XV Wunder am Fliessband
A. Ein einzigartiger Massenmord
In ihrem von den Medien über den grünen Klee gelobten und auch verfilmten Buch Der Tod ist ein Meister aus Deutschland schreiben Lea Rosh und Eberhard Jäckel [1]:
Der Mord an den europäischen Juden war einzigartig. Nie zuvor hatte ein Staat beschlossen, eine von ihm bestimmte Menschengruppe einschliesslich der Alten, der Frauen, der Kinder und der Säuglinge ohne jegliche Prüfung jedes einzelnen Falles möglichst restlos zu töten, und hatte diesen Beschluss mit staatlichen Machtmitteln in die Tat umgesetzt, indem er die Angehörigen dieser Gruppe nicht nur tötete, wo immer er sie ergreifen konnte, sondern, zumeist über grosse Entfernungen, in eigens zum Zweck der Tötung geschaffene Einrichtungen verbrachte. Massenmorde hatte es zuvor gegeben, aber keinen Massenmord dieser Art.
Nehmen wir einmal an, es wäre den Nationalsozialisten wirklich gelungen, alle Beweise für diesen einzigartigen Massenmord an einem ganzen Volk rechtzeitig zu beseitigen, und gehen wir zur Kernfrage über: Sind jene Juden, die den Deutschen in die Hände fielen, wirklich „einschliesslich der Alten, der Frauen, der Kinder und der Säuglinge ohne jegliche Prüfung jedes einzelnen Falles möglichst restlos" getötet worden?
Die Frage ist ungemein leicht zu beantworten; es genügt dazu, regelmässig die Presse zu lesen und sich bei der Lektüre auch möglichst etwas zu denken.
B. Ein Streifzug durch die freie Presse der freien Welt
Beginnen wir unseren Streifzug durch die Medienlandschaft der freien Welt mit einem Artikel im Spiegel (Nr. 51/1992), der den Titel „Dann bin ich weg über Nacht" trägt und in dem über folgende Juden berichtet wird:
Der Name eines vergasten Juden wird im betreffenden Beitrag nicht genannt. Anschliessend an den Artikel publiziert der Spiegel ein Interview mit dem deutschen Judenführer Ignatz Bubis, einem Holocaust-Überlebenden, dem Nachfolger des Holocaust-Überlebenden Heinz Schmul Galinski.
Bleiben wir noch einen Augenblick beim Leibblatt der bundesdeutschen Intelligenz und greifen wir zur Spiegel-Ausgabe vom 4. September 1995, S. 152, wo ein Gespräch mit dem jüdischen Historiker Joseph Rovan abgedruckt ist. Über Rovan erfahren wir, dass ihn die Gestapo als Widerstandskämpfer ins KZ Dachau deportiert hatte. Dieses KZ muss Rovan unbedingt überlebt haben, sonst hätte er dem Spiegel ja nicht 50 Jahre nach Kriegsende ein Interview gewähren können. Nun wurden jedoch, wie uns Rosh/Jäckel und die anderen Historikergrössen versichern, alle Juden, die den Nazis in die Klauen gerieten, ermordet („ein Staat hatte beschlossen, eine bestimmte Menschengruppe möglichst restlos zu töten"). Da Joseph Rovan nicht nur Jude, sondern auch noch Widerstandskämpfer war, musste ihm der Tod doppelt sicher sein, doch nein, er überlebte. Ein Wunder!
Mit einem Wunder konfrontiert uns auch das FAZ-Feuilleton vom 27. April 1995. Hier wird uns über den jüdischen Widerständler Arno Lustiger mitgeteilt, er sei ein „Überlebender der Konzentrations- und Vernichtungslager". Um welche Vernichtungslager es sich handelte, erfahren wir nicht, doch wurde Lustiger offensichtlich in keinem einzigen davon vernichtet, sonst hätte er die FAZ-Leser nicht im Jahre 1995 mit einer Jeremiade gegen Antisemitismus und pseudowissenschaftliche revisionistische Machwerke erfreuen können.
Gar Wundersames enthüllt auch die Nordwest-Zeitung im friesischen Oldenburg vom 13. April 1994, die über Israel Gutman, den Hauptherausgeber der Enzyklopädie des Holocaust, folgendes zu berichten weiss:
Israel Gutman wurde 1923 in Warschau geboren, beteiligte sich 1943 am Aufstand im Warschauer Ghetto und war bis 1945 Häftling in den Konzentrationslagern Majdanek, Auschwitz, Mauthausen und Gunskirchen.
