Leserbriefe

Allgemeine Stellungnahmen

Gaskammer-Vorbild

Sehr geehrte Damen und Herren,

Der 1937(!) gedrehte US-Film des deutschen Titels »Der letzte Gangster« (ARD, 23.4.88, 22:05, Szenenfoto anbei) bringt viele Handlungen aus Gefängnissen. So spielt der Film u.a. in einem großen Gefangenen-Speisesaal. An der Decke befinden sich Behälter mit Gaspatronen. Bei großen Unruhen und Streitigkeiten der Gefangenen werden die Gaspatronen von der Decke fallengelassen. Das Gas strömt aus und betäubt die Gefangenen.

Frage: Diente die Einrichtung in den US-Gefängnissen als Vorlage für die in späteren Jahren aufgestellte Behauptung, in KZ-Lagern seien Menschen vergast worden? Warum sollten aufmerksame Beobachter nicht zu diesem Schluß kommen?

R.T., Osnabrück


zu: R. Kammerer, Kommentierte Auszüge aus W. de Boor, Wahn und Wirklichkeit, (VffG 1/1998, S. 58ff.)

de Boor ohne Resonanz (vgl. VffG 3/98, S. 239)

Sehr geehrter Herr Dr. Schikorski,

von Herrn Prof. Gastpar, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, erhielt ich Ihr Schreiben vom 17.06.1998. Sie beziehen sich auf die Buchbesprechung der Zeitschrift "Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung", in der über das Buch "Wahn und Wirklichkeit. Psychiatrische Grenzfälle vor Gericht" von Wolfgang de Boor berichtet wird. Herr Prof. Gastpar hat den Vorgang an mich weitergeleitet, da ich in der DGPPN für die Sektion "Forensische Psychiatrie" zuständig bin. Ich kann Ihnen nach Lektüre der von Ihnen übersandten Unterlagen mitteilen, daß die Schrift von de Boor in der Forensischen Psychiatrie keine wesentliche Rolle spielt. Der Autor hat in früheren Jahren eine umfangreiche Tätigkeit als Gutachter entfaltet, was inzwischen jedoch aufgrund vorgerückten Alters nicht mehr der Fall ist. Das sog. Monoperzeptose-Konzept ist ohne größere Resonanz in der forensischen Literatur geblieben. Daraus abgeleitete Empfehlungen für die Fragen der Schuldfähigkeit oder der Unterbringung im Maßregelvollzug, wie sie der Autor vorschlägt, werden von den übrigen Gutachtern sicherlich nicht geteilt. Insofern besteht wohl auch keine Gefahr, daß hier ärztlich oder forensisch-psychiatrisch bedenkliche Entwicklungen eintreten.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Auskünften gedient zu haben, und stehe für eventuelle Rückfragen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Univ.-Prof. Dr. med. H. Saß, Uni-Klinik Aachen


Monoperceptose eine theologische Erfindung

Herrn
Dr. Schulenburg
Ärztekammer Nordrhein
Tersteegenstr. 31
40474 Düsseldorf

6. Juli 19981
Prof. de B/Scho

AZ.: 1076/98 S schu-sas v. 1.7.98

Sehr geehrter Herr Dr. Schulenburg,

zu Ihrem Brief vom 1 . Juli teile ich Ihnen mit, daß ich für die Aufregung des Kollegen Dr. Schikorski ein gewisses Verständnis habe. Mit einer psychiatrischen Diagnose sind die Betroffenen nur sehr selten einverstanden.

Die Diagnose "Monoperceptose" - der Begriff wurde 1594 von einem englischen Theologen Sir Richard Hooker zur Deskription irrender Kollegen eingeführt - trifft nach meiner Auffassung exakt auf die Revisionisten zu, die den Massenmord von Juden in den Vernichtungslagern als "Lüge" bezeichnen. Ob Revisionisten wegen ihrer wahnanalogen - nicht wahnidentischen - Persönlichkeitsentwicklung die Voraussetzungen der §§ 20, 21 StGB erfüllen, hat das zuständige Gericht nach Vorlage forensischer Gutachten zu entscheiden. Bei schwerwiegenden Wiederholungsfällen - wie in allen Strafverfahren dieser Art (§§ 20, 21 StGB) muß vom Gericht geprüft werden, ob eine Maßregel gemäß § 63 StGB erforderlich ist.

Weisen Sie Dr. Schikorski darauf hin, daß sich jeder Autor einer Publikation auf Art. 5, Abs. 3 GG berufen kann, wenn es zu Kontroversen mit den Kritikern kommt, denen die wissenschaftlich begründeten Thesen des Autors nicht in ihr ideologisches Konzept passen.

Mit den besten Empfehlungen

Prof. Dr. med. W. de Boor, Köln


Richtigstellungen von Günter Deckert

Sehr geehrter Herr Prof. de Boor!

Die fragliche Schrift liegt mir nun vor. Ich habe vorläufig in erster Linie den mich betreffenden Teil gelesen, mehrmals, da Ihre Sprache nicht gerade einfach ist - ähnelt in Vielem Ihrem Schreibstil.

Das andere habe ich überflogen. Und mein erster Allgemeineindruck: Unausgewogen, der rote Faden, sieht man von "Ihrer Erfindung Monoperceptose" ab, fehlt, weil Sie Vorgänge vergleichen, die nicht vergleichbar sind, mißt man alle mit Maßstäben des gesunden Menschenverstandes.

