Kurt Prüfers Notiz vom 8.9.1942
und die Fantasien des „Holocaust History Project“

Von Carlo Mattogno

Vorgeschichte

Auf der Website des „Holocaust History Project“ erschien im Dezember 2004 ein kurzer Artikel mit der Überschrift „80,000 Cremation Capacity per Month not Sufficient for Auschwitz – New Document“.1 Sein einziger Wert besteht darin, daß dort ein unveröffentlichtes Dokument vorgestellt wird, welches Jean-Claude Pressac im Jahre 1995 bei seinen Forschungen im Archiv der Firma EMS (Erfurter Mälzerei und Speicherbau), der Nachfolgerin der Firma Topf und Söhne, Erfurt, aufgefunden hatte. Nach Pressacs Tod am 23. Juli 2003 kam ein Teil der von ihm zusammengestellten Dokumentation über die Fa. Topf, einschließlich der Unterlagen aus dem o.a. Archiv, nach seinem Willen in das Thüringische Hauptarchiv Weimar. Ein Beamter dieses Archivs, Bernhard Post, hat später das fragliche Schriftstück an das „Holocaust History Project“ weitergeleitet. Der o.e. Artikel sagt dazu:

„Es handelt sich um eine Notiz von Kurt Prüfer, einem Angestellten von Topf und Söhne, einer Firma, die Krematoriumsöfen herstellte. Prüfer war der Erbauer der Krematoriumsöfen in Auschwitz. In dieser als „geheim“ und „vertraulich“ bezeichneten Notiz berichtet Prüfer von einem kurz zuvor erfolgten Gespräch mit Obersturmführer Krone von der Abteilung Bau und Bauten im [SS-] Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) über den Krematoriumsbedarf in Auschwitz.

Krone informierte Prüfer darüber, daß er mit Brigadeführer Kammler (in der Notiz fälschlich Kämmer) gesprochen habe, dem Leiter der Abteilung Bau und Bauten im WVHA. Kammler ist in der Holocaust-Geschichtsschreibung bekannt als Adressat eines Briefes des Leiters der Zentralbauleitung Auschwitz vom 29. Januar 1943 in dem gesagt wird, daß es einen „Vergasungskeller“ in einem als „Krematorium II“ bekannten Gebäude in Auschwitz gab.

Prüfer vermerkt, daß er Krone, der gerade aus Auschwitz zurückgekommen war, gesagt habe, daß das Lager mit genügend Öfen versorgt werden könne, um die Einäscherungskapazität auf 2650 pro Tag bzw. 80.000 pro Monat zu bringen. Prüfer sagt jedoch: „Herr K. erklärte, daß diese Anzahl von Muffeln noch nicht ausreichend sei, wir sollten noch weitere Öfen schnellstens liefern“.

Prüfer wurde also von der Bauabteilung des Dritten Reiches darüber informiert, daß eine Verbrennungskapazität von etwas unter 1 Million pro Jahr für den Bedarf in Auschwitz noch nicht ausreichend sei! Wir haben hier das erste Dokument aus der Zeit vor dem Bau von 46 Öfen in vier Krematorien im Bereich Birkenau des Lagers (es gab damals schon sechs Öfen im Stammlager Auschwitz), aus dem ein wahres Bild hervorgeht, das sich die SS in Berlin vom Ziel der Mordaktivität in Auschwitz in Bezug auf den echten Verbrennungsbedarf machte. Diese Notiz widerlegt eindeutig die Holocaustleugner, die da sagen, die Krematorien von Auschwitz seien nur für normale gesundheitliche Zwecke verwendet worden. Kein solcher Leugner hat je vorgegeben, daß normale Gesundheitsmaßnahmen solche außergewöhnlichen Verbrennungskapazitäten benötigen würden. Als die Notiz geschrieben wurde, wurden die Opfer der Vergasungen im Freien in der Nähe zweier provisorischer Gaskammern verbrannt“.

Das Dokument

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Der Text des Dokuments lautet:

TOPF

An J.A. TOPF UND SÖHNE
Abteilung D IV

Erfurt, den 8.9.42

Unser Zeichen: D IV/Prf./hes

In Sachen: Reichsführer SS, Berlin-Lichterfelde-West.

Betrifft: Krematorium-Auschwitz.

Vertraulich! Geheim!

8.9.42 Herr Obersturmführer Krone ruft an und erklärt, daß er zum Brigadeführer Kämmer bestellt sei und über seine Besichtigung des Krematoriums in Auschwitz, von der er gestern zurückgekehrt sei, zu berichten habe. Aus der Anlage in Auschwitz wäre er nicht klug geworden und wollte sich deshalb genau informieren, wieviel Muffeln dort zur Zeit in Betrieb seien, und wie viele Öfen mit Muffeln wir zur Zeit dort bauen und noch liefern.

Ich gab an, daß zur Zeit 3 Stück Zwei-Muffel-Öfen mit einer Leistung von 250 je Tag in Betrieb seien. Ferner wären jetzt in Bau 5 Stück Dreimuffel-Öfen mit einer täglichen Leistung von 800. Zum Versand kämen heute und in den nächsten Tagen die von Mogilew abgezweigten 2 Stück Achtmuffel-Öfen mit einer Leistung von je 800 täglich.

Herr K. erklärte, daß diese Anzahl von Muffeln noch nicht ausreichend sei; wir sollen noch weitere Öfen schnellstens liefern. Es ist daher zweckmäßig, daß ich am Donnerstag Vormittag nach Berlin käme, um mit Herrn K. über weitere Lieferungen zu sprechen. Ich soll Unterlagen über Auschwitz mitbringen, damit nun endgültig einmal die dringenden Rufe verstummen würden.

Den Besuch für Donnerstag habe ich zugesagt.“

Hier sei gesagt, daß die in der Notiz erwähnten 5 Öfen von je 3 Muffeln zu dem Krematorium II gehörten, dem einzigen, das damals „im Bau“ war, während die „2 Stück Achtmuffelöfen“ später in Birkenau eingebaut wurden, und zwar einer im Krematorium IV und einer im Krematorium V.

