Protokoll des Verhörs vom 4. März 1946

Befrager: Major Moruschenko

Befragter: Braun Gustav, Sohn des Karl, geboren 1889 in Heilbronn, Angehöriger einer Beamtenfamilie, mit höherer Ausbildung, Deutscher, deutscher Staatsangehöriger, Einwohner der Stadt Erfurt.

Dolmetscher: Hofmeister

Frage: Seit wann und in welcher Stellung arbeiten Sie in der Firma Topf?

Antwort: Ich arbeite seit 1936 als Produktionsleiter der Fabrik der Firma Topf in Erfurt. Ausserdem war ich 1941/1942 Vertreter des Abwehrbeauftragten, d.h. von jenem Augenblick an, als der Chef Ludwig Topf geschäftlich nach Ungarn fuhr.

Frage: Wer war [vorher] Abwehrbeauftragter?

Antwort: Abwehrbeauftragter war der von mir erwähnte Ludwig Topf; er übertrug mir die Aufgabe des stellvertretenden Abwehrbeauftragten.

Frage: Wo befinden sich der Firmenchef Ludwig Topf sowie sein Bruder gegenwärtig?

Antwort: Ludwig Topf hat sich im Juni 1945, als die amerikanischen Heere einrückten und die Amerikaner ihn verhaften wollten, vergiftet. Der zweite Bruder, Ernst Topf, fuhr in eine Stadt in der Nähe von Kassel, blieb dort und kehrte nicht mehr zurück.

Frage: Nennen Sie die wichtigsten Produkte, die von der Firma Topf hergestellt wurden!

Antwort: Die Topf-Fabrik in Erfurt stellte viele Jahre lang Ausrüstungsteile für Brauereien, Mühlen und Lifte her; sie installierte grosse Fabrikrohre, Öfen für Kesselbetriebe in Fabriken sowie Öfen für Krematorien.

Frage: Seit welchem Jahr produziert die Firma Krematoriumsöfen?

Antwort: Seit ungefähr vierzig Jahren stellt die Firma Krematoriumsöfen für Deutschland sowie andere Länder her.

Frage: Wieviele Krematorien wurden von der Firma Topf ab 1941 produziert?

Antwort: Ich kann die genaue Zahl nicht angeben, doch ist mir bekannt, dass Krematorien in den Konzentrationslagern Buchenwald und Auschwitz aufgestellt und in Dachau repariert wurden.

Frage: Wer war in der Fabrik Konstrukteur von stationären und mobilen Krematorien?

Antwort: Konstrukteur aller Typen von Krematorien war Ingenieur Prüfer. Zusammen mit ihm arbeitete an der Konstruktion von Krematorien Ingenieur Schultze. Ausserdem war Ingenieur Sander an deren Herstellung beteiligt.

Frage: Sind Prüfer und Schultze zur Aufstellung von Krematorien in Konzentrationslagern gewesen?

Antwort: Ja.

Frage: Waren Prüfer und Schultze darüber auf dem laufenden, dass man in den Krematorien lebende Menschen vernichtete?

Antwort: Meine Ansicht nach waren sie auf dem laufenden.


Protokoll des Verhörs vom 5. März 1946

Befrager: Major Moruschenko

Befragter: Gustav Braun

Dolmetscher: Hofmeister

Frage: Wann und durch wen wurden Sie für die Arbeit als stellvertretender Abwehrbeauftragter in der Firma Topf, Erfurt, angeworben?

Antwort: 1941 rief mich Firmenchef Ludwig Topf, der Abwehrbeauftragter der Fabrik war, zu sich in sein Kabinett und schlug mir vor, in der Fabrik die Tätigkeit eines stellvertretenden Abwehrbeauftragten auszuführen und dafür zu sorgen, dass in der Fabrik keine Subversions- und Sabotageakte vorkämen; insbesondere hob er hervor, man dürfe keine Zerstörung von Maschinen zulassen.

Frage: Wie haben Sie als stellvertretender Abwehrbeauftragter die Beziehungen zur Gestapo gestaltet?

Antwort: Ich wurde durch den Abwehrbeauftragten Topf mit der Abwehrstelle Weimar in Kontakt gebracht, und durch den Prokuristen Max Machemel wurde ich mit dem SS-Obersturmbannführer Wolf, dem Gestapo-Verbindungsmann in Erfurt, verbunden.

Schriftliche Dokumente, die aus der Firma an die Abwehrstelle und die Gestapo gelangten, wurden regulär per Post abgeschickt oder Max Machemel/Wolf direkt übergeben.

Frage: Welche Forderungen wurden an Sie persönlich von der Gestapo gestellt?

Antwort: Max Machemel erhielt via Wolf von der Gestapo Briefe, auf denen stand, dass sie an ihn persönlich adressiert waren. In diesen Briefen verlangte Wolf Berichte über die politische Stimmungslage, sowohl seitens der deutschen Arbeiter als auch seitens der in der Fabrik tätigen ausländischen Arbeiter: Ihre Einstellung zur Arbeit, von ihnen verübte Subversions- und Sabotageakte, aber auch der Bedarf der Fabrik an Geld und neuen Maschinen.

Frage: Wie wurden diese Forderungen der Gestapo von ihnen erfüllt?

Antwort: Prokurist Max Machemel, welcher in direktem Kontakt mit Wolf stand, wandte sich an mich als stellvertretenden Abwehrbeauftragten, der als Leiter der gesamten Produktion in der Fabrik die Möglichkeit besass, die politische und produktionsmässige Situation in der Fabrik voll zu überblicken.

Um Machemel ausführlich über die politische Stimmung sowie über Fälle von Sabotage unterrichten zu können, zog ich im Auftrag Topfs die Werkstattchefs zur Unterstützung der Arbeit des Abwehrbeauftragten heran.

Auf diese Weise wurden von mir folgende Werkstattchefs herangezogen: Der Chef der Schlosserei, Begel Heinrich, 48 - 50 Jahre alt, parteilos; der Chef der Schreinerei, Liebeskind Hugo, 60 Jahre alt, parteilos; der Chef der Abteilung für Flugzeugteile, Breitruck Willi, 42 Jahre, parteilos.

Als ich sie zur Arbeit des Abwehrbeauftragten heranzog, wies ich sie darauf hin, dass diese Arbeit für die Gestapo durchgeführt und in deren Interesse ausgeführt wurde.

