Bombenschutzeinrichtungen in Birkenau: Eine Neubewertung

Von Samuel Crowell

Vor einigen Jahren kam die These auf, daß die zahlreichen "gasdichten" Einrichtungen in den Birkenauer Krematorien am besten als Abwehrmaßnahmen gegen chemische Kriegführung erklärbar seien. Die erste Entdeckung auf diesem Gebiet kam von Arthur R. Butz von der Northwestern University in seinem Artikel »Vergasungskeller« vom Juli 1996, in dem er argumentierte, daß die Kellerräume von Krematorium II und III so eingerichtet waren, daß sie als "Gasschutzraum" den Anforderungen der Abwehr chemischer Kriegsführung entsprachen. Im Frühjahr 1997 führten unsere eigenen Untersuchungen zu dem Artikel »Technik und Arbeitsweise deutscher Gasschutzbunker im Zweiten Weltkrieg« (im folgenden Technik genannt) der sich mit der Abwehr eines Gaskrieges aus Sicht des Luftschutzes befaßte und diese These anhand damaliger deutscher Literatur über den zivilen Luftschutz untermauerte.

Technik erweitete die Beweisführung in bezug auf Gasschutz beachtlich, stellte aber auch eine Verbindung her zwischen dem Schutz gegen chemische Kriegsführung und dem Schutz gegen Luftangriffe, denn es zeigte sich, daß die deutsche Planung von Schutzanlagen gegen Luftangriffe auch den Schutz gegen chemische Kriegsführung umfaßte: d.h. alle Bunker sollten Gasschutz bieten, und gassichere Unterkünfte waren notwendigerweise eben eine Variante bombensicherer Bunker.

Es muß betont werden, daß die Argumentation in Technik nicht allumfassend sein sollte, sondern den interessierten Leser nur auf die Literatur der deutschen zivilen Luftschutzmaßnahmen aufmerksam machen wollte, indem Ursprung und Zweck gasdichter Einrichtungen in den Krematorien von Birkenau erklärt wurden. Daher bot der Artikel einen einfachen Vergleich zwischen zwei Datensätzen: einerseits der Literatur über den deutschen zivilen Luftschutz und anderseits den sogenannten "kriminellen Spuren" von J.-C. Pressac.


Natürlich ist die Annahme ungewöhnlich, daß die Krematorien von Birkenau Schutzeinrichtungen gegen Bomben oder Giftgas besitzen, aber dieser Schluß schien uns unvermeidlich, angesichts der wesensbedingten Gleichheit aller "gasdichten" Einrichtungen, wie sie von Pressac[1] bemerkt und von der gewöhnlichen deutschen Literatur über zivile Luftschutzeinrichtungen beschrieben worden sind. Deshalb war es für uns wichtig, diese Angelegenheit der Öffentlichkeit zu unterbreiten. Zugleich war die Idee so ungewöhnlich, daß weitere Untersuchungen unabdingbar waren, und so folgte im Juli 1997 ein zweiter Artikel, »Schutz gegen die alliierte Bombenkriegführung« (weiterhin Schutz genannt).[2]

Das primäre Ziel von Schutz bestand einfach in der Untersuchung, ob die üblichen "gasdichten" Einrichtungen des deutschen zivilen Luftschutzes auch in Deutschland während des Krieges üblich waren. Das sekundäre Ziel von Schutz war die Beantwortung der Frage, ob es weitere Hinweise auf Bomben- oder Gasschutzeinrichtungen in den Konzentrationslagern gab, besonders in Auschwitz. Das Haupthindernis von Schutz war, daß wir zu der Zeit keine Dokumente hatten, welche die Existenz gasdichter Einrichtungen in Konzentrationslagern oder in Auschwitz bestätigten, während uns pausenlos von allen Seiten versichert wurde, daß es dort nie welche gegeben hätte.

Zusammen mit dem Eingangsartikel von Prof. Butz wurden Technik und Schutz die Grundlage eines im wesentlichen neuen Erklärungsmodells der "gasdichten" Einrichtungen in Auschwitz. Viele Jahre hindurch waren diese "gasdichten" Einrichtungen als Hinweise auf Menschentötungsanlagen betrachtet worden, während seit den späten 70er Jahren die übliche Antithese war, daß sich diese Hinweise auf "gasdichte" Einrichtungen alle auf Entlausungs- bzw. Entwesungsgaskammern bezogen. Wir können dies als "Gaskammerthese" bzw. "Entwesungsthese" bezeichnen. Der neue Gesichtspunkt des Schutzes gegen Giftgas in Verbindung mit einem Luftangriff lieferte jedoch ein drittes Modell, das wir "Bunkerthese" genannt haben.

Wir würden die Bunkerthese so umschreiben: Es gibt eine Reihe Gegenstände, Einrichtungen und Namen für Räumlichkeiten in den Krematorien von Birkenau und anderen Gebäuden in Auschwitz, und die meisten dieser Termini, obwohl nicht alle, beinhalten Hinweise auf Gasdichtheit. Die Bunkerthese sagt einfach aus, daß einige, oder viele, oder die meisten, oder fast alle Einrichtungen sich am besten im Zusammenhang mit dem Luftschutz erklären lassen, der gleichzeitig Schutzmaßnahmen gegen Gas(einsätze) beinhaltet. Wie jede These hat auch die Bunkerthese ihre Stärken und Schwächen. Es könnte sein, daß die These einige dieser "gasdichten" Einrichtungen erklärt, andere aber nicht. Es könnte sein, daß sie alle "gasdichten" Einrichtungen erklärt, und somit wäre es folgerichtig, daß die Einrichtungen in den Birkenauer Krematorien nur zum Ziel hatten, der Norm für den zivilen Luftschutz bzw. den Gasschutz-Richtlinien gerecht zu werden, und nicht Massenvergasungen oder Entwesungen zu ermöglichen. Die einzige Möglichkeit, diese These zu überprüfen, bestünde darin, daß die verschiedenen Experten aus diesem Bereich das zivile Luftschutzprogramm den vorhandenen Beweisen gegenüberstellen. Genau aus diesem Grund haben unsere Schriften diese Experten manchmal herausgefordert.

In diesem Fall sind die Experten jedoch in keiner Weise bereit, diese Thesen überhaupt aufzugreifen. Anfang 1998 bekamen wir Kopien von drei Dokumenten der Zentralbauleitung der Waffen- SS und Polizei Auschwitz (ZBL), die heute in Moskau archiviert sind, und die den Beweis erbrachten, daß das Lager bereits ein Jahr früher als angenommen mit Luftschutzmaßnahmen befaßt war. Diese Dokumente wurden zusammen mit einem kurzen Brief, der unsere vorgeschlagene Interpretation beinhaltete und in einem - zugegebenermaßen - herausfordernden, rüden Ton verfaßt war, im Internet auf der Website des britischen Historikers David Irving veröffentlicht.[3] Kurz davor wurde Technik von dem deutschen Wissenschaftler Germar Rudolf in seiner revisionistischen Zeitschrift, Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung publiziert. Ein Jahr später, im Frühjahr 1999, war Herrn Rudolfs Übersetzung von Technik Gegenstand der Kritik des italienischen Revisionisten Carlo Mattogno,[4] der selbst ein Anhänger der Entwesungsthese ist. Das veranlaßte uns zu einer kurzen Erwiderung,[5] die einige Monate später abermals zu einer Kritik von Mattogno führte.[6] Anfang 2000 wurde die Bunkerthese schließlich etwas detaillierter von Prof. Robert Jan van Pelt in seiner Expertise bei der Gerichtsverhandlung David Irving gegen Deborah Lipstadt und Penguin Books diskutiert.[7] Das war kurz nachdem das Journal of Historical Review eine weitere Fassung von Technik publizierte hatte, dieses Mal die Version von Mark Weber.[8]

In der Zwischenzeit, während des Irving ./. Lipstadt-Prozesses, übernahm David Irving in begrenztem Umfang die Bunkerthese hinsichtlich der "gasdichten" Einrichtungen der Krematorien II und III, und das Für und Wider dieser These war Gegenstand der Aussagen von Irving und van Pelt. Hierauf wurde im Plädoyer beider Seiten Bezug genommen, von Irving und von Rechtsanwalt Richard Rampton, und sie wurde in der Urteilsbegründung von Richter Charles Gray erörtert.[9] Es mag mit Fug und Recht behauptet werden, daß diese These anfängt, mehr diskutiert zu werden, und daher eine erneute Erörterung verdient.

Der Zweck der jetzigen Studie ist, die Beweise für Bunker und die Anwendung von Luftschutzmaßnahmen im Komplex Auschwitz-Birkenau durchzugehen, vor allem anhand der Dokumente der Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Auschwitz. Wir wollen nicht den Inhalt von Technik oder Schutz überarbeiten oder wiederaufwärmen, sondern diese Artikel einfach mit weiteren Informationen ergänzen, auf die wir in den vergangenen drei Jahren stießen. Dabei werden wir auch Gelegenheit haben, unsere Interpretation der kriminellen Spuren zu überprüfen und auf die kritischen Einwände von Mattogno und van Pelt einzugehen.

Im ersten Teil beschreiben wir den Hintergrund der Streites, der im wesentlichen mit der Präsentation der Dokumente beginnt, denen zufolge die Birkenauer Krematorien für den Massenmord mit Gas ausgebaut wurden. Hier werden wir kurz die Dokumentenlage behandeln, seit der Zeit des Nürnberger Tribunals bis zum Erscheinens unserer Artikel 1997.

Im zweiten Teil, dem ein kurzer Überblick über die Dokumente für das besetzte Polen vorausgeht, werden wir einige Dokumente vorstellen, - meist von der Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Auschwitz -, die beweisen, daß Auschwitz Anweisungen für den zivilen Luftschutz bekam, und zwar gleich zu Beginn der Lagererrichtung. Wir werden auch sehen, daß bestimmte Beweise für die Durchführung ziviler Luftschutz-Maßnahmen aus dem Sommer 1943 stammen.

Im dritten Teil werden wir die "kriminellen Spuren" von J.-C. Pressac durchgehen und einige Erweiterungen und Eingeständnisse in bezug auf die richtige Interpretation einiger dieser Dokumente machen. Außerdem stellen wir ein paar neue Dokumente vor.

Im vierten Teil werden wir ein paar Dutzend Dokumente auflisten, die fast ausschließlich von der Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Auschwitz stammen, und die fast alle von revisionistischen Forschern in den letzten Jahren entdeckt worden sind. Wir werden versuchen, diese Dokumente zu einem zusammenhängenden Referat aufzuarbeiten, das die Entwesungsthese unterstützt und dann die Mängel der Gaskammerthese bei der Erklärung dieser Dokumente aufzeigen.

Im fünften Teil werden wir auf die Kritik von Mattogno und van Pelt eingehen und unsere Erwiderung geben.

Wir kommen zu dem Schluß, daß die Birkenauer Krematorien schließlich drei Zwecken dienten. Erstens wurden sie gebaut, um die von General Kammler von der Zentralbauleitung der Waffen-SS in Berlin befohlenen Sondermaßnahmen bezüglich der Verbesserung der hygienischen Verhältnisse im Lager durchzuführen, indem die Krematorien eine schnelle Beseitigung der Toten gewährleisteten sollten. Zweitens sollten die Hygieneeinrichtungen, mit denen die Krematorien ausgestattet waren, vorübergehend das Duschen der Insassen und die Entwesung ihrer Kleidung ermöglichen, bevor die Zentralsauna Ende 1943 und der Hauptempfang im Stammlager 1944 fertiggestellt waren. Schließlich besaßen die Krematorien, wie alle Neubauten, und besonders jene, die mit Duschen und anderen Waschmöglichkeiten ausgestattet waren, auch verschiedene "gasdichte" Einrichtungen, um den Anforderungen des Luftschutzes zu genügen, einschließlich - entsprechend weiteren Direktiven von General Kammler - der Dekontaminierung bei chemischer Kriegsführung. Die Beweislage deutet darauf hin, daß die Durchführung früherer Luftschutzverordnungen eher formal betrieben wurde, während Ende 1944 ein adäquater Luftschutz im Lager Auschwitz-Birkenau bitter ernst genommen wurde, und dieser Zustand hielt bis zur Befreiung des Lagers Anfang 1945 an.

Kurzum, wir werden sehen, daß die Dokumente und die materiellen Beweise auf allen Ebenen die im Lager Auschwitz herrschende Sorge um den zivilen Luftschutz und Gasschutz ausdrücken, eine Sorge, die von Herbst 1942 bis zum Ende des Lagerbetriebs wuchs. Dazu gehörte Anfang 1944 eine Vermehrung gasdichter Einrichtungen und anderer Einrichtungen, die denen entsprachen, mit denen im vorhergehenden Frühjahr die Birkenauer Krematorien ausgestattet worden waren. Die Unzulänglichkeiten alternativer Erklärungsversuche werden aufgezeigt, und es wird für die Bunkerthese als die plausibelste Erklärung für "gasdichte" Einrichtungen plädiert.

I. Hintergrund "krimineller Spuren"

1.1. Das Nürnberger Tribunal und andere Nachkriegsverfahren

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde allgemein angenommen, daß die Deutschen, die die Konzentrationslager betrieben hatten, Millionen Gefangene darin vergast hatten. Das Internationale Militär-Tribunal, das von Ende 1945 bis Anfang 1946 abgehalten wurde, erklärte in seiner Urteilsbegründung, daß Millionen von Menschen im Lager Auschwitz vergast und kremiert worden seien, - in einem Lager, das in Wirklichkeit ein Hauptlager dieses Namens und verschiedene Satellitenlager umfaßte, deren größtes das etwa drei Kilometer entfernte Birkenau war.

Die Beweise, auf die die Richter des IMT ihren Urteilspruch über die Vergasungen in Auschwitz basierten, bestanden aus einigen Zeugenaussagen und aus einem von der Sowjetunion vorbereiteten Sonderbericht.

Die Entscheidung des IMT, die Behauptung über Vergasungen in Auschwitz zu übernehmen, hatte weitreichende Folgen, weil damals vereinbart worden war, daß die Urteile, die das Tribunal fällte, verbindlich für alle folgenden Prozesse sein sollten. Daher wurden die Vergasungen bei allen weiteren Prozessen, die in Deutschland von den Besatzungsmächten oder von den Deutschen selbst zum Thema Auschwitz durchgeführt worden sind, nie in Frage gestellt, da der Tatbestand keiner Diskussion zugänglich war. Das muß sich der Leser stets ins Gedächtnis rufen.

Im März 1947 kam der ehemalige Kommandant von Auschwitz, Rudolf Höß, in Warschau vor ein polnisches Volkstribunal. Bei der Verhandlung wurden Protokollisten über Beweismaterial präsentiert, die von früheren Anhörungen in Krakau (danach Krakauer Protokolle) Ende 1946 stammten, und diese sind in die Gerichtsakten aufgenommen worden. Die USA führten 1947 auch einen Prozeß gegen mehrere führende Persönlichkeiten der Konzentrationslager, der als Verfahren Nr. 4 des Nürnberger Militärtribunals bekannt wurde. Der Hauptangeklagte war Oswald Pohl, der Leiter des WVHA (Wirtschafts-Verwaltungshauptamt), eine Abteilung der SS, die mit dem Einsatz der Zwangsarbeiter in den Lagern beauftragt war. In diesem Prozeß wurden zwei Dokumente als Beweise für die Existenz der Gaskammern in Auschwitz präsentiert. Sie waren über dreißig Jahre lang das einzigen dokumentarische Beweismaterial, das im Westen verfügbar war.

Die zwei Dokumente bestanden aus einem Brief der Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Auschwitz, der das Wort »Vergasungskeller« gebraucht, und einem weiteren Brief der Zentralbauleitung, der den Begriff »gasdichte Türme« verwendet. Beide Termini sind von der amerikanischen Anklage als "Gaskammern" übersetzt worden, doch ist diese Übersetzung falsch. Wir werden auf beide Dokumente später näher eingehen, hier ist jedoch entscheidend, daß die Vergasungsbehauptung weitgehend akzeptiert wurde durch Aussagen, zu denen diese Dokumente lediglich einige ergänzende Details lieferten. Das ist wichtig, weil sich die Bunkertheorie gerade auf diese Dokumente stützt, und nicht auf Zeugenaussagen. Das bedeutet, daß der Ansatz, die Dokumente durch den zivilen Luftschutz zu erklären, nicht identisch ist mit dem Ansatz, ihnen die Bedeutung von Menschenvergasungen zuzuweisen.

Anfang der 70er Jahre machte eine Handvoll Deutscher, die während des Krieges in Auschwitz gewesen war, geltend, daß sie nie etwas über Vergasungen gehört hatten.[10] Das veranlaßte einen französischen Literaturprofessor, Robert Faurisson, direkt zu den Lagern im kommunistischen Polen zu fahren. Faurisson unterzog das Lager in Auschwitz, die Bauzeichnungen und auch viele andere Lager einer kritischen Analyse und kam zu dem Schluß, daß niemand dort je vergast worden ist und daß die einzigen Vergasungen, die in deutschen Lagern stattfanden, Entlausungs- und Entwesungsvergasungen waren, die wiederholt in den Baracken und in Kleiderentlausungskammern durchgeführt worden waren, um krankheitsübertragende Insekten zu bekämpfen.

Als Faurisson in den späten 70er Jahren begann, die Ergebnisse seiner Untersuchungen zu publizieren, entstand in Frankreich eine lebhafte Kontroverse. Es gab mehrere Gerichtsverhandlungen gegen Faurisson. Seine Ankläger verfügten nur über die beiden Dokumente, die wir bereits erörtert haben, um ihm zu widersprechen. Das ist der Hintergrund der kriminellen Spuren von J.-C. Pressac.

1.2. Die kriminellen Spuren

Jean-Claude Pressac ist von Beruf Apotheker, aber er erforscht das Lager Auschwitz seit 1950. Er machte wiederholt Reisen dorthin und untersuchte die Ruinen und die Dokumente des Staatlichen Auschwitz Museums. Bis 1986 trug er eine Fülle von Dokumenten zusammen, inklusive einiger Bauzeichnungen, von denen die meisten den Auschwitzer Archiven entstammten, die die Grundlage für sein Buch Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers bildeten, das 1989 erschien. Das Buch wurde in einer sehr kleinen Auflage von nur 1000 Exemplaren von der Beate Klarsfeld Stiftung publiziert, einer französische Antifa-Organisation. Es besitzt gewissermaßermaßen einen legendären Ruf, nicht nur wegen seiner Seltenheit, sondern auch wegen der Menge an Dokumenten, die es beinhaltet. Trotzdem beweist es, wie jeder Leser feststellen wird, die Existenz von Menschentötungs-Gaskammern in Auschwitz nicht.

Pressac verfaßte seine Argumente in Form einer Antwort an Faurisson. Faurisson hatte die angeblichen Gaskammern mit den bekannten Gaskammern in den Vereinten Staaten verglichen und fand heraus, daß die Örtlichkeiten in Auschwitz und anderswo überhaupt keine der Sicherheitsvorkehrungen aufwiesen, die in den amerikanischen Gaskammern zu finden waren. Auch interpretierte Faurisson jede Stelle mit "gasdichten" Türen als eine Entlausungs- oder Entwesungsanlage, etwa um Läuse abzutöten. Daher widmete Pressac in seiner Erwiderung der Erörterung von Entlausungs- und Entwesungsanlagen in Auschwitz breiten Raum. Grundsätzlich war Pressac bestrebt, zwei Behauptungen zu untermauern: erstens, daß die Deutschen aus dem Stehgreif lauter Vorkehrungen trafen, wenn sie das giftige Zyanidgas, das in dem Pestizid mit dem Handelsnamen Zyklon B enthalten war, benutzten, so daß von ihnen keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen zu erwarten waren, wenn sie Zyklon B zur Menschentötung anwendeten. Zweitens wollte Pressac zeigen, daß durch diese lasche Handhabung jeder x-beliebiger Raum eine Gaskammer sein könnte und daß die Leichenhallen der Birkenauer Krematorien nicht speziell als Gaskammern konzipiert, sondern sich einfach für diesen Zweck als brauchbar erwiesen.

Pressacs Argumente haftete ein Mangel an, denn als er die Birkenauer Krematorien beschrieb, mußte er eingestehen, daß die strukturellen Unterschiede zwischen diesen und anderen Krematorien gering waren. Gleichzeitig räumte er ein, daß die Bauzeichnungen diese Räumlichkeiten als nichts anderes denn als Leichenkeller bezeichnen.

Als Antwort auf Faurissons Forderung nach einem Beweis, »einem einzigen Beweis« einer Gaskammer, die zur Vergasung von Menschen konzipiert worden sei, präsentierte Pressac seine berühmte Gegenüberstellung: er konnte beweisen, daß einer der Keller in Krematorium III mit vierzehn Duschen und einer "gasdichten" Tür ausgestattet war. Folglich, so Pressac, konnten diese beiden Gegenstände nur auf eine Weise erklärt werden: daß diese Räumlichkeit als Gaskammer diente, in der Menschen, die glaubten, eine Dusche zu nehmen, mit Giftgas ermordet wurden. Die Bilanz von Pressacs Beweisen bestand aus »39 kriminellen Spuren«, d.h. neununddreißig Fällen von Worten oder Gegenständen, die er in den verschiedenen Aufzeichnungen gefunden hatte und die nach Pressacs Ansicht ausschließlich durch Menschentötung erklärt werden könnten.

Abbildung 1: Luftaufnahme von Krema II und Krema III.

Die "kriminellen Spuren" sind oft kritisch analysiert worden,[11] so auch durch unsere Technik. Deshalb beabsichtigen wir nicht, hier diese Spuren eingehend zu behandeln, obwohl wir sie später in ausgesuchten Details erneut erörtern werden. Dennoch gibt es einige Punkte, die wir uns vornehmen müssen.

Der erste betrifft die Art der Spuren, die Pressac gefunden haben will. Es sind jedenfalls in der Mehrheit recht harmlose Ausdrücke, so wie: Duschen, Öfen, und dergleichen, und etwa zwei Dutzend Begriffe haben mit Türen oder Fenstern zu tun, die als "gasdicht" bezeichnet worden sind. Pressac basierte seine Gaskammer-Argumentation größtenteils auf das Vorhandensein dieser Teile. Die Frage war dann, ob diese "gasdichten" Einrichtungen dazu dienen sollten, Menschen zu vergasen oder Sachen zu begasen.

Die revisionistische Reaktion auf die "gasdichten" Spuren folgte gewöhnlich Faurissons Tradition, die Gasdichtheit in Verbindung mit Entlausungen oder Entwesungen zu interpretieren. Es gab einige Probleme mit diesem Deutungsversuch. So war z.B. bei einigen "gasdichten" Türen angegeben, daß sie mit Spionen versehen waren, und es wurde außerdem angenommen, daß die meisten Türen so gebaut waren. Die Entwesung mit Zyklon B bedarf jedoch keiner Türen mit Gucklöchern. Dennoch gibt es einige Beweisstücke, die belegen, daß anderswo Guckloch-Türen für die Entlausung und Entwesung verwendet wurden. Ein weiteres Problem bieten die kleinen Fenster bzw. die "gasdichten" Läden für diese Fenster, die normal nicht in der Entwesungsliteratur angeführt waren. Zwar war die Entwesungs-Erklärung eine alternative Erklärung, aber sie war nicht besonders zufriedenstellend.

1.3. Die Lage

Bevor wir fortfahren, sollten wir uns über die Lage der Krematorien in Birkenau orientieren, um der folgenden Erörterung leichter folgen zu können. Abbildung 1 ist eine Luftaufnahme der alliierten Luftwaffe, die im August 1944 aufgenommen wurde. Sie ist ungefähr nach Norden ausgerichtet. Oben und unten sind zwei große Gebäude, beide haben eine kurze "T" Form, wobei das kurze Ende des "T"s der Track ist, der den Schornstein und einen Müllverbrennungsofen beherbergte. Westlich (links) beider Strukturen kann man die Umrisse langer, halb unterirdischer Räume erkennen, die bei beiden Gebäuden auf allen Bauzeichnungen als Leichenkeller 2 bezeichnet werden. Sie sollen angeblich die Umkleidekeller gewesen sein, wo sich die Menschen auszogen, bevor sie "vergast" wurden. Im rechten Winkel zu Leichenkeller 2, ebenfalls meist unterirdisch, auf der dem Schornstein gegenüberliegenden Seite, sind zwei weitere Keller sichtbar, die kleiner als die Leichenkeller 2 sind. Sie werden auf allen bekannten Bauzeichnungen Leichenkeller 1 genannt und als die eigentlichen "Gaskammern" angenommen. Ferner ist zu beachten, daß beide Leichenkeller 1 Markierungen auf den Dächern besitzen. Beim Leichenkeller 1 sind am oberen Ende der Fotografie vier Markierungen oder Verschmierungen in einem Zickzack-Muster zu sehen. Beim Leichenkeller 1 am unteren Ende des Bildes laufen diese Markierungen am Zentrums des Gebäudes entlang. Es wird fälschlich behauptet, daß diese Markierungen die "Löcher in den Dächern" sind, durch die das Gift in die Gaskammer geschüttet wurde.[12]

Das Gebäude am unteren Ende des Bildes ist allgemein bekannt als "Krematorium II", da es das zweite Krematorium war, das in Betrieb genommen wurde, (das erste war das im Stammlager in Auschwitz). Manchmal wird es "BW 30" genannt, d.h. es war das dreißigste Projekt des Bauamtes, manchmal Krema II usw. Das Gebäude am oberen Ende des Fotos ist als "Krema III" oder "BW 30a" bekannt.

Heute sind beide Krematorien Ruinen, sie wurden wahrscheinlich von den Deutschen vor dem Rückzug aus dem Lager zerstört. Die verschiedenen Keller sind noch als Ruinen vorhanden, zum Teil nur noch als Vertiefung im Boden. Die einzige Ausnahme hiervon ist Leichenkeller 1 von Krematorium II, dessen Stahlbetondecke nicht in Stücke ging, im Gegensatz zu den Deckenteilen der anderen Keller. Die Decke hat sich weit zum Grund hin geneigt, aber die Explosion, die ihre Träger demoliert hatte, ließ einige davon stehen und brach auch nicht den der Verstärkung dienenden Monierstahl auseinander. Es ist also möglich, die Stätte im Detail zu untersuchen, entweder von oben, wo sie mit einer Schicht Trümmer bedeckt ist, oder von unten, da man tatsächlich in den südlichsten Teil des Kellers hineinsteigen kann, um die Decke zu inspizieren, Proben vom Beton zu entnehmen, usw.

Es gibt zwei wichtige Dinge, die man sich bei diesem Keller, Leichkeller 1 von Krematorium II, merken sollte. Erstens lassen sich bei der Inspektion des Daches weder von oben noch von unten irgendwelche Spuren der vier Löcher erkennen, durch welche das Gas angeblich in den Raum eingeführt wurde. In dieser Hinsicht hat der Zeuge van Pelt beim Prozeß von David Irving gegen Deborah Lipstadt ein sehr wichtiges Eingeständnis gemacht. Er stimmte zu, daß derzeit keine Löcher sichtbar sind. Zwar gibt es heute zwei Löcher im Dach, diese liegen jedoch nicht im Zentrum, passen nicht zu den Markierungen der Luftaufnahmen, und es scheint angesichts von van Pelts Eingeständnis Übereinstimmung darin zu herrschen, daß diese beiden Löcher nichts mit den vieren zu tun haben, durch die Giftgas in die Kammer gelangt sein soll.

Zweitens gilt es festzuhalten, daß im Leichenkeller 1 von Krematorium II eine halbe Million Menschen angeblich durch Giftgas ums Leben gekommen sein soll.

Abbildungen 2: Teil des Krematoriums IV

Unsere nächste Fotografie, Abbildung 2, stellt den westlichen Trakt des Krematoriums IV dar, das einen halben Kilometer nördlich von Krema II und III lag. Dieses Gebäude ist weit weniger kompliziert als die anderen beiden Krematorien und hatte seine Spiegelbild in Krematorium V, im Hintergrund im Wald. Was wir auf diesem Bild sehen, ist der niedrige Westflügel von Krematorium IV, und hier werden zwei oder drei Gaskammern behauptet (vgl. Abb. 11, S. 55, Nr. 1 im Plan). Die kleinen Fenster dieses Flügels, sichtbar in den Plänen, sind auf diesem Bild nicht erkennbar, da sie im Schatten liegen. Dies sollen jene Fenster gewesen sein, durch die das Giftgas in den Raum geworfen worden sein soll (Nr. 2 in Abb. 11). Analog zu den Krematorien II und III werden die Kremas IV und V alternativ auch BW 30b und 30c genannt. Diese Gebäude sind gesprengt worden. Man sieht heute nur noch Teile des Betonfundaments, mit einigen niedrigen rekonstruierten Mauern. Diese Gebäude hatten keine Keller.

1.4. Technik und Betrieb der deutschen Luftschutzbunker

Anfang 1997 hielten wir es für angebracht, zu versuchen, einige traditionelle, revisionistische Argumente in einer versöhnlichen und nichtkonfrontativen Art nochmals zu formulieren. Wir hielten das für notwendig, weil sich eine bedrückende Atmosphäre der Zensur um das Holocaust-Thema gelegt hatte. Dieses Tabu drohte revisionistische Veröffentlichungen im englischen Sprachraum zu kriminalisieren - wie es bereits in Europa der Fall ist. Wir meinten, und meinen es heute noch, daß es ausgesprochen schlecht wäre, wenn der Revisionismus über den Holocaust zensiert würde und dachten, daß es wirkungsvoller wäre, die Verdienste der seit langem bestehenden revisionistischen Herausforderungen aufzuzeigen, anstatt den Standpunkt mit philosophischen Abstraktionen zu verteidigen. Wir hofften, daß sich die Intellektuellen, die es vorzogen, über das Thema der Zensur zu schweigen, sich so mindestens die Zeit nehmen würden, um nachzudenken, in welchem Ausmaß sie bereits ihre soziale Verpflichtung des intellektuellen Nachhakens zugunsten der Bequemlichkeit von Gefühl und Ideologie geopfert hatten.

Wir begannen sehr bald, bei unserer Untersuchung mögliche nichtempirische Quellen für die Vergasungsbehauptungen zu suchen, weil wir folgerten, daß, falls sie unwahr oder übertrieben waren, die Geschichten dennoch von irgendwoher stammen müßten und es Aufgabe der historischen Rekonstruktion ist, diese Quellen zu finden. Wir fanden in einigen Zeugenaussagen ein paar vereinzelte Erwähnungen von Luftschutztüren und entdeckten, daß alle Luftschutztüren mit Spionen versehen und außerdem "gasdicht" waren, da die Deutschen über die Möglichkeit von Giftgasangriffen sehr besorgt waren. Um die Sache weiter zu verfolgen, verglichen wir die kriminellen Spuren von Pressac mit der deutschen zivilen Luftschutzliteratur und entdeckten eine fast perfekte Übereinstimmung. Unsere Hauptschlußfolgerung war daher, daß die kriminellen Spuren bezüglich der Gegenstände und Nomenklatur vom zivilen Luftschutz nicht zu unterscheiden waren.

Abbildung 3: Deutsche Luftschutz-Bunkertür.

Wenn die Kernaussage von Technik die Identität der in "kriminelle Spuren" beschriebenen "gasdichten" Einrichtungen und der in der Literatur des deutschen zivilen Luftschutzes aufgeführten Einrichtungen ist, sollten wir berücksichtigen, daß die Kritiken von Mattogno und van Pelt diese Behauptung substantiell nicht in Frage stellen. Also erscheint es nur fair zu behaupten, daß die "gasdichten" Einrichtungen dem zivilen Luftschutz dienten. Aber aufgrund der kontroversen Natur dieses Themas und dem Fehlen dokumentarischer Beweise, sollte man den Unterschied deutlich machen zwischen der Herkunft dieser Anlagen aus dem zivilen Luftschutz, die effektiv nicht in Frage gestellt wird, und dem eigentlich kontroversen Punkt, dem zivilen Luftschutzes als Zweck bei der Errichtung dieser Anlagen.

Wir sollten ebenfalls erwähnen, daß es eine nebensächliche Behauptung über "gasdichte" Türen gegeben hat, die kurz erörtert werden sollte, nämlich das Argument, daß die Gucklöcher der "gasdichten" Türen, die angeblich zur Vergasung von Menschen benutzt wurden, nur innen, und nicht von außen abgesichert waren, - anscheinend, damit Menschen, die vergast wurden, nicht das Glas dieser Spione zerbrechen konnten. Diese Behauptung entstammt einer Aussage nach dem Krieg von Henryk Tauber, einem ehemaligen Auschwitz-Gefangenen, gegenüber den polnischen Ermittlern. Es existiert auch eine Fotografie einer Türe, bei der ein Drahtgeflecht eine Seite des Spions abdeckt.

Diese genannte Besonderheit wirft einige Probleme auf. Erstens sind die Türen nicht identisch. Die Türe, die Tauber beschreibt, war aus Holz getäfelt, die auf dem Foto besteht aus geraden Brettern. Das zweite Problem ist, daß der Spion bei "gasdichten" Türen für den zivilen Luftschutz oder für den Schutz gegen Gaseinsätze beiderseits abgesichert sein kann, d.h. innen und außen, oder womöglich sogar gar nicht. Solche Variationen würden noch nicht einmal überraschen, da die Türen notdürftig vor Ort gezimmert werden konnten, was tatsächlich bei den meisten "gasdichten" Türen in Auschwitz der Fall gewesen ist. Das wurde bereits in den Fußnoten von Technik beschrieben. Das dritte Problem ist, daß keine der anderen behelfsmäßigen "gasdichten" Türen, die in Pressacs Buch abgebildet wurden, eine Abdeckung an der Außenseite der Gucklöcher besitzt und keine davon als Tür der todbringenden Gaskammern bezeichnet wird. Alle gezeigten Türen entstammen vielmehr Entwesungskammern. Deshalb betrachten wir diese Besonderheit als sehr wertvoll.

Abbildung 3 zeigt eine typische deutsche Luftschutz-Bunkertür. Diese Tür gleicht jener, die in Majdanek im August 1944 gefunden wurde und heute im United States Holocaust Museum in Washington D.C. ausgestellt wird. Wir stellen fest, daß die Abdeckung des Gucklochs an der Außenseite der Tür ist, und daß die Verschlußriegel sowohl von außen wie von innen bedient werden können, was es unmöglich macht, mit solchen Türen Menschen gegen ihren Willen einzusperren. Wir sehen auch rechts eine Blende, um das Fenster "gasdicht" zu machen, und dahinter ein Drahtgeflecht. Solche Türen waren ziemlich teuer, da aus Stahl gefertigt, und sie sollten nicht nur Gasschutz bieten, sondern auch Schutz gegen Bombensplitter.

