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4. Dr. Karl Marx, 1818-1883 (Die Pleite des Marxismus.)

Henry Ford: „ Herr Doktor Marx, nach 70 Jahren Marxismus in der Sowjetunion und einer solchen Pleite auf der ganzen Linie, wo es eigentlich um den von Ihnen zu beschützenden Arbeiter ging, der aber zu dem am meisten Betrogenen wurde; wie fühlen Sie sich?" „Hundeelend! Ich erinnere mich, was ich vor vielen Jahren gesagt habe: Je mehr der Arbeiter sich ausarbeitet, um so mächtiger wird die fremde, gegenständliche Welt, um so weniger gehört ihm zu eigen. Damals bezog ich dies auf seinen Gegenpol, den nationalen oder besser noch internationalen Kapitalismus. Was in der UdSSR und all den anderen kommunistischen Ländern geschehen ist, das ist Staatskapitalismus! Und er ist für die Arbeiter ebenso unverträglich wie der private Ellbogen-Kapitalismus." Henry Ford: „Wie konnte das passieren? Hatten Sie nicht alles durchdacht? Die Leute haben doch nach Ihren Lehren gehandelt."


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„Ich weiß nicht recht, wo der Denkfehler zu suchen ist. Der Arbeiter jedenfalls hat nicht das Verhältnis zur Arbeit gefunden, wie es eigentlich sein müßte, wenn er nicht ein Sklavendasein führen will."

Henry Ford: „Sie sind doch davon ausgegangen: '... daß die Arbeit dem Arbeiter äußerlich ist, d. h. nicht zu seinem Wesen gehört, daß er sich daher in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl, sondern unglücklich fühlt' und so weiter. Haben Sie immer noch ein solch schiefes Bild vom Arbeiter und von der Ansicht des Arbeiters über seine Arbeit?"

„Mein Blut läßt sich wohl nicht verleugnen. Ich habe zur handwerklichen Arbeit immer nur ein theoretisches Verhältnis gehabt. Und daher auch mein unvollkommenes Bild vom Arbeiter an sich. Es gehörte gewiß zu meiner Mentalität, in solcher Arbeit nur eine Art Sklavenbeschäftigung zu vermuten. Sehen Sie, im Talmud kann man nachlesen, daß der Handel mehr einbringt als die Arbeit. Bei Jabmuth Fol. 63a heißt es: 'Es gibt keine niedrigere Berufstätigkeit, als den Ackerbau ...' und weiter: '... Selbst wenn man Kraut der Länge nach pflanzen wollte, so ist Handel einträglicher ...' Und so ist auch mein Satz zu verstehen, den ich einmal gesagt habe: Der Arbeiter fühlt sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Deshalb hatte ich auch angenommen, daß ein symbiotisches Verhältnis zwischen dem Menschen und der Natur, also auch zur Arbeit, nur stören könne."

Henry Ford: „Was halten Sie denn vom sittlichen Wert der Arbeit?"

„Das Proletariat weiß nichts vom ethischen Wert seiner Arbeit. Vielleicht sind solche Gedanken germanischen Ursprungs. Auch, soweit ich für das Proletariat zu denken mir die Aufgabe gestellt hatte, habe ich Arbeit lediglich zur Erhaltung des Lebens gesehen; also als eine Art Zwang."

Henry Ford: „Was halten Sie von diesem Satz, Herr Marx?: Das Privateigentum ist das Produkt, das Resultat, die notwendige Kon-


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sequenz der entäußerten Arbeit, des äußerlichen Verhältnisses des Arbeiters zu der Natur und zu sich selbst/'

„Das ist ein ganz schöner Blödsinn! Wer hat denn das von sich gegeben?"

Henry Ford: „Es tut mir leid, Ihnen dies so ins Gesicht sagen zu müssen: Das war eine der berühmten Erkenntnisse eines gewissen Doktor Karl Marx. Können Sie sich gar nicht erinnern?"

„Wissen Sie, ich habe so vieles geschrieben, daß nicht einmal meine treuesten Anhänger alles ordentlich auslegen können. Es geht mir mit meinen Werken wie den Christen mit der Bibel. Jeder hat sie im Hause, keiner hat sie gelesen. Und die Professionellen bei den Christen wie bei den Marxisten haben immer zur These auch die Antithese zur Hand. Denn hier wie dort kann man alles beweisen und alles widerlegen."

