heft 1/1999 veröffentlichten wir die ersten psychiologschen Betrachtungen von Ernst Manon über die Problematik der jüdischen "Erinnerungen" an den "Holocaust" sowie über den deutschen Büßerzwang. Nachfolgend werden diese Untersuchungen ausgeweitet und vertieft, wobei das Schwergewicht auf die Analyse der häufig anzutreffenden Tendenz mosaischer Glaubensanhänger gelegt wird, wahnanaloge Vorstellungen für reale Vorgänge zu halten. Das Aufbauen von derartigen geistigen Wahnwelten wird anhand einiger Beispielen vorgestellt und seine Bedeutung für die moderne Vergangenheitsbewältigungsmaschinerie herausgearbeitet.


In der Fachzeitschrift Der Nervenarzt stellen die Ärzte Dr. L Wilkes und Dr. R. Albert von der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Erlangen den "Fall" des jungen Heinrich Heine vor (wie bereits in VffG 1/1999, S. 28 erwähnt):[1]

»Heinrich Heine wuchs in Düsseldorf auf. Sein Vater war ein jüdischer Kaufmann [...] Seine Mutter war eine überzeugte Anhängerin der Aufklärung und des Erziehungsideals Rousseaus [...] "Ihre Vernunft und ihre Empfindung war die Gesundheit selbst, und nicht von ihr erbte ich den Sinn für das Phantastische und die Romantik. Sie hatte, wie ich schon erwähnte, eine Angst vor Poesie, entriß mir jeden Roman, den sie in meinen Händen fand, erlaubte mir keinen Besuch des Schauspiels, versagte mir alle Teilnahme an Volksspielen, überwachte die Mägde, welche in meiner Gegenwart Gespenstergeschichten erzählten, kurz, sie tat alles mögliche, um Aberglauben und Poesie von mir zu entfernen." Doch ihre Bemühungen waren fruchtlos. Der junge Heine hörte begierig zu, wenn die Amme Märchenhaftes erzählte und schaurige Gespenstergeschichten erfand. [...] Mit besonderem Interesse lauschte der junge Heinrich auch, wenn seine alten Tanten alte Familienanekdoten erzählten und längst verstorbene Urahnen in ihren Erzählungen wieder lebendig werden ließen. [...] Eine besondere Rolle spielte dabei die Geschichte des Lebens seines Großonkels Simon de Geldern. [...] Man nannte ihn den Chevalier oder auch den "Morgenländer", weil er große Reisen in den Orient gemacht und sich bei seiner Rückkehr immer in orientalischer Tracht gekleidet haben soll. [...] Ein unabhängiger Beduinenstamm habe ihn schließlich zum Anführer oder Scheik gewählt. Dieses kriegerische Völkchen habe in Fehde mit allen Nachbarstämmen gelebt und sei der Schrecken der Karawanen gewesen. Zitat Heine: "Europäisch zu reden, mein seliger Großoheim ward Räuberhauptmann." [...] Der junge Heine war von dieser schillernden Figur mehr als fasziniert. Beim Stöbern auf einem alten Dachboden fand er dann in einer verstaubten Kiste ein Notizbuch von der Hand dieses Großonkels. Dieses Notizbuch nennt Heine seinen besten und kostbarsten Fund. Zwar konnte er bei dessen Lektüre nicht viel Sicheres ermitteln [...] Jedoch scheint es gerade dieses Vage, Unbestimmte und Geheimnisvolle gewesen zu sein, was den jungen Heine so magisch anzog. Hierdurch blieb ihm genug Platz für seine eigenen Phantasien, die durch diese Lektüre beflügelt wurden. [...] Alles, was er von seinem Großonkel hörte, machte einen unauslöschlichen Eindruck auf sein junges Gemüt, "Ich versenkte mich so tief in seine Irrfahrten und Schicksale, daß mich manchmal am hellen, lichten Tage ein unheimliches Gefühl ergriff und es mir vorkam, als sei ich selbst mein seliger Großoheim und als lebte ich nur eine Fortsetzung des Lebens jenes längst Verstorbenen."[[2]]

Wir stehen hier vor dem Phänomen einer sich entwickelnden Pseudologia phantastica, wie sie der Psychiater Anton Delbrück Ende des letzten Jahrhunderts erstmals benannt hat.[[3]] Hierunter verstehen wir das Verschmelzen von Phantasie und Wirklichkeit in einer solch intensiven Art und Weise, daß der Tagträumer selbst oft nicht mehr zu unterscheiden vermag, was Realität und was Fiktion ist. Dieser Zustand kann vorübergehender Natur sein, er kann sich jedoch verfestigen und über längere Zeiträume das Denken beherrschen. Eine Eigentümlichkeit pseudologischer Zustandsbilder ist, daß eine übernommene Rolle nicht nur die Phantasie ausfüllt, sondern daß sie aufgrund ihrer Lebendigkeit und subjektiven Präsenz auch in die Realität übergreifen kann.

Hinweise hierfür finden wir auch bei Heinrich Heine, welcher in seinen Memoiren berichtet, daß er begangene Fehler gerne "auf Rechnung meines morgenländischen Doppelgängers" geschoben habe. So kam es, daß auch seine Eltern Zeugen seiner pseudologischen Phantasien und seiner Identifikation mit dem Großoheim wurden. Der Vater reagierte mit Humor, indem er schalkhaft zu seinem Jungen sagte, er hoffe, daß der Großoheim keine Wechsel unterschrieben habe, welche Heinrich einst zur Bezahlung präsentiert werden könnten. Heine selbst erinnert sich, daß dieser "wunderliche Zustand", wie er es nennt, wohl ein Jahr angedauert habe. [...] Aus manchen Indizien läßt sich [...] schließen, daß er sich in seinem 13. Lebensjahr befunden haben muß. "In diesen Träumen identifizierte ich mich gänzlich mit meinem Großoheim, und mit Grauen fühlte ich zugleich, daß ich ein anderer war und einer anderen Zeit angehörte. Da gab es Örtlichkeiten, die ich nie vorher gesehen, da gab es Verhältnisse, wovon ich früher keine Ahnung hatte, und doch wandelte ich dort mit sicherem Fuß und sicherem Verhalten. Da begegneten mir Menschen mit brennend bunten, sonderbaren Trachten und mit abenteuerlich wüsten Physiognomien, denen ich dennoch wie alten Bekannten die Hände drückte; ihre wildfremde, nie gehörte Sprache verstand ich, zu meiner Verwunderung antwortete ich ihnen sogar in derselben Sprache, während ich mit einer Heftigkeit gestikulierte, die mir nie eigen war und während ich sogar Dinge sagte, die mit meiner gewöhnlichen Denkweise widerwärtig kontrastierten."[[4]]

