Eine Armee von Nieten

Die tragikomische Geschichte der britischen Heimwehr

Von Vivian Bird

Großbritanniens "Homeguard" (Heimwehr) wurde geschaffen, um einer Situation Abhilfe zu schaffen, die Winston Churchill durch seine haßerfüllte Kriegstreiberei selbst heraufbeschworen hatte. Sie richtete sich gegen eine imaginäre Bedrohung. In ihren Reihen wimmelte es nur so von Schlägertypen, die sich als Churchills Landsknechte betrachteten und dementsprechend aufführten. Das Treiben dieser Organisation führte dazu, daß viele anständige Briten von Landsleuten umgebracht oder schwer verletzt wurden, welche infolge der antideutschen Hetze buchstäblich den Verstand verloren hatten.

In den schicksalhaften Mai- und Junitagen des Jahres 1940, als sich das angeschlagene und demoralisierte britische Expeditionskorps unter Zurücklassung fast aller Waffen bei Dünkirchen einschiffte, um eine unrühmliche Rückfahrt nach England anzutreten, zermarterte sich die Churchill-Regierung verzweifelt das Gehirn darüber, welche Maßnahmen sie zur Bekämpfung der vermeintlich unmittelbar drohenden deutschen Invasion ergreifen sollte.

Sie hätte sich das Kopfzerbrechen sparen können. Neuere Forschungen haben zweifelsfrei ergeben, daß Adolf Hitler eine Invasion Großbritanniens nicht ernstlich erwogen hat. Hitler war aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg voll Bewunderung für die britischen Soldaten und gab sich der trügerischen Hoffnung hin, in Großbritannien würde die – damals in der Tat recht starke – Friedenspartei zum Dank dafür, daß Deutschland das Expeditionskorps nicht mit seinen massierten Panzerdivisionen zermalmt und die Briten so vollends gedemütigt hatte, den Kriegshetzer und Usurpator Churchill in die Wüste schicken und vernünftige deutsche Friedensbedingungen annehmen. Dies würde Deutschland die Möglichkeit bieten, die Sowjetunion ein für alle Male zu erledigen. Doch es sollte anders kommen. Damit wurden die Weichen für den steten Niedergang Großbritanniens als Weltmacht und den unwiderruflichen Verlust seines einst so gewaltigen Reiches gestellt.

Churchill, der eben noch am Ende schien und auf den kaum noch jemand auch nur einen Pfifferling gesetzt hätte, erlebte mit Dünkirchen seine Sternstunde. Er vertraute auf die unbegrenzte materielle Unterstützung seines Busenfreundes Franklin D. Roosevelt, der wie er selbst ein zähnefletschender Deutschenfresser war.

Während das arg gerupfte Expeditionskorps reorganisiert wurde und eine intensive militärische Weiterbildung durchlief, heckten Churchill und seine Kumpanen den Plan aus, eine riesige Miliz aus dem Boden zu stampfen, die sich aus älteren und teils gesundheitlich angeschlagenen Bürgern zusammensetzen sollte; manche davon waren Veteranen des Ersten Weltkriegs. Dies war der Startschuß zur Bildung einer Freiwilligenmiliz, welche die Bezeichnung Local Defense Volunteers erhielt; später wurde sie in Homeguard umgetauft. Alle Zivilisten zwischen 18 und 65 Jahren konnten dazu aufgeboten werden. Einige dieser "Rekruten" waren noch bedeutend älter als 65, und es gab sogar Männer darunter, welche die 80 längst überschritten hatten! Auch Minderjährigen bis hinunter zu Vierzehnjährigen flatterte ein Marschbefehl ins Haus.

Im Jahre 1944 zählte die Heimwehr zwei Millionen Angehörige; 1945 wurde sie dann aufgelöst. 1951, als Churchill wieder Premierminister wurde, ließ er die Miliz wiederbeleben, diesmal allerdings auf freiwilliger Basis, denn er fürchtete einen Angriff seines früheren Verbündeten Josef Stalin, mit dem er wenige Jährchen zuvor noch einen Vernichtungskrieg gegen die abendländische Kultur geführt hatte.