Als Jude und Teilnehmer an einem antideutschen Aufstand war Gutman dem Tod doppelt geweiht. Richtig, er kam ja ins Vernichtungslager Majdanek, wo er allerdings nicht vernichtet wurde. Auch das grösste Vernichtungslager, Auschwitz, überlebte er, und dazu noch zwei normale Konzentrationslager.
Als Erklärung bieten sich drei Möglichkeiten an:
Welche der drei Möglichkeiten trifft nun zu? Betrachten wir eine Anzahl von bekannten Fallbeispielen.
C. Einige Fallbeispiele
Die Familie Frank
Das tragische Schicksal dieser Familie scheint die Ausrottungsthese auf den ersten Blick zu bestätigen. Aber nur auf den ersten Blick. Im August 1944 wurden Otto Frank, seine Gattin Edith sowie seine Töchter Anne und Margot aus Amsterdam ins „Vernichtungslager" Auschwitz überstellt, wo man sie allerdings nicht vernichtete. Otto Frank überlebte. Seine Gattin starb in Januar 1946 [2]; ihre Todesursache kennen wir nicht, doch kann sie nicht vergast worden sein, da damals auch der offiziellen Version nach längst nicht mehr vergast wurde [3]. Anne und Margot erlagen kurz vor Kriegsende in Bergen-Belsen, wohin man sie im Zuge der Evakuierung von Auschwitz geschickt hatte, einer Typhusepidemie.
Simone Veil
Dem Centre de Documentation juive contemporaine zufolge wurde Simone Jacob, am 13. Juli 1927 in Nizza geboren, in Auschwitz vergast [4]. Dies kann aber nicht stimmen, denn die „Vergaste" wurde später unter dem Namen Simone Veil Vorsitzende des Europaparlaments und französische Gesundheitsministerin (als solche machte sie sich durch die Legalisierung der Tötung von Kindern im Mutterleib einen Namen). Ihre Mutter und ihre Schwester überlebten Auschwitz ebenfalls und starben, genau wie Anne und Margot Frank, in Bergen-Belsen an Typhus. Wieder eine Tragödie, aber keine gezielte Ausrottungspolitik, sonst wären alle drei entweder schon in Frankreich oder spätestens in Auschwitz ermordet worden.
Primo Levi und Benedikt Kautsky
Obgleich Jude und Widerstandskämpfer, wurde Levi nach seiner Verhaftung durch die Deutschen nicht umgebracht, sondern zur Zwangsarbeit nach Auschwitz geschickt. Er schrieb nach dem Krieg darüber sein Buch Ist das ein Mensch?
Der österreichische Jude und Linkssozialist Benedikt Kautsky überlebte zwischen 1938 und 1945 Dachau, Buchenwald, Auschwitz und nochmals Buchenwald. Nach dem Krieg schrieb er sein Buch Teufel und Verdammte, in der er festhielt, er habe in Auschwitz keine Gaskammern gesehen. Seine achtzigjährige Mutter starb im Dezember 1944 in Birkenau, nachdem sie bis zuletzt ärztliche Pflege erhalten hatte.
Elie Wiesel
Der Friedensnobelpreisträger, dem zufolge jeder Jude „einen gesunden, männlichen Hass gegen alles Deutsche" empfinden sollte [5], überlebte Auschwitz und Buchenwald.