Abbildung 4 zeigt eine Ansicht der NW-Ecke des Stammlager-Krematoriums, das etwa zur Zeit der polnischen Untersuchungskommission im Mai 1945 aufgenommen wurde. Wir stellen fest, daß sich rechts eine Luftschutz-Tür befindet, was auch zu erwarten war, da dieses Krematorium 1944 zum Bunker umgewandelt wurde. Links sieht man eine getäfelte Tür, so wie Tauber sie beschrieb, die zu einem Lagerraum führt. In der Mitte ist ein ehemaliger Gefangener zu erkennen, vielleicht Tauber selbst, der womöglich zum Zwecke dieser Aufnahme seine Gefangenenkleidung trägt, und der zu weinen scheint. Anscheinend wurde diese Aufnahme inszeniert, um etwas Böses über die Bunkertür rechts zu suggerieren.

Abbildung 4: Krematorium, Stammlager, Mai 1945. (Zum Vergrößern anklicken)

Abbildung 5: Zeichnung einer »gassicheren Luftschutzraumtür«.

Abbildungen 6 & 7: In Auschwitz gefundene provisorisch "gasdicht" gemachte Türen.

Abbildung 8: "gasdichter" Fensterladen

Abbildungen 9 & 9a: "gasdichte" Fensterläden aus Auschwitz

Abbildung 5 zeigt ein typisches Modell einer "gassicheren" Tür aus Holz für Luftschutz-Bunker, wie man sie in der Literatur über den deutschen zivilen Luftschutz findet.

Eine solche behelfsmäßige Tür bot nur einen sehr mäßigen Schutz gegen Giftgase[13] und Splitter. Solche Türen wurden gewöhnlich aus geraden Holzbrettern hergestellt und das Durchdiffundieren von Gasen durch Holz und Ritze wurde durch zwei Maßnahmen erschwert: Auf die Holzrisse wurde Papier geklebt und auf die Außenseite der Tür wurde Filz genagelt. Man sieht, daß in diesem Falle der Spion nicht rund und anscheind völlig ungeschützt ist. Es wurde eine Reihe solcher Türen gefunden, als Auschwitz befreit wurde, siehe Abb. 6 und 7. Manche hatten runde Spione, manche quadratische, manche waren geschützt, manche nicht. Wie bereits berichtet, scheint bei keiner Tür die Schutzvorrichtungen auf der Außenseite des Spions gewesen zu sein. Nur die schweren Stahltüren scheinen derart ausgerüstet gewesen zu sein.

Schließlich zeigt Abb. 8 die Fotografie eines behelfsmäßigen Fensterladens, der dazu bestimmt war, einen zumindest mäßigen Gasschutz für Fenster, Notausgänge oder andere Öffnungen eines Bunkers zu gewähren. Wir sehen, daß er vom Aussehen her identisch mit der Klappe in Abbildung 3, oben, ist.

Die Abbildungen 9 und 9a zeigen Klappen, die Pressacs Behauptung zufolge jene "gasdichte" Türchen waren, die bei den "Gaskammern" von Krematorium IV und V verwendet wurden. Wir werden später Zweifel an Pressacs Aussage anmelden, doch nehmen wir hier einfach zur Kenntnis, daß diese Klappen mit den in der zivilen Luftschutzliteratur gezeigten identisch sind.

1.5. Schutz gegen die alliierte Bombenkriegsführung

Die Reaktion auf Technik war nicht groß, und uns lag ohnehin mehr daran, zu unserem ursprünglichen Projekt zurückzukehren, nämlich mit einem kurzen Essay eine Lanze für die freie Rede zugunsten des Revisionismus zu brechen. Doch Technik warf einige Fragen auf, und wir waren neugierig geworden und wollten der Sache nachgehen, soweit unsere Zeit und Mittel es zuließen. Offensichtlich ging eine der Hauptfragen um Bunker im allgemeinen: wenn "gasdichte" Einrichtungen, wie die in den Birkenauer Krematorien gefundenen, tatsächlich dem zivilen Luftschutz dienten, dann sollten wir ähnliche Einrichtungen auch anderswo finden, genau genommen, praktisch überall sonst.

Schutz sollte genau diese Frage klären, doch brachte uns die Suche nach Literatur über die deutschen zivilen Erfahrungen mit den Bombardements auch eine Erkenntnis, die schon für sich allein Beachtung finden sollte. Während wir also in Teil 1 des Artikels die übliche Bauweise gasdichter Einrichtungen in deutschen Häusern und Wohnungen klären konnten, versuchten wir gleichzeitig eine kurze Analyse dieser Erfahrung. Im 2. Teil wollten wir wegen der fehlenden Dokumentenbeweise anhand von Fotografien, Bauzeichnungen und durch Ableitung aus Nachkriegsstudien den allgemeinen Charakter des zivilen Luftschutzes erschließen und damit der "gasdichten" Einrichtungen auch in den Konzentrationslagern.

Ein Punkt aus Schutz sollte hier betont werden: daß die deutschen Behörden im Herbst 1940 ein Programm aufstellten, das bestimmte, daß alle neuen Gebäude, besonders in der Rüstungsindustrie (was auch die Konzentrationslager einschloß) mit Luftschutz-Bunkern auszustatten seien. Außerdem wurde festgestellt, daß die Konzentrationslager auch Bunker für die Gefangenen haben sollten, auch wenn diese normalerweise recht primitiver Art waren, die sogenannten Luftschutzdeckungsgräben.

Die Kritik, die bislang an der Bunkerthese geäußert worden ist, beruhte meist darauf, daß die Analyse von Technik nur einen begrenzten Vergleich bot. Anderseits beinhaltet die Analyse von Schutz Dinge, die nicht zur Diskussion stehen, mit Ausnahme der Schlußfolgerungen bezüglich der Konzentrationslager, die alle im Verlauf dieser Studie rekapituliert werden.

1.6. Vorläufer der Bunkerthese

Bevor wir unsere Dokumente präsentieren, sollten die Vorläufer der Bunkerthese gebührende Anerkennung finden. Der erste war Wilhelm Stäglich, ein ehemaliger Richter, der darauf hinwies, daß die "gasdichte" Tür, die im Brief der »gasdichten Türme« beschrieben wurde, eine Bunkertür war (vgl. weiter unten). Stäglichs Kommentar erfolgte nebenbei, weil niemand den Dokumenten wirklich Beachtung schenkte, als er ihn Anfang 1970 formulierte, zumal es damals, wie wir gesehen haben, nur zwei Dokumente gab. Nachdem Technik und Schutz veröffentlicht worden waren, nahmen wir sein Buch dennoch zur Hand, weil wir annahmen, daß er als ehemaliger Luftwaffenoffizier intuitiv auf die Frage der "gasdichten" Türen reagiert hatte. Unsere diesbezügliche Annahme war richtig.[14]

Die nächste Person, der Anerkennung gebührt, ist Friedrich Berg, der über die Jahre ein riesiges Archiv mit Material über die Kriegsverhältnisse in Deutschland gesammelt hat. Auch er nahm an, daß es einen Zusammenhang zwischen dem deutschen zivilen Luftschutz und den Lagern gab, obwohl er sich als Ingenieur mehr dafür interessierte, ob Dieselmotoren entsprechend den Vergasungsbehauptungen in Gebrauch genommen werden konnten.[15] Robert Faurisson erwähnte ebenfalls kurz das Thema gasdichter Türen als Bunkereinrichtung in seiner Kritik Pressacs, verfolgte die Sache jedoch nicht weiter.[16] Es mag natürlich noch andere gegeben haben, und da war noch, wie bereits beschrieben, der Beitrag von Arthur R. Butz.

Das Entscheidende ist, daß wir die allgemeine Erkenntnis, welche Bedeutung dem deutschen zivilen Luftschutz zur Erklärung der "gasdichten" Anlagen in Auschwitz zukommt, allein der nichttraditionellen, also revisionistischen Forschung verdanken. Nicht einer der traditionellen Holocaust-Historiker hat dabei jemals die Bedeutsamkeit der deutschen zivilen Luftschutzverteidigung in Betracht gezogen. Das bedeutet, daß die Bunkerthese, auch wenn sie nur teilweise bewiesen ist, den Revisionismus generell aufwertet, genau wie sie die intellektuellen Nachforschungen rechtfertigt, die auf allgemeiner Skepsis und Ideenreichtum beruhen, im Gegensatz zu denen, die an Orthodoxien und vorgefertigten Resultaten festhalten

II. Luftschutz-Dokumente

2.1. Der Gesamt-Zusammenhang

In Technik und Schutz fußte unsere Argumentation für die Existenz von Bunkern vor allem auf der Primär- und Sekundärliteratur über den zivilen Luftschutz, den kriminellen Spuren, und verschiedenen Fotografien, sowie anderen Beweisen, derer wir habhaft wurden. Wir konnten keine Dokumente vorlegen, weil sie nicht verfügbar waren. In der Zweischenzeit konnten wir einige Dokumente sammeln und werden sie hier präsentieren. Zuerst wollen wir jedoch den weiteren Zusammenhang des deutschen zivilen Luftschutzes in Osteuropa während des Zweiten Weltkrieges untersuchen, nicht nur, weil das die Bunkerthese für Auschwitz stützt, sondern es ermöglicht uns, zu erklären, wie wir die Dokumente interpretieren. Deshalb beginnen wir mit der Diskussion von fünf Dokumenten, wobei dieser Ausdruck hier locker gewählt wurde.

Dokument 1 - Richtlinien für den Aufbau des Luftschutzes im Generalgouvernement

Das erste Dokument, daß wir vorlegen, besteht aus mehreren Richtlinien, datiert 6. August 1942, tituliert »Richtlinien für den Aufbau des Luftschutzes im Bereich des M.iG.«[17]

Das Dokument umfaßt Material, das bereits von Schutz bekannt ist: es betont die Notwendigkeit, Bunker zu bauen, und diese sind so zu konstruieren, daß die gesamte Belegschaft eines Gebäudes darin unterkommen kann, wobei Keller benutzt werden sollen sowie das Erdgeschoß, wenn keine Keller zur Verfügung stehen; Gasschutz-Maßnahmen sollen beachtet werden usw.

Das ist ein Beispiel für ein Dokument, das wir als hochrangig bezeichnen würden: es stammt aus einer offiziellen Quelle, es drückt eine Politik aus, und es sagt etwas aus über Ziele. Historiker berufen sich im allgemeinen auf derartige Dokumente, um zu beweisen, wann etwas "begann". So ist es z.B. üblich, den Beginn des Euthanasieprogrammes in Deutschland auf einen Erlaß Hitlers vom 1. September 1939 zurückzuführen, und wir beziehen uns bezüglich des "geordneten und humanen" Transfers von zirka vierzehn Millionen Ostdeutschen auf die Erklärung der Potsdamer Konferenz vom 2. August 1945.

Die Schwäche solcher Dokumente ist, daß sie zwar allgemeine Tendenzen und Haltungen beschreiben, sie sagen uns aber nicht, wie und ob die fragliche Anweisung von oben überhaupt umgesetzt wurde. Wir wissen zum Beispiel, daß der Euthanasiebefehl rückwirkend war, und daß er tatsächlich im Oktober 1939 unterschrieben wurde. Außerdem sagt uns der Befehl nichts über die Zielsetzung.

Im zweiten Fall wissen wir, daß die Deutschen aus Osteuropa unter Bedingungen vertrieben worden sind, die weder geordnet noch human waren, sogar Monate vor der Potsdamer Erklärung. Wir sehen also, daß hochrangige Dokumente in zwei Beziehungen hochrangig sind: erstens, sie stammen von weit oben in einer Hierarchie, und zweitens, sie haben oft keinen Bezug zur tatsächlichen historischen Realität vor Ort. Um diese historische Realität zu erahnen, muß man tiefer gehen.

Dennoch sind hochrangige Dokumente nützlich, nicht nur, weil sie bequeme Ausgangspunkte liefern. Sollten z.B. weitere Informationen über Luftschutzbunker im besetzten Polen auftauchen, so könnte ein früheres hochrangiges Dokument den Anstoß für die späteren Aktivitäten erklären. So, wie es ist, erzählt uns das Dokument nur, daß zu dieser Zeit im besetzten Polen Maßnahmen zur zivilen Luftverteidigung eine Priorität bekamen, und daraus kann man auf die Durchführung dieser Maßnahmen schließen, sie aber nicht beweisen.

Dokument 2 - Einträge aus dem Tagebuch von Hans Frank

Das nächste Dokument besteht aus zwei Stellen aus einem Auszug der umfangreichen Tagebücher von Hans Frank, dem Gouverneur des besetzten Polen.[18] Ideal wäre es, wenn wir die zwei Einträge selbst vor uns hätten, doch wegen der Schwierigkeit, an die Quellen heranzukommen, müssen sich Historiker oft auf solche Auszüge verlassen. Der Historiker, der sich auf die Auszüge anderer Leute verläßt, hat den Nachteil, daß er gezwungen ist, auch die Dokumente durch deren Brille gefiltert zu sehen. Der Vorzug, Originaldokumente vor Augen zu haben, kann nicht überbetont werden.

Das sind die zwei Einträge, die von besonderem Interesse sind:

»22.9.42
[...] geheime Verteidigungssachen - Gasmaskenverteilung, Benzinsparmaßnahmen [...]«

»24.09.42
[...] Anweisungen zur Verteilung von Volksgasmasken bei "Einsatz chemischer Kampfstoffe durch den Feind" - Stichwort "Wolke, bzw. Gewitter" -, Versorgung "einzelner Kategorien" der nichtdeutschen Bevölkerung mit Gasmasken.«

Das Dokument stützt die Annahme, daß zivile Luftschutzmaßnahmen um diese Zeit in Polen ein wichtiges Thema waren wegen des Zusammenhangs zwischen Gaskriegführung und Luftangriffen. Wir dürfen ruhig die Hypothese aufstellen, daß eine Kontinuität zwischen diesen Einträgen und der hochrangigen Direktiven zwei Monate zuvor bestanden hat. Die Frank'schen Tagebucheinträge beweisen uns außerdem, daß die zivilen Luftschutzdirektiven vom August zur Anwendung kamen.

Mangels einer besseren Bezeichnung würden wir dieses Dokument als Quelle mittleren Rangs klassifizieren. Damit wollen wir ausdrücken, daß dieses Dokument etwas von der Autorität, dem Ausmaß und Verständnis eines hochrangigen Dokuments besitzt, während es gleichzeitig aber nachrangige Einzelheiten aufweist. Es ist jedoch auch wichtig festzustellen, daß mittelmäßige Dokumente einen guten Quellenwert für die Situation, die untersucht werden soll, besitzen. Franks Tagebuch ist eine gute Quelle für Informationen bezüglich der Umsetzung der zivilen Luftschutzmaßnahmen im besetzten Polen, aber das rührt teilweise daher, weil er Gouverneur von Polen war: er war Teil der betreffenden Hierarchie. Anderseits könnten wir das Frank'sche Tagebuch nicht als eine Quelle mittleren Rangs für, sagen wir, militärische Aktivitäten an der Westfront ansehen, weil das außerhalb seiner Hierarchie war und Franks Worten hier keine Autorität zukäme. Unter diesen Umständen könnte sein Tagebuch als nachrangige anekdotenhafte Quelle brauchbar sein, mehr jedoch nicht.

Das ist eine wichtige Unterscheidung, weil wir feststellen, daß Frank nebenbei eine Bemerkung zu Greueln macht. Es gibt andere Tagebücher, die zur gleichen Zeit entstanden sind, die auch Greueltaten beschreiben, insbesondere Massenvergasungen: Die Tagebücher von Anne Frank, Victor Klemperer und Emanuel Ringelblum. Doch alle diese Personen berichteten von außerhalb der Hierarchie, die diese Greueltaten angeblich durchführte, und daher kommt ihren Bemerkungen keine Autorität zu. Bestenfalls können sie als nachrangige Anekdoten Aussagen über das liefern, was vor Ort angeblich geschah, aber zugleich geben sie einen guten Beweis mittleren Ranges ab, worüber die Leute sprachen, und was sie im BBC hörten.

Kommen wir zum Thema der zivilen Luftschutzmaßnahmen in Polen zurück. Wir können anhand der Einträge in Franks Tagebuch schließen, daß in Polen zivile Luftschutzmaßnahmen durchgeführt wurden, und zusammen mit dem ersten Dokument fangen wir an, einen größeren Überblick über Zielsetzung und Ausführung zu bekommen.

Dokument 3 - Befehle von Lublin (Majdanek) an Auert in Berlin, 26. September 1942

Das Buch Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas Kogon beschreibt die Lieferung von gasdichten Türen an das KL Lublin (Majdanek) durch die Fa. Auert:

»Die mit Gummidichtungen versehenen Eisentüren, die fest veriegelt werden konnten, sind von der Firma "Auert" in Berlin geliefert worden.«[19]

Leider fehlt uns auch bei diesem Dokument das Original. Diese Passage befindet sich anscheinend in dem Teil des Buches, der von Hans Marszalek verfaßt wurde. Die Quelle lautet:[20]

»Dokumente der Zentralen Bauleitung der Waffen-SS und Polizei vom 26. September 1942, Nationales Staatsarchiv Lublin Dokument Nr. 17, Lieferscheine der Firma 656, 657 und 659.«

Wir würden das als nachrangiges Dokument bezeichnen, eines, das eine bestimmte Beschreibung beinhaltet, ohne irgendwelche Begleitumstände aufzuzeigen. In diesem Fall können wir uns glücklich schätzen, daß einige Türen im Konzentrationslager Majdanek noch vorhanden sind. Wir wissen deshalb, daß dies Luftschutzbunkertüren waren. Das geht auch aus der Tatsache hervor, daß die Fa. Auert damals eine der großen Firmen war, die Luftschutztüren anbot.

Gemäß den bereits betrachteten Dokumenten wäre es natürlich anzunehmen, daß die Verantwortlichen in Majdanek beschlossen hatten, einige Bunkertüren zu bestellen, ganz im Einklang mit der damals herrschenden allgemeinen Luftschutzpolitik. Zumindest wäre das die Erklärung des gesunden Menschenverstandes. Dennoch beharren andere Erklärungen darauf, daß die Türen entweder für Massenvergasungen von Menschen oder zu Entwesungszwecken gebraucht wurden. Wie dem auch sei, es ist Tatsache, daß das Lager Majdanek einige Bunkertüren bestellte, zu einer Zeit, als das besetzte Polen mitten in der Durchführung der zivilen Luftschutzmaßnahmen war. Deshalb erscheint uns die sinnvollste Erklärung, daß die Türen im Hinblick auf den zivilen Luftschutz bestellt wurden, unabhängig davon, wozu sie tatsächlich verwendet wurden.

Dokument 4 - Der Stroop Bericht, Mai 1943

Dieser berühmte Bericht über die Zerstörung des Warschauer Ghettos im Mai 1943[21] enthält zwei Bezüge, die für unser Thema relevant sind:

»Während sie den Bau von Luftschutz-Bunkern vortäuschten, hoben sie innerhalb des ehemaligen Ghettos seit Herbst 1942 Unterstände aus. Diese sollten jeden Juden während einer erneuten Evakuation, die schon seit einiger Zeit erwartet wurde, verbergen und gleichzeitig dem Gegner in einer konzertierten Aktion Widerstand leisten. [...]

Nach den Aussagen, die gestern und heute gemacht worden sind, wurde von den Juden in der zweiten Hälfte von 1942 verlangt, daß sie Luftschutz-Bunker bauen sollten. Zu der Zeit begannen sie mit dem Ausheben von Unterständen, in denen sie jetzt wohnen, getarnt als Bunkerbau, um sie bei einer antijüdischen [sic!] Aktion zu benutzen.«

Wir sollten den Stroop Bericht als eine ausgezeichnete Quelle mittleren Ranges bezüglich der Vernichtung des Warschauer Ghettos betrachten, doch bezüglich der zivilen Verteidigung liegt sie außerhalb der relevanten Hierarchie und wird somit im Wesentlichen zu einem Augenzeugenbericht. Augenzeugenberichte sind dem Historiker besonders wertvoll, um den historischen Beschreibungen Inhalt und Farbe zu geben, aber da sie auf den Augenzeugen beschränkt sind, sind sie bezüglich der Begleitumstände unzuverlässig. Deshalb müssen sie vorsichtig angewandt werden, das eigene Urteil des Historikers ist letztlich der entscheidende Faktor.

Bei der Auswertung von Stroops Kommentaren über den zivilen Luftschutz im Warschauer Ghetto stellen wir fest, daß er Behauptungen über Luftschutz für Juden in Polen macht, die der allgemeinen Auffassung über die deutsche Behandlungen der Juden zuwiderläuft. Deshalb wären wir diesbezüglich sehr skeptisch, wenn wir auf diese Angaben alleine stoßen würden. Da aber die Bemerkungen gut mit den anderen Dokumenten übereinstimmen, die wir bereits betrachtet haben, halten wir es für gerechtfertigt, ihren Wahrheitsgehalt anzuerkennen - wir betonen aber nochmals, daß wir dazu ohne die Bestätigung durch hoch- und mittelrangige Dokumente nicht geneigt wären.

Dokument 5 - Nürnberger Zeugenaussage am 23. April 1946 über die Revolte im Warschauer Ghetto

Unser fünftes und letztes Dokument entstammt der Nachkriegs-Zeugenaussage von Joseph Buehler, einem von Hans Franks Assistenten.[22] Als er von Franks Anwalt, Dr. Seidl, ins Kreuzverhör genommen wurde, entstand folgender Wortwechsel:

»DR. SEIDL: Was hatten sie später über den Aufstand des Warschauer Ghettos 1943 erfahren?

BÜHLER: Ich erfuhr, was fast alle erfuhren, nämlich daß ein Aufstand im Ghetto stattgefunden hatte, welcher von langer Hand geplant war; daß die Juden das Baumaterial benutzten, das ihnen zum Bau der Bunker gegeben worden war, um Barrikaden zu errichten; und daß die deutschen Truppen während des Aufstandes auf massiven Widerstand stießen.«

Das ist ein weiterer Fall eines nachrangigen Beweises, der zudem sehr wenig vertrauenswürdig ist. Die Zeugenaussage erfolgt nicht zeitgleich mit der Beschreibung. Die Person, die die Information wiederholt, ist kein Augenzeuge. Die Information wurde im Zusammenhang mit einem Prozeß gegeben, wo der Wunsch nach Genauigkeit mit vielen anderen Motiven konkurriert. Deshalb wären wir nicht geneigt, dieser Aussage überhaupt Gewicht beizumessen.

Die Tatsache, daß diese Aussage mit den Behauptungen des Stroop-Berichts übereinstimmt, beeindruckt nicht, weil es sein könnte, daß der Zeuge einfach Gerüchte vom Hörensagen oder verdrehte Reportagen wiedergab, die er zur Zeit des Aufstands im Warschauer Ghetto gehört hatte. Gerade weil es solche Berichte nach dem Ereignis gibt, kann man die Möglichkeit einer Beeinflussung nicht außer acht lassen. Außerdem werden, wie beim Stroop-Bericht, Behauptungen über die deutsche Behandlung der Juden gemacht, die nicht mit dem übereinstimmt, was wir gewöhnlich lesen. Dennoch, gerade weil die Aussage gut zu all den anderen Dokumenten paßt und mit ihnen in Einklang steht, können wir diese Aussage als wahr annehmen.

Der obige Durchgang der fünf Dokumente - oder eigentlich von Beweiskategorien - verdeutlicht, daß zivile Luftschutzmaßnahmen im besetzten Polen ab 1942 eingeführt worden sind; um genau zu sein, ab dem 6. August 1942. Diese Maßnahmen waren im September des gleichen Jahres schon weit fortgeschritten. Die Umsetzung dieser Maßnahmen umfaßte auch die in Polen verbliebene jüdische Bevölkerung in Warschau, sowie das Konzentrationslager in Lublin. Das sind alles dem Verstand zugängliche Tatsachen, die aus den Dokumenten hervorgehen.

Das Problem ist, daß wir bezüglich der Behauptung zu Massenvergasungen, besonders in Auschwitz, keine entsprechenden Dokumente haben. Es gibt kein hochrangiges Dokument, das die Vergasung von Menschen in Auschwitz befielt. Es gibt kein Dokument aus der mittleren Ebene, das die Vergasung von Menschen in Auschwitz befiehlt oder auch nur erörtert. Die nachrangigen Dokumente, inklusive Arbeitsbefehle, Materialbestellungen, usw., umfassen die kriminellen Spuren. Nichts davon enthält irgendeinen Hinweis auf Vergasungen von Menschen. Es gibt keine zeitgleichen Augenzeugenberichte außer einem vorgeblichen, dem Franke-Gricksch Bericht, von dem erst dreißig Jahre nach Kriegsende eine ungeschickt getippte Kopie auftauchte, und der nie bestätigt wurde.[23] Die Beweise, die die Massenvergasungen in Auschwitz belegen sollen, stammen ausschließlich von Nachkriegsberichten, die von Gerichtsverhandlungen stammen, und wie wir bereits festgestellt haben, sind alle Gerichtsverfahren seit dem IMT von der Annahme ausgegangen, daß die Vergasungen stattgefunden haben. Das sind die Gründe, warum Leute der Vergasungs-Behauptung skeptisch gegenüberstehen.

Das Fehlen jeglicher hochrangiger bzw. mittelrangiger Dokumente wird meist damit erklärt, daß die Deutschen bewußt keine Beweise hinterließen, mit anderen Worten, es gab eine Verschwörung, keine Dokumente zu erstellen. Doch auch diese Erklärung entstammt Nachkriegsberichten. Diese Argumentation benutzt also die unzuverlässigste Art von Beweisen, um das Nichtvorhandensein der verläßlichsten Kategorie von Beweisen zu erklären. Alle Verschwörungstheorien sind ähnlich aufgebaut.

Zudem sind die Lücken in der Dokumentation, gemessen am Ausmaß der angeblichen Ereignisse, riesig. Es wird heute oft angeführt, daß historische Ereignisse durch eine "Konvergenz der Beweise" "bewiesen" werden, wobei vielerlei Quellen auf eine Tatsache hin zusammenlaufen. Doch kein sachkundiger Historiker arbeitet so. Wenn ein Historiker mit einem hochrangigen Dokument beginnt, sucht er anschließend Bestätigungen auf mittlerem und unteren Niveau: eben Dokumente, die jeden Schritt untermauern. Fängt dagegen die Suche unten an, mit Augenzeugenberichten oder einer vagen Referenz, so wird die Existenz hochrangiger Dokumente angenommen und diese werden dann solange gesucht, bis sie gefunden werden. Teil des Handwerkszeugs des Historikers ist das Wissen, wo man suchen muß, um die verbindenden Dokumente zu finden.

Es gibt zwei Gründe, warum die obige Methode die korrekte Prozedur für jeden Historiker ist. Erstens, weil sich Geschichte nicht nur darum dreht, was passiert ist, sondern auch, wie es passiert ist. Diese Einstellung setzt voraus, eine Hierarchie der Dokumente aufzustellen, die eine plausible Kette der Ereignisse liefern kann. Zweitens und infolgedessen wird der Historiker sofort die Unterschiede innerhalb einer großen Menge Beweise erkennen, und wie diese Beweise qualitativ in der Hierachie verteilt sind. Sollte ein Historiker z.B. mit ein paar Dutzend Augenzeugenberichten anfangen, wird er in einem weiteren Dutzend keinen zusätzlichen Wert sehen; was er an diesem Punkt braucht, ist ein Beweis aus einer höheren Ebene, der beschreibt, wie und warum das stattfand, was der Augenzeuge aussagt. Tatsächlich sollte ein Historiker, wenn er auf zwei Augenzeugenberichte stößt, die ähnliches beschreiben, als erstes sicherstellen, daß es keinen Berührungspunkt bei den Berichten gibt, bzw. daß nicht beide Berichte von einem Dritten stammen. Holocaust-Historiker sind besonders schwach in bezug auf diesen Punkt.

Das "Konvergenz-der-Beweise"-Modell ist der Evolution abgeschaut, genau genommen der Evolutionsbiologie. Für einen Historiker ist es ein großes Problem, wenn Beweise für Vergasungen in einer hierarchischen Beweiskette fehlen; genauso, wie ein Evolutionsbiologe verblüfft wäre, wenn er umfassende geologische Schichten fände, in denen keinerlei Lebewesen nachweisbar wären. Das ist die richtige Analogie für die Größenordnung des Problems, mit dem wir es hier zu tun haben. Wir möchten betonen, daß wir diese Kategorisierung der Dokumente nicht erfunden haben, weil sie für unsere These paßt, im Gegenteil: gerade aufgrund einer entscheidenden Lücke auf der mittleren Ebenen unserer Dokumentation werden wir die Bunkerthese nicht in ihrer Gesamtheit beweisen können.

2.2. Hochrangige Dokumente über Bunkeranlagen

Die meisten der hier zitierten Dokumente stammen aus den Akten der Zentralbauleitung Auschwitz, und es scheint daher angebracht, einiges über die Anordnung dieser Akten zu berichten. Es wird erzählt, daß, als Auschwitz am 27. Januar 1945 befreit wurde, die meisten Akten vernichtet wurden, nur die Akten des Zentralbauamtes Auschwitz blieben unversehrt. Sie wurden wiederum von der Sowjetischen Sonderkommission für die Abfassung ihres Berichts vom 6. Mai 1945 benutzt (bekannt unter seiner Nürnberger Bezeichnung USSR-008). Der größte Teil dieser Akten wurde dann nach Moskau verbracht, wo sie für viele Jahre in Vergessenheit gerieten. Aber einige Akten (oder Kohlepapier-Durchschläge) wurden für die polnische Kommission über Auschwitz, die 1945 und 1946 tagte, zurückgelassen. Diese letzteren Akten bilden das Rückgrat der Sammlungen des Nationalen Museums in Auschwitz (bekannt als "PMO"), und diese Akten waren viele Jahre lang die Grundlage der meisten Untersuchungen über Auschwitz, welche nacheinander von Faurisson, Pressac, van Pelt und Mattogno durchgeführt worden sind.

Die Sowjetunion gab 1989 die Existenz der Unterlagen des Zentralbauamtes bekannt. Gerald Fleming[24] und Pressac, beide traditionelle Holocaust-Historiker, besichtigten die Sammlungen kurz darauf, um Dokumente zu erhalten, die ihre Interpretationen unterstützten. Während der letzten fünf Jahre haben einige Revisionisten in den Archiven des Zentralbauleitung gearbeitet und sammelten allmählich Material an, u.a. Michael Gärtner, Manfred Gerner, Hans Nowak, Werner Rademacher[25] und besonders Carlo Mattogno und Jürgen Graf. Die beiden letzteren haben den Archiven mehrere Besuche abgestattet und darüber viel veröffentlicht.[26]

Dokument 10: Angebot über Luftschutzdeckungsgräben (zum Vergrößern anklicken)

Dokument 11 (zum Vergrößern anklicken)

Die Hinterlassenschaft des Zentralbauamtes besteht aus 83.000 Seiten. Sie sind mit einer Lage- oder Archivnummer (»Fond«) versehen, die in bezug auf die Sammlung in Moskau angibt, wo sie zu finden sind; in diesem Fall "502". Außerdem sind diese Akten in weitere fünf Gruppen oder Bestandslisten (»Opisi«) unterteilt. Fast alle der direkt relevanten Unterlagen des Zentralbauamtes stammen aus Fond 502, Opis 1. Außerdem gibt es eine Mappennummer, in der 502-1 Serie ungefähr 450. Die Mappen beinhalten Material über spezifische Themen und können entweder eine Seite beinhalten, z.B. 502-1-141: ein Dokument von 1943 über die Zentralheizung, oder 700 und mehr Seiten, so z.B. 502-1-92: die Korrespondenz mit einigen Firmen über den Bau von Werkstätten. Irgendwann wurden die einzelnen Mappen mit einem Pappeinband versehen und es wurde vorne eine Indexkarte auf russisch aufgeklebt, die den Inhalt beschrieb. Generell deckt sich der Titel der Mappen mit dem Thema: z.B. die Mappen 327-340 bestehen aus 1.800 Seiten über Entwesung und Verbrennung, die Mappen 305-318 beinhalten gleichviel Material über die Krematorien, usw. Die Seitennummern in den Mappen sind teilweise angegeben, teilweise nicht. Die Nummerierungen sind entweder mit Bleistift oder Tinte am oberen rechten Rand gemacht worden, manchmal sind Nummern durchgestrichen und mit einer anderen Folge ersetzt worden. Bei den hier präsentierten Dokumenten wurden die Seitenzahlen durch den Kopierprozeß unleserlich, bzw. sind von Anfang an nie numeriert gewesen. In den Fällen, wo die Seitennummer leserlich war und auch Sinn in bezug auf eine Reihenfolge gemacht haben, haben wir sie wiedergegeben. Ansonsten haben wir nur den Mappenplatz angeführt, hier: 502-1-141.

Die einzelnen Mappen und die größeren Gruppen davon zeigen eine zusammenhängende Ordnung, deshalb glauben wir, daß die Unterlagen mehr oder weniger so sind, wie sie gefunden wurden. Tatsächlich sind die Mappen wie üblich geordnet, in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge und oft mit Kohlepapier-Durchschlägen versehen. Dennoch gibt es genug Unordnung in den Mappen und ihrer Anordnung, so daß klar ist, daß sie irgendwann durchwühlt wurden. Gelegentliche Eigenheiten in der Anordnung der Dokumente deuten darauf hin, daß einige Akten entnommen worden sind. Doch angesichts des Gesamtzusammenhangs der Dokumente glauben wir nicht an eine großangelegte Umordnung der Akten.

Eine Ausnahme betrifft das bekannte Dokument vom 28. Juni 1943, das für die fünf Krematorien im Auschwitz eine tägliche Verbrennungskapazität von 4.756 Leichen behauptet. Pressac gab dem Dokument zwei Referenznummern: 502-1-314 und 502-1-324. Als der deutsche Historiker Manfred Gerner versuchte, das Dokument zu erhalten, wurde ihm erzählt, daß es mit "501-1-314a" gekennzeichnet sei. Carlo Mattogno behauptet, daß die richtige Katalogisierung des Dokuments 502-1-314, Seite 14a sei.

Keine dieser Referenzen ergeben einen Sinn. Mappe 502-1-324 gehört zu einer Serie von Mappen, welche die Faulgasanlage in Auschwitz beschreiben, das heißt: die Mappe bezieht sich auf den Versuch, Methangas aus der Kläranlage in Birkenau zu gewinnen. Andererseits gehört Mappe 502-1-314 tatsächlich zu einer Serie über Krematorien, aber sie ist eine Mappe mit 36 Seiten, die Korrespondez mit der Fa. Topf & Söhne und anderen Firmen wegen Bau und Ausstattung von Krematorien enthält. Das Dokument vom 28. Juni 1943 soll aber ein Schreiben des Zentralbauamts an General Kammler in Berlin sein, das sich mit der Verbrennungskapazität der Krematorien befaßt. Es gibt keinen logischen Grund, warum sich dieser Brief in einer dieser beiden Akten befinden sollte.

