VORWORT DES VERLAGES ZUR DEUTSCHEN AUSGABE

Als der 19-jährige Autor 1947 in Bremerhaven erstmals deutschen Boden betrat, waren seine Gefühle für das besiegte Deutschlandnichtgerade freundschaftlich. Der Krieg und die Propaganda hatten alles Positive ausgelöscht. Nach einigen Zwischenaufenthalten wurde er als Gerichtsprotokollant bei den Dachauer Kriegsverbrecherprozessen eingesetzt.

Schon bei seinem ersten Fall - Rudolf Merkel - begann er nachdenklich zu werden, zumal seine ersten Erfahrungen mit Deutschen in Dachau keineswegs unerfreulich waren. Weitere Angeklagte und andere Prozesse erlebte der junge Amerikaner, der zunehmend kritisch diesen Verfahren gegenüberstand. Die Formen der übermächtigen Anklage, die schon damals deutliche Problematik der Zeugen, insbesondere der Berufszeugen, mußten den Verfasser, der in Dachau zum jungen Mann heranreifte, in seinem Idealismus und Gerechtigkeitssinn erschüttern.

Die immer klarere Erkenntnis, daß Balten, Spanier oder Deutsche entweder in Landsberg am Lech hingerichtet wurden oder dort eine lebenslange Gefängnisstrafe verbüßen sollten, veranlasste Joseph Halow, inzwischen als erfolgreicher Außenhandelskaufmann pensioniert, die Archive aufzusuchen und jene Fälle zu erforschen, mit denen er damals befaßt war.

Für den deutschen Leser ist Halows Buch von besonderem Wert. Nocheinmal rollen vor den Augen des Betrachters jene Jahre ab, die für die meisten Deutschen eine Zeit der Rechtlosigkeit waren. Halows Aussagen über die zerstörten Städte - damals die Eindrücke eines jungen Menschen - spiegeln das Ausmaß der Sinnlosigkeit von Kriegen wieder. Die Bewohner, meist ohne Brennstoff und beinahe ohne Nahrungsmittel, waren nicht nur auf ein Lebensminimum zurückgestuft worden, sondern vielfach auch moralisch am Boden.

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Auch wenn sich Halow teilweise jener Formulierungen und Worthülsen bedient, die die angeblichen oder wirklichen Verbrechen deutscher und ausländischer KL-Bewacher während des 2. Welkrieges wiedergeben, so zeigen diese Ausführungen ungeschminkt das Ausmaß der geistigen Verwirrung, indenen Rache, nicht Recht, gesprochen wurde.

Dieses Buch ist ein ebenso mutiger und aufrüttelnder Bericht über ein düsteres Kapitel der Nachkriegsgeschichte und es hat in den Vereinigten Staaten ein beachtliches Echo gefunden. Autor und Verleger hoffen und wünschen, daß dieses dokumentarisch untermauerte Erlebnisbuch auch auf dem deutschen Büchermarkt die ihm gebührende Aufmerksamkeit finden wird.

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