Staatliche Raubritter

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir schreiben Ihnen diesen Brief, weil wir der Meinung sind, Sie könnten durch Veröffentlichung vielleicht vielen alten Menschen helfen ihre Lebensersparnisse vor Beschlagnahme und Besteuerung zu retten und erniedrigenden Durchsuchungen zu entgehen.

Es ist uns bekannt, daß bei Bahnreisen in die Schweiz der deutsche Zoll Beamte in Zivilkleidung bereits vor den Grenzübergängen in die Züge beordert. Zum Beispiel auf der Strecke Stuttgart-Zürich gehen die Zollbeamten jetzt schon in Tuttlingen an Bord und verhören regelrecht die Reisenden, meistens ältere, um sie bei Verdacht zur Leibesvisitation zu nehmen. Wir kennen Äußerungen von Zollbeamten, denen es leid tut, diesen Menschen ihr Geld abnehmen zu müssen. Falls jemand sagt, er hätte mehr als 30.000,- DM an sich, wird ihm alles über 30.000,- abgenommen mit der Bemerkung »Sie hören noch von uns«. Ein älterer Arzt, bei dem bedeutend mehr als 30.000,- DM gefunden wurden, war bei seiner Rückkehr geschockt, als seine Praxis und Wohnung vor seiner Ankunft bereits von der Steuerfahndung durchsucht worden war - durch den Zoll organisiert.

In der Schweizer Schaffhauser Zeitung wurde vor einigen Wochen der Fall eines älteren deutschen (Ärzte-)Ehepaares (aus dem Raum Stuttgart) erwähnt, das sich nach dem Durchgang der deutschen Paßkontrolle im Waggon vor der Schweizer Grenze freudig umarmte. Es wurde von einem Zivilbeamten sofort zur Durchsuchung genommen und 400 Tausendmarkscheine statt Butter in den Brötchen (Reiseproviant) des Paares gefunden und beschlagnahmt.

Eine ältere Dame wurde im Zug von einem jungen deutschen Zollbeamten verhört, der sie als verdächtig einstufte und zur Durchsuchung mitnahm. Darauf sagte sie - vollständig verwirrt durch die rauhen Fragen des Beamten - »aber meine Tochter ist ja auch im Zug, die hat auch noch etwas.«

Zwei jüngere Männer im Auto wurden an der Grenze gefragt, wo sie hinfuhren. »In den Urlaub in die Schweiz« war die Antwort. Da der Kofferraum aber kein Urlaubsgepäck enthielt, wurden sie durchsucht und eine größere Menge Geldes gefunden, die von den beiden wohl für jemanden in die Schweiz gebracht werden sollte.

Hier werden den alten Leuten ihre Ersparnisse konfisziert, nur weil sie in Panik dem Zwangsumtausch in das Pleitegeld Euro ausweichen wollen.

Wir möchten Sie bitten, diese Raubzug - von dem in den deutschen Medien nicht viel berichtet wird - mit allen verfügbaren Mitteln der deutschen Allgemeinheit kundzutun. Die Raubritter des "deutschen" Finanzministers, der im Parlament Krokodilstränen über sich und seine Familie weint, beschlagnahmen rücksichtslos die Lebensersparnisse von Menschen, die diesen Staat aufgebaut haben, um es sofort für ihre bankrotte Haushaltsführung zur Verfügung zu haben.

Was für einfache Menschen hier ohne Warnung ausgeplündert werden, kann man an der sparsamen Art des Transportes erkennen. Es ist zwar teurer, aber auf jeden Fall sicherer, in einer Grenzstadt zur Schweiz von Österreich, Frankreich oder Deutschland in einem Hotel zu übernachten und dann mit je 30.000,- DM über die Grenze zu gehen, so oft man will - ob mit Fahrrad, Auto, Zug oder Bus.

Mit freundlichen Grüßen.

Anonymus, in Europa am 19. September 2000


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(3&4) (2000), S. 249.


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