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6. Mose, ca. 1300 v. d. Z. (Mosaismus, eine Theokratie)
Ford: „Mister Mose, ich bin Henry Ford und dies ist mein Freund Mister Hearst. Ich habe viel von Ihnen und über Sie gelesen, aber Ihren Namen fand ich nicht einheitlich mit 'Mose' angegeben. Wie heißen Sie nun richtig: Mose oder Mosche?"
„Am liebsten höre ich Mosche. Mosche klingt nicht so hart, etwas vertrauter. Aber an Mose sind die Menschen gewöhnt."
Ford: „Gut, Mister Mose! Sie sollen einen Teil der Bibel verfaßt haben. Ist es an dem, oder hatten Sie einen oder mehrere Helfer, sogenannte Ghostwriter?"
„Sie fragen so direkt. Ist es nicht völlig gleichgültig, wer und ob überhaupt jemand als Sekretär seine Arbeit verrichtet hat? Lassen Sie diese Frage doch einfach in der Luft hängen! Nehmen Sie den Text der Bibel und basta!"
Ford: „Das würden wir gern tun, aber es gibt Leute, die der Meinung sind, alle vorliegenden Texte entsprächen nicht dem eigentlichen Sinn, weil ursprünglich alle Vokale fehlten. Und das werden Sie vermutlich auch so sehen, daß mit den Konsonanten allein
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kein eindeutiger Text möglich ist, oder?"
„Da haben Sie recht, Mister Ford. Aber wollen Sie jetzt von mir eine völlig neue Bibel haben? Bleiben wir doch bei dem, was den Menschen da vorgesetzt wird! Fragen Sie mich zu den Texten, die Sie und ich kennen, bitte!"
Ford: „Auch das wäre einfacher, wenn die angebotenen Bibeln übereinstimmen würden. Und je mehr Jahre ins Land gehen, desto mehr wird an den Bibeln, an den unterschiedlichsten Stellen, geändert. Cut, schalten wir mal dieses Problem aus und bleiben wir bei irgendeinem Text.
Wie war das nun mit der Erschaffung der Welt? Wie war es mit Adam und Eva?"
„Aber meine Herren, wollen Sie denn diesen Stuß wortwörtlich nehmen? Sie sollten doch längst begriffen haben, wie es zu meiner Zeit aussah! Ich war ein vielgereister Mann. Ich wurde in Ägypten geboren. Es gab Ärger mit einem Aufseher, den ich kurzentschlossen ins Jenseits beförderte. Natürlich mußte ich daraufhin türmen. Ich ging für einige Zeit nach Ostjordanien. Da ich Augen und Ohren aufsperrte, lernte ich so manches aus Erzählungen und Märchen bei den umherziehenden Karawanen. Dazu kamen meine Lehrjahre bei den hervorragendsten Wissenschaftlern in Ägypten. Mein Volk setzte sich aus einem Haufen Pöbel zusammen, der kaum zu bändigen war. Dafür waren die Menschen aber aufgeschlossen für alles Geheimnisvolle. Hier setzte ich den Hebel meines Einflusses an. Und da sie alles ganz genau wissen wollten, mußte ich mit der Erschaffung der Welt beginnen. Ich hatte etwas von den ersten Menschen der Altgermanen gehört, daß dort Ask und Embla gelebt hätten. Aus denen machte ich Adam und Eva.
Ford: „Sie sprachen von 'meinem Volk'. Ist es wirklich 'Ihr' Volk? Sind Sie nicht ein Findelkind?"
„Genau genommen: Meine Herkunft liegt im Dunkeln. Man soll mich im Schilf in einem Korb gefunden haben. Aber wer war mei-
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ne Mutter? Wer mein Vater? Darüber nachzudenken ist müßig. Es wird immer bei Vermutungen bleiben.
