Die Söhne Ismaels

Saat des Hasses

Aufgewühlt fuhr ich von Jerusalem wieder nach Tel Aviv zurück. als ich dort nichts Neues erfuhr, benutzte ich die Gelegenheit und begab mich zum Israelischen Militärkommando, um eine Bewilligung zum Besuche der Stadt Nazareth zu erhalten. Es war gar nicht so leicht, diese Bewilligung zu bekommen, denn Nazareth sowie die anderen Orte mit überwiegend arabischer Bevölkerung waren von der Umwelt hermetisch abgeschlossen.

Ich kann nur hoffen, daß unterdessen sich auch in Nazareth vieles geändert hat, denn als ich es 1950 besuchte, war ich erschüttert. Die Bus-Linien - es fuhr eine israelische und eine arabische Linie nach Nazareth - wurden wiederholt angehalten, und israelische Militärpolizisten kontrollierten die Ausweise der Passagiere. Ich fühlte mich wie im Kriege.

Die kleine Stadt, die für die christliche Welt von so hoher historischer Bedeutung ist, da hier Maria mit ihrem Sohn Jesus lange Jahre lebte, war überaus verwahrlost, und in den schmalen, engen Straßen, kaum drei Meter breit, herrschte unbeschreibliche Armut. Wo man ging und stand, wurde man von Dutzenden arabischer Kinder angebettelt. Diese arabischen Kinder waren durchweg unterernährt, und ein Araber, der Deutsch sprach, erzählte mir, daß es praktisch unmöglich sei, ausreichende Arbeit zu erhalten.

Nazareth breitet sich auf einer Anhöhe auf der Straße von Haifa nach Tiberias inmitten großer Wälder aus und hat sicherlich eines der gesündesten Klimata von ganz Israel. Rings um die Stadt herum lagen aber starke Militäreinheiten der israelischen Armee in Camps, und alle Ausfahrtstraßen waren von den israelischen Militärpolizisten genau bewacht. Die meisten der Araber, die keine Erlaubnis Zum Verlassen der Stadt erhielten, lebten im Elend und hungerten sich kläglich durch.

Bei der Verkündigungskirche, auch El Bischara-Kirche genannt, wo der Engel Gabriet Maria erschien, traf ich einen der wenigen Juden, die damals in Nazareth wohnten. Er äußerte sich sehr vorsichtig - im ganzen arbeiteten damals nur vier jüdische Familien in Nazareth, von denen drei allabendlich zurückfuhren - "weiß nicht recht", sagte er, ein älterer Mensch, "was wir hier säen werden wir dereinst ernten. Ich möchte das nicht erleben." Mein Zufallsbekannter wies mir auch die Richtung zum Hotel, das Von einem Juden betrieben wurde. Ich besorgte mir Quartier und schlenderte noch durch die Straßen zur St. Josefskirche, zur alten Synagoge, zum Heiligen-Maria-Brunnen, von dem all das Wasser stammen soll, das die Christenheit in kleinen Fläschchen in aller Welt verkauft, und ging schließlich wieder in das Hotel zurück, wo ich einen katholischen Pfarrer aus Preßburg traf, der schon über fünf Jahre in Nazareth weilte.

Außer in Jerusalem erweist sich in Nazareth die Zerrissenheit des Christentums am deutlichsten. Über vierhundert christliche Missionsgesellschaften und Sekten vertreten hier sowie in Jerusalem die christliche Lehre und bekämpfen sich zum Teil untereinander. Natürlich gibt es auch in Nazareth eine römische, eine griechische, eine russische Mission, und das ist für die Stadt sehr gut, denn die einzige Einnahmequelle, die noch vorhanden ist, kommt von den Touristen, welche die heilige Stadt besuchen und hier alle möglichen Andenken erwerben. Ansonsten war der Pfarrer, der mir sehr freundlich entgegenkam, genauso niedergeschlagen wie der Jude, den ich zuerst gesprochen hatte. Jsrael ist zu den biblischen Zeiten zurückgekehrt", flüsterte er mir zu, die hier praktizierten Methoden werden von Haß und Gewalt diktiert."

Wir plauderten eine Weile über dies und jenes, bis ich endlich mein Zimmer aufsuchte, wo mich leider keine wohltuende Ruhe überfiel, sondern ein wahres Heer von Wanzen.

Ziemlich erschlagen erhob ich mich am nächsten Morgen und war glücklich, Nazareth wieder mit dem Omnibus verlassen zu können. Sinnend sah ich zurück, denn lange noch konnte man Nazareth auf der Höhe sehen. Im Talmud wird diese Stadt ebensowenig genannt wie Jesus. Sicher wurden diese Stellen später zensiert. Nur der berühmte Schriftgelehrte Haklier erwähnt Nazareth als die Stadt der Priester. Und das ist sie trotz aller Wirrnisse der Zeit mit ihren zahlreichen Missionen auch bis zum heutigen Tag geblieben.

Per Omnibus war nicht sehr voll. Vor mir saß ein etwa achtjähriger Knabe der zu meinem Erstaunen eine richtige Pistole an einem Lederriemen umgehängt trug. Der Junge, zweifellos ein Sabre, ein Mion im Lande Geborener, blickte gelangweilt vor sich hin."Hör mal zu", begann ich ein Gespräch, du hast ja eine tolle Pistole Was willst du denn damit machen?"

Der Knabe wandte sich um, musterte mich von oben bis unten und sagte dann lachend: "Einen Araber erschießen, was denn sonst?"

Mir blieb das Herz stehen. Auf Schritt und Tritt stieß ich auf eine Erziehung zum Haß, die einfach unheimlich war.

Das ganze Milieu erinnerte mich an die traurigsten Zeiten des zaristischen Regimes, in dem auch wir jungen Juden im Haß gegen alles Nichtjüdische erzogen wurden. Damals war das aber eine normale Reaktion auf die pausenlosen Verfolgungen, Quälereien und Pogrome, die wir über uns ergehen lassen mußten. Jedes Tier, das getreten wird, wehrt sich. Wenn wir Kinder ein christliches Begräbnis vorüberziehen sahen, rief eines dem anderen zu: "Heute einer, morgen hoffentlich zwei!", und es war selbstverständlich, daß wir sagten: "Ein Jude stirbt, ein Goi krepiert."

Beim Spielen pflegten wir Kinder eines dem anderen die Arme übers Kreuz zu legen. Das hieß soviel wie: Irgendwo möchte ein Christ gekreuzigt werden. Doch das alles war der normale Widerstand des Gehetzten. Aber hier? Hier war die Situation doch völlig umgekehrt. Hier hatten ja die Israeli alles in der Hand. Sie konnten doch entscheiden; sie waren die Träger der Macht, und die Araber waren ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Schicksal der Palästina-Araber

Als Deutschland und die Verbündeten 1918 den ersten Weltkrieg verloren, geschah außer einigen verheißungsvollen Reden und Äußerungen britischer Politiker und Publizisten vorerst nichts. Die Regierung des britischen Königs dachte nicht daran, Palästina den Zionisten zu übergeben, und steckte es als britisches Mandatsgebiet selbst ein. Die Balfour-Deklaration wurde lediglich in das britische Mandatsstatut über Palästina eingebaut und die Jewish Agency als offizielle zionistische Vertretung anerkannt.

Begreiflicherweise waren die Zionisten nicht bereit, sich auf ein totes Gleis schieben zu lassen. Sie nUtzten die ihnen gegebenen Möglichkeiten mit allen Mitteln und schoben nun ihrerseits so viele Juden nach Palästina hinein, wie sie auf der ganzen Welt dafür anwerben konnten.

Die allgemeine Unsicherheit, die bolschewistische Revolution, die Gegenrevolutionen beunruhigten die Juden besonders im Osten, und es gelang den zionistischen Werbern, immer mehr Freiwillige nach Palästina zu bringen.

Diese Masseneinwanderung der Juden nach Palästina erregte nun die Araber, die seit der Balfour-Deklaration hellhörig geworden waren. Sie befürchteten nicht zu Unrecht, daß sie durch diese Entwicklung aus ihrem Lande verdrängt werden sollten.

Die ganzen Jahre zuvor hatten die Zionisten fortgesetzt Land aufgekauft. Sie erwarben jeden Quadratmeter Boden, ohne Rücksicht auf dessen Rentabilität. Die zionistischen Organisationen brauchten ja auf die wirtschaftlichen Realitäten nur wenig Rücksicht

zu nehmen, denn ihre Landaufkäufe waren vordringlich politischer und nicht wirtschaftlicher Natur. Hinter ihnen standen die zionistischen Organisationen, die ihrerseits weite Teile des Weltjudentums wenigstens zur materiellen Unterstützung Palästinas mobilisiert hatten.

Diese großzügigen Landaufkäufe bedeuteten eine ernste Versuchung für die arabischen Großgrundbesitzer, die froh waren, oft ungerodetes wertloses Land beachtliche Beträge zu erhalten. Doch wurde nicht nur wertloses Land verkauft! Die zuerst Benachteiligten waren die kleinen arabischen Bauern und Pächter, deren patriarchalicher Pachtzins in keinem Verhältnis zu dem Gewinn stand, der durch die Verkäufe an die Zionisten geboten wurde. Erlagen die Großgrundbesitzer der Versuchung und verkauften, verloren die alteingesessenen Pächter nicht nur ihr Heim, sondern auch ihre Existenzgrundlage im Rahmen eines zielbewußten Importplanes förderte Großbritannien in jenen zwanziger Jahren in Palästina noch dazu die Umstellung des Getreideanbaues auf Südfruchtkulturen. Getreide erhielt England aus seinen anderen Territorien in Hülle und Fülle, besonders von Kanada. Südfrüchte aber brauchte es. Die schwerfälligen arabischen Bauern konnten und wollten auch hier nicht mitmachen; oft fehlte es ihnen ja auch am nötigen Kapital. Die zionistischen Siedler hingegen, die natürlich hart arbeiten mußten, waren schneller. Sie begriffen die Absatzchance und überflügelten bald die Araber.