Und auch wenn Heine sagt, daß er nach diesem einen Jahr ganz zur Einheit seines Selbstbewußtseins zurückgefunden habe, so gesteht er doch ein, daß geheime Spuren dieser Pseudologien in seiner Seele zurückgeblieben sind.

Auslösende Faktoren: Wie es vielen Kindern auch heute noch geschieht, empfand der junge Heine sich und sein Alltagsleben als "scheinlos und klein". Welchen reichen Ersatz bot ihm da die Welt der Geschichten und Märchen! Sicherlich ist der hohe Grad der Einbildungskraft des jungen Heinrich als Merkmal seiner Primärpersönlichkeit eine wichtige und notwendige Bedingung für die Ausbildung einer Pseudologie gewesen. Sodann scheint der Ort der Lektüre des Tagebuches des Großoheims, die Atmosphäre, in welcher Heine diese geheimnisvollen Zeilen las, eine bedeutsame Rolle gespielt zu haben.

[...] Als weiterer bedeutsamer Faktor müssen die Erniedrigungen genannt werden, denen der junge Heinrich seinerzeit ausgesetzt war und die sich in Hänseleien durch Schulfreunde und im Hohn von Straßenjungen äußerten.

Zu den Auswirkungen des pseudologischen Zustandes auf sein weiteres Leben meint Heine, daß manche Idiosyskrasie, manche fatale Sympathie und Antipathie, die ihm gar nicht zu seinem Naturell zu passen schienen, ja sogar manche Handlungen, die im Widerspruch zu seiner Denkweise standen, sich ihm als Nachwirkung aus jener Traumzeit erklären, in der er sein eigener Großoheim war.«

Soweit auszugsweise der Artikel aus dem Nervenarzt. Im Spiegel konnte man unter dem Titel »Das Testament des Pharao« von den Forschungsergebnissen eines Rolf Krauss, Wissenschaftler am Ägyptischen Museum in Berlin erfahren:[5]

»Im Sperrfeuer wissenschaftlicher Untersuchungen hat sich der historische Kerngehalt des Alten Testaments als phantasievolles Potpourri entpuppt: Reale Personen durchgeistern dort pseudo-geschichtliche Trugwelten. Dichtung und Wahrheit sind ineinander verschürzt.[...] Auch der Heidelberger Theologe und akademische Oberrat Diebner hat aus der neuen Sachlage rigorose Konsequenzen gezogen: "Das Alte Testament mutet wie ein Märchen an", sagt er, "als Geschichtsbuch ist es unbrauchbar". [...] Fazit der Debatte: Die Bücher Mose sind "Fiktionsliteratur".«

Gewissermaßen religious fiction. So ganz neu ist diese Sachlage allerdings auch wieder nicht. Vor einigen Jahren erschien ein ähnliches, auf archäologischen Forschungen beruhendes Buch des Kopenhagener Theologen Thomas Thompson. Ein Rabbiner, nach seiner Meinung befragt, sagte dazu, es käme nicht auf die historische Faktizität sondern auf die dahinter stehende Weisheit an. Also Weisheit der Fiktion gegen Faktizität der Wirklichkeit! Auf einem Treffen biblischer Archäologen in San Francisco wurde Thompson von dem Harvard-Professor Lawrence E. Stager angegriffen, er würde wegen seiner kritischen Haltung gegenüber der historischen Realität gewisser alttestamentarischer Berichte den Revisionisten Gehör verschaffen, die leugnen würden, daß während des Holocaust Gaskammern benutzt wurden:[6]

»Ich kann einen solchen Verfall des wissenschaftlichen Standards und solche Verirrungen nur mit ganzer Seele, Herzen und Verstand verabscheuen.«

Thompson sieht den Entstehungsprozeß der Bibel als eine Art Diskussion über Tradition.[7] Er bestreitet die Existenz eines vereinten Königreiches unter David und Salomon im 10. Jh. v.d.Z..[8] Sein Kollege Niels Peter Lemche von der Kopenhagener Universität bestreitet sogar die Existenz Davids.[9] Auch der Massada-Mythos kam vor einigen Jahren ins Wanken, als man dort Schweineknochen gefunden hatte. Dort aber werden jedes Jahr die Rekruten der israelischen Armee unter dem Motto "Nie wieder" vereidigt. Larry Williams behauptet, den Berg Sinai nicht in Ägypten sondern in Südarabien lokalisieren zu können, womit auch der "Auszug aus Ägypten" in Wirklichkeit einen ganz anderen Verlauf genommen hätte.[10]

Über den aller Bibelgläubigkeit zugrunde liegenden Mythos schrieb der jüdische Sprachphilosoph Fritz Mauthner:[11]

Über unwahre Geschehnisse und nichtgeschehene Wahrheiten

»"Was schreibst du da?" fragte der Rabbiner. "Geschichten", antwortete ich. Er wollte wissen, welche Geschichten: "Wahre Geschichten? Über Menschen, die du kanntest?". Ja, über Dinge die passierten, oder hätten passieren können. "Aber sie passierten nicht?" Nein, nicht alle. Tatsächlich waren einige davon erfunden vom Anfang bis zum Ende. Der Rabbiner beugte sich nach vorn als nehme er Maß an mir und sagte, mehr traurig als ärgerlich: "Das bedeutet, daß du Lügen schreibst!" Ich antwortete nicht sofort. Das gescholtene Kind in mir hatte nichts zu seiner Verteidigung zu sagen. Dennoch, ich mußte mich rechtfertigen: "Die Dinge liegen nicht so einfach, Rabbiner. Manche Ereignisse geschehen, sind aber nicht wahr. Andere sind wahr, finden aber nie statt".«

Elie Wiesel in Legends of Our Time, Schocken Books, New York, 1982, Einleitung, S. viii.