Pressacs Angaben

Es soll hier zunächst vor allem gesagt werden, daß die Angaben, die Pressac 1998 zu dem Dokument gemacht hat, falsch und irreführend sind. Er schreibt nämlich dazu:2

„Die Frage der Kapazität der Krematorien von Auschwitz-Birkenau wird durch eine interne Notiz Prüfers vom 8. September 1942 beantwortet, welche die Überschrift „Reichsführer SS, Berlin-Lichterfelde-West, Krematorium-Auschwitz. Vertraulich! Geheim!“ trägt. Dort heißt es, die drei 2-Muffelöfen des Krematorium I könnten täglich 250, die fünf 3-Muffelöfen des Krematorium II täglich 800, jene des Krematorium III täglich gleichfalls 800, die beiden 4-Muffelöfen des Krematorium IV täglich 400 und jene des Krematorium V täglich ebenfalls 400 Leichen verbrennen (was einer Gesamtkapazität von 2650 Leichen entspricht, die allerdings nie erreicht wurde). Diese Note des damals besten deutschen Kremierungsfachmanns zeigt, daß die am 28. Juni 1943 von der Bauleitung [richtig: Zentralbauleitung] von Auschwitz gegenüber Berlin genannte Gesamteinäscherungskapazität von 4756 Leichen pro Tag stark übertrieben ist.“

Das Originaldokument spricht jedoch nicht vom Krematorium III, sondern – indirekt – nur vom Krematorium II; ferner, und das ist ärger, wird den Krematorien IV und V – ebenfalls indirekt – in dem Original nicht eine Kapazität von je 400 sondern von je 800 Leichen pro Tag zugeschrieben. Auf diese Weise hat Pressac zwar eine dem Dokument entsprechende Verbrennungskapazität erreicht – 2650 Leichen pro Tag – aber nur durch einen groben Fehler, und das obwohl der Text des Dokumentes hier keinen Zweifel zuläßt, den der Satz „2 Stück 8-Muffelöfen mit einer Leistung von je 800 täglich“ kann nur bedeuten, daß jeder dieser 8-Muffelöfen – und somit jedes der zukünftigen Krematorien IV und V – täglich 800 Leichen verbrennen konnte.

Ein solcher Fehler konnte also nur gewollt sein, so daß wir es hier mit einer echten Irreführung zu tun haben – aber wozu?

Die Leute vom „Holocaust History Project“ zeigen hier wieder einmal in aller Öffentlichkeit ihre tragische geschichtliche Ignoranz, ihre technische Inkompetenz, sowie ihre historiographische Unfähigkeit in der Analyse eines historischen Dokuments in seinem Umfeld durch die Herausarbeitung und Diskussion der Probleme, die sich aus ihm ergeben.

Ihr Dilettantismus zeigt sich schon ganz klar, wenn sie den SS-Brigadeführer Hans Kammler, den Leiter der Amtsgruppe C – Bauwesen im SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt [WVHA] als „in der Holocaust-Geschichtsschreibung bekannt“ bezeichnen, einfach weil er „Adressat eines Briefes des Leiters der Zentralbauleitung Auschwitz vom 29. Januar 1943“ war! Das ist so, als würde man sagen, Heydrich sei „in der Holocaust-Geschichtsschreibung bekannt“, nur weil er „der Adressat“ des Briefes von Göring vom 31. Juli 1941 war!

In einem anderen Artikel habe ich mich schon mit dem fraglichen Dokument auf Grund von Pressacs Angaben dazu befaßt.3 Die Veröffentlichung des Originals erlaubt mir jetzt, die damaligen Bemerkungen durch neue Argumente zu vertiefen.

Neues Dokument, neue Widersprüche.

Wie wir oben gesehen haben, verkündet „Holocaust History Project“ triumphierend, daß dieses Dokument eine kriminelle Bedeutung habe, man hütet sich aber, auf die schwerwiegenden Widersprüche einzugehen, die es für die Holocaust-Dogmatik darstellt.

Der bedeutsamste Widerspruch ist die Tatsache, daß die in dem Dokument für die einzelnen Verbrennungseinrichtungen erwähnte Leistung absolut nicht mit der Leistung übereinstimmt, die im Brief der Zentralbauleitung vom 28. Juni 19434 aufgeführt wird und die bisher, in noch zu diskutierenden Grenzen, von den Dogmatikern als wahr angesehen worden ist. In diesem Dokument5 werden den 6 Muffeln im Krematorium I eine Leistung von 340 Leichen in 24 Stunden zugeschrieben, den 5 Öfen von je 3 Muffeln der Krematorien II und III eine solche von 1440 Leichen in 24 Stunden und den je 8 Muffeln der Krematorien IV und V je 768 Leichen täglich. Diese Zahlen sind einfach reiner wärmetechnischer Unsinn.

Der Erläuterungsbericht zum Vorentwurf für den Neubau des Kriegsgefangenenlagers der Waffen-SS, Auschwitz O/S vom 30. Oktober 1941 sagt aus, daß das neue, für Birkenau vorgesehen Krematorium (das künftige Krematorium II), 5 Öfen mit je 3 Muffeln habe, wobei in jeder dieser Muffeln 2 Leichen in einer halben Stunde verbrannt werden könnten, also insgesamt 60 Leichen pro Stunde oder 1440 Leichen in 24 Stunden.6 Wie schon Pressac angemerkt hat, sind dies die Grundlagen für die Angaben zur Leistung der einzelnen Krematorien in Birkenau im Brief der Zentralbauleitung vom 28. Juni 1943 und ich habe dafür auch die Gründe erwähnt.7 Die Tagesleistung von 1440 Leichen in 15 Muffeln (5 mal 3 Muffeln) entspricht nämlich genau (1440 : 15 x 8 =) 768 Leichen in 8 Muffeln.

Es ist also erwiesen, daß die Verbrennungsleistung der vier Birkenauer Krematorien im Brief der Zentralbauleitung lediglich aus dem o.e. Erläuterungsbericht errechnet worden ist.

Wie erklärt es sich nun, daß gegenüber Prüfers Notiz die Leistung der 15 Muffeln (des zukünftigen Krematoriums II) im Brief der Zentralbauleitung von 800 auf 1440 Leichen täglich ansteigt, also um 73%,während die der 8 Muffeln (der zukünftigen Krematorien IV und V) von 800 auf 776 sinkt? Dies ist so unerklärlich, daß sogar Pressac, der Entdecker dieser Angaben, sie abgeändert hat, indem er 400 für 800 hinschrieb, und es ist sicher nicht ohne Bedeutung, daß er das fragliche Dokument nie veröffentlicht hat.

Prüfers Notiz enthält einen weiteren Widerspruch, der noch unerklärlicher ist: es wird den 8 Muffeln der späteren Krematorien IV und V dieselbe Leistung wie den 15 Muffeln des zukünftigen Krematoriums II zugeschrieben, nämlich 800 Leichen pro Tag. Daraus folgt, daß der 8-Muffelofen eine fast doppelt so hohe spezifische Leistung wie die 5 Öfen mit je 3 Muffeln besaß, und zwar (800 : 8 =) 100 Leichen, gegenüber (800 : 15 =) 53 Leichen täglich pro Muffel! Dies ist ein eklatanter Widerspruch zu einem anderen Hauptsatz der offiziellen Geschichtsschreibung, nämlich dem des geringeren oder bestenfalls gleichen Wirkungsgrades der 8 Muffeln verglichen mit den 3 Muffeln, und insbesondere

a) zu dem Brief der Zentralbauleitung der, wie wir gesehen haben, für die 5 Öfen mit je 3 Muffeln 1400 Leichen, also 96 pro Tag und Muffel ausweist, und für den Ofen mit 8 Muffeln ebenfalls 96,

b) zu den Aussagen der Zeugen, z.B. Henryk Tauber, der von durchschnittlich 4320 Leichen pro Tag für die fünfmal 3 Muffeln (d.h. 289 pro Tag und Muffel) und von 1481 für die 8 Muffeln (d.h. 185 Leichen pro Tag und Muffel) spricht.8

