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15. Adolf Hitler, 1889-1945. (Die Russen.)

„Guten Morgen, meine Herren! Sie machen den Eindruck, als wollten Sie zu mir?"

Hearst: „So ist es. Guten Morgen, Mister Hitler. Wir hätten Sie gern gesprochen. Sind Sie einverstanden?"

„Bitte, stellen Sie Ihre Fragen! Wir kennen uns ja schon."

Hearst: „Es soll nur eine einzige Frage sein: Welches war Ihr größter Fehler?"

„Ihre Frage überrascht mich! Ein Mensch, der so aktiv durchs Leben gegangen ist wie ich, der hat sicher nicht nur einen Fehler gemacht. Hier aber auf Anhieb herauszufinden, welcher am bedeutendsten war, das wird nicht leicht sein, wenn nicht unmöglich. Aber ich fürchte, Sie werden mit dieser Antwort nicht zufrieden sein. Gut, auch auf die Gefahr hin, daß ich später zu einem anderen Ergebnis kommen sollte, will ich jedenfalls den Versuch ma-


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eben, Sie nicht leer ausgehen zu lassen.

Grundsätzlich möchte ich vorausschicken, daß ein Fehler, den man glaubt ganz klar erkannt zu haben, eine andere Dimension haben kann, wenn man ihn unterlassen hätte. Wer will denn schon sagen, daß der weitere Verlauf der Ereignisse ein besserer gewesen wäre, wenn man statt den 'linken' Weg, den 'rechten' eingeschlagen hätte? Was wäre einem auf diesem anderen Weg alles begegnet? Hätten die dort angetroffenen Umstände wirklich zu dem Ergebnis geführt, das man theoretisch erwarten konnte? Eine Rückschau mit der Frage: Was wäre, wenn ... ? gibt nur über den nächsten Schritt Aufschluß. Alle weiteren Schritte bleiben weiterhin im Dunkeln.

Ich sehe Ihren zweifelnden Gesichtern an, ob Sie immer noch darauf hoffen können, zu dem zu kommen, was Sie von mir erwarten. Ich will Sie nicht enttäuschen und versuchen, Ihrer Frage gerecht zu werden.

Greifen wir einen von mir begangenen Fehler heraus, der bedeutend sein könnte: Die Behandlung der 'Russen' nach Beginn der Kampfhandlungen 1941. Ich setze den Begriff Russen in Anführungsstriche und möchte damit zum Ausdruck bringen, daß ich alle ethnischen Gruppen darin einschließe, die jenseits der sowjetischen Grenze liegen.

Ich hätte diesen Völkern mehr Selbständigkeit einräumen sollen. Sie hätten mit der Gründung ihrer eigenen Nationen sicher mehr Freude an der Entwicklung ihres Volkstums und ihrer Nation gehabt."

Henry Ford: „Warum taten Sie dies nicht?"

„Ich habe wohl diesen Gedanken gehabt, aber es überwogen meine Überlegungen, daß die unter kommunistischer Herrschaft lebenden Völker zu lange diesem Druck und der Bevormundung ausgesetzt waren, als daß sie die qualifizierten Führungskräfte hätten hervorbringen können, die für einen solchen Aufbau erforder-


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lieh gewesen wären. Hinzu kam die Überlegung, daß die Elite durch die Mordorgien der kommunistischen Revolution vernichtet und die breite Masse durch Alkohol und auch durch die Verhältnisse im Zarenreich zur Lethargie abgestumpft war. Dies soll keine Entschuldigung für mein Fehlverhalten sein. Es waren eben nur meine damaligen Überlegungen."

Hearst: „Wie sehen Sie heute die anderen, die versäumten Möglichkeiten?"

„Nun, da kann man eben nur vermuten: Vielleicht wären die Russen doch so sehr von dem Gedanken beseelt gewesen, ein nationales Vaterland aufzubauen, daß sie von sich aus den Kampf gegen die Partisanen übernommen hätten, so daß es sogar zu einem Umsturz in der Führung gekommen wäre. Wir haben es ja erlebt, daß sowjetische Generale sich bereit erklärten, gegen das kommunistische Regime zu kämpfen. Als ich selber zu einer anderen Einsicht gekommen war, war der richtige Zeitpunkt für diesen neuen Entschluß verpaßt. Solche Fehlschlüsse lassen sich meistens nicht reparieren. Die Geschichte hat einen anderen Weg eingeschlagen, und alle Konstellationen ergeben sich damit ganz und gar neu.

Die Zukunft wird es zeigen, ob meine Überlegungen absolut falsch waren, wenn sich noch einmal den kommunistisch regierten Völkern die Gelegenheit bieten sollte, auf eigenen Füßen zu stehen. Wenn nicht gleichzeitig starke Führungspersönlichkeiten zur Verfügung stehen, dann habe ich wenig Hoffnung, daß sich die Schicksale dieser Völker sehr zum Besseren wenden werden. Habe ich damit Ihre Grundfrage beantwortet?"

Henry Ford: „Mister Hitler, wir bedanken uns für Ihr freimütiges Bekenntnis, mögliche Fehler einzuräumen."

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