Die Aufnahme von "Revisionismus-Tätern" in Ihre These und die Gleichstellung mit "Totmachern" ist unredlich; dabei drücke ich mich noch höflich aus. Hätte ich z.B. Bubis oder... krankenhausreif geschlagen - aus politischen Gründen, versteht sich -, dann wäre eine Berechtigung vorhanden.

Sie als Mitläufer der NS-Zeit, der wohl nicht im aktiven Widerstand war, setzen ohne jedes kritische Hinterfragen zeitgeschichtlich abweichende Auffassungen einfach mit einer "Straftat" gleich, worunter der Normalbürger etwas anderes versteht.

Sie sind kein Historiker, kein Naturwissenschaftler, auch kein Jurist, übernehmen jedoch das an Gängigem, was in Ihre These hineinpaßt...

So weit zum allgemeinen. Sie haben mir, im Gegensatz zu den anderen Beteiligten - hier den beiden anderen Revisionisten - den mich betreffenden Text vorher nicht zukommen lassen, so ich hätte Anmerkungen anbringen können. Sie haben mir diese Möglichkeit vorenthalten, so daß ich gezwungen bin, im nachhinein einige Richtigstellungen anzubringen.

Mit freundlichen Grüßen

[von der Redaktion gekürzt]

S. 61: Ich habe nie(!) behauptet, daß mich das Elternhaus national geprägt hat - ich wuchs bei Verwandten auf; Onkel war Sozi. Ich habe ausgesagt/gesagt, daß ich von früher Jugend an geschichtlich mehr als interessiert war und über die Geschichte zum nationalen Selbstverständnis kam: Ich wurde zum gesamt- und großdeutschen, sozialengagierten Nationalisten!

S. 62: Ich war nie(!) FDP-Mitglied, sondern nur Mitglied der Dt. Jungdemokraten (DJD). Diese, nicht die FDP, hatte 1965 die Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze anerkannt; die FDP fiel erst später um.

Was haben die sog. Disziplinarverfahren aufgrund des sog. Radikalenerlasses mit dem Revisionismus zu tun? Mit keinem Wort gehen Sie auf das Anti-Demokratische dieses Erlasses ein, den der Europ. Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg mittlerweile mit einem Grundsatzurteil "theoretisch" gekippt hat, auch wenn die Bonner Spezialdemokraten die Allgemeinverbindlichkeit (noch) nicht anerkennen. Die SPD-geführten Länder haben praktisch nie mitgemacht bzw. beim späteren Machtantritt wie an der Saar und in Niedersachsen die Entlassungen rückgängig gemacht.

Ich habe nie gesagt, daß ich eine Art nationale VHS gründen will. Ich habe dagegen ausgeführt, daß ich meine geschichtliche Arbeit als eine Art nationale VHS verstanden habe, eine Gegen-VHS könnte man sagen.

S. 63: Prof. Faurisson war nie Häftling in Mauthausen. Sie verwechseln ihn mit Prof. Rassinier, dem ersten großen französischen Revisionisten. Rassinier war Sozialist, Widerstandskämpfer und kam deshalb in ein KL, das meiner Erinnerung nach Buchenwald und nicht Mauthausen (OÖ) war.

Wir stellen die industriellen Gaskammermorde in Frage. Die Darstellung »Wir leugnen...« ist falsch!

S. 64: »Der Verlust der Führungsposition in der NPD hat ihn nicht gekränkt, im Gegenteil, er fühlt sich von einer schweren Bürde entlastet.« Das habe ich nie gesagt, und zudem ist es durch und durch falsch!

S. 65 (»2. Realitätsverlust«): »Ein realitätsorientierter [...] Akademiker [...] hätte seine Existenz [...] nicht [...] ruiniert.« Ihr Idealbild des Menschen ist also der Angepaßte, der Untertan! Das 3. Reich, die Ex-DDR wie auch die politisch richtigen Bonner lassen grüßen!

Ihrem Punkt 6 (»Wertesystem«) entnehme ich, daß für Sie der §130 StGB (Abtreibung) nicht nur Demokratie pur, sondern obendrein auch noch Recht ist, und das trotz all der hehren und hohen Erklärungen in Sachen Grund- und Menschenrechte, die Ihnen bekannt sein dürften/müßten!

Ihr Punkt 7: »Einstellung zur Wissenschaft«: Für mich war unser Gespräch nie eine psychiatrische Untersuchung, sondern stets eine Art Streitgespräch. Insofern ist meine Auffassung von Wissenschaftlichkeit der Ihren überlegen, da ich Menschen mit anderer Auffassung bzw. Meinung nicht als "krank" betrachte, obwohl ich Ihnen u.a. eine fixe Idee, eben jene der Monoperceptose, in hohem Maße unterstellen könnte. »Die Abschottung ist ein Symptom einer unwissenschaftlichen Einstellung«, usw.: Das, was Sie hier aufführen, ist genau die Handlungsweise der Gegenseite wie auch Ihre eigene, die geschichtliche Dogmen aufstellt und sich verhält wie weiland die "Alleinseligmachende". Insofern verwunderlich, daß Sie den Ausdruck Inquisition ausklammern, obwohl er doch prächtig den ganzen Sachverhalt umschreiben würde.

Zu Ihrem Punkt 8: »Partnerbeziehung«: Ich habe nie gesagt oder behauptet, daß meine Frau meine politische Auffassung teilt oder daß sie sich sogar im Sinne des Revisionismus betätigt. Ich habe lediglich gesagt, daß meine Frau mir nicht dreinredet, obwohl sie es, typisch Frau/Normalfrau, lieber sehen würde, wenn ich mich aus allem ganz zurückzöge.

