Leserbriefe

zu: W. Pfitzner, »Kriegsgründe:…«, (VffG 2/1999, S. 127-130)

Die merkwürdige Allianz zwischen den Links- und Rechtsaußen in der Frage des Kosovo-Krieges

Bei dem formaljuristisch – aber nicht unter moralischen Gesichtspunkten – fragwürdigem Bombardement auf Serbien kam es zu einem wahrhaft merkwürdigem Bündnis der extremen Gegenpole: von linksaußen, von PDS/SED über den linken Flügel von SPD und Grünen-Fundis erstreckt sich die Gegnerschaft der NATO bis hin zum rechten Gegenpol, obwohl dieser nicht nur in sich, sondern bisher auch grund- sätzlich mit dem linken Widerpart zerstritten war, eine bisher einmalige Konstellation in der politischen Auseinandersetzung im Nachkriegsdeutschland. Welche Tatsache "vereinigt" plötzlich die Herren Gysi mit den Herren Frey, Schönhuber, Schlierer und sogar diese mit den "parteiunabhängigen" Herren Mechtersheimer und Sander? Es ist, so unglaublich es auch klingen mag, purer Antiamerikanismus, hinter dem die patriotisch-ethische positive Befürwortung des Anliegens der deutschen Heimatvertriebenen, das "Rechte" bisher unterstützten, zurücktreten muß, zugunsten des Negativen, der Ablehnung des US-Führungsanspruches innerhalb der NATO. Es ist für mich nachgerade unvorstellbar töricht, angesichts eines NATO-Einsatzes gegen Vertreibung und Völkermord die wahrscheinlich einmalige Chance einer Analogie zum "singulären" Völkerrechtsverstoß des Völkermordes und der Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges zu ziehen. Wie kläglich ist das Verhalten rechter Parteien dagegen, man zieht mit den linksradikaten "Haudraufs" in eine publizistische Schlacht, bei der man wieder als Mitstreiter überhaupt nicht erwähnt wird! Wie wäre es aber, wenn man die "Absegnung" der tschechischen Vertreibungsuntaten an den Deutschen durch die angloamerikanischen Außenministerien attackieren würde, die es 1992 zu beklagen gab? Das tschechische Parlament ließ sich damals von hochrangigen Außenamtsbevollmächtigten aus England und den USA durch einen Besuch mit überbrachter Verbalnote bestätigen, daß die Vertreibung der Sudetendeutschen 1945 von den Potsdamer Protokollen und damit den beteiligten drei Regierungen genehmigt worden war, das Benesch-Regime somit gesetzeskonform mit der "Abschiebung" handelte. Nichts von alledem, unsere rechten Heerführer schwafeln unverdrossen vom "Terror" gegen das arme serbische Volk, als ob es die Angriffskriege des Verbrechers Milosevic gegen Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina nie gegeben hätte, von den Unterdückungen gegen die Kosovaren ganz zu schweigen! Die aus Chauvinismus geborenen Greuel gegen die volksdeutsche Zivilbevölkerung in Jugoslawien und die grauenhafte Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen 1945 und danach scheinen die Herren der rechten Opposition überhaupt vergessen zu haben, deshalb drei "singuläre Ereignisse" von 1944/45 in Jugoslawien zur Erinnerung: in Belgrad wurden damals zirka 200 kriegsgefangene deutsche Wehrmachts-Nachrichtenhelferinnen ("Blitzmädel") lebendig gepfählt, ebenso im Oktober 1944 bei der Rückeroberung Belgrads durch die Serben 30.000 deutsche Verwundete bestialisch ermordet. Oder als drittes Ereignis im Sommer 1945 das lebendige Begraben von 3.000 deutschen Kriegsgefangenen auf der Insel Rab in einem aufgelassenen Bergwerk, dessen einziger Eingang einfach hinter den Gefangenen zubetoniert wurde.

Es sind durch die NATO-Bomben der 1999er Angriffe möglicherweise einige hundert serbische Zivilisten ums Leben gekommen, auf jeden Fall viel weniger als im August 1944, als die Amerikaner und Engländer Belgrad bombardierten, damals gab es zirka 4.000 serbische Tote. Heute ist das Wehgeschrei der Serben und ihrer Bemitleider in rechten Kreisen in Deutschland über wenige Tote durch die selben Nationen und ehemaligen Verbündeten groß, und, was die Erinnerung der Serben anlangt, wird nur noch an den Luftangriff der Deutschen am 6. April 1941 erinnert, bei dem nur zirka 1.000 serbische Opfer zu beklagen waren. Vielleicht sollte man die heutigen zivilen Opfer unter den Serben unter dem Begriff Gottesurteil subsummieren, schließlich wurden durch die serbische Soldateska im Kosovo mehr Menschen umgebracht, die bestialischen Mörder an den Deutschen 1945 laufen ja auch noch frei herum und müssen sich um eine Anklage wegen Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit keine Sorge machen.

