Der Lebensweg eines tschechischen »Partisanen«

Von Josef Weikert

Bereits in Nr. 3/97 hat VffG im Rahmen des Beitrages von Dr. A. Schickel kurz auf die in der Ortschaft Miröschau bei Pilsen begangenen Massenmorde an Deutschen hingewiesen. Damals wurden außer der Ermordung von 25 Angehörigen der Waffen-SS und vielen deutschen Zivilisten auch mehr als 280 Soldaten der sog. »Wlassow-Armee« zuerst von den Tschechen mißhandelt und später von den Rotarmisten erschossen. Sie wurden nach der Exekution in einem nahem Waldstück verscharrt.

Die in dem Schloßpark von den Tschechen zuerst mißhandelten und später erschossenen deutschen Militärpersonen waren Angehörige der Pionierschule der Waffen-SS in Beneschau bei Prag und der Panzerdivision »Wiking«, die der Armeegruppe Mitte des General-Feldmarschall Schörner bei der »Prager Operation« einverleibt worden waren. Nach dem Freitod des Generals Pückler bei Pribram und der Räumung des Gefechtstandes und Militärsperrgebietes südlich von Beneschau versuchten sich die zersplitterten Einheiten zu den Amerikanern durchzuschlagen. Sie liefen damals waffenlos durch die Wäldern und leisteten den Tschechen keinen Widerstand.

Ähnlich wurde mit den deutschen Soldaten auch in Blowitz (Lkr. Pilsen-Süd), Stupno (Lkr. Rokitzan), Neudorf (Lkr. Pilsen-Süd) und Lichtenstein (Bez. Pilsen Nord) umgegangen. Lange nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht wurden dort die deutschen Soldaten von den tschechischen Revolutions-Gardisten statt in die Gefangenschaft genommen zu werden einfach ermordet. Inzwischen wird alles unternommen, um diese Massengräber ausfindig zu machen und für eine würdige Bestattung der Opfer zu sorgen. Zudem ist es inzwischen gelungen, die für diese Massenmorde hauptverantwortlichen Anführer dieser Partisanen zu identifizieren, worüber nachfolgend berichtet wird. Der sich daran anschließende Beitrag über eine scheinbare Konstante der tschechischen Politik, skrupelloses Fähnlein im Wind zu spielen, gibt der hier wiedergegebenen Biographie ein besonders aktuelle Note. (Lubomir Duda)


Über die Verbrechen an deutschen Soldaten im westböhmischen Miröschau gegen Ende des Zweiten Weltkriegs hatte erstmals der private tschechische Fernsehsender TV NOVA am 6.6.1996 erschütterndes Bildmaterial veröffentlicht. Daraus ließ sich die Person des Anführers der Pseudopartisanengruppe Brdy, die diese Verbrechen verübte, herausfiltern. Nun hat der aus Jankowitz bei Holleschau in Mähren stammende Jurist Dr. Jaroslav Pospíšil auch den Namen des für die Massaker im Miröschauer Schloß hauptverantwortlichen Anführers angegeben und ihm in seinem Buch Hyeny ein umfangreiches Kapitel gewidmet.[1] Nachfolgend die Personalien und die Lebensgeschichte dieser zwielichtigen Gestalt:

Foukal, František, geb. am 29.07.1917 in Martinice okres Holešov (Martinitz Bez. Holleschau, Mähren), letzter bekannter Wohnsitz: Fryšťák, čp 214, (Freistadtl, Ortsteil Žabárna)