Wenn man auf ein Dokument stößt, das nicht mit den Dokumenten ringsum übereinstimmt, gibt es dafür ein paar mögliche Erklärungen. Das Dokument kann falsch eingeordnet worden sein. Aber in diesem Falle müßten wir analoge Dokumente in den folgenden Mappen finden. Im hiesigen Falle gibt es sie nicht. Oder die umgebenden Dokumente wurden entfernt. Im hiesigen Fall aber wären derartige Dokumente nur belastend gewesen, weshalb es unwahrscheinlich ist, daß derartige Dokumente von den Sowjets entfernt wurden. Es ist auch nicht wahrscheinlich, daß die Deutschen die umgebenden Dokumente herausgenommen hätten, denn es wäre viel einfacher gewesen, die gesamte dünne Akte zu verbrennen. Schließlich besteht die Möglichkeit, daß das Dokument zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt worden ist. Das scheint uns die plausibelste Erklärung zu sein. Wenden wir uns jetzt einigen anderen Dokumenten zu.

Dokument 6 - Sofortmassnahmen bei Bomben- und Brandschäden, 14. September 1940.

Das erste Dokument ist ein zweiseitiges Rundschreiben bezüglich Maßnahmen zur Behebung von Bomben- und Brandschäden durch Luftangriffe.[27] Es ist nicht von besonderem Interesses, außer, daß es das erste Dokument in den Akten der Zentralbauamtes ist, das sich mit zivilen Luftschutzmaßnahmen befaßt. Das Dokument genügt wohl den allgemeinen Anforderungen an ein hochrangiges Dokument bezüglich des Zeitpunkts, zu dem sich in Auschwitz das allgemeine Augenmerk auf Luftangriffe und zivile Verteidigung gerichtete.

Dokument 7 - Vermerk zur Bekämpfung von Phosphorbränden, 21. Dezember 1940

Dieses Dokument ist eine einseitige Kopie vom »Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Inspektion des Luftschutzes«, und ist einfach ein Warnhinweis über die richtige Methode bei der Bekämpfung von Bränden durch Phosphor, dem Hauptbestandteil alliierter Brandbomben.[28] Das Dokument weist auch auf die verschiedenen entsprechenden zivilen Luftschutz-Direktiven hin.

Hier gibt es einige interessante Punkte. Erstens ist das Dokument mit 21. Dezember 1940 datiert, es wurde aber erst am 2. Januar 1941 unterschrieben. Zweitens wurde es mit dem Eingangsstempel des Zentralbauamtes (hier in seiner zweiten Fassung) am 12. Januar gestempelt, 10 Tage später.

Die Unterschiede zwischen dem Datum des Schreibens und dem des Stempels des Zentralbauamts wird später noch von Bedeutung sein, deshalb seien hier unsere Überlegungen dazu dargelegt. Manche Dokumente werden an einem bestimmten Tag erstellt und datiert und zwei bis drei Tage später vom Zentralbauamt gestempelt. Anderseits kann bei anderen Dokumenten diese Zeitspanne viele Tage oder sogar Wochen betragen. Im allgemeinen schlußfolgern wir, daß die normale Zeit für Postauslieferung zwei bis drei Tage beträgt. Wir werden aber weiter argumentieren, daß das Stempeldatum nicht das Eingangsdatum beim Zentralbauamt ist, sondern der Tag, an dem das Dokument durch die Büros gereicht und unterschrieben wurde, bevor es zu den Akten gelegt wurde. Mit anderen Worten, wir werden bei manchen Dokumenten die Ansicht vertreten, daß sie zwischen dem Erstellungsdatum des Dokuments und dem Stempeldatum bearbeitet wurden.

Dokument 8 - Erweiterter Selbstschutz in Barackenanlagen, 4. Januar 1941

Ein weiteres Dokument, auch von der Inspektion des Luftschutzes, bezüglich weiterer "Selbstschutz"-Maßnahmen in Baracken und anderen Gebäuden.[29] Das Dokument hat keinen Stempel, es ist die Abschrift eines Durchschlages.

Das vierseitige Dokument beinhaltet die üblichen Vorsichtsmaßnahmen und Hinweise, wie Bunker gebaut werden sollen, so wie in Schutz erörtert. Es beinhaltet die Bestimmung, daß neue Bauwerke mit Bunkern für die Arbeiter ausgestattet sein sollten, daß Luftschutzdeckungsgräben ausgehoben werden sollten, daß Holzbaracken mindestens zehn Meter auseinander stehen sollten, damit sich Feuer nicht ausbreiten könne, daß Gasmasken ausgehändigt werden sollten, usw. Das interessante ist die allumfassende Sorge, Feuer zu bekämpfen.

Dokument 9 - Blaues Licht während der Verdunklung, 16. April 1941

Das ist ein weiteres einseitiges Dokument, von Steffens unterschrieben.[29] Es stammt vom Büro des Reichsministers Todt. Es behandelt Hitlers Überzeugung, daß bei Verdunkelung blaues Licht dem roten überlegen sei, zusammen mit einer Empfehlung, eben blaues Licht zur Verdunkelung zu benutzen. Das Dokument ist nicht sonderlich interessant, außer, daß deutlich wird, daß bei Verdunkelung stets rotes Licht benutzt wurde, und es zeigt ferner, in welchem Ausmaß Hitler sich persönlich mit minutiösen Details befaßte.

Das Dokument, Abschrift eines Durchschlages, wurde am 15. Mai 1941 eingangsgestempelt; das bedeutet, gemäß unserer Analyse, daß es eine Weile dauerte, um Kopien des Dokuments anzufertigen, und daß es für einen unbestimmbaren Zeitraum im Umlauf war.

Dokument 10 - Heinemann-Angebot für den Bau von Luftschutzdeckungsgräben, 27. Januar 1942

Das Dokument besteht aus einem Begleitschreiben der Fa. Heinemann & Co. in Berlin an die »SS-Neubauleitung« in Auschwitz und besteht aus einem Angebot, Luftschutzdeckungsgräben zu bauen, mit einer vierseitigen Anlage, die Details beschreibt.[30] Es ist das einzige Dokument in dieser Mappe der Zentralbauleitung, der ersten von acht Mappen mit insgesamt 800 Seiten(!) Dokumenten über Bunker.

Ein vierseitiger Kostenvoranschlag ist als Anlage dem Brief beigefügt, der am 29. Januar 1942 eingangsgestempelt wurde, d.h. zwei Tage nach der Versendung, was uns eine Vorstellung der Brieflaufzeiten gibt. Das Dokument scheint ein unangefordertes Angebot für eine Dienstleistung zu sein. Es bezieht sich nur auf die Bestimmungen des Reichmarschalls (Göring) über zivilen Luftschutz. Der schnelle Durchgang sowie das Fehlen weiterer Korrespondenz lassen darauf schließen, daß das Angebot unbeachtet blieb. Dennoch wird deutlich, daß damals angenommen wurden, man sei in den Konzentrationslagern schon zu diesem frühen Zeitpunkt für Luftschutzmaßnahmen ansprechbar gewesen.

Dokument 11 - Bauliche Massnahmen für 1942, 6. März 1942

Hier ein dreiseitiges Dokument, das Baubestimmungen für das dritte Kriegsjahr festsetzt.[31] Auf Seite 2 ist ein Absatz bezüglich Rationierung knapper Materialien, einschließlich Eisen, der nebenbei erwähnt:

»Massivdecken eisensparend. Decken über Luftschutzräumen wölben, mindestens aber die Feldlängen durch Stützen und Unterzüge unterteilen. [...]

Öfen und Herde sowie Gasschutztüren und Blenden in eisensparender Bauweise.«

Es ist interessant, daß in diesem Dokument zivile Luftschutzmaßnahmen ganz nebenbei im Zusammenhang mit den allgemeinen Bauregulationen erwähnt werden. Das geht so weit, daß man schon Anfang 1942 prinzipiell von der Ausstattung neuer Gebäude mit Luftschutzkellern ausging.

Dokument 12 - Sicherheitsdirektive zur zivilen Verteidigung, Himmler an Glücks, am 8. Februar 1943

Dieses Dokument wurde bereits in Schutz zitiert, wobei Hilberg[32] es als Himmler-Akten, Mappe Nr. 67, bezeichnet. Es war nicht möglich, dieses Dokument auszumachen, weil die Himmler-Aufzeichnungen in den US National Archives sehr durcheinander und anders katalogisiert sind, als Hilberg sie zitiert.

Das Dokument, das an Pohl und Glücks ging, war eine Anweisung, wie man Sicherheit in den Konzentrationslagern gewährleisten könne, so daß keine Massenausbrüche stattfinden könnten. Das Dokument ist u.E. in dreifacher Hinsicht bedeutungsvoll. Erstens, weil es bei den höchsten Kreisen der SS Anfang Februar 1943 die Einsicht in die Notwendigkeit ziviler Luftschutzmaßnahmen in Konzentrationslagern dokumentiert. Zweitens, weil die Sicherheitsbedürfnisse einen alternativen Gebrauch der Krematorien in Birkenau im Falle eines Luftangriffes rechtfertigen würden, und drittens, weil ein einfaches Mittel gegen Ausbrüche von Gefangenen darin bestand, ihnen einen gewissen Grad an Schutz zu bieten, so daß sie während eines Luftangriffs einen Grund hätten, die Ordnung aufrechtzuerhalten.

Dokument 13 - Kammler Richtlinie Nr. 39 für den zivilen Luftschutz vom 6. März 1943

Das bei weitem längste Dokument über zivile Luftschutzmaßnahmen aus höchsten Regierungskreisen ist eine 15 seitenlange Sammlung von Richtlinien, sowie eine dreiseitige Anlage ohne Datum von General Kammler, Führer der Bauvorhaben der SS in Berlin.[33] Es hat eine große Verteilerliste, inklusive des Zentralbauamtes in Auschwitz. Das Dokument trägt das Datum 6. März 1943, der Verteilerstempel ist auf den 19. Juni 1943 datiert und ist mit den üblichen Initialen versehen. Die Anfangsseite trägt einen handgeschriebenen Namen, wahrscheinlich Kirschneck, der Generalinspektor der Gebäude in Auschwitz, und lediglich gegenüber Karl Bischoff, dem Chef des Zentralbauamtes dieser Zeit, weisungsgebunden war. (Kirschnecks handgeschriebener Name erscheint in vielen Dokumenten.) Ein weiteres Datum und weitere Schriftzüge vom 29. Juni 1943 sowie dem 1. Juli 1943 deuten darauf hin, daß es auch von den anderen Mitgliedern des Büros signiert worden ist. Wegen dieser Daten und Kürzel sowie der Zeitspanne zwischen dem Datum des Dokuments und dem des Stempels schließen wir, daß es damals hohe Priorität genoß.

Das Dokument, welches eine Menge Information aus Quellen der Luftwaffe von 1942 wiedergibt, betont den Schutz gegen Splitter, Gebäudetrümmer und Brandbomben, stellt Richtlinien für den Bau von Luftschutzdecken auf und listet Spezifikationen für den Splitterschutz von Gebäuden auf.

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Im allgemeinen Teil der Richtlinien wird dargestellt, daß bei einem Luftangriff erfahrungsgemäß der größte Schaden durch Splitter von Sprengbomben entsteht. Weiter wird ausgeführt, daß der Schaden auf viele Arten begrenzt werden kann: z.B. durch winklige Eingänge, oder durch Verkleinerung der Öffnungen, durch die das Licht eintritt (»Minderung des Tageslichtseintritts«), was sich u.a. auf Fenster bezieht. Es wird auch festgestellt, daß neue und vorhandene Gebäude entsprechend umgerüstet werden können, um Splitter- und Trümmerschutz zu bieten.

Was spezifische Maßnahmen angeht, so betonen die Richtlinien, daß Fenster oder Ventilationsschächte, soweit es der Lichtbedarf zuläßt, hoch angebracht werden müssen, damit das, was sich innen befindet, geschützt wird. Die Größe und Anzahl der Türen soll begrenzt werden. Türen und Fenster müssen entweder innen oder außen gegen Splitter geschützt werden, vorzugsweise durch Verwendung von Splitterschutzwänden.

Schon gemessen an seiner Länge und der Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wurde, ist dieses Dokument bezüglich der Einführung ziviler Luftschutzmaßnahmen in Auschwitz offensichtlich wichtig. Wir sollten uns auch vor Augen halten, daß Kammler und Bischoff erst seit kurzem bei der SS waren, sie waren 1940 von der Luftwaffe übergewechselt, und wir können annehmen, daß beide sehr wohl solche Maßnahmen kannten, auch bevor diese Richtlinien ausgegeben wurden. Es ist auch von Bedeutung, daß die Richtlinien Anfang März 1943 herauskamen und Anfang Juli 1943 zu den Akten gelegt wurden, gerade in dem Zeitraum, als die Krematorien mit "gasdichten" Einrichtungen fertig ausgestattet waren.

Dokument 14 - Brief über Sicherheit, Pohl an Himmler, 5. April 1944

Das ist ein Brief von Pohl an Himmler, der die Sicherheitsmaßnahmen des Lagers Auschwitz beschreibt.[34] Er sollte mit Himmlers entsprechendem Brief vom 8. Februar 1943 im Gedächtnis verglichen werden. Wir zitieren einige Auszüge:

»Bezüglich der Sicherheitsmaßnahmen für den Fall A, berichte ich wie folgt:

Lager I ist ein kompaktes Lager für Männer mit einer derzeitigen Insassenzahl von 16.000.

Es wird mit einem Zaun mit Stacheldraht umgeben, der wie bei allen Lagen unter Strom gestellt ist. Weiterhin gibt es mit Maschinengewehren ausgestattete Aufsichtstürme.

Lager II liegt zirka 3 km von Lager I entfernt. Es hat eine Aufnahmekapazität von 15.000 männlichen und 21.000 weiblichen Gefangenen. Von diesen insgesamt 31.000 Insassen sind 15.000 arbeitsunfähig.

Lager II ist auch von elektrischem Stacheldraht umgeben, Aufsichtstürme sind vorhanden. [...]

Sollte die Frage einer Revolte oder Ausbruchs in Oberschlesien zur Diskussion stehen, müssen von der Gesamtzahl von 67.000 Insassen jene in den Nebenlagern und jene in den Krankenlagern abgezogen werden.

Von der Gesamtzahl von 67.000 Insassen müssen 15.000 abgezogen werden sowie jene in dem Nebenlager (Lager III) und jene im Krankenlager und die Behinderten: 18.000; man muß also mit 34.000 Gefangenen (als Gefahrenquelle) rechnen. Sollten die Sicherheitsmaßnahmen unzureichend sein, bedeutet das eine Gefahr für Auschwitz.

3. 2.300 Männer von der SS können die Gefangenen von Lager I und Lager II beaufsichtigen sowie die Lagerleitung schützen, die im Fall A unterrichtet werden müssen. Weiterhin stehen 650 Aufseher in den Nebenlagern von Lager III zur Verfügung. [...]

Außer der unmittelbaren Sicherheitsmaßnahmen von Lager I und II durch Wachtürme und elektrischen Stacheldraht gewährleistet, ist ein innerer Ring von Bunkern konstruiert worden, der von SS Personal bedient wird. In der beiliegenden Karte sind diese Bunker rot gekennzeichnet. [...]

Die Luftwaffeneinheiten, die um Auschwitz stationiert sind, haben eine Stärke von 1000 Mann und sind verfügbar, sofern keine Luftangriffe durchgeführt werden. Die Verfügbarkeit dieser Luftwaffeneinheiten ist jedoch nicht hundertprozentig gewährleistet. Im Einsatzplan muß das berücksichtigt werden.«

Das Dokument bestätigt im wesentlichen, daß Himmlers Weisung des Vorjahres umgesetzt worden ist. Die Nutzung des Krematoriums zur Erhöhung der Sicherheit in der westlichen Peripherie (des Lagers) ist eine, wie wir meinen, sehr wahrscheinliche Schlußfolgerung. Es ist nebenbei auch bemerkenswert, daß etwa 27% der Insassen arbeitsunfähig waren.

Dokument 15 - Behelfsmässiges Bauen der Waffen-SS, 30. August 1944

Das ist ein einseitiger Brief von General Kammler der WVHA an die Bauaufsicht der Waffen-SS in Schlesien (wohin Bischoff versetzt worden ist), der betont, daß alle behelfsmäßige Bauten untersucht werden sollen.[35] Wir glauben, daß sich der Gesamtzusammenhang auch auf die Direktiven für den zivilen Luftschutz bezieht.

Zusammenfassung

Damit ist die kurze Übersicht über die hochrangigen Dokumente bezüglich ziviler Luftschutzmaßnahmen abgeschlossen, die in den Akten des Zentralbauamtes in Auschwitz gefunden wurden. Es ist eindeutig, daß das Zentralbauamt seit Anfang Herbst 1940 verschieden Direktiven und Befehle bezüglich ziviler Luftschutzmaßnahmen erhielt. 1942 war es selbst für die Firmen in Berlin offensichtlich, daß der Komplex der Konzentrationslager ein guter Abnehmer für zivile Bunkeranlagen war. Anfang 1943 gab es zwei an Auschwitz gerichtete hochrangige Direktiven über zivilen Luftschutz: Der Befehl Himmlers vom 8. Februar 1943 und die Kammler-Richtlinien vom 6. März 1943. Himmlers Befehl betonte die Sicherheit, d.h. die Notwendigkeit von Vorkehrungen gegen Massenausbrüche. In dieser Hinsicht darf man nicht vergessen, daß die Krematorien sowie die Zentralsauna die einzigen festen Bauten in der westlichen Peripherie waren, die Schutz und Sicherheit bieten konnten. Die Kammler-Richtlinien sind wahrscheinlich angesichts der engen Verbindung zwischen Bischoff und Kammler noch wichtiger.

Aus rein dokumentarischer Sicht könnten die erörterten, nachrangigen Dokumente, d.h. die kriminellen Spuren, jederzeit ab Herbst 1940 durch Luftschutz interpretiert werden. Dies ist noch ausgeprägter ab Herbst 1942 gerechtfertigt, wegen der analogen Entwicklungen im besetzten Polen, und noch mehr Anfang 1943, wegen des Himmler-Befehls, der Kammler-Richtlinien und schließlich des ersten Bombenangriffes auf die Region Auschwitz am 4. Mai 1943. Aber daß eine solche Interpretation der nachrangigen Dokumente gerechtfertigt ist, ist nicht gleichbedeutend damit, daß sie die richtige Interpretation ist. Daher müssen wir sehen, was sonst noch zu finden ist.

2.3. Dokumente der mittleren Ebene

Dokument 16 - Pohls Reiseweg, 23. September 1942

Dokument 16 (zum Vergrößern anklicken)

Dokument 18 (zum Vergrößern anklicken)

Die ersten Dokumente dieser Art beziehen sich auf Material, das sich mit General Oswald Pohl befaßt, dem Führer des WVHA der SS.[36] Pohl besuchte Auschwitz am 23. September 1942, etwa zur gleichen Zeit wie Franks Tagebuch-Einträge und die früher zitierten Auert-Lieferscheine für Majdanek.

Die Dokumente beginnen mit der Reiseroute und geben anschließend Bericht über einige Reden und Versammlungen. Pohls Rede ist überwiegend emotional gebunden und appelliert an das Pflichtgefühl seiner Zuhörer, die, wie wir uns erinnern müssen, 1500 Kilometer hinter der Stalingrad-Front mehr oder weniger undankbare Aufgaben ausführten. In der Versammlung wurden hauptsächlich alle möglichen Bauprojekte zur Entwicklung des Gebietes rund um die Lager erörtert. Erst gegen Ende des Treffens wurde die Notwendigkeit des Baus einer Abwasseranlage wegen Seuchengefahr betont.

Der Reisebericht enthält keine Bezüge zu möglichen Bombenschutzanlagen, doch werden folgende Aufenthalte genannt:

»DAW Entwesung- u. Effektenkammer /Aktion Reinhard/; neuer Pferdestallhof; Lager Birkenau; Station 2 der Aktion Reinhardt; Truppenlager Birkenau; Geflügelhof Harmense; Teichausbau; Dammbau an der Weichsel; Wirschaftshof Budy; Raisko; Faulgasanlage [in Tinte] Kläranlage«

Es gibt mehrere Eintragungen mit Tinte, denen zufolge die Lagerkapazität von Birkenau 12.000 Männer und 18.000 Frauen vorsah und die andeuten, daß zu dieser Zeit nur 1.000 Personen in Birkenau sind. Jedoch weist ein späteres Dokument dieser Reihe (S. 90) darauf hin, daß tatsächlich 16.000 Menschen im Birkenau waren, wovon ungefähr 3.000, bzw. 18%, arbeitsunfähig waren.

Obwohl diese Dokumente zeigen, daß die zivilen Luftschutzmaßnahmen zu dieser Zeit keine hohe Priorität besaßen, liefern sie doch andere Informationen. So ist z.B ein Hinweis auf die »Aktion Reinhardt« in verschiedenen Schreibweisen im gleichen Dokument bemerkenswert, sowie in einem Dokument, das nichts mit den Lagern im Osten zu tun hat, mit denen der Name »Aktion Reinhardt« ausschließlich verknüpft sein soll.

Dokument 17 - Pohls Bauempfehlungen vom 16. Juni 1944

Das Dokument ist ein dreiseitiger Aktenvermerk, der ein Treffen am 16. Juni 1944 beschreibt, hauptsächlich mit dem Thema Baumaßnahmen.[37] Es wurde anläßlich eines weiteren Besuchs von General Pohl einberufen. Es gab 10 Teilnehmer, einschließlich vieler Führungskräfte des Lagers, also Höß, Bischoff, (jetzt zum Gebäudeinspektor der Waffen-SS befördert), Baer, Dr. Wirths und Jothann (Bischoffs Nachfolger als Führer des Zentralbauamts).

Dies ist ein recht bekanntes Dokument. Es existieren mindestens zwei Kopien in den Moskauer Archiven, zudem wurde das Dokument im Konzentrationslager-Prozeß des Nürnberger IMT als NO-259 vorgestellt.

Nach einer kurzen Einführung listet das Dokument zirka 35 Bauprojekte auf, die ausgeführt werden sollen, sowie einige Vorschläge für den zivilen Luftschutz. Doch die Einträge, die 1947 am wichtigsten erschienen, waren:

»10. Drei Baracken für die Notmaßnahme "Judenaktion" [...]

16. Tarnung der Krematorien und Sicherheitsmaßnahmen beim Bau eines zweiten Zaunes (die Tarnung wurde durch Schilfmatten bewirkt, die von der SS Standortverwaltung bezogen werden mußten).

17. Bau von sechs Leichenkammern in Ba I und II.«

Die drei Baracken, um die es bei der "Judenaktion" geht, sind wahrscheinlich jene in der Mexiko-Abteilung des Lagers oder sonst im Kanada-Bereich des Lagers, für die den aus Ungarn deportierten Juden abgenommene Habe. Der Hinweis auf die Tarnung wird meistens in belastendem Sinn ausgelegt. Doch da das Dokument zivile Luftschutzmaßnahmen zusammen mit der Notwendigkeit eines zweiten Zaunes als Sicherheitsmaßnahmen auflistet, sind wir nicht sicher, ob dieser Hinweis nicht infolge Pohls Brief an Himmler vom April erfolgt.

Was uns am sonderbarsten erscheint, ist der Bezug auf den Bau von sechs Leichenkammern in Ba I und II, d.h. in den beiden Hauptlagern in Birkenau. Das deutet stark darauf hin, daß die Leichenkeller der Krematorien zu dieser Zeit nicht mehr als solche benutzt wurden. Sonst wäre es nicht notwendig gewesen, zusätzliche Leichenhallen zu bauen. Außerdem ist diese Direktive schlichtweg unverständlich in bezug auf die angeblich erreichten Verbrennungsraten in dieser Zeit, wonach einige zehntausend Menschen täglich in den Krematorien und in den Gruben verbrannt werden konnten. Es muß betont werden, daß das Dokument nirgendwo auf diesen angeblichen Sachverhalt eingeht.

Dokument 18 - Protokoll über Konferenz wegen ziviler Luftschutzmassnahmen vom 28. Juni 1944

Das Dokument ist ein weiterer vierseitiger Aktenvermerk, diesmal über eine Konferenz für die in Auschwitz durchgeführten Luftschutzmaßnahmen, die am 26.6.1944 abgehalten worden ist.[38] 15 Teilnehmer waren anwesend, einschließlich Höß, Bischoff, Baer, Kramer, Dr. Wirths, Jothann, Hössler und Dr. Münch vom Hygiene-Institut in Raisko.

Das Dokument zählt die einzelnen zivilen Luftschutzmaßnahmen auf, die durchgeführt werden sollten, einschließlich:

Unter der Überschrift »Allgemeines« lesen wir:

»14.) Allgemeines:

für Feuer- und Brandwache 12 Stück Beobachtungsbunker

Als Schutzmaßnahmen für Häftlinge des Lager I ist die Anlage von Splitterschutzgräben nicht möglich auf Grund der vorhandenen Freiflächen. Es können jedoch 2- 3000 Häftlinge in den vorhandenen Kellerräumen untergebracht werden.

Im Lager II können ebenfalls Splitterschutzgräben für Häftlinge mit Rücksicht auf den Grundwasserstand und die vorhandenen Freiflächen nicht angelegt werden.

Die Häftlinge der DAW. finden in der Nacht in den Kellerräumen den entsprechenden Splitterschutz. Offene Gräben können mit Rücksicht auf den hier vorhandenen Mangel an Freiflächen auch nicht angelegt werden.«

Schließlich berichtet das Memorandum von einigen fertigen Bauten, einschließlich etwa 20 Feuerwehrzisternen mit je 400 Kubikmeter Fassungsvermögen und zehn Schutzgräben aus Stahlbeton.

Das Dokument verdeutlicht, daß es im Hochsommer 1944 sehr ehrgeizige Pläne für den zivilen Luftschutz im gesamten Lagerkomplex von Auschwitz gab. Weiterhin geht das Dokument von der Nutzung vorhandener Gebäude für den zivilen Luftschutz aus, obwohl die einzelnen Gebäude nicht aufgeführt werden. Angesichts der Tatsache, daß die Krematorien II und III sowie die Zentralsauna mit Kellerräumen versehen waren, und daß sie zu den wenigen festen Gebäuden auf der Westseite von Birkenau gehörten, kann man durchaus auf die Nutzung dieser Räumlichkeiten als Bunker schließen. Schließlich verdeutlicht das Dokument, daß viele dieser Schutzeinrichtungen - ob vorhandene Bauten oder die eigens angefertigten Schutzräume - Tausende von Gefangenen schützen sollten. Wo so wenig Schutzraum vorhanden waren wie in Birkenau, sollte vorzugsweise der SS oder den Blockführern Schutz gewährt werden.

Weiter ist wichtig, daß die Bestrebungen zum Bau weiterer Schutzeinrichtungen in Auschwitz und in Birkenau durch Platzmangel und im letzeren Fall durch den hohen Grundwasserspiegel vereitelt wurden. Dokument 31 (weiter unten) beschreibt den Bau von 10 Schutzanlagen in Birkenau, jede 60 Meter lang. Doch diese Bunker finden keine Erwähnung in der Konferenz vom 26. Juni, die etwa zwei Wochen später stattfand.

Wir meinen, daß das Dokument ein gewichtiger Beweis für das Bestreben der Deutschen ist, sowohl für die SS wie auch für die Gefangenen insgesamt einen zivilen Luftschutz zu bieten. Unsere Interpretation in Schutz, daß die Hügel vor den Gefangenenbaracken Unterstände waren, wird jedoch geschwächt durch die Anzeichen, daß Unterstände in Birkenau aufgrund des hohen Grundwasserspiegels nicht gebaut werden konnten. Es kann sein, daß diese Auslegung falsch war, oder es kann sein, daß trotz des hohen Wasserspiegels im Spätsommer Versuche unternommen wurden, die Häftlinge zu schützen.

Vor allem in Hinblick auf Dokument 31 ist schwer zu sagen, ob ein Versuch unternommen, dann aber aufgegeben oder erneut aufgenommen wurde. Doch eines ist sicher: Es gab Bemühungen, Gefangene mit Schutzräumen zu schützen, und - wie wir unten zeigen werden - alle diese Anlagen waren mit "gasdichten" Türen ausgestattet.

Dokument 19: Inspektion des zivilen Luftschutzes durch von Mirbach, 6. Dezember 1943

Das folgende Dokument bezieht sich auf eine Inspektion des zivilen Luftschutzes in Auschwitz. Diese fand am 6. Dezember 1943 unter der Leitung von Oberstleutnant von Mirbach vom Luftgaukommando VIII, Krakau, statt. Anwesend waren ferner: Bischoff, Jothann, Josten (Verantworlicher des zivilen Luftschutzes) und der neue Kommandant des Lagers, Liebehentschel. Ziel der Inspektion war zu prüfen, in welchem Ausmaß das Lager Auschwitz und seine Außenlager auf Luftangriffe vorbereitet seien. Oberstleutnant von Mirbach notierte das Ergebnis in Stichworten:

Dokument 19 (zum Vergrößern anklicken)

»1. dass die Verdunklungsbestimmungen in den einzelnen SS-Unterkünften im Lagerbereich bereits seit längerer Zeit genauestens beachtet werden.

2. für die Verdunkelung der Lagerunterkünfte und die einzelnen Verwaltungsdienstellen sind sämtliche Massnahmen getroffen.

3. für die Sicherung bei etwaigen Angriffen nicht im Einsatz stehender SS-Männer des Wachverbandes der Verwaltungsstellen sowie der im Lagerbereich wohnenden Arbeiter ist die Anlage von Splitterschutzgräben gemäss den geltenden Bestimmungen bereits geplant and wurde mit dem Herstellen sowie Einbau der Betonformstücke durch die Zentralbauleitung bereits begonnen.

4. Die Anlage von Splitterschutzgräben für die Häftlinge des Stammlagers bzw. des KGL. ist mit Rücksicht auf die vorhanden Strassen, Be- und Entwässerungsanlagen und der starken Belegung der einzelnen Bauabschnitte nicht durchführbar. Zur besonderen Sicherheit wurde daher bereits ein zweiter Sperrgürtel ausgebaut. [...]

Der Besprechung folgte eine Fahrt durch die einzelnen Lager. Hierbei wird von Oberstleutnant von Mirbach das Anbringen von Splitterschutzblenden vor der Kellerfenstern der unterkellerten Massivgebäude des Stammlagers angeregt.«

Das Dokument enthält drei interessante Einzelheiten. Erstens wurden die Maßnahmen für die Verdunkelung »bereits seit längerer Zeit genauestens beachtet«. Das deutet auf eine seit längerem erkannte Notwendigkeit des zivilen Luftschutzes für dieses Lager. Zweitens empfiehlt die Inspektion schon das Anbringen von Splitterschutzblenden vor den Kellerfenstern des unterkellerten Massivgebäudes.

Der dritte Punkt ist von besonderem Interesse, da er später abgeändert wurde. Er betrifft von Mirbachs Beurteilung, daß es nicht möglich sei, irgendwelche Bunker für die Häftlinge zu bauen. Doch sowohl das Protokoll der Konferenz im folgenden Juni als auch Dokument 31 zeigt, daß diese Empfehlung zumindest teilweise aufgegeben wurde. In die gleiche Richtung weist die Tatsache, daß von Mirbachs Lösung des Problems darin bestand, einfach größere Sicherheit zu fordern, eine Einstellung, die Himmlers Befehl vom 8. Februar 1943 sowie Pohls Brief vom 5. April 1944 an Himmler entspricht.

Dokument 20/22: Dokumente vom Herbst 1944

Zwei Dokumente aus diesem Material werden durch den britischen Geschichtsforscher David Irving im Internet wiedergegeben (für eines davon vgl. VffG 1/1998, S. 72). Sie bestehen aus zwei Memoranda sowie einem Brief von Walter Dejaco, dem Architekten des Zentralbauamtes. Sie stammen vom 21. September, 25. Oktober und 5. November des Jahres 1943.[39] Der Brief vom 21. September und das Memorandum vom 25. Oktober verweisen beide auf ein Fernschreiben vom 23. August 1943.

Alle Dokumente haben mit der Produktion und Auslieferung von Betonschalen für den Bau von Luftschutzdeckungsgräben in Auschwitz zu tun. Das Memorandum vom 25. Oktober erwähnt 176 dieser Panzerungen, während das November-Memorandum lediglich von den »ersten 500 Meter Beton« spricht.

Daher haben wir zuerst angenommen, daß dieses Dokument den Bau von Hunderten von Luftschutzbunkern ansprach. Aber diese Annahme war falsch, erstens weil nämlich die Bauweise der Betonteile - sie sind praktisch oval - nicht verstanden wurde und zweitens weil der hohe Grundwasserspiegel in Birkenau nicht erkennbar war. Außerdem schienen die fotografischen Aufnahmen der Anlagen in Birkenau, die wie Luftschutzbunker aussahen, dem wie auch immer gearteten Problem des hohen Grundwasserstandes zu widersprechen. Die Besprechung über Luftschutzangelegenheiten am 26. Juni 1944, die Inspektion von Oberstleutnant von Mirbach sowie einige nachrangigere Dokumente machen aber klar, daß diese Betonteile tatsächlich zur Herstellung von Splitterschutzgräben für die SS und die Häftlinge in Birkenau verwendet werden sollten - wenn nicht für Hunderte, so doch für so viele wie möglich.

Zusammenfassung

Das Gesamtbild, das diese Dokumente der mittleren Ebene abgeben, ist, daß erst ab Sommer 1943 versucht wurde, ausgesprochene Splitterschutzgräben zu bauen. Wir können mit einigem Grund den Beginn auf das Fernschreiben vom 23. August 1943 zurückgeführen, das in einigen der Dokumente vom Herbst 1943 erwähnt wird.

Es scheint, daß von da an der Plan, spezielle Splitterschutzgräben zu bauen, durch verschiedene Ausfälle und Mängel vereitelt wurde. Für unsere These ist aber nicht die Zahl der tatsächlich gebauten Schutzanlagen von Bedeutung, sondern die Pläne als solche zählen. Sie erlauben uns den Schluß auf gleichartige Überlegungen bezüglich der Einrichtung der Krematorien.

Die offizielle Niederschrift des Treffens vom 26. Juni 1944 ist äußerst bedeutungsvoll, obwohl es spät im Zeitrahmen erfolgte. Dieses Dokument stützt ganz entscheidend unsere vorhergehende Annahme bezüglich der Absicht, Schutzräume für die Insaßen zu bauen und existierende Keller für Luftschutzzwecke zu benutzen.

