2. „Endlösung" heißt Auswanderung oder Umsiedlung.

An der Unwilligkeit anderer Länder, Juden als Einwanderer aufzunehmen, scheiterte zunächst die groß geplante „endgültige Lösung" der Judenfrage. Nach Palästina stand der Weg zwar offen, vor allem durch das Haavara-Abkommen, das jedem Juden die Auswanderung und den Transfer seiner Güter ermöglichte. Aber nicht alle jüdischen Bürger Deutschlands wollten nach Palästina. Eine der großen - und wie sich zeigen sollte, unlösbaren - Aufgaben sowohl der „Reichszentrale" als auch der „Reichsvereinigung der Juden" bestand darin, aufnahmewillige Länder ausfindig zu machen. In seiner Ansicht über das Weltjudentum wurde Hitler entscheidend bestärkt durch die Erklärung des zionistischen Führers Chaim Weizmann, „daß die Juden an der Seite Großbritanniens stehen und zusammen mit den Demokratien kämpfen würden". Diese „zweite" jüdische Kampfansage gegen Hitler-Deutschland, die einige Tage vor dem 1. September 1939 gegenüber dem britischen Premier Chamberlain abgegeben wurde,

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kann man auch als 2. jüdische „Kriegserklärung" bezeichnen. Möglicherweise hat diese unkluge Äußerung Weizmanns Hitler bewogen, die Internierung der Juden ins Auge zu fassen. (Nolte, Ernst, „Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945", Seite 317 f.)

Im Sommer 1940 mußte Heydrich, dem die „Reichszentrale für die jüdische Auswanderung" unterstand, kapitulieren. Er schreibt am 24. Juni 1940 an Reichsaußenminister von Ribbentrop: „Der Herr Generalfeldmarschall Göring hat mich im Januar 1939 . . . mit der Durchführung der jüdischen Auswanderung aus dem gesamten Reichsgebiet beauftragt. In der Folgezeit gelang es, trotz großer Schwierigkeiten, selbst auch während des Krieges, die jüdische Auswanderung erfolgreich fortzusetzen. Seit Übernahme der Aufgabe durch meine Dienststelle am 1. Januar 1939 sind bisher insgesamt über 200000 Juden aus dem Reichsgebiet ausgewandert. Das Gesamtproblem kann aber jetzt durch Auswanderung nicht mehr gelöst werden. Eine territoriale Endlösung wird daher notwendig." (Vogel, a. a. O., Seite 312 f.) „Territoriale Endlösung" heißt es ganz deutlich, mit anderen Worten: ein geeignetes Territorium mußte gefunden werden, wo die Juden siedeln konnten. Das Wort „Endlösung" hat niemals einen anderen Zweck gehabt. Eine Zeit lang geisterte das sogenannte „Madagaskar-Projekt" durch die Pläne der Auswanderungsbehörde. Die in französischer Hand befindliche Insel Madagaskar sollte von Frankreich für die Ansiedlung von Juden zur Verfügung gestellt werden. Der Plan zerschlug sich jedoch. Auf der sogenannten „Wannsee-Konferenz" am 20. Januar 1942 in Berlin wurde Madagaskar schon nicht mehr erwähnt und statt dessen eine „Evakuierung der Juden nach dem Osten" erwogen. Es muß aber darauf hingewiesen werden, daß die Problematik des angeblichen Protokolls dieser Konferenz bis heute nicht geklärt ist. Wilhelm Stäglich („Der Auschwitz-Mythos") weist überzeugend nach, daß zumindest „Teilabschnitte des ,Protokolls' für Nürnberger Gerichtszwecke und für die spätere Geschichtsschreibung erst nachträglich eingefügt, weggelassen oder verändert wurden." (Stäglich, Seite 38-65.)

Jedenfalls bietet auch die Niederschrift, die uns als „Protokoll der Wannsee-Konferenz" präsentiert wird, keinen Hinweis darauf, daß mit dem Wort „Endlösung" etwas anderes als Auswanderung oder

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Evakuierung gemeint gewesen sei. Das ergibt sich außerdem eindeutig aus einem Schreiben, das nach dieser Besprechung abgefaßt wurde. In diesem Brief teilt Legationsrat Rademacher vom Auswärtigen Amt dem Gesandten Bielfeld vom Frankreich-Referat der gleichen Dienststelle folgendes mit:

„Im August übergab ich Ihnen für Ihre Akten den von meinem Referat entworfenen Plan zur Endlösung der Judenfrage, wozu die Insel Madagaskar von Frankreich im Friedensvertrag gefordert, die praktische Durchführung der Aufgabe aber dem Reichssicherheitshauptamt übertragen werden sollte. Gemäß diesem Plan ist Gruppenführer Heydrich vom Führer beauftragt worden, die Lösung der Judenfrage in Europa durchzuführen. Der Krieg gegen die Sowjetunion hat inzwischen die Möglichkeit gegeben, andere Territorien für die Endlösung zur Verfügung zu stellen. Demgemäß hat der Führer entschieden, daß die Juden nicht nach Madagaskar, sondern nach dem Osten abgeschoben werden sollen. Madagaskar braucht mithin nicht mehr für die Endlösung vorgesehen zu werden." (Vogel, a. a. O., Seite 334 f.) Auch hier wieder die gleiche klare Definition: Endlösung bedeutete eine endgültige Lösung der Juden aus den europäischen Völkern und ihre Gesamtansiedlung in einem geschlossenen Gebiet. Der erste große Plan einer Gesamtlösung war das Rublee-Wohlthat-Abkommen. Die sich an die Kristallnacht anschließenden Konferenzen hatten ebenfalls nur den Sinn, Möglichkeiten für eine verstärkte Auswanderung der Juden aufzuspüren. Die vermutlich von außen inszenierte Kristallnacht hat wie ein Katalysator gewirkt und die ganze Judenfrage in eine Entwicklung getrieben, die sie möglicherweise ohne Mord an vom Rath und die darauffolgenden antijüdischen Ausschreitungen nicht genommen hätte.

