Das Rudolf Gutachten auf http://www.vho.org/D/rga/rga.html

4.3.3.4. Proben 25 - 30: Versuche


Abbildung 35: Konstruktionszeichnung der Versuchsanordnung zur Blausäure-Begasung von Materialproben.

  1. Glaszylinder

  2. O-Dichtungsring

  3. PVC-Deckel- und Bodenplatte

  4. Gasauslaß Druckmessung

  5. Gasauslaß Entlüftung

  6. Magnet-Rührmotor

  7. Porzellan-Schale mit 16 Vol.% H2SO4 und Magnetrührer

  8. Löffel mit KCN auf Achse befestigt, über Magnet von außen kippbar

  9. Probengut (hier Ziegelstein)

  10. Spannschrauben

Zur Abschätzung der Reaktivität von Blausäure mit Baumaterialien wurde eine Versuchsreihe gestartet, während der vorerst nur Ziegelsteine mit Blausäure, entstanden aus einer definierten Menge KCN + H2SO4, in einem gasdichten Behälter begast wurden. Im Laufe der Versuche stellte sich mittels empfindlicher Druckdifferenzmessungen heraus, daß sich nur ein Teil der durch die 16%ige Schwefelsäure freigesetzten Blausäure auch verflüchtigte, da Blausäure selbst in dieser so gut löslich ist, daß nur ein Teil davon tatsächlich an den Gasraum abgegeben wird. Die tatsächliche Gasmenge im Reaktionsgefäß lag also weit unter den rechnerisch ermittelten 3,7 Vol.%, den Druckmessungen zur Folge bei ungefähr 2 Vol.%.
Zur Konstruktion des Reaktionsgefäßes aus einem Glaszylinder, unten und oben durch PVC-Platten mit Gasausführungen und O-Ringen abgedichtet, siehe Abbildung 35
. 16%ige H2SO4 wurde in einem Tiegel vorgelegt, KCN bei geschlossenem Gefäß per Magnethebelmechanismus hinzugegeben. Danach erfolgte Vermischung per Magnetrührer.
Analysiert wurden bisher die in Tabelle 18
aufgeführten Proben. Als gleichbleibende Parameter wurden beibehalten:

Ausnahmen von diesen Bedingungen sind in der rechten Spalte von Tabelle 18 angeführt. Nach der Begasung wurde von den Proben 27 bis 30 die oberste Materialschicht der versiegelten Flächen und damit das Paraffin entfernt. Die zusätzlich befeuchteten Proben 27 und 30 machten sich im Gegensatz zu den nur naturfeuchten Proben 28 und 29 während der Lagerung bei Zimmertemperatur durch einen intensiven Blausäure-Geruch bemerkbar. Bei einer zwischenzeitlich erfolgten Befeuchtung hörte der Blausäure-Geruch schlagartig auf. Bei der Zementmörtelprobe war der Geruch nach einer Woche, bei der Kalkmörtelprobe nach 2 Wochen nicht mehr bemerkbar.

Tabelle 18: Probenvorbereitung und -begasung

Probennr.

Material

Randbedingungen

25/26

Ziegelstein von abgerissenem Gebäude aus Bayern, nur Probe 26 begast!

16 h Begasung bei 0,3 Vol.%, Lagerung nach Begasung 120 Tage bei Zimmertemperatur

27

Zementmörtel: 1 Teil Sand, 1 Teil Portland-Zement, ½ Teil Kalk. Probenmaße: 55×60×20 mm, 100 g (ca. 1,5 g/cm3)

Versiegelung der Kanten sowie einer Stirnfläche mit Paraffin 52/54 (somit Begasung nur von einer Seite); Zugabe von 1 g Wasser

28

Zementmörtel: 1 Teil Sand, 1 Teil Portland-Zement, ½ Teil Kalk. Probenmaße: 55×60×20 mm, 108 g (ca. 1,6 g/cm3)

wie 27, ohne Wasser

29

Kalkmörtel: 2 ½ Teile Sand, 1 Teil Kalk. Probenmaße: 55×60×20 mm, 94 g (ca. 1,4 g/cm3)

wie 28

30

Kalkmörtel: 2 ½ Teile Sand, 1 Teil Kalk. Probenmaße: 52×58×20 mm, 96 g (ca. 1,6 g/cm3)

wie 28, Zugabe von 2 g Wasser

Die Analysenergebnisse bezüglich der Ziegelsteinproben (Tabelle 16
, Probennr. 25 und 26) überraschen ob ihrer paradox erscheinenden Werte: Die begaste Probe weist im Gegensatz zur unbegasten Probe keine Cyanidspuren auf. Hier konnte der Wert der nicht begasten Probe exakt reproduziert werden (Tabelle 17), erklärbar durch die Abwesenheit hoher Störionenkonzentrationen (Carbonat) im Ziegelstein. Weitere Analysen des begasten Ziegelsteins ergaben ebenfalls keine nachweisbaren Cyanidwerte. Dieses Ergebnis belegt, daß Cyanidwerte bis 10 mg pro kg tatsächlich nur sehr beschränkten Aussagewert haben, da diese auf ubiquitäre Spuren zurückführbar sein können.
Die Interpretation der Analysenergebnisse der Proben 27 bis 30 ergibt folgende Aussagen:



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