Frage: Erzählen Sie über Ihre praktische Tätigkeit in der Fabrik für die Gestapo!

Antwort: Als Ergebnis meiner Beziehungen mit der Gestapo wurden in der Fabrik ein Arbeiter deutscher Nationalität – an seinen Familiennamen erinnere ich mich nicht – sowie zwei ausländische Arbeiter wegen Sabotage festgenommen.

Über die Stimmung unter den Arbeitern schrieb ich für die Gestapo sechs Berichte und übergab sie Machemel.

Ausserdem unterrichtete ich die Gestapo via Topf über vier ausländische Arbeiter, die sich aus der Fabrik abgesetzt hatten.

Von den Werkstattchefs, die von mir zur Arbeit des Abwehrbeauftragten herangezogen wurden, erhielt ich Informationsmaterial über die negative Einstellung einiger Arbeiter zu ihrer Tätigkeit und teilte dies Machemel für die Gestapo mit.

Frage: Ihre offizielle Stellung war die des Produktionschef der Firmenfabrik. Unterstand Ihnen auch die Abteilung Krematorienbau?

Antwort: Ja. Ich als Produktionschef (Betriebsleiter) leitete die gesamte Produktion in der Fabrik, darunter auch die Anfertigung von Öfen für die Krematorien.


Protokoll des Verhörs vom (… das Datum fehlt auf meiner Transkription) März 1946

Befrager: Hauptmann Morskoi

Befragter: Gustav Braun

Dolmetscher: Galkin

Frage: Wo lebt Ihre Familie zurzeit?

Antwort: Meine Familie – die Frau und zwei Söhne – lebt gegenwärtig in Erfurt, Pitterstrasse 55.

Frage: Welche spezielle Ausbildung haben Sie genossen?

Antwort: 1911 habe ich in Nürnberg die technische Hochschule abgeschlossen und den Ingenieursgrad erworben.

[Dieses Verhör bestand lediglich aus diesen beiden Fragen.]

Protokoll des Verhörs vom 11. März 1946

Befrager: Hauptmann Morskoi

Befragter: Gustav Braun

Dolmetscher: Galkin

Frage: In welcher Sprache möchten Sie Ihre Aussage machen?

Antwort: Ich bin Deutscher. Obgleich ich das Englische beherrsche, werde ich meine Aussagen in deutscher Sprache machen.

Antwort: Verstehen Sie den Ihnen vorgestellten Dolmetscher, und haben Sie keine Einwände dagegen, dass er Ihre Aussagen übersetzt?

Antwort: Ich verstehe den Dolmetscher gut und habe nichts dagegen, dass er meine Aussagen übersetzt.

Frage: In welchen politischen Parteien und Organisationen waren Sie Mitglied?

Antwort: Ich gehörte keinen politischen Parteien auf deutschem Territorium an, war allerdings Mitglied der nazistischen Organisation "Arbeitsfront".

Frage: Wann traten Sie besagter Organisation bei?

Antwort: In diese nationalsozialistische Organisation trat ich 1936 ein, d.h. zu jenem Zeitpunkt, als ich aus Amerika zurückkehrte und meine Arbeit in der Fabrik der Firma Topf in Erfurt aufnahm. Mitglied erwähnter Organisation war ich bis zur Kapitulation des faschistischen Deutschland.

Frage: Welche führenden Stellungen bekleiden Sie in der faschistischen Organisation "Arbeitsfront"?

Antwort: Während der ganzen Zeit meiner Mitgliedschaft in der nationalsozialistischen Organisation "Arbeitsfront" habe ich in ihr keinerlei leitenden Positionen bekleidet.

Frage: In welcher Stellung haben Sie in der Fabrik der Firma Topf gearbeitet?

Antwort: In der Fabrik der Firma Topf habe ich ab 1936 in der Stellung des Produktionsleiters gearbeitet.

Frage: Was für Produkte stellte die Firma Topf her?

Antwort: Die Firma Topf stellte während langer Jahre Ausrüstungsteile für Brauereien, Lifte und Mühlen her; sie installierte grosse Fabrikröhren, Öfen für Fabrikkesselräume sowie Öfen für Krematorien.

Frage: Von wem trafen die Bestellungen zur Herstellung von Öfen für die Krematorien während des Krieges des faschistischen Deutschland mit der Sowjetunion ein?

Antwort: Auf diese Frage kann ich nicht antworten, weil die Bestellungen für die Anfertigung der Öfen von Firmenchef Ludwig Topf entgegengenommen wurden.

Frage: Hat die Firma Topf Krematoriumsöfen für die Konzentrationslager hergestellt?

Antwort: Ja, die Firma Topf fertigte Krematoriumsöfen für die Konzentrationslager an.

Frage: Ab wann begann die Firma Topf mit der Herstellung von Krematoriumsöfen für die Konzentrationslager?

Antwort: 1940 oder 1941, genau entsinne ich mich nicht.

Frage: Wieviele Krematorien wurden von der Firma Topf bis zur Kapitulation Deutschlands für die Konzentrationslager hergestellt?

Antwort: Genau kann ich die Zahl der von 1940/1941 bis zur Kapitulation Deutschlands von der Firma Topf hergestellten Krematorien nicht nennen, doch weiss ich, dass die von unserer Firma angefertigten Krematorien in den Konzentrationslagern Buchenwald und Auschwitz aufgestellt und auch in Dachau repariert wurden.

Frage: Wer hat in der Fabrik der Firma Topf Krematorien erbaut?

Antwort: Erbauer aller Typen von Krematorien, sowohl der stationären als auch der mobilen, war in der Fabrik der Firma Topf Ingenieur Prüfer. Zusammen mit letzterem arbeitete Ingenieur Schultze an der Konstruktion von Krematorien. Ausserdem hat Sander Prüfer und Schultze geholfen.

Frage: Inwiefern hat Sander den erwähnten Personen bei ihrer Arbeit geholfen?

Antwort: Sander als Hauptingenieur der Firma Topf und Leiter der Abteilung Krematorienbau hat die Zeichnungen und Pläne der Krematorien, die von Prüfer und Schultze angefertigt worden waren, durchgesehen, selbst genehmigt und diese Pläne dann Ludwig Topf zur Billigung vorgelegt.

