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14. Albert Einstein, 1879-1955. (Genie oder Clown?)

Otto Schulz: „Herr Einstein, wir wissen, daß Sie im irdischen Leben gern Arroganz zeigten, wo Sie meinten, Ihre Überlegenheit ausspielen zu können. Deshalb haben wir heute Sir Newton gebeten, die Befragung vorzunehmen, den Sie sicher nicht brüskieren werden, nicht wahr, Herr Einstein? Bitte schön!"

Sir Newton: „Herr Einstein, wie kamen Sie zu der erwähnten Neigung, Ihre scheinbare Überlegenheit so offen zur Schau zu tra-

gen?"

„Die Menschen haben es mir leichtgemacht. Besonders diejenigen, die über mich in den Zeitungen geschrieben haben. Diese Leute verstanden nichts von dem, was ich an Fachwissen zu bieten hatte. Es ist eine Besonderheit dieser Leute, irgendeinen Menschen, den sie zufällig, möchte ich sagen, herauspicken, um sich dann mit ihrem Geschreibsel über ihn hervorzutun. Von irgend-


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was müssen die Journalisten ja schließlich leben. Sie können diese Art noch heute erleben. Denken Sie nur an die sogenannte Kunst. Da wird irgendein nichtssagendes Gebilde hochgejubelt, die große Masse der Menschen damit manipuliert, und sie jubelt mit. Sehen Sie sich einmal diesen Schwachsinn an! Es ist nichts als geistloses Zeug!

Ich will mit diesem Vergleich aber keineswegs meine eigenen Leistungen in den Schatten stellen. Ich will hauptsächlich damit sagen, daß die Geburtshelfer solcher Jubel-Helden im Grunde keine Ahnung haben, wovon sie sprechen und schreiben."

Sir Newton: „Was würden Sie als Ihre größte Leistung bezeichnen? Ist es die sogenannte Relativitätstheorie?"

„Aber nein, die Relativitätstheorie ist es ganz gewiß nicht. Die bedeutendste Arbeit war meine Mitwirkung an der Atombombe. Ich habe bereits im Jahr 1939, aber noch vor Kriegsausbruch, ein Gespräch mit Präsident Roosevelt geführt und ihn eindringlich gebeten, alles zu tun, um eine Atombombe so schnell wie möglich bauen zu lassen. Es war mein Ziel damals schon, diese dann über Deutschland abzuwerfen, denn ich haßte nicht nur einzelne Menschen, sondern die ganze Nation."

Sir Newton: „Ich kann verstehen, daß man Sie in den USA besonders schätzt, aber können Sie mir erklären, warum Sie in der BRD so hochgeehrt werden?"

„Die Deutschen sind ein eigenartiges Volk. Auf diese Menschen kann man sich nicht verlassen. Es gibt Phasen, wo sie berechenbar sind, weil sie wie andere Völker empfinden und auch handeln. Aber dann kann es passieren, daß sie sich um hundertachtzig Grad drehen und genau das Gegenteil von dem tun, was normale Menschen tun würden. Ich habe immer zugegeben, daß ich die Deutschen nicht mag. Meine Worte waren: 'Ich habe nie meinem Land, Deutschland, angehört, auch nicht meiner Familie, noch meinen Freunden, allein dem Stamm Zions.' Ich habe ja auch vier-


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mal meine Staatsangehörigkeit geändert. Für die Deutschen war ich ein schweizer Jude, für die Engländer ein deutscher Physiker. Aber zurück zu Deutschland. Diese Leute hätten jetzt allen Grund, zu mir auf Distanz zu gehen. Aber was tun sie? Sie benennen Straßen und Plätze und Schulen nach mir. Sie hängen irgendwo eine Gedenktafel auf oder legen einfach einen Stein in die Gegend und schreiben meinen Namen darauf, allein um mir die Ehre zu erweisen. Ich glaube, sie würden das auch dann tun, wenn wir die Atombombe etwas früher hergestellt und sie über Deutschland abgeworfen hätten."

Sir Newton: „Ich habe den Eindruck, Herr Einstein, Sie übertreiben. Die Deutschen würden Sie gewiß nicht ehren, wenn Sie sie mit Atombomben traktiert hätten!"