Weitere berühmt gewordene Überlebende deutscher Konzentrationslager und Gefängnisse sind Ignatz Bubis, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, der in einem Ar- beitslager in Polen interniert war, sowie sein Vorgänger, der Auschwitz-Häftling Heinz Schmul Galinski. Und der Filmregisseur Roman Polanski (Auschwitz). Und der Physiknobelpreisträger Georges Charpak (Dachau). Und der „Nazijäger" Simon Wiesenthal, nach eigenen Angaben Überlebender von zwölf Lagern. Und der Philosph Jean Améry (Auschwitz). Und die Schriftsteller Jurek Becker (Neuengamme) und Samuel Pisar (Auschwitz). Und der frühere Knesset-Präsident Dov Shilanski (Dachau). Und Claude Vaillant-Couturier, Mitglied des ZK der französischen KP (Auschwitz). Und der CDU-Politiker Erik Blumenfeld (Auschwitz). Und der Rabbiner Leo Baeck (Theresienstadt). Und der frühere polnische Aussenminister Jozef Cyrankiewicz (Auschwitz). Und der Satiriker Ephraim Kishon („Zu viele Arbeitslager: Ungarische, deutsche, russische."). Und Léon Blum, Chef der Volksfrontregierung im Vorkriegsfrankreich (Buchenwald). Und Herschel Grünspan, dessen Mord an einem deutschen Diplomaten den Anstoss zur Kristallnacht bildete; er sass den ganzen Krieg hindurch in Haft und wanderte später nach Palästina aus [6]. Und all jene „Holocaust-Überlebenden", die in ihren Memoiren den alten Refrain verkünden: „Ich allein entkam, um euch zu sagen, was mit den anderen geschah."
Laut dem Filmregisseur Steve Spielberg (Schindlers Liste) gab es 50 Jahre nach Kriegsende noch 300.000 Holocaust-Überlebende, von denen in den kommenden Jahren (also bis 1997) 150.000 vor laufender Kamera interviewt werden sollten [7]. Der amerikanisch-jüdische Jewish Chronicle schrieb am 28. Juli 1995:
Die gegenwärtige Zahl von Holocaust-Überlebenden wird auf 250.000 bis 300.000 geschätzt, doch Ari Zev, der Leiter des Projekts (zur Befragung von 150.000 von ihnen) meint, die wirkliche Zahl könnte sehr wohl 400.000 betragen.
Ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des 2. Weltkriegs leben also noch 250.000 bis 400.000 ehemalige jüdische Deportierte. Wieviele müssen es da erst 1945 gewesen sein! Wie Walter Sanning in seiner bahnbrechenden Studie Die Auflösung dargelegt hat, können im deutschen Machtbereich zu jenem Zeitpunkt, wo der Völkermord angeblich stattfand, unmöglich mehr als etwas über 4 Millionen Juden gelebt haben. Von diesen wurden anerkanntermassen längst nicht alle deportiert; die grosse Mehrheit der französischen und italienischen Juden blieb gänzlich ungeschoren. Wir stehen also vor folgenden „Tatsachen":
Ein Wunder, wie es in der Geschichte seinesgleichen nicht hat! Eines der vielen Einzelwunder, aus denen sich dieses Gesamtwunder zusammensetzte, widerfuhr dem jüdischen Humoristen Ephraim Kishon; er berichtet [8]:
Sehen Sie, ich war schon auf dem Weg ins Vernichtungslager, aber ich konnte fliehen. Es war ein Wunder!
D. Die wundersamen Errettungen des Elie Wiesel
Elie Wiesel und sein Vater wurden in Auschwitz gleich am Abend ihrer Ankunft zu den Flammengräben geführt, in denen, wie erinnerlich, jüdische Kinder und Erwachsene lebend verbrannt wurden. Die beiden entrannen dem Feuertod wie folgt [9]:
Unsere Kolonne hatte nur noch etwa 15 Schritte zurückzulegen. Ich biss mir auf die Lippen, damit mein Vater mein Zähneklappern nicht hören sollte. Noch zehn Schritte. Acht, sieben. Wir marschierten lang-sam, wie hinter dem Leichenwagen unseres eigenen Begräbnisses. Nur noch vier Schritte. Drei Schritte. Sie war nun ganz nahe, die Grube mit ihren Flammen. Ich nahm alle meine noch verbleibenden Kräfte zusammen, um aus der Reihe zu springen und mich in den Stacheldraht zu werfen. Tief in meinem Herzen nahm ich Abschied von meinem Vater, vom gesamten Weltall, und unwilllkürlich bildeten sich Worte und traten in Form eines Gemurmels auf meine Lippen: Yitgadal veyitkadah chme rabah... Sein Name sei erhöht und geheiligt. Mein Herze wollte schier zerspringen. Es war soweit. Ich stand vor dem Antlitz des Todesengels.
Nein. Zwei Schritte von der Grube entfernt befahl man uns, abzudrehen, und man liess uns in eine Baracke eintreten.
