3. Hitler und die Juden

Die Weltöffentlichkeit geriet zunehmend wegen der von den deutschen Behörden ergriffenen Maßnahmen gegen die Juden in Erregung. In den Ländern, wo man nur noch vom Sturz des Hitler-Regimes träumte, riefen sie letztlich ebenso durch ihre Darstellung in der Presse wie durch ihren tatsächlichen Inhalt eine Psychose hervor, die von den Regierungen zur Kriegsvorbereitung gegen Deutschland genutzt wurde.

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In allen Ländern, die dem Hitler-Regime feindlich gesinnt waren, kamen die politischen Führungen zu dem Schluß, das sei überhaupt das letzte Mittel, diesen Zusammensturz herbeizuführen. Die in Deutschland durchgeführten Volksbefragungen und Wahlen stellten die Begeisterung und das unzerstörbare Vertrauen des deutschen Volkes in Hitler unter Beweis.

Es sei von vornherein gesagt, daß Hitlers Judenpolitik, selbst von allen sinnentstellenden Übertreibungen befreit, eine unbestreitbare Verletzung des Völkerrechts, „mehr ein Vergehen denn ein Verbrechen" war. Man muß aber gleichzeitig erkennen, daß die Forderung der Juden, in Deutschland - wie übrigens in allen anderen Ländern, die sie lediglich als „Gastländer" betrachteten - eine nationale Minderheit sein zu wollen, ebensowenig haltbar war. Das hieß für sie selbst, zuzugeben, daß sie in Deutschland Fremde waren und sich das Protestrecht abzusprechen, wenn Hitler sie tatsächlich als Fremde behandeln würde.

Den anderen Staaten in aller Welt stand es frei, auf diese Forderung der Juden einzugehen. Das war eine innenpolitische Frage, die Hitler nichts anging. Die Juden Deutschlands sollten sich dort niederlassen, sagte er: das Dritte Reich war ein nationaler Staat und hatte keinen Platz für diese nationale Minderheit.

Aber die anderen Staaten wollten die Juden nicht. Hätten sie sie gewollt, so wäre die Politik Hitlers freilich eine Verletzung des Völkerrechts geblieben; sie wäre es aber nur prinzipiell geblieben und hätte nicht in der Praxis diesen harten Zug angenommen. Die Sache hätte durch eine Bevölkerungsumsiedlung und einen Gütertransfer geregelt werden können. Und eben das schlug Hitler vor. (Im europäischen Raum sind zwischen 1817 und 1944 27 Fälle von Bevölkerungstransfers durch bilaterale Abkommen zustande gekommen, die alle völkerrechtswidrig waren.)

Über die durch erfolgversprechende Verträge zustandegekommene Auswanderung der Juden ist bereits ausführlich berichtet worden. Zwischen Juden und Nationalsozialisten, zwischen dieser winzigen Minderheit (nicht einmal ein Prozent) und nahezu der Gesamtheit des deutschen Volkes, die von der Zunft der Nationen zum Zusammenleben verurteilt waren, konnte sich die Lage nur noch zuspitzen. Und

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wer erkannte, wie sehr sich die politische Diskussion verschärft hatte, der konnte auf alles gefaßt sein.

Hitlers Standpunkt ist bekannt: Er beschuldigte die Juden, die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg insofern veranlaßt zu haben, als sie selbst der entscheidende Grund für den Einzug der USA in den Krieg gewesen seien. Wenn auch zutreffend, war diese Ansicht doch ziemlich oberflächlich: Für die Alliierten hatten die Juden andererseits die bolschewistische Revolution und die Kehrtwendung Rußlands angestiftet. Er erhob noch weitere Beschuldigungen gegen sie. Sie seien die Hauptnutznießer des Versailler Vertrags gewesen und zu beträchtlichen Reichtümern auf den Ruinen Deutschlands gekommen; sie hätten, zur weiteren Bereicherung, den Wirtschafts- und Finanzkrach 1929 hervorgerufen und eine Neuauflage in den Jahren 1929 bis 1933 angestrebt; sie würden auf die Zersetzung des Nationalgeistes hinarbeiten; sie seien Schmarotzer, die von der Arbeit der anderen, hauptsächlich vom Handel, lebten, wenn nicht ausschließlich vom Geldgeschäft. (Laut einer Statistik, die der Lehrstuhlinhaber für Soziologie an der jüdischen Universität Jerusalem veröffentlich hatte, verteilte sich das Weltjudentum wie folgt auf die einzelnen Berufsbranchen: Handel 38,6 %, Industrieunternehmer und Handwerker 36,4 %, Rentiers 12,7 %, Freiberufe 6,3 %, Landwirte 4 %, Arbeiter 2 %. (Arthur Ruppin, „Les Juifs dans le monde", a.a.O.) Schließlich brachte Hitler an Hand ihrer Schriften den Nachweis, sie würden in der ganzen Welt einen Krieg gegen Deutschland vorbereiten, um dieses zu vernichten.