Nach der Lehre als Flugzeugmechaniker in Chotzen, die er 1936 in Prag mit der Gesellenprüfung abschloß, tritt er eine Arbeitsstelle auf dem Flugplatz des Baťa-Konzerns in Zlin/Otrokowitz an. Wegen schlechter Arbeitsmoral wird er im Herbst 1938 entlassen. Er zieht zu Beginn des Jahres 1939 zu seiner Schwester nach Prag und hilft in deren Gaststätte aus.[2] Auf der Suche nach besseren Verdienstmöglichkeiten kehrt er im September des gleichen Jahres nach Martinitz zurück. Er begegnet einem Piloten der Zliner Fluggesellschaft, der offene Sympathie für Nazideutschland zeigt und nach der deutschen Besetzung Verwalter des Zliner Flugplatzes wird.[3] Foukal bewirbt sich bei der Zliner Flug-AG um Wiedereinstellung und hat mit Hilfe seines neuen Bekannten Erfolg. Im Zusammenhang mit Militärspionage auf dem Flugplatz kommt Foukal 1941 mit der Gestapo in Berührung. Er wird von Kriminalsekretär Supparitsch verhört, der ihn schließlich freiläßt. Mit ihm hält Foukal Verbindung über die gesamte Dauer des Krieges. Am 8. Mai 1941 heiratet Foukal Miloslava Papežíková, die Tochter eines Sodawasserfabrikanten in Freistadtl. Mit dieser Eheschließung erlangt er eine gute wirtschaftliche Basis. Es ist bis heute unklar, worin überall Foukal seine Finger während der Protektoratszeit gehabt hatte. Mit der auflebenden Partisanentätigkeit im Herbst 1944 in den wallachischen Bergen verläßt Foukal seinen Arbeitsplatz, angeblich aus gesundheitlichen Gründen, und geht in das Waldrevier Burešov, wo er als Waldarbeiter geführt wird. Anfang Dezember 1944 erhält er Gelegenheit, sich in den Widerstand einzugliedern.

František Foukal um 1950 und 1987

Am 30.3.1945 ist er an der Verlegung einer »Kundschaftergruppe«, die vor dem Zugriff der Gestapo in die Slowakei ausgewichen war, nach Zlin in eine konspirative Unterkunft beteiligt. Foukal wird am 31.3.1945 unter ungeklärten Umständen verhaftet.[4] Noch am gleichen Tag führt die Gestapo eine Aktion gegen sein Haus auf der Zabarna durch, bei der zwei sowjetische Fallschirmspringerinnen gestellt und getötet werden, wie später bekanntgeworden, durch den Verrat Foukals. Dieser wird zunächst in Ungarisch Hradisch verhört. Von da aus kommt er nach Brünn und nach weiteren 2 Tagen in das Lager Miröschau bei Pilsen. Daß Foukal überlebt und nicht mitsamt seiner Familie erschossen wird, verdankt er dem Gestapomann Supparitsch. In Miröschau wartet Foukal nicht erst das Kriegsende ab, sondern entschließt sich, "fünf Minuten vor zwölf", am 5.5.1945, die »Partisanengruppe Brdy« zu gründen und ernennt sich zu deren Befehlshaber. In seiner Nähe bewegte sich der Mithäftling Jaroslav Trunda,[5] der nach dem Krieg über ihn aussagte:

»Ich lernte ihn nach dem Abgang der Deutschen kennen. Damals trat er hier als Kommandant der Partisanenabteilung Brdy auf, die in der Zeit gegründet wurde, als die Deutschen - es handelte sich um eine Bewachungsabteilung - das Lager verlassen hatten. Foukal sagte über sich selbst, er sei Mitglied der 1. Partisanenbrigade Jan Žižka und Bevollmächtigter aller geheimen militärischen und kommunistischen Organisationen der Brigade. Mit dieser Prahlerei wollte er die Spitzenstellung in der Abteilung erreichen. Zuletzt ließ er sich einen Stempel anfertigen.«

Foukals Partisanen beteiligten sich nicht nur am Aufbringen versprengter Militärpersonen aus der Umgebung des Lagers, sondern zeichneten sich besonders durch deren physische Liquidierung nach vorhergegangener Folter aus. Wie Pospíšil in seinem Buch bemerkt, ordnete Foukal die Morde selbst an und leitete sie.

