Leserbriefe

zu R. Wiesenberg »Grenzen der Naturwissenschaft«, VffG 3/1999, S. 298-307

Sehr geehrte Damen und Herren,

bekanntlich hat sich die "Political Correctness" in vielen Bereichen der modernen Gesellschaft breitgemacht, insbesondere im Gebrauch der Sprache. Diese Zeiterscheinung hat der Linguistiker Dieter E. Zimmer in seinem Buch Deutsch und anders – die Sprache im Modernisierungsfieber (rororo Sachbuch) analysiert und einer tiefgreifenden Kritik unterzogen. Wissenschaftliches Vorgehen war dabei oberstes Gebot.

Der Autor behandelt auch den Prozeß der Wahrheitsfindung, bei dem die Wissenschaft eine entscheidende Rolle spielt. Seine Beschreibung des Wesens der Wissenschaft halte ich für so bedeutsam, daß ich sie hier zitieren möchte. Im Einzelnen heißt es:

»Die Wissenschaft ist nicht, wofür viele sie immer noch halten: eine Ansammlung von Theorien, die sich ein paar Spezialisten nach den der Allgemeinheit verschlossenen Regeln ihrer Kunst ausgedacht haben. Schon gar nicht ist sie das, was ein paar auserwählte Autoritäten in kanonischen Texten festgehalten haben. Die Wissenschaft ist überhaupt kein bestimmter Wissensbestand, sie ist ein Prozeß der Erkenntnisgewinnung, und zwar ein offener Prozeß, der keinem bestimmten Ziel zustrebt und an keinem Ende ankommt. Dieser Prozeß wird von einigen einfachen Regeln gesteuert, die keine Ausnahme zulassen. Sie lauten: Jede Idee ist willkommen. Jede Idee muß sich jederzeit der Kritik stellen. Jede Idee gilt nur so lange, bis eine überzeugendere Idee sie überwunden (oder absorbiert) hat. Also gibt es in der Wissenschaft keine absoluten Wahrheiten: Alles, was für wahr gehalten werden will, muß auf den Tisch und stellt sich einer allgemeinen Debatte. Also gibt es auch keine letzten Autoritäten: Kein Papst, kein Seher, kein Philosophenkönig, kein Diktator, kein Parlament, auch kein Nobelpreisträger hat in der immerwährenden Debatte je das letzt Wort.

Diese kritische Debatte ist eine spezifische, eben die wissenschaftliche Art der Erkenntnisgewinnung. Ihre beiden Grundpfeiler lauten: Eine Behauptung muß in sich logisch widerspruchsfrei, und sie muß falsifizierbar sein – das heißt, sie muß die systematische Suche nach Gegengründen zulassen und aus dem Test unwiderlegt hervorgehen. So und nur so können objektive, universal gültige Erkenntnisse gewonnen werden.« (S. 115f.)

Den Erzfeind der Wissenschaft sieht der Verfasser im Fundamentalismus. Zitat:

»Der Fundamentalismus ist keine bestimmte religiöse oder weltanschauliche Glaubensdenomination. Er ist eine Geisteshaltung, die sich voll und ganz auf ein Narrativ [Erzähltes] verläßt, die lauter Antworten weiß und nie Fragen. Fundamentalisten sind im doppelten Sinn unbeirrbar: "nicht bereit, die Möglichkeit ins Auge zu fassen, daß sie im Irrtum sein könnten" (Rauch). Der Stil der Wissenschaft dagegen ist unbegrenzte Skepsis: Alles mag sich als falsch erweisen.« (S. 116)

Weiter heißt es:

»Alle Argumente erhalten in dieser Debatte eine Chance, auch die sonderbaren (die vielleicht einmal nicht mehr sonderbar erscheinen), sogar die tatsächlich oder scheinbar abstrusen (denn niemand kann schon vorher entscheiden, ob ein Argument abstrus ist). […] Daß alle Argumente ohne Gefahr für Kopf und Kragen vorgebracht werden können, ist ihr Lebenselixier.« (S. 117)

Diese Beschreibung der Prinzipien der Wissenschaft ist ebenso eindeutig wie überzeugend. Ein Herummäkeln daran, wie etwa in dem Beitrag »Grenzen der Naturwissenschaft« von Rolf Wiesenberg geschehen, ist vollends unproduktiv und bringt uns nicht weiter. Im übrigen wäre dann auch Ihrer Arbeit in der Geschichtsforschung die Grundlage entzogen.

