Leserbriefe

zu: D. Irving, »Menschenhäute…«, (VffG 2/1999, S. 214ff.)

Gutachten über Menschenhäute

Sehr geehrter Herr Rudolf,

mir ist überhaupt nicht vorstellbar, daß es grundsätzlich möglich sein soll, etwas, was den Namen "Leder" verdient, von Menschen herzustellen. Seit 1945 gibt es diese Greuelgeschichten, die offenkundig unwahr sind. Nun hat aber David Irving mit seiner Autorität etwas gebracht, was als Greuelpropaganda mit Menschenhaut ausnahmsweise einmal nicht gegen die Nazis sondern gegen Machthaber der Französischen Revolution gerichtet ist. Damit wird aber der Ansicht Vorschub geleistet, so etwas wie Leder aus Menschenhaut sei tatsächlich möglich gewesen. Genau das aber sollte doch zunächst einmal grundsätzlich durch forensische Untersuchungen erforscht werden. Wäre das nicht eine Herausforderung für Sie?

WIT

zu: M. Shermer, »Versuch der Widerlegung…«, (VffG 2/1999, S. 173-175)

Chercher le juif

Prof. Dr. Michael Shermer findet, Revisionisten seien von allen jüdischen Dingen fasziniert – oder besser besessen; er selbst kümmere sich nicht um die Motive anderer Gruppen als der Juden, weil er sich nicht dafür interessiere (VffG 2, 1999, S. 174). Bradley Smith schrieb kürzlich:

»Es darf allerdings nicht verschwiegen werden, daß es auch Personen gibt, die die revisionistischen Theorien benutzen, um Juden anzugreifen. […] Wir verstehen den Revisionismus als Werkzeug, aus der Überlieferung alles Falsche und Unwahre auszuscheiden. Wenn dies bewältigt ist, kann der grassierende konservative Traditionalismus, der Heiliger des Unheiligen, nicht mehr als Werkzeug gegen Juden oder irgendeine andere ethnische Gruppe gebraucht werden.« (»Die Holocaustkontroverse«, in: Sleipnir 1/1999, S. 26).

So einfach, wie die beiden Herren es sich machen, ist die Sachen eben nicht. In meinen Aufsätzen »Rückblick auf den Revisionismus«, »Wahnwelten« und »Warum?« (vgl. dieses Heft) hatte ich versucht, auf das unterschiedliche Selbst- und Wirklichkeitsverständnis hinzuweisen und zu zeigen versucht, daß hier der eigentliche Knackpunkt liegt. Das nachzuvollziehen ist nicht leicht, denn natürlich meint jeder, die anderen müßten oder sollten genauso denken wie man selbst.

»Willst Du Deinen Feind verstehen, mußt in Feindesland Du gehen!« wandelte Lenin ein Goethe-Wort ab (nach Goethes West-Östlichen Diwan: »Wer den Dichter will verstehen, / Muß in Dichters Lande gehen«, nach Louis Althusser: Die Zukunft hat Zeit – Die Tatsachen – Zwei autobiographische Texte, S. Fischer, Frankfurt a.M. 1993, Anm. S. 209). Geistig verstanden natürlich.

Meine These Nr. 1: Der Holocaust hat für Juden eine völlig andere Bedeutung als für uns. Diese Einsicht scheint banal, aber es geht um wesentlich mehr als nur um die ökonomische Ausbeutung.

These Nr. 2: Die Regierungen schützen die jüdische Version gegen das je eigene Staatsvolk – aus Angst vor jüdischen Repressionen – gegen besseres Wissen. Es ist daher müßig, von dorther eine Änderung zu erwarten.

These Nr. 3: Mit der Argumentation auf der sachlich-technischen Ebene kommen wir nicht weiter. Es ist, als wollte man einen Baum mit der Nagelschere beschneiden; er treibt höchstens noch üppiger aus.

These Nr. 4: Sollte eine Bekämpfung des Holocaust-Mythos überhaupt Erfolg haben, so wäre die Axt am Stamm anzusetzen – oder man muß die Wurzeln ausgraben. Dazu muß man die Biologie des Baumes kennen und studieren.