Man weiß, daß der 8-Muffelofen, der aus zwei zusammengelegten Öfen von je 4 Muffeln und je 2 Vergasern bestand, eine als Behelfsmaßnahme konstruierte und gebaute Anlage war, die im Vergleich zum 3-Muffelofen nur wärmetechnische Nachteile hatte: eine geringere Heizleistung (4 Vergaser für je 35 kg Koks pro Stunde für die 8 Muffeln, also 17,5 kg Koks pro Stunde pro Muffel gegenüber 2 gleichartigen Vergasern für 3 Muffeln, also 23,3 kg Koks pro Stunde pro Muffel); ein leichteres feuerfestes Mauerwerk (d.h. weniger Wärmespeicherung), kein Druckluftgebläse, eine schlechtere Ofenführung, weil ein einziger Schieber für die 4 Rauchgaskanäle gegenüber sonst 3 Kanälen vorhanden war.

Daher konnte die Verbrennungsleistung einer Muffel des 8-Muffelofens niemals höher sein als die eines 3-Muffelofens, und doch spricht die Prüfersche Notiz, wie wir gesehen haben, von 100 Leichen pro Tag pro Muffel für den 8-Muffelofen und von 53 Leichen pro Tag pro Muffel für den 3-Muffelofen. Wie kann man dieses wärmetechnische Rätsel lösen?

Der Zusammenbruch der Zeugenaussagen

Das neue Dokument steht ferner in radikalem Gegensatz zu den Aussagen des sogenannten „Sonderkommandos“ in Bezug auf die Kapazität der Krematorien in Birkenau und widerlegt die alberne Behauptung der offiziellen Geschichtsschreibung, daß sie der Realität entsprechen. Ich will mich hier auf die beiden wichtigsten Aussagen beschränken.

Henryk Tauber ist der Zeuge, dem die Historiker des Holocausts am meisten Glauben schenken. Schon Pressac9 hielt ihn für 95%ig zuverlässig („being 95% historically reliable“) und Robert Jan van Pelt10 hält ebenfalls große Stücke auf ihn. Bei seiner ersten Befragung, am 27.-28. Februar 1945, die ich schon erwähnt habe, erklärte er, daß man in den Öfen der Krematorien II und III normalerweise 4–5 Leichen in 20–25 Minuten verbrennen konnte, also im Durchschnitt 4320 Leichen pro Tag in jedem dieser Krematorien; die Öfen der Krematorien IV und V konnte man gleichfalls mit 4–5 Leichen beschicken, die in 35 Minuten verbrannten, was einer durchschnittlichen Leistung von 1481 Leichen in 24 Stunden entspricht. Insgesamt schreibt der Zeuge den Krematorien von Birkenau eine Leistung von 11.602 Leichen pro Tag zu!

In der folgenden Befragung durch den polnischen Untersuchungsrichter Jan Sehn veränderte Tauber die Leistung, die er vorher für die Krematorien II/III angegeben hatte, drastisch und sagte, im Krematorium II seien „täglich im Durchschnitt 2500 Leichen verbrannt worden“.11 Auf diese Weise reduzierte er völlig ohne Erklärung die vorher von ihm genannte Kapazität um 57%; sie lag damit immer noch dreimal so hoch wie in Prüfers Notiz.

Stanisław Jankowski erklärte in seiner Befragung vom 13. April 1945:12

„In Birkenau bestanden schon damals vier Krematorien. Krematorium II und III mit je 15 Öfen und einem täglichen Fassungsvermögen von 5000 Leichen sowie die Krematorien IV und V mit je 8 Öfen, die zusammen täglich ungefähr 3000 Leichen verbrannten. In diesen vier Öfen [Krematorien] konnte man zusammen circa 8000 Leichen täglich verbrennen.“

Wie wir gleich sehen werden, wurde diese Zahl von Franciszek Piper als wirkliche Leistung der Krematorien in Birkenau übernommen, aber die Angabe des Zeugen für die fünf 3-Muffelöfen ist mit 2500 mehr als dreimal so hoch wie die Zahl bei Prüfer und die für den 8-Muffelofen mit 1500 fast doppelt so hoch. Wie kann man nun diese merkwürdigen Aussagen mit Prüfers Notiz vom 8. September 1942 in Einklang bringen?

Man könnte vermuten, Prüfers Notiz sei auf der Basis von theoretischen Erwartungen erstellt worden, die dann in der Praxis übertroffen wurden. Ein Argument dieser Art wird normalerweise von Holocaust-Historikern verwendet, um die Angaben im Brief der Zentralbauleitung vom Tisch zu wischen und auf diese Weise die Glaubwürdigkeit der Zeugen zu retten.

Der offizielle Fluchtweg, über den man die noch verrückteren Behauptungen der Zeugen ins Trockene bringen will, ist genau dieser: die Zahl in dem Dokument war die „normale“ Verbrennungsleistung, aber dank der großen Anstrengung der Heizer im so genannten „Sonderkommando“ wurde sie verdoppelt.

Hierzu schreibt Franciszek Piper:13

„Man brauchte für die Verbrennung von drei Leichen in einer Muffel etwa 20 Minuten. Die Häftlinge versuchten jedoch, die Zahl der Beschickungen zu senken, verbrannten vier bis fünf Leichen auf einmal und streckten die Verbrennungsdauer auf 25 bis 30 Minuten. Etwa 250014 Leichen konnten in den Krematorien II und III innerhalb von 24 Stunden verbrannt werden. Diese Leistung überstieg die von Topf und Söhne angegebene Verbrennungskapazität um 43%.15 (Topf nahm an, daß zwei Leichen in einer halben Stunde verbrannt werden konnten). [...] Häftlinge aus dem Sonderkommando gaben jedoch an, daß bis zu 1500 Leichen in 24 Stunden verbrannt werden konnten (drei bis fünf in 20 bis 30 Minuten)“.

Einige Seiten davor sagt Piper:16

„In ihrem Bemühen, die Verbrennungsleistung der Öfen zu steigern, empfahl die Lagerverwaltung, die Verbrennungszeit auf 20 Minuten zu senken und die Zahl der Leichen, je nach Größe, auf drei anzuheben. So verdoppelte sich die Leistung beinahe und erreichte 8000 Leichen in 24 Stunden,17 laut Aussage eines Häftlings des Sonderkommandos, Feinsilber [alias Jankowski]“.

Nur Leute, die mit dem Bau und der Arbeitsweise der Birkenauer Krematorien völlig unvertraut sind – oder böswillige Leute – können auf die absurde Idee kommen, daß es genügen würde, die Beschickung der Muffeln mit Leichen zu erhöhen, um die Leistung zu steigern. Das ist hier aber nicht wichtig. Worum es geht, ist, daß sich völlig abwegige Resultate ergeben, wenn man diesen Gedankengang auf Prüfers Notiz anwendet.