Wenn man sich indessen die Wirklichkeit in der etablierten Geschichtsforschung ansieht, könnte man schier verzweifeln und denken, wir lebten in einer Welt von Schwindlern oder günstigstenfalls von Dummköpfen. Den Juristen, die man auf die Revisionisten angesetzt hat und die ihre Gebetsmühlen auf die "Offenkundigkeits"-Phrase programmiert haben, sollte man die oben beschriebenen Wissenschaftskriterien unbedingt vor die Nase halten.

Mit freundlichen Grüßen

O.N.K


zu S. Crowell, »Bombenschutzeinrichtungen in Birkenau: Eine Neubewertung«, VffG 3&4/2000), S. 284-330

Werter Herr Crowell,

Ihr Artikel über deutsche Luftschutzbunker in VffG 3&4/2000 war äußerst interessant. Ich denke, daß Sie auf dem richtigen Weg sind. Viele Ihrer Beschreibungen und Ideen stimmen mit den Tatsachen überein, an die ich mich aus dem Zweiten Weltkrieg erinnere.

1. Ich erinnere mich, etwa 1940 eine Zeichnung von einem Splittergraben gesehen zu haben, der den von Ihnen genannten Splittergräben entspricht. Wenn Sie so eine Zeichnung noch nicht haben, könnte ich versuchen, in einem Archiv eine Originalzeichnung zu finden. Die Betondecke des Schutzgrabens wurde in der Regel in situ gegossen, aber auch Betonfertigteile waren möglich. Die Schutzgräben lagen normalerweise unter der Erdoberfläche.

Es ist aber denkbar, daß z.B., wenn das Grundwasser unter der Erdoberfläche anstand, der Graben nur tief in die Erde eingelassen und der Aushub entlang den Wänden und über der Decke angeschüttet wurde, und wenn das nicht reichte, daß man Erde von anderswoher mit Schubkarren ankarrte und anhäufte. Erde kostet nichts und ist überall verfügbar, alles, was man braucht, ist eine Anzahl ungelernter Arbeitskräfte mit Schaufeln und Schubkarren. Das könnten die "Hügel" sein, die Sie auf S. 300 erwähnen.

2) Ich glaube nicht, daß mit den »gasdichten Türmen« (S. 309) die Lüftungsrohre der Fa. Bako auf S. 305 gemeint sind. Kein Deutscher würde solche Röhren aus Blech oder Kunststoff von vielleicht 15 cm Durchmesser als Türme bezeichnen. Es scheint sich vielmehr um nach oben führende Notausgänge zu handeln, wie sie auf Ihren Abbildungen 12a und 12b zu sehen sind und die sich über den eigentlichen Bunker erheben wie die Türme einer mittelalterlichen Burg. Wenn diese Türme außerdem zur Lüftung genutzt wurden, so ist das plausibel. Solche Türme gab es schon 1938 bei den Bunkern des Westwalls. Ich habe aus meiner Erinnerung (die allerdings nicht ganz deutlich ist, weil ich damals noch kein ausgebildeter Ingenieur war) einen solchen Notausstieg gezeichnet. Das war ein Schacht von etwa 80 cm Durchmesser in der Bunkerdecke nahe der rückseitigen Wand, der sich oben in einem Betonrohr (Abwasserrohr) desselben Durchmessers fortsetzte. Der Bunker war zur Tarnung etwa 1 m hoch mit Erde abgedeckt, so daß das Rohr oben gerade die Oberfläche erreichte. Gegen den Regen war es mit einem leichten Deckel abgedeckt. Der Schacht war zur Oberkante der Bunkerdecke mit Kies gefüllt, damit Bomben oder Granaten, die zufällig das obere Ende des Schachtes trafen, nicht nach unten durchschlagen konnten. Ich lege eine Kopie aus einem Buch über den Westwall bei, auf der ein solcher Notausstieg von unten fotografiert ist. Der Text spricht von einem quadratischen Schacht 70×70 cm, aber das Foto zeigt einen runden Schacht mit einer flachen Seite, bei der es sich vermutlich um die Wand des Bunkers handelt.