»Es ist schwer ernst zu bleiben, wenn man den Begriff "Gottes Wort" untersuchen will. Wirklich: im Anfang war das Wort und Gott war ein Wort. Götter sind Worte. Und diesem verstiegensten aller Worte, dem Gotte, hat insbesondere die Gruppe von Religionen, die wir die monotheistischen nennen, Worte in den anthropomorphen Mund gelegt, Menschenworte, Worte der Weisheit und der Unwissenheit, die da und dort lange Zeit nur das Ansehen besaßen, wie etwa die Bücher alter Schriftsteller, die aber jedesmal zu authentischen Worten Gottes gestempelt wurden, sobald Ketzerei an der Echtheit zu zweifeln begann. [...] seit etwa 2000 Jahren bemühen sich Juden und Christen, einen authentischen Text von Gottes Wort herzustellen. [...] Fragen wir nun, was die Kirche unter authentisch versteht, so müssen wir natürlich von den Märchen absehen, mit denen die Gehirne unserer armen Kinder entartet werden: von dem Finger Gottes, der nach dem Judenmärchen z.B. die 10 Gebote in die Tafeln eingedrückt hat, und von dem hl. Geist des Christenmärchens, der immer dabei war, wenn von Moses bis auf die Evangelisten ein Mann eines der Kanonbücher schrieb, der dabei war, wenn ein andrer Mann eines der Bücher übersetzte, der wieder in der Nähe war, wenn die Übersetzung übersetzt wurde, d.h. ins Lateinische, die offizielle Sprache der kath. Kirche. Auf die neueren Sprachen ließ der hl. Geist sich nicht mehr ein. Was will es nun heißen, wenn das Konzil von Dient die Vulgata für authentisch erklärte? Wobei die groteske Tatsache nicht vergessen werden sollte, daß - wie wir alsbald erfahren werden - dieser authentische Text ja erst einige Jahrzehnte nach dieser Erklärung hergestellt wurde, daß also der hl. Geist die Männer des Konzils Textworte authentisieren ließ, die erst eine spätere Generation aus philologischen Gründen für die richtigen ansehen lernte.«

In der Süddeutschen Zeitung konnte man folgende Glosse eines gewissen Nikolaus Cybinski lesen:[12]

»Der Gedanke, der Holocaust könnte tatsächlich eine Erfindung Hollywoods sein, wird immer schwerer widerlegbar. Man muß Schindlers Liste nur oft genug gesehen haben.«

1990 sagte ein führender, orthodoxer Rabbi in Israel, der Holocaust sei Gottes Strafe dafür gewesen, daß Juden Schweinefleisch gegessen hätten.[13] Yehuda Bauer, Professor für Holocaust-Studien an der Universität von Jerusalem:[14]

»Poles and Jews alike are supplying those who deny the Holocaust with the best possible arguments.«

Benjamin Netanjahu:[15]

»Aus dem Holocaust wurde Israel geboren.«

Ignatz Bubis am 60. Jahrestag der sog. "Reichsprogromnacht":[16]

»Wer die Opfer der Shoa vergißt, tötet sie noch einmal.«

Hier noch ein Hinweis zur Bibelgläubigkeit: Eine Demontage neueren Datums liefert der Freiburger Psychologie-Professor Franz Buggle mit seinem umfangreichen Buch Denn sie wissen nicht, was sie glauben.[17] Im übrigen war die Sprache der Bibel eine sehr armselige; sie umfaßte nach Prof. Y. T. Radday nur 56.000 Wörter,[18] nach Richard Wurmbrand 6.500.[19] Die meisten Wörter hatten notwendigerweise sehr viele verschiedene Bedeutungen. Jede Übersetzung in eine andere Sprache, aber auch das Lesen im Urtext für den heutigen Leser, fußt daher auf mehr oder weniger willkürlicher Interpretation. Mit dieser grundsätzlichen Erkenntnis wird dem größten Teil der auf der Bibel beruhenden Literatur und Jahrhunderten der Glaubenskämpfe und Religionskriege der reale Hintergrund entzogen, denn letztlich ging es ja immer um Worte und Begriffe. Die Frage etwa nach der Sohnschaft Jesu wird nach Wurmbrand dadurch relativiert, daß Sohn u.a. auch Nachkomme und Jünger bedeuten konnte. Der israelische Philosoph Jeshajahu Leibowitz sieht die Sache in seinen Gesprächen über Gott und die Welt so:[20]

»Die Glaubensbasis ist unsere mündliche Tora - von Menschen geschaffen; sie ist zugleich die uns verpflichtende göttliche Tora. Das ist das Dogma des Judentums [S. 124 ...]. Die mündliche Tora entscheidet, daß die schriftliche Tora die heilige Schrift ist. [...] Die mündliche Tora ist einerseits ohne Zweifel ein menschliches Produkt, andererseits akzeptieren wir sie als göttliche Tora; die Tora, die wir selbst geschrieben haben, ist die göttliche Tora! [S. 125 ...] - In empirischer Hinsicht jedoch ist die Tora nur in dem Maße Tora, in dem sie vom jüdischen Volk als Tora akzeptiert wird. Über den Satz des Jesaja (Jes. 43,12) "Ihr seid meine Zeugen, spricht der Herr, und ich bin Gott" wagt der Midrasch[[21]] zu sagen: "Wenn ihr meine Zeugen seid, bin ich Gott; wenn ihr nicht meine Zeugen seid, bin ich sozusagen - nicht Gott."« (S. 133)

Das Christentum verachtet er, weil es wagt zu behaupten, die hebräische Bibel sei ein christliches Buch! (S. 80)