Über die Divergenzen bei der Exegese des Völkerrechts hinsichtlich der erlaubten oder nicht erlaubten Bombardierung eines souveränen Staates wegen dessen gegen innerstaatliche Bevölkerungsteile ausgeübten Verbrechen gebe ich hier nicht mehr ein, denn schließlich fordere auch ich unentwegt, daß Moral und Recht v o r der Macht zu gelten haben, dies wäre dann auch hier gültig. Selbstverständlich hätte die NATO oder die UN in mehreren Völkerrechtsverstößen - z.B. Ruanda - die P f l i c h t zum verbrechensverhindernden Eingreifen, wenn es bisher nicht geschieht, der Fall Kosovo bietet eine Möglichkeit, dies in Zukunft zu fordern.

Abschließend nur noch eine Bewertung des Verhaltens deutscher Politiker in der Angelegenheit: die Aussagen der Herren Fischer und Scharping bezüglich des Vergleichs von Kosovo-Vertreibung und Völkermord mit Auschwitz sind dermaßen dümmlich, denn wenn man die jetzige Situation mit etwas vergleichen will, dann kann nur der Vergleich mit der schrecklichen, größten Vertreibung in der Weltgeschichte, der Vertreibung der Deutschen, genannt werden. Es ist auch ein großer Mangel "rechter" deutscher "Möchtegern"-Politiker, auf diesen schiefen Vergleich der rotgrünen Regierung nicht hingewiesen zu haben.

Auf einem anderen Blatt steht die unterwürfige Haltung der Alt-68er in der angeblich souveränen Bundesregierung. Bisher in großen Teilen von Anti-NATO-Haltung und Pazifismus durchdrungen oder fast besessen, haben sie in der Gefolgschaft der USA und Englands - "Tony Blair ist auch dafür" - einen bemerkenswerten Wandel dokumentiert, den man auch als Befürworter des NATO-Krieges negativ konstatieren kann.

Und: Über die augenblickliche Einigkeit der sogenannten deutschen Rechten gerade nur in dieser Frage kann man genauso den Kopf schütteln. Da fordert jahrzehntelang die rechte Parteibasis und Wähler derselben die Einheit und nichts dergleichen geschieht, die Zerstrittenheit scheint Programmpunkt jeder einzelnen "rechten" Partei zu sein, Abgrenzungsbeschlüsse sind an der Tagesordnung. Plötzlich kommt ein gewisser Herr Milosevic ins Spiel, trotzt frech einer Gemeinschaft, und die Herren Parteivorsitzenden wissen auf einmal o h n e Absprache mit einer Stimme zu sprechen. Ein seltsames Gebaren, fürwahr.

Karl-P. Schlor, Tamm, 13.6.99


zu: M. Kramer, »Geschichte und Pseudogeschichte…« (VffG, 2/1999, S. 169-172)

Exterminationistischer Nebelwerfer

Lieber Herr Rudolf,

anbei übersende ich Ihnen meine Stellungnahme zu Kramers Beitrag, quasi als Kuriosum eines zweiten, von einem Chemiker-Kollegen unabhängig verfaßten Textes zum selben Thema!

Man sollte Leuten wie Kramer nicht allzuviel Beachtung widmen, denn die Gefahr ist groß, daß man dann mit pseudowissenschaftlichem Gewäsch "zugemüllt" wird. Ob diese Leute sachlichen Argumenten überhaupt zugänglich sind, ist zweifelhaft. Der psychologische Widerstand bei Menschen, die jahrzehntelang einer festgefügten Lehrmeinung ausgesetzt waren und diese plötzlich als Betrug erkennen müßten, ist enorm – ich schließe mich da nicht aus. Je klüger ("wissenschaftlicher") sich einer nun selber einschätzt, desto schwerer fällt es ihm anscheinend zuzugeben, auf einen Schwindel hereingefallen zu sein.

Eine zweite Möglichkeit möchte ich aber auch nicht ausschließen, daß man sich nämlich von exterminationistischer Seite – notgedrungen – der revisionistischen Diskussionsweise scheinbar anpaßt (Nizkor), in Wirklichkeit das Publikum aber nur verwirren will. Es handelt sich dabei anscheinend um eine Art Rückzugsgefecht im Nebelschleier. Zum Schluß verflucht der arme Laie die gesamte Wissenschaft und weiß nicht mehr, was er überhaupt noch glauben soll – und das war womöglich der Zweck der Übung.

Ansonsten finde ich, nach Inhalt und Aufmachung, die VffG ganz ausgezeichnet und lese sie jedesmal mit großem Interesse. Ich wünsche Ihnen, lieber Herr Rudolf, alles Gute für Sie, Ihre Familie und Ihre Arbeit und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Dr.-Ing. Ludwig Fanghänel, München

Zur Erwiderung von M. Kramer auf das Rudolf-Gutachten

In den VffG Heft 2 (1999) erschien ein vierseitiger Artikel des Neurowissenschaftlers Marian Kramer, in welchem jener kritisch zum Rudolf Gutachten Stellung nimmt. Zu Kramers Kritikpunkten möchte ich als Chemiker folgendes anmerken (wobei ich die Reihenfolge des Artikels übernehme):

ZU 1: KONTROLLMESSUNGEN:

Kramer bemängelt (sinngemäß), daß die verschiedenen Gebäude in Auschwitz, aus denen Rudolf seine Mauerproben entnahm und in denen denn ganz unterschiedliche Cyanidwerte gefunden wurden, baulich und auch in den sonstigen Einflußfaktoren (Temperatur, Feuchtigkeit, Einwirkungszeit usw.) nicht identisch und somit nicht miteinander vergleichbar gewesen seien. Der Tatsache, daß man in den Sachentlausungsräumen extrem hohe Cyanidwerte fand, im Leichenkeiler 1 von Krema II (der angeblichen Gaskammer) dagegen praktisch kein Cyanid, sei daher ohne jegliche Beweiskraft.

