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11. Eva, Adams Frau.
Henry Ford: „Hallo, Missis Eva! Wir suchen Sie bereits seit Tagen."
„Guten Morgen, meine Herren! Ja, ich weiß es. Meine Freunde, -sehen Sie sie da drüben, die Gruppe von Frauen und Männern? jetzt winken sie uns zu! - sie haben mich bereits darüber aufgeklärt, wer Sie sind und welche Rolle ich bei Ihrer Befragung zu übernehmen habe. Ich bedanke mich für diese Ehre und stehe Ihnen für Fragen gern zur Verfügung."
Henry Ford: „Das ist sehr freundlich! Dann brauchen wir uns nicht lange mit der Vorrede aufzuhalten:
Wie war es nun genau? Einmal steht in der Bibel, 'Laßt uns Menschen schaffen' und 'Als Mann und Frau schuf er sie'. Dann steht etwas weiter unten, daß es noch keine Menschen gab. Noch etwas später wird Adam erschaffen und aus einer seiner Rippen machte Gott Adams Frau Eva. Was ist nun Wahrheit?"
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„Vermutlich liegt der Fehler in der Zweideutigkeit bei Mose, der für diese Kapitel in 'Gottes Wort' verantwortlich ist. Aus eigenem Erleben kann ich nur das berichten, was ich wahrgenommen habe. Sicher werden Sie dies auch begreifen, denn wer von Ihnen kann sich schon daran erinnern, was war, als Sie noch gar nicht auf der Welt waren? Habe ich recht?"
Henry Ford: „Absolut, Frau Eva! Aber bitte, fahren Sie fort!"
„Ja, ich hörte von meinem Mann, dem Adam, daß Gott ihm eine Rippe herausgeschnitten hatte und daraus mich formte. Aber wie gesagt, bestätigen kann ich es nicht. Ich muß mich schon auf meinen Mann verlassen. Ich habe ihn auch gebeten, mir die Stelle zu zeigen, wo Gott ihm die Rippe herausgeholt hat. Da wir völlig ungeniert nackt im Paradies herumliefen, machte es ihm auch gar keine Umstände, mir die Stelle zu zeigen. Sie liegt genau mitten auf seinem Bauch. Es muß eine ganz kurze Rippe gewesen sein, denn die Narbe ist nur so groß wie mein Daumennagel."
Henry Ford: „Well, darüber brauchen wir uns nicht länger aufzuhalten. Wie war das nun mit dem Sündenfall?"
„Ach, das ist eine ganz dumme Geschichte! Wir haben doch von allem essen können, was es im Paradies gab. Alle Früchte boten sich uns an. Es war wie im Schlaraffenland. Dadurch, daß wir uns nur von Feldfrüchten, Obst und Beeren ernährten, hatten wir auch keine Probleme mit der Verdauung. Es klappte regelmäßig und täglich hervorragend! Aber dann war meinem Adam eingefallen, daß uns Gott gesagt hatte, wir sollten auch über alle Tiere des Himmels, der Erde und des Wassers herrschen. Da kam er auf den Gedanken, mal einen Hasen zu fangen. Das war zwar nicht so leicht, aber er hat ein Loch in die Erde gegraben und gewartet, bis sich dort so ein armes Häschen ihm selbst ausgeliefert hatte. Dem hat dann mein Mann den Pelz abgezogen und ihn ein paar Tage abhängen lassen, damit er reif wurde, wie mein Mann sagte. Danach habe ich ihn mit Pfeffer, Salz und Majoran eingerieben und gegrillt."
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(Die drei Herren sahen sich verwundert an. Hearst meinte kaum hörbar: Woher kennt die denn überhaupt das Rezept? Und das mit dem Grillen? Otto Schulz flüsterte: Sie kann vermutlich ihre erlebte Vergangenheit und die Gebräuche der hier gehörten Neuzeit nicht trennen. Sie ist verwirrt!)
„Mein Mann hatte sich so sehr den Bauch vollgeschlagen, daß er Bauchschmerzen bekam und einen Schnaps trinken mußte. Ich wollte, daß Adam solche Sachen nicht mehr machen sollte, aber dann, als seine Bauchschmerzen wieder weg waren, da hat er sich an das nächste Tier gewagt. Und zum Nachtisch hat er uns ein paar Äpfel vorgelegt, die er ganz hinten im Paradies gefunden hatte. Danach wurde uns kotzübel. Ich vermutete, die Äpfel waren unreif. Aber Adam war anderer Meinung. Und weil es auch noch danach ein großes Gewitter gab, mit Blitz und Donner und Platzregen, da hat Adam, dessen Ohren besser waren als meine, herausgehört, daß Gott mit uns schimpfte. Er meinte, Gott habe bestimmt gesagt, es schicke sich nicht, nackt herumzulaufen, und er hat befohlen, uns Kleider zu machen. Da Adam zu der Zeit auch zwei Felle von Löwen gefunden hatte, meinte er, Gott habe diese Kleidungsstücke für uns selbst angefertigt. Und genauso steht es ja auch im 1. Mose 3, Vers 21: 'Gott, der Herr, machte Adam und seiner Frau Röcke aus Fellen und bekleidete sie damit.'"