Nachdem sie sich, statt auf die Ankunft der russischen Befreier zu warten, freiwillig den ab-ziehenden Deutschen angeschlossen hatten, benötigten Elie und sein Vater abermals ein Wunder zum Überleben [10]:
Ein Raunen ging durch unsere Reihen: Eine Selektion! Die SS-Offiziere führten diese Selektion durch: Die Schwachen nach links, diejenigen, welche gut marschieren konnten, nach rechts. Mein Vater wurde nach links geschickt. Ich rannte ihm nach. Ein SS-Offizier heulte hinter meinem Rücken: „Komm zurück!" Ich tauchte unter den anderen unter. Mehrere SS-Männer suchten nach mir und bewirkten dadurch ein solches Tohuwabohu, dass viele Leute nach rechts hinüberlaufen konnten, darunter auch mein Vater und ich.
Auch in Buchenwald entging Elie dem Tod durch eine Serie von Wundern [11]:
In Buchenwald wurden täglich 10.000 Menschen in den Tod geschickt. Ich befand mich immer unter den letzten hundert beim Tor. Dann hörten sie auf. Warum?
Ja, warum? Wir würden es auch gerne wissen.
E Wie jüdische Todeskandidaten dem Tod ein Schnippchen schlugen
Otto Franks zweite Gattin entging der Gaskammer auf folgende Weise [12]:
Jeder Häftling musste einzeln vortreten, und die SS-Frau überprüfte die eintätowierte Nummer mit den Angaben auf ihrer Liste (...) Vor mir in der Reihe stand Loretta. Als sie an der Reihe war, sagte sie: „Frau Obersturmführerin, wir beide gehören nicht hierher. Man hat uns versehentlich aus einer anderen Baracke hergebracht." Die SS-Frau sah von ihrer Liste auf. „Welche Nummern habt ihr?" - „A/6893." „- Und meine ist A/5271", sagte ich. „Tatsächlich?" Die Spitze des Bleistifts glitt suchend über die Liste. Mir wurde beinahe übel vor Aufregung, als sie die Liste nach unseren Nummern absuchte (...) Die Türen des Lastwagens knallten zu, und der Fahrer erhielt den Befehl, abzufahren. Uns aber brachte man in eine andere Baracke.
Die Jüdin Trudi Birger entrann dem Flammentod in Stutthof so [13]:
Inzwischen war ich den Öfen so nahe gekommen, dass ich die Gesichter der polnischen Häftlinge sehen konnte, die lebende Menschen ins Feuer warfen. Sie packten die Frauen, wo sie diese zu fassen bekamen, und stiessen sie mit dem Kopf voran hinein (...) Und dann, als ich sah, dass ich als nächstes an der Reihe war, erstarrte ich (...) Und dann - hörte ich die Stimme, war es ein Traum? (...) Der Lagerkommandant stand dort, ein kleinwüchsiger Mann von etwa 45 Jahren (...) Er brüllte: „Holt dieses Mädchen hier raus!" Statt mich zu verbrennen wie die anderen Frauen, legten mich die polnischen Kriminellen auf die Bahre...
Die Birger entkam nicht nur dem Feuer, sondern auch dem Wasser [14]:
Aus irgendeinem Grund führte der deutsche Koch das Kommando (...) Plötzlich schrie er: „Das Schiff ist zu schwer. Ins Wasser mit den Juden." (...) Die polnischen und litauischen Häftlinge setzten sich in Bewegung, um seinen Befehl auszuführen (...) ) Ich hob in einer dramatischen Geste die Hände und schrie, so laut ich konnte: „Höre, Israel!" (...) Plötzlich gebot der deutsche Koch, der Befehle erteilte, allen Einhalt (...) Er befahl den polnischen und litauischen Häftlingen, uns nicht mehr an den Rand zu drängen, und so wurde keine der dreissig überlebenden Frauen ins Wasser gestossen.
Bedeutend mehr als läppische zwei Wunder benötigten zum Überleben die Mitglieder des Sonderkommandos, denn, so die Enzyklopädie des Holocaust [15]:
Die Bezeichnung „Sonderkommando" erhielten (...) jüdische Häftlingseinheiten in Vernichtungslagern, die an den Gaskammern und in den Krematorien zu arbeiten hatten (...) Die Angehörigen wurden in Abständen von einigen Monaten umgebracht und durch neue Häftlinge ersetzt.