Die von Oberstleutnant von Mirbach im Dezember des Vorjahres durchgeführte Inspektion ermöglicht uns nicht unbegrenzt, die Umsetzung von Luftschutzmaßnahmen zurückzuverfolgen. Zwar besagt das Dokument, daß seit »längerer Zeit« Verdunklungsbestimmungen streng beachtet wurden, woraus wir mindestens mehrere Monate annehmen dürfen. In diesem Zusammenhang werden wir an die »30 Armaturen für rote Lampen« für die Krematorien IV und V, sowie dem Zaun um Kanada aus einem Arbeitsbefehl vom 11. August 1943 erinnert, wie in Technik beschrieben.[40] Da dies erst ein paar Wochen nach der Lieferung von "gasdichten" Einrichtungen an die Krematorien war, scheint die Annahme gerechtfertigt, daß die "gasdichten" Installationen im Hinblick auf den zivilen Luftschutz benötigt wurden. Wieder ist die Annahme einleuchtend, sie könnte aber trotzdem falsch sein.

Zusammenfassend muß eingeräumt werden, daß wir zwar hochrangige Dokumente über die gesamte Geschichte des Lagers besitzen, daß uns aber die Dokumente der mittleren Ebene lediglich bis zum Sommer 1943 zurückführen, und daß sie uns nicht direkt zu den "gasdichten" Ausrüstungen der Krematorien von Birkenau führen.

2.4. Nachrangige Dokumente über Bombenschutzanlagen

Dokument 23 (zum Vergrößern anklicken)

Dokument 24 (zum Vergrößern anklicken)

Dokument 26 (zum Vergrößern anklicken)

Dokument 27 (zum Vergrößern anklicken)

Dokument 28 (zum Vergrößern anklicken)

Abbildung 10 (vgl. Dokument 32 und Abbildung 12): Notausstiegsschacht der Leichenkeller 1 von Krematorium II und III mit Steigeisen.[45] (zum Vergrößern anklicken)

Dokument 29 (zum Vergrößern anklicken)

Dokument 30 (zum Vergrößern anklicken)

Dokument 31 (zum Vergrößern anklicken)

Dokument 34 (zum Vergrößern anklicken)

Dokument 35 (zum Vergrößern anklicken)

Dokument Nr. 23: Das Ersuchen nach zwölf Trockenklosettes für LS-Bunker, 4. Oktober 1944

Eine halbseitige Notiz an Jostens, dem zivilen Luftschutzleiter, mit folgendem Inhalt:[41]

»Um Abgabe von 12 Stück Trockenklosette für die LS-Bunker beim Haus d. Waffen SS, Haus Rekord, Haus Caesar, Haus Prof. Clauberg sowie für 2 LS-Deckungsgräben für die Landwirtschaft in Raisko wird gebeten.«

Das Dokument betont lediglich, daß Deckungsgräben gebaut und daß Bunker entweder neben oder in bestehenden Gebäuden errichtet wurden.

Dokument 24: Konstruktionsform des Baues, 18. Oktober 1944

Dies ist ein einseitiges Formular und beschreibt ein Arbeitsprojekt, das als »2 Luftschutzbunker BW: 98 E.L.« aufgeführt wird.[42]

Unter Nr. 6 »Baubeschreibung« werden auszuführende Arbeiten aufgeführt, einschließlich »Eisenbetondecke, gasdichte Türe«.

Dokument 25: Konstruktion eines gasundurchlässigen Behandlungsraumes, 17. Oktober 1944

Ein halbseitiges Memo von Bischoff, nunmehr Mitglied der Bau-Inspektionsbehörde der Waffen.SS, mit Bezug auf den

»Ausbau eines gasdichten Behandlungsraumes und Splitterschutzraumes im ehemaligen Krematorium.«[43]

Das Dokument stützt die Annahme, daß behelfsmäßige Anpassungen und Änderungen "gasdicht" sein würden. Es befindet sich darauf zudem eine Anmerkung mit Füller, welche die Arbeit als »BW 98 M« bezeichnet, und wir vermuten, daß »BW 98« ein Sammelbegriff für Luftschutzanpassungen darstellt, während der hinzugefügte Buchstabe, hier »M«, bestimmte Gebäude bezeichnet.

Dokument 26: »Betrifft LS-Bunker« als Luftschutzdeckungsgräben, 20. September 1944

Das Dokument betrifft den Bau von vier Luftschutzbunkern und beschreibt deren Ausstattung mit Notausgänge, die aus Sicherheitsgründen mit Kies gefüllt sein sollten.[44]

Das Dokument verweist auch auf die Bestimmungen für den Bau von Luftschutzdeckungsgräben, die vom März 1943 datieren. Dieses Dokument ist vor allem deshalb nützlich, da es die Austauschbarkeit der Terminologien zeigt. Zwar wurden Bunker normalerweise nicht als Deckungsgräben und diese nicht als Bunker bezeichnet, in diesem Dokument geschieht dies aber sehr wohl.

Dokument 27: Betr.: Bau von Schutzräumen, 18. September 1944

Dieses halbseitige Memo von Jothann an den Kommandanten beschreibt die detaillierte Vorgehensweise der Arbeitsgruppen, die auch Gefangenen-Arbeiter umfassen, an den vier in Dokument 26 beschriebenen Bunkern.[46] Das Memo verweist auch auf eine Gefangenen-Arbeitsgruppe, die den Bombenschaden am »Haus 10« reparieren sollte. Dies hängt wahrscheinlich mit den alliierten Bombenangriffen auf das Lager zusammen, die Ende August bis Anfang September 1944 erfolgten.

Dokument 28: Lieferung der Entlüftungsrohre für Schutzräume, 11. September 1944

Dieser einseitige Brief von Jothann, dem Chef der Zentralbauleitung, an die Firma BAKO in Berlin bezieht sich auf die Lieferung von 500 Stück Lüftungsröhren für LS-Dek-kungsgräben.[47] Anscheinend hat BAKO durch ein Mißverständnis zehnmal so viel Lüftungsröhren als benötigt versandt. Der Brief deutet an, daß es für 400 Lüftungsröhren keine Verwendung gab und fragt, was mit ihnen geschehen soll. Der Brief schließt mit der Anforderung von 100 Luftschutztüren.

Dokument 29: Memo und Skizze der Lüftungsröhren 11. September 1944

Dieses Dokument ist eine Beilage zu Dokument Nr. 28, die aus einem Begleit-Memorandum über Lüftungsröhren - hier Luftschutzverschlüsse genannt - besteht, sowie einer Zeichnung mit dem Titel »Gasdichte Lüftungsrohrverschlüsse für LS-Deckungsgräben«.[47] Sie zeigt ein typisch zylindrisches Rohr mit einer konischen Abdeckung (»Regenhaube«), und mit einem gasdichten Siegel an der Basis. Das Ganze ähnelt stark einem »Turm«, der vom Dach des Schutzraumes emporragt.

Dokument 30: Quittung über 45 RM für Gefangenen-Arbeit an Krematorium II, 2. Juni 1943

Die nächsten beiden Seiten dieser Mappe bestehen aus einer Quittung und einem Auszahlungsschein über RM 45.- für durch Gefangene ausgeführte Arbeiten am Bauwerk 30, oder Krematorium II.[47] Die Quittung ist mit 2. Juni 1943 datiert. Sie beinhaltet mehrere unleserliche Eintragungen. Im ganzen ist dieses Dokument seltsam, und es fällt schwer zu erklären, warum es sich in der Mappe über zivile Luftschutzmaßnahmen befindet. Eine Beziehung dazu wäre möglich, es fällt zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber schwer, genau festzustellen, welche.

Dokument 31: Bauliche LS-Massnahmen, 9. Juni 1944

Dies ist ein zweiseitiges Dokument von Anfang Juni, also vor Pohls Besuch am 16. Juni 1944 und der Luftschutz-Konferenz am 26. Juni.[47] Es enthält ein Memorandum vom Chef des Zentralbauamtes Jothann an Höß, der zum Lager zurückgekehrt war, um die Aufteilung des Lagers in drei Bereiche zu überwachen. Das Memo informiert Höß, daß mittlerweile Pläne bestehen für den Bau von 20 Reservoirs zur Feuerbekämpfung im Lager I (Auschwitz) und 12 im Lager II (Birkenau). Zusätzlich deutet das Memo auf Pläne für den Bau von zehn LS-Deckungsgräben von je 60 Meter (sic!) Länge im Lager I und weitere 10 im Lager II (Birkenau). Das Memorandum fährt fort:

»Hiervon sind bereits zehn Gräben bis auf den Einbau der gasdichten Türen fertiggestellt«.

Dokument 32: BW 98 LS-Gräben Bestandsaufnahme, 11. Mai 1944

Das Dokument besteht aus mehreren Seiten mit Bestandsaufnahmen über die notwendigen Arbeiten zur Errichtung der Luftschutzgräben.[48] Zwei Eintragungen sind besonders interessant:

Erstens Nr. 12 der Liste mit folgender Bemerkung:

»Einsteigschacht als Notausgang 2,02 m groß mit 51 cm strk. Mauern und Fundamenten samt 1 Unterzug gemauert herzustellen. Schacht wird mit einer Eisenbetonplatte u. Estrich ca. 15 cm stark abgedeckt, ohne Lieferung des Einsteigdeckels. 8 Stück Einsteigeisen sind zu liefern und zu versetzen.«

Entscheidend ist, daß die Beschreibung auf die zwei Betonschächte paßt, die in der Mitte der Westwand des Leichenkellers Nr. 1 der beiden Krematorien II und III verlaufen. Diese wurden bereits in Schutz als Notausgänge identifiziert. Pressac behauptete, daß diese Schächte zur Drainage dienten, aber diese Ansicht kann sich nicht auf Dokumente stützen. (Pressac bezog sich dabei auf Zeichnung 1300, die etwa sechs bis acht Fuß abseits der Westwand konvergierende Abflußrohre zeigt, was jedoch unerheblich ist.)

Diese Betonröhren, die heute noch existieren, tauchen in keiner Bauzeichnung auf. Auch für die Entwesungs- oder Gaskammerthese sind sie bedeutungslos. Daraus folgt für uns der unvermeidbare Schluß, daß zu irgendeinem Zeitpunkt die Leichenkeller 1 der beiden Krematorien II und III durch den Bau der Notausgänge als zusätzliche Luftschutzbunker benutzt wurden. Wir besitzen keine Dokumente, die genau angeben, wann die Betonschächte installiert wurden, aber wir gehen davon aus, daß dies vor Pohls Inspektion am 16. Juni 1944 war, denn nur dadurch wird seine Forderung nach sechs Leichenhallen verständlich.

Der zweite Eintrag auf Seite 49 der Akte beinhaltet weitere Bestandsaufnahmen. Der Eintrag Nr. 8 liest sich wie folgt:

»7 Stück äußere und innere gasdichte Türen 0.85m x 1,75 m mit Hilfe des Tischlers einsetzen«.

Dokument 33: benötigte Filzstreifen für "gasdichte" Türen der Luftschutzdeckungsgräben, März 1944

Ein halbseitiges Memo der DAW in Auschwitz fordert Filzstreifen an.[49] Es lautet folgendermaßen:

»Für die Luftschutzdeckungsgräben (Schulgarten), fertigen wir laut obigem Auftrag 4 Stück gasdichte Türen und benötigen hierzu 20 lfdm. Filzstreifen ca. 5 mm breit.«

Dokument 34: weitere Forderung nach Filzstreifen für "gasdichte" Türen, 25. März 1944

Ein weiteres halbseitiges Memo, das dem vom 21. März 1944 folgt und weitere 20 m Filz für die "gasdichten" Türen anfordert, da die ersten gelieferten 20 Meter nur für zwei Türen ausgereicht haben:[50]

»Mit unserem Schreiben forderten wir 20 lfdm. Filzstreifen 2,5 cm breit, 5 mm stark für gasdichte Türen der Luftschutzdeckungsgräben an.«

Die zwei Dokumente beweisen, daß die Luftschutzdeckungsgräben "gasdichte" Türen hatten, daß sie mit Filzstreifen "gasdicht" gemacht wurden, und daß solche Türen von den DAW hergestellt wurden. Wir sollten uns vergegenwärtigen, daß auch die "gasdichten" Installationen der kriminellen Spuren von den DAW hergestellt und mit Filz "gasdicht" gemacht wurden. Interessant ist auch die Feststellung, daß sich dieses Dokument nicht als Folgedokument bei Dokument 33 befand, sondern in einer ganz anderen Mappe. Dies deutet auf eine Manipulation der Akten hin.

Dokument 35: Zuweisung von Sicherheitsventilen und gassicheren Türen für LS-Deckungsgräben, 24. März 1944

Das Dokument trägt den Titel »Zuweisung von Sicherheitsventilen und gassicheren Türen für LS-Deckungsräben«.[51]

Es ist ein einseitiger Brief von Jothann an die Baulieferanten in Kattowitz. Der Brief, der sich auf ein Telefonat zwischen dem Architekt Walter Dejaco und dem Ingenieur Andre bezieht, betrifft eine Lieferung von 80 Stück Sicherheitsventilen und 40 Stück gassicheren Türen für die zehn LS-Deckungsgräben, die noch gebaut werden sollen. Außerdem werden 24 Sicherheitsventile und 12 gassichere Türen für die drei bereits fertiggestellten Schutzbunker bestellt.

Neben weiteren Beweisen für die Verwendung gassicherer Türen und Sicherheitsventile für die Deckungsgräben liefert der Brief Angaben über die Größenverhältnisse: die Schutzräume waren anscheinend ziemlich groß, da jeder Raum vier gassichere Türen benötigte.

Dokument 36: Ausbau des alten Krematoriums für Luftschutzzwecke, 26. August 1944

Das einseitige Dokument stellt die erforderlichen Arbeitsvorgänge zusammen, um das alte Krematorium I in einen Operationsraum und Luftschutzraum umzubauen.[52] Wir zitieren in Gänze:

»Auschwitz O/S, den 26.August 1944.-

Der Luftschutzleiter

Az. LS 217 - Jo/B

An den SS-Standortältesten als örtl. Luftschutzleiter Auschwitz O/S

Betrifft: Ausbau des alten Krematoriums für Luftschutzzwecke

Anlagen: 1 Plan.

In der Anlage überreiche ich einen Plan über den Ausbau des alten Krematoriums für Luftschutzzwecke mit der Bitte um Genehmigung dieses Ausbaues.

1. Arbeitsvorgänge:

Abbruch der alten Kammeröfen und reinigen der dabei anfallenden Ziegel zwecks Widerverwendung,

Auffüllen der Heizschächte und Heizkanäle mit dem beim Abbruch der Kammeröfen anfallendem Schutt und Altmaterial,

Durchbruch der Fenster- und Türöffnungen,

Einsetzen der Gasschutztüren, Fensterblenden, und Fenster,

Herstellung der für die Beheizungsöfen, sowie für die Ent- und Belüftung erforderlichen Mauerdurchbrüche und Schläuche,

Wasserinstallations- und Kanalisationsarbeiten,

Verlegen der vorhanden Lichtleitung entsprechend der Raumeinteilung,

Ausbesserung der Fußböden und Teilverlegung eines Holzfußbodens,

Ausbesserung des Daches and Anstrich desselben mit Gudron [Gudron ist eine Art Pech]

2. Materialbedarf

500 kg Zement, 400 kg Ziegel, 20 kg Rundeisen, 50 m Eisenbahnschienen, 24 St Kanthölzer 10/15 cm, 4,80 m lang, 10 St Kanthölzer 10/15 cm, 3,90 m lang, 102 m2 Bretter 25 mm stark, 13 St Fenster einflügelig 60 x 80 cm, 2 St Türen einflügelig 70 x 200 cm, 16 St Fensterblenden gas- und splittersicher, 7 St Türen gas- und splittersicher.

Der Luftschutzleiter:

Josten [Unterschrift mit Tinte]

SS-Obersturmführer

[einige Anmerkungen mit Bleistift]«

Das Dokument beinhaltet mehrere interessante Aspekte. Die Türen und Fensterblenden gleichen denen in der Literatur über zivilen Luftschutz. Die inneren Wände sollten durch interne hölzerne Unterteilung und das Dach durch Kanthölzer verstärkt werden. Dieser vollständige Umbau für Luftschutz-Erfordernisse erforderte offenbar keinen komplizierten Umbauplan. Der Plan geht besonders auf den Abbruch der alten Kammeröfen ein und das Auffüllen der damit verbundenen Hohlräume mit den übrigen Ziegeln. Interessanterweise wird nichts über das Auffüllen irgendwelcher anderer Hohlräume gesagt, obwohl es ausgiebig um die Schaffung neuer geht.

Dokument 36 (zum Vergrößern anklicken)

Aufgrund der Anforderung gasdichter Türen und Blenden, einem Ventilationssystem und Heizkörpern läßt der Plan erkennen, daß keines dieser Dinge vorhanden war, als der Leichenkeller umgewandelt werden sollte. Das wiederum deutet darauf hin, daß der Leichenkeller des Krematoriums I - ganz gleich, wozu er zuvor genutzt wurde -, ohne gassichere Türen, Blenden, Ventilationssysteme oder Heizkörper in Gebrauch war.

Wir bemerken die Auflistung von 16 Fensterblenden, die gebaut werden sollten, und diese sollen offensichtlich Öffnungen von ca. 60×80 cm ausfüllen.

Wenden wir uns nun Pressac zu: wir finden eine Fotoserie über Blenden, die Pressac im Koks-Lagerraum des Krematorium I vorgefunden hatte.[53] Die drei abgebildeten Türblenden haben ein Höhen-Breiten-Verhältnis von 1:1,20. Pressac bestätigt dies, indem er die Maße von einer der Blenden mit 52×43 cm angibt. Angesichts ihrer ungefähren Größe, ihrem Fundort und ihrer Übereinstimmung mit den gewöhnlichen zivilen Luftschutzblenden erschient es logisch, daß diese drei Blenden tatsächlich Überbleibsel der "gasdichten" Blenden sind, die für Krematorium I angefertigt wurden.

Pressac behauptet jedoch, daß sie für die Krematorien IV und V gebaut wurden und die Überbleibsel der dort angebrachten »2 gasdichten Türen« darstellen. Wenn wir die zugehörigen Bauzeichnungen zu Rate ziehen, finden wir, daß alle betreffenden Öffnungen am westlichen Ende von Krematorium IV und V mit den Maßen 30×40 cm angegeben werden, und der Arbeitsauftrag für den Bau der »kleinen Türen« gibt die Größe ebenfalls mit 30×40 cm an. Die von Pressac gezeigten Blenden sind jedoch mit etwa 43×52 cm zu groß für die Öffnungen. Daraus folgt, daß es sehr unwahrscheinlich ist, daß diese Blenden jemals für die Krematorien IV und V gedacht waren.

Andererseits behauptet Pressac in seiner Beschreibung der Krematorien IV und V, daß die Fensteröffnungen dieser Anlagen auf 40×50 cm erweitert wurden.[54] Wenn dies wahr wäre, würde dies das Problem lösen, aber es gibt keinen Beweis, der die Richtigkeit dieser Ausführung stützt, außer den Fensterblenden, die Pressac gefunden hat. Daher können wir Pressacs unfundierte Annahmen verwerfen. Wir folgern daher, daß diese Blenden tatsächlich die Reste der zivilen Luftschutzblenden darstellen, die für das Krematorium I angefertigt wurden.

Pressacs falsche Zuordnung hatte eine Reihe schwerwiegender Folgen. Erstens wurden viele Zuschauer zunehmend hysterisch über die "Entdeckung" dieser Blenden durch Errol Morris bei den Aufnahmen seines Filmes über Fred Leuchter.[55] Zweitens benutzte die Verteidigung in dem Prozess Irving ./. Lipstadt ein Foto dieser Blenden als Beweis der Vergasungen in den Krematorien IV und V.[56] Der Zeuge van Pelt versicherte dem Gericht als Sachverständiger und im Zeugenstand, daß diese Tür, »die gleiche Größe« hatte wie die Öffnungen von Krematorium IV und V,[57] obwohl dies bei den Maßen 52×43 cm der Türen schlicht falsch war. Das zeigt, wie ungenau die Verteidigung arbeitete, auf deren Expertise sich Richter Gray verließ.

Im Endergebnis beweisen diese Blenden die Luftschutzbunker-These. Als wir, kurz nachdem wir Technik geschrieben hatten, erstmals ein Foto dieser Blenden sahen, waren wir erstaunt über ihre Ähnlichkeit mit den zivilen Luftschutzblenden, - und war das verwunderlich? Es waren ja tatsächlich welche.

Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Die hochrangigen Dokumente zeigen, daß das Zentralbauamt in Auschwitz ab September 1940 Memoranden und Richtlinien zur Durchführung ziviler Luftschutzmaßnahmen erhalten hatte, sowohl für die alten, wie auch für neu zu errichtende Anlagen. Das Angebot von Heinemann weist darauf hin, daß der Plan, sogar in den Konzentrationslagern eigene zivile Luftschutzräume zu erstellen, bereits Anfang 1942 allgemein in Deutschland übernommen worden ist. Die Bauvorschriften vom März 1942 gehen auch von der Durchführung zilviler Luftschutz-Maßnahmen bei neuen Gebäuden aus und empfehlen eisensparende Maßnahmen (d.h. Holzkonstruktionen).

Die Unterlagen des größeren Zusammenhangs aus dem besetzten Polen, einschließlich der Bestellung der Auert-Türen für Majdanek, lassen den Schluß zu, daß Auschwitz ab Spätsommer 1942 mindestens empfänglich für die Einführung ziviler Luftschutzmaßnahmen war. Dennoch war das Thema nicht wichtig genug, um von Pohl während seines Besuchs im September 1942 erörtert zu werden.

Die Himmler-Direktive an Glück geht von der Durchführung ziviler Luftschutzmaßnahmen ab Anfang Februar 1943 aus. Die detaillierten Richtlinien von General Kammler vom 6. März 1943 bestätigen die Annahme, daß Luftschutz-Maßnahmen begannen, für das Lager wichtig zu werden. Tatsächlich betrachten wir Kammlers Engagement als echte Garantie der Durchführung der zivilen Luftschutzmaßnahmen, da Kammler engen Kontakt zu Bischoff vom Zentralbauamt hatte. Man kann wohl behaupten, daß irgendwann zwischen Herbst 1942 und Frühling 1943 das Zentralbaumt Auschwitz die Notwendigkeit erkannte, zivile Luftschutzmaßnahmen zu ergreifen, und auch begann, sie durchzuführen.

Doch das Vorhaben, ausgesprochene Luftschutzbunker in Form von LS-Deckungsgräben zu bauen, begann erst im Sommer 1943, wie wir aus dem Telex sehen können, das die Diskussionen über die Lieferung vorgefertigter Betonschalen auslöste. Es scheint eine ziemliche Kontroverse über dieses Thema gegeben zu haben, und erst im März 1944 sehen wir wirklich Hinweise auf die Fertigstellung solcher Anlagen.

Bezüglich dieser LS-Deckungsgräben kann man anhand mehrerer Notizen schließen, daß einige in Planung waren und wir wissen, daß sie mit "gasdichten" Türen und Ventilationsschächten ausgestattet werden sollten. Wir wissen auch von den Aufzeichnungen der Konferenz vom 26. Juni 1944, daß viele für die Gefangenen gebaut wurden und daß mehrere in Birkenau errichtet werden sollten. Sowohl die Konferenz vom 26. Juni 1944 als auch die Mirbach-Inspektion vom vorhergehenden Dezember verdeutlichen, daß die Zahl der ausgesprochenen Bunker begrenzt war, zum einen wegen des hohen Grundwasserspiegels in Birkenau, zum anderen wegen der Überbelegung und dem Platzmangel. Dennoch bestätigen die beiden Dokumente, daß die Kellerräume der vorhandenen Bauten als Luftschutz-Bunker Verwendung finden sollten und im Stammlager besonders für die Gefangenen.

Zusammenfassend haben wir also hochwertige Dokumente, die auf eine zunehmende Erkenntnis der Notwendigkeit weisen, zivile Luftschutzmaßnahmen durchzuführen. Diese Einsicht scheint zwei Höhepunkte erreicht zu haben, zum einen Anfang 1943, als Himmlers Befehl und die Kammler-Richtlinien herauskamen und die erste Bombardierung des Auschwitz-Komplexes erfolgte (4. Mai). Die eigentliche Durchführung dieser Maßnahmen scheinen danach gestockt zu haben, zumindest was die ausgesprochenen Bunker angeht. Der zweite Höhepunkt der Aufmerksamkeit kam im folgenden Frühjahr, wie es Pohls Brief an Himmler und die Konferenz über zivilen Luftschutz vom 26. Juni zeigen. Aber die Mirbach-Inspektion im Dezember 1943 zeigt auch, daß eine gewisse Bereitschaft zur Luftschutzverteidigung im Lager bereits vorhanden war, auch wenn das Dokument nichts anderes ausführt, als daß die Verdunkelungregeln beachtet wurden.

Die eigentlichen Maßnahmen, die 1944 durchgeführt wurden, waren der Bau von LS-Deckungsgräben und der entsprechende Umbau vorhandener Gebäude. Das geschah nicht einfach als Ausfluß von Humanität, sondern diente bestimmten Sicherheitsgesichtspunkten. Das zeigt Himmlers Direktive von Februar 1943 und Pohls Antwort ein Jahr darauf. Die LS-Deckungsgräben waren für die SS, die Arbeiter und die Gefangenen gedacht, und die Schutzeinrichtungen sollten durch die Nutzung vorhandener Gebäude ergänzt werden. Welche Gebäude hilfsweise für Luftschutzzwecke verwendet werden sollten, wird nicht erwähnt, weder in Auschwitz noch in Birkenau, doch da nur die Zentralsauna und die Krematorien II und III Kellerräumlichkeiten besaßen, scheint ihre alternative Verwendung für Luftschutzzwecke wahrscheinlich zu sein. Tatsächlich deutet Pohls Notiz vom seinem Besuch am 16. Juni 1944 darauf hin, daß die Leichenkeller von Krematorium II und III zu der Zeit nicht als solche in Gebrauch waren. Die Wasch- und Duscheinrichtungen in BW 5a, 5b und in den Krematorien IV und V hätten leicht auch als Dekontaminationszentren im Falle eines Luftangriffes fungieren können. Das würde ihre Ausstattung mit "gasdichten" Türen im Herbst 1942 und im Frühjahr 1943 erklären.

Die hochrangigen Quellen sind verläßlich und zusammenhängend, wie auch die nachrangigen Beweise, jedenfalls ab Frühjahr 1944. Was uns fehlt, sind die Quellen der mittleren Ebene über die Duchführung ziviler Luftschutzmaßnahmen ab Herbst 1942 bis August 1943, also z.B., wann rote Lampen für den neuen Zaun um Kanada und die neugebauten Krematorien IV und V bestellt worden sind. Ziviler Luftschutz wäre aufgrund der vorherigen Dokumentation eine sinnvolle Erklärung für die "gasdichten" Einrichtungen, die als kriminelle Spuren aufgeführt werden. Wenn man jedoch berücksichtigt, welchen Streit diese Behauptung aufwirft, muß man auf die alternativen Erklärungen und die Kritik ihrer Befürworter eingehen. Dennoch ist die Feststellung sinnvoll, daß es zwar Lücken in der mittleren Ebene der Dokumente über den zivilen Luftschutz gibt, daß aber kein einziges Dokument vorgewiesen wurde, das die Verwendung dieser besonderen "gasdichten" Einrichtungen für Entwesungsmaßnahmen oder ihre Nutzung als Menschengaskammer untermauern. Während wir uns das vor Augen halten, wenden wir uns im dritten Teil dieser Untersuchung erneut den "kriminellen Spuren" zu.

III. Revision der "kriminellen Spuren"

3.1. Überblick

Bereits in Technik haben wir die "kriminellen Spuren" einer detaillierten Revision unterzogen und erkennen keinen Grund, erneut eine Analyse vorzunehmen. Wir wollen nur einige "Spuren" erörtern, um zu sehen, inwieweit unsere damaligen Erkenntnisse revidiert werden müssen. Pressac listet 39 "kriminelle Spuren" auf, doch eigentlich gibt es nur 34, die wie folgt kategorisiert werden können:

  1. Die Worte Vergasungskeller und Gaskammer (Pressacs Nr. 1, 19, 21, 33f.)
  2. Das Wort Gasprüfer (2)[58]
  3. Verschiedene Bezüge zu "gasdichten" Türen und Fenstern (3, 6f. 11, 13-15, 17f., 20, 22-24, 26-29, 32-34)
  4. Das Wort Auskleideraum bzw. -keller (4f., 10, 12)
  5. Das Wort Drahtnetzeinschiebvorrichtung (8)
  6. Das Wort Holzblenden (9)
  7. 14 Brausen (16)
  8. Die Worte drei gasdichte Türme (25)
  9. Bezüge zur Heizung eines Leichenkellers (30f.)

Wie bereits erläutert, ist die grundlegende Ähnlichkeit der "gasdichten" Türen mit denen der üblichen Bunkertüren nie wirklich hinterfragt worden. Natürlich geht man davon aus, daß die in Frage kommenden Türen jene waren, die in Auschwitz zur Zeit der Befreiung gefunden worden sind. Schließlich geben nur wenige "Spuren" irgendeinen Hinweis auf den Zweck der "gasdichten" Türen. So werden zum Beispiel in dem Brief mit den »gasdichten Türmen«, die »Gastüren« wie folgt beschrieben:[59]

»Gastür [...] mit Guckloch aus doppeltem 8 mm Glas mit Gummidichtung und Beschlag [...]«

eine Beschreibung, deren ausgesprochene Ähnlichkeit sich in der Literatur über zivile Luftschutzmaßnahmen wiederfindet:[60]

»Jede gassichere Schutzraumtür muß mit einem Guckloch versehen sein. [...] Die mindestens 6 mm dicke Scheibe aus Mehrschichtenglas muß durch eine gelochte Stahlscheibe nach aussen gegen Beschädigung geschützt sein.«

Untersuchungen anderer Revisionisten, besonders jene von Nowak und Rademacher,[13] haben gezeigt, daß der Filzdichtung der notdürftig hergestellten Türen der DAW in Auschwitz auf keinen Fall im technischen Sinne gasdicht waren, was für die sichere Anwendung von Blausäure unerläßlich ist. Rademacher und Nowak haben aber gleichfalls bewiesen, daß derartig notdürftig abgedichtete Räume zur Abschließung von Blausäureentwesungsräumen benutzt wurden,[61] was wegen Gasundichtigkeiten offenbar zu Unfällen führte,[62] weshalb die Anwendung von Blausäure in unsicheren Gebäuden von hoher Stelle untersagt wurde.[63]

Auch für den zivilien Luftschutz in Städten waren derartige Türen nur sehr bedingt geeignet, da die Türen dort vor allem gegen Kohlenmonoxid gesichert sein müssen, das bei Großbränden entsteht. Anderseits aber befindet sich Auschwitz nicht in einer Stadt, so daß "gasdicht" dort im Zusammenhang mit Luftschutz primäre Schutz vor Aerosolen wie Senfgas bedeutete, wofür eine Filzdichtung ausreicht.

Wir wiederholen daher unser Ansicht, daß "gasdichte", mit einem Gucklock versehene Türen in Auschwitz oder irgendeinem anderen Lager nach den Richtlinien der Deutschen Zivilen Luftschutzmaßnahmen hergestellt worden sind.

Da "gasdichte Türen" fünfzig Prozent der kriminellen Spuren ausmachen, ist die Frage berechtigt, ob diese Luftschutzeinrichtungen für andere Zwecke benutzt worden sind, also entweder für Entlausungen oder für den Massenmord mit Blausäure. Wir fassen ferner die Diskussion über andere Spuren mit knappen Kommentaren zusammen.

3.2. Drahtnetzeinschubvorrichtung

Pressac behauptete, dies wären jene von einigen Zeugen behaupteten Drahtnetzsäulen, in die Zyklon B gekippt wurde, um damit Menschen zu töten. Der Bezug zu diesen vier "Vorrichtungen" stammt aus einer Inventurliste des Krematorium II sowie von einen Hinweis auf »4 Holzblenden«. Wir wissen, daß derartige Blenden in der Literatur über zivile Luftschutzmaßnahmen als typische Einrichtungen beschrieben werden, um Gasdichtigkeit zu erlangen. Also schlossen wir, daß Drahtnetzvorrichtungen Vorrichtungen waren, die passend auf Fenster angebracht wurden, damit eine gewisse Sicherheit gegen Bombensplitter gewährleistet war, wurden sie doch üblicherweise als "Splitterschutzvorrichtung" deklariert.

Es ist bezeichnend, daß van Pelt diese "Spur" in seiner Expertise für den Irving ./. Lipstadt Prozeß gänzlich ausließ.

Wir haben keinen Grund, unsere Ansicht zu ändern, obwohl nur der Leichenkeller 3 Kellerfenster aufwies, für die solche Drahtnetzschutzgitter hätten verwendet werden können.[64] Die gängige Interpretation geht davon aus, daß die hölzernen Blenden zur Abdeckung von vier Zyklon B Einwurfsäulen verwendet wurden, die durchs Dach des Leichenkeller 1 liefen, jedoch scheint es die dafür notwendigen Löcher im Dach des Leichenkellers nicht gegeben zu haben.

3.3. Drei "gasdichte" Türme

In Nürnberg wurde dieser Begriff als "Gaskammern" übersetzt! In Technik haben wir betont, daß dies wahrscheinlich ein Hinweis auf gasdichte Ventilationsschächte der Leichenkeller war, eine weitere übliche Ausrüstung für Luftschutzkeller. Pressac und van Pelt bestehen darauf, daß es sich bei den »Türmen« um einen Tippfehler handelt: es hätte "Türen" heißen müssen. Diese Behauptung ist aber unfundiert und unbefriedigend. Erstens, weil der erste Absatz des Briefes zweimal auf »Türme« hinweist und weil im letztem Absatz das Wort »Gastür« in anderem Zusammenhang ausdrücklich genannt wird. Es ist unwahrscheinlich, daß ein Stenograph oder Schreiber das Wort zweimal in einem Absatz gleich falsch gehört bzw. getippt haben will, nur um es im letzten richtig wiederzugeben. Zudem ist ein Tippfehler auch deshalb unwahrscheinlich, da der Plural von Tür Türen ist, und nicht Türe. Van Pelts Korrekturversuch von "Türme" zu "Türe" begeht also selbst einen Fehler, nämlich einen grammatischen! Ein Tippfehler hätte also "Türmen" lauten müssen. »Türme« hätte somit zwei Tippfehler, wenn es "Türen" hätte heißen sollen, und dieser doppelte Tippfehler hätte im gleichen Absatz zweimal exakt reproduziert werden müssen, ohne daß er aufgefallen und korrigiert worden wäre. Dies ist mehr als unwahrscheinlich.