So verloren, lange ehe der wirkliche Kampf ausbrach, immer mehr arabische Bauern und Pächter ihre bisherige Existenz, wanderten als landarmes Proletariat vom Lande in die emporwachsenden Städte und bevölkerten die Slums, die noch rascher emporwuchsen als die europäischen Stadtviertel. Bald entstand unter den bedrohten Arabern eine gefährliche Stimmung. "Der Jude ist schuld!" wurde nun das geflügelte Wort in den Arabermassen, und zwischen den Kindern Isaaks und Ismaels, die im Grunde Blut von einem Blut und Mitglieder der großen semitischen Familie sind, entstand ein Haß sondergleichen.

Die Mandatsmacht, Großbritannien, erwies sich außerstande, die Dinge Zu steuern. Im Jahre 1919, während der Friedensverhandlungen in Versailles, hatte sich der britische Außenminister Balfour offen für ein freies jüdisches Palästina erklärt. Lloyd George jedoch war für das englische Mandat und setzte sich durch. Selbst Clemenceau sprach sich gegen den Plan einer jüdischen Heimstätte aus, so daß er mit Chaim Weizmann zum erstenmal ernste Differenzen bekam. Von den Arabern war nur Emir Faisal für die Balfour Deklaratmon. Alle anderen lehnten sie energisch ab.

Der erste Hochkommissar Palästinas, Sir Herbert Samuel, selbst ein Jude, war an dem Zustandekommen der Balfour~Deklaration nicht unbeteiligt. Als er nach Palästina kam, wurde er von den Zionisten mit wahrer Begeisterung begrüßt. Doch schon kurze Zeit später stand er ratlos vor dem sich anbahnenden Chaos.

Die Araber versuchten, sich gegen die schleichende und alles beherrschende Wirtschaftsoffensive der Zionisten zur Wehr zu setzen. Sie lehnten nicht nur die Zionisten ab, sondern auch die Engländer, in denen sie die eigentlichen Schuldigen an der Situation sahen.

Als erstes forderten die Araber eine totale Sperre für weitere jüdische Einwanderungen. Das konnten und wollten die Engländer nicht erfüllen. Nun griffen die Araber zur Gewalt. Es kam zu blutigen Zusammenstößen, und schon 1920 fielen auf beiden Seiten die ersten Opfer dieses gigantischen Ringens um Palästina. Noch viele sollten folgen.

Über die Hintergründe dieses Kampfes wurde viel und vor allem viel Falsches geschrieben. Sie sind in Wahrheit so primitiv wie nur möglich. Vor rund 2000 Jahren war Palästina eine Epoche lang hebräisch gewesen. In den Talmudschriften wird Israel anfänglich Land Kanaan genannt, schließlich Land der Philister, Land der Ammoniter und dann erst Land der Juden oder Land der Hebräer. Am Schluß Land Israel. Der Name Palästina soll von Herodot im Fünften Jahrhundert vor Christus erstmals genannt worden sein, er soll aus der philistrischen Sprache kommen. Viel später ist Palästina dann bei den jüdischen Historikern Flavius und Philon zu finden. In verschiedenen altchristlichen Schriften wird das Land als "Land der Israeliten" aufgeführt.

Auf alle Fälle waren die Reiche Judäa und Israel zerfallen und ihre Bewohner von den Römern gewaltsam evakuiert worden. Die Umsiedlung war eine totale. Juden wanderten mit den Römern nach Westen, nach Norden und nach Osten. Sie lebten sich in Sprachen und Sitten auseinander, gemeinsam blieb nur die biblische Sprache alten Hebräischen und die Sehnsucht nach Zion: "Nächstes Jahr auf Wiedersehen in Jerusalem! Die allgemeine Ablehnung welche die Juden bei den Gastvölkern erfuhren, der Haß, der ihnen als Fremdkörper überall entgegen drang, da sie durch die Jahrhunderte ihre Rasse und Religion erhielten, zwang sie, besonders tüchtig, fleißig und wohl auch raffiniert zu werden, um sich zu behaupten. Trotzdem blieben sie die Außenseiter, ja zum Teil die Ausgestoßenen, in denen die Sehnsucht nach einem eigenen Judenlande wach blieb. Da setzte Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Periode der großen Assimilierung ein, die drauf und dran war, in Westeuropa zu siegen, und die natürlich auch nach dem Osten, nach Rußland, Polen, Rumänien und anderswo ausstrahlte. Das Getto schien endgültig überwunden, und eine neue Periode tat sich auf.

Dann erfolgte die Balfour-Erklärung. Zweifellos spielten bei den Erwägungen, die zu dieser Deklaration führten, nicht nur die kriegerischen Motive eine Rolle. Zwischen den westeuropäischen Juden und den Ostjuden waren längst Spannungen entstanden. Die europäischen Juden befürchteten eine Verschlechterung der allgemeinen Stimmung, ein Wiederaufflackern des Antisemitismus, wenn diese Massen meist besitzloser orthodoxer Juden in die Länder des Westens eindringen würden. Vor der vorrückenden russischen Armee im taten Weltkrieg waren viele Zehntausende von Juden aus Polen und Galizien ins Deutsche Reich und nach Österreich geströmt. Doch war dies keineswegs nur eine Angelegenheit der deutschen Juden. Auch in England und Frankreich hatten die Juden einen Grad der Assimilation erreicht, der versprach, ihre Stellung für alle Zeiten zu festigen. Da nun die Ostjuden in Bewegung geraten waren, hofften einflußreiche westeuropäische Juden bestimmt, sie nach Palästina ablenken zu können. 1860 wurde in Paris die Alliance des Israëlites gegründet. Sie hatte die Aufgabe, die nach Westen wandernden Ostjuden zu erfassen und ihnen die Auswanderung nach den USA, Südamerika und Palästina zu ermöglichen.

Die Alliance intervenierte auch in verschiedenen osteuropäischen Staaten gegen Ausschreitungen und Pogrome und nahm Verbindungen mit den Regierungen auf. Erst viel später, 1914, wurde in den USA der Joint gegründet. Doch bekanntlich versiegte der Strom der jüdischen Einwanderung bald, und trotz der Balfour-Erklärung war die Lage der Zionisten in Palästina keineswegs rosig, denn die Araber wußten nun, um was es ging. 1920 kam es also zu den ersten schweren Zusammenstößen. Im Mai 1921 arteten diese Ausschreitungen anläßlich eines Brandes in Jaffa zu einem regelrechten Pogrom aus und verbreiteten sich über ganz Palästina. Die Engländer, und vor allem Sir Samuel, wußten keinen Rat. Aus Rußland kommend, gelangte 1920 Wladimir Jabotinski (1880-1940), der Führer der Gruppe, die eine dynamische Revision der zionistischen Bewegung anstrebte, nach Palästina und versuchte sofort, einen bewaffneten jüdischen Selbstschutz in Form einer Legion zu gründen. Er versammelte die ersten 700 Freiwilligen, um den Kampf mit den Arabern aufzunehmen. Doch nicht nur die Briten waren gegen die Bestrebungen Jabotinskis und seiner Gesinnungsfreunde, sondern auch andere Zionisten, so daß die britischen Gerichte schließlich Jabotinski verurteilten und ihn auf Lebensdauer aus Palästina auswiesen.

Im Juni 1921 hielt Winston Churchill im Britischen Parlament seine erste prozionistische Rede, in der er für ein jüdisches Palästina eintrat. Vorher hatte sich Churchill jedoch mit Emir Abdullah in Jerusalem ausgesprochen, und wenig später erhielt der Emir den ganzen Jordanteil von Palästina. So wurde schon damals das biblische Israel-Reich auf ein Drittel verkleinert. Das hinderte indes nicht, daß Churchill 38 Jahre später von israelischen Führern als ein großer Zionistenfreund proklamiert wurde.

Den Zusammenstößen von 1920 und 1921 folgten weitere, besonders die von 1929. Die arabischen Arbeiter streikten wiederholt, doch all ihre Versuche waren nutzlos. Denn hinter ihnen stand wohl die Begeisterung des erwachenden arabischen Nationalismus, hinter den Zionisten aber gewaltiges Kapital und meistenteils auch die stets schwankende britische Mandatsmacht, bei der oft die rechte Hand nicht wußte, was die linke tat. Die Araber forderten endlich ein Verbot der Landverkäufe an Juden und eine konstitutionelle arabische Regierung. Die Zionisten forderten die bedingungslose Durchführung der Balfaur-Erklärung und damit die ungehemmte jüdische Einwanderung. Bald hatte Sir Herbert Samuel seine zionistischen Freunde verloren. Sie warfen ihm vor, proarabisch eingestellt zu sein, während die Araber ihn beschuldigten, einseitig zugunsten der Zionisten zu entscheiden. Fünf Jahre nach seinem Antritt verließ er Jerusalem resigniert und erklärte, er sei bestrebt gewesen, in Palästina Gerechtigkeit walten zu lassen. Daran sei er gescheitert. 1932 versuchte der britische Oberkommissar Sir Arthur Wauchope den alten britischen Plan einer Beteiligung der Bevölkerung durch die Wahlen des Mandatsstatutes zu verwirklichen. Doch es war vergebens.

