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13. Rudolf Höß, 1900 -1947 (Das Symbol für Auschwitz.)
Henry Ford: „Als ich das erste Mal das Wort Auschwitz hörte, wurde auch sofort Ihr Name genannt. Sind Sie der Experte für KZ's?"
„Nun ja, wenn Sie das Wort „Experte" gebrauchen, so will ich darauf eingehen. 1934 wurde ich der Wachmannschaft des KL Dachau zugeteilt. Übrigens, die richtige Bezeichnung ist KL, also Konzentrationslager. Bis 1945 war ich in verschiedenen Lagern, eine ausreichende Zeit, um einen guten Überblick zu bekommen und zu wissen, was sich im großen und ganzen abgespielt hat." Hearst: „Wenn ich KZ höre, so verbinde ich damit das Schicksal der Juden ganz Europas. Waren dort hauptsächlich Juden zusammengezogen?"
„Dann haben Sie ein völlig falsches Bild! Ich will versuchen, Ihnen meine Herren, einen ungefähren Überblick zu geben. 1. befanden sich dort Berufsverbrecher, (BV) befristete Vorbeuge-
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Häftlinge und Sicherheitsverwahrte (SV), die statt ins Gefängnis ins KL kamen.
2. Asoziale, Arbeitsscheue, Zuhälter, Taschendiebe, nicht seßhafte Zigeuner.
3. Homosexuelle und Prostituierte.
4. Preistreiber, Schleichhändler, Schwarzschlächter. '
5. Desertierte und Saboteure.
6. Politische Funktionäre, soweit sie aktiv in Organisationen tätig
waren. Juden, aber nur, wenn sie zu einer der 6 Gruppen gehörten.
7. Zeugen Jehovas als Kriegsdienstverweigerer.
Zwar hatten die Juden Deutschland bereits 1933 den Krieg erklärt, aber man ließ sie unbehelligt. Erst 1938, nach der Ermordungdesdeutschen Botschaftsmitglieds, Ernst vom Rath, in Paris, wurden etwa 20.000 Juden in die KL verbracht. Die meisten kamen bereits in den nächsten Tagen wieder auf freien Fuß. Einige blieben ein paar Wochen in Gewahrsam. Während des Krieges, als das Judentum im Herbst 1939 und nach dem Kriegsausbruch mit den Sowjets im Sommer 1941 erneut Deutschland den Krieg erklärt hatte, wurden Juden in größerer Zahl in die KL gesteckt, die jetzt mehr den Charakter von Arbeitslagern hatten, wie besonders in Auschwitz-Birkenau. Das wird schon dadurch bestätigt, daß auch zivile Fremdarbeiter und Kriegsgefangene in die Lager kamen und sogar Deutsche dort arbeiteten, die keinen Status eines Gefangenen hatten."
Henry Ford: „Waren in einem Lager verschiedene Gruppen beisammen?"
„Die verantwortlichen Dienststellen hielten die Sicherheitsverwahrung krimineller und asozialer Elemente der menschlichen Gesellschaft für notwendig. Und sie meinten auch, daß es besser sei, sie in weitläufigen Lagern zu halten als in engen Gefängnissen.
Ich persönlich glaube, daß es nicht gut war, Kriminelle mit Politi-
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sehen zusammen gehalten zu haben. Aber es hatte sich so eingebürgert; vielleicht hätte sich später, nach dem Krieg diese unkluge Situation geändert.
Die Kriminellen bildeten zu jeder Zeit die Mehrheit der Insassen. Nach der Kapitulation hat eine sowjetzonale Justizbehörde das Zahlenverhältnis genau feststellen wollen. Trotz größter Bemühungen gelang es ihr nicht, mehr als 13 Prozent der Lagerinsassen als politische Häftlinge zu registrieren.
Ich möchte hier zitieren, was der Autor Kleist in seinem Buch Auch Du warst dabei' auf Seite 307/8 schreibt, weil dies für Sie, meine Herren, sicher ein aufschlußreiches Bild entwirft:
'Wenn wir von den Juden absehen, so ist die Gesamtzahl der Deutschen, die jemals in einem KZ gesessen haben, rund 500.000. Wenn wir von diesen selbst 20 Prozent (was zweifellos zu hoch ist) als politische Häftlinge anerkennen, so sind das ganze 0,125 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung. Diese 0,125 Prozent geben uns ein Bild vom effektiven Ausmaß des Terrors' der Gestapo gegen das deutsche Volk. Wohl ist die Gestapo das Damoklesschwert, aber kaum anders als entsprechende staatliche Einrichtungen in den demokratischen Ländern des Westens, wie z. B. die englische Regulation 18 b, die es dem Innenminister erlaubt, jedermann ohne Gerichtsurteil internieren zu lassen. Es wäre interessant zu wissen, wieviel Internierte es im britischen Weltreich, in Palästina, Ägypten, oder in den USA gab und wieviel davon z. B. in den Interniertenlagern in Niederländisch-lndien umkamen'."