Treffend zu der ganzen Thematik schreibt der bekannte Grazer Universitätsprofessor Ernst Topitsch in der seriösen österreichischen Monatsschrift „Aula" in Heft 2/92: „Das Gericht in Feldkirch war gut beraten, den Komplex ,Auschwitz' aus dem Verfahren gegen Walter Ochensberger auszuklammern. Zahlreiche Fragen müssen hier nach wie vor als ungelöst gelten. Ein hervorragender Kenner der Materie, Hans-Heinrich Wilhelm, gelangt zu dem ernüchternden Ergebnis, daß der Konsens der Forschung oft nur dadurch zu erklären ist, daß kritik-

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los voneinander abgeschrieben wurde und daß die ,Quellenbasis beängstigend schmal' sei.

Angesichts dieser Problemlage ist juristische Abstinenz angezeigt, will man nicht peinliche Blamagen und überdies Eingriffe in die verfassungsmäßig garantierte Freiheit der Wissenschaft riskieren." Während der zweiten Hälfte des Jahres 1941 nahm die Lösung des Juden-Problems eine bedrohliche Wende. Der Krieg gegen die Sowjetunion hatte begonnen, und das berühmte Buch des amerikanischen Schriftstellers Theodore N. Kaufmann mit dem Titel: „Ger-many must perish" (Deutschland muß sterben) war erschienen. In diesem Buch setzt Kaufmann ganz schlicht auseinander, daß alle Deutschen auf Grund der alleinigen Tatsache, daß sie Deutsche sind, selbst wenn sie Antinazi, Kommunisten, Judenfreunde seien, nicht zu leben verdienen und daß man nach dem Krieg 20 000 Ärzte einsetzen werde, von denen jeder täglich 25 deutsche Männer oder Frauen zu sterilisieren hätte, so daß es nach drei Monaten keinen zeugungsfähigen Deutschen in Europa mehr gäbe und das deutsche Volk in 60 Jahren auf dem Kontinent völlig ausgelöscht sein würde. Er versicherte außerdem, daß dies auch die Ansicht der deutschen Juden sei.

Hitler ließ dieses Buch über alle Rundfunksender verlesen. Man kann sich denken, was für einen Eindruck es auf die öffentliche Meinung Deutschlands machte und sich jetzt erst eigentlich eine Volkswut gegen die Juden breitmachte. In dieser Atmosphäre überstürzten sich die Ereignisse in Richtung auf den „totalen Krieg" - dieser Ausdruck wurde jetzt zum allgemeinen Schlagwort. In den Augen aller Deutschen war es Kaufmann, der den Gedanken an solche Maßnahmen aufgebracht hatte und der eingestanden hatte, daß seine Rassegenossen eine solche Behandlung für ihre deutschen Gegner vorbereiteten. Dieses Vorhaben war brutal und mörderisch, darüber waren sich alle einig.

Es gab in jener Zeit noch eine entscheidende Kampfansage des Weltjudentums gegen das Deutsche Reich, die letztendlich zum Kriegseintritt Amerikas beigetragen hat: Der britische Historiker und Publizist David Irving schreibt in einem Nachwort zum Buch des verstorbenen französischen Historikers Paul Rassinier „Die Jahrhundert-Provoka-

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tion": „Die Franzosen verloren ihr Kolonialreich. Britannien war im Dezember 1940 bankrott, mußte alle seine überseeischen Anlagen verpfänden - zur ungeheuren Befriedigung und zum Vorteil seiner amerikanischen Vettern - und verlor bald darauf sein Empire auch. Wo liegt der Ursprung von alledem? In dem haßerfüllten Klassenkampf, zu dem die Marxisten und, in einem zunehmend gewalttätigen Umfang, die Sozialisten getrieben hatten? Oder hatte der Rassenkampf den Klassenkampf um 1933 verdrängt, als das Weltjudentum - mit französischen Politikern wie Leon Blum und Georges Mandel an der Spitze - sich für einen Kreuzzug der Rache gegen Hitler und seine Anhänger wappnete, einen unbarmherzigen Kreuzzug, der mit den Heeren anderer Völker und mit dem Blut anderer Völker ausgefochten werden sollte? Mehr als alles andere erschütterte mich ein Brief, den ich entdeckte, als ich die Biographie von Winston Churchill schrieb - ein Brief in den Archiven von Churchills grauer Eminenz Chaim Weizmann (der spätere Präsident des Staates Israel). Indem Weizmann beim britischen Premierminister sich dafür einsetzte, daß die jüdische Einwanderung nach Palästina verstärkt und eine jüdische Armee erlaubt werde, bot er ein politisches Geschenk an:

Er schrieb, Churchill erinnernd, am 10. September 1941, daß die jüdische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten die größte ethnische Gruppe sei, die noch Britanniens Krieg gegen Hitler unterstütze; er betonte, daß allein diese jüdische Gemeinschaft die Vereinigten Staaten 1917 an der Seite Britanniens in den Ersten Weltkrieg gebracht habe; und er versprach, daß sie das wieder tun könnte, was sie vorher getan hatte." (Rassinier, S. 346 f.)


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