Im Frühjahr 1936 riefen die Araber zum Generalstreik auf. Es kam wieder zu erbitterten Zusammenstößen, und es gab Tote und Verletzte. Sieben Monate hindurch herrschte ein völliges Durcheinander. Die Araber hatten in dem Großmufti von Jerusalem, Amin el Husseini, ihren Führer gefunden. Dieser fanatische muselmanische Priester trachtete nun mit Gewalt, das Rad der Entwicklung zurückzudrehen.

Jetzt warf London Truppen von Malta und Ägypten nach Palästina. Kriegsschiffe der britischen Mittelmeerflotte gingen in Haifa vor Anker. Um dem Terror zu steuern, setzte der britische Oberbefehlshaber, General Dill, einen Preis von 500 Pfund für die Aufklärung jedes Mordanschlages aus. Die Araber beantworteten diese Erklärung, indem sie 500 Pfund auf den Kopf des Generals Dill aussetzten.

Schließlich nahm London die Vermittlung arabischer Fürsten der Nachbarstaaten besonders des Königs Ibn Saud, des Königs Ghasi von Irak und des Emirs Abdullah von Transjordanien, an. Damit goß man aber erst recht Öl ins Feuer. Denn nun waren die Wirren in Palästina zur Sache aller Araber geworden. Die Fürsten ermahnten zwar in einem Aufruf die Araber Palästinas zur Ruhe, versprachen ihnen aber gleichzeitig Unterstützung. Daraufhin wurde der Generalstreik abgebrochen. Ende des Sturmjahres 1936 sandte England eine Untersuchungskommission unter Lord Peel nach Palästina mit dem Auftrag, beide Parteien zu hören und die Lage objektiv zu untersuchen. Genau zur gleichen Zeit gestattete der britische Kolonialminister eine neue Einwanderungsweile der Zionisten nach Palästina.

Die Reaktion der Araber war bitter. Sie beschuldigten England aufs neue der Doppelzüngigkeit und weigerten sich, mit Lord Peel weiter zu verhandeln. Mühselig kam ein Kompromiß zustande, und Lord Peel und seine Mitarbeiter konnten weiter untersuchen.

Am Schluß schlug Lord Peel die Teilung Palästinas vor und unterbreitete der Londoner Regierung einen Plan, der im Juli 1937 veröffentlicht wurde. Nach diesem Kompromiß sollte Palästina dreifach geteilt werden: in einen arabischen Staat, in einen jüdischen Staat und in ein britisches Mandatsgebiet über die Heiligen Städte Jerusalem, Bethlehem und Nazareth. Da nach dem Plan der jüdische Staat im Norden liegen sollte und der arabische im Süden, sollten die Zionisten das fruchtbare Land erhalten, das zu dieser Zeit noch von Arabern bewohnt und bebaut wurde, während die dort lebenden Araber, etwa 300 000, in das Steinland der Berge im Süden umgesiedelt werden sollten.

Sofort erhoben nicht nur die Araber Palästinas, sondern die ganze islamische Welt Einspruch. Es kam zu erregten Protesten und zu neuen Zusammenstößen und neuen Opfern in Palästina selbst. England verstärkte wieder seine Truppen und ging zunächst äußerst scharf gegen die Araber vor. Die Vergeltungsmaßnahmen trafen natürlich nicht nur die Schuldigen, sondern wie stets in solchen Situationen auch viele Unschuldige. Jeder Araber, den man im Besitz von Waffen fand, wurde automatisch zum Tode verurteilt.

Ende 1937 gab die britische Regierung ein Weißbuch heraus, in glem sie vom Teilungsplan abrückte, ohne eine für alle Teile befriedigende Lösung zu finden. Ein Jahr später entschloß sie sich, eine Konferenz einzuberufen, und hoffte in einer freien Aussprache mit Vertretern der Araber und Zionisten sowie der arabischen Fürsten das Palästina-Problem lösen zu können. Die Konferenz blieb ohne Erfolg.

Die Gründung des Staates Israel

Unterdessen brachten die Zionisten so viele jüdische Einwanderer wie nur möglich ins Land. In zwanzig Jahren gelang es ihnen, legal und illegal die jüdische Bevölkerung Palästinas, die 1918 etwa 50000 betrug, auf rund 400 000 zu erhöhen. In diesem Augenblick brach der zweite Weltkrieg aus.

Im Jahre 1940 schlug Chaim Weizmann Winston Churchill die Gründung einer jüdischen Legion vor, zu der sich 50 000 Zionisten in Palästina melden wollten, um gegen das Deutsche Reich zu kämpfen. Doch kam es vorerst zu dieser Aufstellung nicht, und die ersten jüdischen Freiwilligen kämpften im Rahmen der britischen Armee in Griechenland 1941 gegen die deutschen Einheiten. Erst 1944 kam es zu einer eigenen jüdischen Brigade, die unter der Zionsfahne innerhalb der britischen Armee eingesetzt wurde. Daneben hatte die Mapai in aller Eile die Hagana in Palästina reaktiviert, die von den Engländern zwar nicht offiziell, aber stillschweigend geduldet wurde. Die zionistischen Führer in Palästina waren sich klar darüber, daß der Krieg ihnen ungeahnte Möglichkeiten bot. Und sie nutzten sie. Zionisten schafften legal und illegal möglichst viele Waffen nach Palästina und versteckten sie, um sich für den Tag X zu rüsten. Besonders in den ersten Nachkriegsjahren waren Frankreich und die CSR die Hauptlieferanten der Zionisten, da die USA 1948 Waffenlieferungen nach Palästina verboten hatten.

Präsident Roosevelt versuchte gegen Ende des Krieges, den gordischen Knoten des Palästina-Problems zu durchschlagen. Am 14. Februar 1945 lud er, von Jalta kommend, den arabischen König Ibn Saud an Bord des Kreuzers "Quincy" und umwarb ihn mit überquellender Freundlichkeit. Er trachtete mit allen Mitteln, lbn Sauds Einwilligung für die jüdische Masseneinwanderung nach Palästina zu erhalten. Angeblich bot Roosevelt Ibn Saud nicht nur erhebliche Waffenlieferungen und die Königswürde über die ganze arabische Welt an, sondern auch zwanzig Millionen Pfund.

Ibn Saud erwiderte kühl, daß er diese Einwilligung niemals geben könne, da die Juden im Verlauf der Geschichte nur eine Epoche in Palästina geherrscht hätten, während die Araber vor und nach dieser Periode Jahrtausende in Palästina seßhaft gewesen waren.

Bekümmert unterrichtete Präsident Roosevelt an Bord der "Quincy" am nächsten Tag Premierminister Churchill von seiner Niederlage. Nun probierte Winston Churchill sein Glück und lud seinerseits Ibn Saud zu einer Aussprache in die Oase Fayum in Ägypten ein. Doch auch er vermochte Ibn Saud nicht umzustimmen. Damit war der friedliche Weg zur Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina endgültig verschüttet.

Wenig später wurde der siegreiche Churchill von den Engländern aus der Regierung hinausgewählt, und die britischen Sozialisten übernahmen das Steuer Großbritanniens.Im "Daily Herald" verkündete Attlee am 14. November 1945:"Die Arbeiterschaft erinnert sich mit Stolz, in den Tagen des großen Weltkrieges für die Ideale einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina eingetreten zu sein, und unterstützt diese Ideale noch immer tatkräftig. Die englische Arbeiterpartei wird sich bemühen, Fortschritte in Palästina in dieser Richtung zu unterstützen." Über ein Jahrzehnt später, als Attlee geadelt worden und ins Oberhaus eingezogen war, wo er auf Wählerstimmen nicht mehr Rücksicht zu nehmen brauchte, erklärte er im September 1958 im Oberhaus ungerührt: "Die Schaffung einer nationalen Heimstätte für die luden war ein Fehler."

Dann aber, im Dezember 1945, nahm die Labour-Party feierlich folgende Resolution an: "Es liegt weder Hoffnung noch Sinn in den Begriff 'Jüdische Nationale Heimstätte', wenn wir nicht bereit sind, eine jüdische Masseneinwanderung in dieses kleine Land zu gestatten, um die Juden zu einer Mehrheit werden zu lassen, und den Arabern eine gehörige Ablöse zu geben, damit sie ausziehen und den anderen Platz machen."

Sehr rasch verwandelte sich jedoch diese pathetisch beschworene Freundschaft der britischen Sozialisten in offene Feindschaft. Groteskerweise bekämpfte im weiteren Verlaufe kein englischer Staatsmann so hartnäckig die jüdische Einwanderung in Palästina wie der Sozialist und ideologische Freund der sozialistischen Zionisten, Außenminister Ernest Bevin. Es war derselbe Bevin, der im März 1947 in Moskau bei der Außenministerkonferenz der vier Besatzungsmächte Deutschlands auf eine Anregung Molotows hin, man möge in ganz Deutschland allgemeine Wahlen abhalten, schroff versetzte, man könnte dies dem englischen Volke nicht zumuten. Die britischen Sozialisten versuchten nun, den Dingen mit Gewalt zu steuern. Mit den Methoden bürokratischer Schullehrer bemühten sie sich, im Chaos Ordnung herzustellen, was längst schon ausgeschlossen war. Wie sie dabei vorgingen, ähnelte erstaunlich den Maßnahmen Hitlers und seiner Mitarbeiter gegen die Juden.