Auf einem Bein allein steht die Fiktionalität nicht gut:

»Gibt es nicht genug Historiker, Soziologen und andere Intellektuelle - in aller Welt und selbst in Israel -, die die Existenz eines jüdischen Volkes bestreiten! [S. 16 ...] Die herrlichsten Prophezeihungen für ein zukünftiges Schicksal sind den zehn Stämmen Israels gegeben worden - und zwar sowohl von Jeremia, von Ezechiel und von Hosea. Und diese Stämme sind dann spurlos vom Erdboden verschwunden [S. 141 ...]. Der einzige jüdische Inhalt, den viele jüdische Intellektuelle in ihrem Judentum finden, ist die Beschäftigung mit der Shoah: "Wir sind das Volk, dem man das angetan hat!" Diese Juden ersetzen das Judentum durch die Shoah.« (S. 98)

Für uns Deutsche gilt dann wohl spiegelbildlich, daß wir unser Deutschsein dadurch zu definieren haben, was wir den Juden (angeblich) angetan haben. Deutschland wird dabei als Nachkomme des biblischen Amalek gesehen, des Enkels von Esau, dem Bruder von Jakob, der sich später Israel nennen sollte (l. Mose 36, 12 ff.). Nach der Zählung des Moses Maimonides ist es das 189. aus der Thora abgeleitete Gebot für Juden, zu gedenken, was Amalek ihnen angetan hatte (5. Mose 25, 17), das 59. Verbot, nicht zu vergessen, was Amalek ihnen angetan hatte (5. Mose 25, 19) und das 188. Gebot, das Gedenken Amaleks auszulöschen (5. Mose 25, 19):[22]

»Maimonides führt aus, man soll dauernd darüber sprechen, um den Haß zu schüren und zum heiligen Krieg anzustacheln [...] Für den manipulativen Gebrauch dieser Erinnerung zur Selbstrechffertigung und -verherrlichung des Siegers ist das Auslöschen des Gedächtnisses der Besiegten sogar eine entscheidende Voraussetzung. Die Verschriftung vollstreckt durch den "tötenden Buchstaben" gleichsam in effigie die Vernichtung.«

Als Helmut Kohl vor fünf Jahren Simon Wiesenthal zum 85. Geburtstag gratulierte, bedankte er sich für »den Weg, den wir gehen dürfen.« Es dürfte sich um die langsame Selbstauflösung und Selbstverleugnung Amaleks als "Endlösung für Deutschland" handeln, für die wir dankbar sein sollen, anstelle der ursprünglich geplanten vollständigen, kriegerischen Auslöschung.

Was die Fiktionalität des (sog.) jüdischen Volkes anbetrifft, hatte Arthur Koestler 1976 mit seinem Buch Der Dreizehnte Stamm[23] die an sich schon länger bekannte These popularisiert, daß die Mehrzahl der ashkenasischen Ostjuden Abkömmlinge der Khasaren sind, eines kaukasischen Turkvolks, das im achten Jahrhundert aus rein pragmatisch-politischen Gründen zum Judentum übertrat. Diese haben ihrerseits umliegenden Völkern das Judentum vermittelt:[24]

»Viele polnische, bessarabische und ukrainische Juden stammen von Slawen oder Tataren ab, die einst zum Judentum bekehrt wurden unter dem militärischen oder politischen Einfluß der Chasaren, die vom 6. bis zum 10. Jahrhundert über ein gewaltiges Reich am Dnjepr herrschten und ihrerseits zum Judentum bekehrte Turaniden waren.«

Diese Theorie wurde schon Anfang der 40er Jahre von Abraham N. Poliak, Professor an der Universität von Tel Aviv, auf Hebräisch veröffentlicht (Khazaria, Tel Aviv). Koestler bezeichnete später die Geschichte des Khasaren-Reichs als »the most cruel hoax which history has ever perpetrated.« (Den grausamsten Betrug, den die Geschichte[?!?] jemals begangen hat.)[25] Kein Wunder, wenn manche meinen, daß er nicht freiwillig aus dem Leben schied. Aus seiner subjektiven Sicht mag es verständlich sein, wenn er diesen »Betrug« als den grausamsten bezeichnete. Die Todesumstände eines anderen Autors, Erwin Soratroi, der in einer türkischen Sauna tödliche Verletzungen erlitt, sind ebenfalls ungeklärt. Er hatte die Khasaren-Geschichte unter dem sinnigen Titel Attilas Erben auf Davids Thron auf den Punkt gebracht.[26] Koestlers Buch ist vergriffen, Soratrois Buch ist indiziert. Dabei gibt es längst anthropologische Untersuchungen jüdischer Wissenschaftler, die die Khasarentheorie stützen.[27] Die Unterdrückung wissenschaftlicher Erkenntnisse muß um so mehr erstaunen, als etwa Zvi Ankori vom Department für Jüdische Geschichte der Universität Tel Aviv in oben genanntem Werk schreibt,[28] was die Reinheit der rassischen Vorfahren des einen oder anderen Zweiges des Judentums anbetrifft, hätte Koestler nur ein Tor aufgestoßen, das schon weit offen stand!

»Aber selbst wenn man annimmt, daß die ursprünglichen Israeliten der biblischen Zeit eine "hebräische Rasse" begründeten - an sich schon eine höchst unglaubwürdige Annahme - hätte das Proselytentum, also die Aufnahme von Nichtjuden zu verschiedenen Zeiten, allein schon ausgereicht, um jegliche rassische Einheitlichkeit zu verhindern.«[29]

»Kurz gesagt, Judesein war für lange Zeit nicht eine Frage der Gene, sondern eines "mind-set".«[30]

Sprich: so etwas wie einer Weltanschauung, Geisteshaltung. Zu dieser Geisteshaltung gehört der Glaube an die Auserwähltheit. 1938 richtete Ben Chaim eine Proklamation an das jüdische Volk: Juda erwache, (Zürich):[31]