Dokument 29 zeigt das Bild eines Luftschutz-Verschlusses oder eines gasdichten Belüftungsschachtes, so wie jene, die in den Schutzgräben von Auschwitz verwendet wurden. Andere Dokumente bestätigen, daß gasdichte Lüftungsschächte in Auschwitz als Luftschutzmaßnahme üblich waren. Sicherlich können solche gasdichten Ventilationsschächte als "gasdichte Türme" beschrieben werden, also bleiben wir bei unserer Interpretation dieser "Spur".

3.4. Weitere "gasdichte" Türen/Krakauer Protokolle

Die Diskussion über die "drei gasdichten Türme" führt uns zu den Krakauer Protokollen, die Ende 1946 anläßlich der Vernehmung von Rudolf Höß verfaßt wurden. Die meisten von Pressacs Hinweisen über "gasdichte" Einrichtungen stammen aus diesen protokollierten Listen, nicht aber aus den originalen Dokumenten. Es sind zumeist abgekürzte Darstellungen von Arbeitsbefehlen, die an die Deutschen Ausrüstungswerke in Auschwitz weitergeleitet worden sind. Kein Arbeitsbefehl erscheint in vollem Wortlaut. Deshalb fehlt uns in vielen Fällen der Zusammenhang, und wir wissen nicht, aus welchem Grund diese Befehle erteilt worden sind. In anderen Fällen fehlen uns die übergeordneten Befehle, auf die sich einige Befehle berufen und die das Vorhaben beleuchten könnten. Insofern gibt es, als Antwort auf Richter Grays Kommentar auf diesem Gebiet,[65] nichts Anrüchiges daran festzustellen, daß die meisten Quellen keinen Hinweis auf die Verwendung der "gasdichten" Einrichtungen bieten. Dies ist ein Folge des Mangels an Primärdokumenten und der Minderwertigkeit der uns zur Verfügung stehenden Sekundärquellen.

Indem Pressac die »gasdichten Türme« in "gasdichte" Türen umgetauft hatte, erzeugte er ein Problem, für das er eine Erklärung schuldig blieb: Laut Krakauer Protokollen der Höß-Vernehmungen gibt es nämlich zwei weitere Befehle, denen zufolge einmal »vier dichte Türen« und ein anderes Mal »vier gasdichte Türen« zum selben Ort, nämlich ins Krematorium IV, zu liefern waren.[66] Er hilft sich, indem er behauptet, die Kommandantur habe ihre Meinung bezüglich der zu errichtenden Anzahl der Gaskammern in Krematorium IV geändert und deshalb nachbestellt. Das Problem ist bloß, daß die landläufig als "Gaskammern" bezeichneten Räume des Krematoriums IV nur vier Türen haben, keine acht!

Wenn wir die Krakauer Protokolle genau lesen, so stellen wir ein Überangebot von "gasdichten" Türen fest. Ein Arbeitsbefehl vom 16. April bestellte 4 "gasdichte" Türen für Krematorium IV. Ein Arbeitsbefehl vom 19. Februar, der sich auf ein Schreiben vom 18. Januar bezieht, ordnet den Bau von 4 »dichten« Türen für Krematorium IV an. Ein Brief über »gasdichte Türme« vom 31. März nimmt auch Bezug auf ein Schreiben vom 18. Januar. Für die Krematorien IV und V waren also angeblich vorgesehen: »24 Ankerschrauben« für "gasdichte" Türen, »210 Gastürverankerungen«, sowie »12 gasdichte Türen«.

Abbildung 11 zeigt den Grunddriß von Krematorium IV (und V spiegelbildlich). Der gängigen Interpretation folgend sollen die beiden größeren der mit (1) bezeichneten Räume (gelegentlich auch der dritte) als "Menschengaskammern" gedient haben. Beide Räumlichkeiten besitzen zwei Türen, jeweils eine davon führt nach außen; beide haben kleine Fenster der Maße 30×40 cm. Beide haben zwei kleine Heizöfen (3), die von außen bedient wurden. Beide besitzen Gullys (8).

Abbildung 11: Abbildung KIVNordseitenansicht (oben) und Grundriß (unten) von Krematorium IV bzw. V (spiegelbildlich) im Lager Auschwitz II/Birkenau.[67]

1: Angebliche "Gaskammern"; 2: Angebl. Zyklon B-Einwurfluken; 3: Heizöfen; 4: Koksraum; 5: Arztraum; 6: Leichenhalle; 7: Lüftungskamine; 8: Abflüsse; 9: Ofenraum; 10: Kremierungsöfen (zum vergrößern anklicken)

Während die gängige Meinung diese Räumlichkeiten als "Menschengaskammern" definiert, mußte selbst Pressac eingestehen, daß eine Vergasung darin absurd wäre. Die Lüftung der Kammern durch Öffnen der Türen hätte das gesamte Gebäude unter Giftgas gesetzt.

Wir wollen nicht behaupten, in diesen Räumen hätten keine Vergasungen stattfinden können. Doch wenn Vergasungen stattfanden, dann kämen dafür die hier mit (1) bezeichneten Räume als erstes in Betracht, und zwar sowohl für Entlausungen als auch für Menschentötungen. Letztlich ergeben sich nämlich sowohl für Entlausungen als auch für Menschenvergasungen ähnliche Probleme. Es ist zudem unwahrscheinlich, daß Entlausungsanlagen mit kleinen Fenstern ausgestattet worden wären, die für eine effektive Entlüftung ungeeignet sind. Es steht aber fest, daß zumindest einer dieser Räume in Dokumenten als »Gasskammer« bezeichnet wurde.

3.5. »Gasskammer«

Im Auftragsheft der zivilen Baufirma, die das Krematorium errichtete, fand Pressac zwei Hinweise: »Fußboden betonieren im [sic] Gasskammer [sic]«, wobei Pressac dies als Indiz für den Bau einer Menschengaskammer interpretierte. Die Schreibfehler sind offenkundig, womöglich hervorgerufen durch einen ausländischen Schreiber. Tatsache ist, daß »Gaskammer« der übliche Begriff für Entwesungskammern war, belegt durch eine Vielzahl zeitgenössischer Dokumente, daß es aber kein einziges Dokument gibt, indem das Wort "Gaskammer" im Zusammenhang mit Menschentötung verwendet wurde. Es ist also möglich, daß zumindest zeitweise geplant war, in diesen Krematorien Entlausungskammern einzurichten. Dafür spricht neben den "gasdichten" Türen und Läden z.B., daß die Heizungsöfen dieser Räume von außen befeuert wurden und daß laut Plan vorgesehen war, die Lampen in den so beheizten Räumen in mit »ex.gesch.« bezeichneten Nischen einzubauen.[68] Beides sind Indizien dafür, daß der Raum mit einem brennbaren oder explosiven Gas wie etwa Blausäure beaufschlagt werden sollte. Da es allerdings bisher keinen Hinweis darauf gibt, daß diese Räume jemals mit einer Lüftungsanlage ausgestattet wurden, gehen wir in der Folge davon aus, daß sie letztlich einem anderen Zweck dienten.

In Technik wurde ausgeführt, daß das Präfix »Gass-« im Zusammenhang des zivilen Luftschutzes als Abkürzung für Gass[chutz]kammer interpretiert werden könnte.

Bedenkt man die Besonderheiten der Konstruktionszeichnungen, so wird hier davon ausgegangen, daß diese westlichsten Räume Duschen besaßen - daher die Gullys, die Heizungen und die beiden Türen, die einen Ein- und Ausgang darstellten. Mit "gasdichten" Einrichtungen ausgerüstet, dienten diese Räume, genau wie die Duschen im Natzweiler und Dachauer Krematorium, als Behelfsgasschutzräume zwecks Dekontamination nach einem Giftgasangriff.

3.6. Auskleideräume und 14 Duschen

3.6.1. Die 14 Duschen, die in den Übergabedokumenten für Krematorium III erwähnt wurden, waren echt

Pressac besteht darauf, daß die Duschen nur Attrappen waren, weshalb er diese Dokumente als "Spuren" ansieht. Hier wird hingegen nachgewiesen, daß die vorgesehenen Duschen echt waren.

Das Vorhandensein von Duschen oder anderen Waschgelegenheiten im Krematorium stützt die Bunkerthese insofern, als sie dazu dienten, jene zu reinigen, die mit Giftgas, insbesondere dem befürchteten Senfgas, in Berührung gekommen waren. In Schutz und Technik wurde dazu näheres ausgeführt.

Es gibt ein Dokument über Duschen in Krematorium III, das Pressac in seinem Buch zitierte und welches bereits von Carlo Mattogno wiedergegeben wurde.[4] Es handelt sich dabei um ein Telegramm von Bischoff, dem Chef der Zentralbauleitung, an Kurt Prüfer, dem Chefingenieur der Fa. Topf & Söhne, die die Krematoriumsöfen baute. Es lautet:[69]

»Mitbringt Montag überschlägiges Projekt für Warmwasserbereitung für ca. 100 Brausen. Einbau von Heizschlangen oder Boiler in den im Bau begriffenen Müllverbrennungsofen Krem. III oder Fuchs zwecks Ausnutzung der hohen Abgangstemperaturen. Evtl. Höhermauerung des Ofens zwecks Unterbringung eines großen Reservebehälters ist möglich. Es wird gebeten, entsprechende Zeichnung Herrn Prüfer am Montag den 17.5. mitzugeben.

Gez. Bischoff«

Dieses Dokument war also mindestens seit 1989 bekannt. Generell wurde behauptet, die SS hätte Pläne zum Bau von Duschräumen gefaßt, nachdem das Ausrottungsprogramm abgeschlossen war. Diese Aussage erklärt jedoch nicht die Dringlichkeit, die aus Bischoffs Anfrage zu ersehen ist. In diesem Zusammenhang ist Pressacs Kommentar zu diesem Dokument des Zitats würdig:[70]

»In diesem Telegram bat Jährling um eine dringende Studie, wie heißes Wasser von der Müllverbrennungsanlage des damals im Bau befindlichen Krematorium III gewonnen werden könnte, um ungefähr einhundert Duschen zu versorgen (die wahrscheinlich in einem zusätzlichen Gebäude an der Südseite des Krematoriums einzurichten waren). Prüfer sollte die diesbezüglichen Aufzeichnungen am 17. Mai mitbringen. [Dieser Plan wurde nie verwirklicht, obwohl ähnliche Einrichtungen in anderen Lagern vorhanden waren, so z.B. im Krematorium des KL Natzweiler (Struthof), wo die Verbrennungsanlage die Hauptwärmequelle für das Duschwasser war.] Obwohl diese Anfrage, einhundert NORMALE Duschen einzurichten, keineswegs kriminell war, wurde es in der Krematorium III Arbeitsmappe 30a, aktenkundig mit dem Titel versehen "SONDERMASSN[AHMEN]", weil das Gebäude im Zusammenhang mit jenen Maßnahmen stand, also mit der Tötung und Verbrennung der arbeitsunfähigen Juden.«

Es wird gezeigt werden, daß diese Interpretation in jeder Hinsicht falsch ist.

Das Telegramm an Topf & Söhne ist Teil eines längeren vierteiligen Berichts.[71] Wir fassen den Inhalt des Berichts zusammen und zitieren einige Auszüge.

»Bericht über die getroffenen Maßnahmen für die Durchführung des durch SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Dr. Ing. Kammler angeordneten Sonderprogrammes im KGL. Auschwitz«. (Zum Vergrößern anklicken)

Hundert Brausen im Krematorium III. (Zum Vergrößern anklicken)

13.5.1943: Bericht zum Sofortprogramm im KGL Auschwitz. Auf Blatt drei: Brausen in Krematorium III, Entwesungsöfen. (Zum Vergrößern anklicken)

»Sondermassnahme für die Verbesserung der hygienischen Einrichtungen im KGL-Auschwitz« (Zum Vergrößern anklicken)

Der Bericht beginnt mit einem Brief von Bischoff an Kammler, der wie folgt anfängt:

»Auschwitz, am 16.5.1943

Bftgb.: 28 941/43/Eg/Lm

Betr.: Sondermassnahme für die Verbesserung der hygienischen Einrichtungen im KGL-Auschwitz«

Der Text des Briefes fährt dann fort:

»In der Anlage wird ein Bericht über die bisher getroffenen Maßnahmen für die Verbesserung der hygienischen Einrichtungen im KGL [...]«

Es folgt ein Bericht von zwei Seiten, der wie folgt beginnt:

»Bericht

über die getroffenen Maßnahmen für die Durchführung des durch SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Dr. Ing. Kammler angeordneten Sonderprogrammes im KGL. Auschwitz«

Der Bericht datiert das Sonderprogramm auf den 12. Mai 1943 und listet sieben Arbeitskategorien auf, so auch die Arbeit an der Entwässerungsanlage, dem Bau des Königsgraben (der Graben für die Hauptdrainage für Birkenau, der zur Weichsel führen sollte), Arbeit an den Abortbaracken, Waschbaracken usw. Der sechste Punkt ist besonders relevant:

»Entwesungslage.

Zur Entwesung der Häftlingskleider ist jeweils in den einzelnen Teillagern des BA II eine OT-Entwesungsanlage vorgesehen. Um eine einwandfreie Körpernentlausung für die Häftlinge durchführen zu können, werden in den beiden bestehenden Häftlingsbädern im BA I Heizkessel und Boiler eingebaut, damit für die bestehende Brauseanlage warmes Wasser zu Verfügung steht. Weiters ist geplant, im Krematorium III in dem Müllerverbrennungsofen Heizschlangen einzubauen, um durch diese das Wasser für eine im Keller des Krematoriums III zu errichtende Brauseanlage zu gewinnen. Bezüglich Durchführung der Konstruktion für diese Anlage wurde mit der Firma Topf & Söhne, Erfurt, verhandelt.«

Der Bericht trägt das Datum 16. Mai 1943, genau wie der Ausgangsbrief. Als nächstes besitzen wir eine Kopie des Telegramms, das am 14. Mai 1943 Prüfer zugesandt wurde. Es ergänzte den vorgegangen Bericht.

Schlußendlich haben wir einen dreiseitigen Bericht vom 13. Mai 1943, der detailliert die Arbeitsaufträge der Sondermaßnahmen, jetzt als "Sofortprogramm" bezeichnet, beleuchtet. Absatz 9 liest sich wie folgt:

»Za. Jährling hat den Einbau von Kesseln und Boilern in den Waschbaracken durchzuführen, desgleichen die Brausen im Auskleideraum des Krematoriums III. Wegen der Brausen wird SS-Sturmbannführer Bischoff noch mit dem Lagerkommandanten, SS-Obersturmbannführer Höß, Rücksprache nehmen.

Für die Entwesungsöfen wird von SS-W.V.H.A. noch eine OT.-Zeichnung [unleserlich]«

Interessant ist zunächst, daß hier in scheinbarem Zusammenhang mit dem Krematorium III Entwesungsöfen behandelt werden. Zu beachten ist außerdem, daß Bischoff sich in der dritten Person benennt: weil dieser Brief drei Tage vor dem Bericht vom 16. Mai 1943 erschienen ist, fühlen wir uns berechtigt anzunehmen, daß Bischoff bereits von Höß zu dieser Zeit die Ermächtigung zur Durchführung der Maßnahmen hatte.

Aufgrund des obigen Berichts, dürfen wir schlußfolgern, daß die Übergabedokumenten erwähnten 14 Duschen echt waren. Wir sehen nicht, wie diese Schlußfolgerung anders lauten kann. Wenn wir annähmen, daß die 14 Duschen, die in den Übergabedokumenten vom 24. Juni 1943 erwähnt wurden, Attrappen sind, so hieße dies, daß im Mai in Planung befindliche echte Duschen nur einen Monat später durch Attrappen ersetzt wurden. Die herkömmliche Geschichtsversion behauptet vom Leichenkeller 1 des Krematorium II sogar, daß zwei Monate vor diesem Dokument, also im März 1943, Menschen in just diesem Raum mit Duschattrappen in die Irre geführt und anschließend vergast worden seien. Da Krematorium III eine vergleichbare Funktion gehabt haben soll, würde das bedeuten, daß der Leichenkeller 1 des Krematoriums III anfänglich Duschattrappen besaß, danach im Mai 1943 mit echten ausgerüstet wurde, um schließlich im Juni wieder mit Attrappen umgerüstet worden zu sein. Das ist unglaubwürdig.

3.6.2. "Auskleideräume" sind im Sinne von normalen Bestattungen zu sehen, nicht als Sondermassnahmen

Entsprechend dem Schreiben vom 13.5.1943 hatte Bischoff ursprünglich vorgeschlagen, die Duschen im Auskleideraum von Krematorium III einzubauen (also nicht in dem oft als "Gaskammer" bezeichneten Keller!). Das bedeutet, daß der Raum bereits ein Auskleideraum war, bevor er als Duschraum im Rahmen der Sondermaßnahmen in Erwägung gezogen wurde. Das kann nur heißen, daß das Wort "Auskleideraum" im normalen Sinne eines Leichenkellers zu verstehen ist, d.h. als Räumlichkeit, wo Leichen entkleidet und für die Verbrennung vorbereitet wurden.

3.6.3. Der Bau hygienischer Einrichtungen hatte Vorrang über jede andere behauptete Nutzung der Kellerräume in den Krematorien II und III

Noch eine weitere Schlußfolgerung ist unausweichlich, auch wenn sie kontrovers erscheint. Der traditionellen Geschichtsversion zufolge waren die Krematorien dazu gedacht, jegliche Spur jener Personen zu vernichten, die angeblich in den Kellern mit Giftgas ermordet worden waren. Der Bericht läßt jedoch keine Zweifel darüber offen, daß diese angebliche, zudem nicht dokumentierte Zweckentfremdung eingestellt (oder gar nicht erst in Kraft gesetzt) wurde, damit die Lagerinsassen sich aus hygienischen Gründen heiß duschen konnten.

3.6.4. Die Krematorien dienten der Durchführung hygienischer Massnahmen vor Fertigstellung der Zentralsauna

Auf dieses Argument, das andere wahrscheinlich auch schon erörtert hatten, wurde bereits 1997 hingewiesen. Bis zur Fertigstellung der Zentralsauna Anfang 1944 war das Lager Birkenau chronisch unterversorgt mit Hygienebauten (Duschen, Entwesung). Aus den Dokumenten geht deutlich die Absicht hervor, die Kellerräumlichkeiten des Krematoriums III als örtliche Duschgelegenheiten für die Lagerinsassen einzurichten, und wir wissen, daß tatsächlich 14 Duschen eingerichtet wurden. An dieser Stelle sollten wir festhalten, daß Mattogno Dokumente vom Juni 1943 zitiert hatte, die erläutern, daß das Wasser für das Duschwasser nicht in der Art erhitzt wurde, wie Bischoff es sich laut Bericht vorgestellt hatte, und daß Einbaupläne für Duschen für Krematorium II und III vorhanden waren.[4] Das heißt, daß die 14 Duschen im Leichenkeller 1 entweder kein Warmwasser hatten oder es auf andere Weise erhielten. Mattognos Angaben legen zudem nahe, daß Krematorium II zu dem Zeitpunkt bereits mit Duschen ausgestattet war, wenn nicht sogar schon früher. Die Tatsache, daß die Duschen nicht in den Übergabedokumenten für das Krematorium II erwähnt wurden, kann dadurch erklärt werden, daß sie ursprünglich nicht eingeplant waren, sondern quasi improvisiert wurden. Zudem war Krematorium II schon im März übergeben worden, also lange vor dem Bericht Prüfers, so daß spätere Änderungen nicht in den Übergabedokumenten enthalten sein können, während Krematorium III erst Ende Juni übergeben wurde. Übrigens hatte Bischoff keinen Anlaß, das Krematorium II in seinem Bericht zu erwähnen, da es Ende April ausgefallen und schon seit Monaten nicht mehr im Betrieb war.

3.6.5. Bischoffs Telegramm an Prüfer strotze höchstwahrscheinlich absichtlich vor Ehrgeiz

Diese Schlußfolgerung ist spekulativ, jedoch scheint sie korrekt zu sein. Der ganze Ausdruck des Berichts geht dahin, daß Bischoff Kammler versichern wollte, daß trotz Verzögerungen die Bauarbeiten dennoch zügig voran gingen, um den Hygienezuständen im Lager Rechnung zu tragen. Wir werden weitere Dokumente dieser Art in Kürze noch erläutern. Vorerst reicht es festzustellen, daß Bischoff Kammler im Januar überzeugen wollte, daß die Krematorien mehr oder weniger termingerecht fertiggestellt werden würden und daß die hygienischen Maßnahmen rasch greifen würden. Unserer Ansicht nach hätten niemals 100 Duschen installiert werden können, aber eine derartige Meldung an Kammler ist zweifellos eindrucksvoll gewesen. Es scheint zudem, daß Bischoff bezüglich des Installationsorts der Duschen zögert: 100 Duschen wären besser in der größten Leichenhalle (Leichenhalle 2, der "Auskleideraum") aufgehoben gewesen. Letztlich aber wurden nur 14 Duschen in der kleineren Leichenhalle installiert. Diese wesentlich geringe Anzahl Duschen mag damit zusammenhängen, daß es mit den zur Verfügung stehenden Wärmequellen unmöglich gewesen sein mag, für 100 Duschen gleichzeitig genügend warmes Wasser zur Verfügung zu stellen.

3.6.6. Die zusätzliche Nutzung des Krematoriums für hygienische Massnahmen kann den Einbau von Entwesungsanlagen beinhaltet haben

Diesen detaillierten Schluß werden wir unten noch näher erörtern. Es gehört zu Mattognos zentralen Argumenten, die sich auf zwei Dokumente beziehen, in denen Entlausungsöfen (d.h. Entlausungen mit Heißluft) in bezug auf Krematorium II erwähnt werden. Aus Mattognos Argumentation ergibt sich aber auch, daß die in diesen Dokumenten erwähnten, von Topf hergestellten Öfen tatsächlich in der Zentralsauna eingebaut wurden. Doch die Erwähnung dieser Öfen in Bischoffs Bericht (vgl. S. 60) weist zusammen mit dem bereits erwähnten nachträglichen Einbau von Duschen darauf hin, daß man die Krematorien als zusätzliche Entwesungs- und Hygieneeinrichtungen nutzte bzw. zumindest zeitweilig zu nutzen gedachte.

3.6.7. Die "gasdichte" Tür mit Spion in Leichenkeller 1 des Krematoriums II steht weder im Zusammenhang mit Mord noch mit Entwesung

Wir wissen, daß sich die Bestellung einer »gasdichten Tür« für den Leichenkeller 1 des Krematoriums III auf den 31. März 1943 zurückdatieren läßt, also auf den Brief mit den »gasdichten Türmen«. Dies war Wochen bevor Bischoff daran dachte, hier Duschen installieren zu lassen. Diese "gasdichte" Tür kann daher nichts mit der Installation der Duschen zu tun haben. Und dennoch wurde sie in einen Duschraum eingebaut, wo sie entweder überflüssig war, oder die Duschen paßten nicht zur Verwendung dieses Raumes als Mordgaskammer bzw. Entwesungskammer.

Diese Schlußfolgerung ist wiederum sehr kontrovers, aber es ist nicht zu erkennen, wie sie vermieden werden kann. Denn davon auszugehen, daß die Tür dem Massenmord diente, würde bedeuten, daß der gleiche Raum zudem als Dusche diente, also der Lagerhygiene, und das ist doch recht unglaubhaft. Aber auch die Entlausungsthese kann die "gasdichte" Türe nicht erklären, denn in einem Duschraum kann man keine Entwesungen durchführen.

Die einzige Erklärung, die den scheinbaren Widerspruch zwischen "gasdichter" Türe und Duschen auflösen kann, ist, daß der Leichenkeller 1 zu einem Hilfsluftschutzkeller ausgebaut worden war, der vor Giftgasangriffen schütze und zudem nach Einbau der Duschen auch zum Dekontaminieren genutzt werden konnte. Wir müssen hier allerdings hervorheben, daß der Einbau von Duschen erst nach Bestellung der "gasdichten" Türe in Erwägung gezogen wurde. Die in Auschwitz eingesetzten Türen hingegen besaßen die für provisorische Bunkertüren üblichen Eingenschaften. Wir schließen daher, daß diese Türe von Anfang an für einen behelfsmäßigen Luftschutzkeller gedacht war.

3.6.8. »Sondermassnahme« hat nichts mit Vernichtung zu tun

Unser endgültiger Schluß ist kaum kontrovers, da es eindeutig aus dem Dokument hervorgeht. Dennoch hebt er hervor, wie bereits von Mattogno und sogar Pressac erwähnt, daß Wortschöpfungen wie »Sonderaktion« oder andere »Sonder-« Wörter in der fraglichen Periode von 1942 und 1943 nicht als Synonym für Mord aufgefaßt werden müssen, wie es leichtsinnigerweise meist getan wird.

Zusammenfassend finden wir den Schluß plausibel, daß die Duschen, die von Pressac als kriminelle Spur bezeichnet werden, anhand von Bischoffs Bericht als echte Einrichtungen angesehen werden müssen, und daß die "Auskleideräume" normale Leichenkeller waren, wo Leichen für ihre Einäscherung vorbereitet wurden. Der Leichenkeller 1 war ursprünglich eine Aufbarungshalle für derart präparierte Leichen, daher das Ventilationssystem. Es mögen weitere Schlußfolgerungen in Betracht kommen, die ebenfalls plausibel sind, doch die einzige, auf die wir bis dato bestehen, ist, daß Auskleideräume und Duschen keine kriminelle Spuren sind.

3.7. »Vergasungskeller«

Wie wir bereits erwähnt haben, wird Vergasungskeller von den traditionellen Historikern als "Gaskammer" oder "-keller" betrachtet. Arthur R. Butz hat mehrere Versionen über Jahre hinweg zur Disposition gebracht, wobei "Gasschutzeinrichtung" die neuste Interpretation darstellt. Das Wort an sich ist sehr ungewöhnlich und in keinem Dokument auffindbar. Daher ist schwer zu erurieren, was es eigentlich bedeutet. In Technik versuchten wir, auf etymologischem Wege eine Beschreibung des Terminus zu finden, der mit Gasschutz in Einklang zu bringen ist, genauer mit der Behandlung von Personen, die bei einem Angriff mit Giftgas in Berührung gekommen sind. Doch sind wir mit einem derartigen Aufbau nicht zufrieden, denn nirgends konnte man einen annähernden Gebrauch des Wortes in der Literatur über zivilen Luftschutz finden. Seit Ende 1997 bestehen wir darauf, daß die wahrscheinlichste Bedeutung etwas mit Entwesung zu tun hat und werden unsere Annahme weiter unten diskutieren. Währenddessen müssen wir anerkennen, daß diese "kriminelle Spur", sowie die »Anzeigegeräte für Blausäure-Reste«, einer Interpretation als Indiz für die Existenz von Menschengaskammern zumindest zugänglich ist.

Bislang haben wir in damaligen Dokumenten fünf Wörter gefunden, die mit »Vergasungs-« beginnen. Sie alle haben eine etwa gleichartige Bedeutung und beziehen sich alle auf Auschwitz bzw. Tätigkeiten der SS.

Erstens fand Mattogno eine Quelle, datiert vom 13. Juli 1943, wo die Entlausungskammern von BW 5a und 5b als »Vergasungsraum« bezeichnet werden.[72]

Zweitens gibt es einen Fahrbefehl vom 26. Juli 1943 zur Beschaffung von Zyklon B aus einer Fabrik in Dessau:[73]

»Gas zur Vergasung des Lagers, zur Bekämpfung der aufgetretenen Seuche zu holen.«

Da dieser Befehl zur Zeit des Höhepunkts der Fleckfieberepidemie entstand, kann seine Deutung mitnichten mit Mord in Verbindung gebracht werden.

Der dritte Fall ist das bereits erwähnte, weit verbreitete Rundschreiben des Kommandanten Höss vom 12. August 1943, das auf einen Unfall bei der Anwendung von Zyklon B während einer Vergasung der Baracken bezug nimmt.[62] Der aus einer Seite bestehende Sonderbefehl enthält zwei Erwähnungen des Wortes "vergasen", nämlich »allen an Vergasungen Beteiligten« und »vergasten Räume«. Ein ähnlicher Befehl von Dr. Wirths, datiert 10 Dezember 1943, beschreibt einen gleichen Vorfall, wobei hier die Wörter »Entwesung« und »entwest« benutzt werden, was darauf hindeutet, daß »vergasen« nicht nur Synonym für »begasen«, sondern auch für »entwesen« war.[74]

Das vierte Beispiel ist das Tagebuch von Prof. Dr. Johann Kremer, das am 1. September 1942 folgenden Eintrag enthält:[75]

»Nachmittags bei der Vergasung eines Blocks mit Zyklon B gegen die Läuse.«

Fünftens, ein Rundschreiben von Dr. Mrugowsky vom Hygiene Institut der SS vom 13. Mai 1943 mit folgendem Inhalt:[76]

»In Zukunft darf daher Blausäure nur noch zur Vergasung von Baracken in Konzentrationslagern verwendet werden.«

Es ist offensichtlich, daß die übliche Bedeutung des Wortes »Vergasung« in Auschwitz und bei der SS während dieser Zeitspanne Ungeziefer-Entwesung mittels Giftgas war. Deshalb ist die wahrscheinlichste Erklärung für ein Wort wie »Vergasungskeller« eben ein Keller, in dem Entwesungen stattfinden.

3.8. Gasprüfer (Detektoren)

Eine von Pressacs "kriminellen Spuren" bezieht sich auf ein Telegramm des Zentralbauamtes an die Fa. Topf & Söhne, die u.a. die Einäscherungsöfen des Lagers gebaut hatte. Das Telegramm bestand aus zwei Sätzen:

»Absendet sofort 10 Gasprüfer wie besprochen. Kostenangebot später nachreichen.«

Diese waren für das Krematorium II, wahrscheinlich aber auch für Krematorium III gedacht (da im wesentlichen identisch, wurden sie oft als Paar behandelt). Hält man sich an dieses Telegramm, wäre die einfachste Schlußfolgerung die, daß hier eine Bestellung für Gasdetektoren für 10 Einäscherungsöfen für Krematorien II und III vorliegt. Die beiden Hauptgründe für diese Annahme sind die Anzahl der Detektoren und die Tatsache, daß derartige Gasprüfer in Feuerungsanlagen üblich waren, um zwecks Regulierung der Sauerstoffzufuhr die Zusammensetzung der Verbrennungsgase zu messen.[77] Doch in einem späteren Buch präsentierte Pressac einen Brief von den Moskauer Archiven vom 3. März 1943 von Topf an das Zentralbauamt, woraus hervorgeht, daß diese Gasprüfer zur Anzeige von Blausäureresten gedacht waren.[58] In Technik wurde gezeigt, daß ein Luftangriff mit Blausäure damals durchaus als eine reale Bedrohung angesehen wurde, deshalb werden wir im Sinne unserer These die Angelegenheit nicht weiter verfolgen.

Es gab freilich auch andere Ansätze. Laut Butz könnten diese Nachweisgeräte zur Aufspürung von Blausäure im Verbrennungsgas der Müllverbrennungsanlage gedient haben.[78] Mattogno und Rademacher dagegen halten das Dokument für eine Fälschung bzw. Verfälschung und zeigt Punkte auf, die dafür sprechen.[77]

Trotz der ablehnenden Haltung der Revisionisten gegenüber diesem Dokument müssen wir eingestehen, daß dieser Brief oberflächlich betrachtet den Verdacht dunkler Machenschaften aufkommen läßt. Allerdings paßt der Brief überhaupt nicht in die Gaskammerthese hinein. Erstens erging die Anfrage, nachdem Krematorium II erbaut worden war. Zweitens ist unklar, wie zehn derartige unbekannte Anzeigegeräte in Gaskammern funktionieren würden. Drittens gibt es keinen Beweis über Bestellung, Lieferung und Anwendung, und viertens sind diese Gegenstände nie gefunden worden. Es wurde nie eine Ursache angeboten, die diese dringende Anfrage erklärt sowie den offenkundig fehlgeschlagen Versuch, diese Geräte zu organisieren.

Anderseits betrachten wird auch die Erklärung von Mattogno und Rademacher als schwach, weil sie ihre auf inhaltliche Erwägungen aufbauende Fälschungs- bzw. Verfälschungsbehauptung, so überzeugend sie sein mag, weder durch ein Motiv noch durch äußere Indizien stützen. Mit anderen Worten: sollte das Dokument gefälscht worden sein, diktiert der gesunde Menschenverstand, daß ein Grund zur Fälschung vorhanden sein muß. Einfach zu behaupten, das Dokument wäre verändert worden, ohne auf Details einzugehen, sagt einfach nichts aus. Damit das Argument der Fälschung auch greift, muß man auch eine Szene vorbringen, aus der hervorgeht, wie und warum Änderungen durchgeführt wurden. Falls das Dokument z.B. für eine Gerichtsverhandlung gegen Kurt Pfrüfer gebraucht worden wäre, so würde uns das auf die richtige Spur bringen. Doch Mattogno und Rademacher bieten diesbezüglich keine Beweise an.

Wegen der Zweideutigkeit dieser Spur lassen wir sie nun beiseite und stellen fest, daß sie lediglich rein oberflächlich dazu neigt, die Menschengaskammerthese zu stützen, im Gegensatz zur Bunker- bzw. Entwesungsthese.

3.9. Schlußfolgerung

Nach Durchsicht der "kriminellen Spuren" sehen wir keinen Grund, die zivile Luftschutz-Erklärung als alternative Erklärung auszulassen. Einige "Spuren", z.B. die Duschen und die Auskleideräume, sind völlig neutral zu bewerten. Die Duschen sind unmittelbar mit der Hygiene in Verbindung zu bringen, thematisch zur Entwesungsthese. Einige problematische "Spuren", z.B. der Vergasungskeller und die Gasprüfer, lassen sich in keine These richtig einordnen, doch meinen wir, daß sie ebenfalls am besten mit der Entwesungthese in Einklang zu bringen sind. Im nächsten Abschnitt werden wir die Entwesungthese umfassend nachzeichnen.

IV. Chronologie der Entwesung

4.1. Einführung

Die Entwesungsthese war in den letzten zwanzig Jahren bezüglich der "gasdichten" Einrichtungen der Krematorien die gängige Gegenthese zur Menschengaskammer-Erklärung. So vielseitig die Argumentation auch war, sie vermochte nicht die "gasdichten" Türen mit Spionen oder die "gasdichten" Fensterläden der Krematorien IV und V zu erklären, außer vielleicht im Sinne einer vollständigen Begasungen des Raumes zur Entwesung. Wie bereits erwähnt, waren die "gasdichten" Türen, die laut Abbildungen und Bauzeichnungen in Auschwitz bei der Entwesung zur Anwendung kamen, im wesentlichen baugleich mit allen "gasdichten" Türen, die nach dem Kriege in Auschwitz gefunden worden sind, wovon die meisten im Einklang mit den Richtlinien der zivilen Verteidigung erstellt worden sind und technisch gesehen keineswegs gasdicht waren.

