Die Erstausgabe des Rudolf Gutachtens auf vho.org/D/rga1
Vgl. auch die revidierte Fassung dieses Abschnittes, Stand Frühjahr 1999


4.3.2. Institut für Gerichtsgutachten, Krakau
Krakau gibt in der  von Dritten veröffentlichten Expertise für Auschwitz-Museum die gefundenen Cyanidkonzentrationen in µg(KCN) pro 100g an, eine unübliche Einheit. Die Werte sind in der Tabelle 14 umgerechnet auf mg CN- pro kg. Man erkennt sofort, daß die Meßergebnisse unhaltbar sind, da alle Ergebnisse unterhalb der Nachweisgrenze der Amerikaner liegen, sogar solche Proben, die durch ihren blauen Schimmer deutlich im Bereich von einigen tausend mg pro kg zu erwarten gewesen wären. Hier ist zum einen ein Größenordnungsfehler, zum anderen auch ein meßmethodischer Fehler zu finden[219]. Es läßt sich nur sagen, daß die Polen in den 'Menschengaskammern' keine oder nur geringe Mengen nicht langzeitstabiler Cyanide nachweisen konnten, was kaum verwundern kann. Die einzige aus der angeblichen 'Gaskammer' stammende, positive Probe (Nr. 15) weist den geringsten nachweisbaren Cyanidgehalt aller Proben auf und soll vom Verputz einer Säule im Leichenkeller I ('Gaskammer') des Krematoriums II stammen, was nicht möglich ist, da die Betonsäulen nicht verputzt waren. Möglicherweise ist Beton gemeint.

Tabelle 14: Cyanidkonzentrationen im Mauerwerk von 'Gaskammern'/ Entlausungskammern
Nach Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, Polen; Angaben in mg pro kg

Nr

Gebäude

Entnahmeort und -tiefe

Material

CN-

1

Entlausung Block 3

Raum 4, um Ventilatoröffnung, 2 mm

Verputz

0,068

2

Entlausung Block 3

Raum 4, neben Türe zu Raum 3, 2 mm

Verputz

0,036

7

Entlausung Block 3

Raum 3, unter Fenster, gegenüber Eingangstür, 2 mm

Verputz

0,076

8

Entlausung Block 3

Türöffnung zwischen Raum 2 und 1, 2 mm rechts oben

Verputz

0,140

9

Entlausung Block 3

wie Nr. 8, links unten

Verputz

0,404

10

Entlausung Block 3

Raum 1, Ventilatoröffnung, 2 mm

Verputz

0,528

11

Entlausung Block 3

wie 10, schwach blau

Verputz

0,588

15

Krematorium II, Leichenkeller I

Beton-Stützsäule

Verputz (?)

0,024

4 weitere Proben aus Krematorium II, 1 aus Krematorium I, 1 aus Krematorium V, jeweils aus angeblicher 'Gaskammer', und 2 Kontrollproben enthielten keine nachweisbaren CN--Spuren.

Trotz der Tatsache, daß die Mauern der angeblichen 'Gaskammer' des Stammlagers (Leichenhalle) vollständig nicht und die der 'Gaskammer' (Leichenkeller I) des Krematoriums II teilweise nicht der Witterung ausgesetzt waren, kommt das Krakauer Institut zu folgender Aussage (Zitat):

»Cyanwasserstoff ist eine schwache Säure, was zur Folge hat, daß sich ihre Salze in Gegenwart von stärkeren Säuren leicht zersetzen. Eine solche stärkere Säure ist sogar Kohlensäure, die durch Reaktion von Kohlendioxid und Wasser entsteht. Stärkere Säuren wie z.B. die Schwefelsäure zersetzen Cyanide leichter. Dauerhafter sind komplexe Verbindungen von Cyanid-Ionen mit Schwermetallen. Das schon erwähnte "Preußisch-Blau" zählt zu solchen Verbindungen, aber auch dies zerfällt langsam in saurem Medium.
Daher war es kaum zu erwarten, daß sich nach 45-jährigem Zeitraum derivate Verbindungen von Cyaniden in Baumaterialien (Putz, Ziegel), die den Umwelteinflüssen (Niederschläge, saure Oxide, besonders Stickstoffmonoxid) ausgesetzt sind, erhalten würden.«
[8]

Wie dem Abschnitt 2.4. (S. 45) entnehmbar, sind diese Aussagen unhaltbar: Eisenblau ist langzeitresistent. Hätte das Institut seine Proben von den nahe den mutmaßlichen 'Menschengaskammern' gelegenen Entlausungsgebäuden Bauwerk 5a und b genommen, so hätte das Bemerken der äußerlich blauen Wände kaum zu diesem Fehlurteil geführt. In einem späterern Schreiben bestätigt das Institut, daß es weder ein angemessenes Nachweisverfahren angewendet hat, noch daß es genügend Sachverstand bezüglich der hier ablaufenden Chemie hat[219]:

»IV. Mit der von uns angewandten Methode waren wir nicht imstande alle Zyanidverbindungen zu bestimmen. Z.B. von Berliner-Blau kann nur ein Teil von Zyanidionen abgespalten werden. Wir mußten uns dabei mit IR-Spektroskopie bedienen aber nur für qualitative Ergebnisse […]
VIII. Das Wasser aktiviert viele chemische Prozesse. Die Kammern waren ganz gewiß nass. Was für einen Einfluß das auf die Bindung von HCN durch Zement (Wandputz) ausübt - ist uns unbekannt
[…]
IX. Die blauen Flecken auf den äußeren Wänden des Bauwerkes 5a in Birkenau sind nicht leicht zu erklären. Vor allem müssen wir prüfen, ob es wirklich Berliner-Blau ist
[…]«


Anmerkung

  1. Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, Schreiben an W. Wegner, o.D. (Winter 91/92), o.A. (unleserliche Unterschrift) unveröffentlicht.

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