Oben: Schemazeichnung des Bunker-Notausganges. Unten: Photo eines Bunker-Notausganges des Westwalls

Unterirdischer
Splitterschutzgraben

3) In Ihrem Dokument 26 wird ein mit Kies gefüllter Notausstieg erwähnt, den wir uns wie die Notausstiege in 2) vorstellen können. Besonders interessant ist aber die Nennung einer Nutzlast von 2000 oder 500 oder 5000 kg/m2. In der Baustatik unterscheidet man zwischen Eigenlast und Nutzlast. Eigenlast ist das Eigengewicht der Konstruktion, hier also der Betondecke. Nutzlast ist alles, was die Decke außerdem noch tragen muß: Personen, Möbel, Maschinen, Vorratsgüter etc. Da auf den Decken der Bunker nichts dergleichen vorkam, ist hier mit Nutzlast wahrscheinlich die Erdüberdeckung gemeint. Für Wohnräume rechnete man damals nach DIN 1055 mit einer Nutzlast von 200 kg/m² (Personen und Möbel), für Versammlungsräume mit 500 kg/m² usw. Wenn man die Nutzlast als Erdüberdeckung betrachtet, dann entsprechen 500 kg/m² einer Überdeckung von 25 bis 30 cm, 2000 kg/m² einer solchen von 1,00 bis 1,10 rn, 5000 kg/m2 einer von 2,50 bis 2,80 m. Letzteres war wohl ein Mißverständnis der Bauleitung; das Schreiben der Bauinspektion vom 18.9.1944 hatte wahrscheinlich nur eine Überdeckung von 25 bis 30 cm gefordert.

4) Was die Krematorien IV und V angeht, so glaube ich nicht, daß sie als Luftschutzräume geeignet waren. Heraklith ist eine Art starrer Filz aus Holzwolle, die mit einer Mischung aus Magnesiumoxyd und Magnesiumchlorid, einem sogenannten Sorel-Zement, getränkt ist, die Festigkeit ist nicht viel höher als die von Pappe. Heraklithplatten sind auch nicht feuerfest, sondern nur schwerentflammbar, bei längerer Hitzeeinwirkung fangen sie an zu brennen. Auch die kleinste Brandbombe, z.B. die kleine britische Stabbrandbombe aus Magnesium, hätte sowohl das Bretterdach wie auch die Heraklithplatten ohne weiteres durchschlagen. Wegen der geringen Festigkeit des Herakliths kommen die Krematorien IV und V auch nicht für Menschenvergasungen in Frage. Der Raum war nur 2,05 m hoch, und ein Mann von 1,75 m oder mehr Körperlänge hätte die Decke von unten eindrücken und dann quadratmeterweise herunterreißen können.

Allenfalls hätten die 25 cm dicken Wände aus Ziegelmauerwerk Schutz gegen die Splitter von außerhalb des Gebäudes einschlagenden Bomben bieten können. Weit war es damit jedoch nicht her. Eine 25 cm dicke Mauer, die nicht durch quer einbindende andere Mauern oder durch eine massive Betondecke ausgesteift wird, ist ein fragiles Gebilde, das z.B. durch den Winddruck umgekippt werden kann. Nach den damaligen deutschen Regeln der Technik durfte eine solche Mauer nicht höher als 1,20 m sein, wenn sie aus gewöhnlichen Mauerziegeln bestand, und nicht höher als 2,20 m, wenn sie aus Hartbrandziegeln bestand und mit Zementmörtel gemauert war. Die Krematorien IV und V waren lt. Pressac zunächst ohne irgendwelche Innenwände geplant. Die Architekten haben daher die Längswände durch kleine Mauerpfeiler im Abstand von etwa 2,50 m ausgesteift, die man auf den Lageplänen erkennen kann. Aber auch mit diesen Pfeilern wäre die Außenwand leicht durch den Luftdruck einer daneben explodierenden Bombe eingedrückt worden, vor allem in dem langen Raum zwischen Arztraum und Ofenraum.

Gegen die Verwendung als Menschengaskammern spricht auch die Größe der angeblichen Einwurfluken für Zyklon B. Um eine Dose mit Zyklon B von vielleicht 15 cm Durchmesser und 20 cm Höhe von außen durch die Luke zu strecken, umzudrehen und auszuleeren, hätte eine Luke von 20×30 cm ausgereicht. Bei einer Luke von 30×40 cm hätten die innen Stehenden den SS-Mann, der außen auf einer Leiter stand, von dieser herunterstoßen und selbst ins Freie entkommen können. Der untere Rand der Luke befand sich 1,50 bis 1,60m über dem Fußboden; ein schlank gebauter Mensch, der nicht völlig unsportlich war, hätte ohne Probleme durch die Luke ins Freie steigen können. Völlig widersinnig wäre es gewesen, in einer Menschengaskammer die Öffnungen von 30×40 auf 40×50 cm zu vergrößern, denn dann hätten alle Menschen mit Ausnahme der extrem dicken hindurchgepaßt.

