Leserbriefe


Allgemeine Stellungnahme

Geschichtliche Dogmas auch anderswo

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich erlaube mir, Sie auf ein interessantes Buch aufmerksam zu machen, das viel mit freier Geschichtsforschung zu tun hat: Prof. Dr. Dr. Udo Köhler, Jesus der Befreier von Religion, Magie und Ideologie, Haag + Herchen, Frankfurt/Main 1997, 183 S., DM 28,-.

Der Autor setzt sich wissenschaftlich mit der Verfälschung der christlichen Lehre auseinander. Das Buch stellt die bisherigen Erkenntnisse der oft verschwiegenen kritisch-historischen Jesus-Forschung vor. Es enthält frappierende Parallelen zur neuzeitlichen »Holocaust«-Thematik. Nur einige Beispiele mögen dies verdeutlichen. Ich zitiere:

»Noch immer werden die Menschen durch Religionen und Ideologien getrennt und durch deren Machthaber in Unwissenheit, Angst und Unmündigkeit gehalten. Denn wer nichts weiß, muß alles glauben (Maria v. Ebner-Eschenbach). Noch immer werden das die Würde des Menschen begründende freie Denken und sein eigenverantwortliches ethisches Handeln unterdrückt, diffamiert und durch antiquierte kollektive Systeme ersetzt, denen sich der "Gläubige" in "kindlichem Gehorsam" (K. Wojtyla) zu unterwerfen hat.« (S. 7)

»Mit zunehmendem zeitlichen Abstand ihrer Autoren (Evangelisten) von der mündlich überlieferten und daher schon erheblich verzerrten historischen Realität werden die Berichte immer übersteigerter und phantastischer, sofern es sich nicht schon von vornherein um Legenden handelt.« (S. 15)

»(Weisheit des Buddha) "Höre meine Weisung: Glaube nichts auf bloßes Hörensagen hin; glaube nicht an Überlieferungen, weil sie alt und durch viele Generationen bis auf uns gekommen sind; glaube nichts auf Grund von Gerüchten oder weil die Leute viel davon reden; glaube nicht, bloß weil man dir das geschriebene Zeugnis irgendeines alten Weisen vorlegt; glaube nie etwas, weil Mutmaßungen dafür sprechen oder weil langjährige Gewohnheit dich verleitet, es für wahr zu halten; glaube nichts auf die bloße Autorität deiner Lehrer und Geistlichen hin. Was nach eigener Erfahrung und Untersuchung mit deiner Vernunft übereinstimmt und deinem Wohl und Heil wie dem aller anderen Wesen dient, das nimm als Wahrheit an und lebe danach"« (S. 157)

Soweit die Zitate. Vielleicht wäre die Beschäftigung dem Buch auch für die Leser der VffG interessant.

O. N., K.


zu: M. Gärtner, Volksverhetzung? Volksverhetzung!, (VffG 4/1997, S. 244f.)

Sehr geehrte Damen und Herren,

Trotz sich über mehr als ein Jahr hinziehender, mehrmaliger Versuche, mit den Personen der Stuttgarter Nachrichten, die für diese Bildfälschung verantwortlich sind, in Kontakt zu kommen, ist es mir bisher wie Ihnen nicht gelungen, von dort eine Stellungnahme zu bekommen. Man hüllt sich in vielsagendes Schweigen. Anbei das erste von vielen unbeantworteten Schreiben an diese Zeitung:

STUTTGARTER NACHRICHTEN

– Redaktion –

Plieninger Str. 150

70567 Stuttgart

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist wirklich ein wahrhaft Kreuz; da hat man nun all die Jahre, und, weiß Gott, nicht zuletzt dank Ihres unermüdlichen Empressements in der Verkündigung des Offenkundigen, sich geborgen gefühlt, sich wohlig im Grundkonsens aller Gutmensch geräkelt, hat, mit bewunderndem Erschauern miterleben dürfen, mit welch geradezu exemplarischer Emphase Sie sich in permanenter Bereitschaft an der »Pflicht der Deutschen, von Auschwitz zu wissen« beteiligt haben und durfte vertrauensvoll mit vollen Händen aus dem profunden Scheffel Ihrer diesbezüglich gesammelten Scherflein schöpfen zu eigenem Nutz und Frommen der gesicherten historischen Erkenntnis. Und das war ja nicht nur richtig so, sondern auch notwendig. Denn der Anfechtungen waren und sind ja nicht wenige. Immer wieder machen sie sich bemerkbar, tauchen auf aus dem braunen Sumpf, solche, die da mit ihren üblen Basteleien an der »Auschwitz-Lüge« an den »Grundfesten des Selbstverständnisses dieser Gesellschaft« rütteln, das »moralische Fundament unserer Republik«, ja sogar »die Grundlagen […], auf denen die Bundesrepublik Deutschland errichtet worden war«, preisgeben wollen.