Dies bekräftigt unser alter Freund Dr. Miklos Nyiszli [16]:
Die Angehörigen des Sonderkommandos können das Gelände des Krematoriums nicht verlassen. Nach jeweils vier Monaten, wenn sie zuviel gesehen haben, werden sie liquidiert.
Der im Mai 1944 in Auschwitz eingetroffene Nyiszli bekam, wie der Leser seines Klassikers weiss, allerhand zu sehen und wurde trotzdem nicht liquidiert. Bereits im Dezember 1942 gelangten die Juden Szlama Dragon und Milton Buki in Auschwitz an und wurden gleich dem Sonderkommando zugeteilt, doch auch sie erlebten die Befreiung des Lagers im Januar 1945 noch. Demnach müssen sie mindestens sechs Liquidierungen durch ein Wunder überstanden haben. Noch wunderbarer war die Errettung Filip Müllers. Da sein Epos „Sonderbehandlung" den Untertitel „Drei Jahre in den Krematorien und Gaskammern von Auschwitz" trägt, überlebte er (36 : 4 =) neun Liquidierungen.
Vielen anderen Sonderkommandoleuten stand die Göttin Fortuna ähnlich hilfreich zur Seite: Alter Szmul Fajnzylberg alias Stanislaw Jankowski alias Kaskowiak alias Alter Feinsilber, Dov Paisikovic, Henryk Tauber, Abraham Dragon, Josef Sackar, Jacov Gabai, Shaul Chasan, Eliezer Eisenschmidt, Leon Cohen... [17].
Wenn aber ein Sonderkommandomitglied mal doch nicht überlebte, fand es vor seinem Ableben immerhin noch Musse, um Botschaften an die Nachwelt zu verfassen, diese in Flaschen zu verstauen und letztere auf dem Lagergelände zu vergraben, damit sie Jahre später durch einen wundersamen Zufall entdeckt werden konnten - wie etwa jener unbekannte jüdische Autor, der uns mit folgender Schilderung beglückt [18]:
Eine gewisse junge Polin hielt in der Gaskammer, vor allen nackt ausgezogenen Anwesenden, eine ganz kurze, aber feurige Rede, worin sie die Naziverbrechen und die Bedrückung brandmarkte und folgendermassen schloss: „Wir werden jetzt nicht sterben, uns wird die Geschichte unseres Volkes verewigen, unser Wollen und unser Geist werden leben und aufblühen, das deutsche Volk wird so teuer für unser Blut bezahlen, wie wir es uns nur vorstellen können..." (...) Darauf knieten die Polen auf der Erde nieder und sprachen feierlich ein Gebet (...) Mit tiefbewegter Herzlichkeit drückten sie auf diese Weise ihre letzten Gefühle und ihre Hoffnung sowie den Glauben an die Zukunft ihres Volkes aus. Dann sangen sie noch gemeinsam die Internationale. Während des Gesanges kam das Auto des Roten Kreuzes angefahren, das Gas wurde in die Kammer geworfen, und alle gaben den Geist unter Gesang und Extase auf, von der Verbrüderung und Verbesserung der Welt träumend (...) Und da steht ein kleines Mädchen von fünf Jahren und zieht sein einjähriges Brüderchen aus. Einer aus dem Kommando nähert sich, um es zu entkleiden. Das Mädchen ruft laut: „Weg du jüdischer Mörder! Lege deine mit jüdischem Blut befleckte Hand nicht auf mein schönes Brüderchen! Ich bin jetzt sein gutes Mütterchen, und es wird auf meinen Armen sterben (...) Hauptscharführer Mohl stellte die Leute zu Vieren und einen nach dem anderen in gerader Linie auf, und mit einer Schussserie durchschoss er sie alle...
Was werden künftige Geschlechter zu einer Zeit sagen, in der solcherlei geglaubt wurde?