Ihr Schlußabschnitt: Es geht um keine Reinwaschung, sondern um die Darstellung der Geschichte so, wie sie war, und nicht, wie sie nach Auffassung Interessierter zu sein hätte.

Günter Deckert, Bruchsal


zu: Dipl.-Ing. G. Sänger, Überleben in Auschwitz (VffG 3/1998, S. 198)

»Die Todesmühlen« - eine fehlerhafte Quellenangabe.

Auf S. 198, rechte Spalte, steht geschrieben: »Ein Beispiel fügen wir aus "Die Todesmühlen" an:6«

Dann folgen zwei Zitate. In der angegebenen Fußnote 6 befindet sich der Hinweis: »Ota Kraus und Erich Kulka, Die Todesmühlen, Kongress-Verlag, Berlin 1958, S. 10.«

Im Ostberliner Kongress-Verlag erschien 1958 von Kraus-Kulka nur Die Todesfabrik in zweiter DDR-Auflage (1. DDR-Auflg. 1957). Es handelte sich dabei um eine Übersetzung des Kraus-Kulka-Buches TOVÁRNA NA SMERT nach der dritten tschechischen Ausgabe von 1955. Die im VffG-Artikel angeführten Zitate befinden sich in Die Todesfabrik auf Seite 40 und nicht auf Seite 10, wie irrtümlich angegeben.

Auch wenn der Autor des VffG-Artikels möglicherweise der tschechischen Sprache mächtig sein sollte und meint, daß TOVÁRNA NA SMRT besser mit »Die Todesmühlen« zu übersetzen sei, so ist es doch unzulässig und auch unwissenschaftlich, eigenmächtig bekannte Buchausgaben umzutitulieren.

Das erwähnte Buch, welches von zwei Personen geschrieben wurde, die in der Birkenauer Lagerguerilla eine führende Rolle spielten, muß als eine Regieanweisung für das im Ostblock geprägte Auschwitz-Bild angesehen werden. Da es als eines der wichtigsten Standardwerke der Ostblockpropaganda angesehen werden kann, soll es hier auch kurz mit einigen Ausgaben vorgestellt werden.

1945: My mrtvi zalujemel Svéciné dvou byvalych veznu o zlocini v Osvecine-Birkenau. Cast 1-2/3, Vsetin: Prulom 1945 (Plany. Valassko v Revoluci. Sbirka dokumenttu z boju za svobodu.) Unter diesem langen Titel wurden erste Erzählungen über Auschwitz-Birkenau veröffentlicht, die später in überarbeiteter und ausgefeilterer Form auch Eingang in Die Todesfabrik fanden.

1946: Továrna na smrt. Dokument o Osvetimi. Prag, Januar 1946.

1955: Továrna na smrt. (3. CSSR-Ausgabe), Orbis Verlag, Prag 1955.

1956: Továrna na smrt. (4. CSSR-Ausgabe), Orbis Verlag, Prag 1956.

1957: (dtsch.) Die Todesfabrik, (1. DDR-Ausgabe), Kongress-Verlag, Ostberlin (Juni) 1957. (Vorw.: H. Langbein)

1957: Továrna na smrt. (5. CSSR-Ausgabe), Nase Vojsko, Prag 1957.

1958: (dtsch.) Die Todesfabrik, (2. DDR-Ausgabe), Kongress-Verlag, Ostberlin (Jan.) 1958. (Vorw.: Kulka)

1958: (ung.) dito., Budapest 1958.

1959: (tsch.) Továrna na smrt, (überarbeitete 6. CSSR-Ausgabe), Nase Vojsko, Prag 1959.

1959: (rum.) Fabrica mortii. O marturie des pre Auschwitz. Bukarest, Ed. Politica 1959.

1960: (russ.) Fabrika smerti, Moskau, Gospolitizdat 1960.

1960: (est. ) dito, Tallin 1960.

1960: (hebr.) Bejtharoset lemovet Auswic. Targum micekit Dob Kulka, Jerusalem, Yad Washem 1960.

1964: (tsch.) Továrna na smrt. Dokument o Osvetimi-Birkenau. (7. CSSR-Ausg.) Nase Vojsko, Prag 1964.

1966: (engl.) The death factory. Document on Auschwitz. Oxford, New York, Pergamon Press 1966.

Bis 1966 erfolgten 19 Ausgaben in verschiedenen Sprachen.

1991: (dt.) Die Todesfabrik Auschwitz, (unautorisierte Ausg. der 1. DDR-Ausg.), Dietz Verlag Berlin 1991.

Quellen: Literaturliste in Kraus-Kulka, Továrna na smrt, Nase Vojsko, Prag 1964, Anna Malcowna, Bibliografia KL Auschwitz za lata 1942-1980, PMO-Verlag, Oswiecim 1991; Werner Renz, Annotierte Bibliographie der deutschsprachigen Auschwitzliteratur, Fritz Bauer Institut, Frankfurt/M. 1994.

Die Ursache, warum im gesamten Sowjetblock ab 1955 eine literarische Auschwitz-Keule in Aktion trat und auch von westlichen Sympathisanten geschwungen wurde, hängt mit dem NATO-Anschluß der Bundesrepublik Deutschland und der Zulassung ehemaliger Waffen-SSler in den Dienst der Bundeswehr zusammen. Die sozialistisch-sowjet-kommunistische Kampagne gipfelte im sogenannten Frankfurter Auschwitz-Prozeß, der von Hermann Langbein, Generalsekretär des Internationalen Auschwitz-Komitees und den Mitgliedern der sowjetischen Frontorganisation FIR (Sitz Wien), angeschoben und durch Mitglieder der FIR - ehemalige Partisanen, Sowjetblock-Geheimdienstler, DDR-Anwälte und kommunistische Propagandisten - als "Nebenkläger" und "Zeugen" unterstützt wurde zur internationalen Diskriminierung der BRD.