»Seine tiefste Ursache hat das Unglück des jüdischen Volkes letztlich nur in dem Glauben an seine Auserwähltheit, der durch die jüdische Religion verkündet, unserem Volke durch die Jahrtausende dermaßen in Fleisch und Blut übergegangen ist, daß er selbst noch heute auch bei vollkommen areligiösen oder antireligiösen Juden das Bewußtsein der Andersartigkeit und Auserwähltheit geschaffen hat. [S. 9] Die Welt hat aber keinen Respekt vor diesem Gottesvolk, in der richtigen Erkenntnis, daß ein Volk, das seine Pflichten zum Mitmenschen und zum Leben niedriger stellt, als die zu Gott, unmöglich das wahre Volk Gottes sein kann. [...] Noch immer wiederholen täglich viele hunderttausende Juden in ihrem Gebet: "Ato bochartonu mi kol ho om" / Du Gott, hast uns von allen Völkern auserwählt - und wenn auch vielen die Ungeheuerlichkeit, das Verbrecherische und die ganze Lächerlichkeit dieses Satzes nicht oder nicht ganz bewußt wird, so ist doch dieses Gebet nur Ausdruck der ganzen Grundhaltung unseres Volkes, die sich in allem unserem Tun und Lassen offenbart. In allen Bezirken unseres Lebens tritt uns diese Einstellung hindernd und trennend entgegen, sei es in unserer Beziehung zur Moral, zu unserem Mitbürger, zu unserem Gastgeber usw. Diese größenwahnsinnige Einstellung hat im Laufe der jahrtausendealten Wanderung und Erniedrigung schließlich auch die ursprünglichen edlen Eigenschaften unseres Volkes entstellt und verdorben.« (S. 13)

Hannes Stein aus Jerusalem, früher Mitarbeiter von FAZ und Spiegel, heute Autor der Berliner Zeitung, will uns allen Ernstes weismachen, daß,

»als Moses am Berg Sinai unter Blitz und Donner die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten in Empfang nahm, das freie Individuum geboren [wurde, ] das für seine Taten selbst verantwortlich ist. Das Christentum hat diesen jüdischen Gedanken manchmal willentlich, manchmal unwillig um die Welt getragen. [[32]...] zu den frohen Botschaften der Bibel gehört, daß es möglich ist, mit der angestammten Tradition zu brechen. [...] Europa gibt für diese Möglichkeit, der eigenen Herkunft zu entrinnen, das auffälligste und beste Beispiel. Denn was hat die europäische Kultur mit dem Christentum zu tun? Nichts. Die eigentliche, die ursprüngliche, die autochthone europäische Kultur ist heidnisch. [...] Hier schlürfte man Getreidesuppen und trank Bier. Der Sieg des Christentums in Europa war auch ein Sieg der Mittelmeerkultur.«[33]

Der »Sieg der Mittelmeerkultur« soll also heißen: des Judentums! Den letzteren Gedanken formuliert auch oben genannter Ankori:[34]

»Die jüdische Diaspora war insoweit erfolgreich, als sie den Weg ebnete für die Ausbreitung des Monotheismus, den alle nichtjüdischen Mittelmeer-Völker annahmen, wenn auch eher die christliche Variante als die ursprüngliche, jüdische Form.«

Wie sagte doch Shimon Peres:[35] »Die Welt ist jüdisch geworden.« Und daß die Demokratie jüdisch ist, hat uns schon David Feuchtwanger verraten:[36]

»Es gibt überhaupt nichts Demokratisches, was nicht jüdisch wäre, weil der ganze Demokratismus aus jüdischen Quellen fließt.«

UNITED STATES HOLOCAUST MEMORIAL MUSEUM

Götzentempel des 20. und 21. Jahrhunderts

Soll man lachen oder weinen angesichts so viel Chuzpe? Es mag der (gesunden) Phantasie des geneigten Lesers überlassen bleiben, ob und welche Analogien er hier in den genannten Beispielen ersehen will, ob er gar an ein Krankheitsbild denken will, das man kollektive hereditäre Pseudologia phantastica judaica nennen könnte. Des weiteren stellt sich die Frage, ob, wie etwa Hermann Schaber meint,[37] sich eine wirkliche - und noch dazu »messianische« - Lösung des uralten Konflikts denn tatsächlich »aus den biblischen Lehren insgesamt erschließt«. Wie kann aus einem fiktionalen System heraus »der Wille zur Wahrheit in allen Bereichen« erwachsen? Hören wir nochmal Leibowitz:[38]

»Und was den Messias betrifft - der bedeutende Inhalt der messianischen Idee liegt darin, daß das Kommen des Messias auf ewig ein zukünftiges Kommen sein wird. Jeder Messias, der kommt, ist ein falscher Messias.«

Abgesehen davon ist der messianische Gedanke - zumindest in der weltumspannenden Form - eine rein jüdische Erfindung - Morgenländerei, wenn man so will.

Auf das "humorvolle", erste antijüdische Pamphlet im Buch Esther, von Juden selbst als Parodie verfaßt, hatte ich bereits hingewiesen.[39] Wie Haman und seine zehn Söhne aufgehängt worden seien, so seien »am 16. und 17. Oktober 1946, im Jahr 5707 nach der Schöpfung, in Nürnberg 11 führende Nazis - der zwölfte, Hermann Göring, hatte Selbstmord begangen - aufgehängt« worden, schreibt Dr. Daniel Krochmalnik, ein Experte für jüdische Geschichte und Überlieferung. Mittels rabbinischer Hermeneutik lasse sich aus der Nennung der Namen der Söhne Hamans das Datum 5707 nach der Schöpfung ableiten:[40]

»Das Happy End war also schon in der Bibel vorprogrammiert.«

»Während manche Christen und sogar auch einige Juden das Esther-Buch als aggressiv empfinden, [...] nehmen es die meisten Juden als "fun and fantasy"'. [...] Juden, die die grausamen Launen und Verfolgungen der Nichtjuden durchlitten haben, erlauben sich die Phantasie, sich in der Rolle der Nichtjuden vorzustellen und die Nichtjuden in der Rolle der Juden.«[41]