Henry Ford mit zweifelndem Blick: „Verehrte Missis, sicher, ich habe Sie dazu herausgefordert, bei 'Adam und Eva' anzufangen, aber wenn wir uns nicht etwas ranhalten, dann werden wir hier ewig auf ein Ende warten. Können Sie sich etwas kürzer fassen? Wie kamen Sie zu Ihren Kindern?"
„Ich will es versuchen. Also im 1. Mose 4,1 steht: 'Adam erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Kai n.' Und etwas später steht: 'Sie gebar ein zweites Mal, nämlich Abel, seinen Bruder.' Genügt Ihnen diese Antwort, oder wollen Sie mehr darüber wissen?"
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Henry Ford: „Es wäre sicher ganz interessant zu erfahren, wie nun die Fortpflanzung bewerkstelligt wurde. Ging die Umstellung von der entfernten Rippe zur anderen Art und Weise ganz plötzlich vor sich, oder mußten Sie üben? Und was heißt eigentlich 'Adam erkannte Eva'?"
„Oh, da haben wir bei der Schulung immer einen großen Bogen drum gemacht. Aber es sollte mich doch sehr wundern, wenn Sie, meine Herren, nicht schon als Kinder beim Konfirmations- oder Kommunions-Unterricht die Köpfe zusammengesteckt und gekichert haben. Am besten denken Sie selbst einmal darüber nach, wie Sie es mit der Fortpflanzung gehalten haben! Damals, im Paradies jedenfalls, haben wir diese Methode eingeführt, das heißt, eigentlich kam Adam auf diese Idee. Er meinte, das wäre lustiger."
Die drei Herren sahen sich wieder ziemlich hilflos an. Hearst brummelte vor sich hin: Was redet die denn für einen Blödsinn von Schulung? Ford fing sich als erster:
Ford: „Okay! Lassen wir die weitere Erörterung. Wir glauben Ihnen gern. Nun kommt aber der springende Punkt mit Ihren Söhnen. Kain ermordete seinen Bruder Abel. Wie ging dann die Vermehrung weiter?"
„Im 1. Mose 4,17 steht: 'Kain erkannte seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Henoch. Dem Henoch, wurde Irad geboren; lrad zeugte'... „
Henry Ford: „Aber das wissen wir ja, daß es so in der Bibel steht. Wir wollten von Ihnen hören, ob dies der Wahrheit entspricht!"
„Die Bibel ist 'Gottes Wort', also ist es auch die Wahrheit!"
Henry Ford: „Aber wer war Kains Frau? Das ist doch die Frage, die es zu beantworten gilt! Und da außer von Ihnen, der Eva, von keiner anderen Frau die Rede ist, müssen Sie die Mutter von Henoch sein! Oder?"
„Wissen Sie, meine Herren, ich habe mich nie um solch schwierige Fragen gekümmert. Und wenn meine Freunde da drüben
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mich nicht hören, so kann ich Ihnen im Vertrauen sagen, daß unsere Oberen darüber wohl auch nicht so genau Bescheid wissen. Ich nehme ja an, daß Kain sich eine Frau aus Ägypten genommen hat. Was halten Sie davon?"
Henry Ford: „Cut, wir erkennen Ihren Vorschlag an. Aber damit kommt 'Gottes Wort' ins Wanken! Hatten Sie selbst noch mehr Kinder?"
„Im 1. Mose 4,25 steht: Adam erkannte noch einmal seine Frau, die gebar einen Sohn und nannte ihn Set'; das heißt Setzling."
Henry Ford: „Meine Freunde und ich halten dieses Interview für wenig sinnvoll. Wir haben den Eindruck, daß Sie nichts anderes als Bibelsprüche kennen. Wie kommt denn das? Die Bibel wurde ja Jausende von Jahren nach Ihnen geschrieben!"
„Aber meine Herren! Meine Freunde sagten mir, ich sollte im Gespräch mit Ihnen die Rolle der Eva spielen; ich heiße nämlich wirklich Eva und mein Mann ebenfalls tatsächlich Adam, aber mit Vornamen Heinrich. Und meine Bibelkenntnisse, die habe ich von den Zeugen Jehovas. Dort war ich nämlich Mitglied."
Henry Ford: „Dann sind Sie ja eine absolut falsche Eva. Und Sie kamen auch nicht im Paradies zur Welt! Wo wurden Sie denn geboren?"
„In Wuppertal!"
***
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