Die revidierte Internetausgabe der Erstauflage des Rudolf Gutachtens auf vho.org/D/rga/index.html (Stand Frühjahr 1999)
Siehe auch die zweite Auflage des Rudolf Gutachtens


6. Kritik der Gegengutachten
6.1. Krakauer Gutachten 1945
1

Das Krakauer Gutachten von 1945 ist mit Vorsicht zu genießen. Aus dem einfachen Grund: Die Gerichtsprozesse und gerichtsmedizinischen Untersuchungen unter Stalin waren alles andere als vertrauenswürdig. Demonstratives Beispiel hierfür ist der Fall Katyn, bei dem die Sowjetunion ihre Massenmorde an polnischen Offizieren aus der Anfangszeit des Zweiten Weltkrieges durch eigene, gefälschte Gutachten den Deutschen anlastete und dafür auch Todesstrafen verhängte2.
Die Krakauer Gutachter sollen angeblich in Menschenhaaren, Haarspangen und in einer verzinkten Metallblende des Entlüftungsschachtes einer angeblichen 'Gaskammer' von Birkenau Cyanide festgestellt haben. Abgesehen davon, daß die Ergebnisse bezüglich der Haare heute nicht mehr reproduzierbar sind3, hat niemand überprüft, um welches Material mit welcher Herkunft und Geschichte es sich tatsächlich handelt. Unterstellt, daß die Analysenergebnisse richtig sind, ist aus chemischer Sicht folgendes anzuführen: Ein positiver Cyanidbefund in Menschenhaaren beweist lediglich, daß diese Haare HCN-Gas ausgesetzt waren. Sie können jedoch auch schon abgeschnitten gewesen sein. Dafür spricht, daß in allen deutschen wie alliierten Lagern den Häftlingen aus hygienischen Gründen die Haare geschoren wurden. Wenn diese ab einer bestimmten Schnittlänge einer Wiederverwertung zugeführt worden sein sollen4, so mußten sie vorher (z.B. mit Zyklon B) entlaust werden. Der angebliche positive Cyanidbefund in feuerverzinktem Blech (Entlüftungsschächte) aus den vermeintlichen 'Gaskammern' steht der Erklärung von G. Wellers (s.u.) diametral entgegen, daß die Opfer das Giftgas annähernd vollständig aufgenommen hätten. Wäre dies der Fall gewesen, so kann keine Blausäure an das Metall der Entlüftungsschächte gelangt sein. Hat die Blausäure im Metall zu nachweisbaren Cyanidverbindungen geführt, so muß dies auch im Mauerwerk der Fall sein. Entweder hat hier G. Wellers recht oder das Krakauer Gutachten. Aus naheliegenden Gründen aber ist dem damaligen Befund der Polen nur dann zu trauen, wenn es heute reproduzierbar ist, was wegen der Langzeitstabilität der Zink- und Eisencyanide immer noch möglich ist - vorausgesetzt, es läßt sich zweifelsfrei nachweisen, woher die zu untersuchenden Metallgegenstände stammen bzw. wo sie eingesetzt wurden, was allerdings zweifelhaft ist.


