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10. Prof. Sigmund Freud, 1856 -1939, (Genie oder Schwindler?)

Henry Ford: „Herr Professor Freud, Sie haben gewiß davon gehört, daß wir hier Befragungen hauptsächlich bekannter Persönlichkeiten vornehmen. Um uns nicht den Vorwurf einzuhandeln, keine ausreichende Sachkenntis zu besitzen, haben wir einen Fachmann von hohen Graden gebeten, das Interview durchzuführen, Herrn Professor Eysenck. Bitte sehr!"

Prof. Eysenck (1916-1997): „Ich habe ein Buch geschrieben mit dem Titel 'The Decline and Fall of the Freudian Empire' (Niedergang und Zerfall des Freud'schen Imperiums). Ich möchte daraus ein paar Punkte aufgreifen und Sie bitten, mir zu sagen, ob meine Analyse richtig ist.

Viele Jahre galten Sie als der große Wissenschaftler, der die gesamte Psychologie sozusagen beim Kragen genommen und zu ei-


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ner Disziplin geformt hat, mittels derer sich neurotische Krankheitszustände, ja, das gesamte menschliche Verhalten, erklären läßt. Zudem haben Sie behauptet, durch die Anwendung Ihrer psychoanalytischen Behandlungsmethode imstande zu sein, neurotische und psychotische Krankheitszustände zu beheben - mehr noch: dies sei durch keine andere Methode erreichbar. Sie vertraten den Standpunkt, daß alle anderen Methoden lediglich die Symptome angingen, wogegen Sie die dem Symptom zugrunde liegende Erkrankung behandelten. Ist das richtig?"

Prof. Freud: „Ja, Ihre Darstellung ist richtig."

Prof. Eysenck: „Sie haben weiter behauptet, diese Erkrankung sollte sich in der verdrängten Kindheitssexualität Ihrer Patienten, also dem sogenannten 'Ödipus-Komplex', aufdecken lassen. Ihm zufolge besteht im männlichen Kleinkind der Wunsch, seine Mutter sexuell zu besitzen und seinen Vater zu töten. Dies bewirkt die Wünsche des Kindes in das Unbewußte, wo sie weiter gären und neurotische Symptome sowie verschiedenerlei Irrtums- und Vergeßlichkeitsvorgänge in seinem Alltagsleben aufkommen lassen. Habe ich Ihre Ansicht richtig wiedergegeben?"

Prof. Freud: „Ja, dies ist richtig."

Prof. Eysenck: „Stimmt es, daß viele Fachkollegen Ihren Behauptungen Glauben schenkten, ungeachtet der Tatsache, daß auch nicht die Spur eines Beweises vorlag, der darauf hindeutete, daß durch Psychoanalyse jemals eine Person geheilt wurde? Schon immer war bekannt gewesen, daß bei neurotischen Patienten das spontane Abklingen eines Befundes in auffallend hohem Maße erfolgt. Mit anderen Worten, sie gesunden, auch wenn an ihnen überhaupt nichts unternommen wurde. Innerhalb von zwei Jahren nach Einsetzen auch einer erheblichen Neurose sind zwei drittel aller Patienten entweder geheilt oder in weit besserer Verfassung, und das ohne jegliche psychiatrische Hilfeleistung! Sind Sie mit mir einer Meinung, Herr Kollege?"


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Prof. Freud: „Ja, ich muß Ihnen zustimmen."

Prof. Eysenck: „Um dieses allen Laien plausibel zu machen: Dies hat sehr große Ähnlichkeit mit dem Verlauf einer Erkältung: Innerhalb einer Woche ist die Erkältung abgeklungen, gleich, was man dagegen unternimmt. Es läßt sich allerdings leicht behaupten, daß irgendeine therapeutische Maßnahme, wie die Einnahme von Whisky oder Zitronentee, zur Bekämpfung der Erkältung, oder die Anwendung der Psychoanalyse zur Behebung der Neurose, den günstigen Verlauf herbeigeführt hat. Können Sie diesem Vergleich zustimmen, Herr Kollege?"

Prof. Freud: „Ja, so kann man das sehen."

Prof. Eysenck: „Was wirklich benötigt wird, sind zwei Dinge. Zunächst einmal muß eine Kontrollgruppe vorhanden sein, also eine Gruppe von Patienten, ähnlich der unter Behandlung stehenden Gruppe, die jedoch entweder überhaupt nicht oder mit Scheinmedikamenten behandelt werden, d. h. einer bedeutungslosen Behandlung unterzogen werden, von der keinerlei Wirkung zu erwarten ist, den Patienten hingegen überzeugen soll, daß etwas für ihn geschieht. Nur dann, wenn sich die psychoanalytische Behandlung als der Scheinmittel- oder Nichtbehandlung eindeutig überlegen erweist, können wir sie als erfolgreich anerkennen. Bei allen durchgeführten Vergleichen dieser Art, auf die ich 7952 erstmalig hinwies, zeigte sich, daß die Psychoanalyse nicht wirksamer ist als die Scheinmittel-Behandlung. Mit anderen Worten, für die Zweckmäßigkeit der Psychoanalyse fehlt jeder Beweis. Oder haben Sie, Herr Kollege, diese Versuche an Kontrollgruppen durchgeführt?"

Prof. Freud: „Sie haben in der Sache recht. Kontrollen wurden von mir nicht durchgeführt."