Hans Schmidt hat kürzlich in einem seiner GANPAC-Briefe darauf aufmerksam gemacht, daß Simon Wiesenthal, der selbsternannte »Keeper of the Flame of Remembrance« (Hüter der Erinnerungsflamme) in einem seiner response-Hefte anläßlich seines 90. Geburtstages (congratulations!) die sechs Millionen Gott gleichgesetzt hat:

»I believe in God and the world to come. When each of us comes before the six million, we will be asked what we did with our lives . […] I will say, "I did not forget you." […]« (Ich glaube an Gott und die kommende Welt. Wenn jeder von uns einst vor den sechs Millionen steht, werden wir gefragt werden, was mir aus unserem Leben gemacht haben… Ich werde antworten, "Ich habe Euch nicht vergessen."…, response vol. 20, no. 1, 1999, Titelseite, Hervh. d. mich).

Bestätigung findet diese Denkweise in einem Beitrag von Dr. Daniel Krochmalnik, einem Experten für jüdische Tradition, über »Die Haggada der Schoah« (Die Haggada ist der erzählerische, nichthalachische Teil der mündlichen Thora):

»Die Haggada für die Überlebenden muß eine Haggada Gottes sein: eine Erzählung von den LEIDEN EINES MILLIONENFACH VERNICHTETEN GOTTES. Eine solche Haggada finden wir nicht nur bei Autoren, die die Schoah überlebt haben, angedeutet, sondern schon in der ältesten rabbinischen Tradition. So faßten die Kabbalisten, gestützt auf alte rabbinische Vorstellungen, die Haggada als Erzählung von DEN LEIDEN GOTTES IM EXIL AUF und deuteten […] den Sinn der einzelnen Bräuche als symbolische Handlungen zur Errettung Gottes.« (Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Nr. 46, April 1991, S. 6, Hervh. d. mich).

Diese Sichtweise wird nur verständlich angesichts der Selbstvergottung der Juden. J. G. Burg schrieb einmal:

»Gewisse Stellen im Talmud lassen auch die Ansicht zu, nicht Jehova habe die Hebräer zum Auserwählten Volk auserkoren, sondern die Hebräer hätten sich Jehova als ihren Gott ausgewählt.« (Schuld und Schicksal, Damm-Verlag, München 41965, S. 188)

Der israelische Philosoph Jeshajahu Leibowitz erklärt uns das Verhältnis der Juden zu ihrem Gott wie folgt:

»Über den Satz des Jesaja (Jes. 43,12) "Ihr seid meine Zeugen, spricht der Herr, und ich bin Gott" wagt der Midrasch [das ist die homiletische, erzählerische und rechtliche Auslegung und Erklärung der hebräischen Bibel] zu sagen: "Wenn ihr meine Zeugen seid, bin ich Gott; wenn ihr nicht meine Zeugen seid, bin ich sozusagen – nicht Gott".« (Gespräche über Gott und die Welt, Dvorah, Frankurt, a.M. 1990, S. 133)

Und weiter:

»Der einzige jüdische Inhalt, den viele jüdische Intellektuelle in ihrem Judentum fühlen, ist die Beschäftigung mit der Shoah: "Wir sind das Volk, dem man das angetan hat." Diese Juden ersetzen das Judentum durch die Shoah.« (S. 98)

Und die Schoah ist Gott – und der Kreis, schließt sich:

»Der Gott eines mythischen Volkes ist nichts anderes als das Volk selbst, sofern es eine reale lebensgesetzliche Einheit ist, sofern sich seine biologischen Kräfte zu einer Ganzheit summieren lassen. Ist der Zusammenschluß möglich, so ist der Gott da […] – mißlingt der biologische Zusammenschluß aus irgendeinem Grunde, so weicht der Gott von dem Volke. […] Der mythische Gott ist die lebensgesetzliche Macht seines Volkes.«

Dies schrieb Erich Unger in Wirklichkeit – Mythos – Erkenntnis (Oldenbourg, München und Berlin 1930, S. 91). Er bezog sich dabei auf das Buch Die Wirklichkeit der Hebräer – Einleitung in das System des Pentateuch von Oskar Goldberg (Bd. 1, David, Berlin 1925). Versucht man einmal, diese selbstreferentielle Denkweisen nachzuvollziehen, so dürfte deutlich werden, daß jeder sachlich-revisionistische Einwand abprallt wie Regentropfen an einem Panzerglas.