6.2. Gegengutachten J.-C. Pressac5

Die sicher lobenswerten und sehr wichtigen Arbeiten des J. Pressac, in der er die zum großen Teil von R. Faurisson entdeckten Dokumente und Pläne veröffentlichte, hat einen schwerwiegenden Nachteil: Sie ist bezüglich der naturwissenschaftlichen Fragen unfundiert.
Da Pressacs erstes Buch zu früh kam, um auf den Leuchter-Report entsprechend zu reagieren, ist dies verständlich, es behebt aber nicht das Manko, daß Pressacs Werk eben keine naturwissenschaftlich-technische Erwiderung auf Leuchter ist.
Darüber hinaus muß man konstatieren, daß Pressac in entscheidenden Fragen der Chemie und des Ingenieurwesens sein Unvermögen offen zur Schau stellt. Seine Aussage, daß die warmen Entlausungskammern der Bauwerke 5a und b mehr zur Bildung des Berliner Blau tendierten als die kühl-feuchten Leichenkeller/Gaskammern der Krematorien II und III,6 läuft den Tatsachen vollkommen zuwider: Feuchtigkeit und Kühle führen zu einer enormen Anreicherung des Cyanids in der Wand sowie zu einer beschleunigten Umsetzung zum extrem dauerhaften Farbpigment Berliner Blau, wie jeder Chemiker ohne Probleme nachprüfen kann. Man kann die inzwischen mehrfach bestätigten Cyanidbefunde Leuchters in ihrer Aussagekraft also nicht so einfach wegdiskutieren. Die Ausführungen Pressacs über die Kapazitäten der Auschwitzer Krematorien sowie über die Grubenverbrennungen schließlich zeugen von seiner technischen Inkompetenz. Da er in seinem Buch die Nachweise der Kokslieferungen lückenlos dokumentiert7 und selber den Brennstoffbedarf pro Kremierung kennt, kann man sich über seine phantastischen Einäscherungsextrapolationen nur wundern. Für Pressacs unkritische Voreingenommenheit sprechen zudem folgende Passagen aus der Zeugenaussage H. Taubers, den Pressac für einen 95%ig verläßlichen Zeugen hält, ohne darüber ein Wort der Kritik zu verlieren8:

»Während der Verbrennung solcher [nicht ausgemergelter] Körper verwendeten wir nur zum Anzünden der Ofenfeuerung Koks, da die fetten Körper dank der Freisetzung des Körperfettes von selber brannten. Gelegentlich legten wir bei Koksknappheit Stroh und Holz in die Aschenbehälter unter den Muffeln. Wenn die fetten Leichen erst zu brennen begannen, fingen die anderen Leichen von selbst Feuer […]
Später, als eine Verbrennung der anderen folgte, brannten die Öfen dank der durch die verbrennenden Körper entstehenden Glut von selbst. Somit wurde die Ofenfeuerung bei der Verbrennung fetter Leichen im allgemeinen gelöscht
[…]
Ein anderes Mal warf die SS einen Gefangenen, der nicht schnell genug arbeitete, in eine Grube nahe des Krematoriums V, die voll mit kochendem Menschenfett war. Zu dieser Zeit
[Sommer 1944] wurden die Leichen im Freien in Gruben verbrannt, von denen das Fett in getrennte, im Erdreich eingegrabene Reservoirs floß. Dieses Fett wurde über die Leichen gegossen, um die Verbrennung zu beschleunigen […]«

Über den Unsinn der Verbrennungen in tiefen Gruben und des Ansammelns von Fett wurden bereits Ausführungen gemacht. Die Aussagen Taubers über die Verbrennungsweisen sind aber ebenso grotesk: Die Brenngase in einem Krematoriumsofen strömen vom Befeuerungsraum über die Leiche im Brennraum, durch den Aschenraum in den Fuchs, der die Abgase aus dem Brennraum zum Kamin führt9. Wenn man im Aschenraum ein Feuer entzündet, um darüber befindliche Leichen zu verbrennen, kehrt man den Gasstrom um: Frischluft wird über den Kamin angesaugt, die Abgase stauen sich im Brennraum, von wo sie sich einen Weg nach draußen in den Ofenraum bahnen. Die von Tauber geschilderte Verbrennung vom Aschenraum aus kann nicht funktionieren. Schließlich sind Menschen, die zu 60-70% aus Wasser bestehen, kein Brennstoff und können daher unmöglich durch ein Strohfeuer entzündet und von selbst am Brennen gehalten werden.
Solche Zeugenaussagen sind, um Pressacs an anderer Stelle gebrauchte Worte zu verwenden, nichts als Lügen und reine Erfindungen10. Ein wirklich seriöser Forscher hätte die Meinung von Fachleuten zu solchen Aussagen eingeholt, bevor er einen Zeugen für glaubwürdig erklärt. Eine solche sachverständige Meinung ist zu erhalten, wie der Blick in Ingenieurzeitschriften zeigt:11