Prof. Eysenck: „Außerdem ist erforderlich, daß der Patient über mehrere Jahre nach seiner angeblichen 'Gesundung' unter Beobachtung zu stehen hat, denn eine Neurose klingt zwar häufig spon-


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tan ab, kehrt jedoch auch spontan zurück. Man bezeichnet dies als das 'Hallo-und-auf-Wiedersehen'-Phänomen. Anders gesagt, der Patient geht zum Psychiater, wenn er mutlos ist, voller Niedergeschlagenheit und Ängste. Mit der Zeit bessert sich sein Zustand, und der Psychiater, der nun für sich in Anspruch nimmt, eine Heilung herbeigeführt zu haben, beendet die Behandlung. So geht es mit dem Patienten auf und ab, ohne jedes erkennbare Zeichen, daß der Psychiater dabei in irgendeiner Form eine wesentliche Rolle spielt. Indes läßt sich leicht erkennen, daß der Psychiater zwar die augenscheinliche 'Gesundung' als seinen Erfolg beansprucht, dagegen für den späteren Rückfall die Verantwortung ablehnt. Wie sind Ihre praktischen Erfahrungen, Herr Kollege?"

Prof. Freud: „Sie stimmen mit Ihren überein."

Prof. Eysenk: „Einer Ihrer bekanntesten Fälle ist der des 'Wolfmenschen'. Sie haben für sich in Anspruch genommen, diesen Patienten von einem Krankheitszustand der Zwangsbesessenheit befreit zu haben. Nun habe ich, 60 Jahre nachdem Sie Ihre Behandlung beendet hatten, diesen 'Wolfmenschen' wiederentdeckt und befragt. Das Begriffsgebäude der erfolgreichen Behandlung brach allerdings völlig zusammen, nachdem sich herausstellte, daß er die ganzen sechzig Jahre über von genau den gleichen Symptomen gepeinigt worden war, gegen die, Herr Kollege, Sie ihn behandelt hatten! Darüber hinaus hatte er sich einer Vielzahl von Behandlungen durch andere Psychoanalytiker unterzogen, wobei der Erfolg ebenfalls ausgeblieben war. Es war damit eindeutig bewiesen, daß Ihre Beurteilung des Falles absolut jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Was sagen Sie dazu, Herr Kollege?"

Prof. Freud: „Was soll ich dazu sagen? Es war eine unbegründete Fehleinschätzung des vermeintlichen Erfolges."

Prof. Eysenck: „Wenn wir uns Ihre überschwenglichen Erfolgsberichte, wie den des 'Wolfmenschen' vor Augen führen, dann ist festzuhalten, daß Sie nie einen Fall weiterverfolgten. Ohne eine


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Weiterverfolgung ist es aber unmöglich, zu erfahren, was wirklich vor sich gegangen ist! In einigen Ihrer Fälle ist klar erkennbar, daß Sie wissentlich aufschnitten, wenn Sie einen Erfolg geltend machten, obgleich keinerlei Dauererfolg erkennbar war. Halten Sie ein solches Verhalten eines Wissenschaftlers für würdig?"

Prof. Freud: „Ich gebe es zu, es war unkorrekt."

Prof. Eysenck: „Nach allen meinen Recherchen komme ich zu der traurigen Feststellung, daß Sie nicht nur Ihre Patienten getäuscht, sondern darüber hinaus die Fachwelt an der Nase herumgeführt haben. Mit einem Wort: Sie waren ein Erzlügner!

Auf derselben Ebene liegt Ihre Biographie. Sie behaupten darin, daß Ihre Bücher schlecht beim Leser ankamen, überhaupt nicht besprochen wurden, oder, wenn sie es doch einmal wurden, dann derart vernichtend, daß wohl besser nie geschrieben worden wäre. Nichts davon trifft zu! Beim Studium zeitgenössischer psychiatrischer und psychologischer Fachzeitschriften habe ich festgestellt, daß Ihre sämtlichen Frühwerke kurz nach Erscheinen von den hervorragendsten Fachleuten jener Zeit in aller Ausführlichkeit und zudem sehr positiv rezensiert worden waren, wobei viele Sie als Genie feierten und zu Ihren Beiträgen hochgestochene Behauptungen aufstellten. Das Ergebnis dieser Untersuchung wurde von einem Kollegen so ausgedrückt: Niemand, der sich dieser Mühe unterzieht, wird jemals wieder ein weiteres Wort Freuds über seine Leistungen glauben! Können Sie dies entkräften, Herr Kollege?"

Prof. Freud: „Es tut mir leid, ich kann es nicht."

Prof. Eysenck: „Zu Ihrem bekanntesten Werk 'Traumdeutungen' möchte ich wiederholen, was Fachkollegen dazu gesagt haben: Daß keiner dieser Träume die Freud'sche Auslegung wirklich bestärkt. Auch hier waren Sie davon ausgegangen, daß alle Träume mit den frühkindlichen Sexualwünschen und Sehnsüchten zusammenhängen.


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Ist Ihre Neigung, alles in einen Zusammenhang zu bringen, was mit 'frühkindlicher' Sexualität zu tun haben könnte, eine Art Hobby, oder war es einfach nur Geltungssucht?"

Prof. Freud: „Ich kann Ihnen diese Frage nicht eindeutig beantworten. Vielleicht handelt es sich bei mir um eine Art krankhafter Einbildung?"

Prof. Eysenck: „Ich danke Ihnen für dieses Gespräch, Herr Freud! Wir werden es in Auszügen bei einem Verlag in der Schweiz veröffentlichen."

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