Frage: Was war Ihre Beteiligung als Produktionschef der Fabrik beim Bau der Krematorien für die Konzentrationslager?

Antwort: Als Produktionschef der Firma Topf habe ich die Konstruktion und den Bau der Krematorien geleitet und verfolgt, damit die Aufträge qualitativ einwandfrei und fristgemäss ausgeführt wurden; ich habe persönlich die Herstellung der Krematorien überprüft und Ludwig Topf anschliessend erklärt, diese oder jene Bestellung sei fertig.

Frage: Wer von den oben erwähnten Personen ist zur Montage der Krematorien in die Konzentrationslager gefahren?

Antwort: Mir ist bekannt, dass Prüfer und Schultze vor der Montage der Krematorien drei- oder viermal in die Konzentrationslager gefahren sind, doch auch nachdem die Montage erfolgt war, sind sie dorthin gefahren, um die von ihnen gebauten Krematorien zu erproben.

Frage: Wann und in welche Lager sind sie gefahren?

Antwort: Zu welcher Zeit sie genau gefahren sind, ist mir nicht erinnerlich, doch weiss ich, dass sie, d.h. Prüfer und Schultze, in die Konzentrationslager Buchenwald und Auschwitz gefahren sind.

Frage: Wussten Sie, zu welchem Zweck die Firma Topf, deren Produktionschef Sie waren, Krematorien für die Konzentrationslager errichtete?

Antwort: Mir war nur bekannt, dass wir Krematorien für die Konzentrationslager zur Verbrennung von Leichen errichteten.

Frage: Wussten Sie davon, dass in den von Ihnen errichteten Krematorien in den Konzentrationslagern unschuldige Menschen vernichtet und bei lebendigem Leib verbrannt wurden?

Antwort: Davon habe ich erst nach der Kapitulation Deutschlands durch den Rundfunk und die Zeitungen erfahren.

Frage: Wussten Prüfer und Schultze von dem oben Erwähnten?

Antwort: Ich vermute, dass Prüfer und Schultze, die sich ja in den Konzentrationslagern aufhielten, wussten, dass in den von ihnen konstruierten Krematorien der Konzentrationslager Menschen vernichtet und bei lebendigem Leib verbrannt wurden.


Protokoll des Verhörs vom 20. März 1946

Befrager: Hauptmann Morskoi

Befragter: Gustav Braun

Dolmetscher: Dazjuk

Frage: Sie werden angeklagt, als Produktionsleiter in der Fabrik der Firma Topf unmittelbar an der Konstruktion und dem Bau von Krematoriumsöfen für die Konzentrationslager beteiligt gewesen zu sein, in denen die Leichen der dort zu Tode gequälten, ganz unschuldigen Menschen verschiedener Nationalität verbrannt wurden.

Ausserdem waren Sie ab 1941 in erwähnter Fabrik Stellvertreter des Bevollmächtigten der Abwehrstelle. Bei der Tätigkeit in dieser Funktion haben Sie die politische Stimmung der Arbeiter sowie Personen, die bei der Arbeit Sabotageakte verübt hatten und subversiver Tätigkeiten verdächtigt wurden, ausgekundschaftet. Als Ergebnis Ihrer Denunziationen wurden von der Gestapo ein deutscher und zwei ausländische Arbeiter wegen Sabotage bei der Arbeit festgenommen.

Die von Ihnen begangenen Verbrechen fallen unter Artikel 58-2 des Strafgesetzes der Russischen Föderativen Sowjetrepublik. Ist Ihnen die gegen Sie erhobene Anklage verständlich, und wessen bekennen Sie sich konkret schuldig?

Antwort: Die aufgrund von Artikel 58-2 des Strafgesetzes der Russischen Föderativen Sowjetrepublik gegen mich erhobene Anklage ist mir durch den Dolmetscher in deutscher Sprache erklärt worden und für mich verständlich. Ich bekenne mich voll dessen schuldig, bei meiner Arbeit als Produktionschef in der Fabrik der Firma Topf in Erfurt unmittelbar an der Konstruktion und dem Bau der Krematoriumsöfen für die Konzentrationslager Buchenwald, Auschwitz, Dachau, Mauthausen und andere beteiligt gewesen zu sein, in denen die Leichen der in besagten Konzentrationslagern zu Tode gequälten, ganz unschuldigen Menschen verbrannten Menschen verschiedener Nationalitäten aus verschiedenen Ländern Westeuropas sowie der UdSSR verbrannt worden sind.

Ich habe persönlich die Arbeit am Bau der Krematoriumsöfen kontrolliert, um zu gewährleisten, dass die Bestellungen qualitativ einwandfrei und fristgerecht ausgeführt wurden, wonach ich dem Firmenchef Ludwig Topf Meldung über die Erfüllung der Aufträge erstattete.

Ausserdem habe ich ab 1941 in erwähnter Fabrik als Vertreter des Bevollmächtigen der Antispionageorganisation Abwehrstelle die politische Stimmung unter den deutschen und ausländischen Arbeitern sowie Personen, die bei der Arbeit Sabotage verübten und der Subversion verdächtigten wurden, ausgekundschaftet. Zu diesem Zweck hatte ich Vertrauensleute unter den Werkstattschefs, und zwar acht Mann. Als Ergebnis meiner Tätigkeit als Stellvertreter des Bevollmächtigten der Abwehrstelle wurden von der Gestapo ein deutscher sowie zwei ausländische Arbeiter wegen Sabotage bei der Arbeit festgenommen. Ich habe auch als Stellvertreter des Bevollmächtigten der Abwehrstelle, Ludwig Topf, der Gestapo Meldung über vier ausländische Arbeiter erstattet, die sich aus der Fabrik abgesetzt hatten.


Protokoll des Verhörs vom 27. März 1946

Befrager: Hauptmann Kabanujev

Befragter: Gustav Braun

Dolmetscher: Leutnant Scherman

Frage: In welchen politischen Organisationen und Parteien Deutschlands waren Sie Mitglied?

Antwort: Ich war nie Mitglied irgendwelcher politischer Parteien Deutschlands. Ich war lediglich Mitglied der Massenorganisation "Arbeitsfront".

Frage: Haben Sie in der faschistischen Organisation "Arbeitsfront" führende Posten bekleidet?