Mit dieser Interpretation macht er es sich zu einfach. Selbstverständlich war der Vergleich zwischen den Sachentlausungsräumen und der angeblichen Gaskammer wissenschaftlich zulässig und sinnvoll, auch wenn nun mal Räumlichkeiten nicht im selben Maße identisch sind wie z.B. Testbleche oder weiße Mäuse in einem Labor. Das Analysenergebnis (kein Cyanid in dem Raum, in dem angeblich über Monate und Jahre hinweg täglich Tausende von Menschen vergast worden sein sollen!) ist deshalb ein ganz starkes Indiz für die Thesen der Revisionisten und eine Verlegenheit für die Vertreter der rechtgläubigen Holocaust-Lehre.

Nachdem Rudolfs Analysen gezeigt haben, daß in den Wänden der angeblichen Gaskammer genug Eisen zur Bildung von Berlinerblau vorhanden ist, kann das Nichtvorhandensein dieses stabilen Farbstoffes nur zwei Gründe haben: a) entweder wurde in dem Raum keine Blausäure verwendet, also auch niemand vergast (was die revisionistischen Erkenntnisse stützt und ergänzt) oder b) die Bedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit, Einwirkungszeiten) waren derart, daß es trotz Massenvergasungen zu keiner Bildung von Berlinerblau kommen konnte. Die letztere Möglichkeit, die Kramer unterschwellig nahelegt, ist aber nach allem, was über den betr. Raum bekannt ist, die bei weitem unwahrscheinlichere – eine reine Spekulation. Es ist Herrn Kramer unbenommen, diese seine These seinerseits durch geeignete Versuche zu untermauern. Die Werte von Rudolf liegen auf dem Tisch: Hic Rhodos, hic salta!

ZU 2: STATISTIK:

Kramer bemängelt, daß Rudolf »auf jegliche inferenzstatistische Auswertung« seiner Daten verzichtet habe und meint damit statistische Signifikanz- oder Hypothesentests, mit deren Hilfe man z.B. beurteilen kann, ob zwei wenig verschiedene Ergebnisse wirklich einen echten Unterschied bedeuten oder der Unterschied nur zufallsbedingt ist. Hierzu folgendes:

Rudolfs Hauptergebnis, daß nämlich die Cyanidwerte der Sachentlausungskammer haushoch über denen der angeblichen Gaskammer liegen, ist so eindeutig, daß der Unterschied jedermann in die Augen springt. Ein Signifikanztest wäre hier völlig überflüssig, was auch Kramer ohne weiteres einräumt.

Durch eigene Rechnung (Student’s t-Test, einseitig, p < 0,05) hat er nun nachgewiesen, daß die Cyanidwerte der angeblichen Gaskammer wahrscheinlich oder signifikant höher liegen als die in einer Wohnbaracke, woraus man wohl schließen soll, daß in der "Gaskamme" halt doch mit Blausäure hantiert worden ist.

Selbst wenn der erwähnte Unterschied im Cyanidgehalt signifikant sein sollte (wir wollen es nicht bezweifeln), so ändert dies doch nichts an der Tatsache, daß in beiden Räumen (Leichenkeller 1, Wohnbaracke) der Cyanidgehalt praktisch an der Nachweisgrenze des Analysenverfahrens liegt (0,5 mg CN/kg) oder nur wenig darüber. Trotzdem haben sich auch die Revisionisten über die "leicht erhöhten" Cyanidwerte der "Gaskammer" Gedanken gemacht. Die naheliegendste Erklärung ist, daß in dem Raum, der ja als Leichenkeller geplant und (laut revisionistischem Standpunkt) auch als solcher genutzt wurde, einmal (mehrmals?) eine Entwesung mit Blausäure vorgenommen wurde.

Daß Kramer auf dem (wenig aussagekräftigen) Ergebnis seines t-Tests so herumreitet, kann man nur noch als das Bestreben verstehen, den Laien zu verunsichern und Zweifel an Rudolfs Ergebnissen zu säen.

ZU 3: PSEUDOWISSENSCHAFT

Außer den (von ihm so bezeichneten) "Schwachstellen" des Rudolf-Gutachtens bemängelt Kramer noch einige "pseudowissenschaftlichen Aspekte" in Rudolfs Arbeit, bringt dann aber nur einen einzigen Aspekt, der etwas mit Chemie zu tun hat. Er vermißt den Beweis, daß die Bedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit, Einwirkungszeit) »während einer Mordaktion« zu einer Bildung von Berlinerblau hätten führen müssen. Nun hat Rudolf ohnehin schon ausführlich dargelegt, daß sich Berlinerblau unter bestimmten Bedingungen sehr leicht in Mauerwerk bilden kann. Was Kramer verlangt, ist quasi eine Umkehrung der Beweislast. Hätte der Doktorand Rudolf vielleicht Feldversuche durchführen sollen – in Auschwitz?