Dieser Sowjetkampagnen-Hintergrund wird nicht nur in den Vorworten einiger Agitprop-Schriften deutlich - Schnabel, Macht ohne Moral, Röderberg-VVN-Verlag, Frankfurt/M. 1956, 1958; Schumann/H. Kühnrich für (Hg.) Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der DDR, SS im Einsatz, Kongress-Verlag Ostberlin 1957 und der Wiederauflage Bruno Baums Widerstand in Auschwitz, Kongress-Verlag Ostberlin 1957 -, sondern wurde gleich 1955 in der 3. CSSR-Auflage von Kraus-Kulkas Továrna na smrt durch das Vorwort von Vasek Kána, Staatspreisträger und Träger des Arbeiterbannerordens, deutlich gemacht:

» "Die Todesfabrik" erscheint zum dritten Mal. Tausende haben das Buch gelesen, Millionen jedoch sollten es kennen. [...] Und nicht allein deshalb, weil die Vergangenheit gar nicht so weit zurückliegt, sondern ebenso - und vor allem - weil es auf der Welt noch verbrecherische Kräfte gibt, die nach einer Wiederkehr dieser Vergangenheit streben, die den Todesfabriken ein neues Dasein verschaffen möchten. In unserer Nachbarschaft, in Westdeutschland, lassen die amerikanischen Milliardäre gemeinsam mit den Nazigeneralen und SS-Offizieren den Faschismus neu auferstehen. Sie haben den Massenmördern, die der ganzen Welt aus den Konzentrationslagern bekannt sind, die Zuchthaustore geöffnet, haben sie in Uniformen gekleidet und in hohe Staatsfunktionen gesetzt. Die leiblichen Brüder der Auschwitzer Kramer, Danisch und Schwarzhuber, die nazistischen Totschläger, werden nicht nur mit amerikanischen Konserven gefüttert, sondern auch mit Hoffnungen auf ein neues Morden. Diesmal im Interesse der amerikanischen "Supermen", der Erben Hitlers, die Lust bekommen haben, die ganze Welt zu beherrschen und zu versklaven.«

Vor dieses Kána-Vorwort setzte dann in der DDR-Version von 1957 der Österreichische Kommunist und ehemalige Auschwitzer Anführer der Lagerguerilla, Hermann Langbein, ein Begleitwort. Da Langbein als Generalsekretär des sowjetgelenkten Internationalen Auschwitz-Komitees fungierte, dem auch sozialdemokratische, sozialistische, nichtkommunistisch-jüdische und nationalpatriotische Mitglieder aus verschiedenen Ländern angehörten, konnte er nicht so offen das sowjetische Anti-NATO-Interesse hervorkehren und einen sowjetproletarischen Ton anschlagen wie Kána. So verurteilte er nur die Konzentrationslager allgemein, was einige auch als Anti-Gulag-Mahnung auffaßten, und fragte idealistisch:

»Wer hat eine heiligere Verpflichtung, sich für den Triumph der Humanität einzusetzen, als wir, die Überlebenden von Auschwitz?«

Diese Formulierung war sehr geschickt gewählt worden und konnte die nichtkommunistischen Mitglieder glaubend machen, daß Langbein ein liberaler, unabhängiger Idealist sei, der sich einzig für den »Triumpf der Humanität« einsetzt. Nun muß man aber wissen, daß in der sowjetkommunistischen Praxis jedes Wort und jedes Komma in einer Agitpropschrift wie Die Todesfabrik von verschiedenen KP-Genossen auf Verträglichkeit mit der herrschenden Parteilinie überprüft wird. Das Langbein-Beiwort war also unbestreitbar von einem SED-Zensur-Kollektiv genehmigt worden. Seine KP-Linientreue hatte der Genosse Langbein noch kurz vorher eindrucksvoll bewiesen, als er sich für die »Humanität« im Ungarnaufstand einsetzte und für die sowjetischen Unterdrücker stalinistische Rundfunkpropaganda betrieb.

