IX. Hilbergs Debakel beim ersten
Zündel-Prozeß

1985 fand in Toronto ein Prozeß gegen den Deutschkanadier Ernst Zündel statt. Dieser war auf Betreiben einer »Holocaust Remembrance Association« aufgrund eines - später für verfassungswidrig erklärten - Gesetzes wegen »Verbreitung falscher Nachrichten« angeklagt worden, weil er Richard Harwoods Broschüre Did six Million really die? verbreitet hatte. Der Prozeß endete mit Zündels Verurteilung zu 15 Monaten Gefängnis. Auch beim - 1988 durchgeführten - Berufungsprozeß erfolgte ein Schuldspruch, wobei die Strafe allerdings auf 9 Monate reduziert wurde, und im August 1992 sprach das oberste kanadische Gericht Zündel frei.

Beim ersten Prozeß war Prof. Raul Hilberg als Zeuge der Anklage geladen. Von Zündels kämpferischem Anwalt Douglas Christie, dem der im Saal sitzende Robert Faurisson fortlaufend Zettel mit den zu stellenden Fragen überreichte, mitleidlos bedrängt, erlebte der Verfasser des »Standardwerkes« über den "Holocaust" sein Waterloo. Drei Jahre später, beim Revisionsprozeß, lehnte er es ab, sich abermals als Zeuge zur Verfügung zu stellen, doch verlangte Staatsanwalt Peter Griffiths, daß seine drei Jahre zuvor beim erstinstanzlichen Verfahren gemachten Aussagen nochmals verlesen wurden.

In ihrer hervorragenden Dokumentation Did six Million Really die? - der Titel entspricht dem der Harwood-Broschüre, die den Prozeß ausgelöst hatte - hat Barbara Kulaszka Hilbergs Ausführungen teils zusammengefaßt, teils nach dem Prozeßprotokoll wörtlich wiedergegeben.

Christie fragte Hilberg nach dem in der Erstfassung seines Werkes (die Zweitfassung war damals erst in Vorbereitung) erwähnten Hitler-Befehl zur Ausrottung aller Juden. Nach endlosen Ausflüchten gab Hilberg schließlich zu, daß ein solcher Befehl nicht nachweisbar sei.[214]

Später entspann sich zwischen Christie und Hilberg folgender Wortwechsel:[215]

»Kennen Sie einen wissenschaftlichen Bericht, der belegt, daß ein bestimmter Raum als Gaskammer verwendet wurde? Wenn ja, dann nennen Sie ihn bitte, sagte Christie

"Was verstehen Sie unter einem wissenschaftlichen Bericht?", fragte Hilberg.

Ich brauche einfache Worte üblicherweise nicht zu definieren, doch unter einem "wissenschaftlichen Bericht" verstehe ich einen Bericht, welcher von einer Person angefertigt wurde, die sich Wissenschaftler nennt und die materiellen Beweise untersucht hat. Kennen Sie einen solchen Bericht, der die Existenz von Gaskammern irgendwo auf nationalsozialistisch beherrschtem Gebiet beweist. (5-968)

"Ich verstehe den Sinn Ihrer Frage immer noch nicht. Meinen Sie einen deutschen Bericht oder einen aus der Nachkriegs-"

Ganz gleich wer - deutsch, nachkriegs-, alliiert oder sowjetisch - aus irgendeiner Quelle. Nennen Sie einen!, sagte Christie.

"Um was zu beweisen?", fragte Hilberg.

Um zu beweisen, daß seine Verfasser eine tatsächlich existierende Gaskammer gesehen haben. Einen wissenschaftlicher Bericht., wiederholte Christie.

"Ich bin mit meinem Latein wirklich am Ende ["I am really at loss."] Ich bin mit meinem Latein selten am Ende, aber... [...]

Richter Locke unterbrach: "Herr Doktor Hilberg - kennen Sie einen solchen Bericht?"

"Nein, ich kenne keinen", antwortete Hilberg.«

Christie fragte Hilberg in Zusammenhang mit dem in seinem Buch mehrfach als Quelle zitierten Kurt Gerstein, ob er normalerweise jemanden, der behauptete, man könne zwischen 28 und 32 Menschen in einer 1,8 m hohen Kammer auf einem Quadratmeter zusammenpferchen, als Verrückten oder Lügner bezeichnen würde:[216]

»"Nun, bezüglich dieser spezifischen Angaben wäre ich sehr vorsichtig," sagte Hilberg, "denn Gerstein war anscheinend eine sehr leicht erregbare Person. Er war zu allen möglichen Aussagen fähig [...]."

Christie las den Gerstein-Bericht vor und fragte Hilberg anschließend, ob er ganz bestimmte Behauptungen enthalte. Hilberg gab zu, daß Gerstein in seinem Bericht von 700 bis 800 auf 25 m2 in einem 45 m3 großen Raum eingeschlossenen Menschen gesprochen und daß er, Hilberg, diesen Sachverhalt in seinem Buch verschwiegen hatte. [...]