Den Boden der chemischen Wissenschaft verläßt Kramer endgültig, wenn er plötzlich die alten Holocaust-Argumente hervorholt (Wohin sind denn all diese Menschen verschwunden? Woher die Zeugenaussagen von Häftlingen und SS-Personal? Was ist mit den Reden von Hitler und Himmler? usw.) und darauf von Rudolf Antwort verlangt. Aufgrund solcher Argumentation Rudolf "pseudowissenschaftliche Aspekte" zu unterstellen, ist ein Ausdruck der Hilflosigkeit und eine Unverschämtheit. Man kann Herrn Kramer nur empfehlen, sich mit den Ergebnissen der revisionistischen Geschichtsforschung ein wenig vertraut zu machen.

ZU 4: »REPLIZIERBARKEIT«

Was Kramer mit »Replizierbarkeit« meint, bleibt unklar – das Wort ist mehrdeutig, im Fremdwörter-Duder steht es nicht und er selbst erläutert es auch nicht. Konkret bemängelt er, daß weder das Leuchter- noch das Rudolf-Gutachten in einer wissenschaftlichen Zeitschrift erschienen und auch keiner »peer review« unterzogen worden seien. Dabei verkennt (oder verschweigt) er völlig, daß beide Gutachten im Rahmen von Strafprozessen, und zwar im Auftrag der Verteidigung, erstellt wurden, im Falle vor Leuchter sogar unter erheblichem Zeitdruck. Zur Veröffentlichung in einer chemischen Fachzeitschrift waren die Texte also gar nicht gedacht und auch nicht geeignet, denn das durchgeführte chemische Analyseverfahren ist Routine, und die braucht man nicht mehr zu publizieren. Insofern ist es auch Unsinn, bei einem Gutachten dieser Art eine »peer review« zu verlangen. Das weiß vermutlich auch Herr Kramer. Auch hier wieder die Tendenz, den Laien zu verunsichern und Zweifel zu säen.

Daß Fred Leuchter wieder mal stereotyp als »selbsternannter Ingenieur mit sehr zweifelhafter Expertise« beschimpft wird, läßt die geistige Heimat Kramers erahnen. Leuchter war nämlich wirklich der führende, wenn nicht der einzige Experte seines Fachs in den USA. Hätte es einen kompetenteren Mann gegeben, so hätte man mit Sicherheit versucht, diesen gegen Leuchter ins Feld zu führen – es gibt aber anscheinend keinen!

Bei Rudolf bemängelt er die »kleinstmögliche« Datenbasis. Weiß er denn nicht, unter welch schwierigen Umständen die Probennahme erfolgte? Der Dr. Franciczek Piper von der Auschwitzer Museumsleitung hätte die Probennahme gar nicht gern gesehen – vermutlich hätte er die Polizei gerufen. Wenn Herr Kramer die Analysenergebnisse bezweifelt, so ist es ihm ja unbenommen, ein Gegengutachten zu erstellen.

Zum Schluß nochmal der Neurowissenschaftler Kramer zur Wissenschaft: Die Veröffentlichung des Rudolf-Gutachtens durch Remer (dieser bzw. dessen Anwalt war immerhin der Auftraggeber) sowie die »Verbrüderung« mit Revisionisten wie Faurisson und Stäglich widersprechen laut Kramer diametral dem "Geist" echter Wissenschaft. Für Leute wie ihn sind Revisionisten anscheinend per definitionem keine Wissenschaftler – weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

ZU 5. DAS FALSIFIKATIONSKRITERIUM

In einer Kontroverse zwischen Michael Shermer und Germar Rudolf ging es darum, ob eine heute vorhandene Tür zu einer (angeblichen) Gaskammer des KL Majdanek echt ist oder falsch. Hier steigt nun auch Kramer voll ein. Um die einzelnen Überlegungen nachzuvollziehen, fehlt hier der Platz. Es ist traurig, daß man heute in die Tiefen der Erkenntnistheorie vordringen muß (Popper, Wittgenstein), um der Wahrheit näher zu kommen, ob eine alte Tür echt ist oder falsch. Tatsache ist aber leider, daß in den ehemaligen deutschen KL nach dem Kriege sowohl von westlicher als auch östlicher Seite Umbauten vorgenommen wurden, mit der erkennbaren Absicht, Beweise zu fabrizieren, weil echte Beweise offenbar nicht vorhanden waren. Kramer hat davon anscheinend nie gehört.

Dafür bricht er noch eine Lanze für die sog. Tarnsprachen-Hypothese und gegen Wilhelm Stäglich (Der Auschwitz-Mythos) und liefert uns eine neue Zahl zu Dresden (27.000 Opfer »nach neueren Untersuchungen«, die er aber nicht benennt).

Abschließend erklärt er, daß keines der ihm zur Kenntnis gekommenen Argumente (gemeint sind die revisionistischen) »eine Anwendung wissenschaftlicher Kriterien überstehe, auch nicht die "naturwissenschaftlichen" Arbeiten« (von Rudolf und Leuchter). Welche Argumente er sonst noch meint oder kennt, sagt er nicht. Alles, was die Revisionisten in jahrzehntelanger Forschung herausgefunden haben, ist – soweit es Herrn Kramer bekannt geworden ist – also unwissenschaftliches Zeug.