Auf ein die Wirklichkeit in unserem Sinne leugnendes Geschichtsverständnis und den kabbalistischen Hintergrund hatte ich bereits hingewiesen. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind in dieser Hinsicht immer wieder erhellende Mitteilungen zu verdanken. So berichtete sie kürzlich über den Vortrag des israelischen Philosophen Avishai Margalit im Rahmen einer Max-Horkheimer-Vorlesung an der Frankfurter Goethe-Universität über die »Ethik des Gedächtnisses«: Nicht die Frage nach tatsächlichen Wirkungsketten verbinde Vergangenheit und Gegenwart, sondern die nach den durch und durch moralischen Einstellungen, die zum Vergangenen eingenommen werden. Name und Gedächtnis seien Indikatoren für eine »ethischen Gemeinschaften« zugrundeliegende INTEGRATION DER TOTEN durch wechselseitige Fürsorge. Rituell werde auch dann erinnert, wenn der Gegenstand des Erinnerns nicht nur längst vergangen ist, sondern in vielen Fällen vermutlich NIEMALS EXISTENT WAR: die Stunde Null, der Auszugsmythos, der souveräne Wille der Verfassungsgebung, das ursprüngliche Opfer oder der Gründungsheroe (nach Jürgen Kaube, »Mit Lücken«, FAZ, 26.5.99, S. N5). Schon Jörg von Uthmann, der frühere New York-Korrespondent der FAZ, hatte geschrieben:

»Hat Moses überhaupt gelebt? Außerhalb der Bibel ist weder von ihm noch von Abraham, David oder Salomo die Rede. Die ungemein ausführliche ägyptische Geschichtsschreibung schweigt von einem Minister Joseph ebenso wie vom Auszug der Kinder Israel nebst Untergang der ägyptischen Armee im Roten Meer – Ereignisse, die, wenn sie stattgefunden haben, tiefe Eindrücke hinterlassen haben müssen.« (Doppelgänger, du bleicher Geselle, Knaur, München 1983, S. 91)

Der angebliche Mord an diesem vermutlich niemals existent gewesenen Gründungsheroen stellt nun nach Freud das frühe Trauma der Juden in ihrer Latenzphase auf dem Weg zum Monotheismus dar. NUN KOMMT ES ABER NICHT AUF DEN TATSÄCHLICHEN VOLLZUG DER TAT IM SINNE EINES JURISTISCHEN TÄTBESTANDES AN: Die Tötungsabsicht ist völlig ausreichend, um sich zu einem Tätertrauma zu entwickeln und den Mord als "historische Wahrheit", zu etablieren. Für Freud war ebenso wichtig wie der Mord an Moses das Verschweigen dieser Tat in den Quellen. Die bewußte Erinnerung darf von diesem Mord nichts wissen, wenn die Dynamik von Abwehr, Verdrängung, Latenz und Wiederkehr des Verdrängten zum Zuge kommen soll. (nach Jan Assmann, »Tagtraumdeutung«, FAZ, 1.7.99, S. 48). Übrigens wird Moses auch in der Haggada nicht einmal erwähnt (Leo Prijs, »Moses, unser Lehrer«, in: Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Nr. 46, April 1991, S. 6).

Und jetzt kommt der Bezug zur Gegenwart:

»AUSCHWITZ IST ALS TÄTERTRAUMA SACHE EINER NACHTRÄGLICHEN ERFAHRUNG (Assmann, aaO. , Herv. d. mich)

Darüber sollte nachgedacht werden – solange man noch denken darf.