Während im Mai 1946 eine angloamerikanische Kommission in Palästina einen Zehn-Punkte-Rapport veröffentlichte und die sofortige Ausfolgung von 100 000 Zertifikaten für die Juden in deutschen Lagern forderte, ließ die britische Regierung längst mit Waffengewalt die jüdische Masseneinwanderung stoppen. Auf den Gewässern vor der palästinensischen Küste brachten Kriegsschiffe der britischen Marine und Polizei-Schnellboote die illegalen jüdischen Einwandererschiffe auf, stoppten sie mit scharfen Schüssen, zwangen sie Zum Beidrehen oder schleppten sie selbst in einen britischen Hafen ein. Wenn die Kapitäne dieser Schiffe den britischen Befehlen nicht nachkamen, wurde oft rücksichtslos das Feuer eröffnet und mancher Jude, der dem Elend und der Not des Krieges und der grausamen Verfolgung in den Konzentrationslagern mühsam entgangen war, fiel hier unter den Schüssen britischer Demokraten.Jene illegalen jüdischen Einwanderer, die ertappt wurden, kamen hinter Stacheldraht und befanden sich wieder in Konzentrationslagern...

Am 29. Juni 1946, einem Samstag, der als Sabbat der religiöse Ruhetag in Israel ist, führten die britischen Einheiten überfallartig Waffensuche bei den Zionisten durch. Die bekanntesten zionistischer Funktionäre wurden verhaftet und in das berüchtigte Konzentrationslager Latrum verbracht. Lediglich Ben Gurion konnte entkommen und floh nach Europa. Dieser 29. Juni 1946 ging als "Schwarzer Sabbat" in die Geschichte Israels ein. Attlee erklärte zu jener Zeit: "Kein Jude wird mehr aus den deutschen Lagern nach Palästina kommen, solange die jüdischen Waffen nicht ausgeliefert werden." Längst waren unter den Zionisten vorzügliche militärische Kampfgruppen entstanden. Neben der Sterngruppe waren es besonders die Makkabäer, die "Irgun Zwai Leumi", die rücksichtslos zurückschlugen. Am 22. Juli 1946 sprengten die Makkabäer in Jerusalem das "King-David" -Hotel in die Luft. In ihm befand sich das Hauptquartier des britischen Generalstabs für Palästina. Die Engländer verloren mehr als hundert Tote und zahlreiche Verwundete.

Die Reaktion der Briten war genauso unbarmherzig. Jeder Angehörige der Makkabäer, den die Engländer erwischen, wurde gehenkt. Als Antwort erhängten die Makkabäer zwei britische Sergeanten.

Der Kampf aller gegen alle in Palästina war ausgebrochen. Die Araber kämpften gegen die Zionisten und gegen die Briten, die Zionisten gegen die Araber und gegen die Briten und die Briten gegen die Zionisten und gegen die Araber. Die Londoner Regierung sah keinen Ausweg mehr. So entschloß sie sich, das Mandat niederzulegen.

Am 29. November 1947 beschloß die UNO, daß Palästina am 14. Mai 1948 zum unabhängigen Staat Israel zu erklären wäre. Lediglich Jerusalem und einige andere Städte mit weltweiter religiöser Bedeutung sollten unter UNO-Kontrolle bleiben. Die Würfel waren gefallen. Noch glaubten die Araber nicht, daß sie verloren waren. Die Israeli jubelten natürlich und fühlten sich bereits als Herren im Lande. Niemand kontrollierte sie mehr, denn die britischen Truppen waren ja nur noch symbolisch anwesend.

Aber dann kam der 9. März 1948. Bis heute weiß man nicht, ob die Attentäter Araber oder Briten waren. Jedenfalls fuhr am hellichten Tage in den Hof der Sochnuth in Jerusalem ein bekannter Wagen ein. Es war der des amerikanischen Konsuls mit der Konsulats-Flagge, gesteuert von dem allseits bekannten christlich-arabischen Fahrer des Konsuls. Die Hagana-Wachen ließen den Wagen selbstverständlich passieren, und er parkte im Hof an der Hausmauer. Niemand bemerkte, daß nach wenigen Minuten der Fahrer spurlos verschwand. Kurz darauf explodierte der Wagen, der mit Sprengstoff beladen war, und riß eine Mauer nieder; 13 führende Zionisten wurden getötet und an die 100 verletzt. Natürlich wußte der amerikanische Konsul gar nicht, daß sein Wagen benutzt worden war.

Dieser Anschlag war eine demonstrative Antwort auf das, was inzwischen geschehen war. Kaum hatten die Engländer erklärt, daß sie die Mandatsmacht niederlegen wollten, kaum war die Proklamation des jüdischen Staates in Aussicht gestellt, als auch schon Zionistische Gruppen in den arabischen Siedlungen Furcht und Schrecken verbreiteten. Menschen wurden überfallen, Hauser niedergebrannt, Kulturen zerstört. Immer wieder dröhnten die Nächte und oftmals die Tage von den Anschlägen der Bombenexplosionen, die stets neue Opfer forderten. Seltsamerweise erfuhr die Weltöffentlichkeit nur von den Verzweiflungsaktionen der Araber. Von den systematischen Anschlägen und Angriffen der Zionisten erfuhr sie nichts.

Die Lage in Palästina war trotz der siegreichen politischen Entwicklung wirtschaftlich unhaltbar. Den überwiegenden Teil des Bodens hatten nach wie vor die arabischen Einwohner in der Hand.

Die Masse der Juden befand sich in den Städten und in den Lagern.

Interessanterweise hat sich auch heute diese Situation, nachdem die Zionisten das ganze Land nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich beherrschen, nicht allzuviel geändert. 75 Prozent der Israeli leben in den Städten, nur 25 Prozent auf dem Lande.

Um dieses Land aber ging es nun. Da die Araber nicht daran dachten, ihren Heimatboden zu verkaufen, standen die Israeli vor der Wahl, auf den Boden zu verzichten oder die Araber zu töten.

Nach langen Kämpfen sahen sie ihr Ziel greifbar vor sich; sie waren nicht bereit zu verzichten. Solange sie nicht im Besitz der palästinensischen Landwirtschaft waren, welche nach wie vor eine entscheidende Rolle in Israel spielt, besaßen sie das Land nur theoretisch.

Da es unmöglich war, über eine Million Menschen totzuschlagen, wählten die Israeli die Taktik der Furcht. Und diese Taktik führte zum vollen Erfolg. Schon in den ersten Monaten des Jahres 1948, ehe noch der selbständige Staat Israel proklamiert wurde, flüchteten etwa 350 000 Araber aus dem Lande. Sie fürchteten für ihr Leben.

Die britischen Truppen lagerten in ihren Kasernen und Stützpunkten und mischten sich nicht mehr ein.

Am 14. Mai 1948 war es so weit. Der Union Jack wurde überall eingezogen, und die britischen Truppen verließen sang- und klanglos Palästina. Englands Mandat war offiziell erloschen. Israels Flagge, der blaue sechszackige Stern, auch Davidsstern genannt, auf weißem Grund, ging am Fahnenmast des Hotels "King David" in Jerusalem hoch. Der Vorsitzende der Palästina~Sochnuth, Ben Gurion, erklärte in Tel Aviv anläßlich der Proklamation des Staates Israel feierlich:

"Durch einen Mehrheitsbeschluß der Vereinten Nationen und auf der Grundlage entstandener nationaler Rechte ist der Staat Israel erstanden. Wir erklären hiermit, daß allen Bürgern ohne Unterschied der Religion, der Rasse oder des Geschlechtes volle bürgerliche und politische Freiheit gegeben wird. Es wird volle Religions- Kultur- und Sprachfreiheit herrschen."

Schöne Worte, die den Palästina-Arabern wie Hohn klangen.

Mord an Bernadotte

Die Araber rings um Israel empfanden die vorschnelle Proklamation des Staates Israel als eine Provokation. Längst hatten sie sich, und zwar Ägypten, Transjordanien, Libanon, Syrien, Irak, Jemen und Saudi~Arabien, zur "Arabischen Liga" zusammengeschlossen. Außer von Saudi-Arabien und Jemen rückten nun arabische Einheften von allen Seiten in Palästina ein.

Die Situation des jungen Staates war verzweifelt. Die zionistischen Siedlungen in Galiläa erhielten den Befehl, die syrischen und libanesischen Einheiten zu stoppen und auszuharren, bis Hilfe kommen könnte.

Die zionistischen Siedlungen im Süden erhielten Befehl, das gleiche mit den Ägyptern zu tun.

Die Siedlungen um Jerusalem hatten Befehl, das Vordrängen der arabischen Legion, die von dem britischen General Glubb Pascha geführt wurde, aufzuhalten.

Inzwischen sollte in der Gegend von Tel Aviv die israelische Armee offiziell aufgestellt und bewaffnet werden. Sehr bald kam es zu heftigen Kämpfen, und nun erwies es sich, daß die Zionisten auch bei ihren Landaufkäufen überaus schlau vorgegangen waren. Sie hatten die wirtschaftlichen Erträgnisse wenig beachtet, dafür aber die Lage der Grundstücke nach ihrer politischen und militärstrategischen Bedeutung. Es zeigte sich, daß die jüdischen Siedlungen in der Lage waren, mit ihren eigenen Kräften wichtige arabische Städte, wie Zum Beispiel Hebron und Nablus, zu sperren und zu isolieren. Während die arabischen Streitkräfte militärisch im wesentlichen von geringem Wert waren, schlug sich die arabische Legion hart, und es glückte ihr sogar, die jüdische Altstadt von Jerusalem einzunehmen. Dod~ an anderen Fronten konnten die Zionisten rasch Erfolge erzielen.

Wegen des Verlustes der jüdischen Altstadt von Jerusalem entStanden später in Israel große Schwierigkeiten. Besonders Dr. Dov Josef, zur Zeit der Kämpfe Sochnuth-Vertreter in Jerusalem, behauptete in seinen Memoiren, daß über seinen Kopf hinweg von Tel Aviv aus die Altstadt Glubb Pascha übergeben wurde, obgleich sie von der Hagana zu halten gewesen wäre. Wahrscheinlich wurde die Altstadt aber übergeben, um Jordanien voll zu befriedigen und so die arabische Einheitsfront zu sprengen, was auch gelang.

