VIII. Der Überfall auf die Sowjetunion

„Der eigentliche Urheber des Krieges ist nicht der, welcher ihn erklärt, sondern der, welcher ihn notwendig macht!"

Montesquieu, franz. Philosoph

Dieser Kernsatz, wortwörtlich oder sinngemäß, überzeugten und befähigten das deutsche Volk und die Deutsche Wehrmacht, sich gegen den „Orkan über Europa" zur Wehr zu setzen und bald fünf Jahre zu behaupten, ohne friedliche Völker überfallen zu wollen! „Es war die Sorge um die Zukunft der freien Welt", wie von General Reinhard Gehlen, einem führenden Mann des Geheimdienstes in dessen Werk „Der Dienst", gesagt wird:

„ . . . 1931 verkündete der sowjetische Ideologe und langjährige Leiter der Komintern, Manuilsky, in einer Grundsatzerklärung: ,Gewiß, heute sind wir noch nicht stark genug, um anzugreifen. Unsere Zeit wird in 20 oder 30 Jahren kommen. Um zu siegen, brauchen wir ein Element der Überraschung. Die Bourgeoisie muß eingeschläfert werden. Wir werden deshalb damit beginnen, die theatralischste Friedensbewegung zu entfachen, die jemals existiert hat. Es wird elektrisierende Vorschläge und außerordentliche Zugeständnisse geben. Die kapitalistischen Länder, stupide und dekadent, werden mit Vergnügen an ihrer eigenen Zerstörung arbeiten. Sie werden auf den Leim der Gelegenheit zu neuer Freundschaft kriechen. Und so-

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bald sich ihr Schutzgürtel entblößt, werden wir sie mit geballter Faust zerschmettern.'"

Hitler und das Oberkommando der Wehrmacht wollten unter allen Umständen eine zweite Front im Osten vermeiden. Darum schloß man ja mit der Sowjetunion im August 1939 die deutsch-sowjetischen Freundschafts- und Nichtangriffsverträge ab, die Stalin von Anfang an nur dazu benutzte, um die deutsche Führung in Sicherheit zu wiegen und das Deutsche Reich nach einer Landung seiner Streitkräfte in England zu überfallen.

Die bisherigen Ansichten und Behauptungen, daß Hitler auf jeden Fall den Rußlandfeldzug begonnen haben würde, lassen sich nicht mehr aufrechterhalten. Die Beweise sind mittlerweile so schwerwiegend und erdrückend, daß Hitler mit seinem Unternehmen „Barbarossa" nur einem gigantischen sowjetischen Großangriff auf Deutschland und Europa zuvorgekommen ist.

Nach dem bis dahin größten militärischen Aufmarsch aller Zeiten und mit einem Überraschungsangriff, der für den Zeitraum Anfang bis Mitte Juli 1941 geplant war, sollten mit etwa 11000 Maschinen der sowjetischen Luftwaffe deutsche Versorgungszentren und die Ölfelder von Ploesti in dem mit Deutschland verbündeten Rumänien zerstört werden. Die Rote Armee hätte zum Sturm auf Deutschland antreten und bis an den Atlantik vorstoßen sollen, um der Weltrevolution zum Durchbruch zu verhelfen.

War die Geschichtsschreibung bisher der Meinung, der „Große Vaterländische Krieg" sei nur die Antwort Stalins auf den Überfall Hitlers gewesen, so weiß man spätestens seit dem sowjetischen Schuldeingeständnis von Katyn, daß einer objektiven wie politischen Betrachtung der militärischen Gegebenheiten im Verlauf des Zweiten Weltkrieges nichts mehr im Wege steht.

Seit Jahrzehnten ist die Legende vom deutschen Überfall auf die „friedliebende" Sowjetunion am 22. Juni 1941 eine Herausforderung für alle, die die Wahrheit kennen. Dadurch, daß die Deutsche Wehrmacht einem sowjetischen Großangriff unter dem Codenamen Gewitter um nur wenige Tage zuvorkam, hat sie und die Soldaten der mit Deutschland Verbündeten, nicht nur ihr Vaterland, sondern auch Westeuropa vor dem Untergang bewahrt. Die „Erste-Schuß"-Theorie

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begründet kein völkerrechtliches Kriterium: Als erster mit dem militärischen bedrohlichen Großaufmarsch begann die Sowjetunion. Darum war es kein deutscher „Überfall", sondern ein völkerrechtlich gedeckter Präventivakt zur Abwehr der Operation Gewitter. Hitlers Entschluß, im Juni 1941 die Sowjetunion anzugreifen und seine Begründung hierzu, könnte man auch sehr gut mit dem Bild klarstellen, daß Präsident Roosevelt in seiner aufsehenerregenden Rundfunkrede vom 11. September 1941 verwendete, als er - noch mehrere Monate vor Beginn des deutsch-amerikanischen Krieges - den bekannten Schießbefehl gegen deutsche Streitkräfte erließ: „Wenn man eine Klapperschlange sieht, die sich aufrichtet, dann wartet man nicht bis sie auf einen zuschnellt, sondern zerschmettert sie vorher!"

Wenn es der deutschen Führung im März 1939 gelungen wäre, eine friedliche Lösung des Danzig- und Korridorpoblems mit Polen zu erreichen und somit zu einem dauerhaften Ausgleich mit dem östlichen Nachbarn zu gelangen, hätte dies die Friedenssicherung in Europa bedeutet. Diese Entwicklung wäre wiederum nicht im Interesse der sowjetischen Expansionspolitik gelegen, die auf eine Rückgewinnung der ehemaligen russischen Länder Estland, Lettland, Litauen, Teile von Finnland und der vom polnischen Marschall Pilsudski 1920 annektierten ukrainischen und weißrussischen Gebiete, gerichtet war.

Diese Gründe bewegen Stalin, im Frühjahr 1939 in den deutsch-sowjetischen Beziehungen eine Wende um 180 Grad zu vollziehen. Gleichzeitig war es damals schon sein Ziel, durch einen Vertragsabschluß mit Deutschland den Kriegsausbruch zu erleichtern und wenn Deutschland im Krieg gegen Polen und die Westmächte seine Kräfte verschlissen hat, als lachender Dritter gegen Deutschland und das westliche Europa zu marschieren und den Plan der bolschewistischen Weltrevolution zu verwirklichen.

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