Prof. Friedrich Georg Friedmann, der bis zu seiner Emeritierung nordamerikanische Kulturgeschichte an der Universität München lehrte, bekannte:

»[…] der jüdische Mensch scheint mir unter anderem dadurch gekennzeichnet zu sein, daß "sich erinnern" für ihn fast notwendigerweise "gedenken" bedeutet. Dieses Gedenken wiederum, was auch sonst sein Inhalt sein mag, schließt stets das Gedenken an den Ursprung des jüdischen Volkes mit ein. In anderen Worten, die Biographie oder Autobiographie eines Juden beginnt stets mit der Biographie des jüdischen Volkes selbst. – DIESES JÜDISCHE VOLK IST IM GEGENSATZ ZU ANDEREN VÖLKERN NICHT AUS DEM MUTTERSCHOSS DER NATUR ENTSPRUNGEN(FAZ, 20.3.89, S. 12, Herv. d. mich)

Letzteres muß wohl stimmen, denn wie könnte man sich sonst an Dinge erinnern, die vermutlich niemals existent gewesen sind? Robert B. Goldmann, Publizist und ADL-Agent aus New York, schrieb in der FAZ:

»Es ist charakteristisch für die Grundeinstellung amerikanischer Juden, daß Tatsachen, die ihrer Gefühlswelt widersprechen, wenn überhaupt, wenig Eindruck machen.« (FAZ, 19.12.97, S. 9).

Das neue Zauberwort heißt »Affektlogik« (Luc Ciompi, »Affektlogik – die Untrennbarkeit von Fühlen und Denken«, in: Jutta Fedrowitz (Hg.), Neuroworlds, S. 117-130). Der Trick ist ebenso alt wie primitiv: Verhaltenstherapie mit Zuckerbrot und Peitsche. Gebranntes Kind scheut das Feuer. Soll also irgendein Verhalten oder Gedächtnisinhalt negativ besetzt werden, so droht man mit dem Feuer oder mit Vernichtung. Der Verhaltensneurobiologe Prof. Niels Birbaumer von der Universität Tübingen meint, geboren werde der Mensch mit einem leeren Speicher namens Gehirn, das mit einem »biblischen System« ausgestattet sei. Ein Mechanismus, der entscheide, was dem Organismus nutze und was ihm schade, entscheide darüber, welche Informationen ins Langzeitgedächtnis übernommen werden. Dort bleibe ausdauernd nur haften, was mit einem hohen emotionalen Eindruck versehen sei. (nach Alexander Kissler, »Was darf auf der gebildeten Welt fehlen?«, FAZ, 13.7.99, S. 49). Er sprach auf einem Kolloquium, das sich der Frage stellte: »Wer entscheidet, an was wir uns erinnern?«

Als der französisch-jüdische Revisionist Roger Dommergue de Ménasce 1972 Israel besuchte, sprach er mit einem Historiker über die Nützlichkeit der Holocaust-Propaganda. Der meinte:

»Wir müssen die Goyim immer beim Kragen packen, wie kleine Hündchen und sie mit der Nase in die Sch.... drücken, und ich bürge dafür, daß sie jedesmal, wenn wir das tun, sich schuldig fühlen werden. Und glauben Sie mir, der amerikanische Kongreß wird jedesmal 10 Milliarden Dollars bewilligen. Denn ich sage Ihnen, wenn man irgendeine Gruppe von Menschen wie Hündchen behandelt, dann können Sie sie aus ihrem Nachttopf essen lassen. Es ist das einzige Mittel, die Goyim unter unserem Stiefel zu halten. Schließlich sind es wir Juden, die die Wissenschaft der Psychologie erfunden haben; also weshalb sollten wir so dumm sein, sie nicht zu unserem Vorteil anzuwenden? Man sagt oft, daß das Christentum die Hauptursache des Antisemitismus sei. Das ist gänzlicher Unsinn. Ich sage Ihnen, das Christentum ist der positivste Irrtum, den wir jemals begangen haben. Es erfüllt die Goyim mit Schuldgefühl. Es macht seelische Krüppel aus ihnen.« (J’ai mal de la terre, Selbstverlag, Chateauroux).

Affektlogik wird auch unter dem Stichwort »Emotionale Intelligenz« (EI) gehandelt. Reinhart Koselleck brachte das einmal so auf den Punkt:

»Aber die Unaustauschbarkeit eines primären Erfahrungswissens läßt sich nicht überbieten: WISSEN IST BESSER ALS BESSERWISSENGlühende Lava, zur Erinnerung geronnen«, FAZ, 6.5.95, Beilage, Herv. d. mich).

Revisionisten sind natürlich die lästigen Besserwisser.