In den Plänen und sonstigen Unterlagen ist nirgends davon die Rede, daß die Luken vergittert gewesen wären. Eventuelle Gitter hätten es auch unmöglich gemacht, mit der Zyklon-Büchse nach innen durchzukommen.

Die beiden Krematorien sind nach meiner Meinung zur Entlastung der Krematorien II und III erbaut worden, vielleicht schon in der Absicht, die Leichenkeller der beiden älteren Krematorien als Luftschutzbunker zu nutzen. Man wählte für die beiden neuen Krematorien eine ausgesprochene Billig- und Leichtbauweise, sie waren im Prinzip Baracken, nur daß die Wände aus Mauerwerk bestanden und nicht aus Holz. Zunächst waren keine Zwischenwände und keine Decken geplant. Dann machte man sich klar, daß es im Sommer unter dem Bretterdach mit Teerpappedeckung zu heiß werden würde, und bestellte bei der Fa. Konrad Segnitz, die die Dachkonstruktion liefern und einbauen sollte, zusätzlich die Deckenkonstruktion. Man wählte dafür wieder eine leichte, aber gut wärmedämmende Konstruktion: Heraklithplatten von 3 cm Dicke, die von unten gegen Holzlatten genagelt wurden, die ihrerseits unten an die Dachbinder genagelt waren, die Heraklithplatten wurden unten mit einem 1 cm dicken Gipsputz überzogen (Pressac S. 396). Wegen der zusätzlichen Last von Latten, Heraklith und Gips mußte die Fa. Segnitz eine neue statische Berechnung erstellen und die Dachkonstruktion verstärken, d.h. man verringerte den Abstand der Dachbinder. Wenn man dann durch Lüftungsöffnungen unter der Traufe und im Giebel dafür sorgte, daß die Luft zwischen Dachhaut und Decke ständig ausgetauscht wurde (das ist die Standardlösung bei Baracken), dann war unter der gut wärmedämmenden Decke mit erträglichen Temperaturen zu rechnen, und man konnte Leichen auch im Sommer einige Tage lang dort aufbewahren.

Die Luken in den Außenwänden dienten der Belüftung, vielleicht auch der Beleuchtung. Die natürliche Lüftung eines Raumes funktioniert am besten, wenn der Raum von zwei einander gegenüber liegenden Außenwänden begrenzt wird, die zahlreiche kleine Öffnungen aufweisen. Wenige große Öffnungen sind nicht so gut wie viele kleine, weil dann tote Winkel entstehen. Die Luken lagen im Schatten des überkragenden Daches und blieben daher kühl, vielleicht wurden sie im Sommer auch nur bei Nacht geöffnet, um die bei Tage angesammelte warme Luft abzuführen.

Nach dem Bau der beiden Kremas stellte man wahrscheinlich fest, daß weniger Leichen anfielen als geplant. Man zog nachträglich Zwischenwände ein und gewann so ein Arztzimmer und andere Räume, deren Zweck nicht mehr bekannt ist. Es wäre unsinnig gewesen, diese neu geschaffenen Räume für Menschenvergasungen zu nutzen, denn durch den Einbau der Zwischenwände und Innentüren war die Lüftung um vieles schlechter als in dem großen Raum zwischen Arztraum und Ofenraum.