Physisch seien sie Entartete, die sich die Würde eines „von Gott auserwählten Volkes" anmaßten. Ihre Gemeinden seien die Sammelstelle aller Krankheiten. Die Eheschließung innerhalb der Blutsverwandtschaft hatte ihr Blut verdorben, und wie bei allen Entarteten würden Laster und moralische Verkommenheit sie beherrschen. Man müsse sie außerstande setzen, die deutsche Moral zu zerstören und das deutsche Blut zu verderben, durch eheliche Verbindungen, die nur schädlich sein können. Hitlers Rassendoktrin lagen solche Überlegungen zugrunde, und er hatte sie in gedrängter Form in das am 24. Februar 1920 von ihm verkündete Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei hineinfließen lassen.

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„Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein." (Artikel 4) „Wer nicht Staatsbürger ist, soll nur als Gast in Deutschland leben können und muß unter Fremdengesetzgebung stehen." (Artikel 5) Die Juden entgegneten, Hitler sei unter anderem ein Paranoiker, ein gefährlicher Irrer, ein Degenerierter, ein Sexualbesessener. Von seinem Regierungsantritt an fanden Franzosen, Briten, Amerikaner jeden Morgen in ihrer Tageszeitung die ausführlichsten und grauenvollsten Berichte über die Nötigungen, die das nationalsozialistische Regime an Juden ausgeübt habe. Diese häufig mit Fotos illustrierten Berichte stammten meistens aus jüdischen Zeitungen. Erhärtet wurden sie durch die zahlreichen Zeugnisse der Juden, Sozialdemokraten und Kommunisten, die heimlich oder wie auch immer aus Deutschland geflohen waren. Sie gründeten sich zwar auf Wahrheit, waren aber maßlos aufgebauscht.

In dieser revolutionären Zeit, da alle Instinkte losgelöst waren, ging die Ausnahme in fast allen Fällen eher aus einer Massenreaktion denn aus einer Regierungsinitiative hervor, wurde sie jedoch in der ausländischen Presse stets als durchgehende Regel dargeboten. Zum Beispiel: der Jude, der unter dem Gespött der Menge und mit dem umgehängten Schild „Ich bin ein Jude" durch die Straßen geführt wurde. Am 28. März 1933 hatte die Parteileitung der NSDAP das Boykottieren aller jüdischen Geschäfte für den 1. April angeordnet, und bei dieser Gelegenheit trug sich die Szene sicherlich zu. (Wie schon erwähnt, war dieser Boykott die Reaktion auf die jüdische Kriegserklärung vom 24. März 1933 im „Daily Expreß".) In der Anordnung wurde die Maßnahme als reiner „Abwehrkampf' gegen die „jüdischen Gewalttaten" bezeichnet und befohlen: „Krümmt auch weiterhin keinem Juden auch nur ein Haar."

Alle Zeitungen veröffentlichten das Foto mit der Legende: „Rassistische Szene in Deutschland". Und sie gaben es regelmäßig wieder, mit etwas veränderter Legende: „Noch eine rassistische Szene in Deutschland". Die öffentliche Meinung schloß daraus, daß sämtliche deutschen Juden dauernd in allen Straßen aller deutscher Städte herumgeführt würden. Nur Unbefangene merkten, daß es sich stets um den-

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selben Juden, um dieselbe Volksmenge handelte, und daher dürfte sich die Szene nicht allzu oft abgespielt haben. Wie dem auch sei, Hitler mußte gleich nach der Machtübernahme sein Rassenprogramm in Anwendung bringen. (Erst nach der jüdischen Kriegserklärung vom 24. März 1933.) Zu den ersten getroffenen Maßnahmen gehörten das Verbot für Juden, bestimmte Berufe (Richter, Beamte) auszuüben, der Numerus clausus in anderen (Rechtsanwälte, Freiberufe, Studenten) und der Boykott der jüdischen Geschäfte („Kauft nicht bei Juden!"). Hitler dachte, er könnte auf diese Weise 80 bis 90 Prozent von ihnen zur Arbeitslosigkeit verurteilen und sie zwingen, sich auf die manuellen Berufe zu beschränken oder heimlich auszuwandern.