Doch 1957 hatten die VVN-Genossen und die Sowjetblock-Schnüffeldienste auch ihre Listen über den Aufenthalt von ehemaligen kleinen und unbedeutenden Angehörigen der Auschwitzer SS-Besatzung in der BRD vervollständigt. Deren Namen waren bisher hauptsächlich in der Sowjetblockliteratur aufgetaucht und als Gegner der Lagerguerilla angeprangert worden, wie z.B. die antikommunistische politische Abteilung. Die Westalliierten hatten dagegen keinen Grund gefunden, sie als »Kriegsverbrecher« zu verfolgen. Der Planung und Initiierung eines Schauprozesses im Westen zur Infiltrierung der kommunistischen Antifa-Ideologie in das bürgerliche Lager durch die Sowjetmafia stand nur noch im Wege, daß der maßgebende Initiator, der Generalsekretär des Internationalen Auschwitz-Komitees in Wien, noch zu sichtbar an der Sowjetleine hing. Die wurde dann auch theatralisch und bemerkbar gekappt. Die KPÖ startete unter fadenscheinigen Begründungen ein Ausschlußverfahren gegen Langbein, und Ulbricht ließ Die Todesfabrik noch 1957 in der DDR wieder einziehen, den Langbein durch ein Beiwort von Kulka überkleben und ab Februar 1958 wieder erscheinen. Mit dem Kulka-Vorwort konnte die DDR weiter problemlos die BRD von außen angreifen und der scheinbar bei den Sowjetgenossen in Ungnade gefallene Langbein konnte von Wien aus - für den »Triumpf der Humanität« - von innen zersetzend auf die bürgerliche BRD-Gesellschaft einwirken. Als scheinbar antisowjetisch eingestellter Vorsitzender eines sowjetabhängigen Komitees gelang es ihm dann im Frühjahr 1958 mit BRD-Staatsanwaltschaften in Kontakt zu treten, ihnen Boger und andere Mitglieder der ehemaligen politischen Abteilung von Auschwitz als normale kriminelle Anklageobjekte zu präsentieren, eine Zentralstelle zur Verfolgung von NS-Verbrechen zu initiieren und bei der Vorbereitung des Schauprozesses die Regie zu übernehmen mit der Lieferung von Beweismaterial und Zeugen aus dem Sowjetblock. Auch das IfZ in München machte sich mit der Sowjetblockpropaganda "sachkundig" und ließ sich von Warschau "Höß-Berichte" als Geschichtsdokumente aufschwatzen. Nach deren Veröffentlichung 1958 durch Broszat sorgte die Sowjetpropaganda dafür, daß über 20 "Höß"-Versionen mit dem Broszat-Vorwort in fast allen Hauptstädten der westlichen Welt verbreitet wurden. Der sowjetische Warschauer-Pakt konnte mit seiner Kampagne gegen die NATO und ihren Bündnispartner BRD zufrieden sein.

Die bürgerliche BRD-Justiz machte sich auch, scheinbar ahnungslos, zum verlängerten Arm der Sowjetblockkampagne. Noch vor der Prozeßeröffnung in Frankfurt wurde dann auch noch die letzte verräterische Sowjetleine gekappt und Langbein übernahm, nun unangreifbar als Kämpfer für den »Triumpf der Humanität«, den Vorsitz in einem anderen Auschwitz-Komitee, welches nicht in Warschau tagte. Jedenfalls fiel es wohl kaum jemandem auf, daß jene Propagandisten des Ostblocks, die vorher über Die Todesfabrik und andere Publikationen von außen die BRD angegriffen hatten, nun, dank Langbeins Öffnung der Burgtore von innen, nach Frankfurt als "Zeugen" einströmten und ihre Sowjetpropaganda zur Offenkundigkeit der BRD-Justiz machen konnten. Auch Kulka war mit einigen Beitragschreibern aus seiner Todesfabrik von Prag angereist.

Hier nun noch ein paar Zeilen aus dem Kulka-Vorwort der DDR-Ausgabe von 1958, welche den Sinn der Sowjetkampagne verdeutlichen:

»Die furchtbaren Ereignisse von Auschwitz sind in Deutschland immer noch nicht hinreichend und in ihrem ganzen grauenhaften Ausmaß bekannt, besonders in Westdeutschland nicht, wo schon wieder Kräfte an die Macht gekommen sind, die alles andere als ein Interesse daran haben, daß irgend etwas über Auschwitz bekannt werde. Und sie haben triftige Gründe dafür, tragen sie sich doch erneut mit Plänen für die "Befreiung des Ostens". Ja, sie möchten das deutsche Volk und die Völker Europas ein drittes Mal ins Unglück stürzen, denn wozu sollten sonst die Atomabschußbasen auf westdeutschem Gebiet dienen? Doch ist die Wahrheit, nicht zuletzt die volle Wahrheit über Auschwitz, eine wirkungsvollere Waffe, und wir werden sie gegen alle Anstifter eines neuen Krieges ins Feld führen. Ihr Freunde in der DDR, Ihr habt Euch vom Tage der Befreiung an getreu Eurem Schwur in den Lagern, zusammen mit allen anderen antifaschistischen Kräften einen neuen Staat geschaffen. Ein Staat in dem die Wahrheit bereits gesiegt hat. Einen Staat, in dem es keine Atombomben zur Vernichtung, aber Atomkraft für ein besseres Leben gibt. Ihr, Freunde in Westdeutschland, Ihr habt es in der Hand, gemeinsam mit Euren Brüdern und Schwestern in der DDR den Kampf um den Frieden in ganz Deutschland und für eine glücklichere Zukunft siegreich zu beenden. Wir wünschen uns selbst und Euch, deutsche Freunde im noch immer gespaltenen Deutschland, daß die so schwer glaubhaften Tatsachen über Auschwitz als Lehre dienen mögen für heute und für morgen. Niemals wieder dürfen Menschen für die Profitinteressen und Machtgelüste der Imperialisten und der mit ihnen verbundenen volksfeindlichen Regierungen vernichtet werden - dafür bürgt die internationale Solidarität der Werktätigen, das verbürgen die Anstrengungen aller fortschrittlichen Menschen, die für die Erhaltung des Friedens in der ganzen Welt kämpfen.«

Also die Auschwitz-Keule: Eine psychologische Waffe der Sowjetblock-Propagandisten!