»Dagegen befremdet, daß in gewissen Verfahren über Verbrennungsanlagen Zeugen etwa abgenommen wird, daß "meterlange Flammen aus hohen Schornsteinen schlugen", obwohl dies technisch unmöglich ist, da aus Schornsteinen […] im Regelfall nur warme Abgase strömen und nicht einmal ein Widerschein zu sehen ist, da die Flammen (etwa bei Koksfeuerung) nicht aus dem Brennraum können und der Widerschein sich im Fuchs verliert […].
Wenn die Richter also etwas glauben sollen,
[…] dann sollten sie wenigstens den Hausrauchfangkehrer befragen, bevor sie darauf verzichten "zu zeigen, daß der Zeuge in der Lage war zu wissen."«

Gemeint ist hier die Tatsache, daß alle Gerichte dieser Welt bis heute darauf verzichtet haben, durch das Einholen von technischen und naturwissenschaftlichen Gutachten zu beweisen, daß die angeblichen Erlebnisse der Zeugen überhaupt stattgefunden haben können. Es muß also bei jeder Zeugenaussage überprüft werden, ob der Zeuge überhaupt in der Lage war, das Geschilderte zu erleben. Das hier vom Präsidenten der österreichischen Bundesingenieurkammer geschilderte Detail der Geschichtsschreibung, die flammenschlagenden Schornsteine der Krematorien in Birkenau betreffend, wurde u.a. von einem angesehenen Geschichtsprofessor als selbst erlebt geschildert. Nach intensiver Korrespondenz gab er inzwischen zu, daß er diese Sache noch nie überdacht habe, und daß er einsehe, daß er dies, da offensichtlich technisch unmöglich, nicht hat erleben können, er also nicht in der Lage gewesen sein kann, das Ausgesagte zu wissen12. Dazu paßt auch die Aussage des »95%ig verläßlichen Zeugen« (Pressac) Henryk Tauber8, in der er erwähnt, daß die Sonderkommandos während alliierter Luftangriffe auf Auschwitz besonders viele Leichen (bis zu acht) in die Kremierungsmuffeln schoben, um mit großen, aus den Schornsteinen schlagenden Flammen die alliierten Flugzeuge auf sich aufmerksam zu machen. Die Muffeltüren der Kremierungsöfen waren nur 60 cm hoch und breit. Es dürfte reichlich schwierig sein, dort acht Leichen hineinzubekommen. Pressac kommentiert solche Zahlen entsprechend mit Worten wie: »glatte Lüge«, »reine Erfindung«, »Übertreibung«, »pure Propaganda«, »reine Einbildung«10. Wohlgemerkt: Nur zu der leidigen Zahlenfrage, nicht aber zu den zentralen, vollkommen unsinnigen Passagen der Aussage Taubers findet Pressac kritische Worte!
Die von Pressac zusammengetragenen »kriminellen Spuren« sind schon im ersten Abschnitt diskutiert worden und werden teilweise bei der Behandlung der Argumente von G. Fleming erneut behandelt.
Daß Pressac aber auch in seinem zweiten, 1993 erstmals auf französisch13 erschienenen Buch zu den von Leuchter, von Faurisson14 und mir15 aufgeworfenen Fragen geschwiegen hat und all seine längst widerlegten Geschichten unverdrossen wiederholt, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Qualität seiner Arbeit.16