Antwort: Während meiner Mitgliedschaft in besagter Organisation von 1936 bis zur Kapitulation Deutschlands, d.h. bis zum Mai 1945, habe ich in ihr keine führenden Posten bekleidet.

Frage: Berichten Sie über Ihre berufliche Tätigkeit!

Antwort: Ich bin in Deutschland in der Stadt Wartenberg geboren. 1926 fuhr ich nach Amerika, wo ich in New York und Chicago als Bauingenieur bei der Errichtung von Brücken und Wolkenkratzern tätig war. 1936 kehrte ich nach Deutschland zurück. Ich lebte dort in der Stadt Erfurt und arbeitete von 1936 bis zur Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 in der Firma Topf, wo ich die Stelle eines Produktionschefs bekleidete.

Frage: Welche Verbindung hatten Sie als Produktionschef der Firma Topf mit den Spionageabwehrorganen Deutschlands?

Antwort: Als ich bei der Firma Topf als Produktionsleiter arbeitete, wurde ich 1941 vom Firmenchef Ludwig Topf zur Mitarbeit mit den Organen der Abwehr herbeigezogen, mit denen ich bis Anfang 1945 Beziehungen unterhielt.

Frage: Worin konkret bestand Ihre Verbindung mit den Organen der Abwehr?

Antwort: Der Chef der Firma Topf, von dem ich zur Zusammenarbeit mit den Organen der Abwehr herbeigezogen wurde, war gleichzeitig Bevollmächtigter der Abwehrstelle und leitete die gesamte Antispionagetätigkeit in der Firma.

Topf Ludwig erteilte mir den Auftrag, dafür zu sorgen, dass in der Fabrik keine Fälle von Subversion und Sabotage vorkämen. Ausserdem musste ich die Stimmung der Arbeiter auskundschaften und über alle antifaschistischen Äusserungen seitens der Arbeiter Bericht erstatten. Faktisch erfüllte ich die Aufgabe des Stellvertreters des Abwehrbeauftragten Topf. War letzterer abwesend, so wurde die Antispionagearbeit in der Firma von mir geleitet.

Frage: Worin bestand Ihre praktische Tätigkeit als Stellvertreter des Abwehrbeauftragten konkret?

Antwort: Meine Tätigkeit als Abwehrbeauftragter bestand in folgendem:

Ich beobachtete systematisch die Stimmung unter den Arbeitern und berichtete der Abwehrstelle über den Abwehrbeauftragten Topf darüber. Ich erteilte den [unleserlich] täglich Anweisungen, ebenfalls die Arbeiter zu beobachten und mir über deren Stimmung und Verhalten Bericht zu erstatten.

Doch während der gesamten Periode meiner Arbeit in der Firma Topf wurden keine Fälle von Subversion und Sabotage entdeckt; die Stimmung unter den Arbeitern war stets normal. Scharfe antifaschistische Äusserungen wurden nicht registriert; die Arbeiter verhielten sich vollkommen diszipliniert.

In der Firma Topf kam es zu keinen Fällen von Verhaftung durch die deutschen Strafverfolgungsbehörden.

Frage: Welche Gegenstände produzierte die Firma Topf?

Antwort: Die Firma Topf befasste sich vor dem Kriegsausbruch im Jahre 1939 mit der Herstellung von Krematorien, produzierte Handgranaten und erfüllte andere militärische Bestellungen. Zur Zeit des Kriegs mit der UdSSR 1941-1945 erfüllte die Firma Topf namentlich Bestellungen zur Reparatur von Flugzeugen, fertigte parallel dazu jedoch auch Krematoriumsöfen an.

Frage: Wohin wurden die von der Firma Topf erbauten Krematoriumsöfen geliefert?

Antwort: Die von der Firma Topf hergestellten Krematoriumsöfen wurden während des deutsch-sowjetischen Kriegs an die Lager Buchenwald, Auschwitz und Dachau geliefert, wo, wie ich später aus Zeitungen erfuhr, die Vernichtung von russischen Kriegsgefangenen, Kriegsgefangenen anderer Nationen sowie Zivilisten erfolgte.

Frage: Woher wissen Sie, dass die Firma Topf Öfen für die Krematorien der deutschen Todeslager Buchenwald, Auschwitz und Dachau baute?

Antwort: Darüber, dass die Firma Topf Öfen für die Todeslager Buchenwald, Auschwitz und Dachau baute, weiss ich gut aus der Korrespondenz Bescheid, die aus diesem Anlass mit den führenden Personen besagter Lager geführt wurde.

Frage: Wer erteilte die Aufträge zur Herstellung von Öfen für die Krematorien besagter Todeslager?

Antwort: Von wem konkret, oder von welcher Organisation, die Aufträge zur Herstellung der Öfen zur Ausstattung der Krematorien in den Todeslagern Buchenwald, Auschwitz und Dachau ausgingen, ist mir nicht bekannt.


Protokoll des Verhörs vom 28. Februar 1948

Befrager: Oberstleutnant Dopertschuk

Befragter: Gustav Braun

Dolmetscher: Leutnant Kuschtsch

Frage: Zu einem früheren Zeitpunkt wurde Ihnen die gegen Sie erhobene Anklage aufgrund von Artikel 58-2 des Strafgesetzes der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik vorgelegt. Gegen Sie liegen folgende Beschuldigungen vor:

  1. Als Produktionschef der Firma Topf und Söhne haben Sie von 1940 bis 1943 direkt an der Organisation und Durchführung von Arbeiten teilgenommen,die von besagter Firma in den Konzentrationslagern zum Bau und zur Ausstattung der Krematorien und Gaskammern vorgenommen wurden, in welchen eine Massenausrottung ganz unschuldiger Menschen erfolgte.
  2. Sie haben Bürger der UdSSR sowie anderer Staaten schikaniert, die zur Arbeit in der Fabrik der Firma Topf zwangsmobilisiert worden waren; Sie haben diese überwacht und zur Zwangsarbeit angehalten.
  3. Als Stellvertreter des Bevollmächtigten der Abwehr haben Sie 1941 in der Fabrik der Firma Topf und Söhne die Antispionagetätigkeit und den Kampf gegen Sabotage- und Subversionshandlungen geleitet und die Organe des SD sowie der Gestapo über die Stimmung unter den Arbeitern der Firma unterrichtet.