Wozu die Abdichtung der Türen mit Filzstreifen dienen sollte, ist schwer zu sagen. Vielleicht wurden in dem großen Raum Kleider begast. Dagegen spricht, daß Heraklith und Gipsputz stark gasdurchlässig sind, es wäre viel HCN durch die Decke verloren gegangen. Man hätte den Gasverlust durch einen Anstrich der Decke mit Teer vermindern können, aber dafür gibt es keinen Beleg. Vielleicht wurde das Gebäude – ähnlich wie die Wohnbaracken – ein- oder zweimal im Jahr begast, um Insekten, vor allem Aas- und Fleischfliegen (Calliphora vicina und Sarcophaga carnaria) und deren Brut abzutöten. Vielleicht sollten die Filzstreifen auch nur das Eindringen dieser Fliegen verhindern, die vom Leichengeruch über weite Strecken angelockt werden. In diesem Fall hätte man aber auch die Luken gegen das Einfliegen von Insekten sichern müssen, z.B. durch engmaschiges Draht- oder Textilgewebe oder durch perforierte Bleche, wofür es aber meines Wissens keinen Beleg bei den Bauakten gibt. Schließlich ist es auch möglich, daß die Filzstreifen nur verhindern sollten, daß die Leichengase sich von der Leichenhalle in die benachbarten Räume verbreiteten. Viele Möglichkeiten und ebenso viele Ungereimtheiten.

5) Die Krematorien IV und V eigneten sich also wenig als Luftschutzräume, wohl aber die Keller der Krematorien I bis III. 90% der deutschen Bevölkerung hatten Schutzräume, die auch nicht besser oder sogar schlechter waren. In der Regel waren das die Keller von städtischen Wohnhäusern mit einer Decke aus 14 cm dicken Stahlbeton, bei älteren Häusern mit einer ebenfalls 14c m dicken Decke aus Doppel-T-Trägern 114, dazwischen unbewehrter Beton, bei noch älteren Häusern aus Trägern 114 mit dazwischen gespannten "preußischen Kappen", d.h. flachen Tonnengewölben aus 12 cm dickem Ziegelmauerwerk. Die Kellerdecken wurden von unten durch hölzerne Balken und Stützen verstärkt, damit beim Einsturz des Hauses die Kellerdecke unter der zusätzlichen Last des Schuttes nicht einbrach. Die Holzbalken wurden so angeordnet, daß sie die Träger unter einem Winkel von 90° kreuzten, sie stützten sich auf senkrechte Stützen aus Kant- oder Rundholz ab (vgl. Zeichnung). Das reichte fast immer aus. Die britischen und amerikanischen Sprengbomben waren nicht dazu gedacht, massive Decken zu durchschlagen, sie sollten vielmehr schon im Dachgeschoß explodieren, die Dachhaut wegblasen und die Balken des Dachstuhls zerkleinern, damit die nachfolgenden Brandbomben Nahrung fanden.

Es hat daher nur wenige Opfer gegeben, die von der zusammenstürzenden Kellerdecke erschlagen wurden, die weitaus meisten Todesopfer gab es durch Sauerstoffmangel und Kohlenmonoxidvergiftung infolge von Bränden.

Der Materialbedarf für den Ausbau des Kellers von Krema I zum Luftschutzkeller (S. 307) entspricht dem, was im zivilen Luftschutz üblich war. Was darüber hinausgeht, sind die 50 m Eisenbahnschienen. Sie sind vielleicht anstatt der hölzernen Balken unter der Kellerdecke verwendet worden, und zwar im OP-Raum. Bei Holzbalken unter der Kellerdecke betrug der Abstand der Stützen nach meiner Erinnerung 1 bis 2 m. Das war erträglich, wenn der Raum nur dem kurzfristigen Aufenthalt von Personen mit einfachen Sitzgelegenheiten dienen sollte. In einem Operationsraum aber, wo man Platz für einen OP-Tisch brauchte und Krankenbetten und -tragen hin- und herbewegen mußte, durften die Stützen nicht allzu eng stehen. Eisenbahnschienen konnten Lasten auch über größere Stützweiten tragen. Ich kann mich auch erinnern, daß während des Krieges noch große Mengen von Eisenbahnschienen in den Lagern der Reichsbahn und der Baufirmen vorrätig waren, weil der Eisenbahnbau – mit Ausnahme von Reparaturen – völlig zum Erliegen gekommen war.

Mit freundlichen Grüßen!

C.E.R.


zu G. Rudolf, »"Juden lügen und übertreiben…"«, VffG, 3&4/2000, S. 435-438

Bester Germar,

ich habe Ihren Artikel über Finkelstein und sein neues Buch Die Holocaust Industrie gelesen. Ich fand ihn recht gut. Mir ist folgendes dazu eingefallen.