Henry Ford: „Sie haben folgenden Standpunkt vertreten: Die Arbeiter werden angeleitet von der revolutionären, d. h. sozialistisch und kommunistisch gewordenen Wissenschaft, die alte Gesellschaft über den Haufen zu werfen und eine klassenlose Gesellschaft zu errichten. Wissen Sie, wie es in der UdSSR und den Ostblockstaaten aussah?"

„Natürlich kenne ich die dortigen Verhältnisse. Wenn ich ganz ehrlich sein will, so muß ich eingestehen, daß hier wieder einmal, wie so oft im Leben, Theorie und Praxis zwei verschiedene Paar Stiefel sind.

Die komplizierteste, umfangreichste und gelehrtwirkendste Theorie ist nutzlos, wenn man nicht auf praktische Erfahrung zurückgreifen kann. Dazu kommt die Unzulänglichkeit der einzelnen Menschen. Es gehört ein völliges Umdenken, damit dieser wertlose 'Marxismus' nicht in einer anderen Verkleidung noch einmal auf die Reise geschickt wird. Womit ich nicht etwa gesagt haben will, daß allein der Weg falsch gewesen sei. Die Menschen sollten den alten Ideenkrempel auf den Müll werfen und sich zu


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menschlichen Cedankengängen durchringen, die sich an der Praxis orientieren."

Henry Ford: „Sie haben bei Ihren Gedanken über die Wertbestimmung der Arbeitskraft geschrieben, daß auch "die Kulturstufe eines Landes und damit des Arbeiters mit seinen Lebensansprüchen bei der Wertbestimmung seiner Arbeitskraft eine historische und moralische Rolle spielen' müsse. Wenn Ihre Anhänger dies sich zu Gemüte führen wollten und danach handeln, so würden sie heute als Rassisten verschrien werden. Was sagen Sie dazu?"

„Ja, sind denn diese Leute noch zu retten? Das wäre doch eine Gleichmacherei, wie diese Leute sie unter sich oder besser für sich selber bestimmt nicht wünschten. Die Menschen sollten endlich einmal ehrlich sein! Dann würden solch unsinnige Ideen keinen Nährboden finden!"

Henry Ford: „Sie haben einmal geschrieben: "Die Schöpfung eines Normalarbeitstages ist das Produkt eines langwierigen, mehr oder minder versteckten Bürgerkrieges zwischen der Kapitalistenklasse und der Arbeiterklasse'. Wie sehen Sie dies heute?"

„Darin habe ich meine Meinung nicht geändert. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es aber auch schon mehr ein Kampf der Gewerkschaften um ihre Existenzberechtigung. Die Gewerkschaftsbosse leben davon, ihren Mitgliedern von Zeit zu Zeit neue Forderungen vorzugaukeln. Auf die Dauer ist dies keine Lösung. Sie müssen aber nicht glauben, daß ich damit ein Freund der Kapitalisten geworden sei. Allerdings meine ich, daß hier der Staat eine Aufsichtspflicht hat! Er sollte die notwendige Symbiose zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern so lenken, daß beide Seiten gerecht behandelt werden. Ich sage folgendes nicht gern, weil meine Abstammung doch noch hier und da durchschlägt: Es gab bereits eine Zeit, da diese Symbiose mustergültig praktiziert wurde. Wer also keine Angst vor Ideen hat, die aus einem anderen Lager kom-


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men, der sollte sich dieses Problem ohne Scheuklappen einmal genau ansehen. Nur vor folgendem möchte ich heute schon warnen: Die Bosse der Gewerkschaften werden ihre Felle davon-schwimmen sehen. Und die festzuhalten, das ist ihre Lebensdevise!"

Henry Ford: „In einem Ihrer Werke haben Sie gelehrt, daß die menschlichen Bedürfnisse über Produktions- und Konsumgemeinschaften durch entsprechende Pläne geregelt werden müßten. Haben Sie erfahren, was aus dem Erfüllen solcher Pläne geworden ist?"

„Ich bin über die Auswüchse im Bilde. Zum Beispiel die Kleiderfabrik, die nur lange Unterröcke herstellte, um dem Plan des Stoffverbrauchs gerecht zu werden, obgleich nur noch kurze Unterrök-ke, beziehungsweise gar keine mehr gebraucht wurden. Hier haben wir den Beweis dafür, was dabei herauskommt, wenn man den Menschen das Denken abnimmt oder gar verbietet."