Dennoch hat die Entwesungsthese ihre Anhänger und verdient daher unsere Aufmerksamkeit. Außerdem erfährt die Entwesungsthese durch den Bericht von Bischoff eine starke Unterstützung, ohne daß damit die Deutung der "gasdichte" Türen als Luftschutzeinrichtung widerlegt wird.

Während der letzten Jahre konnten einige Historiker Dokumente von den Moskauer Archiven bekommen, die sich mit der Thematik der Entwesung befassen. Nachfolgend führen wir einige davon an, um den Zusammenhang aufzuzeigen, in dem Bischoffs Bericht eingebettet ist.

Anschließend wird gezeigt, wie die Menschengaskammer-These von deren Anhängern derart manipuliert wird, daß sie in alle Dokumente hineinpaßt. Dies wird nicht nur aufklärend wirken, sondern zudem helfen, die Unterschiede der einzelnen Thesen bezüglich der "gasdichten" Einrichtungen in den Birkenauer Krematorien zu verdeutlichen.

Was wir immer im Hinterkopf behalten müssen, ist die Tatsache, daß im Sommer 1942 eine Fleckfieberepidemie in Auschwitz-Birkenau ausgebrochen war, die einige tausend Opfer forderte. Zeitgleich wurden weitere Tausende ins Lager deportiert, von denen ebenfalls viele starben. Das Krematorium im Stammlager (Krematorium I) fiel wegen Überlastung zwei Monate lang aus. Die Leichen derer, die in dieser Zeit starben, wahrscheinlich Zehntausende, wurden in riesigen Gruben westlich der künftigen Birkenauer Krematorien begraben und begannen, das Grundwasser des gesamten Lagers zu verseuchen, wodurch die Todesrate abermals anstieg. Daraufhin wurden weitere vier Krematorien geplant, eine Zentralsauna, die die gesamten ankommenden Transporte aufnehmen konnte, eine Kläranlage sowie ein System von Entwässerungsgräben.

4.2. Dokumente zur Entwesung

4.2.1. 9. Juli 1942, Brief von Berninghaus über "gasdichte" Türen für Entlausungskammern

Dieser Brief, der erstmals von Nowak und Rademacher in ihrer Studie über "gasdichte" Türen zitiert wurde,[13] verdeutlicht, daß der normale Entwurf für technisch gasdichte Türen für Entwesungszwecke mit jenen mit Gucklöchern versehenen, "gasdichten" Türen in Auschwitz nichts gemeinsam hat. Nowak stimmt mit uns überein, daß die Konstruktion der behelfsmäßigen "gasdichten" Türen in Auschwitz aus den Vorlagen des zivilen Luftschutzes stammt.

4.2.2. 18. August 1942, Memorandum von Ertl

Das zweiseitige Dokument beschreibt den Besuch von Kurt Prüfer der Fa. Topf & Söhne wegen der Installation von Muffelöfen im Krematorium II oder III.[79] Weiter berichtet es über den Einbau einiger Öfen »bei den Badeanstalten für Sonderaktionen«.

Das Dokument wird oft als Indiz für den Massenmord angesehen, wobei mindestens zwei verschiedene Interpretationen möglich sind. Die erste stammt vom Bericht der Sowjetischen Untersuchungskommission über Auschwitz (Nürnberger Dokument USSR-008), in dem behauptet wird, daß Badeanstalt Gaskammer bedeute. Die derzeitige Deutung von Pressac und van Pelt ist,[80] daß sich das Dokument auf den Bau des Krematoriums IV bezieht, das sich bei den undokumentierten "Gaskammern" von Bunker 1 und 2 befand. Tatsächlich aber soll der angebliche Bunker 2 nicht in der Nähe von Krematorium IV gelegen haben, sondern etwa 1000 Meter davon entfernt, und Bunker 1 lag auch nicht näher. Anderseits war die Zentralsauna, die damals bereits geplant wurde und die tatsächlich eine Badeanstalt war, nur etwa 100 Meter vom Krematorium IV entfernt.

Der nächste Punkt ist die Deutung des Wortes »Sonderaktion«. "Aktion" kann einerseits die Durchführung einer besonderen Tat bedeuten, z.B. Exekutionen, es kann aber auch eine "Operation" bedeuten wie etwa die Rauboperation »Aktion Reinhardt«, oder ein Unternehmen wie die »Aktion Mutter und Kind«, eine Kriegsoperation, bei der Mütter und Kinder aus Städten aufs Land gebracht wurden, um dem alliierten Bombenterror zu entgehen.

Meistens bedeutet »Sonderaktion« im Zusammenhang mit Auschwitz "Transport-Operationen", d.h. die Sortierung ankommender Gefangenentransporte. Im Endeffekt bejahen beide Parteien diese Deutung mit der Ausnahme, daß die traditionelle Version darauf besteht, daß die Menschen der ankommenden Transporte größtenteils mit Giftgas getötet wurden. Demnach soll »Sonderaktion« immer Vernichtung bedeuten.

Diese Ansicht ist allerdings problematisch, da in jener Zeit die eingehenden Transporte gänzlich in Auschwitz aufgenommen und registriert worden sind. So etwa ein Transport aus Holland im August 1942. Obwohl viele dieser Deportierten starben, sind sie dennoch nicht bei Ankunft liquidiert worden, sondern wurden im Lager registriert. Daher sind im Herbst 1942 so viele Tote - insgesamt etwa 30.000 - in den Sterbebüchern aufgeführt.

Sicherlich wurde der Begriff »Sonderaktion« auch als Umschreibung für Hinrichtungen benutzt, doch war das nicht die einzige Bedeutung, wie wir weiter unten erkennen werden.

4.2.3. 13. Oktober, 1942: Brief von Bischoff über Baumassnahmen

Das Dokument berichtet von der Notwendigkeit, die Krematorien wegen der »Sonderaktionen« zu bauen.[81] Wenn »Sonderaktion« Vergasung von Menschen bedeutete, dann wurden die Krematorien zu diesem Zwecke errichtet. Die Alternative aber, daß das Krematorium nämlich wegen grassierender Epidemien errichtet wurde, die durch die Massendeportionen noch verschlimmert wurden, verliert nichts an seiner Gültigkeit. Wir meinen, daß Bischoff diesen Brief beschönigend ausformulierte, weil er zwar einerseits klarstellen wollte, daß das Krematorium wegen der schreckliche Todesrate errichtet wurde, die von der Epidemie bei gleichzeitigen Massenankünften hervorgerufen wurde. Er wollte andererseits aber nicht näher auf die Epidemie eingehen, hätte sie doch ein schlechtes Licht auf die Lagersverwaltung geworfen.

4.2.4. 13. November 1942: "gasdichte" Türen für BW 5a/b

Wir greifen dieses Dokument nur deshalb auf, weil eine Verbindung zu einer anderen Quelle vom Januar 1943 besteht bezüglich Spezialtüren.[82] In seiner Reaktion zu unserer Arbeit zitierte Mattogno diese Quelle, indem er argumentierte, daß andere Duschen ebenfalls mit "gasdichten" Türen versehen waren. Doch auch hier greift ohne weiteres der Hinweis auf die zivilen Luftschutzmaßnahmen.

4.2.5. 27. November 1942: Bezug zum »Sonderkeller«[83]

An diesem Datum begannen die Installationsarbeiten am Belüftungssystem in einem der Leichenkeller des Krematoriums II, was bedeutet, daß ein Leichenkeller bereits Monate vor der Fertigstellung des Gesamtkomplexes fertig gestellt war. Wolter, einer von Bischoffs Assistenten, schrieb diese Notiz über den Versuch, ein Belüftungssystem zu installieren. Ein anderer bemerkenswerter Gesichtspunkt des Dokuments ist, daß es Teil einer Sammlung von Notizen ist, die völlig unabhängig von den Akten des Zentralbauamtes von Auschwitz ist, obwohl Auschwitz gemeint ist.

Es wird angenommen, daß der »Sonderkeller« der Leichenkeller 1 von Krematorium II ist. Doch aus dem Dokument geht nicht hervor, was an ihm besonders ist. Die Interpretation des Wortteiles "Sonder" ist natürlich entscheidend. Ein Problem der traditionellen Sichtweise ist, daß es eine zeitgenössische Bodenaufnahmen des Krematoriums II gibt, auf dem keine Löcher oder Strukturen auf dem schneebedeckten Dach des Leichenkellers 1 zu erkennen sind,[84] was heißt, daß der Keller ohne jegliche Deckenlöcher fertiggestellt worden war.

4.2.6. Dezember 1942: Dr. Wirths berichtet über die Entlausungsanlagen

Dr. Wirths, der Standortarzt von Auschwitz, hatte eine Unterredung mit dem örtlichen Gauleiter über Fleckfieber und schrieb darüber einen Bericht,[85] worin über die Existenz dreier großer Entwesungs- und Badeanlagen berichtet wird, zwei für die Gefangenen und eine für die SS. Die Kapazität der Anlagen betrug 3.000 bis 4.000 Personen pro Tag. Die Entwesung mit Zyklon B wurde aufgegeben, so Dr. Wirths, weil sie nicht hundertprozentig erfolgreich war.

Es ist wahr, daß die Wirksamkeit nicht 100% war, da Zyklon B nur Insekten tötet, nicht aber Bakterien. Die Behandlung mit Heißluft war effektiver, wenn auch immer noch nicht zufriedenstellend. Nowak geht davon aus, daß von den drei von Dr. Wirths genannten Anlagen die Bauwerke 5a und 5b für die Gefangenen bestimmt waren. Der Ort der Entwesungsanlage für die SS wird nicht angegeben.

4.2.7. 18. Dezember 1942: Sonderaktion für Arbeiter

Dieser Telex, bestehend aus einer Seite und als »Geheim!« klassifiziert, wurde von Bischoff an Kammler versandt.[86] Es berichtet darüber, daß die Arbeiten am Krematorium im Dezember wegen der Entseuchung und Entwesung öfters unterbrochen worden waren und daß die Gestapo Sonderaktionen bei den zivilen Arbeitern ausführte.

Es geht nicht genau hervor, was die Gestapo mit den zivilen Arbeitern anstellte, doch offensichtlich ist keiner ermordet worden, schon gar nicht vergast. Sie gingen anschließend sogar in die Weihnachtsferien. Die Hauptaussage des Dokuments ist daher erstens, daß die Bedrohung durch Epidemien weiterhin vorhanden war, und zweitens, daß »Sonder-« nicht zwingend Mord bedeuten muß.

4.2.8. 31. Dezember 1942: Befehl zum Bau einer provisorischen Wäscherei

Einichtung einer provisorischen Wäscherei im Stammlager KL. Auschwitz. (Zum Vergrößern anklicken)

Abschrift eines zweiseitigen Briefes des WVHA an das Zentralbauamt eine Bestellung des Zentralbauamts vom 5. November 1942 betreffend.[87] Die Relevanz dieser Bestellung ist, daß sie einfach einen weiteren Beweis darstellt, daß mehr Anlagen zur Entseuchung und Entwesung notwendig waren. Es ist zudem ein zusätzliches Dokument, wo Kirschnecks Name oben auf der Seite erscheint.

4.2.9. 13. Januar 1943: Türen für »Sondermassnahmen«

Dieser von Bischoff geschriebene Brief war an die Deutschen Ausrüstungswerke gerichtet, Hauptlieferant "gasdichter" Türen und vieler anderer Ausrüstungen für die Lager.[88] Wir erinnern uns, daß die DAW auch Empfänger des Briefes über »gasdichte Türme« vom 31. März 1943 und der Hauptlieferant anderer als "kriminelle Spuren" interpretierter Gegenstände war.

Der Brief stellt eine Beschwerde über die nicht ausgeführten Tischlerarbeiten dar und bezieht sich auf einige Türen, die am 26. Oktober 1942 bestellt worden sind und die dringend für Krematorium II zur Durchführung von Sondermaßnahmen benötigt werden. Die Bestellung vom 26. Oktober 1942 ist bisher noch nicht gefunden worden.

Pressac deutet diese Quelle als Bezug zu Menschengaskammertüren, Mattogno als allgemeine Bezeichnung für Hygienemaßnahmen, unter die auch die Verbrennung von Leichen falle. Pressac stützt sich auf das Wort »Sondermaßnahmen«, welches vollkommen willkürlich gedeutet wird, da dieses Wort im Kontext der anderen Dokumente ausschließlich im hygienischen Sinne verwendet wird. Andererseits ergibt Mattognos Interpretation wenig, weil Türen nicht notwendigerweise für Einäscherungen gebraucht werden. Wir meinen, die "gasdichten" Türen sollten jene Räumlichkeiten im Keller abdichten, die für hygienische Maßnahmen und/oder für Entwesungen vorgesehen waren. Es ist auch klar, daß diese Türen in ein paar Wochen durch Türen mit Gucklöchern ersetzt werden würden, so daß nach unserer Einschätzung die Keller auch zusätzlich als Bombenschutz- und Gasschutzräume dienen konnten.

4.2.10. 29. Januar 1943: Der »Vergasungskeller«-Brief

Dieser berühmte Brief von Bischoff an General Kammler erläutert: [89]

»Die Eisenbetondecke des Leichenkellers konnte infolge Frosteinwirkung noch nicht ausgeschalt werden. Die[s] ist jedoch unbedeutend, da der Vergasungskeller hierfür [zur Leichenaufbahrung] benützt werden kann.«

Van Pelt deutet dieses Dokument auf ungewöhnliche Weise.[90] Weil der Name des Bauleiters Kirschneck oben auf einer der Kopien erscheint und das Wort »Vergasungskeller« unterstrichen worden ist, meint van Pelt, daß Kirschneck diesen Brief, der von Bischoff an Kammler gerichtet war, geschrieben hat und daß Bischoff ihn auf seinen Fehler aufmerksam machte, "verbotene Wörter" nicht zu nutzen. Diese Deutung ist sehr schwer nachzuvollziehen. Der Brief ging von Bischoff an Kammler. Falls also der Fehler entdeckt worden wäre, müßte er von Kammler an Bischoff verwiesen werden. Zweitens hätte Bischoff den Brief unterschreiben sollen, doch wäre der Fehler entdeckt worden, dann hätte der Brief seinen Schreibtisch nicht verlassen. Ein Original dieses Briefes fehlt immer noch. Drittens ist Kirschnecks Name auf der Verteilerliste des Briefes, er hätte also auf jeden Fall eine Kopie erhalten. Die wahrscheinlichste Erklärung ist, daß die unterstrichene Kopie des Briefes Kirschnecks Kopie ist, auf der er das Wort »Vergasungskeller« unterstricht, weil dieser anstatt des Leichenkellers zu nutzen war. Eins ist sicher: Es ist nicht ungewöhnlich, daß sich Kirschnecks Name am Anfang eines Dokumentes befindet.

Wenn man im Sinne des hier behandelten allgemeinen Themas im Auge behält, was das Wort "vergasen" belegtermaßen bedeutet, so ist offensichtlich, daß der Leichenkeller 1 für eine besondere Nutzung vorgesehen war, doch die Art dieser Nutzung geht nicht eindeutig aus den Dokumenten hervor. Wenden wir "vergasen" im normalen Sinne an, so bedeutet das, daß der Leichenkeller 1 zu Entwesungszwecken verwendet werden sollte bzw. bereits genutzt wurde.

4.2.11. 29. Januar 1943: Der Swoboda-Brief

Von van Pelt entdeckt und zuerst in einer Fernsehsendung vor einigen Jahren diskutiert, beschreibt dieses einseitige Memorandum ein Treffen des SS Offiziers Swoboda mit dem Elektriker Tomitschek.[91] Es geht um die elektrische Versorgung von Krematorium II und enthält folgenden Passus:

»Diese Inbetriebsetzung kann sich jedoch nur auf beschränkten Gebrauch der vorhandenen Maschinen erstrecken (wobei eine Verbrennung mit gleichzeitiger Sonderbehandlung möglich gemacht wird), da die zum Krematorium führende Zuleitung für dessen Leistungsverbrauch zu schwach ist.«

Zentral sind die Worte »Verbrennung mit gleichzeitiger Sonderbehandlung«, was für van Pelt bedeutete, daß diese Diskussion sich um den gleichzeitigen Einsatz der Einäscherungssöfen und des Leichenkellers 1 als "Gaskammer" drehte. Van Pelts Ansicht scheint zu sein, daß die Entlüftungsanlagen der "Gaskammern" zuviel Strom verbrauchten, so daß das Druckluftgebläse der Einäscherungsöfen nicht gleichzeitig einsatzfähig wäre. Van Pelt meint, die Deutung im Sinne von Menschentötungen sei unausweichlich. Es gibt jedoch revisionistische Erwiderungnen darauf, unter anderen von Faurisson[92] und Mattogno.[93]

Weil sich das Dokument eindeutig auf die elektrische Versorgung bezieht, sollte es doch möglich sein zu eruieren, was »Sonderbehandlung« eigentlich bedeutet, da man anhand des Bischoff-Berichts vom 16. Mai 1943 und anderer Dokumente davon ausgehen muß, daß »Sonder«-Wörter nicht automatisch mit Mord zusammenhängen. Mattogno hat erfolgreich die Zahl der damals vorhandenen elektrischen Einrichtungen aufgelistet. Er besteht darauf, daß »Sonderbehandlung« etwas mit der Behandlung der Toten zu tun hat.[94]

Keines dieser Argumente ist unserer Meinung nach besonders aussagekräftig. Van Pelts Deutung bezieht sich hauptsächlich auf die Übersetzung des Wortes »Sonderbehandlung«: ansonsten ist seine Behandlung der Materie ziemlich zusammenhangslos. Zunächst hat Mattogno bewiesen, daß die Lüftungsanlage im Leichenkeller 1 zu dieser Zeit noch nicht einmal angeliefert worden war, so daß diese nicht unter den Begriff »vorhandenen Maschinen« fällt. Aber selbst wenn sie vorhanden gewesen wäre, so hätte die Entlüftung der "Gaskammer" (Leichhenkeller 1) laut Zeugenbericht lediglich zwanzig Minuten beansprucht. Nach van Pelts angenommener Einäscherungsrate hätte es aber etwa anderthalb Tage gedauert, die hypothetischen Opfer einer einzigen Massenvergasungen einzuäschern. Zwanzig Minuten Verzögerung sind daher bedeutungslos. Weiterhin behauptet das Dokument nicht, daß der gleichzeitige Gebrauch der Anlagen unmöglich ist, sondern daß es eben nur mit Einschränkung funktioniert.

Mattogno geht davon aus, daß sich die Sonderbehandlung auf Leichen, die im Leichenkeller aufgebahrt wurden, bezieht, wobei unklar bleibt, was an einer Lagerung von Leichen besonders sein soll.

Eine neutralere Wertung wäre, daß der vollständige Einsatz der elektrischen Anlage zur Druckluftversorgung der Kremierungsöfen die intensive Nutzung der restlichen elektrischen Anlagen im Gebäude eingeschränkt hätte.

4.2.12. 8. Februar 1943: Tagesbefehl (2/43) vom Kommandanten Höss

Befehl zur »vollständigen Lagersperre« für Birkenau wegen einer Fleckfieberepidemie, verordnet durch General Glücks vom WVHA.[95] Dieses Dokument hat keinen Bezug zur Gaskammerthese, unterstreicht jedoch die Notwendigkeit zur Entwesung des Lagers.

4.2.13. 8. Februar 1943: Provisorische Wäscherei und Krematorium II

Am gleichen Tag, als das Lager unter Quarantäne gestellt wurde, sandten die Deutschen Ausrüstungswerke (DAW) eine Notiz an das Zentralbauamt bezüglich der Gegenstände, die am 5. und 6. Februar bestellt worden waren.[96] Das Memo nimmt bezug auf Befehl 69, 72 und 73 und beschreibt die Lieferung einiger Türen und Fenster für die »Provisorische Wäscherei K.L. Auschwitz« sowie für zwei Fenster für das Krematorium II. Oben rechts auf dem Dokument befindet sich Kirschnecks Name.

Pressac zitierte dieses Dokument lediglich, um die Rolle hervorzuheben, die die Deutschen Ausrüstungswerke beim Bau der Krematorien spielten, geht aber nicht näher darauf ein. Es ist erstaunlich, daß eine Diskussion über eine provisorische Wäscherei im KL. Auschwitz, also im Stammlager, stattgefunden hat, die mit »5 Stück Kellerfenstern« versehen werden sollte, also einem Ort, in dem womöglich auch Entwesung durchgeführt werden sollten. Dieses Dokument könnte ein Hinweis darauf sein, daß Kellerräume für Entwesungsanlagen benutzt wurden.

4.2.14. 11. Februar 1943: Inspektion der Hygieneanlagen

Am 2. Februar 1943 nahm SS-Hauptsturmführer Kother von der Abteilung C VI des WVHA eine Inspektion der Entwesungs- und Badeanlagen in Auschwitz vor.[97] Das war einige Tage nach dem »Vergasungskeller«-Brief. Ein Bericht der Inspektion wurde für General Kammler am 11. Februar verfaßt, und eine Kopie ging an das Zentralbauamt.

Das Dokument beschreibt, wie schmiedeeiserne Begasungsapparate, die ursprünglich für den Einsatz mit Blausäure konzipiert waren (womöglich DEGESCH-Kreislaufkammern), anschließend als Heißluftapparate verwendet wurden. Die Inspektion beschreibt die Ungleichheit der erforderlichen Temperaturen, 30°C für Blausäure und bis zu 95°C für Heißluft, und empfiehlt, daß keines der Blausäure-Begasungsapparate für Heißluft-Entlausungen verwendet werden sollte.

Das Dokument gibt Anweisung zum Bezug von Heißluft-Entwesungsanlagen und spricht von einer dreiwöchigen Lieferfrist. Es deutet ferner darauf hin, daß künftig weder Kohle noch Koks, sondern nur Holz als Heizmaterial für die überlastete Sauna genutzt werden soll.

Nowak zitierte dieses Dokument, um aufzuzeigen, daß ein generelles Verbot existierte, Zyklon B für Entlausungen zu benutzen, was mit den Bedenken Dr. Wirths übereinstimmt, wie bereits oben geschildert. Besonders interessant ist der Bezug auf den falschen Gebrauch der Blausäurekammern zur Heißluftentlausung unter Verwendung von Kohle bzw. Koks.

Wir können anhand der anderen Korrespondenz annehmen, daß der Inspektionsbericht dem Zentralbauamt innerhalb weniger Tage zugeleitet wurde, d.h. am 13. Februar 1943. Der Eingangsstempel dieses Dokument ist allerdings ungewöhnlich: erstens befinder er sich am Ende des dritten und letzten Blattes, anstatt auf dem obigen, rechten Eck der ersten Seite. Zweitens trägt der Stempel das Datum 26. Februar 1943.

4.2.15. 12. Februar 1943, Bischoff informiert Kammler über die Quarantäne

Einen Tag nach Abfassung von Kothers Inspektionsbericht schreibt Bischoff einen Brief an Kammler, worin er ihn über die Lagersperre informiert und berichtet, daß alle Gefangenen entwest werden müssen, und daß hierdurch der Bau wiederum verzögert wird.[98]

4.2.16. 13. Februar 1943, Bischoff schreibt Eirenschmalz über die Quarantäne

Am nächsten Tag, wahrscheinlich nach Erhalt von Kothers Inspektionsbericht, der formell von SS-Standartenführer Eirenschmalz verfaßt wurde, informiert Bischoff Eirenschmalz, über die Lagersperre.[99]

4.2.17. 14. Februar 1943: Tagesbefehl von Kommandant Höss

Ein weiteres Dokument, das die Notwendigkeit der Entwesung unterstreicht, indem betont wird, daß ankommende Transporte sorgfältig entwest werden müssen.[100]

4.2.18. 17. Februar 1943: Bezug zu »Gaskeller« bei Topf & Söhne

Das Dokument wird als Notiz beschrieben, die von Ing. Sander von der Fa. Topf & Söhne stammt, der sich auf ein Telefongespräch mit Karl Schulze, dem für Be- und Entlüftungsanlagen verantwortlichen Ingenieur, bezieht und der gerade aus Auschwitz kam. Es wird von einem fehlenden Belüftungssystem des »Gaskellers« berichtet.[101]

Dieses Dokument ist die Folge des »Vergasungskeller«-Briefes. Natürlich würden die Anhänger der "Menschengaskammer"-These dieses als weiteren Beweis zur angeblichen Nutzung von Leichenkeller 1 zum Massenmord ansehen. Doch ein Gaskeller kann auch ein Gasschutzkeller sein, d.h. eine Art Bunker. Es wäre vorteilhaft, wenn wir eine Kopie dieses Dokuments einsehen könnten.

Bezüglich der Entwesung-These bestätigt dieses Dokument, daß im Leichenkeller 1 des Krematorium II tatsächlich irgendeine Art Entwesungsanlage geplant oder bereits eingebaut worden war.

4.2.19. 18. Februar 1943 Bischoff an Kammler: Entwesung beendet, Arbeit wieder aufgenommen

Noch ein Brief von Bischoff an Kammler, der bestätigt, daß die Entlausung der Häftlinge, die durch die Fleckfieberepidemie erforderlich geworden waren, am 16. Februar 1943 vollendet wurde und daß die Baumaßnahmen wiederaufgenommen worden sind.[102]

4.2.20. 25. Februar 1943: Dr. Wirths besteht darauf, dass weitere Entwesungen notwendig sind

Da diese Korrespondenz aus Auschwitz stammt, gehen wir davon aus, daß Bischhoff den Inhalt am gleichen Tag kannte.[103] Es ist ein Brief von Dr. Wirths an das Amt D III des WVHA, dem Hygieneamt, der die Notwendigkeit der vollständigen Entwesung des unter Quarantäne stehenden Lagers schildert. Amt D III war auch zuständig für die Zuweisung von Zyklon B und damit zusammenhängenden Materialen, z.B. Blausäurerestnachweisgeräten.

4.2.21. 26. Februar 1943: Zentralbauamt Telegramm an Prüfer - Gasprüfer

Am Tag, nachdem Dr. Wirths seine Empfehlungen an das WVHA schrieb, also am gleichen Tag, an dem der Inspektionsbericht vom 11. Februar 1943 bei der Zentralbauleitung einging, sandte diese um 18:20 Uhr ein kurzes Telegramm an die Fa. Topf & Söhne, in dem die sofortige Absendung von »10 Gasprüfern wie besprochen« gefordert wurde.[104] Das Anliegen kam nicht von Bischoff selbst, doch wir meinen, daß er seine Untergebenen damit beauftragt hatte.

Eine "Gaskammer"-Erklärung ist in der Standardliteratur üblich, doch ist sie, wie bereits gesehen, problematisch. Eine mögliche Entwesungsinterpretation ist, daß Bischoff den Bericht von Kother vom 11. Februar zunächst unbearbeitet ließ und informell die Fa. Töpf & Söhne um die Gasprüfer gebeten hatte, wahrscheinlich zur Zeit von Sanders Notiz, also am 17. Februar. Es ist möglich, daß die Blausäurekammern auch als solche benutzt werden sollten, wie im Inspektionsbericht vom 11. Februar genannt. Das Fehlen der Blausäurenachweisgeräte kann teilweise deren unsachgemäße Benutzung erklären. Vielleicht vertraute Bischoff darauf, daß die Fa. Topf mit ihrer Fähigkeit, schwer erhältliche Materialien zu organisieren, diese Blausäuregeräte würde auftreiben können. Der Brief vom Vortag von Dr. Wirths, der mit Sicherheit bei Kammler und dann bei Bischoff landete, war wahrscheinlich der entscheidende Faktor, das Telegramm zu versenden.

4.2.22. 2. März 1943: Prüfers Brief an Bischoff - Keine Gasprüfer für Blausäure

Der Brief wurde innerhalb von drei Tagen aufgegeben und abgelegt, ein weiterer Hinweis für die normale Brieflaufzeit.[105] Prüfer schrieb Bischoff, daß er keine »Anzeigegeräte für Blausäure-Reste« finden konnte, obwohl er bereits zwei Wochen danach suchte. Das wäre ab 2. März ungefähr der 17. Februar, d.h. zur Zeit, als Sanders Notiz über den "Gaskeller" bei der Fa. Topf archiviert wurde. Unserer Meinung nach hat Bischoff höchstwahrscheinlich endgültig den Gebrauch von Blausäure im Leichenkeller 1 des Krematoriums II zu dieser Zeit eingestellt auf Grund dessen, was jetzt folgt.

4.2.23. 6. März 1943: Bischoffs Brief an Prüfer, Gesuch Leichenkeller 1 Vorzuheizen

Am nächsten Tag schrieb Bischoff an die Fa. Topf & Söhne und verlangte Belüftungsinstallationen, die laut vorherigem Brief bereits erörtert worden sind.[106] Diese Belüftungssysteme würden die Warmluft des Raumes, in dem die Saugzuganlagen der Krematoriumsöfen installiert sind, absaugen und dem Leichenkeller 1 zuführen.

Pressac hielt dieses Dokument für eine "kriminelle Spur", weil die "warme" Luft die Temperatur des Leichenkellers ansteigen lassen würde, wodurch die Anwendung von Zyklon B vereinfacht werde. Doch scheint es keine Methode gegeben zu haben, die den Heißluftausstoß regulieren könnte, wie wir noch zeigen werden.

Wenn wir dieses Dokument aber als Beweis zur kontrollierten Erwärmung eines Leichenkellers betrachten, d.h. ihn über den Gefrierpunkt zu halten, dann kann das Papier mehrfach gedeutet werden. Dennoch gibt es einen guten Grund, warum eine derartige Interpretation fraglich ist.

4.2.24. Woche vom 11. März, 1943

Pressac spekuliert, daß sich die während dieser Zeit von Messing in den Kellerräumen des Krematoriums durchgeführten Arbeiten auf die Apparaturen für eine Blausäureverwendung bezogen.[107] Doch angesichts der bekannten Anfrage für Belüftungsventilatoren ist es wahrscheinlicher, daß Messing lediglich die verschiedenen Lüftungsschächte mit den dazugehörigen Gebläsen installierte.

4.2.25. 25. März 1943: Konsens, die Entwesungs-Öfen aus Leichenkeller 1 zu entfernen

Weniger als drei Wochen, nachdem Bischoff Prüfers Plan genehmigte, die Warmluft der Raumes, in dem die Saugzuganlage installiert war, in den Leichenkeller 1 einzuleiten, wurde diese Plan fallen gelassen, da die drei Saugzuggebläse entfernt werden mußten. Das Holzgebläse des Entlüftungsventilators von Leichenkeller 1 wurde anschließend durch einen eisernen ersetzt.[108]

Was war passiert? Die Aufzeichnungen im Memo sind recht knapp gehalten, doch es scheint, daß die Saugzuganlagen durch hohe Ofenabgastemperaturen ausgebrannt waren. Vielleicht war sogar das Holzgebläse des Leichenkellers 1 durch die hohen Temperaturen beschädigt worden. Jedenfalls sprechen wir von sehr hohen Temperaturen, wahrscheinlich höher, als sie für Leichenkeller, für Luftschutzbunker oder für "Menschengaskammern" erforderlich bzw. tragbar gewesen wären. Sollte jedoch die anvisierte "Vorheizung" einen Versuch darstellen, Leichenkeller 1 als (Heißluft-)Entwesungsraum zu nutzen, dann hätte die Umleitung der heißen Luft aus den Räumen mit den Saugzuganlagen durchaus Sinn.

4.2.26. 31. März 1943: »Gasdichte Türme« und zehn Kubikmeter Holz

Der Brief mit den »gasdichten Türme«[59] hat im Kontext mit der Einrichtung des Krematoriums einen interessanten letzten Satz, nämlich die Bitte um zehn Kubikmeter Holz. Im Zusammenhang mit Kothers Inspektionsbericht und den offensichtlich ernsthaften Bemühungen, eine Entwesungsanlage einzubauen, war das Holz unserer Ansicht nach zur Erzeugung von Heißluft zur Entwesung oder von Heißwasser für die Duschen vorgesehen.

4.2.27. 1. April 1943: Dr. Wirths an Bischoff - Erneut drohender Epidemieausbruch

Ein weiterer Brief von Dr. Wirths an Bischoff, der wiederholt auf die erneute vollständige Entlausung wegen des drohenden Epidemieausbruchs aufmerksam macht.[109]

4.2.28. 13. April 1943: Listeneintrag für zwei Topf Heissluft-Entwesungsöfen

Bezug auf zwei Heissluft-Entwesungsöfen in den Topf-Aufträgen mit Bezug auf Krematorium II.[110] Dies ist in Übereintimmung mit den Empfehlungen des Kother-Berichts, angemessene Apparate für die Heißluftentwesung zu beziehen. Das Dokument weist auf einen weiteren Versuch hin, im Krematorium II Entwesungsanlagen zu errichten.

4.2.29. 18. April 1943: Dr. Wirths warnt erneut von bevorstehenden Epidemien.

In einem Brief an den Kommandanten warnt Dr. Wirths erneut vor dem Ausbruch einer Epidemie und beschwert sich dieses Mal über das mangelhafte Abwassersystem des Lagers.[111]

4.2.30. 7. Mai 1943: Dr. Wirths und Bischoff treffen sich mit Kammler

Dieses Memorandum beschreibt den Besuch des Generals Kammler in Auschwitz an diesem Datum, wahrscheinlich um die Meinungsverschiedenheiten zwischen Bischoff und Dr. Wirths zu erörtern.[112] Kammler stimmt Dr. Wirths zu, daß mehr Raum für Entwesung geschaffen werden muß, und gibt Bischoff bis zum 15. Mai Zeit, ihm Vorschläge zu unterbreiten.

4.2.31. 9. Mai 1943: Bischoffs Eintrag über den 7. Mai 1943

Dieses Memorandum ist Bischoffs Darstellung das Treffens vom 7. Mai 1943.[113] Dr. Wirths deutet an, daß er sich 10 neue Entwesungseinrichtungen wünschte, zusammen mit Bädern, damit die vollständige Entwesung des Lagers durchgeführt werden könne.

4.2.32. 16. Mai 1943: Bischoffs Bericht über Sondermassnahmen bezüglich Hygiene

Dieser Bericht Bischoffs ist bereits in Abschnitt 3 unter anderem bezüglich des Einbaus von Duschen im Keller des Krematorium III diskutiert worden.[71] Es ist eine verspätete Reaktion auf die Bitte von Kammler vom 7. Mai, wie bereits oben angemerkt.