Sie fragten nach dem Begriff 'mein Volk'. Dieses Volk soll ursprünglich als eine Horde Zigeuner aus Indien an den Nil gezogen sein. Obgleich ich bei vornehmen Ägyptern aufgewachsen bin, zog es mich doch oft zu diesen Leuten hin. Bei ihnen konnte ich meine Kunststücke, die ich den ägyptischen Gelehrten abgeguckt hatte, vorführen. Ich habe also dort eine kleine Schau abgezogen, und die Leute waren begeistert. So hat eigentlich alles angefan-gen."
Ford: „Nun ist ein 'Landsmann' von Ihnen, ein Dr. William Hirsch, ein jüdischer Psychiater, der Meinung, daß all das, was Sie mit dem jüdischen Volk und auch anderen Völkern getrieben haben, Anzeichen für Geisteskrankheit seien. Wie sehen Sie das?"
„Ich will nicht unbedingt behaupten, daß Doktor Hirsch ein Schwätzer ist. Er mag dort recht haben, wo derartige Handlungsweisen ohne persönliche Kontrollen ablaufen. Ich habe selbst solche Menschen erlebt, die sich soweit in ihren Ideen verrannten, daß sie sich selbst nicht mehr in der Gewalt hatten. Sie schnappten einfach über. Sie waren in ihrem geistigen Zustand nicht mehr berechenbar. Aber man konnte sie für sich gefügig machen. Als ich zu der Erkenntnis gekommen war, Macht über Menschen auf diesem Wege zu erlangen, baute ich hierauf meine weiteren Ziele aus."
Ford: „Dann sind Sie also ein ganz raffinierter Agitator, der es verstand, Menschen mit Hilfe psychologischer Erkenntnisse für seine Zwecke auszunutzen?"
„Wenn Sie es unbedingt so sehen wollen? Bitte! Hat es nicht zu allen Zeiten Menschen gegeben, die sich 'berufen' fühlten, über andere zu herrschen? Das habe ich eben auch getan."
Ford: Ja, im Prinzip haben Sie recht. Aber Sie haben Ihrem Volk einen Gott gegeben, von dem Sie behaupteten, ihn gesehen und
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gesprochen zu haben. Ist das nicht ein bißchen übertrieben?"
„Kann man da von 'übertreiben' sprechen? Ich habe lediglich erkannt, wie das Objekt Mensch zu handhaben ist, wenn man in der Lage ist, das glauben zu machen, was man selbst eigentlich für unwahrscheinlich hält.
Als ich merkte, sie glauben mir meine Geschichte von der Erschaffung der Welt und von Adam und Eva, da habe ich später anderes erzählt, einfach so, von Jehova zum Beispiel. Viele glaubten mir sofort. Aber es gab auch Zweifler. Da habe ich eben ein paar Zauberkunststücke vorgeführt, und schon fielen die meisten um."
Ford: „Wie ist das nun, Mister Mose, mit den Gesprächen, die Sie mit Gott Jehova geführt haben wollen?"
„Das gehörte alles in mein Cesamtprogramm. Viele Menschen haben sich irgend etwas unter 'Gott' vorgestellt. Aber meistens blieb dieser 'Gott' ein Geheimnis, mit dem sie nichts anzufangen wußten.
Da ich erkannt hatte, daß es 'Gott' nur in der Einbildung des Menschen gibt, habe ich diese Erkenntnis weiterentwickelt. Wenn es sich also um eine geistige Vorstellung handelt, warum soll man sie nicht auch in erweitertem Maße als Mittel zum Zweck ausnutzen?!
Alles, was Menschen tun, geschieht zu einem bestimmten Zweck. Für mich war das Ziel die uneingeschränkte Macht. Dazu brauchte ich nur noch das Volk auf meine Seite zu ziehen. Und der von mir erdachte'Gott'Jehova war das richtige Werkzeug. Um das Volk nicht doch noch gegen mich auftreten zu lassen, mußte ich mit Hilfe Jehovas, 'Gott' und das Volk unter einen Hut bringen. Was lag näher, als daß ich dem Volk einredete, es sei von Jehova als 'auserwählt' anerkannt worden. Nur dieses Volk sollte von nun an sich als 'sein' Volk betrachten. Damit diese ungezügelten Menschen mir aber nicht aus dem Ruder laufen konnten, habe ich
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die Rolle desjenigen übernehmen müssen, der allein in der Lage war, mit Jehova zu reden, seine Befehle zu empfangen und seine Befehle in die Tat umzusetzen.