Henry Ford: „Herr Marx, Sie sind der Erfinder des Sowjets, zu deutsch: Rätesystems. Können Sie uns etwas über Sinn und Zweck einer solchen Einrichtung sagen?"

„In diesem Falle handelt es sich nicht um eine rein abstrakte Idee ohne empirische Erfahrung. Ich hatte mehrfach Gelegenheit festzustellen, wie schwierig sogenannte demokratische Entscheidungen herbeizuführen sind, wenn nicht vorher ein Fahrplan festgelegt wird. Es lag also nichts näher, als Räte auf allen möglichen Ebenen zu bilden. Hierbei war von Vorteil, daß der Proletarier noch keinerlei Manipulationen witterte. Er hätte sie nach einer gewissen Zeit der Praxis nicht nur wittern, sondern sie unumwunden brandmarken können. Aber es zeigte sich sehr bald, daß eine Abart der Bestechlichkeit, also der Korruption, auch in diesen Kreisen ihre Früchte trug.

Wir haben also Räte auf allen denkbaren Ebenen gegründet. Das Stimmvieh hatte damit eine Aufgabe bekommen und die Ma-


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eher freie Bahn. Sobald die Räte eingesetzt waren, lief alles wie in den Planspielen vorgesehen.

So kam es zu Arbeiter- und Soldatenräten, später entwickelten sich wie in einem Schneeballsystem Personalräte, Betriebsräte, Lehrerräte, Elternräte, Schülerräte.

Zuerst wurde das System der Räte von den Linken vorexerziert. Da es so hervorragend klappte, kamen auch andere hinter die Vorteile einer solchen Einrichtung. Nach 1945 wurde z. B. auch der 'Parlamentarische Rat' gegründet, der die Ehre hatte, das Grundgesetz der BRD auszuarbeiten. Allerdings hatte der Rat nur sehr beschränkte Entscheidungsgewalt. Er mußte nämlich bei den Siegermächten antanzen, um die Beschlüsse absegnen zu lassen. Das heißt, die Sieger hatten vorher bereits die Richtlinien festgelegt, der Rat hatte nur die Aufgabe, die Form zu finden.

Eine besondere Spielart des Rätesystems, also des Sowjetsystems ist die paralmentarische Demokratie. Hier wird die Macht derechten Demokratie kastriert. Es wird dem Wahlvolk vorgegaukelt, es habe etwas zu sagen oder gar zu bestimmen. Zu sagen haben nur die Sowjets, also die Räte, das heißt, die Räte als Einrichtungen der Parteien. Eine parlamentarische Demokratie ist eine undemokratische Parteiendiktatur, eine Rätediktatur!

Es ist erstaunlich, was sich aus meiner Idee so entwickelt hat und wie das Volk wieder einmal übers Ohr gehauen wird.

Sicher, wir waren der Meinung, damit leichter alles in den Griff zu bekommen. Aber jetzt haben uns die etablierten Parteien den Rang abgelaufen; sie sind die Weiterentwicklung des ursprünglichen Sowjetsystems."

Henry Ford: „Herr Doktor Marx, diese so aufschlußreiche Unterhaltung würden wir gern mit einem freundlichen Wort beenden. Aber wir sind unsern Lesern verpflichtet, sie möglichst deutlich zu unterrichten. Nehmen Sie es also nicht übel, wenn wir hier einen Ihrer treuesten Biographen zitieren:


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'Marx hat keinen ausgearbeiteten erkenntnistheoretischen Text hinterlassen, worin er die Methode seiner Kritik der politischen Ökonomie umfassend und systematisch darstellt und seine Theorie in der Entwicklung des philosophischen, gesellschaftstheoretischen und naturwissenschaftlichen Denkens verortet hätte. Er hat den marxistischen und nichtmarxistischen Interpreten seiner Erkenntnistheorie harte Nüsse zu knacken gegeben. Unter den Autoren, die den methodologisch-erkenntnistheoretischen Stellenwert des Marxschen Denkens bestimmen wollen, herrscht mehr Streit als wechselseitige Zustimmung.'

„Ja, was soll ich Ihnen darauf antworten? Der Mann hat einen umfassenderen Weit- und Durchblick als ich!"

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