Alle diese Begebenheiten, über die Trunda lieber schwieg, fing das Objektiv der Kamera ein.[6] Nach der Beendigung seines Partisanentums eilte Foukal keineswegs sofort nach Hause. Vielmehr lädt er Wertgegenstände, die er bei den wunderlichen Aktionen der Miröschauer Partisanengruppe erworben hat, in sein Auto und fährt damit zu seiner Schwester nach Prag.[7] Hier läßt Foukal die Wertgegenstände zurück und fährt weiter nach Pardubitz, wo er sich mit Murzin[8] und anderen ehemaligen sowjetischen Partisanen trifft, die hier bei ihrem übergeordneten Stab der Roten Armee geblieben sind. Foukal gelingt es, vom Führer des Partisanenstabes eine Beschreibung seiner Tätigkeit im Rahmen der Brigade Jan Žižka sowie eine Empfehlung zum Eintritt in die KPTsch zu bekommen.

Noch vor der Heimkehr Foukals taucht wenige Tage nach Kriegsende in Zlin die Vorhut der Miröschauer Partisanen mit großem Humbug auf.[9] Sie führt eine große Menge an Waffen, Munition, Handgranaten, Funkgeräte usw. mit sich. Wozu dieses Arsenal dienen sollte, konnte niemand von den »Kämpfern« aufklären.[10]

Partisanengruppe Brdy mit Anführer Foukal in Bildmitte (Kreis)

Nach Zlin zurückgekehrt gründet Foukal zusammen mit Josef Vávra[11] eine Expositur des Ministeriums für nationale Verteidigung (MNO), ausgestattet mit Drucksachen, aufgedrucktem Briefkopf und Stempel. Als Foukal erfährt, daß gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen seiner Verbindungen zur Gestapo eingeleitet ist, fährt er nach seiner ersten Anhörung in dieser Sache nach Prag. Hier beschafft er sich verschiedene Beglaubigungsschreiben über konfiszierten Besitz, unterschrieben von Kapitän Šolc von der 6. Abteilung des Verteidigungsministeriums. Dabei handelte es sich um unterschriebene Blankoformulare ohne Zuteilung einer laufenden Nr. Ferner ließ sich Foukal sowohl vom Verteidigungs- als auch vom Innenministerium eine Weisung ausstellen, daß in Strafverfolgungsverfahren gegen Partisanen den Untersuchungskommissionen Mitglieder aus den Reihen der Partisanen zugewiesen werden. Auf Grund dieser Weisung wurde in die Untersuchungskommission beim ONV Zlin (örtlicher Nationalausschuß) Jaroslav Trunda aus der Gruppe Foukals berufen. Schließlich beginnt auch der NKWD, sich für Foukal zu interessieren. Bei den Vernehmungen gesteht Foukal, die Anwesenheit der zwei sowjetischen Fallschirmspringerinnen in seinem Haus verraten zu haben sowie zur Zusammenarbeit mit der Gestapo bereit gewesen zu sein. Nach Abschluß der Vernehmungen wird Foukal einem Major der Brünner Staatssicherheit übergeben, der ihn ins Gerichtsgefängnis nach Ungarisch Hradisch befördert. Ende September 1945 kommt Foukal wieder frei. Nach einer Ruhepause tritt er eine Beschäftigung in der Forstabteilung des Baťa-Konzerns - nunmehr volkseigener Betrieb - an. Im April 1946 beginnt er seinen Militärpräsenzdienst in den Žižkakasernen in Olmütz, von wo aus er nach Holleschau abgeordnet wird. Im September des gleichen Jahres kehrt er als einfacher Soldat wieder heim. Weit hat es da der »Partisanenkapitän« nicht gebracht.

Foukal posiert in seinem Haus zwischen zwei sowjetischen Partisanen in weiß für die Kamera.