„Halt, halt, Sir Newton, hier irren Sie ganz gewaltig! Haben Sie denn nicht mitbekommen, wie die Alliierten die Zivilbevölkerung in den deutschen Städten vernichtet haben und ganz besonders Dresden mit rund 300 000 Toten in zwei Tagen?! Und was tun die Deutschen? Sie feiern diese Bombardierung als 'Befreiung' und setzen die Zahl der Toten auf 35 000 herab. Warum tun sie dies? Sie sind nicht mehr richtig im Kopf, sie handeln nicht wie normale Menschen, sie sind eben unberechenbar, sie kriechen den neuen Machthabern förmlich in den Hintern."

Sir Newton: „Mister Einstein, Sie waren mehrfach verheiratet und hatten Kinder. Wie war Ihr Verhältnis zu diesen Menschen?"

„Wenn man sich scheiden läßt, so sind die verflossenen Gemeinsamkeiten häufig so verblaßt, daß das folgende Verhältnis, wenn es überhaupt besteht, meist auch getrübt ist. Bei mir war es jedenfalls so. Zu meinen Kindern habe ich nie ein normales Vater-Kind-Verhältnis gehabt. Eine Tochter wurde von fremden Leuten adoptiert. Ich habe nie mehr etwas von ihr gehört. Es interessierte mich auch nicht. Ein Sohn war geistig nicht in Ordnung. Er kam in eine Anstalt. Auch von ihm habe ich niemals etwas gehört."


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Sir Newton: „Sie werden von der Nachwelt als Genie gefeiert. Wie war das mit Ihrer Doktor-Arbeit?"

„Erinnern Sie mich bloß nicht daran! Ich habe mehrere Anläufe machen müssen, bis ich es endlich schaffte. Zwischendurch gab es Phasen, wo ich alles am liebsten an den Nagel gehängt hätte. Ich glaubte, ich würde es nie schaffen. 1903 schrieb ich an einen Freund: 'Ich bin es satt, ich werde nie Doktor!'"

Sir Newton: „Welchem Umstand verdanken Sie dennoch den Erfolg?"

„Es ist mir peinlich, darüber zu sprechen. Ich lernte an der Technischen Hochschule Zürich meine spätere Frau Mileva kennen. Sie hat mir sehr geholfen. 1905 war es dann endlich soweit. Das Thema lautete 'Eine neue Bestimmung der Nukleargrößen'. Ich habe für diese Arbeit, die 29 Seiten umfaßt, fünf Jahre gebraucht."

Sir Newton: „Man spricht davon, daß die Mitwirkung Ihrer geschiedenen Frau Mileva auch amtlicherseits bestätigt wurde. Stimmt dies?"

„Leider ist das richtig. Bei unserer Trennung sprach das Scheidungsgericht alle Einkünfte aus Preisen, die meine 1905er Arbeiten erzielen würden, meiner geschiedenen Frau zu."

Sir Newton: „Das war ja wohl kein Geniestreich. Wie kamen Sie zum Nobelpreis?"

„Nun, der Nobelpreis wird ja häufig unter politischen Gesichtspunkten vergeben. Und, man muß die richtigen Leute kennen. In meinem Fall war es außerdem so, daß sich mit meiner Relativitätstheorie kaum ein Mensch auskannte. Was die Arbeit an sich betrifft, habe ich vieles von dem Großmeister Max Planck verwendet, ohne ihn besonders zu erwähnen, und auch das photoelektrische Phänomen des Deutschen Philipp Lenard habe ich unterschlagen. 1921 bekam ich dafür den Nobelpreis."

Sir Newton: „So kann man wohl von manchem Nobelpreis sagen, auch er ist relativ? Haben Sie der Nachwelt vielleicht ein paar markante Aussprüche hinterlassen?"


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„Aber sicher: 'Wenn ich den Mond nicht sehe, so muß er dennoch da sein!' Und: 'Der liebe Gott würfelt nicht!'"

Sir Newton: „Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Einstein. Nun wird man Ihnen noch ein paar Gedenktafeln widmen!"

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