Wenn sich unter der wundersamen Steuerung der Öfen durch die Heizer aus dem sogenannten „Sonderkommando“ die fünf Öfen zu je drei Muffeln wirklich auf eine Steigerung ihrer Leistung um 73% bringen lassen würden (von 800 auf 1400 Leichen), warum ergibt sich dann für die beiden 8-Muffelöfen ein Absinken der Verbrennungsleistung um 4% (von 800 auf 768 Leichen)?

Und warum stieg die Leistung der am 8. September 1942 bereits in Betrieb befindlichen drei Doppelmuffelöfen im Krematorium I nur um 36% (von 250 auf 340)? Also auch dieser Fluchtweg führt ins Nichts.

Wir können daher nur geduldig auf die Erklärungen der Fachleute vom „Holocaust History Project“ warten.

Die Kommentare von F. Piper und R. J. van Pelt

Die Interpretation des Dokuments durch F. Piper (nach den Angaben von Pressac) ist durchaus enttäuschend. Er schreibt:18

„Weitere Vorbehalte erweckt die Interpretation der in der Notiz Prüfers enthaltenen Bezeichnung Tagesleistung. F. Meyer vertrat die Ansicht, daß es um die Leistung innerhalb von 24 Stunden gehe. Das Ergebnis einer solchen Interpretation bedeutet eine Verringerung der Leistungsfähigkeit der Öfen um die Hälfte. Wenn Prüfer jedoch befürchtete, die Öfen könnten die ursprünglich vorgesehene Belastung nicht aushalten, dann bestand die einzige Vorbeugungsmaßnahme darin, die Betriebszeit der Krematorien zu begrenzen. Das bestätigt ein dienstlicher Vermerk des Angestellten der Zentralbauleitung Jährling vom 17. März 1943 bezüglich des voraussichtlichen Koksverbrauchs in den Krematorien. Sich erneut auf die Angaben der Firma Topf und Söhne vom 11. März 1943 berufend, berechnete er, daß die Birkenauer Krematorien täglich 7840 kg Koks verbrauchen würden. In dem Aktenvermerk erläutert er auch, daß die Firma Topf und Söhne unter täglichem Betrieb eine zwölfstündige Nutzung verstehe. Man kann demnach mit allergrößter Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß sich die von Prüfer genannten neuen Zahlen von 800 verbrannten Leichen in den Krematorien II oder III und von 400 Leichen in den Krematorien IV oder V auf eine zwölfstündige Arbeitszeit der Krematorien beziehen“.

Wir wollen hier nicht die phantasievollen Vermutungen von Piper diskutieren, über den angeblichen Versuch Prüfers, „einen schon geschlossenen und in Ausführung befindlichen Vertrag zu ändern“, weil ihm klar geworden war, daß seine Öfen eine geringere als im o.g. Erläuterungsbericht angegebene Verbrennungsleistung hätten, denn ich habe diese Vermutungen schon in einer anderen Schrift vollauf widerlegt.19 Hier sei nur hinzugefügt, daß, wenn die Leistung in Prüfers Notiz sich auf eine tägliche Betriebszeit von 12 Stunden bezieht (wie Piper fälschlich annimmt), dann hätte die Leistung der fünf 3-Muffelöfen bei 1600 Leichen in 24 Stunden und die der 8-Muffelöfen bei 800 Leichen in 24 Stunden gelegen (nach Pressacs Angaben). Diese Zahlen sind noch höher als die im Brief der Zentralbauleitung und Pipers Vermutungen werden somit noch unsinniger.

Piper hat nichts anderes gemacht, als die vorher von R. J. van Pelt ausgedachten Erklärungen aufzunehmen und fortzuführen; R. J. van Pelt widmet Prüfer nur wenige Zeilen:20

„Der einzig mögliche Einwand gegen Bischoffs Zahl21 ist eine kürzlich aufgefundene Notiz des Topf-Ingenieurs Kurt Prüfer an die SS [sic] vom 8. September 1942. Prüfer berechnete die tägliche Verbrennungsleistung der drei Doppelmuffelöfen im Krematorium 1 mit 250 Leichen, die der fünf 3-Muffelöfen in den Krematorien 2 und 3 mit je 800 Leichen und die der 8-Muffelöfen in den Krematorien 4 und 5 mit je 400 Leichen. Kurz gesagt sollte die Leistung 2650 Leichen pro Tag betragen, also 55% von Bischoffs Zahl“.

Es ist klar, daß diese Zusammenfassung auf Pressacs Angaben beruht, den van Pelt jedoch nicht erwähnt; statt dessen nennt er die Archivnummer des Dokuments („AEMS, file 241“),22 die ebenfalls von Pressac stammt, womit er glauben machen will, er habe das Originaldokument gesehen. Dagegen widerlegt das Originaldokument van Pelts Interpretation, die er ausgedacht hat, um zu erklären, warum die beiden Dokumente so unterschiedliche Zahlen angeben; er sagt:23

„Wenn man Prüfers Zahlen betrachtet, muß man im Auge behalten, daß der Vertrag schon unterschrieben war und es somit in seinem Interesse lag, sehr vorsichtige Zahlen zu nennen, denn die Fa. Topf war ja für das Funktionieren der Öfen verantwortlich“.

Wenn es also in Prüfers „Interesse lag, sehr vorsichtige Zahlen zu nennen“, warum gab er dann für den 8-Muffelofen, also für die späteren Krematorien IV und V, Zahlen an, die noch über denen im Brief der Zentralbauleitung vom 28. Juni 1942 lagen? Van Pelts Erklärung ist somit völlig inkohärent.

Historisch-technische Analyse des Dokuments.

Der SS-Obersturmführer Krone gehörte zur Hauptabteilung CIII/3 – Maschinenbau und Elektrotechnik im SS-WVHA. Er hatte am 7. September 1942 das Krematorium I in Auschwitz besichtigt und sollte dem SS-Brigadeführer Kammler darüber berichten, dessen Name fälschlich als „Kämmer“ wiedergegeben ist.24

Als im Januar 1942 das SS-WVHA eingerichtet wurde, wurden die Hauptabteilungen der Amtsgruppe C-Bauwesen normalerweise von einem SS-Hauptsturmführer geleitet. Zum Beispiel leitete der SS-Hauptsturmführer Grosch die Hauptabteilung CIII/1-Ingenieurbau, der SS-Hauptsturmführer Ing. Götze, die Hauptabteilung CIII/2-Be- und Entwässerung, jedoch wurde die Hauptabteilung CIII/4 Vermessungswesen von SS-Untersturmführer Medwed geleitet und andere SS-Untersturmführer leiteten normalerweise die verschiedenen Abteilungen. Die Hauptabteilung CIII/3 unterstand dagegen einem Zivilisten – Dipl.Ing. Weiss – und zivile Ingenieure standen an der Spitze ihrer vier Abteilungen.25

Anzufragen und zu verstehen, wie hoch die Leistung von Krematorium I war, und wie viele Muffeln seinerzeit im Bau waren, erforderte keine genialen Fähigkeiten. Zudem ist der Besuch Krones in Auschwitz durch kein anderes Dokument belegt, so daß man keinen Vergleich ansetzen kann, mit dem sich diese unwahrscheinlichen Umstände aufklären ließen. Auch hier können wir nur die Erklärungen durch die „Fachleute“ vom „Holocaust History Project“ abwarten.