In der Folgezeit kommt es zu einigen Komplikationen, als Zweifel an Foukals Partisanentum aufkommen.[12] Schließlich wird seine Gruppe als selbständige Partisaneneinheit anerkannt. Im Sommer 1947 besucht er Frankreich. Nach seiner Rückkehr nimmt er zusammen mit anderen ehemaligen Partisanen an einer Aktion gegen die sogenannten Banderaleute[13]teil, die versuchen, aus der Ukraine über die Tschechoslowakei in den Westen zu kommen. Bei dieser Aktion zeichnet sich Foukal nicht gerade aus.

Als Mitglied der KPTsch erfüllt er diszipliniert seine Pflichten in Freistadtl. Er wird hier Bürgermeister und ist Mitglied im Bezirksausschuß der Nationalen Front. Nach den Februarereignissen wird seine Karriere etwas gebremst. Im Mai 1948 kommt Foukal hinter Gitter. Nach Intervention seiner Schwester bei Slánský und anderen Potentaten wird er am 16.12.1948 wieder freigelassen. Im Januar 1949 beginnt er eine Brigadetätigkeit bei der Direktion des Forstbetriebes in Velké Karlovice.

Nach dem 25. Februar 1948 stimmte nur ein Teil der Bevölkerung mit den neuen politischen Gegebenheiten überein. Unter den ersten, die sich zum Widerstand entschlossen, waren die Einwohner von Rajnochowitz; darunter solche, die Erfahrungen im Widerstand gegen die Deutschen hatten. Sie kamen zur Einsicht, daß es nötig sein werde, sich zu bewaffnen. Danach war es nicht mehr weit zur Tat. Doch an Verrätern und Konfidenten fehlte es nicht. In der Bezirkskommandantur der Staatssicherheit in Gottwaldov (Zlin) zerbrach man sich nicht lange den Kopf, wie der Kern dieser Widerstandsgruppe in den Hosteiner Bergen hinter Gitter zubringen wäre. Man entsann sich Franz Foukals, der als ein geeigneter Verrätertyp erschien. Er wird am 14.10.1949 von der Staatssicherheit in der Absicht vorgeladen, ihn für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Für einen Menschen mit defektem moralischen Profil sicher ein starker Anreiz. Es genügte da, an seine merkwürdige Vergangenheit aus der Protektoratszeit zu erinnern. Foukal erhielt die Agenten-Nummer AK-106 und den Decknamen »Gorjaci« (Gebirgler). Zwar hat er die Widerstandsgruppe in den Hosteiner Bergen nicht allein verraten, doch brachte er einer Menge Leuten Unglück: Es kam zu mehreren Hinrichtungen und bei etwa 200 Personen zu lebenslänglicher oder langjähriger Kerkerhaft in kommunistischen Konzentrationslagern. Viele von ihnen starben in Gefängnissen oder kehrten mit zerstörter Gesundheit zurück.

In den fünfziger Jahren wußte niemand, wie sich einmal sein Schicksal erfüllen wird. Franz Foukal bildet da keine Ausnahme. Auch wenn er Vorsitzender der KPTsch in Freistadtl war, wechselte seine Glückssträhne. Er wurde derart kompromittiert, daß er selbst für die Staatssicherheit untragbar wurde. Am 31. März 1951 wird er erneut verhaftet. Sein weiterer Weg führt in die Gefängnisse von Ungarisch Hradisch, Pankratz und Holleschau. Am 12. Mai 1952 kommt er in das Gefängnis der Staatssicherheit in Prag und nach einem weiteren Monat in das Gefängnis der Staatssicherheit in Olmütz, wo vom Kreisgerichtsprokurator die Anklageschrift erstellt wird. Darin ist Foukals Tätigkeit von 1944 bis zu seiner Verhaftung dokumentiert. Es wurden insgesamt 26 Zeugen vernommen. Dann allerdings trifft die Weisung ein, daß es unangebracht sei, über Foukals Fehltritte während der Protektoratszeit zu verhandeln. So begrenzt die Anklageschrift seine strafbare Tätigkeit auf unerlaubten Besitz einer größeren Menge an Waffen und auf sein Fehlverhalten bei der Aktion gegen die Banderaleute im Jahr 1947. Am 27.10.1953 wird Foukal vom Kreisgericht Ungarisch Hradisch zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt; nach Einlegen von Berufung beim höchsten Gericht in Prag wird Foukal auf freien Fuß gesetzt.