Auf sein Genie vertrauend wußte er mit Sicherheit, daß sie die zweite Lösung der ersten vorziehen und Mittel und Wege finden würden, sie in die Tat umzusetzen. Und jener Dienststelle die in Anwendung des „Haavara-Abkommens" in Berlin gegründet worden war, erteilte er den Befehl, diese heimliche Auswanderung zu erleichtern oder zu ermöglichen. So konnten 330000 statt 108000 Juden Deutschland zwischen 1933 und 1939 verlassen, während England ihre Auswanderung nach Palästina auf monatlich l 500 (das waren 18000 im Jahr) eingeschränkt hatte. (Die Statistik stammt von der Internationalen Stelle für jüdische Dokumentation - siehe Leon Poliakov, „Das Dritte Reich und die Juden. Dokumente und Aufsätze", Berlin 1955.) Bei der Thematik „Endlösung der Judenfrage" beziehungsweise der Deportation der Juden ab Mitte Oktober 1941 wird vielfach der Zusammenhang mit den Kriegszielen und -maßnahmen der Gegner Deutschlands unberücksichtigt gelassen. Bekanntlich hat Chaim Weizmann als Präsident des Weltzionistenverbandes und der Jewish Agency, gestützt auf einen in Genf am 25. August 1939 gefaßten Beschluß des jüdischen Weltkongresses, der britischen Regierung noch vor Kriegsbeginn (am 29. August 1939) die vorbehaltlose Unterstützung des internationalen Judentums zugesagt. (Chaim Weizmann, „Memoiren - das Werden . . . ", Seite 610.)

Insofern war die Reichsregierung nach Kriegsrecht berechtigt, Schutz- und Abwehrmaßnahmen gegenüber den Juden zu ergreifen. Die Reichsregierung hatte indessen zunächst zwei Jahre gewartet, ja

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bis Ende 1940 Juden noch aus Deutschland ausreisen lassen, obgleich sie längst in Erfahrung gebracht hatte, daß Großbritannien in seinen Empiregebieten bereits alle Deutschen kurz nach Kriegsbeginn eingesperrt hatte.

Schon im Jahr 1935 hat Stalin in einem 100 Kilometer tiefen Grenzstreifen eine Totalaussiedlung aller deutschen Dörfer und Gemeinden in der UdSSR durchgesetzt. Hinzu kamen dann die Zwangsdeportationen ab Ende September 1939 im ostpolnischen Gebiet und jene in den annektierten baltischen Ländern im Jahre 1940. Solche Liquidierungen und Massendeportationen waren geradezu ein systemtypisches Kennzeichen sowjetischer Expansion und Machtergreifung. Als durch eine sowjetamtliche Proklamation Mitte September 1941 bekannt wurde, daß Stalin vorhabe, alle Wolga- und übrigen Rußlanddeutsche weit nach Osten deportieren zu lassen, wurde deutscherseits in einer Rundfunkmitteilung für die Weltöffentlichkeit angedeutet, daß Deutschland im Fall der Durchführung des Sowjetbeschlusses „das Judentum im deutschen Herrschaftsbereich, das heute immer noch weitgehende Rechte genießt, ebenfalls in die östlichen Gebiete deportieren werde". (Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, München 1982, Seite 314.)

Es ist mit ziemlicher Sicherheit zu unterstellen, daß dieses sowjetische Vorgehen gegen die Rußlanddeutschen Hitler mit bewogen hat, dem mit ganz anderen Motiven genährten Drängen seines Abwehrchefs (in Wirklichkeit Feindagenten) Admiral Canaris nachzugeben und die Evakuierung und Konzentrierung der Juden innerhalb des deutschen Herrschaftsbereiches zu befehlen.

Und ab hier beginnt die Tragik der nicht ausgewanderten Juden. Sie werden zwangsweise in Arbeitslager verfrachtet, um ihre Arbeitskraft für die Kriegswirtschaft zu nutzen und den deutschen Herrschaftsbereich judenfrei zu machen. Sie als Unschuldige der großen Weltpolitik müssen genauso leiden und büßen wie die deutschen Opfer der Bombennächte, der Vertreibung und der Gefangenenlager. Kein ernstzunehmender Deutscher bestreitet die hohen jüdischen Verluste nach Abschiebung in den Osten. Zehntausende Tote durch Seuchen (Typhus und Ruhr), Zehntausende Tote durch andere Krankheiten infolge Hunger, harter Arbeit und Schwäche. Auch Todesopfer

