Prälat Hubert Bittdorf, Militärdekan; Auszug aus einer Gedenkrede.
Soldatengebet unserer Generation
Gott, unser Herr, in dieser Stunde stehen wir vor Deinem Angesicht, Dir kann man nichts vormachen. Du siehst ins Verborgene, in den Grund der Herzen, Du kennst jeden einzelnen von uns besser als wir uns selbst kennen. Dein Urteil ist zugleich gerecht wie es barmherzig ist. Du weißt auch, daß die Erinnerungen an unsere Vergangenheit uns stets begleiten, einer Vergangenheit, in der wir bis an die Grenzen unserer Leidensfähigkeit geführt wurden. Einer Vergangenheit, der nichts Menschliches fremd war. Menschliche Größe stand unmittelbar neben menschlicher Erbärmlichkeit. Taten neben Untaten, Mut neben Feigheit, Treue neben Verrat, Leben neben dem Tod. Opferbereitschaft neben Egoismus, Freude neben Schmerz, Liebe neben Haß, Recht neben Unrecht.
Wir wissen aus eigener Erfahrung, was Krieg, Tod, Zerstörung, Verwundung, Gefangenschaft und Hunger sind - und niemand, der dies alles nur aus zweiter Hand kennt - braucht uns darüber zu belehren. Niemand kann mehr für den Frieden sein, als der, der den Krieg am eigenen Leib erfahren hat. Niemand vermag das Leben mehr zu lieben als der, dessen ständiger Begleiter über viele Jahre der Tod war.
Niemand weiß ein Leben in Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit mehr zu schätzen als der, der Unfreiheit, Krieg und Ungerechtigkeit in ihren grausamsten Formen erlebt hat. Und weil wir um diese Schrecken wissen, bitten wir Dich den Herrn der Geschichte, im Angesicht unserer gefallenen Kameraden, schenke den Deutschen und allen Völkern der Erde Freiheit, Frieden und Gerechtikeit.
Gib, daß niemand als Unterworfener im eigenen Land leben muß. Schenke unserem Vaterland und allen Völkern dieser Welt Deine Gnade, damit alle Menschen einen lebenswerten Frieden ohne Not, Furcht und Schrecken leben können. So bitten wir Dich gerade angesichts unserer gefallenen Kameraden, vor allem für die jungen Menschen unseres Volkes und in aller Welt. Gib Hoffnung und Zuversicht, daß sie sich mit Mut und Zuversicht den Herausforderungen der Gegenwart stellen und nicht resignieren und sich in illusionäre Utopien flüchten.
Uns allen aber hilf, unseren Egoismus, alle selbst errichteten Schranken zwischen Völkern, Generationen, Ideologien, Religionen, Klassen und Parteien zu überwinden und zu erkennen, daß wir alle Brüder sind, wie Du unser Vater bist. Darum bitten wir Dich im Namen unserer Toten und nach allem, was wir erleben und durchstehen mußten.
Seine Familie hat ihn geliebt, und sie ehrt den
Soldaten. X Gefreiter Seine Schwester Annemarie |
Er war mein Freund und Kamerad, X Oberfeldwebel |
Beide Kameraden liegen neben vielen anderen namentlich bekannten
Kriegsgefangenen auf dem ehemaligen Friedhof des Zentrallazarettes Nr. 5771, der heute
durch Schrebergärten überbaut ist.
Etwa 90.000 deutsche Soldaten der von Mitbürgern geschmähten 6. Armee haben Stalingrad
und die Gefangenschaft nicht überlebt.