Solcher Humor führe zur Deconstruktion einer Welt, die kurz zuvor noch unveränderbar erschien. Das Opfer würde zum Sieger, der Narr zum Weisen. Das Lachen führe zur Heilung, zur emotionalen Transzendenz der Welt. So, wie der fromme Jude Mordechai den antisemitischen Tyrannen Haman am persischen Hof ersetzt, setzen sich Juden in ihrer Phantasie an die Stelle der Nichtjuden in der Ordnung der Welt. Dieses lustvolle Ignorieren der Wirklichkeit, wie es das Purimfest mit sich bringt, zeige wie leicht aus einem Mordechai ein Haman, aus einem Kämpfer für Gerechtigkeit einfach ein Kämpfer werden kann. Der autoritäre Charakter dieser Zielsetzung müsse anerkannt werden.[42]

Irit Ciubotaru betont die Aktualität der Esther-Geschichte:[43]

»Die Symbolik dieser Geschichte trifft und betrifft Juden heute wie damals. Anpassung, Unscheinbarkeit und Anbiederung können nicht auf Dauer die bösartigen Absichten gegen Juden verschleiern. Die Umstände werden immer wieder so sein, daß sie - auf welche Weise auch immer - die Juden in ihrer Unverwechselbarkeit sichtbar machen und die Schleier der Assimilation fortreißen. Was dieses versteckte Wunder für uns so wichtig macht, ist die Botschaft, daß Gott uns immer wieder auf seine Weise zu unserer wahren Identität zurückführt.«

Der karnevaleske Charakter des Purim-Festes regt zum Vergleich an mit Fasching, Fastnacht, Karneval. Der Schweizer Kulturanthropologe Peter Weidkuhn kommt zu dem Schluß,

»daß die Fastnacht eine archaische Form [des] politischen Klassenkampfes darstellt, daß sie eine kulturelle Institution ist, die den permanenten gesellschaftlichen Konflikt regelt oder ritualisiert. Sie erlaubt es dem politisch Ausgebeuteten, Revolution zu machen, ohne wirklich Revolution zu machen, das heißt, seine soziale Position periodisch immer wieder kurzfristig zu 'verbessern', ohne daß die bestehende Herrschaftsstruktur der Gesellschaft überhaupt nur angetastet würde.«[44]

Er erinnert an das altrömische Fest der Saturnalien und an die verwandten altgriechischen Feste vom Typ der Kronien, bei denen Sklaven von ihren Herren bewirtet wurden und Freie von Leibeigenen geprügelt werden durften. In Babylon schließlich feierte man das Fest der Sakäen, an denen ein Sklave die Rolle des Könige übernahm. (S. 300). Die moderne englische Sozialanthropologie hat den Begriff des "ritual of rebellion", der ritualisierten Rebellion, geschaffen.

Die Wahrheit ist das wirkliche Opfer der Holocaust-Heiligung

»Nach einem der weltweit führenden Holocaust-Gelehrten, dem Yad Vashem Professor Yehudah Bauer [rechts]: "Die Geschichte von den 93 Mädchen der Beis-Yaacov-Mädchenschule in Krakau, die [1942] lieber Selbstmord begingen als in die Hände der Nazis zu fallen, ist kein Betrug als solcher. Es ist schlicht nicht passiert." [...] Aber keine Erklärung über die Entstehung "der 93" wird Herrn Leathon zufriedenstellen. "Es ist äußerst wichtig, daß die Geschichte des Holocaust nicht mit absurden Unwahrheiten verschmutzt wird", schreibt er protestierend an die Synagoge. "Wenn wir wollen, daß die Welt den wahren Zeugnissen der Überlebenden glaubt, müssen wir absolut sicher sein, daß wir sensationalistische Mythen nicht fortbestehen lassen«

Simon Rocker, Joseph Millis, »Is truth the real sacrificial victim?«, Jewish Chronicle, 23.4.1999, S. 31

»In der rituellen Anarchie erholt sich die Gesellschaft von sich selber. [...] Indem sie dies tut, erfährt sie aber nach kurzer Zeit von neuem, wie notwendig soziale Normen in Wirklichkeit sind. Die fastnächtlich-anarchische Auflösung jeder sozialen Struktur führt nach kurzer Zeit jedem diese Notwendigkeit handgreiflich vor Augen.«

Am Ende steht das »Signal zur antifastnächtlichen Konterrevolution«[45] Die Wirkung ist also eine zweifache: einerseits Festigung der bestehenden Ordnung und Versöhnung mit ihr - bis zum nächsten Mal; andererseits eine langsame, schrittweise Aufwertung der "rituell" Rebellierenden.

Weidkuhn, der die Pariser Studentenrevolte von 1968 zum Anlaß für seine Studie nahm, wirft dann einen Blick auf die damals »modernsten Formen des fastnächtlichen Chaos«, Herbert Marcuses Parole der »Großen Weigerung«:[46]

»Was sich bei Marcuse als Philosophie der Revolution maskiert, ist unter der Maske eine Philosophie der permanenten Fastnacht.«

Von Anfang an war diese Bewegung ja als Doppelstrategie angelegt: die spielerische bis terroristische Revolte auf der einen Seite, der »Marsch durch die Institutionen« andererseits. Letzterer hat ja heute schon seine (vorläufige ?) Erfüllung gefunden, so daß die andere Hälfte der Strategie, im hergebrachten Sinn jedenfalls, überflüssig geworden ist - oder ganz anderen Gruppierungen zufällt.