Bekennen Sie sich der Ihnen vorgeworfenen Taten schuldig?

Antwort: Artikel 58-4 des Strafgesetzes der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik ist mir erklärt worden, und die Substanz der gegen mir erhobenen Anklage ist mir verständlich.

Ich bekenne mich schuldig,

a) Als Produktionsleiter der Firma Topf und Söhne direkt an der Organisation und Durchführung von Arbeiten teilgenommen zu haben, die von besagter Firma in den Konzentrationslagern Buchenwald, Mauthausen, Dachau und Auschwitz zum Bau von Krematorien durchgeführt wurden, und auf Bestellung der SS-Organe auch die Herstellung der nötigen Ausrüstungsgegenstände für diese Krematorien in der Firmenfabrik besorgt zu haben.

b) In Erfüllung der Anweisungen des Firmenchefs Ludwig Topf die mir unterstellten, zur Arbeit in der Firmenfabrik zwangsmobilisierten ausländischen Arbeiter, darunter auch Bürger der UdSSR, zur Zwangsarbeit angehalten, die Werkstattsleiter zur sorgfältigen Beobachtung des Verhaltens dieser Arbeiter angehalten und von den Arbeitern eine qualitativ einwandfreie Durchführung der Produktionsaufgaben verlangt zu haben. Die erwähnten ausländischen Arbeiter wurden im Fabriklager unter Bewachung gehalten, auf meine Anweisung zu verschiedenen Hilfsarbeiten hinzugezogen und bekamen für diese Arbeit 20 bis 30% weniger Lohn als die deutschen Arbeiter.

c) Nach meiner seitens des Firmenchefs Ludwig Topf erfolgten Hinzuziehung zur Tätigkeit des stellvertretenden Bevollmächtigten der Abwehr in der Firmenfabrik die Antispionagetätigkeit sowie den Kampf gegen Sabotage- und Subversionshandlungen geleitet und ferner mit Wissen Ludwig Topfs dem SD-Vertreter Mechamel Bericht über die Stimmung der Firmenarbeiter erstattet zu haben.

Was die gegen mich erhobene Anklage betrifft, ich hätte an den Arbeiten zur Ausrüstung von Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz teilgenommen, erkläre ich, dass, wie mir später bekannt wurde, die Ausrüstung dieser Kammern direkt vom Chefingenieur der Firma Topf, Schultze Karl, besorgt wurde, auf dessen Anweisung mir der Monteur Messing Heinrich zwecks Durchführung der Arbeiten zur Montage der Lüftungseinrichtungen zugewiesen wurde.

Dass diese Einrichtungen in Gaskammern installiert wurden, in welchen die SS-Männer Häftlinge mit Gas vergifteten, wusste ich nichts.

Frage: Wurden die erwähnten Lüftungseinrichtungen von der Firma Topf und Söhne hergestellt?

Antwort: Ja, diese Lüftungseinrichtungen wurden unter meiner Führung in der Fabrik der Firma Topf hergestellt, und wie aus den Bestellungen der SS-Organe hervorgeht, waren sie für das Konzentrationslager Auschwitz bestimmt. Dass sie zur Ausrüstung von Gaskammern in Auschwitz vorgesehen waren, wusste ich nicht.


Protokoll des Verhörs vom 10. März 1948

Befrager: Oberleutnant Novikov

Befragter: Gustav Braun

Dolmetscher: Leutnant Kuschtsch

Frage: Verdeutlichen Sie, wann und von wem Sie zur Arbeit als Stellvertreter des Bevollmächtigten der Abwehr in der Firma Topf und Söhne herangezogen wurden!

Antwort: Zur Arbeit als Stellvertreter des Bevollmächtigten der Abwehr in der Firma Topf und Söhne wurde ich im Herbst 1941 vom Besitzer dieser Firma, Ludwig Topf, herangezogen.

Frage: Welches Verhältnis zur Arbeit der Abwehr-Organe hatte Ludwig Topf?

Antwort: Ludwig Topf stand als Eigentümer der Firma in Verbindung mit den Organen der Abwehr und war Bevollmächtigter besagter Organe bei der Antispionagetätigkeit in den Betrieben und Gebäuden seiner Firma.

Mich wählte er anscheinend darum zu seinem Stellvertreter auf dem Gebiet der Abwehr, weil ich Produktionschef der Firma war, die Maschinenbaufabrik direkt leitete und engeren Umgang mit den in den Betrieben der Firma tätigen Arbeitern und Werkstattleitern pflegte als andere.

Frage: Was taten Sie in der Praxis als Stellvertreter des Bevollmächtigten der Abwehr?

Antwort: Auf Anweisung Ludwig Topfs ergrifft ich Massnahmen zur Verhinderung möglicher Subversions- und Sabotageakte in der Fabrik sowie anderen Produktionseinrichtungen der Firma. Zu diesem Zweck erteilte ich persönlich den Werkstattleitern Anweisungen, mehrmals täglich die Maschinen und Drehbänke zu überprüfen, aber auch das Verhalten der Arbeiter zu kontrollieren. Eine besonders genaue Beobachtung und Kontrolle verlangte ich von ihnen in bezug auf die ausländischen Arbeiter, die zur Arbeit in Deutschland zwangsmobilisiert worden waren.

All dies, und auch die Stimmung unter den Arbeitern, über die mir die Werkstattleiter regelmässig Bericht erstatteten, meldete ich Ludwig Topf.

Frage: Standen Sie bei Ihrer Tätigkeit für die Abwehr lediglich mit Ludwig Topf in Verbindung?

Antwort: Ja, bei meiner Tätigkeit für die Abwehr stand ich lediglich mit Ludwig Topf in Verbindung.

Parallel dazu habe ich mit Wissen Ludwig Topfs einige Male dem Prokuristen Max Machemel mündlich Mitteilungen über den Zustand und die Arbeit der Betriebe der Firma Topf und Söhne gemacht. Machemel war Bevollmächtigter oder Agent des Erfurter SD-Büros.

Frage: Berichten Sie ausführlicher darüber!