Freilich, und um sich wieder auf das Kreuz zuzubewegen: Sie sind ja nicht das Problem, diese Renegaten unseres demokratischen Katechismus mit ihrem stupiden Geplärre um den Art.5, Abs.3 GG. Nein, diese Häresie gegen unsere verfassungspatriotische Staatsreligion hat gottlob keine Chance. Und sollte je doch jemand glauben, für ihn gelte nicht, daß es »für das Volk der Täter […] keine Befreiung von Auschwitz geben [kann und darf]«, er, gestützt auf vermeintliche Ratio seiner privaten Säkularisierung frönen will, gibt es in dieser wehrhaften Demokratie ja immerhin noch den – und gebenedeit sei er! - § 130 StGB. Per exemplum exekutiert an jenem, die »braune Suppe kochenden Jungakademiker«, dessen wissenschaftlichen Qualitäten sich, wie in Fettdruck dokumentiert, auf eine besonders perfide Weise decouvrierten: Hatte er doch bei der Urteilsverkündung in obszöner Weise seine maligne Gesinnung zur Schau gestellt und, ach Gott wie fies, dem Richter den Rücken zugekehrt!!

Nein, sie sind wirklich keine Gefahr für die geistige Ausrichtung all derer, die sich der Führung der politisch Korrekten anvertrauen. Wie aber, wenn nun diese selbst, aus welchen Gründen auch immer, der Ketzerei Vorschub leisten? War es doch schon schwer genug, standhaft im Glauben des Singulären zu verharren angesichts der Erzählungen und Geschichten der Herren Szende, Wiesel, Vrba, Karski, Aroneau, Henocpue, J.F. Steiner, F. Müller, S. Bendel, und, ja doch, S. Wiesenthal! Sicher war da das Verständnis eines Christenmenschen für die licentia poetae gefordert und hatte sich auch dem nicht verweigert, daß, »wenn es so schon nicht war, so doch hätte sein können«. Auch Wannsee-Protokoll(e), Gerstein-Bericht(e), Höß-Tagebuch waren als leidige Betriebsunfälle abzuschreiben und zu verdauen und selbst die Zweifel an Dieselmotor(en), Verbrennungsgruben, Gaskammern, Gaswagen, Blutvergiftungsstationen, Elektroduschen, Judenseifenfabriken und Knochenmühlen, an »10 bis 15 Menschen« fassende, »kleine, auf Schienen zirkulierende Wagen«, die ihre »Ladung lebender Menschen in den Ofen hinein[schleudern]«, an das »durch Öffnungen im Fußboden« hochsteigende Gas, an die »etwa sechzig bis siebzig Frauen«, denen in einem »vier mal vier Meter« messenden Raum (das war die Gaskammer) von »sechzehn bis siebzehn« Friseuren die Haare geschnitten worden waren, an die Grube, aus der »riesenhafte« Flammen loderten, und dem Lastwagen, der seine Ladung »kleine Kinder, Babys« dort hineinschüttete, schrumpften zusammen, wurden zur Quantité négligable angesichts der inzwischen längst verinnerlichten Kollektivscham als angenommene Kollektivschuld und der jeder Infragestellung abholden Sühnebereitschaft eines in bereitwilliger Schamträgerschaft versunkenen Angehörigen desselbigen Weltbußzentrums sui generis.

Doch wie gesagt – tempora mutantur! – eine Zäsur in Sachen sowohl dieses spezifisch bundesdeutschen Viktoria-Moralismus als auch bei der Hege des Sanktuariums der singulären deutschen Verworfenheit scheint unaufhaltbar. Die bemerkenswerte Erkenntnis des Herrn Bubis, wonach »[man] Manches nur lange genug wiederholen [muß], um selbst daran zu glauben«, mag sich nicht mehr so recht zu verifizieren.

Schuld daran, und damit das eigentliche Kreuz für die gesicherte historische Erkenntnis, sind die einschlägigen Verlautbarungen jener, die aus der Sicht der Plebs (denke ich an Herrn Kinkel und seine »Dorfwährung«, wäre ich geneigt von »Dorfdeppen« zu sprechen) Kraft ihres Amtes und ihrer Stellung, gehalten sind – oft genug auch nur vermeintlich! – Hochkarätiges zu verbreiten.