Ein entscheidender Punkt bei jeder Religionsbildung ist die Tabuisierung wesentlicher Inhalte. Ein gewisser Fabricius konnte, als er mit einem Teleskop die Sonnenflecken entdeckt hatte, darüber in deutschen Landen nicht berichten, da die Sonne damals als Synonym für die unbefleckte Maria galt. Heute sieht sich Dr. Eduard Peter Koch vom Staatsschutz geschützt, wenn er die Maria als »Leihmutter Gottes« bezeichnet (VffG 2/99, S. 234). Der Fernsehpastor Jürgen Fliege durfte bekanntlich im Erotikmagazin Penthouse Gott unter anderem als »Gangster da oben« bezeichnen (nach Reiner Burger: »Aus für Fliege«, FAZ, 30.6.99, S. 46). Von den Gangstern hier unten aber spricht man nicht gern, da sie sich mit dem Heiligenschein selbstkonstruierter Göttlichkeit umgeben.

Sonja Margolina zitiert in ihrem Buch Das Ende der Lügen (Siedler, Berlin 1992, S. 102) Istvàn Bibó:

»Was Nützliches kann schließlich ein Jude einem anderen Juden im Zeichen des Kampfes gegen den Antisemitismus sagen? – Tretet aus der Geschlossenheit eurer subjektiven Erfahrungen heraus und verwechselt nicht die Produkte eures Geistes mit der Realität.«

Ernst Manon

zu: G. Rudolf, S. Schröder, »Partisanenkrieg…« (VffG 2/1999, S. 145-153)

Sehr geehrter Herr Rudolf,

während meines Studiums arbeitete ich in den Anfangs-60ern mehrmals im Bundesarchiv/Militärarchiv in Koblenz. Bei meiner Materialsuche stieß ich u.a. in den Akten des Pers.St.RFSS auf zwei Schreiben, die für meine Belange damals zwar unerheblich aber trotzdem interessant waren. Den Inhalt hatte ich ohne Rücksicht auf Dokumentenkritik abgeschrieben und vor einiger Zeit in meinem Apparat zufällig wieder "entdeckt". Unter Bezugnahme auf die in der Juni-Ausgabe der VffG veröffentlichten Arbeiten »Partisanenkrieg und Repressaltötungen« – hier das Probleme der Verifikation der Echtheit der »Ereignismeldungen« – und die in »Geschichte und Pseudogeschichte, Teil 2« mit der dort erwähnten "Tarnsprache" seien diese beiden Schreiben – obgleich Marginalien – nachfolgend zitiert.

ZU »EREIGNISMELDUNGEN«:

Schreiben v. 19. Juli 1944 an den Chef des Pers.HA Maximilian v. Herff, Verfasser/Absender unbekannt:

»Mein lieber Max,

Du hast mich nun in langen Jahren ziemlich genau kennengelernt, vielleicht schätzt Du mich sogar, ich denke es wenigstens.

Ich weiß nicht ob ich hier bleiben kann.

Es gibt Dinge in denen ich keinen Spaß verstehe, bei denen ich auch zur kleinsten Aufgabe meiner Gedanken n i c h t bereit bin. Das sind Meldungen dienstlicher Art.

Meiner Meinung nach sind die Meldungen, die von hier abgehen an den RFSS "frisiert".

Man sprach, lange bevor ich hier einspazierte – in der Ukraine ganz offen davon, daß die Verlustmeldungen der eigenen Truppe falsch seien. Man sagte, daß die Ziffern künstlich kleingehalten würden, um die "Erfolge" in besonderem Licht erscheinen zu lassen. Ich wage nicht anzudeuten, aus welchen Gründen das geschah.

Als ich einen Tag hier war, wurde mir vom Ia ganz offen gesagt, daß hier Dinge sich abspielen, die unrichtig wären. Die gleiche Versicherung gab mir der bisherige Chef des Stabes, dem man im übrigen meinen Posten versprochen hatte. Das war alles am 2. Tage meines Hierseins. Ich habe beiden Herren erklärt, daß ich unter diesen Umständen hier nicht bleiben könnte. Man riet mir den Versuch zu machen und die Lage zu ändern. Ich habe das bekanntlich getan. Gestern hat ein Gauleiter und Gen.Kommissar Geheimberichte hier veröffentlicht ohne dies zu wollen und zu wissen (die für den Führer bestimmt waren) aus denen hervorgeht, daß bei rund 6000 toten "Partisanen" etwa 480 Gewehre gefunden wurden. Kurz und gut, es wurde [würde?] eben alles erschossen, um die Feindzahl zu heben und damit die eigenen "Heldentaten".