Antwort: 1944, wann genau weiss ich jetzt nicht mehr, kam der Prokurist Max Machemel, Leiter der Handelsabteilung der Firma Topf, zu mir und interesssierte sich in einem Gespräch mit mir für den Ablauf der Produktion sowie die Stimmung der in der Fabrik der Firma tätigen Arbeiter.

Ich teilte ihm mit, dass im Betrieb alles in bester Ordnung sei und mir nie irgendwelche negativen Bekundungen seitens der Arbeiter bekannt geworden seien. Nach zwei oder drei Monaten kam Max Machemel wiederum zu mir und stellte abermals dieselben Fragen. Anstelle einer Antwort bat ich ihn, den Firmenchef Ludwig Topf aufzusuchen, und unterrichtete letzteren über Machemels Forderungen.

Auf Topfs Frage, weshalb er sich dermassen für diese Dinge interessiere, legte ihm Max Machemel einen Brief mit der Unterschrift des SD-Chefs von Erfurt, SS-Obersturmbannführer Wolf, vor. In diesem Brief hiess es, er, d.h. M. Machemel, müsse dem SD unbedingt Berichte über den Zustand der Unternehmen der Firma Topf und Söhne vorlegen.

Danach schlug mir Ludwig Topf vor, M. Machemel über die ihn interessierenden Fragen zu informieren. Ich teilte M. Machemel darauf in Anwesenheit von Ludwig Topf mit, Arbeiter der Firmenfabrik hätten in Gesprächen ihre Unzufriedenheit über die Senkung der Lebensmittelrationen sowie die Verschlechterung ihrer Lebensmittelversorgung zum Ausdruck gebracht, und infolgedessen sinke die Produktivität in der Fabrik merklich.

Zwei bis drei Monate nach diesem Gespräch traf ich M. Machemel zufällig auf dem Weg zum Direktionsgebäude der Firma. Im Gespräch informierte er mich, auf Forderung des SS-Obersturmbannführers Wolf müsse er der SD-Abteilung Bericht über das Vorhandensein von Metallrohstoffvorräten in der Firma erstatten und habe im Rechnungsbüro bereits diesbezügliche Auskünfte erhalten.

Dies teilte mir Machemel anscheinend darum mit, weil die Frage des Vorhandenseins von Metallrohstoffen und die Versorgung der Firma mit solchen in meinen Kompetenzbereich als Produktionschef der Firma fiel.

Ausser in diesen drei Fällen habe ich nicht mehr mit Max Machemel gesprochen und ihm keinerlei Meldungen zur Weitergabe an die SD-Abteilung mehr erstattet.

Im März 1946 wurde Max Machemel in Erfurt von der sowjetischen Verwaltung verhaftet, wonach eine Gegenüberstellung zwischen mir und ihm betreffs der erwähnten Frage stattfand.

Frage: Gab es in den industriellen Betrieben der Firma Topf und Söhne Fälle von Sabotage oder Subversion?

Antwort: Nein. Solche Fälle gab es den industriellen Betrieben der Firma Topf und Söhne nicht.

Frage: Warum wurden dann auf Ihre Denunziation hin ein deutscher und zwei ausländische Arbeiter verhaftet, die in der Fabrik der Firma Topf tätig waren?

Antwort: Auf meine Denunziation hin ist kein Arbeiter der Firma Topf verhaftet worden.

Frage: Bei den Verhören vom 5. und 20. März 1946 haben Sie erklärt, als Ergebnis Ihrer Arbeit als Stellvertreter des Bevollmächtigten der Abwehr seien von den deutschen Behörden ein deutscher und zwei ausländische Arbeiter wegen Sabotage festgenommen worden. Warum versuchen Sie nun diese Tatsachen zu vertuschen?

Antwort: Bei den Verhören vom 5. und 20. März 1946 habe ich dargelegt, unter den ausländischen Arbeitern in der Fabrik der Firma Topf seien zwei verhaftet worden. Einer, dessen Familienname Kusmenko lautete, wurde auf Anweisung des Firmenchefs festgenommen, weil er bei der Arbeit mit einem deutschen Arbeiter gestritten und diesen verprügelt hatte. Der zweite Arbeiter, der Nationalität nach Russe (an seinen Familiennamen erinnere ich mich nicht), wurde wurde nachts von der Gestapo verhaftet, dem Vernehmen nach wegen Teilnahme an der Vorbereitung zur Verbreitung antifaschistischer Flugblätter.

Ausserdem habe ich berichtet, dass ein deutscher Arbeiter, der als Wächter angestellt war, wegen Bummelei entlassen wurde.

Es mag sein, dass der Dolmetscher oder der Beamte, der mich verhörte, meine Ausführungen nicht richtig verstanden und nicht richtig niedergeschrieben haben.

Dass die erwähnten Verhaftungen als Ergebnis meiner Denunziationen als stellvertretender Bevollmächtigter der Abwehr erfolgt seien, habe ich bei der Untersuchung nicht ausgesagt, weil ich in Wirklichkeit nichts mit diesen Verhaftungen zu tun hatte.

Frage: Beim Verhör vom 5. 3. 1946 haben Sie ausgesagt, Sie hätten via Ludwig Topf der Gestapo über die Flucht von vier ausländischen Arbeitern aus der Fabrik Meldung erstattet und Max Machemel sechsmal einen Bericht über die Stimmung der Arbeiter in der Fabrik der Firma geliefert. Entsprechen diese Ihre Aussagen der Wirklichkeit?

Antwort: Dieser Teil meiner Aussagen entspricht im grossen ganzen der Wirklichkeit, ist jedoch nicht richtig niedergeschrieben worden.

Ich habe Ludwig Topf tatsächlich über die im Jahre 1944 erfolgte Flucht von vier ausländischen Arbeitern (zwei Russen und zwei Franzosen) aus der Fabrik Bericht erstattet, und damit die nötigen Fahndungsmassnahmen in die Wege geleitet werden konnten, wurde dies auch sofort der Polizei sowie der Gestapo mitgeteilt.

Von diesem Zwischenfall habe ich auch Max Machamel erzählt. Was die Berichte über die Stimmung der Arbeiter der Firma Topf anbelangt, so habe ich ihm bloss zweimal solche geliefert, wie ich schon vorher ausgesagt habe.

Warum im Protokoll des Verhörs vom 5.3. 1946 steht, ich hätte ihm sechsmal Meldung erstattet, kann ich mir nicht erklären.

