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18. Saul - Paulus, * um 10 n.dLZtw. (Erfinder der Christen)
Ford: „Herr Saul-Paulus, wie kann man Sie ansprechen? Welcher Name ist der richtige?"
„Ich wurde so etwa im Jahre 10 neuer Zeitrechnung in Tarsis, das liegt in Kleinasien, als Sohn jüdischer Eltern geboren. Mein Vater besaß neben dem tarsischen Bürgerrecht auch das römische. So durfte ich mich als strengerzogener Pharisäer nach jüdischer Art 'Saul' nennen und nach römischer 'Paulus'."
Ford: „Dann hat der Wechsel des Namens nichts mit der jüdischchristlichen Sekte zu tun?"
„Nur mittelbar. Es war eine Frage des Taktierens, ob ich bei meinem jüdischen Namen Saul bleiben wollte, oder zum römischen 'Paulus' übergehe."
Ford: „Man schreibt und spricht davon, daß Sie ein von Jesus eingesetzter Apostel seien. Ist das die Wahrheit?"
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„Das ist nicht die Wahrheit! Ich habe Jesus nie gesehen. Erst nach seinem Tode und seiner angeblichen Himmelfahrt hörte ich von ihm. Aber ich habe seinerzeit vorgegeben, von Jesus als Apostel bestellt worden zu sein, und zwar als 'Heidenapostel'." Ford: „Sie scheinen es mit der Wahrheit nicht so genau genommen zu haben. Was hat Sie denn so sicher gemacht, auch lügen zu dürfen? Ich möchte Sie aus Ihrem Brief an die Römer 3,7 zitieren:
Wenn aber die Wahrheit Gottes sich durch meine Unwahrheit als noch größer erweist und so Gott verherrlicht wird, warum werde ich dann als Sünder gerichtet?'"
„Sie fragen, warum ich lügen durfte? Gut, Sie wissen, daß ich aus einer Pharisäerfamilie komme. Die jüdische Dialektik gehört zu unserem Leben. Und wer als Gesprächspartner nicht ganz sattelfest ist, dem kann es passieren, daß er schnell unter die Räder kommt. Ich habe in der Hauptsache das einfache Volk angesprochen, gerade unter den Heiden. Sie waren also schnell davon zu überzeugen, daß schwarz auch weiß sein kann. Und wer nicht von selbst darauf kommt, hier auf den Leim zu geraten, der soll ruhig daran festkleben."
Ford: „Wir haben einen wichtigen Teil Ihres Lebens übersprungen. Kommen wir darauf zurück, was Sie früher getan haben. Wie sehen Sie Ihre Tätigkeit heute?"
„Ich sprach schon über meine Herkunft. Mein Vater wollte, daß ich Rabbiner werde und schickte mich nach Jerusalem. Dort wurde ich als strenger Pharisäer in den Sanhedrin eingeführt, das ist quasi der Zentralrat der Juden, der sich aus den 70 Ältesten zusammensetzt. Das war nach Jesu Tod.
Da Jesus nicht das tat, was zur Befreiung des jüdischen Volkes vom römischen Joch führen konnte, hatte man ihn mit Hilfe des römischen Landpflegers verurteilen und hinrichten lassen. Die Nachfolger Jesu waren noch laxer und hatten den Weg der Befreiung völlig verloren. Wir beschlossen, uns bei den Römern beliebt
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zu machen und die Juden-Christen zu verfolgen. Ich erbot mich, dabei eine führende Rolle zu übernehmen. So verfolgte ich sie auf Schritt und Tritt und trat für strengste Bestrafung ein, die nicht selten die Todesstrafe war.
Im Laufe der Zeit sah ich ein, daß dem jüdischen Volk auf diese Art, der Verfolgung der Juden-Christen, kein Dienst zu erweisen sei.
Da ich seit meiner Kindheit von epileptischen Anfällen geplagt wurde, dabei Visionen hatte und die verrücktesten Sachen von mir gab, nahm ich einen solchen Anfall zum Anlaß, meine Taktik zu ändern, ohne davon den Sanhedrin in Kenntnis zu setzen. Es wäre mir wahrscheinlich nicht gelungen, diese Leute von der Richtigkeit meiner Idee zu überzeugen.
Auf dem Wege nach Damaskus, wo ich die Juden-Christen verfolgen und aburteilen sollte, hatte ich einen epileptischen Anfall. Als ich nach Tagen wieder auf den Beinen war, erzählte ich den Leuten, ich hätte eine Vision gehabt. Jesus wäre mir erschienen und habe mich davor gewarnt, ihn zu verfolgen und seine Anhänger weiterhin zu bestrafen. Ich sollte ihm und seinen Treuen folgen und mein ganzes Leben völlig umwandeln.