Deutsche Soldaten knien unbekleidet am Rand einer Grube im Miröschauer Schloßpark, wo sie von Foukals »Partisanen« erschossen werden.

Im Gegensatz zu anderen Strafentlassenen findet Foukal mühelos des Weg in ein normales Leben. Er arbeitet in leitender Funktion in einer Holleschauer Autoreparaturwerkstatt und später in Gottwaldov (Zlin). Er findet wieder Zeit für Familie und für Partisanenfreunde, die ihn nicht vergessen haben. Er muß nicht fürchten, daß seine Vernehmungsprotokolle in die Hände von Historikern gerieten. Als es im Jahr 1968 schien, daß sich die Archive öffneten, war es Foukal nicht wohl in seiner Haut. Doch in der folgenden Zeit der Konsolidierung wußte er, wo sein Platz ist. Auf Partisanentreffen verkündet er seine patriotischen Gefühle und erlangt im Verband der antifaschistischen Widerstandskämpfer bedeutende Positionen auf Kommunal-, Bezirks- und Staatsebene. Er kümmert sich darum, daß in das Zliner Gebiet alljährlich Foukals ehemalige Kampfgenossen aus der Sowjetunion kommen, wie Murzin und andere, daß sich diese hier wohl fühlen und zufrieden wieder abreisen. Er enthüllt Gedenktafeln, unterrichtet Angehörige der Jugendorganisation über die ruhmreiche Partisanenvergangenheit. Ob Foukal in letzter Zeit wieder mit der Staatssicherheit zusammenarbeitet, ist dem Verfasser des Buches Hyeny nicht bekannt.

Pospisil hat Foukal folgendermaßen charakterisiert:

Er gelangte gemäß seinem Charakter zur Überzeugung, daß auch in der traurigen Protektoratszeit seine Vorstellungen über ein angenehmes Leben erfüllbar sind. Es war kein Problem für ihn, sich anzupassen und eine breite Skala von Intrigen und Verrat auszuspielen, zum Verderben vieler wahrhafter Patrioten. Einige Monate vor Kriegsende erhielt er die Chance, manches gutzumachen. Als ihm die Glücksgöttin die Hand reichte, durchlebte er Aufregendes als einer der Spitzenrepräsentanten der Partisanenbewegung. Für ein Leben in besseren Zeiten hat er sich rechtzeitig rückversichert. Er ist unter den ersten, die nach dem Krieg der KPTsch beitreten. Damit sicherte er sich so ab, daß ihn niemand wegen seiner in der Protektoratszeit begangenen Taten beschuldigen konnte. In der Zeit, als er sich am Gipfel seiner zweifelhaften Mühen wähnt, kam für diesen Agenten der Staatssicherheit der unerwartete Fall. Doch er läßt den Kopf nicht hängen. Er weiß, daß das Regime Leute seiner Art brauchen wird, setzt auf alte Bekannte, von denen viele zweifelhafte Partisanen gewesen waren. Seinem neu empfundenen Leben fügt er die Pflege des Andenkens an den angeblich allertapfersten Partisan Murzin hinzu. Er kann jetzt ohne Sorge berichten, was er einmal für ein angeblich tapferer Widerstandskämpfer gewesen war.


Anmerkungen

Dieser und der nachfolgende Beitrag erschienen zuerst in: Heimatkreis Mies-Pilsen e.V. (Hg.), Jahrbuch Mies-Pilsen, Bd. 7, Bauhofstr. 41, D-91550 Dinkelsbühl 1998, S. 49-54.

