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12. Alfred Naujocks, 18??- nach 1945 (Der Erfinder eines Überfalls)

Otto Schulz: „Herr Naujocks, als Deutscher, und damit Betroffener des Ergebnisses der Rachejustiz von Nürnberg, liegt mir dieses Problem besonders am Herzen: In den Nürnberger Akten gibt es ein Dokument 2751-PS. Es enthält eine eidesstattliche Erklärung mit Ihrer Unterschrift. Erzählen Sie uns bitte etwas über diese Sache."

„Alles ist mir nicht mehr in Erinnerung. Das Papier behandelt meine eidesstattliche Erklärung und hat etwa folgenden Inhalt:

Sie trägt das Datum vom 20. November 1945. Sie basiert auf der Aussage, die ich am 19. Oktober 1944 gemacht habe. Ich war als Sturmbannführer der Waffen-SS beim SD. Mein oberster Chef war Reinhard Heydrich. Am 19. August 1939 wurde ich zu ihm befohlen und bekam den Auftrag, am 31. August 1939 um 21 Uhr den deutschen Sender Gleiwitz mit einem vorgetäuschten Überfall anzugreifen, um der deutschen Reichsregierung die Voraussetzung für den Kriegsbeginn gegen Polen zu verschaffen.


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Zu diesem Zweck wurden KZ-Häftlinge in polnische Uniformen gesteckt und mit Gewehren bewaffnet. Sie griffen das Gebäude des deutschen Senders Gleiwitz an.

Im Gebäude wurde die Sendung unterbrochen. Man hörte Schüsse. Es wurde in polnischer Sprache ein Aufruf verlesen. Danach hörte man wieder Schüsse. Der Angriff wurde abgeschlagen. Die Angreifer, also die KZ-Häftlinge, wurden alle getötet. Deutschland hatte damit den Vorwand für seinen Überfall auf Polen am nächsten Morgen."

Otto Schulz: „Herr Naujocks, das ist also in etwa der Inhalt Ihrer eidesstattlichen Erklärung, nicht wahr?"

„Ja, so etwa."

Otto Schulz: „Wann und wo haben Sie diese Erklärung abgegeben?"

„Nach meiner Gefangennahme durch die Amerikaner am 19. Oktober 1944."

Otto Schulz: „Waren Sie bei der kämpfenden Truppe, der Waffen-SS?"

„Ja, ich war bei einer Fronteinheit."

Otto Schulz: „Wie kamen Sie zu diesem Fronteinsatz?"

„Können Sie mir diese Antwort nicht ersparen?"

Otto Schulz: „Wir wollen von Ihnen nichts als die Wahrheit hören. "

„Ich hatte mich mit dem NS-Regime überwerfen, bekam aber die Gelegenheit der Bewährung und wurde an die Westfront versetzt..." Otto Schulz: „Sie zögern? Erzählen Sie bitte weiter!"

„Ich nahm die erste Gelegenheit wahr und lief zu den Amerikanern über."

Otto Schulz: „Sie wußten doch sicher, daß die Amerikaner die Soldaten der Waffen-SS besonders hart behandelten. Kamen Ihnen keine Bedenken?"


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„Dafür hatte ich den Amerikanern ja auch etwas anzubieten: Den Bericht über den 'polnischen Angriff auf den Sender Gleiwitz."

Otto Schulz: „Die Geschichte von diesem vorgetäuschten Angriff war bisher nirgends in der westlichen Welt erwähnt worden. Wurden die Amerikaner nicht stutzig?"

„Nein, sie waren froh, etwas zu hören, wovon sie noch keine Ahnung hatten. Es war ihnen alles recht, womit man den Deutschen eins auswischen konnte."

Otto Schulz: „Hitler hat am Morgen des 7. September 1939 eine Rede im Reichstag gehalten und gesagt, seit 4 Uhr 45 wird zurückgeschossen. Er hätte doch von dem Gleiwitzer Überfall der Tölen' wissen müssen. Warum erwähnte er dies nicht?"

„Hitler hat von dieser Sache nichts wissen können, weil ich sie erst am 19. Oktober 1944 erfunden hatte."

Otto Schulz: „Auch später ist nichts herausgekommen? Haben die Amerikaner alles geschluckt, was Sie ihnen auftischten?"

„Sie haben meine Angaben anscheinend nie nachgeprüft."

Otto Schulz: „Sie wären, nach Ihrem Märchen von dem Überfall auf den Gleiwitzer Sender, für den Tod, die Ermordung der KZ-Häftlinge in polnischen Uniformen verantwortlich gewesen. Haben Sie nicht bedacht, daß die Amerikaner Sie dafür hätten zum Tode verurteilen können?"

„In der Aufregung meines Überlaufens habe ich an dieses Risiko gar nicht gedacht. Sehr viel später kamen mir diese Bedenken. Aber als der Nürnberger Prozeß lief, wußte ich, daß von hier keine Gefahr mehr drohte. Die Amis waren zufrieden mit meiner eidesstattlichen Erklärung. Und ich war es auch."

Otto Schulz: „Wie verlief Ihr Leben danach?"

„Ich habe mich, als ich mich völlig sicher fühlte, bei den Amis gemeldet, damit sie mir helfen sollten, wirtschaftlich fußzufassen. Ich hatte Glück. Ich konnte gute Geschäfte machen. Alles lief zu


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meiner Zufriedenheit. Erst sehr viel später habe ich jemandem über diese ganze Geschichte reinen Wein eingeschenkt. Das hätte ich nicht tun sollen. Aus heiterem Himmel, ich war gesundheitlich völlig auf dem Damm, passierte dann eines Tages das, was die Ursache meines Hierseins ist... „

Otto Schulz: „Die Aufdeckung dieser Verleumdung durch den Urheber wird die Schulbücherautoren und Medien nicht davon abhalten, weiterhin diese Lüge zu behaupten, damit das deutsche Volk auch die nächsten fünfzig Jahre tributpflichtig bleibt.

Es wäre wünschenswert, wenn all die schrecklichen Lügen gegen Deutschland einmal vor Gericht aufgeklärt würden und die Urheber dafür eintreten, Herr Naujocks!"

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