Der Sinn all dessen schwebte mir so vor: Da den Römern auf anderen Wegen nicht das Wasser abgegraben werden konnte, wollte ich sie jetzt von innen heraufweichen. Ich wollte ihnen das Christentum, und zwar nicht nur für die Juden, sondern jetzt vordringlich für die Heiden, bringen. Und dazu zählten ja die Römer!
Ich wollte ihnen also das Christentum mit seinen widernatürlichen Lebensgewohnheiten, wie 'liebeteure Feinde', 'Halte deine rechte Backe hin, der dir vorher auf die linke geschlagen hat' und ähnlichen Unsinn, als Trojanisches Pferd als eine erstrebenswerte Moral hinstellen.
Die Römer haben im Laufe der Zeit diese meine Arbeit tatsächlich nicht erkannt. Sie meinten lediglich, man könne ihrer Religion in den Rücken fallen.
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Dabei hatte ich auf meiner Seite, daß meine Anhänger 'im Namen Jesu Christi' völlig gewaltfrei sämtliche Festungen stürmen konnten. Das heißt, weniger im Sturm nehmen als viel mehr auf leisen Sohlen, dafür aber mit größerer Hartnäckigkeit."
Ford: „Dann ist die jüdisch-christliche Religionslehre eine Variante des Kampfes der Juden gegen die römische Herrschaft gewesen?"
„Darin bestand meine Absicht! Das war mein Plan, und er ist so gut in Erfüllung gegangen, daß man sich eigentlich wundern mußte, als er gelungen war. Sicher, man hat uns Schwierigkeiten gemacht. Es gab die Christenverfolgungen. Aber im Grunde verfolgten sie niemals das eigentlich Ziel, sondern eine religiöse Organisation von Menschen, die es gar nicht gab. Die 'gläubigen' Menschen waren für mich nur ein Mittel zum Zweck!"
Ford: „Das ist eine sehr interessante Darstellung. Darüber werden sich einige Leute den Kopf zerbrechen. Aber Sie haben mit großem Elan die Opferung Jesu für die Menschheit zur Grundlage der jüdisch-christlichen Religion gemacht, wie sie auch heute noch gelehrt wird."
„Ja, den Menschen kann man alles erzählen, was mit einer gewissen Geheimniskrämerei zu tun hat. Sie glauben Ihnen restlos alles, wenn Sie es mit der nötigen Überzeugungskraft vorzutragen verstehen. So ist es ja auch heute noch auf der Erde, und zwar in allen Bereichen."
Ford: „Aber Sie haben den Menschen auch Symbole gegeben, die Wunder bewirken sollen, wie zum Beispiel das Kruzifix. Was hat es denn damit auf sich?"
„Die Menschen sind von jeher abergläubisch. Sie benutzen gern irgendwelche Hilfsmittel, um sich selbst etwas vorzumachen, etwas damit herbeizuführen, was sie sich wünschen. Sie glauben an die Kraft des Kruzifixes, an die Kraft der Gebete zu den 'Heiligen', die sie sich selber geschaffen haben. Sie glauben an die Kraft des Rosenkranzes und die Zauberkraft der Gebeine Verstorbener und
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an das Kopftuch der Maria und an die Windeln von Jesus. Sie brauchen einfach Symbole, die für ihren Glauben stehen oder für etwas, was sie hochhalten. Sie brauchen dabei nicht nur an die unzähligen jüdisch-christlichen Symbole zu denken. Denken Sie an die rein jüdischen, die Bundeslade oder die Thora. Oder nehmen Sie das Sonnenrad, den Davidstern oder Hammer und Sichel. Auch das sind Symbole, die eine Art von Claubenszubehör darstellen, die geeignet sind, eine Menge Menschen unter einen Hut zu bringen und sie von einer Idee besessen zu machen."
Ford: „Was meinen Sie wohl, was Jesus zu dem Ergebnis Ihrer Aktion sagen würde?"
„Er würde aus dem Staunen nicht herauskommen. Vielleicht würde er sich an den Kopf fassen und auf dem Absatz kehrt machen?"
Hearst: „Paulus, Sie haben häufig eine Art an den Jag gelegt, die deutlich machte, daß Sie ein gespanntes Verhältnis zu Frauen hatten. Waren Sie schwul?"
„Das spielt doch heute keine Rolle mehr! - Oder?"
Ford: „Herzlichen Dank für Ihre spannende Aufklärung!"
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