Einer der damaligen Wortführer, Jean-Paul Sartre, hatte die endgültige Lösung der Judenfrage von der Assimilation der Juden in einer "klassenlosen Gesellschaft" erwartet. Der Jude sei der Mensch, den die anderen als solchen betrachten. Der Antisemit mache den Juden.[47] Gegen eine solche Betrachtungsweise hatte Benny Uvy in einem letzten Interview 1979 mit Sartre vehement protestiert. Er wollte das Judentum vom Antisemitismus befreien.[48] Sartre wiederum beschwor den ehemaligen Maoisten, gerade als Jude der Weltrevolution treu zu bleiben. Seine frühere Haltung relativierend, beschrieb er, der ehemalige militante Atheist, nunmehr die jüdische Identität positiv aus seinem besonderen Verhältnis zu Gott. Seine Lebensgefährtin Simone de Beauvoir kommentierte das Interview:[49]

»Was für eine Sch...«

Kommen wir zurück zum Purim-Fest. Die "sozialhygienische" Funktion, die es die längste Zeit mit Fastnacht, Karneval usw. geteilt haben mag, dürfte obsolet geworden sein. Der Marsch durch die Institutionen fand 1945 sein vorläufiges "happy end". Für die Gehenkten in Nürnberg wurde der Thora-Humor zum grausig-blutigen Ernst. Julius Streichers letzte Worte sollen angeblich gewesen sein:[40]

»Dies ist mein Purimfest 1946«.

Wahrscheinlicher ist es wohl, daß man sie ihm nachträglich in den Mund gelegt hat, um der Hinrichtung den Anschein der Erfüllung einer Prophezeihung zu geben. Harlan Fiske Stone, der Oberste Richter des U.S. Supreme Court, nannte die Nürnberger Prozesse eine »hochklassige Lynchparty für die Deutschen«.

Auch »der Golfkrieg, den Saddam mit einer Vernichtung Israels verbinden wollte, endete just an Purim.«.[40] Nach derartigen, gewissermaßen halbamtlichen Enthüllungen brauchen wir uns nicht auf dubiose Verschwörungstheorien zu stützen, wenn wir feststellen, daß die US-amerikanische Kriegsmaschinerie und die ihrer Verbündeten einem thoranisch-kabbalistischen "timing" gehorchen.

Heute lesen manche sogar mittels Computeranalyse aus der Bibel die Prophezeihung "Holocaust in Israel" heraus, ja sogar den Spitznamen des derzeitigen Ministerpräsidenten, "Bibi"[50]. Christlichen, nichtjüdischen Lesern der Bibel bleiben derartige Erkenntnisse gewöhnlich versagt mangels Kenntnis der herbräischen Sprache, der Zahlenwerte der hebräischen Buchstaben und der darauf beruhenden Deutungen.

Insgesamt gesehen, ergeben sich für uns nicht bislang unbekannte Aspekte jüdischen Humors? Es war George Tabori,

»der sich als einziger den Schreckensscherz erlauben durfte, darauf hinzuweisen, daß "der kürzeste deutsche Witz Auschwitz" sei«, er »hat einmal darauf geschrieben, nur wer sich mit dem "Hintern, dem Bauch, dem Dann, dem Geschlecht" erinnere, erinnere sich überhaupt.«[51]

Wir wissen ja nun:

»Das Geheimnis der Erlösung ist die Erinnerung«.

Da ist es wohl gleichgültig, ob sie im Bauch oder im Hintern gepflegt wird. Walter Benjamin hob in einer Fußnote zur Judenvertreibung aus Spanien 1492 (betrieben von dem jüdischstämmigen Großinquisitor Torquemada) hervor, daß kabbalistischen Äußerungen zufolge, »Erlösung sowohl Befreiung als auch Katastrophe bedeute.«.[52] Also die Katastrophe eine Erlösung? Das Geheimnis der Katastrophe die Erinnerung?

»Damit Vergangenheit lebendig bleibt, damit sie nicht zum Gedanken erstarrt, muß sie das Kollektiv dauernd neu erfinden. [...] der metaphysische Haß [...] muß, wenn kein unmittelbarer Anlaß vorliegt, ausdrücklich geboten werden. [... Mit den beiden o.g. Haßgeboten der Thora] wird ein Gedenken verlangt, dem keine Erfahrung und keine Erinnerung entspricht. Es ist ein "kontrapräsentisches" Gedenken. [...] Der Überfall Amaleks geschieht ja nicht aus heiterem Himmel, sondern infolge von massiven Glaubenszweifeln Israels. [...] Nicht Amalek, sondern Israel ist selber schuld.«[53]

So einfach ist das! Schon Elie Wiesel, "Holocaust-Überlebender" und Friedensnobelpreisträger des Jahres 1986 schrieb in Legends of Our Time über Holocaust-Geschichten:[54]

»In der Tat waren einige frei erfunden, fast von Anfang bis Ende [...denn:] Manche Ereignisse geschehen, sind aber nicht wahr. Andere sind wahr, finden aber nie statt.«

Und Dieter Lattmann schreibt:[55]

»Es gibt das Paradox nach schöpferischer "Authentizität", die aus dem Nachempfinden ein halbes Jahrhundert später phantasiert.«

Selbstreferentieller Wahnsinn als raison d'être? Wie sagte doch Weizman zum Schluß seiner Rede im Deutschen Bundestag:[56]

»Wir sind ein Volk der Erinnerung und des Gebetes. Wir sind ein Volk der Worte und der Hoffnung. Wir haben keine Reiche geschaffen, keine Schlösser und Paläste gebaut. Nur Worte haben wir aneinander gefügt. Wir haben Schichten von Ideen aufeinandergelegt, Häuser der Erinnerungen errichtet und Türme der Sehnsucht geträumt.«

Mit "angestammten (fiktiven) Traditionen brechen - der eigenen (fiktiven) Herkunft entrinnen" (Hannes Stein), das gilt offenbar nicht im Judentum.

Jehova vor der absoluten Kritik:
Welch ein hohler Bombast! "Ich bin, der ich war,
und ich werde Ewiglich sein, der ich bin!"
Sprich doch: Ich ändre mich nie!
(Friedrich Hebbel)

»Eine Religion, die innerliche Unruhen, Kriege und Uneinigkeiten verursacht, ist die wahre Religion nicht.« (Michael Hospitalius, um 1560)

Auch deren Tochterreligionen nicht, möchte man hinzufügen, einschließlich Marxismus, jener »vierten judäischen Religion, in der Jahweh, der Gott der Juden, Christen und Mohammedaner, durch die "historische Notwendigkeit" ersetzt wird.«,[57] der über 100 Millionen Menschenleben zum Opfer dargebracht wurden, von denen etwa Alexander und Margarethe Mitscherlich meinten, sie würden sich »so etwas wie bezahlt machen«.[58]Und erst recht nicht jene fünfte, auf künstlich induziertem, metaphysischen Haß beruhende judäische Religion, die zur Zeit mit Hochdruck zum "kontrapräsentischen Gedenken" etabliert wird.