Die Argumente der rechtgläubigen Holocaust-Lehre (die 25 m hohen Schuhberge Gersteins, die lebendig verbrannten Säuglinge Elie Wiesels, die riesigen Glühgruben Eugen Kogons, die elektrischen Hinrichtungs-Fließbänder der sowjetischen Untersuchungskommission, die Leichenverbrennung in Gruben in einem Sumpfgebiet usw. usf.) haben anscheinend den wissenschaftlichen Ansprüchen von Herrn Kramer genügt – die »peer review« einer freien Geschichtsforschung werden sie auf Dauer nicht überstehen!


zu: K. Bäcker, »Das Krematorium von Auschwitz-Birkenau…« (VffG, 1/1999, S. 39-63)

Historischer Analphabetismus

In der Märznummer der VffG bestreitet ein Schreiberling, der sich zu Recht hinter einem Pseudonym (Knud Bäcker) verschanzt, die Existenz von drei der vier Birkenauer Krematorien. Welcher Teufel mag wohl die Redaktion geritten haben, daß sie diesen hanebüchenen Unfug publiziert hat? Bessere Munition könnten sich unsere Gegner gar nicht wünschen!

Würde man Otto Normalverbraucher fragen, was die vielgeschmähten "Holocaust-Leugner" eigentlich behaupten, so würde er wohl entgegnen: "Das sind Spinner, welche behaupten, es habe keine Krematorien und keine Konzentrationslager gegeben." Genau diesem grotesken Zerrbild listet "Bäcker" vorsätzlich Vorschub. Er ignoriert die zahllosen Dokumente, die ganz unzweideutig auf vier Krematorien in Birkenau hinweisen. Da ich den größten Teil der 88.000 Dokumente selbst gesehen habe, weiß ich, daß die Zahl der einschlägigen Urkunden in die Hunderte geht.

Und mit Verlaub: Wenn "Bäcker" recht hat, ist auch die Rudolf-Expertise eine Phantom-Studie, denn wie kann man von einem nicht existierenden Leichenkeller eines nicht existierenden Krematoriums Proben entnehmen?

Wir Revisionisten halten den Holocaustern mit Fug und Recht vor, daß sie methodologisch verkehrt vorgehen, indem sie den Zeugenbeweis über den Dokumenten- und den Sachbeweis stellen. Was "Bäcker" tut, ist aber noch schlimmer, denn alle maßgeblichen Zeugen stimmen ja mit den Dokumenten dahingehend überein, daß es in Birkenau vier Kremas gab. Er setzt den Dokumenten- und Sachbeweisen also noch nicht einmal die von der orthodoxen Geschichtsschreibung anerkannten Zeugenaussagen entgegen, sondern lediglich Widersprüche in der alliierten Kriegspropaganda. Verquaster geht’s nimmer!

Als Steigerung erwarte ich nun in der nächsten VffG-Ausgabe noch einen "Bäcker"-Beitrag, in dem das Lager Auschwitz als "sowjetpolnischer Propagandabluff" bezeichnet wird. Dann wären wir Revisionisten endgültig da angelangt, wo uns die Lippstadts, Neugebauers und Bastiane schon immer angesiedelt haben.

Wer sich aber ernsthaft und unter erheblichen persönlichen Opfern für die Bekämpfung von Geschichtslügen einsetzt, kann auf dergleichen Bärendienste herzlich verzichten. Was sind die VffG eigentlich? Eine wissenschaftliche Zeitschrift oder Tummelplatz für historische Analphabeten, die sich auch gern mal gedruckt sehen möchten?

Jürgen Graf, Basel, 11.5.1999


zu: G. Rudolf, »Die Menschenrechtsorganisatonen…« (VffG 4/1997, S. 270-273)

PEN-Club pro Revisionismus?

Am 12.11.98 erschien eine Zeitungsmeldung von dpa, wonach der PEN-Club beklagt, daß Schriftsteller, Journalisten und Verleger immer mehr verfolgt werden und nennt dazu Zahlen. Man wolle den Verfolgten helfen, benötige dazu aber finanzielle Mittel und erbittet Spenden.

Ich faxte an die PEN-Zentrale in Deutschland, in Wiesbaden, und fragte, ob man damit auch an "nicht linke" Autoren usw. denke, die ja in div. Ländern, nicht nur in Deutschland, gnadenlos verfolgt und angeklagt werden und deren wirtschaftliche Existenz bedroht wird bzw. schon vernichtet ist. Namen seien ja wohl bekannt.

Ich monierte die Antwort jeweils per kurzem Fax am 29.11. und 12.12.1998, am 3.1., 24.1 und 23.2.99 und verwies dabei auf einen inzwischen erschienenen, sehr interessanten Artikel in Sleipnir, Heft 6, 1998, der vom Bundesvorsitzenden der (gewiß nicht rechten) "Humanistischen Union", Till Müller aus Heidelberg, stammte und der ähnliche Gedanken äußerte.