Dieser Heimwehraktivist – er trägt die für diese Organisation typische Kleidung, das R auf seinem Helm steht für "Rescue", Rettung – gönnt sich beim Trümmerräumen nach einem deutschen Luftangriff im Jahre 1940 eine Rauchpause.

Aufgrund der wachsenden revisionistischen Strömungen in Großbritannien ist die Heimwehr unlängst in einer Fernsehsendung mit dem Titel Secret History kritisch beleuchtet worden. Das von ihr gezeichnete Bild war nicht eben schmeichelhaft. Der Zuschauer mußte den Eindruck gewinnen, daß die Heimwehr vom ersten bis zum letzten Tag ihres Bestehens ein Sauhaufen war. Dies erklärt vielleicht die Beliebtheit der als Serie ausgestrahlten Fernsehkomödie Dad’s Army, in der eine umwerfend komische Einheit altersschwacher und geistig minderbemittelter Heimwehrmänner unter der Führung eines clownartigen Bankmanagers namens Capt. Mainwaring einen pyramidalen Schnitzer nach dem anderen begeht. In Wirklichkeit war die Heimwehr freilich bedeutend weniger lustig und weitaus gefährlicher – für die britische Zivilbevölkerung! Sie war nicht so sehr "Dad’s Army" – Papas Armee – als "Duds Army" – eine Armee von Nieten.

Fürchterliche Unfälle und verheerende Fehler häuften sich von Anfang an. Mehr als 760 Heimwehrangehörige fanden den Tod und 5.750 trugen ernsthafte Verletzungen davon – nicht durch Einwirkung der "Hunnen", sondern durch die Hand ihrer "Kameraden". Fünfzig Zivilisten wurden bei absurden Zwischenfällen von der Heimwehr getötet. Trotzdem wuchs die Heimwehr stetig an und wurde schließlich zu einem Frankenstein-Monster, der Schöpfung eines anderen Monsters, nämlich Winston Churchills.

Als Folge des von der Regierung erlassenen Befehls, nach »Spionen, Saboteuren und Angehörigen der Fünften Kolonne« Ausschau zu halten, beging die Heimwehr u.a. folgende Heldentaten:

– Im Dezember 1940 wurde ein fünfzehnjähriger Knabe erschossen, der auf seinem Fahrrad um eine Flugzeugfabrik herumfuhr und die warnenden Zurufe eines siebzehnjährigen Heimwehraktivisten überhört hatte. Es stellte sich dann heraus, daß der Radfahrer taub war und es sich beim Schützen um einen alten Schulkameraden gehandelt hatte.

– Ein Passant wurde von einem achtzehnjährigen Heimwehrmann erschossen, der nicht mit seiner Flinte umzugehen wußte.

– In Cornwall wälzte sich ein Heimwehrmitglied über eine Steinmauer, wobei sich Schüsse aus seinem Gewehr lösten und zwei seiner Kameraden töteten. Dieser Unfall führte zu einer endlosen, bis zum heutigen Tag schwelenden Fehde zwischen dem Unglücksschützen und dem Bruder eines der Opfer, der geschworen hatte, er werde weder vergessen noch vergeben.

Die Churchill-Regierung hatte die Bevölkerung dazu aufgerufen, auf der Hut vor deutschen Fallschirmspringern zu sein. Dies führte zu einer recht eigentümlichen Paranoia im ganzen Land. Ein unglücksseliger RAF-Pilot, der im Luftkampf von einer Messerschmidt abgeschossen worden war, sprang mit dem Fallschirm ab und hoffte, sicher auf britischem Boden zu landen. Statt dessen wurde er von Heimwehrmännern mit einem Kugelhagel begrüßt und schwer verletzt. Nach seiner Genesung kehrte er in die Reihen der RAF zurück und fiel im Kampf.