Hier in Deutschland ist Finkelstein anläßlich des Erscheinens seines Buches "häufiger" in Talkshows und Pressekonferenzen zu hören. Ich habe sein Buch leider nicht gelesen, doch habe ich einmal versucht, genau auf seine Formulierungen in bezug auf den Holocaust zu achten. Es hat sich bei mir ganz leise der Verdacht eingeschlichen, daß Finkelstein viel weiter mit den Revisionisten übereinstimmt, als er es nach außen hin zugeben kann. Würde er sich nämlich offen dem Revisionismus anschließen, würde seinen für heutige Verhältnisse recht weitgehenden Thesen überhaupt kein Forum gegeben werden, so wie das jetzt der Fall ist. Im Wissen um die Kriminalisierung des Revisionismus forderte Finkelstein auf der Urania Pressekonferenz vor ein paar Tagen die sachliche und offene Diskussion. Wohl nicht nur mir ist dabei eine mögliche unterschwellige Anspielung auf die "Holocaust-Leugner" aufgefallen. Um nicht kriminalisiert zu werden, muß er sich offiziell von den Revisionisten distanzieren. Völlig unabhängig davon, ob ich mit meinem Verdacht recht habe oder ob ich lediglich auf Finkelstein hereinfalle, haben seine Aktivitäten einen wichtigen Effekt. Er bringt nämlich Menschen dazu, überhaupt erst einmal über das Thema Holocaust und das, was damit zusammenhängt, nachzudenken und sich kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dies haben sich die meisten Deutschen bisher selbst verboten. Natürlich erfüllt es hierbei eine wichtige Funktion, daß Finkelstein jüdischer Herkunft ist. Das wichtige bei Finkelstein ist die Auflockerung eines Tabus. Mit der Tür ins Haus zu fallen, würde bei den meisten Menschen vermutlich ein Abblockverhalten herbeiführen.

Finkelstein sagt, daß Juden aus politischen und finanziellen Gründen in bezug auf den Holocaust lügen. Nimmt man diese These aber an, ist es kein so weiter Schritt mehr, das Bild vom Holocaust an sich in Frage zu stellen. Meine Sympathie gilt in der Tendenz auch eher der aufrichtigen direkten Vorgehensweise, nur darf man nicht vergessen, daß man hierfür in Deutschland normalerweise im Gefängnis sitzt und nicht auf einer Pressekonferenz mit Hunderten von Journalisten. Es ist eine enorm wichtige, unverzichtbare Sache, revisionistische Internetseiten als Informationsmedium nutzen zu können. Und durch meinen Informationsstand wiederum sind mehrere neue Revisionisten hinzugewonnen worden. Doch auch solche Phänomene wie Finkelstein halte ich für nicht ganz unwichtig. Bei dem Preis seines Buches ist zu beachten, daß es sich hier um eine Hardcover-Version handelt, in Deutschland 224 Seiten für 38,-. Bei der Umrechnung von Dollar in DM muß man den niedrigen Eurokurs berücksichtigen. Vermutlich hat der Verlag bei der Preisgestaltung auch ein Wörtchen mitzureden gehabt.

Genau betrachtet sagt Finkelstein auch lediglich, daß die Holocaust-Industrie den Revisionismus zu einem Popanz aufbauscht und nicht, daß der Revisionismus seiner Meinung nach wirklich ein Popanz ist. Denn natürlich stellt die Holocaust-Industrie den Revisionismus nicht korrekt und damit überzeugend dar, sondern eben als einen dummen aber gefährlichen Popanz. Mit seinem Verwundern über den geringen Einfluß fordert er doch fast geradezu dazu auf, sich wenigstens mit dem Vorhandenen auseinanderzusetzen.

Meiner Meinung nach versucht er nicht, den Revisionismus lächerlich zu machen. Es wäre ein leichtes für Finkelstein, sich in aller Deutlichkeit und Penetranz vom Revisionismus zu distanzieren (in welchem Ausmaß tut er dies eigentlich?). Daß Finkelstein Ihnen verbieten will, ihn auf Ihren Seiten zu zitieren, mag den Grund haben, offiziell nicht zu sehr mit dem historischen Revisionismus in Verbindung gebracht zu werden.

Hochachtungsvoll und mit herzlichen Grüßen

Erik Kylling


zu A.R. Butz, »Was widerfuhr den ungarischen Juden?«, VffG 3&4/2000, S. 277-284

Raul Wallenberg vergessen?

Verehrte Redaktion!