Am 22.2.99 erhielt ich die Antwort vom PEN-Club, Deutschland (Kasino Str. 3, D-64293 Darmstadt (Fax: 06151 23120), unterschrieben von der Geschäftsführerin, Frau Ursula Setzer, mit folgendem Inhalt

»das Pen-Zentrum Deutschland kümmert sich um verfolgte Autoren. Die politische Richtung spielt dabei keine Rolle, wichtig ist allerdings, daß es sich um politisch Verfolgte handelt, die nicht gewalttätig geworden sind.

Mit freundlichen Grüßen […]«

Ich denke, daß dies mehr wichtig ist und evtl. von den verfolgten Revisionisten irgendwie verwendet worden kann.

Rudolf Weiße, Waiblingen


zu: R. Schleiter, »Das Massaker von Oradour« (VffG 1/1999, S. 100-103)

Sehr geehrter Herr Rudolf,

Neben der in der Buchbesprechung genannten Schrift von Otto Weidinger, Tulle und Oradour. Eine deutsch-französische Tragödie, möchte ich auf zwei Bücher von Herbert Taege hinweisen, in denen Einzelheiten behandelt sind, die über den Inhalt des Buches von Reynouard hinausgehen. Die Bücher Wo ist Kain? Enthüllungen und Dokumente zum Komplex Tulle und Oradour (dazu siehe die ausgezeichnete Rezension von Pierre Zindl in La Voix d’Alsace-Lorraine, 1983) und Wo ist Abel? Weitere Enthüllungen und Dokumente zum Komplex Tulle und Oradour waren im Askania-Verlag 1981 und 1985 erschienen, den es nicht mehr gibt.

Die Bücher sind aber in vielen deutschen Universitätsbibliotheken vorhanden, da Herbert Taege sie diesen zur Verfügung stellte. Außerdem weise ich auf den Aufsatz »Was die Steine schreien. Lokaltermin in der Kirchenruine von Oradour zur Klärung eines Kriegsverbrechens« von Pierre Moreau in der Zeitschrift Deutsche Monatshefte, Heft 8, 1985, hin, in dem als Grund der gewaltigen Explosion in der Kirche von Oradour das Vorhandensein von Munition der Partisanen nachgewiesen wird. Obwohl Taege 1986 glaubte, »das Ende der Debatte um Tulle und Oradour« sei gekommen, wird bis heute in Zeitungen und Zeitschriften, in Büchern und Fernsehberichten den Deutschen die alleinige Schuld an den Vorkommnissen zugeschoben. »Nächst der Reichstagsbrandlüge war Oradour die bestgetarnte Geschichtsfälschung« (Taege). Sie ist es bis heute.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Schneider, Hirzenhain, 27.3.1999

ANMERKUNG DER REDAKTION:

Die von Herrn Schneider genannten Werke wurden von V. Reynouard ausweislich seiner Bibliographie berücksichtigt. Die Werke von H. Taege können bezogen werden bei: VHO, Postbus 46, B-2600 Berchem 1, Belgien. (Band 1 z.Zt. ausverkauft, es wird vorgemerkt)


zu: E. Manon, »Rückblick auf den Revisionsmus« (VffG, 1/1999, S. 27-38)

Besorgniserregender Pessimismus

Sehr geehrter Herr Rudolf,

der Artikel von Ernst Manon »Rückblick auf den Revisionismus« ist mir Anlaß einer besorgten Fragestellung, vorausgesetzt ich habe nicht etwa etwas falsch verstanden. Der Artikel beinhaltet zahlreiche interessante Facetten, von denen eine in unbegründetem Pessimismus mündet. Wenn ich die Sache richtig verstehe, lautet die Botschaft: Revisionismus ist gut und notwendig, aber man möge ihn bitte nicht übertreiben, er könnte sonst der bekannten Internationalen Anlaß zu irrationalen Handeln werden. Dieses könne darin münden, Atombomben zu werfen oder gar gegen Deutschland den Dritten Weltkrieg zu inszenieren, um es endgültig zu vernichten etc. Diesem Gedankengang vermag ich geistig nicht zu folgen. Sieht man einmal davon ab, daß m.W. der Dritte Punische Krieg gegen Deutschland, besser gegen Europa (Schweiz u. Frankreich inbegriffen), unter Enthaltung militärischer Mittel längst im Gange ist, signalisiert dieser Standpunkt eine Art Kapitulationsbereitschaft angesichts der Tatsache, daß die Risse im Bollwerk immer breiter werden. Zudem kommt der Appetit bekanntlich beim fressen – siehe Schutzgelderpressung der Schweiz und anderer Nationen und Firmen – und steigert sich angesichts unbegrenzter Weideflächen. Friedmanns Worte kommen einem in den Sinn: »Deutschland muß zahlen, generationenlang, für immer«.