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durch schlechte Behandlung und Übergriffe einzelner. Weiter über 200000 Judenerschießungen durch die Einsatzgruppen als Repressalie auf den 500 OOOfachen Mord durch Partisanen an deutschen Soldaten und ihre Verbündeten im Hinterland der Front. Wie aber mit „symbolischen" Zahlen und mit Millionen umgegangen wird, ist aus folgender dpa (Deutsche Presse-Agentur)-Meldung vom 3. Juni 1992 ersichtlich: „Der internationale Rat des Museums von Auschwitz hat sich auf den Text neuer Inschriften geeinigt, die am Eingang zum Museum und am internationalen Denkmal im Vernichtungslager Birkenau angebracht werden sollen. Damit wird nach Berichten (. . .) den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung getragen, wonach in Auschwitz nicht, wie bis vor kurzem angenommen, vier Millionen, sondern vermutlich etwa 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen ermordet wurden - vor allem Juden. In neunzehn Sprachen wird auch daran erinnert, daß die Welt damals schwieg." Erwähnenswert auch und respektheischend die Tatsache, daß diese Korrektur der Opferangaben von Auschwitz nicht ein deutscher Forscher bewirkt, sondern ein israelischer angestoßen und eine polnische Kommission veranlaßt hat. (A. Schickel, Zeitgeschichtliche Forschungsstelle Ingolstadt.)

Über ein Jahrzehnt hielt sich die Mär von der Vergasung von Häftlingen in Dachau: Sogar der Deutsche Bundestag mußte sich mit dieser Frage befassen, und die Bundesregierung mußte dabei zugeben, „daß die Gaskammern in Dachau zwar vor Kriegsende nicht benutzt" seien, versuchte jedoch die Existenz von Gaskammern noch zu retten, indem sie „bestätigte", daß sie „aber von den Nationalsozialisten hergestellt worden sind". (Kern, Seite 254.)

Kurz vor diesem Vorgang am 28. September 1960 stellte Martin Bros-zat als Vertreter des Münchner Instituts für Zeitgeschichte klar: „Weder in Dachau, noch in Bergen-Belsen, noch in Buchenwald sind Juden oder andere Häftlinge vergast worden . . . Die Gaskammer in Dachau wurde nie fertiggestellt und in Betrieb genommen." („Die Zeit", 19. August 1960.)

Erich Kern sammelte dann Aussagen deutscher Gefangener darüber, daß die nach 1945 jahrelang vorgezeigte Gaskammer in Dachau erst nach dem Mai 1945 von deutschen Soldaten in US-Haft gebaut worden ist.

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Einen weiteren Beweis für diese beschämenden Vorgänge im besiegten Deutschland lieferte der ehemalige Oberstleutnant der Wehrmacht und spätere Oberst der Bundeswehr, Gerhart Schirmer, mit einer „eidesstattlichen Erklärung" vom 16. Dezember 1986 (gekürzte Wiedergabe): „Als Kriegsgefangener der Sowjets wurde ich mit sieben anderen Kameraden Mitte Oktober 1945 im KL-Oranienburg gezwungen, einen vorhandenen Duschraum zu einer Gaskammer umzubauen und daneben eine weitere Betonzelle neu zu errichten, die als ,Ge-nickschußanlage' bezeichnet wurde.

Nach Fertigstellung der Anlage wurde mein Kamerad Dipl.-Ing. Dör-beck allein zum Politoffizier gebracht und erhielt genaue Anweisung (er konnte perfekt russisch), welche Erklärung er den sowjetischen Besuchergruppen abgeben sollte. Er hatte etwa folgendes zu sagen: Diese Anlage, von den Nazis erbaut, diente der Vernichtung von Juden und gefangenen sowjetischen Offizieren. Täglich seien etwa zweihundert Menschen vergast und fünfundzwanzig erschossen worden. Dies habe von 1942 bis April 1945 angedauert. Wenn Dörbeck sich geweigert hätte, diesen Befehl auszuführen, wäre er sofort erschossen worden.

Dörbeck und ich wurden nach Auflösung des KL-Oranienburg im Januar 1950 zuerst in das Gefängnis Lichtenberg (Berlin) und im September 1950 nach Workuta im nördlichen Ural gebracht. Nach fünf Jahren Zwangsarbeit kehrten wir 1955 in die Heimat zurück." (Gerhart Schirmer, Sachsenhausen - Workuta, Tübingen 1922, Seite 49/50.)

Zur Zeit gibt es in der Frage der „Judenvernichtung" gegenteilige Meinungen, wobei die Meinung, die dies leugnet, durch eine politische Justiz in Deutschland und Österreich gemaßgeregelt wird. Man kann deshalb dazu keine Stellung nehmen und muß abwarten, solange das Grundrecht der freien Meinungsäußerung nicht gewahrt ist.

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