In noch weit höherem Grad als in Auschwitz war man zum Überleben in Belzec auf Wunder angewiesen, denn von 600.000 dort eingelieferten Juden verliess laut Kogon/Langbein/Rückerl nur ein einziger jenes Schreckenslager lebendig, ein Mann namens Rudolf Reder [19]. Wie uns der israelische Forscher Yitzhak Arad auf S. 112 seines Buches über die Todesfabriken [20] mitteilt, hatte Reder allerdings noch einen jüdischen Kameraden, der Belzec gleichfalls überstand, und auf S. 264 desselben Meisterwerks sind aus den zwei überlebenden Juden erfreulicherweise bereits fünf geworden. Als einziger von den eins bis fünf jüdischen Belzec-Überlebenden hinterliess uns Reder einen Bericht. Obgleich er bei seinem Eintreffen in Belzec bereits über 60 Lenze zählte und es bestimmt auch jüngere Juden gab, wurde er zum Arbeitsjuden auserkoren. Er lebte einige Monate lang unter „mitleidlosen Monstern, die mit sadistischer Wollust die entsetzlichsten Greueltaten begingen", und überstand nicht weniger als achtzig Liquidierungsaktionen, was selbst einen Filip Müller und einen Simon Wiesenthal vor Neid erblassen lässt. Eines Tages schickten die mitleidlosen Monster Reder mit einem SS-Mann auf Einkaufstour. Der SS-Mann schlief ein, und der Glückspilz konnte flüchten [21]!
Junge jüdischen Todeskandidaten trieben die Nazihenker mit ihrer Gasresistenz zum Wahnsinn [22]:
Yehuda Bacon war 15 Jahre alt, als er in die Gaskammer getrieben wurde. Er überlebte das Gas jedoch und erinnert sich, dass keine Löcher in den Duschköpfen waren, sondern nur kleine Einbuchtungen, um Löcher vorzutäuschen.
Von einem Mega-Wunder wurde 1993 in Kanada berichtet [23]:
Als elfjähriger Häftlingsjunge wurde Moshe Peer mindestens sechsmal in die Gaskammer des Konzentrationslagers Bergen-Belsen geschickt. Er überlebte jedes Mal und beobachtete dabei mit Grauen, wie die mit ihm in die Gaskammer gebrachten Männer und Frauen um ihn herum vergast zusammenfielen und starben. Bis zum heutigen Tag weiss Peer selbst nicht, wie er die Vergasungen überleben konnte.
Wir wissen es auch nicht. - Nicht nur klein Moshe war gasresistent, sondern seine ganze Familie, denn, so dieselbe kanadische Zeitung:
Peer und seine Geschwister, DIE ALLE ÜBERLEBTEN, wurden von zwei Lagerfrauen versorgt. Nach dem Krieg traf sich Peer wieder MIT SEINEM VATER UND DESSEN FRAU in Paris.
Nicht gasfeste Juden entzogen sich der Vernichtung durch die Flucht aus Nazideutschland nach Bayern [24]:
Victor Klemperer hat in diesen Jahren der Unterdrückung (d.h. in den Kriegsjahren) ein ganzes Buch über die Sprachgewohnheiten mit dem Titel „Lingua Tertii Imperii" geschrieben (...) Durch die Zerstörung Dresdens, wo seine ganze Habe verbrannte, konnte er seinen Verfolgern entfliehen und setzte sich mit seiner Frau gerade noch rechtzeitig NACH BAYERN ab.
Selbst eine Rochade ihrer Eingeweise überlebten jüdische Lagerhäftlinge ohne sonderliche Mühe. So berichtete die Welt am Sonntag von 6. März 1977 über folgendes Wunder [25]:
Vor genau 32 Jahren ist Ilona Sugar aus einem deutschen KZ befreit worden, als schwerkranke Frau. Sadistische NS-Ärzte hatten mit ihr medizinische Experimente gemacht. Sie hatten ihr das Herz nach rechts und die Leber nach links gepflanzt - ohne Narkose! Vivisektion nennt man das. Bis zum heutigen Tag hat Frau Sugar aus Deutschland keinen Pfennig Wiedergutmachung erhalten.
In Anbetracht dieser einzigartigen Serie von Wundern können wir der Jüdischen Rundschau Maccabi, Basel, nur beipflichten, wenn sie in ihrer Ausgabe vom 11. November 1993 schreibt:
Jeder jüdische Mensch kann von unserer Parscha ableiten und mit dieser Erkenntnis leben, dass das jüdische Volk den Begrenzungen der Naturgesetze nicht unterworfen ist.
Anmerkungen:
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