Frage: Kannten Sie die Angestellte der Firma Topf und Söhne Büschljabe [Transkription] Johanna?

Antwort: Die Firmenangestellte Büschljabe [Transkription] Johanna kannte ich.

Sie arbeitete als persönliche Sekretärin, Schreibkraft und Stenographin des Firmenchefs Ludwig Topf.

Meine Beziehungen zu Büschljabe waren rein dienstlicher Art. Persönliche Kontakte zwischen uns gab es nicht.

Frage: Ihnen wird das Protokoll des Verhörs der Zeugin Büschljabe Johanna vom 11. März 1946 vorgelesen.

Berichten Sie, in welchen Angelegenheiten Sie zusammen mit Ludwig Topf eine Korrespondenz mit der Gestapo führten!

Antwort: Ich habe niemals irgendeine Korrespondenz mit den Gestapo-Organen geführt. Persönlich habe ich lediglich von Zeit zu Zeit Ludwig Topf über die Stimmung der Arbeiter sowie über den Zustand der Ausrüstung im Betrieb unterrichtet, wie ich schon vorher ausgesagt habe. Es unterliegt keinem Zweifel, dass Ludwig Topf meine Information für einen schriftlichen Bericht zuhanden der Gestapo benutzt hat. Doch diesen Bericht erstellte er ohne meine Beteiligung.

Frage: Ab wann und in welcher Anzahl wurden ausländische Arbeiter zur Arbeit in der Firma Topf und Söhne herangezogen?

Antwort: In der Fabrik der Firma Topf arbeiteten ungefähr 270 ausländische Arbeiter. Die ersten davon kamen in kleinen Gruppen von 20 bis 30 Mann im Jahre 1941 zu uns.

Frage: Welchen Nationalitäten gehörten diese Arbeiter an, und auf welche Art und Weise wurden sie der Firma zur Verfügung gestellt?

Antwort: Der Firma Topf wurden die ausländischen Arbeiter durch das Arbeitsamt zugeteilt. Die erste Gruppe ausländischer Arbeiter, die der Firma zur Verfügung gestellt wurden, bestand ausschliesslich aus französischen Kriegsgefangenen. Es handelte sich um dreissig Mann. Dies war im Jahre 1941. Später kamen zu uns in kleinen Gruppen Arbeiter aus Belgien, Holland, Russland und Italien. Bis Ende 1942 waren es ungefähr 270 Personen. Sie alle arbeiteten bis zur Kapitulation Deutschlands in der Firmenfabrik. Unter diesen Arbeitern gab es ungefähr 70 Russen.

Frage: Wem waren diese Arbeiter unmittelbar unterstellt, und wer verteilte sie auf die Arbeitsplätze?

Antwort: Alle in der Firmenfabrik tätigen ausländischen Arbeiter waren mir unterstellt und wurden von mir unter Beteiligung des Bevollmächtigten der nazistischen Partei (Betriebsobmann) Pudens auf die Arbeitsplätze verteilt. Der Hauptteil dieser Arbeiter wurde von mir zur Verrichtung von Hilfsarbeiten auf die Werkstätten der Fabrik verteilt. Einige von ihnen wurden als Schlosser, Dreher etc. eingesetzt.

Frage: Wo und unter welchen Bedingungen wurden diese Arbeiter untergebracht?

Antwort: Die in den Anlagen der Firma Topf und Söhne angestellten ausländischen Arbeiter wurden in einem eigens dafür errichteten Fabriklager in sechs Holzbaracken untergebracht und von der Polizei bewacht. Sie wurden schlecht ernährt.

All diese Arbeiter wurden von mir in Gruppen von jeweils zwei bis drei Mann deutschen Facharbeitern der Firma zugeteilt, die ihnen auf meine Anweisungen hin bestimmte Aufgaben zuwiesen und ihre Arbeit kontrollierten.

Anfangs war für die ausländischen Arbeiter genau wie für die deutschen die Achtundvierzigstundenwoche festgelegt, aber später, ab Ende 1942, wurde auf Geheiss der deutschen Behörden für sie die Sechsundfünfzigstundenwoche eingeführt.

Sie bekamen 25 bis 30% weniger Lohn als die festangestellten Arbeiter der Firma. Davon erhielten sie lediglich einen geringen Teil ausbezahlt, denn fast ihr ganzer Lohn wurde für ihre Verpflegung und andere Leistungen aufgewendet.

Frage: Gab es Konflikte zwischen diesen Arbeitern und der Verwaltung der Firma Topf?

Frage: Während der ganzen Zeit kam es zwischen den ausländischen Arbeitern und der Verwaltung der Firma Topf lediglich einmal zu einem Konflikt, und zwar 1943. Damals geschah folgendes:

Wegen der schlechten Ernährung weigerten sich die ausländischen Arbeiter geschlossen, zur Arbeit anzutreten. Als man mir Meldung darüber erstattete, ging ich persönlich zu den Lagerbaracken und überzeugte mich, dass die Nahrung für die Arbeiter sehr schlecht zubereitet war, worauf ich der Lagerverwaltung die Anweisung erteilte, sie besser zu ernähren. Darauf verhandelte ich mit den Arbeitern und überredete sie, zur Arbeit anzutreten. Auf diese Weise wurde dieser Konflikt von mir ohne jede Gewaltanwendung gelöst.

Frage: Haben Sie der Gestapo über diesen Konflikt berichtet?

Antwort: Nein, ich habe persönlich Firmenchef Ludwig Topf darüber berichtet. Ob er der Gestapo dann Meldung über diesen Konflikt erstattet hat, weiss ich nicht.

Frage: Wurden Repressionsmassnahmen gegen die Teilnehmer an dieser Hungerrevolte getroffen?

Antwort: Nein, es gab keine.

Frage: Kam es zu Verhaftungen ausländischer Arbeiter?

Antwort: Von den ausländischen Arbeitern, die in der Firma Topf und Söhne tätig waren, wurden während der gesamten Zeit nur zwei Personen verhaftet, Bürger der UdSSR, wie ich bereits vorher festgehalten habe.

Dabei blieb der von der Polizei wegen der Verprügelung eines deutschen Arbeiters festgenommene ukrainische Arbeiter Kusmenko nicht länger als eine Woche in Haft und wurde dann freigelassen. Danach arbeitete er bis zur Kapitulation Deutschlands weiter in der Firmenfabrik.