Die Führung, insonderheit der ägyptischen Armee, verzettelte sich und gab den Zionisten genug Zeit, den Widerstand zu organisieren. Wenn die arabischen Armeen einen Blitzkrieg geführt hätten, wäre es mit dem Staat Israel vorbei gewesen. Nun kamen von überall Waffen und Freiwillige, und die Position der israelischen Armee besserte sich von Tag zu Tag. Ich bemühte mich in Israel vergeblich, über die Masse dieser Freiwilligen, die zum Teil von Einwandererschiffen direkt in den Einsatz geworfen wurden, genaue Angaben zu erhalten. Keine einzige Dienststelle, keine Persönlichkeit konnte mich aufklären.

In diesen Kämpfen wurde vornehmlich die Tragödie des Dorfes Deir Jasin bekannt, das westlich von Jerusalem liegt. Ob nun tatsächlich arabische Freischärler in der Nähe operierten oder ob zionistische Gruppen aus taktischen Gründen das Dorf angriffen, wird man wohl nie erfahren. Als die israelische Einheit in Deir Jasin eindrang, fand sie nur alte Männer, Frauen und Kinder vor. Die meisten Männer des Dorfes arbeiteten in der Stadt und bebauten nur in ihrer Freizeit die kärglichen Äcker. Als die Israeli wieder abrückten, lagen im Dorfbrunnen 200 Leichen.

Zwar sprach die Jewish Agency offiziell ihren Abscheu über dieses Verbrechen aus, aber der Ruf nicht nur Israels, sondern des Judentums war für immer mit dieser schaurigen Affäre belastet. Leider gab es eine Reihe solcher Vorkommnisse, die indessen nicht so bekannt wurden. Über Deir Jasin schrieb später Glubb Pascha in seinem Erinnerungsbuch "Jenseits vom Jordan" und verbreitete damit die Geschichte dieses Massakers in der ganzen Welt.

Auch Dr. Dov Josef streift die Ereignisse des 9. April 1948 irr Dorf Deir Jasin. Begreiflicherweise versucht er als Mapaiführer die Schuld den Kämpfern anderer politischer Richtungen in die Schuhe zu schieben, während die anderen doch in der Lage sind zu beweisen,daß die Hagana dieses Vorgehen gewünscht hatte. Der zionistische Angriff auf dieses nahezu größte Araberdorf in Palasttna in der Nähe von Jerusalem, das 2000 Seelen zählte, erfolgte fünf Wochen vor der Unabhängigkeitserklärung Israels und auch fünf Wochen bevor wirklich kriegerische Auseinandersetzungen stattfanden. Israelische Kreise geben im Gegensatz zu Glubb Pascha, der von 200 Toten spricht, zu, daß 254 Araber, darunter eine große Zahl Frauen und Kinder, massakriert wurden. Der Rest der Bevölkerung floh. Dieser Massenmord wurde auch unter den Israeli heftig diskutiert. Tatsache bleibt aber auf jeden Fall, daß solche Morde die spätere Flucht fast der gesamten arabischen Bevölkerung veranlaßt haben. Wie immer es auch war, diese "Aktion" war für den Israelstaat von höchst positiver Bedeutung. Sehr bald zeigte es sich, daß der Vorstoß der Araber verpufft war. Auf Vorschlag des Vermittlers der UNO, des Grafen Bernadotte, kam es zu einem Waffenstillstand und zu einer Konferenz arabischer und zionistischer Vertreter auf der Insel Rhodos. Graf Bernadotte schlug den streitenden Parteien die Errichtung eines jüdisch-arabischen Bundesstaates vor, was jedoch von beiden Seiten abgelehnt wurde. Der Waffenstillstand, der vom 1. Juni bis 8. Juli 1948 dauerte, kam der israelischen Armee überaus recht. Sie stellte neue Einheiten auf und bildete sie aus.

Unterdessen entwarf Graf Bernadotte einen neuen Teilungsplan fir Palästina, nach dem der jüdische Teil Galiläa und den Küstenstreifen am Meer mit Haifa und Tel Aviv umfassen und zum arabischen Teil der Rest von Palästina und der Negev gehören sollten. Allein Jerusalem sollte unter der Kontrolle der UNO stehen. Dieser Vorschlag und der Bericht des Grafen Bernadotte über Palästina, der In der dritten Sitzung der UNO-Generalversammlung 1948 zur Sprache kam, besiegelten das Schicksal des Schweden.

Am 1?. September 1948 wurde Graf Bernadotte in der Neustadt von Jerusalem, dem jüdischen Teil der heiligen Stadt, mit Maschinenpistolen erschossen. Ein Auto hatte sich vor seinen Wagen quer über die Fahrbahn gestellt, so daß der UNO-Vermittler völlig wehrlos den tödlichen Salven preisgegeben war. Die Täter selber wurden nie ermittelt. Aber nur allerhöchste Stellen Israels wußten, wann, der UNO-Vertreter mit seinem Wagen die Demarkationslinie passieren würde, um seine Verhandlungen aufzunehmen, und die Attentäter mußten sehr genau über die Zeit und die Fahrtstrecke des Grafen Bernadotte informiert worden sein.

Schon vorher war der Krieg praktisch entschieden worden. Am 8. Juli 1948 lief der erste Waffenstillstand ab, und der Kampf wurde wieder aufgenommen. Am 18. Juli hatte Graf Bernadotte noch einen zweiten, nicht befristeten Waffenstillstand erreicht, der indes nicht eingehalten wurde. Die Israeli griffen an der Südfront die ägyptischen Verbände im Oktober an und warfen sie.

Anstelle des ermordeten Grafen Bernadotte kam nun als neuer UNO-Vermittler Dr. Ralph Bunche, ein USA-Farbiger. Zwar konnte er den dritten Waffenstillstand erreichen, doch wurde dieser von den Israeli wiederum nicht eingehalten. Sie griffen überraschend mitten im Waffenstillstand an, überrannten die Ägypter von neuem und besetzten ein Stück ägyptischen Territorrums.

Danach konnte Dr. Bunche einen vierten Waffenstillstand erreichen und die Israeli bewegen, das ägyptische Gebiet wieder zu räumen. Nun ruhten die Waffen. Doch der Friede kam nicht, denn dem Waffenstillstand folgte kein Friedensschluß.

Der militärische Sieg des israelischen Staates war für die ganze Welt eine Sensation, wahrscheinlich auch für die israelische Führung selbst. Die Soldaten des jungen Staates hatten ohne Tradition und ohne gründliche Ausbildung gegen eine zahlenmäßig überlegene arabische Einheitsfront gesiegt. Wenn auch die israelische Armee Von Anfang an besser bewaffnet war, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß die jüdische Bevölkerung Israels damals kaum mehr als 700 000 Menschen betrug, während die fünf arabischen Länder, die gegen Israel Krieg führten, eine Einwohnerschaft von 30 Millionen zählten. Der Erfolg der Israeli stützte sich indessen gleichermaßen ,auf den Mut der Verzweiflung, mit dem die junge Armee focht, auf die Rücksichtslosigkeit ihrer Kampfführung wie auch auf die Uneinigkeit der arabischen Verbündeten, ,von denen König Abdullah ausscherte was zur Folge hatte, daß die "Arabische Legion" nicht mehr kämpfte. So vermochten die Israeli ohne Rücksicht auf den Waffenstillstand all ihre Kräfte auf die im südlichen Palästina stehenden Ägypter zu werfen und den Hauptort des Negev, Beerseba, zu erobern.

Nur der schmale Küstenstreifen von Gaza blieb in den Händen der Ägypter, für die der Ausgang dieses Kampfes eine schicksalhafte Entscheidung bedeuten sollte. Die Niederlage, die der junge Hauptmann Gamal Abd el Nasser mit erlebte, war der Anlaß zum Sturze König Faruks. Seiner korrupten Hofclique schrieben die Ägypter ihre Niederlage zu.

Im siegreichen Israel aber sah es alles andere als gut aus. Es dauerte erstaunlich lange, bis man sich mit dem Führer des Weltzionismus, Dr. Chaim Weizmann, der sein Leben lang für die Verwirklichung der jüdischen Heimstätte in Palästina gearbeitet hatte, in Verbindung setzte, damit er das Amt des Präsidenten des Staates Israel übernehmen sollte. Der Staat Israel war bereits von 16 Staaten anerkannt, hatte aber noch immer keinen Präsidenten.

Das hatte eine tiefere Ursache. 1947 war nämlich Chaim Weizmann für einen übernationalen Staat Israel, in dem die Araber gleichberechtigt werden sollten, eingetreten. Und gerade das beabsichtigte man ja in Israel nicht durchzuführen. Trotzdem nahm Dr. Weizmann an und wurde der erste Prasident von Israel. Bis zu seinem Tode lehnte er es ab, seinen Namen zu ändern, und blieb, sehr im Gegensatz zu den anderen Israelführern, bei seinem ehrlichen Galuthnamen.

Innerhalb des jungen Staates prallten die Gegensätze scharf aufeinander. Jetzt, da der Sieg errungen war und der Staat geschaffen. ging die Regierung mit Waffengewalt gegen die Irgun Zwai Leurni vor, die ebenso wie die Sterngruppe offiziell aufgelöst wurde.

Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Hauptlast der Kämpfe, sowohl gegen die Briten als auch gegen die Araber, die Makkabäer trugen. Ihre Opfer ermöglichten erst das Entstehen Israels. Mehr als einmal baten die Haganaführer die Makkabäer um tatkräftige Unterstützung, namentlich in solchen Fällen, in denen Todesmut und Tollkühnheit erforderlich waren.Nun, da der Sieg errungen und die Haganaführung gleichzeitig Staatsführung geworden war, entledigte man sich mit wenig schönen Methoden der Makkabäer. Einer der tragischsten Vorfälle war wohl die Affäre mit dem Waffenschiff Altalena, das kurz nach Kriegsende 1948 vor Tel Aviv vor Anker ging. Die Waffen waren mit den Sammelgeldern der Makkabäer angekauft worden, die nun die Ladung löschen wollten. Die Regierung befahl, daß die Waffen für die Hagana beschlagnahmt werden sollten. Die Schiffsbesatzung weigerte sich, die Waffen auszuliefern, und versuchte die Ladung den Makkabäern zu übergeben.

Darauf eröffnete die Hagana auf höchsten Befehl das Feuer; mehr als zwanzig Juden blieben tot am Platze. Sie waren den Henkern Hitlers entgangen, aus den Kämpfen mit den Briten und Arabern heil nach Hause gekommen. Und jetzt wurden diese Juden von Juden erschossen. Das Ereignis hatte eine schwere Krise innerhalb der Makkabäer zur Folge. Die Mehrheit war der Meinung, man sollte das Feuer erwidern. Aber der später als "Faschist" verschriene Menachem Begin, einer der höchsten Makkabäerführer, verbot dies, da er jüdisches Blut nicht vergießen wollte. Die sozialistische Ha gana hatte weniger Skrupel gezeigt. Die Makkabäer bildeten nun die Cheruthpartei und wurden so zur schärfsten Oppositionsgruppe in der Knesseth.

Das arabische Getto

Die Kommunisten spielten noch keine Rolle, doch begannen sie rasch unter den verzweifelten Arabern Fuß zu fassen. Und die Lage der Araber war wahrhaftig verzweifelt! Schon vor den Kämpfen, besonders zum Teil sogar jedoch während der Kämpfe, wurde die arabische Bevölkerung, ganz einerlei, ob sie sich an den Kämpfen beteiligte oder wie die meisten völlig neutral blieb, größtenteils wahllos ausgeplündert und beraubt und nach dem Vorbild der baltischen, galizischen und ukrainischen Vandalen erschlagen.

Was damals den Arabern angetan wurde und was ihnen zum Teil heute noch angetan wird in Israel, ist um so unverständlicher, als ja gerade Juden in den fast 2000 Jahren in nahezu allen Ländern der Welt durch Generationen erlebend und erleidend erfahren mußten, was nationalistische und rassische Unduldsamkeit ist. Gerade wir Juden, die wir durch all die Jahrhunderte hindurch das Leben einer Minderheit erlitten haben, hätten nun in der Stunde, als das Schicksal auf diesem historischen Boden einer Gruppe Juden, den Israeli, die Macht gab, der Welt zeigen müssen, wie man eine Minderheit behandelt. Wie prophetisch hatte doch der geistige Führer des " Bund" über ein Jahrzehnt zuvor die Dinge vorausgesehen!

All das war dahin! Vertan die einzigartige Chance, vor der Geschichte ein Zeugnis von dem inneren Wert und dem tiefen Verantwortungsbewußtsein des Judentums abzulegen. Juden in Uniformen und Hagana oder der anderen Organisationen hatten sich nicht anders benommen als die antisemitischen Kosaken in Rußland, da die Eiserne Garde in Rumänien, als die haßerfüllten Galizier und die deutsche SS! Nicht, daß diese israelischen Grausamkeiten in Israel widerspruchslos hingenommen worden wären. Doch die öffentliche Kritik änderte die Lage leider nicht. Oft stand ich bei meinen Fahrten kreuz und quer durch das Land vor den mit Kakteen umsäumten kleinen Gärten und blickte zu den leeren Lehmhütten und Häusern ohne Türen und Fenster hin. Die von der Sonne verbrannten Wiesen und die vernachlässigte Erde

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bewiesen, daß diese barbarischen Zerstörungen letztlich niemandem genützt haben.

Wieder in Tel Aviv angekommen, hatte ich ein erschütternd Erlebnis, das ich nie in meinem Leben vergessen werde. In unserer Straße wohnte auch ein junger, etwa 28jähriger Rabbinatsschüler mit dem ich schon einige Male gesprochen hatte. Als ich ihm - sehr vorsichtig natürlich - meine Beobachtungen auf der Reise mitteilte, wurde er leichenblaß und begann zu zittern. "Wem sagen Sie das?" unterbrach er mich. "Noch heute habe ich manchmal in der Nacht Angstträume. Immer wieder steht der Junge von Jaffa vor meinen Augen." Verständnislos blickte ich ihn an. "Ich kam doch schon 1946 nach Palästina, und es war eine harte, schwere Zeit. Selbstverständlich schloß ich mich den Kämpfern an. Meine ganze Familie ging in den KZ zugrunde, ich mußte mit meinen eigenen Augen sehen, wie aus einem ganz geringfügigen Grund mein zehnjähriger Bruder Berl von einem betrunkenen SS-Mann erschossen wurde." Ich nickte. Ich konnte nur zu gut seine Gefühle verstehen. Doch was hatte das mit Jaffa zu tun?

Der Rabbinatskandidat fuhr leise fort: "Es war 1948, im Mai. Die Araber waren in hellen Scharen aus Jaffa geflohen, wie auch aus den anderen Orten. Unsere Kampfgruppe hatte die Aufgabe, einen leeren Straßenzug abzukämmen und nach Versprengten zu suchen. Tatsächlich stöberten wir in einer Scheune acht Männer und einen vielleicht Zehnjährigen auf. Wir stellten die Araber längs des Meeres auf und befahlen ihnen, hinaus auf das Wasser zu schauen. Als wir die Gewehre hoben - gerade ehe die Salve krachte -, drehte sich der Junge um und blickte ausgerechnet mich mit seinen dunklen Augen an. Ich werde diesen Blick nicht mehr los. Ich weiß nicht mehr, ob ich tatsächlich geschossen habe oder nicht. Die Leichen fielen ins Meer, und wir rückten weiter, um die großen Magazine zu durchsuchen. Doch ich war für nichts mehr zu gebrauchen. Vor mir stand das Bild, wie mein kleiner Berl ermordet wurde. War der kleine Araber ein Bruder? War ich der gnadenlose SS-Mann geworden? Es ist entsetzlich! Sie verstehen das nicht, Sie können es nicht verstehen." Ich schwieg. Jedes Wort war hier fehl am Platze. Am Abend suchte ich Dr. Baum auf und erzählte ihm, was ich alles gesehen und gehört hatte. Er seufzte schwer. "Es ging alles durcheinander", versuchte er zu entschuldigen. "Es war ein Kampf jedes gegen jeden, und sicherlich flohen die meisten Araber deshalb, weil der Großmufti sie dazu aufforderte."

"Ich weiß nicht, was der Großmufti sagte", widersprach ich ihm. "Möglicherweise glaubten die Araber 1948 an ihren Sieg und dachten, daß sie dann wieder unbehelligt zurückkehren würden. Es mag sicher auch solche unter den Arabern gegeben haben. Aber, lieber Doktor, wollen Sie mir einreden, daß ein Bauer sein Haus, seinen Grund und sein Vieh im Stiche läßt und aus politischen Gründen den Boden verläßt, der unter Umständen schon Hunderte von Jahren im Besitz der Familie ist? Die Ausrede ist zu billig! Ich habe das in Rumänien erlebt, in Polen und selbst in Transnistrien, und später, als wir durch Schlesien fuhren, hat man uns das gleiche erzählt: Die Masse der Bevölkerung, besonders der Bauern, blieb auf ihrer Scholle. Dort wurde sie dann auch in den Wirren des Krieges zumeist erschlagen. Diese Araber hier waren in der erdrückenden Mehrzahl Bauern. Wenn die das Land verlassen haben, so nicht deshalb, weil der Großmuffi sie rief, sondern weil sie Angst um das Leben ihrer Frauen und Kinder und um ihr eigenes hatten und, wie ich überall hören muß, auch mit Recht."

"Sicherlich", versuchte mich der alte Mann zu beschwichtigen, der selber oft recht unzufrieden war, jedoch wir wollen nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Bedenken Sie die verzweifelte Situation, in der wir uns befanden! Es hieß einfach: wir oder sie!" Ich nickte. "Den ersten Nationalsozialisten, den ich nach meiner Flucht aus dem Osten traf - es war ein junger Arzt, der besonders meiner Frau sehr half -, fragte ich auch, wieso all das so hatte kommen können. Und Sie werden es nicht glauben, lieber Herr Doktor, er sagte zu mir beinahe wortwörtlich das gleiche, was Sie mir jetzt gesagt haben: Die verzweifelte Situation des Krieges und so weiter. Und schließlich, gut, wenn wir die Erklärung gelten lassen - dann bleibt ja noch etwas anderes. Heute noch, zwei Jahre nach dem Krieg, leben die Araber als eine Art Bürger dritter Klasse, von niemandem verteidigt, von niemandem geschützt. Nur die Kommunistische Partei nimmt sie als Mitglieder auf. Die Arbeitergewerkschaften, die doch im Freien Gewerkschaftsbund sind und gegen die Rassendiskriminierung so groß das Maul aufreißen, sie verweigern einem Arbeiter die Aufnahme, wenn er Araber ist. Und bitte, ich habe genau die Zeitungen gelesen. Sehen Sie! Hier schreibt die hebräische Tageszeitung 'Al Hamischmar', Tel Aviv, am 10. Juli 1950: 'Selbst in den Tagen unseres Abwehrkampfes gegen die Araber kam es manchmal zu Zwischenfällen, die auch bei Würdigung des damaligen Notstandes ungerechtfertigt waren. Um so ungerechtfertigter sind sie heute. Sollte jetzt nicht endlich die Zeit gekommen sein, dem loyalen Teil unserer arabischen Bevölkerung das vollste Maß staatsbürgerlicher Gleichheit zu gewähren?' Und bitte hier:

Am 24. August 1950 veröffentlichten 'Jedioth Chadaschoth', Tel Aviv: 'Was geht in Mikdal Gad vor? Araber, ungefähr 2000 an der Zahl, wurden aus Sicherheitsgründen in einem besonderen Teil der Stadt untergebracht. Es wurde ihnen untersagt, dieses für sie bestimmte Gebiet zu verlassen. In dieser Situation fand vor einigen Tagen das Gerücht Nahrung, daß die israelischen Behörden die Araber von Mikdal Gad aufgefordert hätten, auszuwandern oder nach dem Norden zu ziehen. Es wird Klage darüber geführt, daß diese Araber Konsumgüter, die ihnen zustehen, seit Wochen nicht erhalten haben.'