Ich sehe ganz klar vor Augen, daß mit diesem System der Anfang von Ende für den Winter 43/44 gegeben ist. Im Hinterland und damit auch für die Front. Das Wachsen der Banden ist aber einzig und allein auf d i e s e Art der Behandlung der Russen zurückzuführen. Ich habe Dir bereits früher mehrfach meine Bedenken über die Art des "Kolonisierens" mitgeteilt, arbeitet man heute mit d e m System, dann habe ich keine Lust, daß man später mal auf Grund der Akten mir nachweist, daß ich ja mitschuldig sei an der Irreführung des RFSS. Es m ü s s e n Tote vorhanden sein, sie mögen kommen woher sie wollen, s o n s t ist der betreffende Führer kein F ü h r e r und kein Soldat. Daß er dann auch keine Auszeichnung bekommt, das kommt dann noch hinzu.

Der RFSS "mag" mich, mir tut das alles sehr leid, da meine Liebe zu ihm bestimmt noch größer ist. Aber Max ich bin kein Gauner und werde auch keiner werden.

Ich habe die Frage der "6000/480" – siehe oben, sofort in d e m Sinne angeschnitten. Antwort? "Sie scheinen nicht zu wissen, wie die Banden die Waffen vernichten um dem Tod zu entgehen und um sich reinzuwaschen. Wie einfach muß das sein diese Banden niederzukämpfen –– wenn sie die Waffen vernichten!

Lieber Max ich diene der Sache, nicht einer Person und auch nicht einer Reihe von Trugschlüssen.«

Der vorstehende Text läßt sicher mehrere Interpretationen zu:

  1. Der Verfasser spricht davon, daß die dienstlichen Meldungen »frisiert« würden. Expressis verbis bezieht sich das auf die »Verlustmeldungen der eigenen Truppe«. Indiziell läßt sich aber aus dem gesamten Text auch schließen, daß er die Zahlenangaben in toto anzweifelt, also auch – schon wegen der sonst entgangenen Auszeichnungen! – die der tot gemeldeten "Partisanen": »Es m ü s s e n Tote vorhanden sein«.
  2. Der Verfasser hatte offensichtlich keine Kenntnis von irgendeinem Befehl zur im Zuge der Partisanenbekämpfung bevorzugten Ausrottung der Juden: »es wurde eben alles erschossen«. Er verweist dabei auf die Art der »Behandlung der R u s s e n«, und die Art des »Kolonisierens«. Keine dieser Bemerkungen deutet auf eine Exklusivität in Bezug auf die Erschossenen hin: »Tote […] sie mögen herkommen, wo sie wollen«.
  3. Evident auch, daß der Verfasser deutlich zu erkennen gibt, daß es innerhalb der SS keinen Konsens in der Frage der Behandlung der "Untermenschen" gegeben hat – ob nun aus pragmatischen Gründen der für die Front unabdingbaren Beruhigung des Hinterlandes oder ob womöglich moralische Hemmungen hier im Spiele waren. Er jedenfalls ist nicht bereit, sich mit »d e m System« zu arrangieren und hat wohl auch keinerlei Bedenken dies zu äußern – auch nicht gegenüber dem RFSS.
  4. Zudem scheint er sich sicher zu sein, daß diese Vorgänge ohne Wissen, ja gegen den Willen Himmlers stattfinden, denn er bezeichnet diese Vorgänge als: »Irreführung des RFSS«, an der er nicht »mitschuldig« sein möchte.

ZUR "TARNSPRACHE"

Schreiben RFSS, Feldkdo.St. vom 27.Oktober 1942

»An HSSPF Ukraine, SS-Ogrufü.und Gen.d.Polizei

Prützmann

Kiew:

Der Wehrmachtführungsstab teilt mir mit, daß die Strecke Brest/Gomel immer mehr durch Bandenüberfälle leidet und dadurch der Nachschub für die kämpfende Truppe in Frage gestellt wird.