Über das Schicksal des zweiten Arbeiters, der von der Gestapo verhaftet wurde, dem Vernehmen nach wegen Teilnahme an der Herstellung und Verbreitung antifaschistischer Flugblätter, weiss ich nichts.

Gerüchten zufolge stand dieser Arbeiter mit irgendeiner Untergrundorganisation in Verbindung, die in einem anderen deutschen Betrieb existierte. Diese Organisation wurde von der Gestapo aufgedeckt, und in der Folge wurde dieser Arbeiter denn auch festgenommen.

Frage: Hatten Sie als stellvertretender Bevollmächtigter der Abwehr in der Firma Topf Ihre Agenten unter diesen ausländischen Arbeitern?

Antwort: Nein, ich hatte keine solchen. Ich verlangte lediglich von den Werkstattleitern, sie sollten das Verhalten der ausländischen Arbeiter während ihrer Arbeit in den Werkstätten der Firma beobachten und ihre Arbeit kontrollieren.

Frage: Gab es unter den in den Betrieben der Firma Topf tätigen ausländischen Arbeitern Halbwüchsige?

Antwort: Unter den in der Fabrik der Firma Topf tätigen ausländischen Arbeitern gab es 12 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren, samt und sonders Russen. Äusserlich wirkten sie alle physisch kräftig und erwachsen, weshalb sie unter gleichen Bedingungen wie die erwachsenen Arbeitern eingesetzt wurden. Dabei arbeiteten zwei Halbwüchsige von 14 bis 15 Jahren acht Stunden täglich, weil sie der Lehrlingswerkstatt zugeteilt waren, wo sie auch das Dreher- und Schlosserhandwerk lernten.

Frage: Wie haben Sie persönlich die ausländischen Arbeiter, die in der Fabrik der Firma Topf und Söhne tätig waren, behandelt?

Antwort: Ich persönlich als Produktionschef der Firma habe von diesen Arbeitern gefordert, eine positive Einstellung zu ihrer Arbeit an den Tag zu legen und die Produktionsaufgaben qualitativ zufriedenstellend sowie fristgemäss zu erfüllen. Zu diesem Zweck habe ich sie den Werkstattleitern sowie einzelnen Facharbeitern der Firmenfabrik zugeteilt, welche ihre Arbeit kontrollierten.

Frage: Welche Sanktionen oder Strafen haben Sie gegen diese Arbeiter wegen von ihnen begangener Verfehlungen verhängt?

Antwort: Für schlechte Einstellung zur Arbeit, Fernbleiben von der Arbeit u.a. haben wir, d.h. ich und die Werkstattleiter die ausländischen Arbeiter gerügt und in einzelnen Fällen bestraft. Andere Sanktionen wurden nicht verhängt.

Frage: Wurden diese Arbeiter geschlagen?

Antwort: Es gab Fälle, wo der Kommandant des Fabriklagers Buchrewer [Transkription] und der Aufseher Wittermann, der auf den Zustand der Fabrikausrüstung aufpasste, ausländische Arbeiter geschlagen haben. Ich habe nie einen von diesen Arbeitern geschlagen. Dem hier Dargelegten möchte ich hinzufügen, dass Buchrewer und Wittermann nach dem Einmarsch von Einheiten der Roten Armee in Erfurt von den sowjetischen Armeebehörden festgenommen worden sind.

Frage: Wem unterstanden Buchrewer und Wittermann?

Antwort: Lagerführer Buchrewer war ein Mitarbeiter der S.A. [Sicherheitsabteilung?], wurde aber von der Firma Topf und Söhne bezahlt. Als Kommandant des Lagers unterstand er dem betreffenden S.A.-Organ, jedoch auch dem Firmenchef Ludwig Topf. Der Aufseher Wittermann war mir unterstellt.

Frage: Ihnen werden die Aussagen von Erdman P., Moirer G., Schmidt G., Bak O. sowie Risljand A. über die Lage der ausländischen Arbeiter in der Fabrik der Firma Topf sowie Ihre Behandlung dieser Arbeiter vorgelesen. [Alle Namen sind transkribiert.] Was möchten Sie gegenüber der Ermittlungsbehörde zu den Aussagen erwähnter Zeugen bemerken?

Antwort: Die Aussagen der zuvor aufgezählten Zeugen über die Lager der ausländischen Arbeiter in der Firma Topf und Söhne sind im wesentlichen korrekt.

Was meine Behandlung dieser Arbeiter betrifft, haben die Zeugen nicht richtig ausgesagt. Ich habe tatsächlich stets und von allen Arbeitern eine positive Einstellung zur Arbeit sowie eine qualitative zufriedenstellende Erfüllung der Produktionsaufgaben gefordert. Diese Forderungen erhob ich auch gegenüber den ausländischen Arbeitern, doch war ich ihnen gegenüber nicht grob und erinnere mich an keine Fälle, wo ich einen von ihnen persönlich gescholten hätte.

Vorher habe ich bereits ausgesagt, dass fast alle ausländischen Arbeiter von der Firma zu Hilfsarbeiten herangezogen worden und zu diesem Zweck von mir den Werkstattleitern sowie einzelnen Facharbeitern deutscher Nationalität zugeteilt worden sind. Wenn diese oder jene Produktionsaufgabe nicht fristgemäss erfüllt wurde, sprach ich deshalb darüber lediglich mit diesen Werkstattleitern oder Facharbeitern und nicht mit den ausländischen Arbeitern.

In der Fabrik der Firma arbeiteten von den russischen Bürgern, oder genauer gesagt den Bürgern der UdSSR, zwei Jugendliche von 14 bis 15 Jahren und ungefähr zehn im Alter von 16 bis 17 Jahren.

Die beiden 14 bis 15 Jahre alten Halbwüchsigen wurden von mir der Lehrlingswerkstatt zugewiesen, wie sie das Dreher- und Schlosserhandwerk lernten. Dabei arbeiteten sie acht Stunden täglich. Die übrigen Jugendlichen wurden unter gleichen Bedingungen wie die erwachsenen Arbeiter zu Hilfsarbeiten eingesetzt.


Fritz Sander | Kurt Prüfer | Karl Schultze

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