[1]Jaroslav Pospíšil, Hyeny, Herausgegeben in der Edition Otisky aus dem Verlag Lípa in Vizovice. 2. ergänzte Ausgabe 1996, ISBN 80.9021179-6-6.
[2]Zdenka, verehelichte Coufalová.
[3]Wenzel Brtník aus Rakowetz, Bez. Teschen, Pilot der Zliner Fluggesellschaft. Nach der deutschen Besetzung 1939 wird er »Verwalter« des Baťa-Flugplatzes Zlin im Rang eines Flugkapitäns und Angestellter des Reichsluftfahrtministeriums. Im Rang eines Offiziers Erprobungspilot auch für die neuen Düsenjäger (ME 262). Nach dem Krieg wird er auf Grund einer von Foukal ausgestellten Bescheinigung Anfang Juni in Freiheit gesetzt und findet Beschäftigung in einer Prager Sodawasserfabrik. Seine Frau, ebenfalls eine Deutsche, war im Ernährungsministerium angestellt.
[4]Über die Verhaftung Foukals gibt es unterschiedliche Versionen: entweder beim Verlassen des Friseurladens von Bohumil Svoboda oder nach Heraustreten aus einer Weinstube in Zlin am 31.3.1945.
Nach Angabe aus dem Brief eines Zeitzeugen an den Autor des Buches Hyeny flanierte am 31.3.1945 ein großer, schlanker Mann über den Marktplatz von Zlin von einem Schaufenster zum anderen, als neben ihm an der Bordsteinkante ein Dienstwagen der Gestapo hielt. Der darin sitzende Gestapomann wies den Bummelanten an einzusteigen und dieser folgte ohne Zögern in vollem Vertrauen. Das Fahrzeug fuhr rasch davon und erweckte keinerlei Aufmerksamkeit. Dazu sagte der Gestapofahrer Wendl bei seiner Vernehmung im Mai 1945 aus: »Kurz nach 11 Uhr machte mich bei der Fahrt über den Marktplatz in Zlin der Gestapomann S. auf den bummelnden Herrn Franz Foukal aufmerksam und wies mich an, neben ihm zu halten. Ich befolgte diesen Befehl und F.F., der beim Halten des Wagens herbeieilte, setzte sich zu dem Gestapomann S., der seinen auffordernden Wink mit den Worten ergänzte: "Franz, du mußt mit mir kommen, da wirst du uns etwas erläutern müssen". Dann unterhielten sich beide bis zur Dienststelle der Zliner Gestapo. F.F. ging mit dem Gestapomann in freundschaftlichem Einvernehmen in dessen Büro und etwa eine Stunde später wurde Alarmbereitschaft ausgerufen. Alle anwesenden Gestapoleute samt ihren Fahrern rückten voll bewaffnet in Richtung Freistadtl aus. Die Besatzung des Wagens, den Wendl steuerte, unterhielt sich darüber, wie sie sich der sowjetische Fallschirmspringerinnen bemächtigen sollten. Wie sie von F.F. erfahren hatten, hielten sich diese schon längere Zeit in Foukals Haus auf der Žabárna verborgen. Die Expedition endete, wie bekannt, mit dem Tod der Fallschirmspringerinnen. Die Familie des F.F. kam aus dieser Sache heraus, ohne Schaden zu nehmen und Foukal wurde nach Miröschau eskortiert in Diensten der Zliner Gestapo« (byl eskortován do Mirošova ve službách zlínského gestapa).
[5]Jaroslav Trunda aus Zelechowitz (Zelechovice n. Dřevnicií war ursprünglich Angehöriger der Geheimen Sicherheitspolizei. Steht in Zusammenhang mit der Ermordung des Visowitzer Pfarrers am 10. 12. 1944. Mithäftling Foukals in Miröschau, wohin er wegen Schiebergeschäften, begangen wahrscheinlich bei der Fa. Bata in Zlin, gekommen ist. Er ist informiert über die Taten Foukals nach der Befreiung und über das Gold, das in den Besitz Foukals gekommen ist; abgenommen von Wehrlosen, zumeist Frauen. Nach dem Krieg ist er Angehöriger der Untersuchungskommission des ONV Zlin in Strafverfolgungsverfahren gegen Partisanen. 1946 ist er Angehöriger der Zliner Sektion des ZOB (Zemský odbor bezpečnosti). Dort wegen Finanzmanipulationen entlassen.