Zu den breiter werdenden Rissen im Bollwerk: Mühsam, zu mühsam, aber immerhin geht es vorwärts. Es kann ja wohl kein Zufall sein, daß gerade an der linken Peripherie ausgerechnet gestandene 68er immer stärker gegen den amtlich verordneten PC-Stachel löcken. Prof. Rabehl, Oberlercher, Mahler, Walser, Klaus-Rainer Röhl, Rainer Zitelmann, Enzensberger und viel andere mehr, nur um einige Namen zu nennen. Offenes Handeln ist gegebenenfalls administrativ abzuwürgen, die im geheimen kursierende Schrift (Leuchterbericht ?!?!?!) aber ist unangreifbar und zeigt wohl in den genannten Fällen ihre Wirkung. Zudem, ich entnehme der vorletzten Ausgabe von VffG, daß Jylland Posten u. Berlingske Tidende die Katze für ganz Dänemark aus dem Sack gelassen haben. Wenn dies die zwei angesehensten Zeitungen des Landes tun, bleibt dies garantiert nicht ohne Wirkung, wie die Erfahrungen in anderen Ländern lehren. In Schweden zweifeln dank der Aufklärungsarbeit von Ahmed Rami mittlerweile 75% der schwedischen Akademiker und Studenten am amtlichen Darstellungsbild des zentralen Ereignisses der Menschheitsgeschichte. Auch in der Schweiz kocht es gewaltig und ausgerechnet die BRD soll eine Insel der Unseligen bleiben? Dagegen wehrt sich etwas in mir.

Kurz, das Hauptproblem besteht doch wohl darin, den Kreis der Wissenden soweit zu erweitern, daß der Arroganz der Macht zumindest Grenzen gezogen werden. Auch die noch Unaufgeklärten sind sachlichen Argumenten durchaus zugänglich, wenn sie richtig aufbereitet werden, wie ich aus persönlicher Erfahrung weiß. Ausnahmen bestätigen eher die Regel. Hier gilt es anzusetzen.

Beste Grüße mit dem Ausdruck meiner Hochachtung

A.G., Berlin, 15.3.1999


zu: M. Gerner, »"Schlüsseldokument" ist Fälschung« (VffG, 3/98, S. 166-174)

Pressac’s Stellungnahme

Messieurs,

der Artikel von Manfred Gerner ist ganz und gar engagiert und ich hoffe, daß er Fortschritte machen kann und uns bald seine abschließenden Schlußfolgerungen mitteilen wird. Ich erlaube mir, ohne aufdringlich sein zu wollen, zu zwei sich ergebenden Fragen Antworten anzubieten:

  1. J.-C. Pressac sagte mir, das erste der zwei von Gerner wiedergegebenen Dokumente aus dem Archiv des Museums Auschwitz (Dokument A) sei eine schlichte Abschrift von Gerners Dokument B. (Ich werde J.-C. Pressac bitten, mir eine Kopie zukommen zu lassen)
  2. Pressac hat in seinem 1989 erschienenen Buch die Fassung A statt der Fassung B abgebildet, weil das Museum damals nur die Fassung A besaß. Czech gibt daher in dem Kalendarium des Jahres 1989, S. 533, als Quelle das Buch SS in Einsatz (1957, Gerners Fassung C) an, und auch F. Piper bezieht sich in seinem Buch Auschwitz (Interpress, 1986, S 123) auf die gleiche Quelle (bei der 1960er Ausgabe handelt es sich um einen unglücklichen Fehler); beiden war 1986 bzw. 1989 die Fassung B noch unbekannt. Das Museum konnte erst nach der Öffnung des Zentralarchives in Moskau Anfang der 90er Jahre eine Kopie der dort lagernden Fassung erwerben, weshalb es sich bei Gerners Fassung B um eine Fotokopie seiner Fassung D handelt.

Bien à vous Jean-Marie Boisdefeu, Berchem, 28.2.1999


zu: H.J. Nowak, W. Rademacher, »"Gasdichte"« Türen in Auschwitz« (VffG, 4/1998, S. 248-261)

Mehr als fünffach übertrieben

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrer Rubrik »Aus der Forschung« fordern Sie laufend, unter Anführung von Beispielen, dazu auf, kritisch zu lesen. Dieser sehr richtigen Aufforderung nachkommend, mache ich auf folgende Tatsache aufmerksam: In Ihrem Artikel »"Gasdichte" Türen in Auschwitz« haben Sie zwei Seiten aus dem "Stärkebuch", das nach Ihrer Angabe im Archiv in Auschwitz vorliegt, abgebildet. Aus dem Text lese ich heraus, daß am 3.6.1942 15 Häftlinge verstorben sind.

Auch Ihrem Vorschlag, vergleichend zu lesen, bin ich dann gefolgt. Im Kalendarium der D. Czech fand ich dann: »85 Häftlinge«, die ums Leben gekommen sein sollen. Wenn so ständig verfahren wurde, dann muß man sich über manches nicht mehr wundern.

Ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen um Ihnen und Ihren Autoren für Ihre Arbeit zu danken. Mir ist keine andere Zeitschrift bekannt, die so fundiert und mit Dokumenten belegt berichtet. Das ist Ihre Stärke und damit überzeugen Sie auch. Man erkennt welch ungeheures Wissen hinter Ihnen steht. Sie sollten deshalb auch manchmal in den Fundus zurückgreifen, den Sie als bekannt voraussetzen. Gerade Jüngere, die Sie erreichen sollten und müssen, bringen vielleicht eben diese Voraussetzung nicht mit. Solche "Grundsteine" sollten Sie deshalb einstreuen. Die einfachsten Beispiele sind sicher die besten. Denken Sie daran, daß junge Leser zunächst mit kurzen "griffigen" aber nachvollziehbaren – noch besser nachrechenbaren – Tatsachen angesprochen werden können.