Mit dieser Erkenntnis kann es den Revisionisten doch nur darum gehen, die Waffen der Sowjetpropaganda, die Standardliteratur des ehemaligen Ostblocks zum Auschwitz-Thema, genau zu kennen, zu studieren und deren Widersprüche untereinander aufzudecken, so daß sie als politische Propaganda erkennbar werden. Nicht die Verschleierung der Propaganda-Quellen durch Umtitulierung, sondern die ständige Veröffentlichung ihrer widersprüchlichen Thesen lassen deren Unsinn deutlich werden. Es muß so dem letzten Provinzbeamten in Europa klar gemacht werden, daß er bei der Verfolgung von Revisionisten sich der wissentlichen Verteidigung von sowjetischen Propagandalügen schuldig macht und zum totalitären Unterdrücker der Freiheit wird.

Erdmuthe Kurzweg, Eberswalde


Vergast oder nicht vergast, das ist hier die Frage

Sehr geehrter Herr Rudolf!

Im Heft 3/1998 von VffG wird auf S. 200 in Tabelle 7 erwähnt, daß 2 Personen in "Auschwitz" »vergast« wurden. Wieso? Nach der Meinung der Revisionisten hat es in keinem ehemaligen deutschen KL Vergasungen von Häftlingen gegeben, weil entsprechende Gaskammern nicht vorhanden waren. Sie sollten die Falschmeldung(?) berichtigen.

Mit freundlichen Grüßen

R.S, Frankfurt

ANMERKUNG DER REDAKTION

Die von Gottfried Sänger vorgenommene Analyse beruht auf Daten des Artikels von Irena Strzelecka, »Die ersten Polen im KL Auschwitz«, Hefte von Auschwitz Nr. 18 (1990), S. 5-145 (vgl. dortige Fußnote 1). Die in diesem vom Staatlichen Auschwitz-Museum herausgegebenen Periodikum angegebenen Daten wurden hier kritiklos übernommen. Darin liegt gerade die Stärke des Artikels, da unsere Gegner mit den eigenen Argumenten widerlegt werden. Aber vielleicht hätte dies mehr hervorgehoben werden müssen, insbesondere angesichts der zu Recht gerügten Behauptung von »vergasten« Häftlingen, ohne die das Museum Auschwitz seine Existenzberechtigung verlöre. Wir bitten um Entschuldigung für eventuelle Irritationen.


zu: Hans Wahls, Deutschland und seine Neurosen (VffG, 2/1998, S. 141-144),

Geistige Hygiene

Liebe Freunde!

Sie sandten mir die beiden Hefte Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung März und Juni 1998. Ich danke Ihnen sehr für diese Sendung, und ich sage Ihnen meine volle Anerkennung für diese mutige und streitbare Schrift.

Da Sie mich zur sachlichen Kritik aufgefordert haben, will ich Sie Ihnen auch mit diesem Brief geben. Es geht um den Artikel »Deutschland und seine Neurosen«, Hans Wahls im Interview. Dazu zunächst Grundsätzliches:

Ich bin durchaus überzeugt, daß wissenschaftliche Methodik und Genauigkeit für unsere Sache wichtig ist. Auch darf durchaus eine gewisse Unabhängigkeit der Wissenschaft vom politischen Anliegen gewahrt sein. Aber: Die Wissenschaft ist und bleibt eines der Mittel zum Zweck. Sie ist nicht Selbstzweck noch gar unser Ideal.

Der Zweck unserer Mühe, unserer Arbeit und auch unseres Kampfes ist politisch. Es geht um das Überleben unserer Völker, um die Rettung unserer Kultur und um die Abwehr der Unterdrückung und der Lügen, mit denen wir fertiggemacht werden sollen.

Die Mittel haben sich also dem Zweck unterzuordnen. Tun sie es nicht, dann verraten die Mittel den Zweck. Dabei kann Objektivität, vorausgesetzt sie ist echt, oft eher schädlich als nützlich sein. (Wenn sie erlogen oder getürkt ist, dann kann uns das nur nützen, denn das ist dann leicht zu widerlegen).

Wahls spricht (auf Seite 143 oben rechts) von einem Fall brutalen Mordes an einem Juden. Muß ich ihm, und muß ich Ihnen erst erklären, daß es in jeder Armee, zu allen Zeiten und überall Verbrechen gegeben hat? Wem nützt es, wenn Wahls seinen Fall hier schildert, und wenn Sie ihn veröffentlichen? Nützt es Wahls selbst? Wohl kaum, denn ein Einzelfall lehrt uns nichts. Nützt es der Wissenschaft? Offenbar denken Sie das, denkt Herr Rudolf das, sonst würde er den Fall nicht in diesem Heft der VffG bringen. Nützt es unserer Sache? NEIN!!! Der Leser, zumal der nicht in kritischem Denken geschulte, liest hier nur eines: Es gab sie also doch, die SS-Schergen. - Es ist also doch etwas dran an dem Vorwurf an alle Deutschen, sich an den Juden vergangen zu haben, sie ermordet zu haben. Der Holokaust ist also wahr! Das muß der Leser denken, und mit dem ganz und gar unnötigen Gerede Wahls reißen Sie das mühsam errichtete (und zwar zu vollem Recht als anständig verteidigte) Gebäude unserer generellen Unschuld, unserer Nicht-Durchführung so einer Sache wie des Holokausts, radikal ein. Ich frage Sie also: Brauchen wir einen, der sich als Ankläger und Richter in einem aufspielt?

Zeigen sich hier nicht recht fatale Eigenschaften, mindestens des Gesprächsführers und ich hoffe doch nicht, aller Deutschen: Die Geschwätzigkeit? Muß denn immer auch die andere Seite zu Worte kommen, jedenfalls wenn wir uns äußern? Kann man denn nicht sehen, daß umgekehrt wir nie in den Genuß des Grundsatzes kommen, der da vorschreibt »audiatur et altera pars«?