Anmerkungen

Hervorhebungen im Fettdruck in Zitaten vom Verfasser.

[1]Mai 1998, S. 437ff.
[2]H. Heine, Sämtliche Schriften, Ullstein, Frankfurt 1981, S. 562f.
[3]A. Delbrück, Die pathologische Lüge, Enke, Stuttgart 1891
[4]H. Heine, aaO. (Anm. 2), S. 573f.
[5]Nr. 26 vom 23. Juni 1997, S. 190ff.
[6]Biblical Archaelogy Review, März/April 1998, S. 61.
[7]Ebenda, July/August 1997, S. 32.
[8]Ebenda, S. 34.
[9]Ebenda, S. 40.
[10]The Mountain of Moses, CTI Publ. Co., Solana Beach, CA; Anzeige in: Biblical Archaeological Review, Nov. /Dec. 1996.
[11]Wörterbuch der Philosophie, 1. Band, »Gotteswort«, Georg Müller, München und Leipzig 1910, S. 458f.
[12]Süddeutsche Zeitung, 23. November 1996, »Krimi Spezial«.
[13]Nach Alan M. Dershowitz, Chutzpah, Little/Brown, Boston 1991, S. 132, Fußnote.
[14]The Jerusalem Post - International Edition, 30. September 1989, S. 7.
[15]Weser-Kurier, 24. April 1998, S. 3.
[16]Süddeutsche Zeitung, 10. November 1998, S. 5.
[17]Rowohlt, Reinbek 1992.
[18]Yehuda T. Radday, Auf den Spuren der Parascha, Diesterweg, Frankfurt/Main und Sauerländer, Aarau.
[19]Jesus, Freund der Terroristen[!], Stephanus, Uhldingen 1994, S. 78.
[20]Dvorah, Frankfurt a.M. 1990.
[21]Homiletische, erzählerische und rechtliche Auslegung und Erklärung der hebräischen Bibel.
[22]Daniel Krochmalnik: »Amalek - Vernichtung und Gedenken in der jüdischen Tradition« in: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Nr. 65, März 1995, S. 6.
[23]Dt.: Luebbe, Bergisch Gladbach 1989; engl.:
[24]Georges Friedmann, Das Endes des jüdischen Volkes?, Rowohlt, Reinbek 1968, S. 209.
[25]Vgl. die Rückseite der englischen Orignalausgabe des Koestler-Buches, The Thirteenth Tribe, Random Hous, New York 1976: »The story of the Khazar Empire, as it slowly emerges from the past, begins to look like the most cruel hoax which history has ever perpetrated.«
[26]Grabert, Tübingen 1992.
[27]R. M. Goodman, A. G. Motulsky, Genetic Diseases Among Ashkenazi Jews, New York, 1979, S. 19 ff., 171 ff., 296 ff.
[28]Ebenda, S. 22.
[29]Raphael und Jennifer Patai, The Myth of the Jewish Race, Detroit 1989, S. 51 ff.
[30]Ebenda, S. xiv.
[31]Reprint: Ben Chaim, Juda erwache! Proklamation an das jüdische Volk, Faksimile-Verlag, Bremen 1983.
[32]Moses und die Offenbarung der Demokratie, Rowohlt, Berlin 1998, S. 9.
[33]Ebenda, S. 49/50.
[34]Goodman & Motulsky, aaO. (Anm. 27), S. 23.
[35]Spiegel-Spezial 2/1989, S. 80.
[36]Zitiert nach Jüdische Gemeinschaft, 1. Jg., Ausgabe 24/25, Wien.
[37]Sleipnir, 6/98, S. 40f.
[38]AaO. (Anm. 20), S. 148.
[39]VffG, 1/1999, S. 34.
[40]Landesverband..., aaO. (Anm. 22), S. 5.
[41]Edward Greenstein, The Jewish Holidays; zitiert nach Svi Shapiro: »A Life on the Fringes« in: Tikkun; vol. 14, No. 1, Jan./Feb. 1999, S. 25.
[42]Nach Svi Shapiro, Purim: Humor in a Bitter World, Ebenda, S. 25f.
[43]Landesverband..., aaO. (Anm. 22), S. 3).
[44]Weidkuhn, »Fastnacht - Revolte - Revolution«; in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, Bd. XXI, Heft 4, 1969, S. 297f.
[45]Ebenda, S. 302.
[46]Ebenda, S. 303.
[47]Réflexions sur la question juive, Paris 1954; deusch: Drei Essays, Ullstein, Frankfurt a.M. u.a. 1985.
[48]In: Histoire, Nr. 3, 1979, S. 175.
[49]Daniel Krochmalnik, »Die letzten Worte des Jean-Paul Sartre«, in: Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden, Nr. 60, Dez. 1993, S. 20ff.
[50]Michael Drosnin, Der Bibel Code, Heyne, München 1997.
[51]FAZ vom 1. September 1998, S. 41.
[52]Fußnote 61 in H.-D. Sander, Die Auflösung aller Dinge, Castel del Monte, München o.J., S. 92.
[53]Krochmalnik, in: Landesverband..., aaO. (Anm. 22), S. 6f..
[54]Schocken, New York, 1982, S. VIII.
[55]»Lügner haben kurze Beine«, in: Süddeutsche Zeitung vom 26. Februar 1999, S. 13.
[56]Vgl.. VffG, 1/1999.
[57]Arnold Toynbee, Menschheit und Mutter Erde, Wien 1982, S. 485.
[58]Die Unfähigkeit zu trauern, Piper, München 1969, S. 333.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(3) (1999), S. 307-313.


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