Natürlich habe ich zu Beginn dieser Experimente Blut und Wasser geschwitzt, ob auch alles in meinem Sinne ablaufen würde. Aber da die ersten Versuchs-Aktionen ganz gut abliefen, wurde ich mit der Zeit immer sicherer.
Später hat es hier und da auch schon einmal ein paar Aufmüpfige gegeben, aber dann halfen mir meine Kenntnisse im Umgang mit Pulver, Feuer, Rauch und Knallkörpern, so daß ich mit Hokuspokus über alle Gefahrenmomente gut hinwegkam. Und zimperlich darf man nicht sein, wenn da ein paar Leute ins Gras beißen müssen. Denken Sie nur an die Rotte Korah! Im 3. Buch Mose Kapitel 16 wird darüber berichtet."
Ford: „Mister Mose, Sie haben, als Sie mit 'Ihrem' Volk aus Ägypten auszogen, den Leuten gesagt, Gott Jehova habe ihnen befohlen, die Ägypter zu berauben. War dies nicht ein großes Wagnis, einem 'Gott' solch kriminelle Befehle zu unterschieben? Kamen den Leuten keine Zweifel über die Echtheit dieses angeblichen Befehls?"
„Sehen Sie, Mister Ford, dazu braucht man lediglich eine gute Menschenkenntnis. Sagen Sie einem primitiven Volk, es solle sich auf Kosten eines anderen Volkes bereichern, weil es 'sein Gott' so gewollt habe, dann werden es vielleicht im Augenblick nicht alle sofort und ohne Bedenken glauben. Aber wenn die einen bereits die Taschen voll haben und die anderen noch leer dastehen, dann werden auch diese bald 'überzeugt' sein und mitmachen und sogar diesem 'lieben Gott' Jehova für seine Hilfe danken. - Wie verrückt die Menschen bereit sind zu glauben, wenn es um ihren Vorteil geht, das können Sie in neuerer Zeit daran erkennen, daß sie sogar den 'lieben Gott' anbeten, wenn sie eine Atombombe auf wehrlose Menschen werfen. Und nicht nur das! Sie benutzen als Trittbrettfahrer den aus dem Alten Testament bekannten Lügen-
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geist, um sich Pensionen für Generationen zu erschwindeln."
Ford: „Sie bieten uns interessante Einblicke in Ihre Lebensweisheiten. Es würde heute zu weit führen, wenn ich all die Fragen an Sie richte, die mir am Herzen liegen. Aber eine möchte ich doch noch loswerden: Haben Sie Jehova nun wirklich gesehen, wie Sie es 'Ihrem' Volk erzählt haben?"
„Aber Mister Ford, soll das wirklich eine Frage sein? Wo steht denn in der Bibel, daß ich Jehova tatsächlich gesehen hätte? Sie werden lange suchen können! Ich habe immer nur umschrieben gesprochen. Zum Beispiel in der Weise, daß mein Gesichtsfeld abgedeckt wurde, oder daß ich die Stelle sah, wo 'Gott' daher-geschritten sei und so weiter. Sehen Sie, wenn man erst einmal die Menschen in seinen Bann gezogen hat, dann können Sie ihnen wer weiß was erzählen. Sie hören ja mit der Bereitschaft zu, alles glauben zu wollen. Man darf den Bogen nur nicht überspannen. Sollte dies einmal geschehen, dann muß man mit einer Katastrophe antworten, die von 'Gott' geschickt wurde, und alles ist wieder im Lot."
Ford: „Mister Mose, dieses Gespräch war für uns sehr aufschlußreich. Wir wollen Sie heute jedoch nicht überfordern und bitten gegebenenfalls für einen späteren Zeitpunkt um ein weiteres Gespräch. Haben Sie vielen Dank!"
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