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19. Rudolf Heß, 1894-1987. (Sein Friedensflug, sein Tod)

Henry Ford: „Mister Heß, Sie sind einer der bedeutendsten Männer des 20. Jahrhunderts. Wir möchten Sie heute nicht in ein zu langes Gespräch verwickeln; nur zwei Grundfragen wollen Sie uns bitte beantworten:

1. Die Engländer haben vier verschiedene Versionen über Ihren Tod veröffentlicht. Haben Sie Ihr Leben selbst beendet?"

„Ich will Ihnen sagen, wie am 1 7. August 1987 alles abgelaufen ist. Erst wenige Minuten saß ich in der Laube des Spandauer Gefängnisses, als zwei Männer erschienen. Sie sprachen kein Wort. Kamen langsam auf mich zu. Ich war überrascht, weil sie in Zivil waren. Sie traten dicht an mich heran. Einer packte mit kräftigem Griff meine Arme, so daß ich mich nicht bewegen konnte. Der zweite Mann hatte eine Schnur oder ein Kabel in der Hand, legte mir eine Schlinge um den Hals und zog zu. Ich muß sehr schnell


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das Bewußtsein verloren haben. - Das war's!"

Henry Ford: „Die Engländer haben später einen Brief vorgelegt, der beinhaltet, daß Sie aus dem Leben scheiden würden. Er hat auch einen merkwürdigen Hinweis auf Ihre Sekretärin, Frau Freiburg. Was sagen Sie dazu?"

„Der Brief mit dem Hinweis, Frau Freiburg von mir zu grüßen, stammt tatsächlich von mir. Ich habe ihn allerdings zwanzig Jahre früher geschrieben. Ich wurde damals operiert und glaubte, diese Operation nicht zu überleben. Meine Angehörigen sollten Frau Freiburg mitteilen, daß ich sie in Nürnberg, bei dem Schauprozeß, nicht düpieren wollte. Wenn also die Engländer diesen zwanzig Jahre alten Brief vorgelegt haben, so muß auch das Datum oben rechts stehen. Sollte dies nicht vorhanden sein, so wird man einen Streifen abgeschnitten haben. - Dieses Spiel mit dem uralten Brief läßt mich vermuten, daß die beiden Männer in Zivil bestellte Killer gewesen sind. Wenn dazu von englischer Seite alles inszeniert wurde, so dürfte auch die englische Regierung hinter diesem Mord stehen."

Henry Ford: „Haben Sie eine Vermutung, warum gerade die englische Seite ein besonderes Interesse daran gehabt haben kann, Sie in diesem hohen Alter zu töten?"

„Nun, das dürfte damit zusammenhängen, daß mein Gesuch um Entlassung aus Altersgründen - nicht Gnadengesuch! - an die vier Gewahrsamsmächte, nur von den Sowjets bestätigt wurde. Ich kann mir denken, daß die englische Regierung sehr besorgt darum war, ich könnte nach meiner Entlassung der Welt die englische Schuld an dem folgenden großen Blutvergießen zuschieben."

Henry Ford: „Der zweite wichtige Punkt ist Ihr Flug nach England. Hatten Sie mit Hitler darüber gesprochen?"

„Ich war einige Tage vor meinem Flug bei Adolf Hitler in der Reichskanzlei. Wir haben stundenlang über meine Absicht geredet. Die Vorstellung meines Vorhabens sah so aus: Ich wollte als


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Parlamentär mit Churchill sprechen und vorschlagen, daß in einer Weltfriedenskonferenz alle Differenzen zwischen den Westmächten und dem Deutschen Reich auf dem Verhandlungsweg aus der Welt geschafft werden sollten.

Hinzu kam noch ein ganz wichtiges zu erwartendes Problem. Wir, das heißt das Deutsche Reich, hatten nämlich davon Kenntnis, daß die Sowjetunion unwahrscheinlich starke Verbände an den Grenzen zu Deutschland zusammengezogen hatte. Es war für uns klar zu erkennen, daß hier eine Angriffsabsicht gegen ganz Europa vorlag. Wir waren auch der Meinung, daß die westlichen Alliierten dies bemerkt haben dürften.

Ich hatte nun nicht etwa vor, die Engländer zu bewegen, mit uns gemeinsam gegen den Bolschewismus anzutreten, sondern ich wollte nur erreichen, daß England und Frankreich stillhalten und mit uns in Verhandlungen eintreten, um dadurch zu bewirken, die Sowjets von ihrem Plan des Angriffs auf Europa abzuhalten. Danach sollten auch die Sowjets in Weltfriedensverhandlungen einbezogen werden.

Adolf Hitler war allerdings der Meinung, daß die Engländer dazu nicht zu bewegen seien. Obgleich er immer wieder gezeigt hatte, wie sehr er auf den guten Willen der Engländer gebaut hatte, war er nach seinem augenfälligen Beweis des guten Willens durch den ungehinderten Abzug der Engländer bei Dünkirchen völlig anderer Meinung geworden. Er glaubte, die Engländer würden mich als Parlamentär nicht anerkennen, alles nur als Schwäche des Deutschen Reiches auslegen und darauf warten, uns in einem unvermeidlichen Krieg mit den Sowjets ausbluten zu lassen. Und England würde dann als Sieger hervorgehen. Während ich also immer noch in der Hoffnung auf die Einsicht der Engländer beharrte, blieb Hitler bei seiner Meinung.

So ist auch zu verstehen, daß sich Adolf Hitler von meinem Friedensflug distanzieren mußte.


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Auch ich habe dann sehr bald nach meinen ersten Gesprächen in England erkennen müssen, daß mit keinem Eingehen auf meine Gedankengänge zu rechnen war. Meine Warnungen, daß es zu einem der größten Blutvergießen, das die Welt je gesehen hat, kommen würde, wenn der Krieg zwischen dem Bolschewismus und Deutschland nicht vermieden wird, hat ganz bestimmte Drahtzieher in England nicht beeindrucken können.

Es stellt sich danach nicht mehr die Frage, wer dahinter steckt, sondern man kann dies in logischer Reihenfolge schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA klar erkennen: Es ist dies eine internationale Gruppe, die nirgends seine Heimat hat und daran interessiert ist, Kriege zu schüren, möglichst beide Seiten mit Waffen zu beliefern und so doppelt an jedem Krieg zu verdienen. -Dies können Sie, und Sie werden es bereits getan haben, an allen Kriegsschauplätzen der jüngsten Zeit feststellen. Es ist ein Jammer für die Menschheit, daß die Masse der Menschen dies weder sieht noch begreift. Solange das internationale Kapital nicht daran gehindert wird, die Menschen aufzuhetzen, sich gegenseitig zu töten, solange wird es Kriege geben."

Henry Ford: „Mister Heß, wir danken Ihnen für Ihre klaren Worte/"


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