Auf Grund seines Ranges – direkt über dem eines SS-Untersturmführers – hätte Krone inzwischen vielleicht sogar zum Leiter der Hauptabteilung CIII/3 aufgestiegen sein können. Es ist daher schlechterdings unglaublich, daß er zur Besichtigung von Krematorium I nach Auschwitz geschickt worden war, aber nichts von der Anlage verstanden hatte. Noch unglaublicher ist es, daß er Prüfer anrufen mußte, um sich schlau zu machen, während er jede Art von Auskunft auch direkt vom Leiter der Zentralbauleitung in Auschwitz, SS-Hauptsturmführer Bischoff, hätte erhalten können.

Am 8. September 1942, dem Tage, an dem die fragliche Notiz geschrieben wurde, gab es die Krematorien von Birkenau noch nicht. Etwa am 23. August war im Krematorium von Buchenwald der erste 3-Muffelofen in Betrieb gegangen (der Typ war praktisch mit den für Birkenau II und III vorgesehenen Öfen identisch). Jedoch lag die durchschnittliche Sterblichkeit in Buchenwald in der Zeit zwischen dem 23. August und dem 8. September bei 10 Todesfällen pro Tag,26 daher konnte die Verbrennung von (800 : 5 =) 160 Leichen pro Tag in einem 3-Muffelofen in keinem Falle auf experimentellen Resultaten beruhen, sondern war nur eine Extrapolation.

Man muß auch berücksichtigen, daß einer der beiden Öfen in Buchenwald auch für eine Beheizung mit Öl eingerichtet war, er hatte somit eine höhere Leistung als der andere, der nur Koks verwenden konnte, doch weiß man nicht, welcher als erster gebaut wurde. Man kann daher hypothetisch eine Extrapolierung der Resultate des ölbefeuerten Ofens annehmen, aber auch dies wäre technisch nicht fundiert.

Schließlich erforderten die Öfen der Ignis-Hüttenbau im Krematorium von Theresienstadt

im Durchschnitt eine Verbrennungsdauer von 35 Minuten und erlaubten so eine theoretische Leistung von 41 Leichen pro Tag bzw. 615 Leichen in 15 Öfen.

Die Öfen der Ignis-Hüttenbau hatten eine 2,60 m lange Muffel (bei Topf waren es nur 2 m) in welche die Leichen mittels einer leichten Bahre aus rohen Brettern eingeführt wurden. Nach ca. 35 Minuten wurde der nun ausgetrocknete und in Einzelknochen zerfallene Rest mit einem Schieber in den hinteren Teil der Muffel, vor dem Brenner, verschoben, wo dann die Hauptverbrennung vor sich ging. In der Zwischenzeit belud man die Muffel im vorderen Teil mit einer neuen Leiche. So befanden sich immer zwei Leichen gleichzeitig in der Muffel, eine in Vortrocknung im vorderen Teil, eine in Hauptverbrennung im hinteren Teil; der Zeitpunkt der Einführung der jeweils neuen Leiche wurde als Ende der Verbrennung der vorigen angesehen, so daß man in Bezug auf die Leistung des Ofens von einer Verbrennungsdauer von 35 Minuten sprechen konnte, obwohl die Verbrennung der einzelnen Leiche selbst noch weitere 20 – 30 Minuten, vor dem Brenner, andauerte.

Es ist daher unmöglich, den Birkenauer 3-Muffelöfen, die notwendigerweise eine geringere Leistung aufwiesen, eine Kapazität von (160 : 3 =) 53 Verbrennungen, bzw. dem 8-Muffelofen sogar (800 : 8 =) 100 Verbrennungen pro Tag und Muffel zuzuschreiben.

Es läßt sich also sagen, daß Prüfers Notiz vom 8. September 1942 keine wirklichen Daten enthält, sondern bestenfalls Erwartungen für die fünf 3-Muffelöfen und unerklärlich absurde Daten für die beiden 8-Muffelöfen.

In seiner ersten Offerte für das zukünftige Krematorium II, die im o.g. Erläuterungsbericht vom 30. Oktober 1941 erwähnt wird, hatte Prüfer an einen (noch nicht existierenden) 3-Muffelofen gedacht, der 2 Kadaver gleichzeitig in einer halben Stunde verbrennen sollte. Er plante offenbar einen Ofen anderen Typs als später gebaut, eines Typs, der sich an Anlagen für Massenverbrennungen orientierte. Der am Ende gebaute Ofen war jedoch für die Verbrennung von einzelnen Leichen konstruiert.

Auch die in der Notiz vom 8. September 1942 für das Krematorium I angegebene Kapazität war maßlos übertrieben: ein Jahr zuvor hatte Prüfer selbst der SS-Neubauleitung im KL Mauthausen mitgeteilt, daß der Doppelmuffelofen Modell Auschwitz zwei Leichen pro Stunde verbrennen könne:

„Unser Herr Prüfer hatte Ihnen bereits mitgeteilt, daß in dem vorher angebotenen Ofen stündlich zwei Leichen zur Einäscherung kommen können.“27

Daher war die maximale Leistung dieses Ofens 48 Leichen in 24 Stunden und die der drei Doppelmuffelöfen in Auschwitz mithin 144. Prüfer gab den Doppelmuffelöfen in Auschwitz ungerechtfertigterweise die Leistungen, wie sie sich aus dem Brief der Topf an die SS-Neubauleitung im KL Mauthausen vom 9. Juli 1941 ergeben, wo gesagt wird:28

„In dem koksbeheizten TOPF-Doppelmuffel-Einäscherungsofen können in ca. 10 Stunden 30 bis 36 Leichen zur Einäscherung gelangen“

was einer Dauer des Verbrennungsprozesses von 33 – 40 Minuten entspricht. Eine Kapazität von 250 Leichen pro Tag für die 6 Muffeln ergibt tatsächlich eine Dauer von 34 – 35 Minuten. Der o.e. Brief bezog sich jedoch auf die Resultate des Betriebs des Ofens in Gusen, die nicht auf die 2- bzw. 3-Muffelöfen anwendbar waren. Der Rost des Ofens in Gusens bestand nämlich aus 8 rechteckigen Öffnungen von 30 x 25 cm Kantenlänge. Nach 35–40 Minuten fielen die ausgetrockneten und losen Leichenteile durch diese Öffnungen in den Aschekasten darunter, wo dann die Hauptverbrennung stattfand. In dieser Zeit wurde die nun freie Muffel mit einer neuen Leiche beschickt.