Auf Grund der mir vorliegenden Meldungen ist das Ghetto in Pinsk als Zentrale der gesamten Bandenbewegung in den Pripjetsümpfen anzusehen. Ich befehle Ihnen daher, trotz Bestehen wirtschaftlicher Bedenken das Ghetto in Pinsk sofort auszuheben und zu vernichten.

1000 männliche Arbeitskräfte sind, falls es die Aktion erlaubt, sicherzustellen und der Wehrmacht für die Fabrikation der Holzhütten zu überstellen. Die Arbeit dieser 1000 Arbeitskräfte darf jedoch nur in einem geschlossenen und sehr bewachten Lager stattfinden. Falls diese Bewachung nicht garantiert ist, sind auch diese 1000 zu vernichten.

gez. H. Himmler«

Unter der Voraussetzung, daß dieser Brief echt ist – s. hierzu ob. »Dokumentenkritik« – steht darin im Klartext was zu geschehen hat: Es heißt eben z.B. nicht, daß das Ghetto "aufzulösen" ist, die Insassen "nach X zu verbringen" sind, sondern unmißverständlich, sie sind »auszuheben und zu vernichten«. Nun könnte es zwar sein, daß ein direkter Befehlsweg zwischen dem RFSS und einem HSSPF keinerlei Sprachakrobatik bedurfte. Da das Schreiben aber keinen besonderen Vermerk der Geheimhaltung trägt, war der Inhalt auch nicht exklusiv dem HSSPF vorbehalten. Der Vorwurf der sprachlichen Camouflage wurde im übrigen ja auch im Falle des "Stroop-Berichtes" erhoben. Die dort erwähnte Verbringung der Juden »nach T4« sei gleichbedeutend mit deren Tötung gewesen. Nur, der "Stroop-Bericht", von dem es angeblich drei Exemplare (eines davon, das in Nürnberg vorgelegt worden war, mit Sicherheit gefälscht) gegeben haben soll, war für den RFSS gedacht – eine Tarnsprache zwischen Stroop und dem RFSS hätte sich in diesem Falle dann ebenso erübrigt wie zwischen Himmler und Prützmann.

Mit freundlichem Gruß

KIH

zu: J. Nugent, »Der große Patentraub…« (VffG 3/1999, S. 245-250)

Verehrte Redaktion,

Robert Koch als jüdischen Forscher zu bezeichnen, beruht auf horrender Unkenntnis. So etwas dürfte eine Redaktion nicht passieren. Niemals wäre dann 1938 der Film gedreht worden, der Robert Koch als großen Deutschen herausstellte. »Und Paul Ehrlich war Schüler des nichtjüdischen Wohltäters der Menschheit Robert Koch« (Zitat aus David Korn, Wer ist wer im Judentum, Band I, München 1996, S. 115.) Und Paul Ehrlich ist auch nicht 1984 geboren. Auch 1884 wäre falsch. Er wurde 1854 geboren.

Falsch ist auch die Fotobeschriftung S. 246. Hermann Oberth steht im Profil direkt rechts neben der Rakete in einem dunkleren Mantel. Auch Wernher von Braun ist falsch bezeichnet, er steht rechts von dem Mann mit der Stabrakete im hellen Mantel, ist also die zweite Person von rechts. Meinen Verdacht, daß beide Personen falsch bezeichnet sind, fand ich erst Tage später bestätigt in dem bekannten Bildband Unser Jahrhundert im Bild, S. 349, wo dieses Foto abgedruckt ist und worin Oberth und v. Braun als die Personen bezeichnet sind, die auch ich als diese genannt habe.

Solche elementaren Fehler dürfen einfach nicht vorkommen, damit Ihre Glaubwürdigkeit nicht geschmälert wird.

Mit freundlichen Grüßen

O.A., Murrhardt

ANMERKUNG DER REDAKTION

Verlassen wir uns auf unsere Autoren, so sind wir verlassen…


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(4) (1999), S. 469-472.


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