Zwei Heimwehrmänner schieben vor einem Regierungsgebäude in Whitehall Wache. Der Mann links könnte vom Alter her durchaus noch im Burenkrieg (1899-1902) gekämpft haben.

Opfer eines der schlimmsten unter diesen zahllosen Zwischenfällen war ein bedauernswerter Gemeindeangestellter, den man mit dem Ausmessen von Äckern beauftragt hatte. Obgleich er offizielle Dokumente mit sich trug, die seinen Auftrag bestätigten, sah er sich auf dem Feld alsbald von einer Rotte wildgewordener Dörfler umringt, die ihn für einen deutschen Fallschirmspringer und Spion hielten. Vergeblich versuchte er seine Aufgabe zu erklären und seine Identität unter Beweis zu stellen. Der Wahnsinn, der als Folge von Churchills Aufrufen um sich gegriffen hatte, war dermaßen unbeschreiblich, daß man die Worte eines besonnenen Dorfbewohners, der den Beteuerungen des Landvermessers glaubte und ihn schützen wollte, in den Wind schlug. Zu allem Unglück tauchte nun ein älterer Heimwehrangehöriger auf, der prompt versicherte, beide Männer seien deutsche Agenten. Die beiden unschuldigen Burschen rannten vor dem wütenden Mob davon, um ihre Haut zu retten, doch der Heimwehrmann schoß auf sie und traf beide tödlich in den Rücken. Er wurde zwar verhaftet, doch nur zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, da er, so das Gericht, »sich im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet hatte«. Ob er damals wohl wehrlose deutsche Kriegsgefangene niedergemäht haben mochte? Dieser Zwischenfall läßt erahnen, welches Klima der Furcht und des Hasses Churchill und seine Kumpanen angeheizt hatten.

Anfangs fehlte es der Heimwehr fast vollständig an modernen Waffen, und die frischgebackenen Rekruten mußten sich mit einem malerischen Sammelsurium von hausbackenen Mordinstrumenten zufriedengeben: Hellebarden aus dem Museum, Besenstiele, Schwerter, Sicheln, Beile, Gartenmesser, Armbrüste und was der schönen Dinge mehr sind. Tatterige Generäle des Ersten Weltkriegs wurden aus den Altersheimen herbeigetrommelt, um der Heimwehr Vorträge zum Thema »Wie springe ich mit den Hunnen um?« zu halten. Einer der namhaftesten britischen Historiker, Professor A.J.P. Taylor, spottete später, es sei ein großes Glück, daß sich die Heimwehr nie im Kampf mit deutschen Soldaten messen mußte. Auch einige ehemalige Heimwehrleute teilen diesen Standpunkt. Prof. Russel Tailby meinte etwa:

»Im Falle einer Invasion hätte die Heimwehr wohl bedeutend mehr ihrer eigenen Angehörigen als Deutsche erschossen.«

Nach und nach wurde die Heimwehr doch mit modernen Waffen ausgerüstet, und Churchill ordnete die Herstellung Hunderttausender von "Klebebomben" an. Diese sollten scharfgemacht, entsichert und dann nicht etwa auf die deutschen Panzer und anderen Fahrzeuge geworfen, sondern an deren Seiten geklebt werden, worauf der Heimwehr-Bomber Fersengeld gab. Bei der Vorführung der Wunderwaffe rannte ein Heimwehroffizier zu seinem Pech zu wenig rasch davon und wurde in Stücke gerissen. Diesen unsäglichen "Klebebomben" blieb der Test im Ernstfall erspart. Nicht weniger gefährlich für ihren Benutzer war eine andere Waffe, eine Minikanone mit dem malerischen Namen The Blacker Bombard, die lediglich 46 cm lang war, einen Durchmesser von knapp 16 cm aufwies und auf einem Dreifuß montiert wurde. Ein Heimwehr-Kanonier mußte die Granate von vorne einschieben und sich dann auf den Rücken legen, worauf sein Kamerad feuerte. Das Geschoß hüpfte dann wie ein Windhund von dannen, und die beiden Männer, welche die Kanone bedienten, saßen auf dem Boden und boten deutschen Scharfschützen ein bequemes Ziel.