Stellvertretend seien hier einige solcher gravierenden Beispiele genannt, die auf Grund ihrer Provenienz mehr zu meiner sozialethischen Verwirrung beigetragen haben als die gesamte obskure Revisionisten-Mischpoke.

Es war für mich eine gesicherte historische Tatsache: Die Vernichtung der Juden erfolgte in Gaskammern. Das wird bedauerlicherweise von einer bekannten sozialdemokratischen Politikerin (sie wäre so gerne eine Slowakin) ignoriert. Für sie fanden die Morde in GasÖfen statt, wie sie ihr geneigtes Publikum in einer großen süddeutschen Zeitung wissen ließ. Eine ebenso der Offenkundigkeit widersprechende Darstellung ist ausgerechnet S. Wiesenthal eingefallen. Für ihn fanden die Vergasungen [in Auschwitz] auch nicht in den Gaskammern, sonder in Gaswagen statt. Was beide dabei übersehen hatten, das war die epochale Entdeckung einer südwestdeutschen Tageszeitung (Sie dürfen mal raten in welcher!): Sie schuf mit der Veröffentlichung des Photos mit dem Titel »Menschensvernichtungsmaschinerie: Die Gaskammern von Auschwitz« die Sensation in der Holocaust-Forschung. Meine Euphorie war unbeschreiblich. Endlich bekamen sie es um die Ohren, wurden geprügelt mit ihren eigenen Waffen, die penetranten Auschwitz-Leugner – der forensische Beweis, den sie ständig in widerlicher Larmoyanz reklamiert hatten, weil, und auch das ein untrügliches Zeichen ihrer verblendeten Ignoranz, die hundertfachen Zeugenaussagen in den NS-Prozessen für die historische Forschung angeblich wert- und belanglos seien, hier lag er nun klar zutage!

Doch auch in diesem Falle währte mein ungebärdiges Frohlocken nur wenige Tage. Eine weitere unumstößliche Tatsache zerstob wie eine Seifenblase – der scheinbare Beweis entpuppte sich schlicht als die Entwesungsanlage des Zigeunerlagers.

Aber, welch göttliche Fügung, fast keiner der hierzulande hausenden engleutsch sprechenden Ethnopluralisten hatte den Schmäh und die Unverfrorenheit registriert, die Schamträgerschaft blieb unberührt und ich selbst trotzdem noch immer ungebrochen im starken Glauben an das Offenkundige.

Doch dann kam der Auftritt jener Dame, die wegen ihrer Bemühungen um das Fortkommen des Herrn Gemahles und ihrer eigenen Höhenflüge ins Gerede gekommen war, aber – clericus clericam non decimat! – denn doch der systemimmanenten Absolution teilhaftig wurde. Mein Gott, wie verzückt, wie hinreißend hat sie ihn doch angeblickt, den Herrn Bubis, als sie ihm das Rehlein überreichen durfte! Ja, und selbige Dame die hatte in einer Rede via Fernsehen sich dem Geschehen in der Schlucht von Babi Jar angenommen. Und soviel Mut ist schon zu bewundern, denn eigentlich ist sie in Sachen Zeitgeschichte doch recht unterbelichtet, weil, wie sie selbst bekannte, ihre Geschichtskenntnisse nur bis zum Jahr 1918 reichten. 133.000 Menschen hätten die SS- und SD-Schergen dort in zwei Tagen umgebracht, ließ sie uns wissen. Das war eine ganz konkrete und, wie ich glaubte, von ihr bzw. ihrem Referenten korrekt recherchierte Angabe. Trotzdem aber hatte sie nicht verhindert, daß in der gedruckten, für die Presse bestimmten Rede irgendein subalterner Wichtigtuer sich erdreistete, die Zahl der Ermordeten auf 33.771 herunterzulügen.

Daß eine derartige scheibenweise vollzogene Demontage an der innig verehrten Staatsreligion schließlich doch seine Spuren hinterläßt, man gewahr wird, wie schwer es wird, adversum stimulum calces zu löcken, wen mag’s noch wundern? Und wann dies gerade so ungebremst weitergeht, wie nun jüngst von Ihnen geboten – s. dazu die o.e. begleitenden Photos zu den Artikeln »Sturm der Entrüstung fegt über Bern« und »Das Gold verliert zunehmend an Glanz« [StN vom 8. bzw. 16.1.1997], ob es da nicht konsequenter ist, man verweigert sich doch der geistigen Kastration und wandelt sich vom Paulus zum Saulus?