Leider kann ich in genanntem Artikel von Herrn Prof. Dr. Butz keine Hinweis auf die 60.000 Juden finden, die vom schwedischen Juden Raoul Wallenberg 1944/45 gerettet wurden. Die hat auch Jürgen Graf nicht erwähnt, und er hätte es wissen sollten.

Herr Wallenberg hat Hitlers Erlaubnis erhalten, Juden aus Ungarn zu helfen nach Palästina auszureisen. Herr Wallenberg gab den Juden schwedische Pässe, was diesen ermöglichte, über die Türkei nach Palästina auszureisen. Herr Wallenberg arbeitete an der schwedischen Botschaft in Budapest.

60.000 Juden sind eine Menge. Diese Zahl haben wohl auch die verschiedenen jüdischen Gruppierungen "vergessen". Aber Juden scheinen immer das zu vergessen, was sie nicht erwähnt sehen möchten. Wir sollten es nicht vergessen.

Herrn Wallenberg wurde später von seinen Freunden in Moskau ermordet.

Wohlfahrt und Erfolg!

J.S.


Begeisterung

Werter Herr Rudolf,

wenngleich ich die Dezemberausgabe (Heft 3&4/2000) ganz allgemein mag, so war ich doch besonders erfreut über Prof. Butz’ Beitrag über die ungarischen Juden.

Ich bin absolut kein Forscher bezüglich des "Holocaust", sondern schlicht ein begieriger Leser von Forschungsergebnissen. Meine ersten Zweifel historischer Art hatten allerdings nicht mit derartigen Studien zu tun.

1945 war ich 21 Jahre alt und kann mich sehr gut an die unzähligen Probleme erinnern, die sich damals im Zusammenhang mit Deutschlands wachsenden Schwierigkeiten – und dem sich nähernden Chaos – zunehmend hinsichtlich der Versorgung mit den täglichen Bedarfsgütern ergaben (Nahrungsmittel, Kleider, Medizin, Wohnung, Treibstoffe, Transport usw.).

Als kurz nach Kriegsende das erste Mal etwas von der Ermordung und Kremierung von sechs Millionen Juden erwähnt wurde, hört ich einen Mann sagen:

»So ein Blödsinn, wir hätten ja nie genug Kohle gehabt, um sie zu verbrennen.«

Später wurde ich zusehends ungeduldig und frustriert wenn (junge) Leute Bemerkungen über Kriegsereignisse machten, ohne die Gesamtlage zu berücksichtigen, die damals vorherrschte.

Wegen dieser Erlebnisse bin ich froh, in Prof. Butz eine Person zu erkennen, die derartige grundlegende Fehler nicht macht. Er hat offenbar genug Vorstellungsvermögen, um sich den damals bestehenden katastrophale Mangel vorstellen zu können. Insbesondere erkennt er sehr gut, daß die Deportation einer riesigen Anzahl von Juden aus dem einfachen Grunde völlige Unmöglichkeit war, weil es für solch ein Unternehmen nicht genügend Transportkapazitäten gab. Wie kann man nur vergessen, daß es damals höchst dringliche Prioritäten gab: Die Züge wurden benötigt, um Munition an die Front und verwundete Soldaten zurückzubringen! Will man uns etwa glauben machen, die Armee hätte warten müssen, bis man diese riesige Anzahl von Juden woanders hin verschifft hatte? Was für ein enormer Blödsinn! Und zu diesem späten Zeitpunkt des Krieges gab es schlicht nicht genügend Züge, um beide Aufgaben zugleich zu erledigen: sowohl eine schwer kämpfende Armee mit dem Notwendigsten zu versorgen als auch Hunderttausende von Juden herumzubuchsieren. Schließlich verringerte sich die Anzahl der Güterwagen in Deutschland mit jeder Nacht, in der eine weitere deutsche Stadt in Flammen aufging.

Es ist sehr erfrischend zu sehen, daß Prof. Butz eine ganze Reihe von Problemen mit einer Kombination von Einfühlungsvermögen und gesundem Menschenverstand aufgreift, und daß ihn auch ein Zeitungsartikel (selbst wenn er von Goebbels ist) nicht davon abbringt, seine »Hypothese in einen passenden historischen Zusammenhang« zu setzen, da unsere Welt des Jahres 1944 eine seltsame, zusammenbrechende war – ganz anders als die Welt, in der wir heute leben.

Berta Engelmann, Kanada


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(3) (2001), S. 353-357.


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