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17. Prof. Konrad Lorenz, 1903-1989. (Zur Übervölkerung.)

Otto Schulz: „Herr Professor Lorenz, mit meinen beiden Freunden brauchte ich Sie nicht bekanntzumachen, wie ich gesehen habe.

Sie sind Doktor med. und Doktor phil. Weltbekannt wurden Sie durch Ihre Verhaltensforschung. Und den Nobelpreis bekamen Sie 1973 für Medizin. Warum gerade ich Sie befragen möchte: Sie waren in meiner Geburtsstadt, Königsberg, Professor für vergleichende Psychologie. Wir bitten Sie, uns etwas zum Thema Übervölkerung zu sagen."

„Zuerst einmal freut es mich, daß Sie mich an Königsberg erinnern. Ich war gern dort, habe Land und Leute kennen- und lieben gelernt. Es verbindet mich eine der schönsten Erinnerungen an die damalige Zeit. Leider wurde dieses herrliche Land nach dem Krieg grausam heruntergewirtschaftet, und dieser besondere Men-


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schenschlag der Ostpreußen in alle Winde verstreut, soweit er nicht bestialisch ermordet oder verschleppt wurde. Es ist ein Jammer! - Aber nun zu Ihrer Frage:

Ich möchte das Problem der Übervölkerung in einem Rahmen aufzeigen, der von jedem Menschen, der nicht gerade mit geschlossenen Augen durchs Leben geht, selbst nachgeprüft werden kann.

Die Zusammenballung vieler Menschen in einer Großstadt läßt bereits erkennen, daß das Sozialverhalten zueinander anders aussieht als das der Bevölkerung auf dem flachen Lande. Überall in der Welt wird die Feststellung getroffen, daß die Ballung von Menschen auf engem Raum zu sozialer Kälte führt und in der Folge davon zu Rücksichtslosigkeit und Kriminalität. Jeder Mensch kann erkennen, daß die Kriminalität in einer Großstadt dichter liegt, als auf dem Lande. Auch wenn man die Gesamtbevölkerungszahlen der Großstadt zur gleich großen Zahl der Landbevölkerung vergleicht, schneidet die Stadt schlechter ab.

Das menschliche Gemüt, die Herzlichkeit, leidet unter diesen Verhältnissen. Sie haben mich an Ostpreußen erinnert. Ja, was habe ich dort auf dem Lande für eine wunderbare menschliche Atmosphäre erlebt, wenn ich als Wildfremder tiefer in diese sogenannte 'Provinz Weihnachten' kam. Die Menschen wollten einen nicht mehr weglassen! - Das ist leider vorbei. Kommen wir auf die heutige Zeit zurück!

In Deutschland werden Sie heute kaum noch ein Gebiet antreffen, in dem diese warme Menschenliebe erkennbar ist, weil das ganze Land bereits übervölkert ist."

Otto Schulz: „Herr Professor, damit schneiden Sie ein politisches Thema an, denn in Restdeutschland ist die Übervölkerung mit der Aufnahme von Asylanten aus der ganzen Welt zu einem Problem geworden, das aber von einigen Politikern nicht so gesehen wird." „Meine Herren, ich muß hier ganz deutlich unterstreichen, daß


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ich nicht die Absicht habe, Politik zu treiben. Ich möchte dabei allerdings hinzufügen, daß es eigentlich nicht möglich ist, ein bewußtes Leben zu führen, ohne politisch zu sein. Allerdings wird leider vieles in der Politik nicht nach Erkenntnissen der Wissenschaft betrieben, sondern allein nach ein- und festgefahrenen unbegründeten parteipolitischen Richtlinien.

Solche Art Parteipolitik verhindert jede Art politischer Erfolge, weil sie sich von wissenschaftlich-sachlich begründeter Denkweise nicht beeinflussen läßt.

Ich werde Ihnen also nicht den Gefallen tun, mich auf ein parteipolitisches Gleis zu begeben. Ich werde allein das vertreten, was mir das Ergebnis meiner Verhaltensforschungen erlaubt. Die politischen Parteien haben dann die Möglichkeit, ihre Schlüsse daran auszurichten. Aber sie sollen mich gefälligst aus dem Parteiengezänk herauslassen.

Das, was ich in bezugauf den Vergleich zwischen den Ballungsgebieten und dem flachen Lande sagte, kann ohne weiteres auf das gesamte Gebiet eines Staates übertragen werden. Wenn also einsichtige Menschen dies erkannt haben, so dürfte es ihnen nicht schwerfallen, zu solchen Schlüssen zu kommen, die eine Ausweitung der geschilderten Gefahren verhindern. Das ganze Gebiet der BRD/DDR ist übervölkert. Es sollte alles getan werden, ein weiteres Anwachsen der Bevölkerung zu bremsen.

Ich möchte Sie auf eine andere Gefahr auf diesem engen Raum aufmerksam machen: Beobachten Sie selbst, wie sich die einzelnen ethnischen Gruppen miteinander und zueinander verhalten! Sie werden feststellen, daß die Probleme zunehmen, wenn ethnische Gruppen miteinander verquickt werden. Im Verlauf einer solchen Entwicklung bleibt es nicht aus, daß eine urwüchsige Gruppe eine labile Gruppe an die Wand drückt.

Eine weitere Negativentwicklung ergibt sich, wenn eine gesunde Gruppe durch entsprechende Propaganda solange berieselt wird,


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bis sie selber glaubt, krank zu sein oder nicht das Recht zu haben, seinen Lebensraum zu behaupten. Dann wird sie es schwer haben, diesen Lebenskampf zu überstehen.

Wenn ich dies sage, so wird man mir vorwerfen, ich sei rechtsradikal. Es wäre richtiger, mir zu sagen, ich sei erkenntnisradikal! - Es wäre doch so einfach, auf die Ergebnisse zurückzugreifen, die weltweit nicht zu übersehen sind. Denken Sie an den Balkan! Dort war es nur solange möglich, Menschen an ihrer speziellen Lebensart zu hindern, solange man sie wie in einer Manege mit einer Peitsche im Zaum halten konnte. Als sie dann die Möglichkeit entdeckten, ihrer Art entsprechend zu leben, kam es zu den zwangsläufigen schweren Auseinandersetzungen. Die einzige Methode, dies zu verhindern, ist das Zugeständnis eines Lebensraumes für jedes arteigene Volk.

In der BRD kann man noch etwas beobachten: Diejenigen, die vorgeben, die Menschen aus aller Welt zu lieben, stolpern bereits bei der Erkenntnis, daß es Menschen gibt, die nicht ihrer theoretischen Meinung sind. Sie werden dann absolut nicht geliebt und meistens aggressiv und brutal in der Durchsetzung ihrer vorgefaßten Meinung mundtot gemacht. Lassen Sie mich noch dies sagen: Es gab scheinbare Ansätze in Deutschland, sich auf die Spielregeln der Natur zu besinnen. Aber aus Erwägungen, sich dem Zeitgeist anzupassen, wurde alles über den Haufen geworfen. So wurde eine gute Absicht aus politischen Gründen verraten. Die Verantwortungsbewußten haben jedoch diese Gruppierung wieder verlassen."

Otto Schulz: „Herr Professor, wir danken Ihnen für Ihre Vorlesung!"

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