Bei dieser Verbrennungsart befanden sich immer zwei Leichen in einem Ofen, eine in der Muffel in einer Phase der Vortrocknung, eine weitere im Aschekasten in der Phase der Nach- bzw. Hauptverbrennung. Die stündliche Wärmezufuhr wurde durch ein geeignetes Saugzugsystem verstärkt, wodurch sich der Koksdurchsatz in den Herden erhöhen ließ.

Die Öfen mit zwei Muffeln im Krematorium I von Auschwitz hatten einen aus fünf Schamotte-Roststeinen bestehenden Rost, dessen Öffnungen 650 mm lang und kaum 50 mm breit waren, so daß die Verbrennung sich vollständig in der Muffel abspielte und nur kleinste Teile und Asche in den Aschekasten hindurchfielen.

In den 3-Muffelöfen hatten die Roststäbe, wie in den zivilen Öfen, einen Abstand von 21 cm, und die Leichenreste fielen erst in der Endphase der Hauptverbrennung in den Aschekasten, d.h. nach etwa einer Stunde.

Schließlich ist festzuhalten, daß die Mitglieder des Widerstandes im Lager, die sonst mit fantastischen Zahlen angeblich in Auschwitz Ausgerotteter hausieren, sich für das Krematorium I auf eine Kapazität von 200 Leichen pro Tag beschränken.29

Im Brief Bischoffs an das KL Stutthof vom 10. Juli 194230 – in dem gesagt wird, daß für 30.000 Häftlinge fünf 3-Muffelöfen geplant seien, – hatte Prüfer bereits die Idee verworfen, zwei Leichen in einer Muffel zu verbrennen, aber er konnte nicht auch noch die erwartete Dauer von 30 Minuten für eine Verbrennung aufgeben, so daß Bischoff dort sagt:

„Nach Angabe der Firma Topf & Söhne Erfurt dauert eine Verbrennung ca. 1/2 Stunde“.

Die praktischen Erfahrungen mit diesen Öfen widerlegen in eklatanter Weise die Hoffnungen und widersprüchlichen Erwartungen Prüfers. Nach dem Kriege sagte er aus, die Öfen im Krematorium II (und seiner spiegelbildlichen Entsprechung, Krematorium III) hätten einen einzigen Kadaver in einer Stunde verbrennen können, also 360 in 24 Stunden.

Ich beziehe mich hier auf das Verhör Prüfers durch sowjetische Beamte des SMERSH (der sowjetischen Spionageabwehr) in den Jahren 1946 bis 1948. Die Protokolle, die teilweise von Gerald Fleming erstmalig veröffentlicht wurden,31 der sie aber durch falsche Archivangaben und falsche Aktenzeichen unauffindbar gemacht hatte, wurden nun nach jahrelanger Suche von Jürgen Graf und mir aufgefunden. Jürgen Graf hat sie sodann übersetzt und in ihrem Umfeld analysiert.32

Im Verhör von Prüfer vom 5. März 1946 kann man lesen:

„Frage: Welche Anzahl von Leichen konnte in Auschwitz pro Stunde in einem Krematorium verbrannt werden?

Antwort: In einem Krematorium, das fünf Öfen oder fünfzehn Öffnungen (Muffeln) aufwies, verbrannte man in einer Stunde fünfzehn Leichen“.33

Die Verbrennung von 15 Leichen stündlich entspricht einer Leiche in einer Muffel und einer Stunde. Daraus ergibt sich, daß die theoretische Leistung der Krematorien IV und V bei 192 Leichen in 24 Stunden lag, praktisch ein Viertel der von Prüfer im September 1942 erträumten Leistung.

Prüfer bestätigte vollauf, was sein Kollege, Ing. Karl Schulze, am Vortag ausgesagt hatte:34

„In zwei Krematorien gab es je fünf Öfen, und in jeden Ofen wurden jeweils drei Leichen eingeschoben, d.h. es gab jeweils drei Öffnungen (Muffeln) in einem Ofen. Innert einer Stunde konnte man in einem Krematorium mit fünf Öfen fünfzehn Leichen verbrennen.“

Bei seinem Verhör am 19. März 1946 sagte Prüfer, in seinem Beisein seien zwei bis drei Leichen an Stelle von einer in eine Muffel eingeführt worden, aber die Öfen „nje spravljalis' s toi nagruzkoi“ „konnten eine solche Last nicht bewältigen“. Mit anderen Worten, das Experiment mißlang, einfach weil die Verbrennung von 2 oder 3 Leichen in einer Muffel unwirtschaftlich wurde, sowohl in Bezug auf die Dauer der Verbrennung, als auch hinsichtlich des Koksverbrauchs.35

So blieb eine wirtschaftlich vorteilhafte Verbrennung von 2–3 Leichen gleichzeitig in einer Muffel unmöglich. Daher ist die angebliche Steigerung der Verbrennungsleistung von 800 auf 1440 Leichen pro Tag völlig unerklärbar, und der Widerspruch zwischen Prüfers Notiz und dem Brief der Zentralbauleitung bleibt weiterhin unüberbrückt.

Die beiden Behauptungen – hinsichtlich der Dauer der Verbrennung und hinsichtlich der Unwirtschaftlichkeit von mehr als einer Leiche auf einmal in einer Muffel zum Zwecke der Steigerung des Durchsatzes – stimmen voll und ganz mit der reichhaltigen Dokumentation überein, die ich in diesem Falle gesammelt und vorab kurz in einem Artikel mit dem Titel „The Crematoria Ovens of Auschwitz and Birkenau“36 zusammengefaßt habe.

Andererseits haben sowohl Prüfer als auch Schulze die ihnen von ihren Gefängniswärtern vorgelegte These der Gasmorde und der Verwicklung von Topf in diesen Komplex aus leicht einsehbaren Gründen voll übernommen. Sie hatten daher gar kein Interesse daran, die Kapazität der Öfen zu verkleinern und haben auch nie eine solche Haltung in ihrer Verteidigung eingenommen, ebensowenig wie ihnen die Verhörenden jemals eine Erklärung für den o.e. schreienden Widerspruch abverlangt haben.

Der Bedarf an neuen Krematorien

Der Artikel des „Holocaust History Project“ läßt daher die unglaublichen Widersprüche, die sich aus Prüfers Notiz vom 8. September 1942 ergeben, völlig außer acht und konzentriert sich auf den Satz:

„Herr K. erklärte, daß diese Anzahl von Muffeln noch nicht ausreichend sei; wir sollen noch weitere Öfen schnellstens liefern“

Die bestehenden und bestellten Muffeln sollen eine Kapazität von insgesamt 2650 Leichen pro Tag, also (2650 x 30 =) 79.500 pro Monat gehabt haben und dabei immer noch unzureichend gewesen sein, daher soll das Dokument „ein wahres Bild, das die SS in Berlin sich vom Ziel der Mordaktivität in Auschwitz in Bezug auf den echten Verbrennungsbedarf machte“37 darstellen.