Hearst: „Es ist äußerst interessant, was Sie uns vortragen, Herr Höß, aber das ist nicht das, was wir wissen möchten: Ihr Leben in Verbindung mit den KZ."
„Im Mai 1940 bekam ich den Auftrag, das KL Auschwitz zu bauen und war dort Kommandant bis November 1943. Das heißt, ich hatte nichts mit dem Bau des Lagers an sich zu tun. Für alle not-
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wendigen Einrichtungen waren ausschließlich Fachleute zuständig. Ich war lediglich von Anfang an dabei. 1945 kam ich in Gefangenschaft und wurde als landwirtschaftlicher Arbeiter in die Freiheitentlassen. Da ich inzwischen erfahren hatte, daß die Alliierten auf alles Jagd machten, was mit der SS zu tun hatte, tauchte ich mit einem falschen Namen in Schleswig-Holstein unter. Meine Frau wußte, wo ich war. Bei ihr erschienen die Engländer und folterten sie seelisch. Man würde sie und die Kinder an Polen ausliefern, wenn sie meinen angenommenen Namen und mein Versteck nicht preisgibt. Als sie völlig verstört war, hat man von ihr alles erfahren, was dann zu meiner Festnahme führte.
In Heide haben mich die Engländer drei Tage lang gefoltert. Dann hatten sie mich soweit, daß ich alles unterschrieben habe, was sie von mir verlangten. So habe ich 'gestanden', daß die ungarischen Juden 1943 getötet wurden, obgleich sie erst im Mai 1944 nach Auschwitz kamen. Auch mir hatte man gedroht, mich an die Polen auszuliefern, wenn ich ihre Wünsche mit allen möglichen und unmöglichen Geständnissen nicht erfüllte. Trotzdem haben sie mich später an die Polen ausgeliefert."
Henry Ford: „Man hat Sie doch auch in Nürnberg als Zeugen vernommen, nicht wahr?"
„Ja, das ist richtig. Man hatte mich ja so dressiert, daß ich alles gestand, was man von mir wünschte. Ich dachte nur: Bloß nicht noch einmal diese schreckliche Folter und die Auslieferung an die Polen. Ich wußte ja, wie die Polen bereits vor dem Krieg mit den Deutschen in ihrem Land umgegangen waren. - Übrigens: Die Juden können ja auch ein Lied davon singen!"
Hearst: „Wie war das nun mit den Gaskammern?"
„Ich sagte schon, daß erst im Mai 1940 mit dem Bau des Lagers Auschwitz begonnen wurde. Damit Sie sehen, wie unzuverlässig alles ist, was über Auschwitz gesagt und geschrieben wurde, muß ich Eugen Kogon, einen Häftling, zitieren, der schreibt, daß bereits
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im März 1942 die Gaskammern betriebsfertig gewesen seien. Andererseits erzählt er, daß es diese Gaskammern 'im Laufe des Sommers 1942 noch nicht gegeben' habe. Tatsache ist dagegen, daß man die Krematorien erst am 3. August 1942 bestellte und daß sie erst im Februar 1943 geliefert wurden. Das sollten wohl die sogenannten 'Gaskammern' sein."
Henry Ford: „Herr Höß, man spricht und schreibt von mehreren Millionen vergaster Juden. Die Zahlen reichen von 70 Millionen über 6 Millionen, 4 Millionen, 3 Millionen, 1,4 bis herunter auf 1,2 Millionen einschließlich der Juden. Es kann ja nur eine Zahl richtig sein. Welche ist es?"