[6]Die Partisanen fotografierten im Gegensatz zu konspirativen Regeln gerne in verschiedenen Situationen, um später ihren Anteil am Widerstand dokumentieren zu können. Ein Verräter in ihren Reihen genügte, daß solches Bildmaterial in die Hände der Gestapo gelangte. Foukal ging häufig zu den Partisanen, um zu fotografieren. Über diese "Vorliebe" sagte er nach dem Krieg bei einer seiner Vernehmungen aus: »Ich fotografierte Partisanen nicht nur für falsche Ausweise, sondern aus deshalb, um ihre Widerstandstätigkeit für die Historie einzufangen.« Es ist daher wahrscheinlich, daß die aus Miröschau gezeigten Bilder Foukal entweder selbst gemacht hat oder in Auftrag gab.
[7]Nach der Aussage von Trunda erbeutete die Gruppe Brdy nach dem 5.5.1945 etwa drei Koffer gefüllt mit Wertgegenständen, wie Armbanduhren, Ringe, Feuerzeuge, Füllfederhalter u.ä.
[8]Dajan Bajanovič Murzin, baschkirischer Nationälität. Fallschirmspringer und Stabschef der Partisanenabt. Jan Žižka. Nach dem Tod des Anführers der Gruppe im November 1944 wird er im Alter von 24 Jahren Befehlshaber dieser Abteilung im Rang eines Majors. Er erschießt eigenhändig Verräter; am 10.4.1945 auch den Politkommissar der Abteilung, Stabskapitän Ivan Petrovič Stěpanov. Darüber gibt es mehrere Versionen. Er ist ferner verantwortlich für die Erschießung Gefangener.
[9]Namentlich genannt werden die Partisanen Valnoha und Puzej. Die Gruppe trifft Mitte Mai 1945 in Zlin ein.
[10]Ein Teil der Waffen wurde gemäß Weisung der sowjetischen Besatzung in Zlin abgegeben der größere Teil in einer Fabrik deponiert. Foukal erwirkt die Herausgabe von Waffen und Ausrüstung, die an verschiedenen Orten versteckt wird, so auch in Foukals Haus. Der in der Fabrik verbliebene Teil wurde auf Befehl des Stadtkommandanten Jegorow von der Roten Armee sichergestellt. Nach Foukals Festnahme auf Weisung der sowjetischen Militärpolizei wurden in seinem Besitz gefunden: eine Maschinenpistole, Pistolen, Jagdwaffen, Kompasse, Schlafsäcke, Fliegerkombinationen, ein Funkgerät, Zelle usw. Ein Teil war verborgen in der hohlen Decke seiner Garage, ferner im Kaninchenstall sowie im Garten.
[11]Josef Vávra, gebürtig aus Gr.Lhotta bei Malenitz, ursprünglich Lehrer. Nach Kriegsende kurzzeitig Bürgermeister in Zlin. Wegen seiner Protektoratsvergangenheit zum Rücktritt veranlaßt.
[12]Major Murzin war nach Durchlesen der umfangreichen Meldungen über die Tätigkeit der Partisanengruppe Foukals sehr erregt und verlangte, daß ihm Foukal vorgeführt werde. Gewarnt floh dieser aus Zlin in die Wohnung eines Bekannten in Bistritz am Hostein. Hier verbarg er sich, bis Murzin aus der Tschechoslowakei abgereist war.
[13]Angehörige der Ukrainische Aufständischenarmee UPA, genannt nach dem Anführer Bandera.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(2) (1999), S. 164-167.


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