Ich jedenfalls habe mich dazu entschlossen. Mit einem gehauchten Hosiannah darf ich mich ergebenst aus der Gilde der politisch Korrekten verabschieden.

Der Lektüre der Stuttgarter Nachrichten werde ich mich fürderhin nur äußerst behutsam und selektiv widmen; dafür aber in der Gewißheit, daß allenfalls durch einen – selbstverständlich verzeihlichen – Druckfehlerteufel, die Offenkundigkeit der Fußballergebnisse in Frage gestellt werden könnte.

Ob ich zum Ausgleich, und durchaus im Bewußtsein, womöglich zum einen dem Herrn Schäuble auf die Füße zu treten, zum anderen damit einen Beitrag zur Gewissensentlastung – dies natürlich nolens, volens – des Herrn Schmidt-Jortzig leisten zu können, mich in die Zündelsite einkaufen werde, das muß ich noch einmal überschlafen.

Mit freundlichem Gruß

K. S., Stuttgart

ANMERKUNG DER REDAKTION

Normalerweise veröffentlichen wir keine an andere Zeitungen gerichteten Leserbriefe. In diesem Fall lag dies aufgrund des Themas nahe, andererseits ist es aber auch ein Hochgenuß, diesen süffisanten Brief zu lesen, so daß wir ihn mit unseren Lesern teilen wollen.


zu: Aus der Forschung: Fä = Fälschung, (VffG 2/1998, S. 146)

Verehrter Herr Herausgeber

im oben genannten Artikel schrieben sie über das Buch Den siste Juden fran [soll heißen från] Polen. Zunächst sollte es heißen »ad fontes« (Plural). Dieses Buch liegt auch in dänischer Übersetzung vor: Løftet Hitler Holdt, Povl Branners Forlag, København 1945. Darin ist das Vorwort auf S. 9 datiert mit: »Stockholm, den 1. Marts 1943«, also nicht den 31. März. Wir können aber nicht davon ausgehen, daß diesem Fehler ein vorsätzlicher Betrug zugrunde liegt. Es mag auch nur ein dummer Fehler sein, zu dumm, um vorsätzlich gemacht zu werden. Wie Sie richtig feststellen, bezieht sich das Buch auf Ereignisse vom Juli 1943 (S. 30). Das Interessante an dem Buch ist, daß nach dessen Angaben schon vor September 1942 3.000.000 Juden getötet worden sein sollen, und weitere 2.000.000 Juden im Zeitraum zwischen September 1942 und Juli 1943. Soweit ich erkennen kann, werden darin Gaskammern oder Vergasungen nicht erwähnt. Belzec taucht darin als einzige Massenmordstätte auf. Der Autor erwähnt zwar Oswiecim (S. 30, 85f.), aber nicht als Massenmordstätte.

H.I., K.


zu: In Kürze: Politologe Dr. M. Koll zu 10 Monaten verhaftet, (VffG 2/1998, S. 162)

Sehr geehrte Herren,

ich las Ihre Ausführungen zum Fall Dr. Koll/Streithofen. Dabei fiel mir ein, daß Herr Streithofen selbst sehr kritische Anmerkungen zu Fragen des Judentums gemacht hat. Deshalb wurde er auch aus dem Kreis der Berater Kohls entfernt und irgendwo in Bonn kaltgestellt.

Ich sandte ihm damals Unterlagen, die seine Einstellung bestätigten, wozu ich einen unverschlossenen Brief den Dominikanern von St. Andreas, Köln, in den Briefkasten warf. Er rief mich an und bedankte sich. Ich hatte den Eindruck, daß er sehr deprimiert war.

Heute gehe ich davon aus, daß er Bußarbeit zu leisten hat, jeder kennt ja die Ordensdisziplin katholischer Gemeinschaften. Genauso nehme ich an, daß ein großer Teil Ihrer Bedrängnis aus dem Versand (so er erfolgt) an die Ordensgemeinschaft der Jesuiten herrührt.

Wenn Sie die Adresse von Herrn Streithofen kennen, würde ich ihm mit den Ausarbeitungen Ihres Kreises weiter anschreiben.

K. K., Köln

ANMERKUNG DER REDAKTION

Leider kennen wir die Anschrift von Herrn Streithofen nicht. Es darf bezweifelt werden, ob Herr Streithofen in unserem Fall anders reagieren würde als im Fall Koll, d.h. mit einer Denunziation. Jesuiten befinden sich nicht wissentlich in unserem Verteiler.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(4) (1998), S. 323ff.


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