Ach ja, und dann gab es noch das Northover Projectile, eine gußeiserne Spritze von etwa 2 m Länge. Am einen Ende wurde aus einer Flasche eine Flüssigkeit eingegossen, welche die Granate am anderen Ende zur Detonation brachte. In der Nähe dieser Waffe schwebte jedermann, ob Freund oder Feind, in akuter Lebensgefahr.

Nach einem deutschen Fliegerangriff auf Conventry untersuchen Heimwehrmänner ein ziviles Opfer. Rund 60.000 britische Zivilisten starben durch deutsche Bomben und Raketen. Die Heimwehr konnte mehrere hundert retten.

Eine Filiale der Heimwehr war die sogenannte Secret Army (Geheimarmee); Einzelheiten über diese sind unlängst freigegebenen Dokumenten zu entnehmen. Die Geheimarmee sollte im Fall einer deutschen Besetzung aus vorbereiteten Hinterhalten operieren und nicht nur Deutsche, sondern auch Kollaborateure und Verräter umlegen. Gemäß den Befehlen Churchills sollte jedermann, der ihre Pläne und Verstecke entdeckte, auf der Stelle getötet werden, selbst wenn die deutsche Invasion noch gar nicht erfolgt war.

In einem 1940 verfaßten Geheimbericht hieß es, im Falle einer deutschen Invasion würden große Teile der wohlhabenden Bürgerbevölkerung des englischen Südostens voraussichtlich mit den Besatzern zusammenarbeiten. Dies gab den Anstoß zur Bildung der "Geheimarmee". In Cornwall sollten stillgelegte Zinnbergwerke nutzbar gemacht werden, indem man in einem Netzwerk von Tunneln Waffen, Lebensmittel u.a. lagerte. Im Ernstfall hätten die Deutschen dies bald entdeckt und die Eingänge zu den Bergwerken durch Sprengung zugeschüttet, so daß die darin verborgenen Soldaten der Geheimarmee elend zugrunde gegangen wären.

Nach dem Kriegseintritt der UdSSR wurde die Heimwehr systematisch von Kommunisten und anderen Linksextremisten unterwandert, die bald in führende Positionen vorrückten. Tom Wintringham, ein roter Veteran des Spanischen Bürgerkrieges und Fachmann auf dem Gebiet des Guerrillakrieges und des Terrorismus, suchte als Vortragsredner eine Heimwehreinheit nach der anderen auf und demonstrierte, wie man tödliche Fallen legt, wie man selbst schlagkräftige Waffen anfertigen kann usw. Bei Penguin Books erschien in großer Auflage ein billiges Lehrbuch über seine Techniken, das noch heute einen erstrangigen Leitfaden für Terroristen abgäbe. Schließlich wurde es der Regierung angst und bang, ahnte sie doch allmählich, daß Wintringham und seine Genossen viel weitergehende Ziele verfolgte und daß sich die Heimwehreinheiten unter ihrer Führung mehr und mehr zu einer roten "Volksmiliz" mauserten. Um dem entgegenzuwirken, wurden reguläre Armeeoffiziere eingesetzt, welche dafür sorgen sollten, daß die Entwicklung der Heimwehr nicht außer Kontrolle geriet. 


Erstmalig veröffentlicht in The Barnes Review, 5(1) (1999), S. 42f. (130 Third Street SE, Washington, D.C., 20003, USA). Übersetzung von Jürgen Graf.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(3&4) (2000), S. 357ff.


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