Oder viel schlichter gesagt: Müssen wir denn in unserer Naivität immer wieder Eigentore schießen? Fühlen wir uns nicht wohl und sicher, wenn wir auf der richtigen Fahrbahn fahren - müssen wir uns immer wieder auf der Gegenfahrbahn als Geisterfahrer betätigen?

Die alten Römer wußten das schon: In diesem Falle sagten sie »si tacuisses, filosofus mansisses«, zu gut deutsch: Hättest du den Mund gehalten, dann hättest du der höheren Wahrheit gedient.

Noch einmal zu Wahls: Er hat nicht ein Wort über den Tathergang gebracht, und auch nicht um seine Vorgeschichte. Wie kommt er dazu, uns alle zu verleugnen mit dem wahrhaft saublöden Satz »Diesen Krieg dürfen wir nicht gewinnen«. Auf welcher Seite steht Wahls? Und: Auf welcher Seite stehen Sie? Muß ich diese Frage unterdrücken, weil ich Sie ja als aufrechte Streiter für unsere Sache kenne?

Kurzum: Ich möchte in einer Schrift, die sich mit der Suche nach Wahrheit und mit der Verteidigung unseres Rechts befaßt, solches Geschwätz wie die Schilderung des Herrn Wahls nicht sehen. Seine Ideale kann jeder für sich selbst wählen, aber unser gemeinsames Ideal ist unser Überleben, die Rettung unserer Heimat, die Freiheit. Journalistische Spielereien verletzen dieses unser gemeinsames hohes Ideal.

Mein Vorwurf richtet sich nicht gegen Wahls. Mir ist es auch gleichgültig, ob er Freimaurer oder Tanzender Derwisch ist. Mein Vorwurf ist an Sie gerichtet. Sorgen Sie bitte für geistige Hygiene in Ihren, also in unseren Schriften!

Ich grüße Sie herzlich

Johannes Peter Ney, Rethem


zu: Mark Weber, Der Vatikan und der Holocaust (VffG 3/1998, S. 184)

Wer weiß die Wahrheit?

LA CIVILTA
CATTOLICA

20. Januar 1992

Mr. Hans J. Raab
512 S.W. 15th St.
Fort Lauderdale, FL 33315-1709

Verehrter Herr Raab

Die Frage, warum die Vernichtung der Juden selbst denen unbekannt geblieben war, die es hätten wissen müssen, hat mich lange irritiert. Sogar die Juden wußten nicht, was ihrem eigenen Volk widerfuhr. Ich war ein regelmäßiger Leser der NY-Times in diesen Zeiten, und das Wort Auschwitz spielte keine Rolle. Und die Spezialisten, die sich 1945 auf die Nürnberger Tribunale vorbereiteten, mit ihrem privilegierten Zugang zu Geheimdienstinformationen, darunter auch eine gute Anzahl von Juden, wußten unglaublich wenig über Auschwitz. Dies geht aus ihrer Eröffnungsanklage nach Kriegsende klar hervor. Und auch aus der Eröffnungsrede des Anklägers Jackson.

Es war eine "Greuelgeschichte", und die alliierten Propagandisten waren fest entschlossen, sich nicht zu einer selbstzerstörerischen Kampagne hinreißen zu lassen, die Nazis hätten 6 Millionen Juden vergast. Wer hätte das damals glauben können? Oder zwei Millionen oder eine, wenn Sie wollen.

Herzlichst,

(gez.) Robert A. Graham, S.J.

P.S. [...]

Der Vatikan weiß also... (Zur Lektüre des Originals hier klicken)

Im Prozeß vor dem Münchner Landgericht wurde der SS-General Karl Wolff am 30.9.1964 zu 15 Jahre Zuchthaus verurteilt. Wolff wurde vorgeworfen, bei der Tötung von 300.000 Juden mitgewirkt zu haben. Wolff beteuerte immer wieder, nicht gewußt zu haben, daß die Juden in Auschwitz vernichtet werden sollten. Der Richter, Landgerichtsdirektor Jörka, glaubte ihm nicht: »Sie als Auge und Ohr Himmlers mußten gewußt haben, was mit den Juden dort geschehen ist.« Jörka merkte, daß die Schöffen Wolff glaubten und dazu neigten, ihn freizusprechen. Daher sagte er zu ihnen: »Dies ist ein politischer Prozeß. Die ganze Welt schaut auf das Gericht. Wolff muß verurteilt werden.« (neue bildpost, 21.4.1974)

Wenn etwas nicht stattgefunden hat, kann man natürlich nichts wissen.

Während des Prozesses sagte General Wolff, der bei Ende des Krieges Oberbefehlshaber in Italien war und mit dem Papst über den Status des Vatikanstaates verhandelte: »Der Papst war über Deutschland erstaunlich gut informiert [...] Er ging dann auf die Kriegslage ein und es erwies sich, daß er auch darüber über gute Kenntnisse verfügte.« (neue bildpost, 19.5.1974)

Nach dem Krieg »bewilligte der Papst einem früheren deportierten "französischen Journalisten", der jetzt bei "Paris Matin" tätig ist, ein Interview. Der Journalist äußerte dem Papst gegenüber sein Erstaunen, daß er von den furchtbaren Verbrechen nichts gewußt hatte. Der Papst erklärte, daß er erst nach dem Kriege darüber erfahren hatte.« (Svenska Dagbladet, 14.11.1945)

Wenn etwas nicht stattgefunden hat, kann man natürlich nichts wissen.