4.2.33. 28. Mai 1943: Dr. Wirths bittet um sechs Heissluft-Autoklaven

Das Dokument beschreibt die Bitte von Dr. Wirths für sechs Autoklaven für die Entwesung, ein Gesuch, das aus den vorangegangenen Treffen entstanden ist.[114] Der Ort, wo diese Öfen aufgestellt werden sollen, wird von Nowak, der das Dokument bearbeitete, nicht spezifiziert.

4.2.34. 4. Juni 1943: Bischoffs Brief an die WVHA, »Sondermassnahmen«

Das Dokument ist eine späte Quelle zur Einführung von jenen Sondermaßnahmen, die im Bericht vom 16. Mai 1943 diskutiert worden sind.[115] Es sagt einfach aus, daß die Maßnahmen zu greifen begannen.

4.2.35. 6. Juni 1943: Zeichnung einer Boiler-Installation von Topf

Von Mattogno zitiert, ist dieses Dokument eine Zeichnung von Topf über den Versuch, Boiler in den Heizungen von Krematorium II und III zu errichten.[116]

4.2.36. Juni 1943: Bischoff-Fragebogen

Dieses Dokument ist ein Fragebogen, von Bischoff im Juni oder später ausgefüllt, indem er Auskunft gibt, ob die Abgase von den Krematorien genutzt werden.[117] Bischoffs Antwort ist eine Verneinung und er fährt fort, indem er das Ziel eines derartigen Gebrauchs nennt:

»für Badeanlagen im Krema. II und III.«

Mattogno geht davon aus, daß der Fragebogen im Juni ausgefüllt worden ist, d.h. nachdem der Plan gescheitert war. Doch welcher Plan? Der Plan zur Nutzung der Kremierungsofenabwärme ist nicht derselbe, der die Nutzung der Müllverbrennungsabwärme beschreibt. Es mag sein, daß die Heißluft der Kremierungsöfen sowohl zur Erwärmung von Wasser als auch für die Heißluftentwesung vorgesehen war. Es mag auch sein, daß die Krematorien II und III ab Juni 1943 eine geringe Zahl Warmwasserduschen hatten. Es gibt hier einfach noch zu viele dokumentarische Lücken. Doch eins ist sicher: es wurde versucht, beide Krematorien für Hygienemaßnahmen zu nutzen. Das widerspricht der "Gaskammer"-These.

4.3. Analyse der Interpretation der Entwesung

Wir werden versuchen, dieses Mosaik in einer Weise zusammenzuführen, daß es unsere Entwesungsthese stützt, wobei wir nicht vergessen dürfen, daß das Lager offensichtlich ständig vom Ausbruch einer Fleckfieber-Epidemie bedroht war. Der Bau des Krematoriums kann in diesem Sinne als Gegenmaßnahme betrachtet werden, also als Versuch, die Hygiene im Lager zu verbessern, selbst wenn wir darauf bestehen werden, daß diese Gebäude später anders genutzt wurden.

Grundsätzlich gibt es vier Akteure in diesem Dokumentenaustausch: General Kammler, der Verantwortliche für Bauprojekte des WVHA, Karl Bischoff, der für die Baudurchführung in Auschwitz Verantwortliche, Kurt Prüfer, Bischoffs Geschäftskontakt bei der Fa. Topf & Söhne, und Dr. Wirths, der Standortarzt.

Bischoffs Hauptmotivation war, das Krematorium so schnell wie möglich fertigzustellen, weil er bereits andere Bauprojekte anvisierte, so auch den Bau der Zentralsauna. Die ab Dezember 1942 verhängte Lagersperre und das Verlangen nach einer vollständige Entwesung des Lagers verzögerte jedoch Bischoffs Zeitplan.

Dies ist der Hintergrund der zu dieser Zeit entstehenden Pläne, die Kellerräume der Krematorien anderweitig zu nutzen. Das würde den Bezug zum Sonderkeller im November 1942 erklären. Wir meinen, daß eine wenn auch vage Absicht bestand, einen der Leichenkeller für die Zyklon B-Entlausung zu nutzen. Zu diesem Zweck sind Blausäureentlausungskammern angeschafft worden (womöglich vom Typ "Degesch-Kreislaufanlage"). Es scheint logisch, daß sie im Leichenkeller 1 des Krematorium II errichtet wurden, doch vielleicht waren sie auch zwischenzeitlich im Keller der vorläufigen Wäscherei untergebracht, so wie es am 28. Dezember 1942 und am 8. Februar 1943 geschildert wurde. Jedenfalls wissen wir, daß schmiedeeiserne Blausäurekammern in einigen Fällen unvorschriftsmäßig als Heißluftkammern verwendet wurden.

Die vorgesehene anderweitige Verwendung des Leichenkellers 1 im Krematorium II würde dessen Bezeichnung als »Gaskeller« und »Vergasungskeller« Ende Januar 1943 erklären. Bei Sander von der Fa. Topf wäre ein »Gaskeller« gleichbedeutend mit einer Räumlichkeit, wo irgendwelche Vergasungen stattfinden würden. Bischoff hätte jedoch nie einen derartigen Sprachgebrauch in seiner Korrespondenz mit Kammler gehabt. Als ex-Luftwaffenoffiziere wäre ein "Gaskeller" für sie gleichbedeutend mit "Gasschutzkeller", und damit Sander das begriff, kreierte Bischoff ein neues Wort.

Wegen der von Dr. Wirths im Dezember 1942 festgestellten unbefriedigenden Ergebnisse bei Blausäure-Begasungen wurden die Blausäurekammern dann aber offensichtlich für Heißluftentwesungen zweckentfremdet. Als Kother auf die fehlerhafte Anwendung der Blausäurekammern im Februar aufmerksam machte, versuchte Bischoff, Blausäurerestnachweisgeräte auf unkonventionelle Weise zu erhalten, um eine erfolgreiche und sichere Entwesung mit Blausäure zu gewährleisten. Bischoff kontaktierte Prüfer, teils weil er sein Hauptgeschäftskontakt war, teils weil der ordentliche Behördengang zu lange dauern würde, vielleicht auch, weil Dr. Wirths, der eigentlich für die Beschaffung dieses Materials zuständig war, diese gar nicht hatte auftreiben können. Es ist auch möglich, daß Bischoff Berlin meiden wollte, wo ständig Beschwerden über ihn eingingen. Nebenbei sollten wir bemerken, daß Bischoffs Zuständigkeiten zunahmen. So trug er nicht nur die Verantwortung für die rechtzeitige Durchführung von Baumaßnahmen, sondern auch für den korrekten Ablauf der Hygienemaßnahmen, d.h. er mußte geeignete Räumlichkeiten für die Entwesung zur Verfügung stellen. Das ist eine etwas überraschende Schlußfolgerung, ist aber aufgrund des Berichts vom 16. Mai 1943 zwingend. Wir nehmen an, daß diese Häufung von Zuständigkeiten die Folge der Probleme war, die sich aus der Errichtung der Krematorien ergeben hatte, wobei die Konstruktion der Zentralsauna gelitten hatte.

Nachdem der Plan gescheitert war, Blausäurerestnachweisgeräte zu bekommen, griff Bischoff am nächsten Tag den Vorschlag Prüfers auf, die Abwärme der Kremierungsöfen für die Heizung von Leichenkeller 1 zu nutzen, womöglich, um ihn als Heißluftentwesungskammer zu nutzen. Nachdem die Saugzuganlage jedoch wegen Überhitzung zerstört wurde, mußte auch dieser Plan aufgegeben werden. Ende März bat Bischoff dann um Holz. Wir gehen davon aus, daß er wieder von vorne begann, indem er Holz sammelte, um damit primitive und sogar falsch bediente Entwesungsöfen zu heizen.

Das Finale kam Anfang Mai, als Kammler das Lager besuchte und sich wunderte, warum sich die Bauprojekte verzögerten. Bischoff bat, daß er sein Krematorium zu Ende bauen dürfte, womöglich betonend, daß man eins nach dem anderen fertigstellen sollte. Dr. Wirths drang aber auf den Bau von Entwesungs- und Badeanlagen, die zum Zweck der Lagerhygiene an 10 verschiedenen Stellen gebaut werden sollten - einschließlich in allen Krematorien. Das Memorandum von Bischoff über das Treffen, das von dem späteren Material ergänzt worden ist, verdeutlicht, daß Dr. Wirths sich durchsetzen konnte: Hygiene und Prävention von Krankheiten hatten Vorrang.

Wir möchten betonen, daß der obige Abschnitt eine Rekonstruktion der Ereignisse anhand von Dokumenten ist, wobei einiges etwas spekulativ ist, insbesondere die Serie fehlgeschlagener Experimente im "Vergasungskeller" - Heißluft, Blausäure, Heißluft. Dennoch scheint diese Schilderung besser mit den Dokumentne übereinzusteimmen als alle anderen Erklärungsansätze zur Entwesung. Wir glauben nicht, daß es jemals einen Plan gegeben hatte, Blausäure zur Entwesung eines mit Kleidern gefüllten ganzen Raumes in irgendeinem Krematorium einzusetzen, allein schon wegen der damit verbundenen Gefahren.

Andere Teile des obigen Szenarios hingegen sind kaum angreifbar. Dies betrifft erstens die stets vorherrschende Sorge über das Ausufern von Krankheiten; zweitens die ständige Bitte nach weiteren Entwesungs- und Badeanlagen; und drittens Bischoffs vorhersehbare Reaktionen auf die Arbeitsunterbrechungen und Beschwerden über die hygienischen Zustände, sprich seine Anforderungen von Material, das in unsere Entwesungsthese paßt, oder seine Briefe an Kammler in Berlin, in denen er versichert, daß alle Baumaßnahmen termingerecht erledigt werden würden.

Es sind gerade jene unzweideutigen Elemente in den meisten Dokumenten, die die These von der "Menschengaskammer" unterminieren. Bedenkt man die Sorge um die Ausbreitung von Krankheiten, so wäre unerklärbar, warum durch einen Massenmord noch mehr Leichen hätten produziert werden sollen, wodurch die Seuchengefahr eskaliert wäre. Weiterhin gilt es zu bedenken, daß die Schaffung von Räumlichkeiten für Entlausungen und Entwesungen absoluten Vorrang hatte, also die Rettung von Menschenleben. Dann wäre es aber unmöglich gewesen, die Verwendung wertvollen Raumes zum Massenmord durch Giftgas zu rechtfertigen. Das um so mehr, zumal damals angeblich bereits zwei umgebaute Bauernhäuser für Massenvergasung benutzt wurden.

Wenn wir davon ausgehen, daß die Krematorien II, IV und V mindestens ab Mai alle mit irgendeiner Duschanlage ausgestattet waren, so kann man diese Gebäude nicht als Ort für Massenvergasungen ausgeben, wenn der Lagerarzt zeitgleich händeringend weitere Duschen und Entwesungsanlagen forderte. Auch kann es derartige "Menschengaskammern" nicht im Krematorium II gegeben haben, da die Einäscherungsöfen während dieser Zeit meistens defekt waren.

Im großen und ganzen wird die aus zwei oder drei Dokumenten ableitbare "Gaskammer"-These von der Wucht der Gesamtheit der Dokumente erschlagen, die sich primär mit der Fertigstellung des Krematoriums und der Verbesserung der Hygiene befassen. Es gibt keinen Hinweis in irgendeinem anderen Dokument, daß ein dritter Verwendungszweck - Massenvergasung - je in Betracht gezogen wurde. Selbst jene Dokumente, die unter Annahme bestimmter Axiome die "Gaskamme"-These unterstützen, beweisen nichts. Blausäurerestnachweisgeräte kann man natürlich in Zusammenhang mit Massenvergasungen sehen, doch wird dabei der Kontekt dieser Bestellung außer Acht gelassen und zudem übersehen, daß diese Geräte nie geliefert wurden.

Auch das "Vorheizen" des Leichenkellers kann als Mittel zur schnelleren Verdunstung der Blausäure interpretiert werden, aber dieses Argument kollabiert unmittelbar, da die gesamte Anlage innerhalb kürzester Zeit wieder demontiert wurde. Auch erklärt dies nicht die hohen Temperaturen, die dieses "Vorheizen" offenbar erzeugt hätte. Gäbe es nur diese Indizien für die These von Massenvergasung, so wäre sie ein vollständiger Fehlstart. Im Endeffekt lebt die "Menschengaskammer"-These nur von Zeugenberichten und der Fehlinterpretation der Wortteile »Sonder-« und »Vergasung-«, die tatsächlich mehrdeutig sind und im Zusammenhang betrachtet der traditionellen Interpretation sogar eindeutig widersprechen.

Rückschauend betrachtet ist die wahrscheinlichste Erklärung aus allen zitierten Dokumenten die, daß Versuche unternommen worden sind, die gegebenen Räumlichkeiten des Krematoriums für Entwesungen zu nutzen, sozusagen als Notlösung, bis die Zentralsauna fertiggestellt war. Doch die Kompromisse, die zwischen der Lagerhygiene und dem raschen Bau des Krematoriums geschlossen werden mußten, verzögerten den Bau. Dadurch wird die "Gaskammer"-These sogar noch unwahrscheinlicher, weil sie von einer Priorität ausgeht, die nie in den Dokumenten erwähnt wurde, und wofür, so wie es scheint, weder Mittel, Raum noch Zeit vorhanden waren.

Aus der Widerlegung der "Gaskammer"-These ergibt sich aber nicht, daß die Bunkerthese ebenfalls widerlegt wäre. Denn zur Aufrüstung der Hygieneräumlichkeiten zu Luftschutzeinrichtungen mußten insbesondere im Falle der Keller lediglich einige "gasdichte" Einrichtungen sowie Tür- und Fensterblenden angebracht werden. Da diese Dinge tatsächlich hergestellt wurden und da sie nicht notwendigerweise bei der Entwesung eine Rolle spielten, gehen wir davon aus, daß die Krematorien ab diesem Zeitraum als Zweitfunktion dem Luftschutz dienten.

Wenn wir die Entwesungsthese im ganzen betrachten, kommen wir bei der Betrachtung der Dokumente nicht umhin, Karl Bischoff etwas Sympathie entgegenzubringen. Ihm wurde aufgetragen, mehrere komplizierte Aufgaben zugleich zu lösen. Da er wegen der Priorität des Krematoriumsbaus die Sauna nicht sofort bauen konnte, mußte Bischoff letztlich Räume im Krematorium für Hygienezwecke umfunktionieren. Seine Zeitpläne wurden durch sporadische Fleckfieberausbrüche, unhygienische Zustände und die äußerst verantwortungsbewußten Interventionen des Lagerarztes ständig durchkreuzt. Bischoff hatte es schließlich mit vier Krematorien zu tun, von denen zwei fast sofort ausfielen, mit mindestens drei Entwesungmethoden, die alle versagten, und mit Duschen, die kein heißes Wasser hatten, und zu guter Letzt mit behelfsmäßigen Luftschutzanlagen, die die Erwartungen der Experten nicht erfüllten.

V. Kritik an der Bunkerthese

Wahrscheinlich gibt es nur vier Menschen, die mehr über Auschwitz wissen als alle anderen, nämlich der Direktor des Auschwitz Museums Franciszek Piper, der Franzose Jean-Claude Pressac, der italienische Revisionist Carlo Mattogno und der niederländische Architekturhistoriker Robert van Pelt. Die letzten beiden gaben uns die Ehre einer Kritik. Leider haben sie trotz des Studiums unserer Dokumente die Bunkerthese verworfen.

Mattognos Kritik wurde Anfang 1999 geschrieben und wir haben entsprechend darauf reagiert. Seine Thesen wurden bereits abgehandelt und werden deshalb hier nicht wiederholt. Außerdem beinhalten seine Artikel viel zusätzliche, aber unwesentliche Details. So versuchte er zu beweisen, daß die Keller der Krematorien keine Luftschutzbunker sein konnten. Sicherlich hat seine Kritik gute Ansätze, schließlich waren wir dadurch in der Lage, gewisse Ungereimtheiten zu beseitigen, die durch unser zu blindes Vertrauen in Pressacs Version auftraten. Allerdings löste er das Problem der "gasdichten" Ausrüstung nicht, worauf wir in unserer Erwiderung hinwiesen. Sein zweiter Einwand war unseres Erachtens nach keinen Kommentar wert, so daß wir ihn nicht weiter berücksichtigen.

Generell nutzte er seine Kritik, um eine sehr eigenwillige, exzentrische Fassung der Entwesungstheorie zu beweisen. Exzentrisch deshalb, weil er trotz angeblich mehrfachen Studiums der Moskauer Archive niemals den Bischoff-Bericht vom 16. Mai 1943 heranzog, um seine Argumentationen zu untermauern. Dabei hätte dieser ihn maßgeblich unterstützt. Eigentümlich ist auch Mattognos Behauptung, es habe vor dem 16. November 1943 niemals Luftschutzbunker gegeben. Er ignorierte hier die Fülle des Materials über zivile Luftschutzbunker, die in den Moskauer Archiven lagern.

Professor van Pelts Kritik an der Luftschutzbunker These ist in seinem Gutachten und bei seiner Zeugenaussage im Irving ./. Lipstadt Prozeß zum Ausdruck gekommen. Sie ist sachlicher als die von Mattogno, aber beinhaltet viele Fehler. Wir beschränken uns auf eine Zusammenfassung seiner Aussagen und unsere Anmerkungen dazu, denn aus urheberrechtlichen Gründen können wir sein Gutachten nicht in voller Länge wiedergeben.

Wilhelm Stäglichs erstmalige Interpretation der Ausrüstungen zu Luftschutzzwecken aus dem Jahr 1979 veranlaßten van Pelt zu seiner primären Kritik der Luftschutzbunker-These. Er nennt die Benutzung der Keller von Krematorien II und III als Luftschutzbunker »völligen Blödsinn«, da sie nicht als Bunker gebaut wurden und da es problematisch sei, in einem Platz Schutz zu suchen, wo Leichen gestapelt werden.[118]

Diese Kritik entspricht der von Mattogno, aber sie überzeugt bei beiden nicht. Es hat ja niemand behauptet, daß die Leichenhallen zu diesem Zweck errichtet wurden. Dies ist lediglich ein alternativer Verwendungszweck. Aber diese Keller wurden mit "gasdichten" Türen ausgestattet einschießlich Spionen mit 8 mm dickem Doppelglas und Schutzgittern. Dies legt die Vermutung nahe, daß sie für Luftschutzzwecke gebaut wurden. Die logische Folgerung ist daher, daß diese Keller zwar nicht primär, sehr wohl aber als Ersatz- oder Hilfsbunker dienen konnten. Dies scheint sowohl Mattogno als auch van Pelt zu entgehen.

Ein Vergleich der Birkenauer Krematorien mit dem umgebauten Krematorium in Auschwitz ist sinnlos. Der Umbau von Krematorium I war vollständig, die nicht funktionierenden Öfen wurden entfernt. Die Krematorien in Birkenau hingegen behielten ihre Hauptfunktion bei. Die zu erwartenden Anpassungen konnten daher nur minimal sein, und das waren sie auch, da lediglich "gasdichte" Türen, Blenden, Schutzwände und zwei Notausgänge in die Krematorien II und III eingebaut wurden. Diese Veränderungen standen nicht im Widerspruch zum eigentlichen Zweck dieser Anlagen.

Mattognos Kritik bezüglich Leichen in den Kellern ist berechtigt. Niemand möchte Schutz zwischen Leichen suchen, doch in der Not ist dies besser, als Bomben auf den Kopf zu bekommen. Aber die hypothetische Anwesenheit von Leichen widerspricht jeder anderen Nutzungsweise noch viel mehr, denn diese würden die Nutzung des Raumes zur Entwesung oder als Menschengaskammern unmöglich machen. Es ist unglaublich, daß gerade van Pelt dieses Argument strapaziert, wo er doch öfters das Dokument vom 28. Juni 1943 zitiert, welches für die Krematorien II und III eine Kapazität von 1,440 Einäscherungen pro Tag angibt. Unter dieser Voraussetzung müßten die Leichenkeller ständig leer sein!

Unserer Meinung nach verstehen weder Mattogno noch van Pelt den Unterschied zwischen der Umrüstung eines bestehenden Raumes zu einem Hilfs-Luftschutzbunker und den gesetztlich vorgeschriebenen Bauvorschriften für einen Vollschutzbunker. Obwohl es Dokumente gibt, die die Bunkerthese stützen, heißt das natürlich nicht, daß man gegen derart ausgestattete Krematorien mit unmittelbaren Luftangriffen rechnete. Sollte dieser Fall jedoch eintreten, so konnte man augenblicklich aufhören, den Leichenkeller als solchen zu nutzen, und ihn statt dessen als Luftschutzbunker nutzen. Pohls Empfehlungen aus dem Jahre 1944 legen nahe, daß die Leichenkeller der Krematorien II und III zu diesem Zeitpunkt nicht als Leichenkeller genutzt wurden.

Bemerkenswert im Zusammenhang mit dem »Vergasungskeller«-Dokument ist doch, daß dieser Keller im Januar offenbar nicht primär als Leichenkeller, also zur Aufbewahrung von Leichen vorgesehen war.

Van Pelt führte weiter an, daß die Krematoriumskeller etwa 2,5 km von den SS-Baracken entfernt waren.[118] Dieses Argument ist ebenfalls schwach, und zwar aus mehreren Gründen. Die Krematorien wurden mit Kellern ausgestattet und ganz am Ende des Lagers errichtet. Die Benutzung der Keller als Luftschutzbunker wäre somit nur ihre untergeordnete Funktion. Es wäre daher sinnlos, die Krematorien neben den SS-Baracken zu errichten, nur damit ihre untergeordnete Funktion gewährleistet gewesen wäre. Es ist aber nach damaligen deutschen Bauvorschriften geradezu selbstverständlich, daß die Kellerräume dieser Neubauten für den Luftschutz ausgerüstet wurden. Die Argumentation, diese Keller hätten wegen ihrer Entfernung zu den SS-Baracken für die SS keine Schutzfunktion gehabt, käme der Behauptung gleich, die Deutschen hätten sich nicht darum gekümmert, neue oder bestehende Gebäude für Luftschutzwecke auszubauen, und zwar sowohl für SS-Männer als auch für Häftlinge, aber genau das haben sie damals überall getan.

Aus der Korrespondenz zwischen Himmler, Glücks und Pohl wissen wir, daß die Sicherheit im Falle von Luftangriffen eine erhebliche Rolle spielte. Die einzigen im westlichen Teil des Lagers befindlichen stablien Strukturen, die Zentralsauna und die Krematorien, boten den SS-Wachen eine ausgezeichnete Möglichkeit zur Kontrolle dieses Lagerabschnittes, sollte es infolge eines verheerenden Luftangriffes zu einem massiven Ausbruchsversuch kommen. Außerdem bildete dieser Lagerabschnitt den geschäftigsten Teil des Komplexes, da sich die Krematorien, die Zentralsauna, die Kanada-Effektenbaracken, die Wasseraufbereitungs- und die Kläranlagen hier befanden. Naturgemäß war daher dort viel SS-Personal bei Wach- und Aufsichtstätigkeiten zugegen. Ihre Anwesenheit wirft die Frage nach der Benutzung der Keller im Falle von Luftangriffen auf. Zweifelsfrei wurden die Räumlichkeiten entsprechend zugewiesen, etwa im Rahmen der Besprechung der Lagerverwaltung über die Zuweisung von vier Stahlbetonbunkern für die SS und die Blockführer.

Etwas später in van Pelts Gutachten erfolgt eine ausführliche, aber fehlerhafte und oberflächliche Diskussion unserer Argumente.[119] Van Pelt geht bei seinen Ausführungen über die Bunkerthese davon aus, daß Irving, der einen Internet-Link zu unserem Hauptartikel einfügte, unser "elektronischer Publizist" sei. Obwohl er unsere zwei Hauptartikel Technik und Schutz anführt, hat er sie offenbar nicht gelesen.

Zuerst verneint er unsere These, daß die Keller der Krematorien eine dreifache Nutzungsweise boten, nämlich primär als Leichenkeller und sodann hilfsweise als Bunker sowie als Entlausungs- bzw. Entwesungsräume. Für ihn macht diese Argumentation »überhaupt keinen Sinn« und es gäbe »keinerlei Indizien«, die eine solche Idee der vielfältigen Nutzung unterstützen.

Diese Kritik wird jedoch vollständig durch den Bischoff-Bericht vom 16. Mai 1943 widerlegt. Außerdem besprachen wir unsere Überlegungen dazu in der Nachbewertung der "kriminellen Spuren".

Etwas später argumentiert van Pelt, daß die Bunkerthese den überirdischen Krematorien IV und V nicht gerecht werde. Diese Bauten hätten selbstverständlich im Falle eines direkten Treffers keine große Sicherheit geboten. Wahrscheinlich traf dies für alle Schutzbunker in Auschwitz zu. Im gewöhnlichen zivilen Luftschutz waren jedoch gerade überirdische Bunkeranlagen üblich. Wie bereits erwähnt, wurden einfache Holzstreben und andere Materialien zur Wand- und Deckenverstärkung benutzt. Die westlichen Räume der Krematorien IV und V besaßen außerdem an den Decken feuersichere Heraklith-Platten sowie gassichere Fensterläden und boten somit Schutz gegen Bombensplitter und Brandgeschosse. Im Falle eines Giftgasangriffes konnten diese Räumlichkeiten sogar als Entseuchungsorte dienen, da sie mit Waschanlagen ausgestattet waren. Obgleich sie als Luftschutzbunker gegen direkte Bombentreffer untauglich waren, konnten sie dennoch als Schutzeinrichtungen gegen Bombensplitter benutzt werden, und gegen Gasangriffe waren sie allemal brauchbar. Außerdem zeigt Pressac Bildmaterial, wonach der Teich östlich des Krematoriums IV spätestens seit dem 20. März 1943 als Feuerlöschteich benutzt wurde.[120] Sicherlich kann ein solcher Teich vielen Zwecke dienen, aber er paßt zu den Luftschutzmaßnahmen, und solche wurden, wie bereits erwähnt, in den nachrangigen Dokumenten über Luftschutz beschrieben.

Letztlich müssen die Kritiken von Mattogno und van Pelt bezüglich der Krematorien IV und V im Zusammenhang mit den von ihnen vorgeschlagenen Alternativen betrachtet werden. In der Zusammenfassung kommen wir auf dieses Thema zurück.

Van Pelt merkt ferner an, daß niemand nach 1945 auch nur darauf kam, die "gasdichte" Ausrüstung der Krematorien als Luftschutzbunker zu definieren.[121] Seine Logik des "es gab keinen Grund dafür, weil es keinen Grund dafür gab" ist irrational, und die hier vorgestellten Dokumente beweisen, daß es sehr wohl Anlaß gab, Luftschutzbunker zu errichten. Erstens ist da die Anwesenheit höherer Auschwitz-Offiziere wie Kramer, Höß, Baer und sogar Dr. Münch während der erwähnten Konferenz vom 26. Juni 1944. Sie alle wurden nach dem Krieg vor Gericht gestellt und müßten gewußt haben, was eine "gasdichte" Tür in Auschwitz war. Offenbar hat aber keiner der Angeklagten versucht, seine "Schuld" durch den Hinweis auf eine solche entlastende Bedeutung zu mindern oder gar zu widerlegen. Allein das ist ungewöhnlich und läßt Rückschlüsse auf die Bedingungen zu, unter denen diese Personen angeklagt und verurteilt wurden.

Abbildung 12: Das zusammengefallene Dach von Leichenkeller 1 des Krematoriums III mit der Betonröhre als Notausgang sichtbar in der hinteren Mitte. Vgl. dazu Abbildung 10, die Innenansicht der Röhre mit Steigeisen.

Zweitens beweisen die hier gezeigten Dokumente eindeutig, daß ab dem Frühjahr 1944 "gasdichte" Türen mit Spionen in Lutschutzdeckungsgräben benutzt wurden, um die SS und einige Gefangenen vor Giftgasangriffen zu schützen. Im gleichen Atemzug behauptet die traditionelle Diktion aber, diese Türen seien zur Vergasung von einer Million Gefangenen genutzt worden. Diese doppelte Nutzungsweise wäre sicherlich eines Kommentars wert gewesen, und zwar nicht nur durch die Polen im Jahr 1945, sondern seitens aller Auschwitz-Historiker.

Anschließend beschuldigt uns Van Pelt, wir würden »Auschwitz-Forscher beschuldigen, (nicht existierende) Beweise zu unterschlagen«, die für unser Verständnis der Gaskammern maßgebend sind.[121] Wenn man mit einem Ding konfrontiert wird, das angeblich dazu verwendet wurde, um Hunderttausenden von Menschen umzubringen, so halten wir es für grundlegend, daß man herausfinden will, woher das Ding kam, wer es nach welchem Plan baute und warum. Auch wenn man darin übereinstimmen würde, daß viele Menschen mit Hilfe dieser Luftschutztüren vergast wurden, so wäre der Ursprung dieser Türen im zivilen Luftschutz dennoch wichtig, um festzustellen, wann und wie dieses angenommene Mordprogramm geplant wurde. Eine "gasdichte" Türe mit einem Guckloch ist eine Luftschutztür, egal, wofür sie letztlich verwendet wurde, und die Behauptung früherer Historiker (sowie polnischer, sowjetischer und deutscher Gerichte), daß derartige Türen ein erstklassiger Beweis für die Gaskammern seien, kann angesichts des neueren Kenntnisstandes schlicht nicht aufrecht erhalten werden.

Van Pelt verpackte seine Bemerkungen über unserer flüchtige Darlegung der Bunkerthese mit der Behauptung, diese könne seriöser Kritik nicht standhalten, weil sie »wenig Sinn« habe und weil sie »den damit verbundenen Konsequenzen« ausweiche wie etwa, die Beschaffenheit "gasdichter" Ausrüstungen von Krematorien in anderen Lagern zu überprüfen.[121]

Diese Kritik ist angebracht, denn eine vergleichende Prüfung der Ausrüstungen anderer Lager wäre sicherlich die Methode der Wahl, stünde dem nicht im Wege, daß die diese Lager betreffenden Unterlagen noch weit weniger zugänglich sind als jene von Auschwitz. Diese Frage wurde aber in Schutz sowie in unveröffentlichten Arbeiten in gewissem Ausmaß untersucht, und es scheint, daß es in den verschiedenen Lagern vergleichbare Ausrüstungen des Luftschutzes und Giftgasschutzes gab. Es weiß ja jeder, daß die Ausstattung der Krematorien mit Duschen üblich war und daß die Duschen in Dachau und Mauthausen mit gasdichten Türen bestückt waren. Wenn Prof. van Pelt also zu argumentieren wünscht, daß diese Duschen Gaskammern waren, dann würde es seiner Darstellung sicher nützen, wenn er die mit seiner eigenen These »verbundenen Kosequenzen« anführte, daß nämlich jeder Raum mit einer einigermaßen provisorisch "gasdicht" gemachten Türe immer auch eine Gaskammern war.

Van Pelt setzt dann seine Diskussion der Bunkerthese mit den drei Dokumenten fort, die der britische Historiker David Irving Anfang 1998 erhielt. Das schloß auch unsere dazu aus dem Stegreif gemachten Kommentare ein, womit sich seine Abhandlung unserer Argumente allerdings auch schon erschöpft.

Er behauptet, die 176 in den zwei Dokumenten des Jahres 1943 beschriebenen vorgefertigten Betonbögen hätten lediglich als 2-Mann-Bunker im Umreis des Lagers gedient und nicht als größere, geschweige denn als "gasdichte" Schutzeinrichtungen.[122]

Nicht nur der Mirbach-Bericht über die Inspektion zeigt, daß er auch hier irrt, sondern auch die anderen hier angeführten Dokumente beweisen eindeutig, daß diese Luftschutzdeckungsgräben gasundurchlässig sein sollten. Wir haben zwar sowohl die Anzahl der Schutzeinrichtungen wie deren Aufstellungsmöglichkeiten in Birkenau überschätzt, nicht aber das Vorhaben, diese als Schutzeinrichtungen für die Lagerinsassen zu benutzen.

Van Pelts nächste allgemeine Kritik unserer These betrifft die Krematorien. Er behauptet, in keinem der Pläne seien Gassperren oder Notausgänge eingezeichnet.[122] Van Pelt kann offenbar nicht zwischen geplanter und alternativer Nutzung unterscheiden. Tatsache ist, daß alle vier Krematorien Notausgänge und Vorräume besaßen, welche als Gassperren benutzt werden konnten. Die "Gaskammern" der Krematorien IV und V hatten extra Türen und die Krematorien II und III besaßen tatsächlich Betonröhren als Notausgänge. Diese wurden bereits als solche im zweiten Teil von Schutz definiert.

Anschließend argumentiert van Pelt, die Deutschen hätten niemals Schutzräume für die Lagerinsassen gebaut. Er unterstützt diese Ausführung, indem er die Memoiren von Primo Levi zitiert.[123] Die hier vorgebrachten Dokumente machen eine Erwiderung überflüssig. Die Deutschen planten eine Anzahl von Schutzräumen und viele davon waren für die Lagerinsassen gedacht.

Im gleichen Stil behauptet van Pelt, daß nur Krematorium I solide Strukturen zur Anpassung an Luftschutzmaßnahmen besaß.[124] Aus dem Bericht der Mirbach-Inspektion vom Dezember 1943 und aus dem Konferenz-Protokoll vom 26. Juni 1944 geht eindeutig hervor, daß eine erhebliche Nutzung vorhandener Strukturen für den Luftschutz geplant war, und zwar sowohl für die SS als auch für die Lagerinsassen. Die Ausrüstung dieser vorhandenen Strukturen für den allgemeine Luftschutz, wie zum Beispiel mit "gasdichten" Türen, ist eine logische Schlußfolgerung. Außerdem zeigen die Aufzeichnungen der Konferenz vom 26. Juni 1944, daß eine Anzahl von Luftschutzgräben für die Gefangenen geplant wurde, und andere Dokumente belegen, daß diese mit "gasdichten" Türen und Lüftungskaminen ausgestattet wurden.

Van Pelt schließt seine Diskussion der Bunkerthese mit einer Aufforderung an uns, ihm einige Beweise über die »Hunderten« von "gasdichten" Luftschutztüren zu übermitteln, die wir bei unserer Korrespondenz mit David Irving angaben. Er behauptet, daß er nur sehr wenig kenne, und diese hätten alle mit den mörderischen Gaskammern zu tun.