Wissen Sie, was das ist, lieber Herr Doktor? Das ist Gettopolitik! Wenn ich das alles sehe und die Zeilen lese, dann schäme ich mich plötzlich, außerhalb dieses Gettos zu sein. Wie viele hundert Jahre haben wir Juden in dieser Gettoatmosphäre zubringen müssen. Immer wieder haben wir uns innerlich an unseren Talmudvorschriften aufgerichtet und uns gesagt, daß wir eben besser sind als unsere Verfolger. Und jetzt? Was ist denn los mit Ihnen? Merken Sie das nicht?

Selbst vor Gericht sind die Araber den Israeli nicht gleichgestellt. Für dasselbe Delikt, das ein Israeli und ein Araber begehen, erhält der Araber eine viel härtere Strafe. Oder ist es nicht so?" Dr. Baum schwieg. Am 11. Oktober 1950 meldeten die 'Jedioth Chadaschoth', TelAviv, daß die Araber von Tarschicha (östlich von Naharias) noch immer keine Bekleidungs- und Schuhwerkspunkte erhalten haben. Sie kaufen sich diese Punkte für hundert Mils pro Stück.

Und überdeutlich schrieb die hebräische Zeitung 'Haarez', Tel Aviv: 'Die Politik in Israel den Arabern gegenüber könnte man nur mit der Politik in den USA des vergangenen Jahrhunderts den Indianern gegenüber vergleichen. Die Araber werden keinen andnen Ausweg haben, wenn sie der Vernichtungspolitik entgehen wollen, als sich dem Kommunismus zuzuwenden.'

Am 10. Juli 1950 fand in der Knesseth die Schlußdebatte über das Staatsbürgergesetz statt. Die zwei arabischen Deputierten, der Kommunist Tewflk Tubbi und der Demokrat Alasawi, erklärten:

"...daß auch das Staatsbürgergesetz die Araber den Juden nicht gleichstellt. Nur etwa 60 000 Araber wurden von der Volkszählung im November 1948 erfaßt und erhielten ihre Identitätskarten. Darüber hinaus sind aber noch 100 000 Araber ohne staatsbürgerlichen Status.'So erklärt sich also, warum die Araber nur vier Deputierte in der Knesseth haben, während die Hebräer bei der derzeitigen Bevölkerungszahl von 1 250 000 Seelen mit 116 Deputierten vertreten sind. Das alles ist kläglich, zu kläglich." Wir sind in eine Sackgasse geraten", sagte Dr. Baum. "Eine schöne Sackgasse", entgegnete ich sarkastisch. "Das Notstandsgesetz begann die Enteignung des arabischen Grund und Boden in den militärischen Zonen. Da nahezu 80 Prozent der Araber in militärischen Zonen wohnen, kann ihnen jeder Meter Grund und Boden weggenommen werden. Und das neue Gesetz über den Besitz abwesender Grundbesitzer ist auch eine famose Sache. Wer also flüchtete, um sein Leben nicht zu verlieren, verlor seinen Besitz Er wird verkauft, der Preis von den Behörden festgesetzt. Wieviel Dunam arabischen Kulturbodens wurden schon entschädigunglos konfisziert und an die Kibbuzim verteilt?" "Ich weiß es nicht genau. Es sollen etwa 100 000 Dunam sein."

Ich nickte. Sehen Sie, lieber Doktor, letzten Endes ist es immer das gleiche. In Galizien, da hat es auch geheißen, aus rassischen oder religiösen Gründen fanden die Pogrome statt. Oder in Rußland, in Rumänien oder anderswo. Am Schluß waren die Judenwohnungen leergeplündert, die Männer oft erschlagen und die Frauen immer vergewaltigt. Alle bewegliche Habe wurde fortgeführt. Was hat das mit Rassenproblemen und was mit der Religion zu tun? Haben Sie sich noch nie die Mühe genommen, einmal den wenigen Arabern, die noch in Jaffa leben, in die Augen zu sehen? Sie finden nichts Gutes darin. Wenn die ein Judenbegräbnis sehen, dann denken die sich jetzt: Heute einer, morgen hoffentlich zwei."

Wir schieden bedrückt voneinander. Eigentlich tat mir der Alte leid, doch ich war selbst so verzweifelt, daß ich mit irgend jemandem reden mußte, ob er wollte oder nicht. Ich konnte diese Ungeheuerlichkeiten einfach nicht mit mir herumtragen.

Wenige Tage später traf ich bei Bekannten einen bewährten Palmachoffizier, der in der Familie, die ebenfalls erst seit kurzem im Lande war, sehr offenherzig über die Methoden der Vertreibung der Araber berichtete. Zum Teil waren die Einsätze der Palmach geradezu grotesk. Neben den schweren militärischen Aufgaben hatte die Palmach den Befehl erhalten, arabische Dorfbewohner in Furcht und Schrecken zu versetzen.

Da die Araber im allgemeinen sehr abergläubisch sind, verkleideten sich die israelischen Soldaten oft als Gespenster und rannten mit weißen Hemden hin und her, stießen schreckliche Schreie aus, schwangen Gongs, die sie schlugen, und trieben allerlei Unfug.

Andere wieder schossen ihre Maschinenpistolen ab und ließen Handgranaten detonieren. Die Araber mußten glauben, daß ganze Bataillone im Anmarsch waren und nicht nur die kleinen Gruppen, die in panische Angst versetzten. Waren diese Aktionen auch weit weniger blutig als leider viele weitere, erfüllten sie doch ihren Zweck. Nach einigen solchen Nächte flohen die Araber furchtgepeinigt über die nächste Grenze. Alsbald fiel mir auf, daß der Araberfriedhof in Tel Aviv, der in Zaffon liegt, so zerstört ist, daß man keinen einzigen Grabstein dort finden konnte. Die halb zusammengefallenen Grüfte des Friedhofs dienten damals nur als Treffpunkt für Liebende. Ich hatte aber darüber nicht weiter nachgedacht., Erst als ich in Beerseba an der Wüste Negev vor dem arabischen Friedhof stand, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die Grabsteine fehlten beinahe alle. Wenn sie noch vorhanden waren, hatte man sie umgeworfen oder zerschlagen. Gerade vorher hatte ich den großen Friedhof der britischen Soldaten bewundert, die hier im ersten Weltkrieg gefallen waren. Im Gegensatz zu der kleinen, armseligen und schmutzigen Stadt war dieser Friedhof peinlich sauber und gepflegt. Ich war durch Beerseba gewandert, den Ort, in dem einst Abraham, der Urvater, gewohnt hatte, und hatte nicht einen Hauch der biblischen Vergangenheit gespürt. Überall lungerten halb verhungerte Araber herum, und nur wenige Juden waren zu sehen. Zionistische Neuansiedler hatten ihre bescheidenen, von den Arabern verlassenen Häuser selbst instandgesetzt; jedoch die winzigen, engen Straßen waren deshalb nicht breiter geworden. Hier, bei den neuen kleinen Häusern der Neuansiedler, fand ich die arabischen Friedhofsteine. Sie dienten als Platten für die Treppen und für die Bürgersteige. Bei manchen waren die arabischen Schriftteichen, meist Koransprüche, noch deutlich sichtbar. Mein Fuß zuckte zurück, und mir lief es kalt über den Rücken.

Sicherlich war diese Kulturschande unter dem Zwange der Armut geschehen. Trotzdem stellte ich mir vor: Wenn irgendwo in Deutschland böswillige Narren oder übermütige Kinder einen Grabstein eines jüdischen Friedhofes beschädigen, welche Staatsaffäre! Wenn sie aber erst diese jüdischen Grabsteine als Treppen oder als Umrandungen für den Bürgersteig benutzt hätten, was würde dann die Welt gesagt haben? Am 5. Juli 1950 brachten die "Jedioth Chadaschoth", Tel Aviv auf der ersten Seite in der dritten Spalte die Meldung: Synagogenschändung in Essen. Zum zweiten Male im Laufe von zwei Monaten verschwand das Magen David von der Synagoge in Essen. Es handelt sich zweifellos um mutwillige Synagogenschändung. Britische und deutsche Polizei fahnden nach dem Täter."