Wie schon woanders festgestellt,38 ist eine solche Überlegung völlig unbegründet, denn die Krematoriumsöfen konnten nicht einen Monat lang im Dauerbetrieb, 24 Stunden pro Tag, in Betrieb sein.

Im Erläuterungsbericht vom 30. Oktober 1941 bezog sich die angenommene Verbrennungskapazität von 1440 Leichen pro Tag auf eine Lagerstärke von 125.000 sowjetischen Kriegsgefangenen. Kein Historiker des Holocausts behauptet mehr, das Krematorium II sei für einen kriminellen Zweck geplant worden, jedoch ist für die falschen Überlegungen des „Holocaust History Project“ eine solche Umwidmung unumgänglich. Die Kapazität von 1440 Leichen pro Tag bzw. 43.200 Leichen pro Monat entspricht nämlich einer Sterblichkeit, die fünfmal so hoch ist, wie sie je in Auschwitz-Birkenau registriert wurde, und das Krematorium hätte die gesamte Belegung des Lagers in weniger als drei Monaten einäschern können.

Es war kein Zufall, daß der Zivilangestellte Rudolf Jährling am 17. März 1943 eine Schätzung des Koksbedarfs der Krematorien in Birkenau, und zwar auf der Basis eines jeweils zwölfstündigen Betriebes aufstellte.39 Daraus folgt, daß die Betriebsweise der Krematoriumsöfen bei weitem nicht so primitiv war, wie die „Fachleute“ vom „Holocaust History Project“ annehmen, sondern im Gegenteil sehr verschiedenen Zwängen unterworfen war, wirtschaftlichen Kriterien etwa oder Kriterien in Bezug auf den Schutz der Anlagen selbst, z.B. die Verwendung der einzelnen Öfen für eine bestimmte Zeit und im Umlauf, wie dies etwa in Theresienstadt der Fall war, oder die Bereitstellung von Reservekapazitäten, wie etwa im Entwurf des neuen Krematoriums von Majdanek.40

Was die Verbrennungskapazität angeht, so sind die Zahlen in Prüfers Notiz und im Brief der Zentralbauleitung dermaßen widersprüchlich und technisch absurd, daß man sich nicht vorstellen kann, die SS-Behörden hätten sie ernst genommen. Worüber man ernsthaft reden muß, ist die Zahl der Muffeln. Der von SS-Obersturmführer Krone beklagte Mangel bezieht sich ja ganz speziell auf die Zahl der Muffeln und der Öfen:

„Herr K. erklärte, daß diese Anzahl von Muffeln noch nicht ausreichend sei; wir sollen noch weitere Öfen schnellstens liefern“.

Aber hielt man die bereits vorhandenen und die geplanten Muffeln für unzureichend? Da in Prüfers Notiz kein Wort über das Krematorium III verloren wird, kann man die Frage auch so formulieren: Warum hielt es die SS für nötig, ein weiteres Krematorium mit 15 Muffeln zu bauen? Aber die Frage sollte logischerweise und auf Grund des historischen Ablaufs auch die Krematorien IV und V einschließen.

Die Entscheidung zum Bau der Krematorien III, IV und V fiel bekanntermaßen im August 1942, und zwar aus zwei Gründen:

1) der Erhöhung der Lagerstärke auf 200.000 Häftlinge

2) der entsetzlichen Zunahme der Typhusepidemie, die im Lager wütete.

Der wesentliche Faktor war also die Sterblichkeit in der zukünftigen Belegung.

In seinem Brief vom 3. August 1942 an den Leiter von Amt CV im SS-WVHA schrieb Bischoff:

„Da sich inzwischen die Belegstärke vergrößert hat und verschiedene andere Gesichtpunkte berücksichtigt werden mußten, wurde der beiliegende Lageplan Nr. 1453 vom 8.7.42 aufgearbeitet, welcher zusätzlich folgende Baracken enthält:...“

Bischoff fährt fort:

„Außerdem wurde der Liegeplatz für das neue Krematorium anschließend an das Quarantänelager festgelegt. Die Erweiterung der Planung hat anläßlich des Reichsführer-Besuches am 17. und 18. Juli 1942 dem Amtsgruppenchef C SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Dr.-Ing. Kammler41 vorgelegen“.

Also wußte auch am 3. August 1942 der Leiter der Zentralbauleitung von Auschwitz erst von einem einzigen Krematorium, dem späteren Krematorium II. Der erste Hinweis auf die Krematorien IV und V, wie wir sehen werden, erfolgt am 14. August, während sich die erste Erwähnung von Krematorium III im Aktenvermerk des SS-Untersturmführers Ertl vom 21. August befindet.42

Soweit ich weiß, gibt es keinen Plan vom 8. Juli 1942, aber in seinem Brief an „Amt C V” des WVHA (d.h. an Kammler) schreibt Bischoff am 29. Juni 1942, daß:

„laut Befehl des Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei das Lager von 125.000 Kriegsgefangenen auf 150.000 Kriegsgefangene erweitert werden soll“.

Daher mußte der Plan vom 8. Juli eine Belegung mit 150.000 Häftlingen vorsehen. Nach seinem Besuch in Auschwitz am 17. und 18. Juli 1942 entschied sich Himmler für eine neue „Erweiterung“ des Lagers auf 200.000 Häftlinge. Diese Zahl wurde im „Lageplan des Kriegsgefangenenlagers in Auschwitz O/S“ vom 15. August 1942 offiziell festgehalten; das Lager sollte aus vier Sektoren bestehen, drei von je 60.000 (= 180.000) und einem vierten von 20.000 Häftlingen.43

August 1942 war der Monat mit der höchsten Sterblichkeit in der ganzen Geschichte des Lagers. In diesem Monat starben 8600 Häftlinge,44 fast doppelt so viele wie im Juli (etwa 4400 Todesfälle). Der erste Hinweis auf den Bau der weiteren Krematorien findet sich am 14. August, als der Plan 1678 für das Krematorium IV/V erstellt wurde. Bis zum 13. d.M. waren schon über 2500 Häftlinge verstorben, im Mittel mehr als 190 pro Tag. Zwischen dem 14. und dem 19. (dem Tag, an dem die im Aktenvermerk vom 21. August zusammengefaßten Besprechungen stattfanden, bei denen Krematorium III erwähnt wird) war die Sterblichkeit mit 2400 Todesfällen – etwa 400 am Tag – noch höher. Der Höhepunkt kam am 19. August, als 500 Menschen starben.

Am 1. August war die Lagerstärke bei den Männern 21.421 Häftlinge. Bis zum 19. starben 4113, im Durchschnitt 216 pro Tag, davon 1675 zwischen dem 14. und dem 19. mit durchschnittlich 279 Fällen. Die mittlere Stärke zwischen dem 1. und dem 19. lag bei etwa 22.900 Häftlingen.