Ein Wort noch "an alle Mitlesenden", vergessen Sie nicht an die Werbung für VffG zu denken! Die überzeugendste Werbung kann von uns, den Lesern, ausgehen. Interessierte muß man suchen und finden, es gibt sie! Denken Sie daran, daß uns, die wir die Zeit erlebt haben, nur noch begrenzte Zeit bleibt, die Geschichte aus unserem Erleben und Wissen richtigzustellen oder wenigstens die Grundlagen dafür zu hinterlassen! Geld, das wir dafür ausgeben und anlegen, und nicht das hinterlassene Erbe, ist das beste Kapital für unsere Kinder und Enkelkinder. Sie müssen erst lernen, Freunde und Feinde unseres Volkes zu erkennen. Man sollte ihnen auch auf den Weg mitgeben, daß uns Rußland mit der Öffnung seiner Archive hilft, wohingegen Amerika und andere Länder noch heute Teile ihrer Archive verschlossen halten. Warum wohl? G. Schillinger, München


zu: H. Pedersen, »Das Loch in der Tür« (VffG, 2/1997, S. 79-83)

Hysterisches Leiden

Sehr geehrter Herr Rudolf!

Als Anlage erhalten Sie die Seiten 352f. des Buches Erinnerungen, Gedanken und Meinungen des Dr. Bernard Naunyn, erschienen 1925 im J.F. Bergmann Verlag, München. Die Erinnerungen Dr. med. Naunyns sind für mich höchst interessant, nicht wegen der medizinischen Sachen, von denen ich nichts verstehe, sondern weil sie einen guten Einblick in die Verhältnisse der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts geben. Zu den hier erwähnten »hysterischen Leiden« paßt eine Schilderung von Tjudar Rudolph, der aus Lodz stammt. Er erzählte, dort hätten einmal polnische Jungen einige schwarze Tauben in eine Synagoge gesperrt. Daraufhin seien die Israeliten durchgedreht, denn die schwarzen Tauben seien als böse Geister anzusehen gewesen. Das gesamte Mobiliar sei herausgeholt und abgewaschen worden, ebenso das Innere der Synagoge. Es entspricht wohl der orientalischen Mentalität zu übertreiben. Daher auch die von den Erzählern selbst geglaubten unmöglichen KL-Geschichten. Und auch nur so ist die von jüdischer Seite unsinnige Argumentation zu verstehen, die da lautet: "Es war unmöglich, weil es geschah."

Hier nun die interessanten Passagen aus dem Buche:

»Ein Krankheitsgebiet, daß mich bald ganz besonders anregte, waren die schwer hysterischen Leiden und die mit der Hysterie verwandten Zustände bei Kindern, kindliche Imaginationsneurosen nannte ich sie, und einen Fall derart habe ich vorn (Kindheit) erzählt. Die israelitische Bevölkerung Rußlands lieferte ein unglaublich reichhaltiges Material an beiderlei Fällen. So wie es für ein fruchtbares klinisches Studium dieser Fälle nötig gewesen wäre, habe ich mich in dieses Thema aber nicht vertieft, […] aber die Beschäftigung mit jenen Kranken hat mir Gelegenheit gegeben, Psychotherapie, wie ich sie verstehe d.h. die Behandlung des Kranken durch Ausschaltung krankmachender Vorstellungen, im größten Maßstabe und mit sehr gutem Erfolg zu üben. […] Im allgemeinen aber ist hier [bei der Behandlung] dies die Hauptsache, daß man schädliche Einflüsse von den Kranken fernhält, daß man sie zur Ruhe kommen läßt, zur Ruhe über ihre vermeintliche Krankheit, zur Ruhe in der "Jagd nach Gesundheit"!«

Mit herzlichen Grüßen Ihr

F.B., 15.3.1999


zu: Y. Rubinstein, »Woher stammt eigentlich der David-Stern?« (VffG, 2/1999, S. 181f..)

Detail der Weltgeschichte

Die Geschichte des Davidstern geht natürlich viel weiter zurück als nur bis 1648. Er war in der Antike nicht nur gelegentlich bei den Juden als Siegel (Brockhaus), sondern auch bei den "alten Indern" als Symbol gebräuchlich. Man kann ihn z.B. auf Bildern von indischen Tempeln finden. Das "spezifisch jüdische" des Davidssterns wird noch weiter relativiert, wenn man bedenkt, daß auch ein anderes indogermanisches Symbol sich in jüdischen Kreisen großer Beliebtheit erfreut hat: die Swastika, zu deutsch: das Hakenkreuz. In jüdischen Zeitungen vor und nach dem Ersten Weltkrieg kann man Annoncen für Mazzes finden – geschmückt mit dem Hakenkreuz und dem Werbeslogan »Nur echt mit diesem Zeichen«. Als weiteres Beispiel ist mir erinnerlich, daß ein jüdischer Verein unter diesem Zeichen zu einem Schiffsausflug eingeladen hat. Fazit: Es ist wohl nur einem "Detail der Weltgeschichte" zuzuschreiben, daß der Staat Israel den Davidstern und nicht das Hakenkreuz auf der Fahne führt!

Thora Pedersen, Dänemark


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(3) (1999), S. 348-354.


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