Georg Wiesholler, Ottobrunn


zu: M. Gerner, Schlüsseldokument ist Fälschung (VffG 3/98, S. 166-174)

Methode zur Identitätsprüfung von Schriften

Sehr geehrter Herr Rudolf !

Angeregt durch die Arbeit von M. Gerner, »Schlüsseldokument ist Fälschung« in VffG Sept. 98 möchte ich auf die Stereoskopie als einfache aber sehr empfindliche Methode zum Identitätsnachweis von Schriftstücken und Handschriften hinweisen.

Der menschliche Gesichtssinn schöpft aus den Disparitäten (Parallaxen), d.h. den mehr oder weniger großen Unterschieden parallel zur Augenbasis in von den beiden Augen wahrgenommenen zentralperspektiven Bildern, seine Fähigkeit zur Tiefen-Entfernungs-Wahrnehmung. Diese Fähigkeit, in der Photogrammetrie als Meßtechnik besonders kultiviert, ist sehr empfindlich. Bei freiäugiger Betrachtung werden Parallaxen von 0,01-0,02 mm, unter einem vergrößernden Stereoskop solche von 0,002-0,003 mm als Höhen-Entfernungs-Unterschiede wahrgenommen. Das ist weit genauer als ein Vergleich durch Übereinanderlegen auf einem Leuchttisch. Zur Betrachtung genügt ein einfaches Spiegelstereoskop; geübte Photogrammeter können Bildpaare auch freiäugig durch "Schielen" in der deutlichen Sehweite fusionieren. Darüber hinaus ist das Verfahren sehr robust gegen Störungen und Rauschen.

Bei stereoskopischer Betrachtung identischer Bilder oder Schriftstücke erscheinen diese dem Betrachter räumlich in einer Ebene liegend. Abweichungen (Parallaxen) werden als Höhen-Tiefen-Unterschiede empfunden. Bei größeren Abweichungen schließlich kommt gar kein Raumeindruck mehr zustande. Wegen der oben erwähnten Empfindlichkeit der Methode können Kopien bzw. einkopierte Passagen leicht identifiziert werden. Das gilt vor allem für handschriftliche Anmerkungen, Randnotizen aber auch für Unterschriften und Kürzel. Zwei textgleiche Handschriften oder Unterschriften - von der gleichen Person (Sie können das selbst leicht ausprobieren) - sind nie in der oben angegebenen Genauigkeit identisch und erscheinen unter dem Stereoskop deshalb mit Höhen-Tiefen-Unterschieden. Oder umgekehrt: Handschriften, die unter dem Stereoskop in einer Ebene liegend erscheinen, müssen Kopien sein. (Entweder eine von der anderen, oder beide von einer dritten.)

Interessantes Anschauungsbeispiel bietet die Arbeit Bohlinger/Ney über das Wannsee-Protokoll. (Die Autoren haben m.W. aber die Stereoskopie nicht verwendet.) Für das sog. »Begleitschreiben« gibt es da zwei Ausführungen BS-1 und BS-2. Ihr Maschinentext hat zwar gleichen Wortlaut, ist aber klar erkennbar auf zwei unterschiedlichen Schreibmaschinen gefertigt worden, d.h. ist also nicht identisch. Die handschriftlich weiträumig über den Maschinentext geschriebene Randbemerkung zeigt sich demgegenüber unter dem Stereoskop in BS- 1 und BS-2 aber als absolut identisch, d.h. mindestens in einem der beiden »Dokumente« handelt es sich bei der Handschrift um eine Kopie, eventuell in beiden von einem dritten Original. (Den Schluß auf die "Echtheit" beider »Dokumente« muß ich Ihnen sicher nicht erläutern!)

Gleiches gilt auch für die Unterschrift unter den beiden Schreiben. Sie sind stereoskopisch absolut identisch, d.h. mindestens eine muß eine Kopie sein. Je größer die Schriftprobe desto zuverlässiger naturgemäß die Aussage, weshalb Unterschriftenkürzel nicht ganz so sicher zu beurteilen sind.

Das Verfahren eignet sich auch zum schnellen Vergleich ganzer Schriftstücke auf Identität bzw. geringfügige Abweichungen. Gutes Anwendungsobjekt sind hierfür Briefköpfe, die, wenn von der gleichen Druckvorlage stammend, stereoskopisch störungsfrei in einer Ebene erscheinen müßten. Zeitweilig gab es in Illustrierten scheinbar identische Bildpaare als Bildrätsel mit der Frage: Welche fünf Details sind in diesen Bildern unterschiedlich? Da nebeneinander angeordnet, war es auch ohne Stereoskop leicht, sie zu einem Raumbild zu fusionieren, aus dem dann die gesuchten Details als Störungen direkt "ins Auge sprangen". Auf ähnliche Weise hat einmal auch in der Fernsehsendung "Wetten das" ein Aspirant Furore gemacht, der aus zwei als identisch flächenhaft dargebotenen Zahlenfolgen in kürzester Zeit fünf Abweichungen herausfilterte, indem er sich "schielend" vor die beiden Bilder stellte und sie so stereoskopisch durchmusterte. Soweit mein Hinweis, den Sie mit Ihren eigenen Dokumenten, Schriftzügen und Unterschriften leicht überprüfen könnten. Ich bedanke mich fürs Lesen und verbleibe mit freundlichem Gruß

Prof. Dr.-Ing. HAI


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(1) (1999), S. 108-114.


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