„Dies festzustellen, wäre doch eigentlich Aufgabe der Justitz. Es sind viele KL-Prozesse in Deutschland geführt worden. Ich frage Sie, warum ist man dabei nicht nach allen Regeln der kriminalistischen Forschungsmöglichkeiten vorgegangen? Was die Gerichte 'feststellten', wurde durch Zeugenaussagen oder Geständnisse untermauert. Bei den Zeugenaussagen wurde aber auch z. B. beeidet, daß meterhohe Flammen aus den Schornsteinen der Krematorien geschlagen seien, was ein Ding der Unmöglichkeit ist, und daß die Leichen in 6 Meter tiefen Gräben verbrannt und verscharrt wurden, obgleich der Grundwasserspiegel bei 60 Zentimetern liegt. Also auch dies ist unmöglich.
Was die Geständnisse der Angeklagten betrifft, so weiß ich, was man zu gestehen bereit ist, wenn man gefoltert wird. Und auch die Verteidiger der Angeklagten haben zugegeben, daß man mit Drohungen härterer Strafen das Ziel der Bereitwilligkeit zu Geständnissen erreicht hat. Darüber hat doch Professor Dr. Friedrich Grimm in seinem Buch 'Politische Justiz' ausführlich geschrieben." Hearst: „Damit haben Sie uns noch immer nichts über die Zahl der Opfer gesagt."
„Die BRD hat jetzt einen hervorragenden Bundespräsidenten, Roman Herzog, der weiß doch immer alles, manchmal sogar im
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voraus, ganz genau. Er ist in dem Jubeljahr 1995 auf vielen Veranstaltungen gewesen, bei denen die unterschiedlichsten Opfer-Zahlen genannt wurden. Für ihn, den Bundespräsidenten, wäre es doch sehr einfach, jetzt die genaue Zahl zu nennen. Soweit ich erfahren habe, wurde er darauf angesprochen, aber er rückt mit der 'Wahrheit' nicht heraus."
Henry Ford: „Sie haben in Polen, kurz vor Ihrer Hinrichtung, Ihre Erinnerungen mit Bleistift niedergeschrieben. Sagen Sie uns dazu etwas/'
„Diese 'Erinnerungen' haben die Polen 12 Jahre zurückgehalten und bestimmt daran gebastelt, bis sie den Inhalt für reif hielten. Es würde Sie sicher langweilen, wenn ich längere Ausführungen dazu mache. Ich kann nur soviel sagen, daß ich ein paar Stolpersteine eingebaut habe. Es können also Vergleiche angestellt werden, wie zum Beispiel die Erwähnung des Namens eines Ortes mit einem KL, den es auf der Landkarte gar nicht gibt. Es war ein reiner Fantasiename: Wolzek."
Hearst: „Wollen Sie uns nicht sagen, wieviel Menschen auf Ihre Veranlassung vergast wurden?"
„Ich werde mich hüten, anderen Menschen dieses Problem abzunehmen. Wenn per Gesetz befohlen wird, daß Millionen von Juden vergast worden sein sollen, so wäre es doch sinnlos, dagegen anzugehen. Sofern es sich aber hier um meine persönliche Schuld handelt, so kann ich nur sagen: Ich habe nichts mit all den Beschuldigungen zu tun. Es wäre für die Gerichte heute noch eine Leichtigkeit, dieser Sache auf den Grund zu gehen. Dann kann man ja die Schuldigen deutlich herausstellen, und allen Menschen wäre damit geholfen.
Ich möchte noch auf einige interessante Tatsachen hinweisen Dem Vater der sagenhaften Anne Frank, Otto Frank, und auch Elk Wiesel, die beide in Auschwitz waren, wurde 1945, als die Lager Insassen von den Sowjets befreit wurden, freigestellt, zu den So-
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wjets zu gehen, oder sich mit den SS-Mannschaften in Richtung Westen abzusetzen. Sie zogen lieber mit den bösen Deutschen nach Westen, wählten den Weg mit den SS-Mannschaften. Und dann können Sie sich, meine Herren, die Zeit mit Rechenkunststücken vertreiben: Die BRD hat an rund 4 Millionen Juden Wiedergutmachungen gezahlt; abgesehen von den Zahlungen an den jüdischen Staat Israel.
Über noch etwas sollten Sie sich Gedanken machen: Mein Nachfolger Baer sollte in Frankfurt beim großen Auschwitz-Prozeß angeklagt werden. In der Voruntersuchung hat er die Vernichtung von Menschen durch Gas immer wieder bestritten. Kurz vor Prozeßbeginn erlag dieser kerngesunde Mann einem Herzschlag." Henry Ford: „Wir werden darüber nachdenken, Herr Höß."
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