Und er behauptete, Hitler und Himmler hätten Vergasungen beigewohnt?, fragte Christie.

Hilberg räumte ein, daß Gerstein dies in der Tat behauptet hatte und daß diese Aussage "absolut" und "total" falsch sei. [...]

Christie fragte Hilberg, ob er Gersteins Aussage, daß in Belzec und Treblinka niemand die Opfer gezählt habe und daß dort in Wahrheit ungefähr 25 Millionen Menschen (nicht nur Juden) getötet worden seien, für glaubwürdig halte.

"Nun, Teile davon stimmen, und andere Teile sind bloße Übertreibung - offenkundige und unbestreitbare Übertreibung. Für mich ist der wichtige Teil dieser Aussage, daß damals niemand zählte, wieviele Menschen die Gaskammer betraten", sagte Hilberg.

Also haben Sie den offenkundig übertriebenen Teil weggelassen und den Teil verwendet, den Sie als glaubhaft erachteten, nämlich daß niemand die Opfer zählte. Stimmt das?, fragte Christie.

"Ja."«

Hilberg mußte zugeben, daß sämtliche "Beweise" für Massenmorde in den östlichen Lagern von den sowjetischen Stalinisten stammen:[217]

»Die ganze Gegend, warf Christie ein, lag in der sowjetischen Einflußsphäre, und niemand aus dem Westen durfte in diesen Lagern Untersuchungen durchführen, stimmt das?

"Nun, mir ist nicht bekannt, daß jemand eine Erlaubnis beantragt hätte... Wenn Sie sagen, niemand habe Untersuchungen durchführen dürfen, setzt das voraus, daß Anträge gestellt wurden", sagte Hilberg. "...Ich kann nur sagen, daß ich keine westlichen Forscher kenne, die zu einem frühen Zeitpunkt in Auschwitz tätig geworden wären, oder in..." (5-1072)

Treblinka?, fragte Christie.

"Nun, 1945 gab es kein Treblinka mehr."

Raul Hilberg, während des zweiten Zündel-Prozesses in Toronto 1988

Sobibor?

"Das gab es nicht mehr."

Majdanek?

" Majdanek ist eine andere Geschichte."

Ging jemand aus dem Westen nach Majdanek?, fragte Christie.

"Nicht daß ich wüßte."

Belzec?

"Belzec wurde als erstes Lager restlos demontiert."

Chelmno oder Stutthof?

"Nein."

Auschwitz oder Birkenau?

"Nein."«

Zu dem von Hilberg unzählige Male als Kronzeuge für den Massenmord in Auschwitz zitierten Rudolf Höß fragte Christie, warum er in seinem Geständnis ein nicht existierendes Lager, Wolzek, erwähnt habe.[218]

»"Ja, ich habe diese konfuse Aussage gesehen", sagte Hilberg. "Vielleicht meinte er Belzec. Es ist sehr schwierig zu beurteilen, wenn der Mann nichts niederschrieb, wenn er Dinge sagte, wenn er mißverstanden wurde, wenn er sich falsch ausdrückte ..."

Christie hob hervor, daß Höß Belzec und Wolzek im gleichen Satz genannt hatte.

Ich schlage Ihnen als Erklärung vor, sagte er zu Hilberg, daß es einen Grund gibt anzunehmen, daß der Mann nicht nur gezwungen war, ein in einer ihm unverständlichen Sprache [Englisch] abgefaßtes Geständnis zu unterschreiben, sondern daß er offensichtlich absurde Dinge unterzeichnen mußte, wie Gerstein.

"Das Geständnis enthält offenkundig wirre Dinge", sagte Hilberg.

Christie legte das Nürnberger Dokument PS-3868 vor, also das Höß-Affidavit. Hilberg bestätigte, daß er es schon früher gesehen hatte, und gab zu, daß ihm die Erwähnung Wolzeks nicht entgangen war. "Ja, ich habe den Hinweis gesehen. Es ist schrecklich." (5-1076)

Es ist doch klar, daß mit dem Mann etwas nicht stimmte, sind wir uns da nicht einig?, fragte Christie.

"Nein, ich würde nicht sagen, daß mit dem Mann etwas nicht stimmte", sagte Hilberg. "Ich würde sagen, daß mit den Umständen etwas nicht stimmte, unter denen er sein Affidavit abgab. [...]"«

Mit den »Umständen, an denen etwas nicht stimmte« meinte Hilberg zweifellos die dreitägige Folterung, mit der das Geständnis des von ihm sechsundzwanzigmal als Kronzeuge für die Judenvernichtung zitierten Rudolf Höß erzwungen worden war.


Anmerkungen

  1. Barbara Kulaszka, aaO. (Anm. 1), S. 22-25.
  2. Ebenda, S. 39.
  3. Ebenda, S. 31ff.
  4. Ebenda, S. 53.
  5. Ebenda. S. 54.

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