Nun, hier in Beerseba braucht man nicht nach den Tätern zu fahnden! Sie legen die Zeichen ihrer Taten demonstrativ und gleichgültig auf die offene Straße. Denn für die Araber gibt es in Israel keine Gerechtigkeit. Man braucht die Araber nur in Beerseba, in Haifa, in Ludd oder in Ramleh anzuschauen, um zu erkennen, wie ihnen zumute ist. Sie weichen zurück, scheu und angstvoll, wenn ein Jude sie anspricht, und huschen in den Straßen vorüber wie Schatten. Zu all ihrem Unglück werden sie noch ständig verhöhnt. Als der Araber Tewfik Tubbi in der Knesseth die Regierung kritisierte, rief ihm Ben Gurion zu: "Du darfst nicht vergessen, du ißt israelisches Brot!" Ein bitteres Wort eines eingewanderten an den Landesbewohner!

Dr. Ebner, der greise ehemalige Führer der österreichischen und rumänischen zionistischen Bewegung, reagierte darauf in den in Tel Aviv erscheinenden deutschsprachigen "Tagesnachrichten" auch sehr prompt. Dr. Ebner erinnerte an die schweren Kämpfe, welche die Juden in vielen Ländern führen mußten, um als nationale Minderheit anerkannt zu werden. "Diese Antwort eines führenden Mannes in Israel", schrieb Dr. Eimer, "wird Unheil und Verwirrung in allen jenen Ländern mit sich bringen, wo Juden, also Angehörige einer Minderheit, politisch tätig sind."

Zu diesen politischen und kulturellen Diffamierungen kommen die wirtschaftlichen. Selbst begeisterte Zionisten gaben mir wiederholt zu, daß die arabischen Arbeiter schlechter entlohnt werden als die. jüdischen und der Kaufpreis, den die arabischen Bauern für ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse erhalten, meist unter den Gestehungskosten liegt. Nun dachte ich in jener Zeit, als ich in Israel war, daß sich diese Lage allmählich normalisieren wurden, doch inzwischen sind nahezu Zehn Jahre vergangen, und in Israel blieb in dieser Hinsicht alles beim alten. Während sich die ganze Welt über die Unterdrückung nationaler Minderheiten aufregt, wird die arabische Minderheit auch weiterhin mit allen Mitteln unterdrückt. Während man überall darangeht, das Kolonialsystem zu liquidieren, bleiben in Israel die arabischen Kolonien - anders werden diese Dörfer nicht behandelt denn als Kolonien - weiterhin bestehen.

Zur Stunde hält die Militärverwaltung für die arabischen Gebiete an. 1960 versuchten in der Knesseth die Partei der Allgemeinen Zionisten und die Cheruthpartei die Aufhebung der Militärverwaltung zu erreichen. Vergeblich! Nach heftigen Debatten wurde der Antrag von der sozialdemokratischen Mehrheit der Mapai niedergestimmt. Am erschütterndsten für mich war es, zu erfahren, daß auch in folgenden Jahren, besonders in der Zeit, in der sich Israel im Oktober 1956 an dem Krieg Englands und Frankreichs gegen Ägypten beteiligte, neue schreckliche israelische Verbrechen gegen die Menschlichkeit an den Arabern begangen wurden. Ich war sehr verbittert daß der "Spiegel", Hamburg, allerdings erst am 21. Mai unter der Überschrift "Die Saat der Gewalt" über diese in der Welt peinlich totgeschwiegenen Dinge berichtete.

Unter jenen Israeli, die nicht bereit sind zu schweigen, befindet sich der junge Uri Avneri, der 1933 als Helmut Ostermann von Hannover nach Palästina ausgewandert war. Er gibt die Zeitschrift Haolam Haze" heraus, in der er sehr offen die Gleichberechtigung der arabischen Minderheit und eine Politik der Entspannung fordert. Das Ziel dieser Zeitschrift und ihrer Anhänger ist ein israelischer Bundesstaat. Ich bedaure es sehr, daß ich diesem Uri Avneri während meines Aufenthalts in Israel nicht begegnet bin.

Als am 14. Oktober 1953 eine Sonderabteilung der israelischen Armee als Repressalie für arabische Guerillaangriffe das jordanische Grenzdorf Kibya zerstörte und nahezu alle Bewohner tötete protestierte Avneri in seiner Wochenzeitung "Haolam Haze" gegen dieses brutale Vorgehen. "Denken wir daran, daß wir eines Tages unseren Kindern in die Augen blicken müssen, wenn wir ihnen von unserem Kampf erzählen. Halten wir unsere Waffen rein!" Natürlich wurden Avneri und einer seiner Mitarbeiter am nächsten Tag überfallen und halb totgeprügelt. Doch sie gaben nicht auf.

So wie die Tragödie von Deir Jasin durch Glubb Pascha bekannt wurde, so erfuhr ein Teil der Öffentlichkeit durch Uri Avneri von dem entsetzlichen Massaker im Dorfe Kfar Kassem, im sogenannten Dreieck westlich der Stadt Tulkar, das nach dem UNO-Beschluß zu Jordanien gehören sollte, beim Waffenstillstand aber an Israel fiel.

Am ersten Tag des Sinai-Feldzuges, am 29. Oktober 1956, teilte der israelische Armeemajor, der für die Sicherheit des Raumes verantwortlich war, dem Bürgermeister von Kfar Kassem um 16 Uhr mit, daß über das Dorf ab 18 Uhr ein strenges Ausgehverbot verhängt sei.

Da sich die arabischen Bauern alle auf ihren Feldern befanden und nicht vor 19 oder 20 Uhr nach Hause kamen, beschwor der Bürgermeister den Major, die Frist am ersten Tag zu verlängern, da es ihm unmöglich wäre, in der kurzen Zeit alle Bauern auf dem Felde zu verständigen.

Der israelische Major telefonierte mit seinem Brigadier und erklärte dann, daß keine Ausnahme gemacht werden könne.

Die Mehrzahl der Bauern des Dorfes Kfar Kassem, die weit draußen gearbeitet hatten, kam gegen 19 Uhr zurück. Sie wurden von einer israelischen Grenzpolizeiabteilung festgenommen, alles in allem siebenundvierzig Menschen, in der Hauptsache Männer, aber auch Frauen und Kinder, welche die Väter auf die Felder begleitet hatten. Die israelischen Grenzpolizisten verluden die völlig verstörten Araber auf Lastwagen und fuhren sie am Dorfrand vor eine Mauer. Dort wurden alle siebenundvierzig, Männer, Frauen und Kinder, teils erschossen, teils mit Bajonettstichen und Kolbenschlägen umgebracht. Nie hätte die Welt davon erfahren, wenn nicht Uri Avneri dievon der Regierung geheimgehaltenen Einzelheiten des Massakers unter dem Titel "Die Saat der Gewalt" in seiner Wochenzeitung veröffentlicht hätte. "Wir können unsere Hände nicht in Unschuld ,waschen", schrieb Avneri, "denn wir alle haben geduldet, daß der Keim des Hasses gelegt wurde."

Uni seinen Lesern zu zeigen, wie weit die Dinge schon fortgeschritten sind, veranstaltete Avneri eine Umfrage unter sechs- bis zehnjährigen israelischen Kindern über ihre Einstellung zu den Arabern. Die Antwort der meisten lautete: "Die Araber sind dreckig und stinkend. Man soll sie alle abschlachten."

Den Angriffen Avneris schlossen sich erfreulicherweise auch Zeitungen der linkssozialistischen Mapai und des intellektuellen Kreises um Martin Buber an. Unter dem Druck ihrer Veröffentlichungen bequemte sich die Regierung zu einer Untersuchung. Zwei Jahre später wurde ein Prozeß gegen den Major durchgeführt, nicht aber gegen den Brigadegeneral, der, wie es landesbekannt geworden war, den Mordbefehl ausdrücklich gebilligt hatte. Der Major kam natürlich mit einer geringen Strafe und Bewährungsfrist davon.

Als ich das las, erinnerte ich mich eines Falles, der in der Zeit behandelt wurde, als ich mich in Israel befand. Nach Kriegsschluß wurde in der Stadt Ramleh ein zwölfjähriges Arabermädchen von einem israelischen Soldaten vergewaltigt und schließlich ermordet. Der Sexualverbrecher zerstückelte die Kinderleiche und warf sie in einen Brunnen. Die Familie fand erst eineinhalb Jahre später, nachdem sie selbst verschiedenes Anklagematerial gesammelt hatte, bei einem israelischen Untersuchungsrichter Gehör. Der Soldat wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, doch sagte man mir, daß er nach sechsmonatiger Haft amnestiert worden sei. Die Geschichte der Menschheit ist reich an Gemeinheiten und an Grausamkeiten Wenn man all das bedenkt, was im Verlaufe der Jahrtausende Menschen den Menschen angetan haben, muß man wahrhaftig daran zweifeln, daß wir Ebenbilder Gottes sein sollen Niemals hätte ich geglaubt, daß sich dereinst auch ein jüdischer Staat in diesen Teufelskreis des Hasses, der Unduldsamkeit und du Verbrechens begeben würde. So weit hat uns der fanatische Chauvinismus der Zionisten, besonders aber der zionistischen Sozialdemokraten, gebracht.

Mögen wir als Juden niemals das bezahlen müssen, was uns eine gewissenlose Clique in Israel an Schuld auflud! Bisher standen wir Juden vor der Welt als diejenigen da, die Gerechtigkeit zu fordern hatten.

Nun hat man in Israel den Arabern gegenüber diese Gerechtigkeit vor aller Welt mit Füßen getreten.

Daß in Israel nur eine kleine Minderheit des Weltjudentums lebt und daß die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung von Israel mit diesen Greueltaten nichts zu tun haben will, wird die Welt vielleicht ebensowenig zur Kenntnis nehmen, wie sie 1945 zur Kenntnis nahm, daß auch die Masse des deutschen Volkes mit den entsetzlichen Folgen der Judenhetze nichts zu tun hatte.


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