Es ist sicher möglich, daß wir in unserer Korrespondenz mit Irving die Zahl der zu erwartenden "gasdichten" Türen zu hoch angaben. Aber alleine in den hier behandelten Dokumenten fanden wir Bezüge auf etwa 150-200 "gasdichte" Türen für Luftschutzzwecke. Wir möchten aber betonen, daß unsere Zählung auf unvollständigen Dokumenten beruht und daß diese Doppelzählung enthalten kann. Eine umfassendere Studie könnte allerdings zu noch höheren Zahlen "gasdichter" Luftschutztüren kommen. In Fällen wie diesem ist es der Amateur, der den hoch dotierten und gefeierten Experten herausfordert und nicht umgekehrt.

Die Kritiken der Bunkerthese zusammenfassend kommen wir zu dem Ergebnis, daß Mattognos und van Pelts Bemühungen ziemlich schwach sind, da sie lediglich negativen Charakters sind. Statt von der unanfechtbaren Beobachtung heraus zu agieren, daß die "gasdichten" Ausrüstungen der "kriminellen Spuren" nichts weiter als zivile Luftschutzausrüstung waren, gehen sie von der Prämisse aus, daß die Krematorien niemals als Luftschutzbunker hätten dienen können. Anstatt von innerhalb unserer These zu argumentieren, zogen sie es vor, nur nach Gründen für deren Ablehnung zu suchen. Wir halten dies weder für producktiv noch für intelligent.

Der richtige Ausgangspunkt wäre eine Überprüfung, ob die "gasdichte" Ausrüstung der Birkenauer Krematorien identisch mit zivilen Luftschutzausrüstungen war oder nicht. Wenn dieser Punkt geklärt ist, muß folglich die Frage erörtert werden, warum das so ist bzw. wie dies möglich war. Selbstzufrieden mit ihrem Fachwissen und ihrer Kenntnis der mehr als 80.000 Seiten der Zentralbauleitung geben sich beide keine ernsthafte Mühe, die Gründe ihre Ablehnung zu überprüfen. Keiner von ihnen bemerkt das Ausmaß der Maßnahmen, Anordnungen, Vorschläge, geschweige denn der Beschreibungen von Ausrüstungen und Anlagen für den zivilen Luftschutz, die überall in den Akten der Zentralbauleitung zu finden sind. Dies ist überraschend und bedauerlich zugleich.

Wir schließen daraus, daß weder Mattogno noch van Pelt in der Lage sind, die Bunkerthese ernsthaft zu widerlegen, da ihre Argumente durch die Dokumente, die sie angeblich so genau kennen, widerlegt werden. Dies trifft besonders für van Pelts Ausführungen zu, dessen Bemerkungen zur Luftschutzthese fast allesamt entweder recht naiv sind oder mittels der hier vorgestellten Dokumente widerlegt wurden.

Wir neigen nicht dazu, die Werke anderer Historikern zu kritisieren, insbesondere wenn sie sich jahrelang auf ihr Gebiet spezialisierten. Nicht, daß wir ein Problem damit hätten, daß Mattogno und van Pelt die Luftschutzthese rundum ablehnten, abgesehen vielleicht davon, daß uns dies daran hindert, zur Wahrheit vorzudringen. Insbesondere angesichts van Pelts Kritik müssen wir festzustellen, daß sein Urteil weitreichendere Folgen hatte, nämlich ein Gerichtsurteil, das auf seiner Ablehnung der Luftschutzthese ruht, ohne daß er die dafür ausschlaggebenden Werke studiert hat. Wir sind sicher, daß van Pelt ein pflichtbewußter und hingebungsvoller Profi ist, der sich seinem Thema voll widmet. Dennoch ist seine voreilige Ablehnung der Luftschutzthese von nachteiliger Wirkung für Wissenschaft und Gerechtigkeit.

VI. Schlußbetrachtung

Als wir erstmalig vorschlugen, die "gasdichten" Ausrüstungen in Auschwitz-Birkenau im Rahmen des Luftschutzes zu erklären, gingen wir davon aus, daß die Experten die Sache untersuchen würden, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Bisher haben sie nichts dergleichen getan.

Das Leitargument von Technik besagt, daß die "gasdichte" Ausrüstung, wie sie in Pressacs "kriminellen Spuren" beschrieben werden, identisch sind mit deutschen Luftschutz-Einrichtungsgegenständen. Dieses Argument wurde niemals erfolgreich widerlegt und wir glauben nicht, daß dies jemals gelingen wird.

Auf Technik aufbauend, versuchten wir eine Ergänzung der These, indem wir nach Beweisen für das Vorhandensein "gasdichter" Teile und anderer ziviler Luftschutzausrüstungen in Auschwitz und anderswo forschten.

Von den Hunderten, wenn nicht gar Tausenden von Dokumenten der Zentralbauleitung in Auschwitz wurden dreißig vorgestellt, die bezeugen:

Dieser Sachverhalt berechtigt uns zu der Folgerung, daß hochrangige zivile Luftschutzmaßnahmen bereits seit 1940 eingeführt wurden, wobei diese ab 1943, wahrscheinlicher sogar ab Herbst 1942, eine erhöhte Aufmerksamkeit genossen. Ferner erlauben wir uns, weitere Schlußfolgerungen zu schließen:

Erstens, daß die festen Strukturen der Krematorien und der Zentralsauna selbstverständliche und unausweichliche Ausgangspunkte für den zivilen Luftschutz bildeten, da sie im Falle eines Luftangriffes Bollwerke gegen Massenausbrüche oder Lageraufstände darstellten.

Zweitens, daß die Krematorien II und III sowie die Zentralsauna als einzige Gebäude mit Kellergeschoß selbstverständliche und unausweichliche Kandidaten für eine Umrüstung zu Luftschutzbunkern darstellten, wobei dies ab Juni 1944 eine kritische Phase erreicht haben muß. Diese Schlußfolgerung impliziert, daß die Keller dieser Anlagen weder im ursprünglich vorgesehenen Sinn noch in irgendeinem anderen außergewöhnlichen Sinn genutzt wurden. Diese Annahme wird durch die Empfehlungen General Pohls vom Juni 1944 gestützt, sechs Leichenhallen zu errichten.

Somit kommen wir zu dem einstweiligen Schluß, daß sich die Luftschutzthese als wertvoll erwiesen hat zur Erklärung "gasdichter" Ausrüstungen in Auschwitz-Birkenau. Da dies aber nicht den Zweck der "gasdichten" Ausrüstung der vier Krematorien in Birkenau erklärt, gehen wir nochmals auf diese Frage ein.

Die "gasdichte" Ausrüstung in den "kriminellen Spuren" ist mit der des zivilen Luftschutzes identisch und es bestehen keine Zweifel über ihre Herkunft als solche. Zwingende Beweise werden durch die Tatsache erbracht, daß die bereits im Jahr 1982 von Pressac im Lagerraum von Krematorium I entdeckten "kleinen Türen" nichts mit den der Krematorien IV und V zu tun haben. Die Läden sind zu groß und somit sicherlich ein Überbleibsel der "gasdichten" Fensterblenden, welche für Krematorium I nach dessen Umwandlung im Jahr 1944 gebaut wurden.

Es bleibt die Frage nach der Plausibilität der Luftschutzthese zur Erklärung anderer "gasdichter" Ausrüstungsgegenstände im Vergleich zur Entwesungs- oder Gaskammerthese. Auch hier ist nicht mehr von Interesse, was diese Gegenstände waren, sonder warum sie Anfang 1943 installiert wurden.

Bezüglich der Entwesungsthese ist unbestritten, daß die Lagerhygiene bei der Zentralbauleitung seit dem Sommer 1942 höchste Priorität hatte, da man die Sterblichkeitsrate unter Kontrolle zu bringen versuchte. Die beabsichtigte doppelte Nutzung der Krematorien zu Entwesungszwecken für die Lagerinsassen, Duschanlagen eingeschlossen, wurde nachgewiesen. Zusammen mit anderen erwähnten Dokumenten meinen wir, daß die Entwesungsthese einige "kriminelle Spuren" hinreichend erklärt. "Gasdichte" Ausrüstungen sind in diesem Zusammenhang aber überflüssig, und zwar nicht nur für die Krematorium IV und V, wo es zudem keine Lüftungsanlage gab, sondern auch in den Krematorien II und III, deren Duschen keine "gasdichte" Türen mit Spionen benötigten. Außerdem gibt es weder in der Entwesungsliteratur noch in den bisher entdeckten Dokumenten Anhaltspunkte für den Einsatz von Luftschutztüren und -läden bei Entwesungen.

Die Glaubwürdigkeit der "Gaskammer"-These wird durch die Verwendung des Leichenkellers 1 von Krematorium III als Duschanlage und der anscheinend gleichen Nutzungsweise des Kellers von Krematorium II unterhöhlt. Hinsichtlich der Krematorien IV und V unterhöhlt die architektonische Anordnung der Räume alle Argumente, diese Räume seien "irgendwie" für den Massenmord benutzt worden.

Somit bleiben als einzige Stützen für die "Gaskammer"-These nur Zeugenaussagen. Sofern die Befürworter der "Gaskammer"-These nicht bereit sind zuzugeben, daß Dokumente über Entwesung und zivilen Luftschutz ihre These ergänzen, sind diese Historiker darauf angewiesen, ihre These allein von der Interpretation der Aussagen von Überlebenden und angeblichen "Tätern" abhängig zu machen.

Die Dokumente aber, die von uns überprüft wurden, lassen schwerwiegende Zweifel über die fundamentale Glaubwürdigkeit der scheinbaren Konvergenz der Zeugenaussagen aufkommen. So waren z.B. die Duschen in den Krematorien mit Sicherheit echt, und das würde den Augenzeugenberichten widersprechen, inklusive allen Zeugenaussagen, auf die sich van Pelt stützt.

Anläßlich des Umbaus von Krematoriums I zu einem "gasdichten" Operationsraum und Luftschutzbunker wurde die gesamte Arbeit aufgelistet, die für diese Maßnahme erforderlich wurde, sowie alle nötigen Materialien. So wurde erwähnt, daß Löcher im Kesselraum abzudichten gewesen seien, jedoch nichts über ähnliche Löcher in der Leichenhalle. Die Notwendigkeit von Luftschutztüren, Heizungen und Lüftungssystemen wurde erwähnt, nicht aber, ob das Material vorhanden war. Dies kompromittiert die Glaubwürdigkeit jener Zeugen, die behaupten, daß Vergasungen in Krematorium I stattgefunden hätten, denn diese Liste durchzuführender Arbeiten und einzurichtender Ausrüstungen läßt schließen, daß es zur Zeit angeblicher Vergasungen eben keine Heizungen, Lüftungssysteme, "gasdichte" Türen und Löcher in der Decke gegeben hat.

Schließlich waren bei der Konferenz vom 26. Juni 1944 viele der Führungskräfte von Auschwitz vertreten, und vielen ist auch nach dem Krieg der Prozeß gemacht worden. Allen mußte die damals in Deutschland normale, vielmillionenfache Anwendung einer "gasdichten" Tür mit Spion bekannt gewesen sein, doch hat scheinbar keiner je die Übereinstimmung zwischen den Luftschutztüren und jenen angedeutet, die angeblich bei den Vergasungen Hunderttausender benutzt worden sein sollen. Keinem Augenzeugen fiel jemals die Ähnlichkeit auf. Eine solche offensichtliche Vermeidung des Themas in den Nachkriegsberichten ist besonders schwerwiegend, zeigt es doch entweder vorsätzliche Auslassungen, oder ein Klima, das die Unterdrückung entscheidender Fakten begünstigte.

Während die Entwesungs- und "Gaskammer"-These weiterhin ihre Anhänger haben wird, meinen wir dennoch, daß die "gasdichten" Vorrichtungen der Birkenauer Krematorien, die seit Anfang 1943 angebracht worden sind, dem zivilen Luftschutzes dienten. Abgesehen von den offensichtlichen Gründen für diese Annahme - diese Vorrichtungen stammen ursprünglich aus dem zivilen Luftschutz - führen wir folgende Argumente für unsere These an:

Erstens: Krematorium II und III wurden beide mit Notausgängen versehen. Die betonierten Röhren an der westlichen Wand beider Leichenkeller 1 sind eindeutig Notausgänge. Die einzige Frage ist, wann sind sie angebracht worden. Wir meinen, nicht später als im Frühjahr 1944.

Zweitens: Krematorium III und wahrscheinlich Krematorium II hatten Duschen. Effektiv wird damit die "Gaskammer"- und die Entwesungsinterpretation der "gasdichten" Einrichtungen widerlegt, und diese Interpretation läßt sich sodann auf die anderen "gasdichten" Vorrichtungen extrapolieren.

Drittens: Krematorium IV und V hatten offenbar mehr "gasdichte" Türen, als weder Entwesungskammern noch "Menschengaskammern" je gebraucht hätten. Es gibt weitere strukturelle Probleme mit diesen Krematorien. Es sollte offensichtlich sein, daß die Anwendung von Giftgas in den westlichen Räumen ohne Lüftung zu einer Begasung des gesamten Gebäudes geführt hätte. Daher konnten die "gasdichten" Einrichtungen dieser Räumlichkeiten, und somit wahrscheinlich auch der anderen Krematorien, nichts mit Entwesung oder "Gaskammern" zu tun haben.

Viertens wurde der Teich östlich des Krematoriums IV bereits im März 1943 als Feuerlöschteich genutzt. Dieses Reservoire konnten für vielerlei genutzt werden, und wir dürfen die Brandgefahr nicht vergessen. Die Nutzung derartiger Feuerlöschteiche ist eng gekoppelt mit der Einführung ziviler Luftschutzmaßnahmen in Auschwitz.

Fünftens: Krematorium IV und V wurden mit Verdunklungslampen ausgestattet, wenige Wochen, nachdem die "gasdichten" Türen für das Krematorium versandt worden waren. Wir meinen, daß die zeitliche und räumliche Nähe dieser Verdunklungslampen mit den "gasdichten" Einrichtungen aus dem zivilen Luftschutzbereich zu eng ist, als daß es ein Zufall sein könnte.

Sechstens: wir meinen, es ist wichtig, die betroffenen Persönlichkeiten zu berücksichtigen. Kammler und Bischoff waren beide ex-Luftwaffenoffiziere und kannten die Bedingungen des zivilen Luftschutzes ganz genau. Wir erachten es als höchst unwahrscheinlich, daß Bischoff die ihm verordneten Richlinien nicht eingehalten hätte. Sollte er damit nicht erfolgreich gewesen sein, hätte ihn Kammler bestimmt daran erinnert.

Schlußendlich meinen wir, daß die Luftschutzthese ausreichend bewiesen worden ist. Ohne Zweifel spielt die deutsche Literatur über den zivilen Luftschutz ein überragende Rolle, um die "gasdichten" Einrichtungen in Auschwitz Birkenau korrekt zuzuordnen. Die ausschlaggebende Gleichheit der "gasdichten" Türen, Blenden und Lüftungsschächte sowohl in den Birkenauer Krematorien, im Krematorium des Stammlagers, als auch in den vielen Schutzgräben ist dargelegt worden. Die einzige logische Erklärung für diese Gegenstände des zivilen Luftschutzes ist daher, daß sie für den zivilen Luftschutz gedacht waren, und nur diese Funkion kann sogar indirekt anhand der Dokumente bewiesen werden.

Natürlich können wir uns irren. Künftige Forscher könnten unsere Bestandsaufnahme einfach anhand der Akten über das Vorhandensein gasdichter Einrichtungen in der Zentralsauna und in den anderen Konzentrationslagern testen, besonders in anderen Krematorien. Wir selbst können nicht mehr tun und erwarten die Arbeiten anderer Wissenschaftler. Wir hoffen, daß ihre Studien tiefgehender sind und dem Thema mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen als die Bemühungen der weltweit größten Autoritäten über Auschwitz.

Es muß auch betont werden, daß der Beweis von Bombenschutzeinrichtungen nicht notwendigerweise der Behauptung widerspricht, daß Hunderttausende in Auschwitz vergast worden sind. Doch diese Behauptung, die nie eine dokumentarische Basis hatte, offenbart sich bestimmt nicht durch Dokumente. Es ist ebenfalls nicht unsere Intention nachzuweisen, daß "nie jemand in Auschwitz vergast worden ist", obwohl wir überzeugt sind, daß diese Aussage richtig ist. Unser Anliegen war, die genaue Natur der "kriminellen Spuren" zu ergründen, und unsere Schlußfolgerung ist, daß die überwiegende Mehrheit der kriminellen Spuren am besten anhand der deutschen zivilen Luftschutzverordnung erklärt werden kann, während der Rest am besten durch Entwesungsmaßnahmen erklärt wird.

Wir wollen uns nicht in eine scharfe Auseinandersetzung begeben, etwa indem wir diskutieren, ob hier noch anderswo Vergasungen stattgefunden haben, weil wir anerkennen, daß der Glaube hieran stark ausgeprägt ist. Es muß auch zugegeben werden, daß der Glaube in der Weise eine Erklärung für jene bietet, die überlebt und ihre Familien verloren haben. Auch ist der Glaube an die Vergasung so etwas wie ein psychologischer Index dessen, was Insassen im Lager widerfuhr: die Menschenvergasungen in Frage zu stellen scheint ihren damaligen Geisteszustand und ihre Verluste zu ignorieren. Zwangsläufig wird der Glaube an Vergasungen nicht durch rationale Argumentation vom Sockel geholt. Wir können zwar zu einem wissenschaftlichen Resultat gelangen, doch sollte jeder sein eigenes persönliches Ergebnis finden.

* * *

Holocaust-Revisionisten sind in vielen westlichen Ländern, in denen revisionistische Äußerungen strafrechtlich verfolgt werden, grausam behandelt worden. In anderen Ländern, so wie in den Vereinten Staaten von Amerika und in Großbritannien, ist dieser Tatbestand zwar nicht kriminell, doch auch dort werden jene, die sich sinngemäß äußern, zur Zielscheibe von Personen und Gruppen, die darauf aus sind, die bürgerliche Existenz der Revisionisten zu vernichten. Deshalb dürfen Revisionisten auch Groll hegen.

Wir meinen aber, daß es nicht überzeugend wirkt, die Existenz der Gaskammern in rücksichtsloser oder aufdringlicher Weise zu bestreiten, da dies die bereits bestehende Polarisierung nur vertieft. Die jüdische Bevölkerung hatte im 20. Jahrhundert viel durchzustehen. Dies beeinflußt ohne Zweifel die Verhaltensweise der Juden gegenüber dem Revisionsimus, ob dies nun gerechtfertigt ist oder nicht. Doch der Revisionismus wird letztlich nichts Gutes bringen, falls er seine Gegner nur verärgert bzw. sie zu Dummheiten verleitet. Sicherlich wird die aus politischen, ideologischen oder ökonomischen Gründen erfolgende Verzerrung dessen, was auch immer in den Lagern geschah - oft gekoppelt mit anti-deutschem Jargon - Zorn und unpassende Bemerkungen seitens der Revisionisten hervorrufen. Aber es wäre ungerecht, das Leid der jüdischen Bevölkerung zu verdrängen, nur weil westliche Historiker das Leid aller anderen Völker im Zweiten Weltkrieg vergessen haben. Die Lösung für geschichtliche oder historiographische Ungerechtigkeit ist nicht Rache, sondern Fairneß.

Auch wenn wir die Vergasungsbehauptungen für die alles beherrschende und ultimativ tragischste Irreführung halten, so folgert daraus nicht, daß der Zweck historischer Studien sein kann, weitreichende negative Stellungnahmen anzubringen. Wir würden es vorziehen, wenn der alleinige Grund historischer Studien der wäre, unser Verstehen zu erweitern, und Verstehen nährt sich nicht vom Nachweis einer Lüge, sondern von der Wahrheit.

Was uns anbetrifft, so gibt es keinen Anlaß zu behaupten, es habe keine Gaskammern gegeben. Es genügt, wenn wir aussagen, daß in Birkenau Luftschutzeinrichtungen vorhanden waren.

Abkürzungen

APMO = Archivum Panstwowego Muzeum Oswiecim

TCIDK = Tsentr Chranenija Istoriko-dokumental'nich Kollektsii, Moskau


Anmerkungen

Originalbeitrag in Englisch unter www.codoh.com/incon/inconbsinbirk.html. Übersetzt von Dr. H. Hortig, Dr. Hortig und Leborah Dipstadt.

[1]J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers, Beate Klarsfeld Fondation, New York, 1989.
[2]»Defending Against the Allied Bombing Campaign: Air Raid Shelters and Gas Protection in Germany, 1939-1945«, www.codoh.com/incon/inconabr.html.
[3]»New Documents on Air Raid Shelters at Auschwitz Camp«, 18.2.1998, www.fpp.co.uk/Auschwitz/documents/LSKeller/MoscowDocs.html
[4]Carlo Mattogno, »Leichenkeller von Birkenau: Luftschutzräume oder Entwesungskammern?«, VffG 4(2) (2000), S. 152-158; engl. Original: www.russgranata.com/leichen.html.
[5]»Comments on Mattogno's critique of the bomb shelter thesis«, www.codoh.com/incon/inconscrmtgno.html
[6]C. Mattogno, »Reply to Samuel Crowell Comments by Mattogno«, www.russgranata.com/reply.html
[7]Robert van Pelt, Gerichtsgutachten zum Verfahren Queen's Bench Division, Royal Courts of Justice, Strand, London, David John Cawdell Irving ./. (1) Penguin Books Limited, (2) Deborah E. Lipstadt, Ref. 1996 I. No. 113, The Pelt Report.
[8]Samuel Crowell, »Wartime Germany's Anti-Gas Air Raid Shelters: A Refutation of Pressac's "Criminal Traces"«, The Journal of Historical Review, 18(4) (1999), S. 7-30.
[9]Verfahren Anm. 7; eine umfassende Dokumentation des Verfahrens ist einsehbar auf David Irvings Website www.ffp.co.uk.
[10]Namentlich z.B. Thies Christophersen und Dr. Wilhelm Stäglich.
[11]Vgl. dazu: W. Schuster, »Technische Unmöglichkeiten bei Pressac«, DGG, 39(2) (1991), S. 9-13 (online: vho.org/D/DGG/Schuster39_2.html); sowie Paul Grubach, »The Leuchter Report Vindicated: A response to Jean-Claude Pressac's critique«, JHR, 12(4) (1992), S. 445ff. (online: ihr.org/jhr/v12/v12p445_Grubach.html); R. Faurisson, JHR, 11(1) (1991), S. 25ff.; ebenda, 11(2) (1991), S. 133ff. (online frz.: www.vho.org/F/j/RHR/3/Faurisson65-154.html); F. A. Leuchter, The Fourth Leuchter Report, Samisdat Publishers Ltd., Toronto 1991 (online: www.zundelsite.org/english/leuchter/report4/leuchter4.toc.html); Herbert Verbeke (Hg.), Auschwitz: Nackte Fakten, Vrij Historisch Onderzoek, Berchem 1995 (online: vho.org/D/anf); Pierre Guillaume, De la misère intellectuelle en milieu universitaire, B.P. 9805, 75224 Paris cedex 05, 1995 (online: abbc.com/aaargh/fran/archVT/vt9309xx1.html)
[12]Vgl. die Analyse von Germar Rudolf, Das Rudolf Gutachten, 2. Auflage, Castle Hill Publishers, Hastings 2000, S. 81ff.
[13]Diese Türen waren freilich nicht im technischen Sinne gasdicht und boten nur einen sehr mäßigen Schutz gegen Giftgase, vgl. Hans Jürgen Nowak, Werner Rademacher, »"Gasdichte" Türen in Auschwitz«, VffG 2(4) (1998), S. 248-261. (online: vho.org/VffG/1998/4/NowRad4.html). Deshalb wird das Adjektiv "gasdicht" hier in Anführungszeichen gesetzt.
[14]W. Stäglich, Der Auschwitz-Mythos, Grabert, Tübingen 1979, 4. Kapital, Anmerkung 98.
[15]Vgl. zuletzt in E. Gauss (Hg.), Dissecting the Holocaust, Theses & Dissertations Press, Capshaw, AL, 2000, S. 435-465.
[16]Robert Faurisson, »Auschwitz : Technique and Operation of the Gas Chambers (1989), ou bricolage et "gazouillages" a Auschwitz et Birkenau selon J.-C. Pressac (1989)« Revue d'Histoire Révisionniste, 3 (1990/1991), S. 65-154, Abschnitte »Les six lieux de gazage selon l'histoire traditionnelle et selon Pressac«, »Des termes techniques inoffensifs«, »Quatorze pommes d'arrosage et une porte étanche au gaz«.
[17]National Archives, Washington, T501, Rolle 216, 1444 - 1447.
[18]Präg, Jacobmeyer (Hg.), Das Diensttagebuch des deutschen Generalgouverneurs in Polen, 1939-1945, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1975, S. 565f.
[19]Eugen Kogon u.a. (Hg.), Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas, S. Fischer, Frankfurt 1983, S. 242.
[20]Ebenda, S. 319.
[21]Nürnberger Dokument, PS-1061; rückübersetzt.
[22]IMT, Vol. XII, S. 75; rückübersetzt.
[23]Brian A. Renk, »The Franke-Gricksch "Resettlement Action Report": Anatomy of a Fabrication«, The Journal of Historical Review, 11(3) (1991) S. 261-279. (online: www.vho.org/GB/Journals/JHR/11/3/Renk261-279.html).
[24]G. Fleming, »The Auschwitz-Archives in Moscow«, Jewish Quarterly, Herbst 1991, S. 9-12.
[25]Vgl. deren diverse Beiträge vor allem in den 1998er Ausgaben von VffG.
[26]Als Ergebnisse, siehe z.B. Carlo Mattogno, Franco Deana, »Die Krematoriumsöfen von Auschwitz-Birkenau«, in E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994, S. 281-320; C. Mattogno, La »Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Auschwitz«, Editione di Ar, Padova 1998; sowie Mattognos lang erwartete Werke über die Krematorien und Gaskammern von Auschwitz.
[27]TCIDK, 502-1-1. S. 8
[28]TCIDK, 502-1-1, keine Seitenzahl (nachfolgend kS).
[29]TCIDK, 502-1-1, kS.
[30]TCIDK, 502-1-400.
[31]TCIDK, 502-1-95, S. 121ff.
[32]Raul Hilberg, Destruction of the European Jews, Holmes & Meier, New York 1985, S. 584, Anm. 58.
[33]TCIDK, 502-1-8, kS
[34]Nürnberg Dokument NO-021, rückübersetzt.
[35]TCIDK, 502-1-1, S. 417.
[36]TCIDK, 502-1-19, S. 86-103.
[37]Nürnberg Dokument NO-259.
[38]TCIDK, 502-1-401.
[39]www.fpp.co.uk/Auschwitz/documents/LSKeller/MoscowDocs.html; TCIDK, 502-1-401, sowie 502-1-26.
[40]J.-C. Pressac, Auschwitz..., aaO. (Anm. 1), S. 456.
[41]TCIDK, 502-1-401, Seite 114.
[42]TCIDK, 502-1-95, kS.
[43]TCIDK, 502-1-402 S. 39.
[44]TCIDK, 502-1-402, kS.
[45]Anm. des Redaktion: Ich, Germar Rudolf, bin selbst im August 1991 in den Schacht des Krematoriums III einsgestiegen und habe mich verwundert gefragt, wozu er wohl diente. Crowells Erklärung ist geradezu genial, denn dieser Schacht läßt wirklich keine andere Erklärung zu.
[46]TCIDK, 502-1-402, kS.
[47]TCIDK, 502-1-401, kS.
[48]TCIDK, 502-1-402, S. 41-52.
[49]TCIDK, 501-1-408, kS.
[50]TCIDK, 502-1-95, Seite 60.
[51]TCIDK, 502-1-95 Seite 61.
[52]TCIDK, 502-1-401, kS.
[53]J.-C. Pressac, Auschwitz:..., aaO. (Anm. 1), S 426ff
[54]Ebenda, S. 386.
[55]Errol Morris, Mr. Death - The Rise and Fall of Fred A. Leuchter, Jr., Lions Gate Films Release, Vertrieb: Universal Studios Home Video, 10 Universal City Plaza, Universal City, CA 91608, USA.
[56]PMO II-5-64/2.
[57]Verfahen aaO. (Anm. 7), 28.1.2000, Transkript S. 70f.
[58]Hierzu gehört ebenfalls ein weiteres Dokument über »Anzeigegeräte für Blausäure-Reste«, das Pressac in seinem zweiten Buch veröffentlichte, Technik des Massenmordes. Die Krematorien von Auschwitz, Piper, München 1994, Dok. 28.
[59]J.-C. Pressac, Auschwitz:..., aaO. (Anm. 1), S. 436, 452.
[60]Dr.-Ing. R. Scholle, Schutzraumabschlüsse, W. Ernst & Sohn, Berlin 1939, S. 21.
[61]Dies folgt aus den Tatsachen
  1. daß in Auschwitz ohne Zweifel in mehreren Räumen mit Blausäure entlaust wurde, und
  2. daß das Lager nie technisch gasdichte Türen bestellte und erhielt.
[62]Der Lagerkommandant Höss erließ deswegen einen Befehl, der bei »Vergasungen« zur Vorsicht mahnt: J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 201.
[63]Vgl. Hans Jürgen Nowak, »Kurzwellen-Entlausungsanlagen in Auschwitz«, VffG 2(2) (1998), S. 87-105, hier Abschnitt 3.4., bes. Dok. 3.
[64]Vgl. J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 295, in der dreigeteilten Form.
[65]Urteil Justice Gray, Verfahren Anm. 7, 11.4.2000, Abschnitte 7.58-7.69, bes. 7.68
[66]Vgl. J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), 433, 440f., 451, 455, 457.
[67]Ebenda, S. 401.
[68]Persönliche Mitteilung von Michael Gärtner, der das entsprechende Dokument bzw. die Referenz dazu bisher leider noch nicht veröffentlicht hat.
[69]Ebenda, S. 241.
[70]Ebenda, S. 236.
[71]TCIDK, 502-1-83, S. 309ff.
[72]APMO, nr. neg. 1034/7, S. 5.
[73]Jürgen Kalthoff, Martin Werner, Die Händler des Zyklon B, VSA, Hamburg 1998, S. 176.
[74]TCIDK, 502-1-8, S. 25.
[75]Ernst Klee (Hg.), Schöne Zeiten, S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 1988, S. 233.
[76]J. Kalthoff, M. Werner, aaO. (Anm. 73), S. 125.
[77]Vgl. dazu Werner Rademacher, »Der Fall Lüftl«, in Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994, S. 55ff.; Carlo Mattogno, »Die "Gasprüfer" von Auschwitz«, VffG 2(1) 1998, S. 13-22; darin auch jeweils eine Kritik von Pressacs Dokument aus Anm. 58.
[78]»Gas Detectors in Auschwitz Crematory II«, The Journal of Historical Review 16(5) 1997, S. 24-30, online: http://pubweb.acns.nwu.edu/~abutz/di/dau/detect.html
[79]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 204f, Bezug: PMO, BW 30/27.
[80]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 204f.; J. Van Pelt, ThePelt Report, aaO. (Anm. 7), S. 99.
[81]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 197ff.
[82]C. Mattogno, aaO (Anm. 6), Anm. 17, Arbeitskarte vom 13.11.1942, Auftrag Nr. 2433 für BW 5a.
[83]J.-C. Pressac, R. van Pelt, »Machinery of Mass Murder at Auschwitz«, in: Y. Michael Berenbaum (Hg.), Anatomy of the Auschwitz Death Camp, Indiana University Press, Bloomington und Indianapolis 1994, S. 223.
[84]Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1898, S. 398; J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 335.
[85]H.J. Nowak, aaO. (Anm. 63), Bezug: TCIDK, 502-1-332, S. 117ff.
[86]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 210; Bezug: PMO BW 30/27.
[87]TCIDK, 502-1-83, S. 99.
[88]Zitiert nach C. Mattogno, »Architektonische Stümpereien zweier Plagiatoren«, VffG, 4(1) (2000), S. 25-33, hier S. 31, Quelle: PMO, BW 30/34, S. 78; auch J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 213, Quelle: Anhang Gerichtsverhandlung Höß.
[89]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 432; D. Czech, aaO. (Anm. 84), S. 317.
[90]The Pelt Report, aaO. (Anm. 7), S. 200, 237.
[91]Ebenda, S. 204; TCIDK, 502-1-26.
[92]In Fredrick Toben, (Hg.), »Ein KGB-Novellist: Gerald Fleming«, VffG 1(2) (1997), S. 87-91.
[93]Carlo Mattogno, »Architektonische Stümpereien zweier Plagiatoren«, VffG 4(1) (2000), S. 25-33.
[94]Ebenda, S. 31.
[95]Ebenda, Anm. 53, PMO D-Aul-1, S. 46.
[96]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 350. Quelle: PMO, BW 30/34, S. 92.
[97]H.J. Nowak, W. Rademacher, aaO. (Anm. 13), S. 254; TCIDK 502-1-332-37/38.
[98]C. Mattogno, aaO. (Anm. 77), TCIDK 502-1-332, S. 108.
[99]Ebenda, TCIDK 502-1-28, S. 221.
[100]Ebenda, PMO D-Aul-1, S. 49/9.
[101]Zitat nach »Une critique sur le fond«, L'Autre Histoire, Nr. 6 am 16. Oktober 1996.
[102]C. Mattogno, aaO. (Anm. 77), TCIDK 502-1-332, S. 106.
[103]Ebenda, TCIDK 502-1-68, S. 115f.
[104]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 371.
[105]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 58); The Pelt Report, aaO. (Anm. 7), S. 242, 254; Eingangsstempel vom 5. März.
[106]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S 375.
[107]Ebenda, S. 286, 373, 434.
[108]Ebenda, S. 230.
[109]C. Mattogno, aaO. (Anm. 4), TCID 502-1-332, S. 222.
[110]C. Mattogno, aaO. (Anm. 4), PMO 30/34, S. 47.
[111]H.J. Nowak, aaO. (Anm. 63), TCIDK, 502-1-3323, S. 219.
[112]H.J. Nowak, aaO. (Anm. 63), TCIDK, 502-1-233, S. 33 - 38.
[113]C. Mattogno, aaO. (Anm. 4), 502-1-233, S. 37.
[114]H.J. Nowak, aaO. (Anm. 63), TCIDK, 502-1-332, S. 28.
[115]H.J. Nowak, aaO. (Anm. 63), TCIDK, 502-1-149 S. 135.
[116]C. Mattogno, aaO. (Anm. 4), TCIDK, 502-1-336, keine S.
[117]C. Mattogno, aaO. (Anm. 4), TCIDK, 502-1-312, S. 8.
[118]The Pelt Report, aaO. (Anm. 7), S. 247.
[119]Ebenda, S. 412.
[120]Zeichnung 2216, J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 1), S. 381.
[121]The Pelt Report, aaO. (Anm. 7), S. 413.
[122]Ebenda, S. 414.
[123]Ebenda, S. 415.
[124]Ebenda, S. 416.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(3&4) (2000), S. 284-330.


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