Was wäre geschehen, wenn eine neuerliche Typhusepidemie bei einer Lagerstärke von 200.000 Häftlingen ausgebrochen wäre?

Hier, und nur hier, liegt der Grund für den Beschluß, die Krematorien IV und V und dann auch Krematorium III zu bauen.

Der o.e. Brief Bischoffs an das KL Stutthof vom 10. Juli 1942 erklärt hundertprozentig die wirkliche Bedeutung der von SS-Obersturmbannführer Krone in der Notiz von Prüfer erwähnten unzureichenden vorhandenen bzw. geplanten Muffeln und widerlegt ebenfalls die These vom verbrecherischen Gebrauch der Krematorien von Birkenau.

Aus diesem Brief errechnet sich nämlich ein Muffel/Häftlingsverhältnis (15 Muffeln für 30.000 Häftlinge =) von 1:2000. Die 46 Muffeln von Birkenau waren dementsprechend für 92.000 Häftlinge ausgelegt, aber auf Grund des Plans der SS vom August 1942 hätte Birkenau auf 200.000 Häftlinge gebracht werden sollen und dafür hätte man 100 Muffeln benötigt. Praktisch reichte die Zahl der Muffeln in Birkenau nicht einmal für die Lagererweiterung aus – wie hätte man sie dann aber noch für Massentötungen einsetzen sollen?

Wenn man, wie in der Prüferschen Notiz, für die 15 Muffeln eine Verbrennungsleistung von 800 Leichen in 24 Stunden ansetzt und sich den Überlegungen des „Holocaust History Project“ anschließt, so ergäbe sich für das Krematorium eine monatliche Leistung von (800 x 30 =) 24.000 Leichen und man hätte die vorgesehenen 30.000 Häftlinge in 5 Wochen einäschern können, bzw. in 3 Wochen, wenn man sich auf die 1440 Leichen pro Tag im Brief der Zentralbauleitung einläßt.

Die Sache wäre um so unglaublicher, als zu jener Zeit (31. Juli 1942) das KL Stutthof eine Stärke von 2283 Häftlingen hatte!45

Ein geschichtliches Umfeld?

Der kurze Artikel des „Holocaust History Project“ fügt Prüfers Notiz in ein völlig erfundenes geschichtliches Umfeld ein; man liest dort u.a.:

„Die Notiz trägt das Datum vom 8. September 1942 und sollte neben zwei weitere aus dieser Zeit stammende Dokumente gestellt werden, die sich auch auf Auschwitz beziehen. Das erste ist vom 21. August 1942 und erwähnt Prüfer im Zusammenhang mit „Badeanstalten für Sonderaktionen“. Diese Badeanstalten waren als Duschen getarnte Menschengaskammern. Damals waren zwei Gebäude außerhalb des Lagers zu Gaskammern umgebaut worden. Einige Monate später, als die Krematorien fertig waren, wurden die falschen Duschen dorthin verbracht.

Das zweite Schlüsseldokument, das sich auf „Sonderaktionen“ bezieht, ist ein Tagebuch, das der Lagerarzt Dr. Johann Paul Kremer in Auschwitz führte. Am 2. September 1942 trägt er ein:

‚Zum 1. Male draußen um 3 Uhr früh bei einer Sonderaktion zugegen. Im Vergleich hierzu erscheint mir das Dante’sche Inferno fast wie eine Komödie. Umsonst wird Auschwitz nicht das Lager der Vernichtung genannt.‘

Kremer führt 12 weitere Sonderaktionen auf, an denen er teilnahm, bevor er Auschwitz am 18. November 1942 verließ. (Entsprechende Einträge stammen aus „KL Auschwitz, Seen by the SS“, verlegt beim Staatlichen Museum Auschwitz[-Birkenau]). In dieser Zeit gab es viele andere „Sonderaktionen“, bei denen er nicht zugegen war.“

Die Holocaust-Historiker wiederholen seit Jahrzehnten beharrlich, daß die „Badeanstalten für Sonderaktionen” aus dem Aktenvermerk vom 21. August 1942 Menschengaskammern waren und daß die „Sonderaktionen” bei Dr. Kremer als Vergasungen von Menschen anzusehen sind, aber keiner hat jemals auch nur die Spur eines historisch-dokumentarischen Beweises für diese angenommenen Bedeutungen geliefert.

Dies ist auch nicht möglich, denn die vorhandenen Dokumente widerlegen in aller Deutlichkeit diese unbegründete Behauptung, wie ich dies in meiner Studie über „Sonderbehandlung in Auschwitz“46 dargelegt habe. Dort habe ich diesen Fragen zwei spezielle Abschnitte gewidmet (Die „Badeanstalten für Sonderaktionen“ und Die „Sonderaktionen“ und Dr. Johann Paul Kremer).

Wie ich die Mitglieder des „Holocaust History Project” jedoch kenne, kann man sicher sein, daß sie nie ernsthaft auf meine Beweise eingehen werden und sich auch weiterhin hinter ihren historischen Illusionen verstecken und an ihrem pseudotechnischen Blendwerk weiden werden.

Schlußbemerkungen

Die Wirkung von Prüfers Notiz vom 8. September 1942 auf das Gebäude des Geschichtsbild vom Holocaust ist mit einer Luftmine vergleichbar, nur haben die ahnungslosen Mitglieder des „Holocaust History Project“ in ihrer bejammernswerten Inkompetenz dies noch nicht gemerkt.

Die Notiz widerlegt die Angaben im Brief der Zentralbauleitung vom 28. Juni 1943 und macht sie zur Makulatur. Sie tut ein Gleiches, nur noch krasser, mit der Glaubwürdigkeit der Aussagen des so genannten „Sonderkommandos“.

Wenn also die Mitglieder des „Holocaust History Project“ nun öffentlich behaupten wollen, Prüfers Notiz gäbe „ein wahres Bild… von der Mordaktivität in Auschwitz“ wieder, dann müssen sie im gleichen Atemzug auch erklären, daß dem Brief der Zentralbauleitung keine Bedeutung zukommt und die Aussagen der Mitglieder des sogenannten „Sonderkommandos“ keinerlei Wert besitzen.

Natürlich werden sie das nicht tun, sondern sie werden versuchen, alles beim alten zu lassen, nach der John C. Zimmerman-Methode: so tun, als sei dieser Artikel nie an die Öffentlichkeit gelangt!

Abkürzungen

APMM
Archiwum Państwowego Muzeum na Majdanku (Archiv des staatlichen Museums von Majdanek)
APMO
Archiwum Państwowego Muzeum w Oświęcimiu (Archiv des staatlichen Museums in Auschwitz)
BAK
Bundesarchiv Koblenz
GARF
Gosudarstvenni Archiv Rossiskoi Federatsii (Staatsarchiv der Russischen Föderation), Moskau
RGVA
Rossiiskii Gosudarstvennii Vojennii Archiv (Staatliches Russisches Kriegsarchiv), Moskau
SW
Staatsarchiv Weimar

Anmerkungen