6.3. Gegengutachten W. Wegner17

Werner Wegner ist ein pensionierte Sozialpädagoge im Alter von annähernd 90 Jahren. Man muß bestürzt sein, wie die deutsche Geschichtswissenschaft sich in einer solch wichtigen Frage der Aussagen eines technisch und naturwissenschaftlich ungebildeten Menschen bedienen kann, der zudem aufgrund seines Alters mit der Materie vollkommen überfordert ist. Das hindert die Geschichtswissenschaftler aber nicht, ihn als Minenhund gegen die Revisionisten ins Feld zu schicken. Durch alle Aussagen von ihm zieht sich der Faden technisch-naturwissenschaftlicher Inkompetenz, die stellenweise panoptikumreife Blüten treibt18. So hielt er z.B. die Betonpfeiler der Leichenkellerruinen von Krema II und III für Zyklon B-Einwurfstutzen, die in den Plänen eingezeichneten Siphons für getarnte Markierungen der Zyklon B-Einwurfstutzen. Seinen bei Jesse et al. veröffentlichten Beitrag zeichnen zwei Dinge aus: Er beschreibt die Ruinen der Anlagen in dramatischen, aber unsachlichen Worten. So zeugen verbogene Eisengeräte nicht etwa von grausigem Geschehen, sondern nur von Gewalteinwirkung gegen das Gerät. Auf dem Gebiet der Chemie, also bezüglich der Frage, ob und wenn dann was man an Spuren des Giftgases hätte finden können, kann Wegner natürlich keine Antwort geben. Er riet mir in einem Schreiben denn auch, diese Dinge unter Spezialisten zu besprechen, da er davon keine Ahnung habe. Ähnlich verhält es sich mit bautechnischen und kremierungstechnischen Fragen. Man kann W. Wegner nicht zum Vorwurf machen, daß er als Sozialpädagoge in naturwissenschaftlichen Dingen nicht das leisten kann, was Fachleute zu leisten im Stande sind. Inzwischen sieht es Herr Wegner selbst nicht mehr so gerne, daß seine Veröffentlichung eingehend zitiert wird19.
Dr. Rainer Zitelmann, einer der Herausgeber des Bandes, in dem Wegners Beitrag erschien, ließ in einem privaten Schreiben an mich erkennen, daß die Herausgeber sich der mangelhaften Qualität von Wegners Beitrag vollauf bewußt waren. Da das geplante Buch aber bereits massiv revisionistische Tendenzen aufweise, sah man sich gezwungen, einen derartigen anti-revisionistischen Beitrag mit aufzunehmen, um das Buch überhaupt veröffentlichen zu können.


6.4. Stellungnahme Prof. Dr. G. Wellers20

Bereits in der Stellungnahme zum Krakauer Gutachten von 1945 wurde kurz auf Wellers eingegangen. Wellers stellt die These auf, daß bei den Vergasungen die Opfer alle Blausäure in sich aufnahmen und somit keine Reaktion der Blausäure mit der Wand zu dauerhaften Cyanidrückständen stattfinden konnte. Eine annähernd vollständige Aufnahme der Blausäure durch die Atmung der Opfer setzt voraus, daß zumindest ein Teil der Opfer während der gesamten Ausgasungsdauer vom Zyklon B-Träger (2 Stunden) am Leben blieb. Dies würde bedeuten, daß nur sehr geringe Mengen an Blausäure verabreicht wurden, so daß gerade genug zur Verfügung stand, um die an den Wänden stehenden Menschen mit einer kaum merklichen Dosis zu belegen. Dies hätte bei diesen Menschen dann in erster Linie zu einem Erstickungstod durch Sauerstoffmangel geführt21. Diese These hat den Nachteil, daß sie den Zeugenaussagen vom schnellen Gastod22 sowie von der angeblich verwendeten Giftmenge23 entgegensteht. Um die praktisch nicht vorhandenen Cyanidkonzentrationen in den Leichenkellern I/'Gaskammern' der Krematorien II und III in Birkenau zu erklären, ist man aber unbedingt auf diese aussagenwidrige These angewiesen.
Im Endeffekt bedeutet sie, daß die SS sich die Zugabe des Giftes gespart hätte, da auch ohne Gift alle Opfer in ähnlichen Zeiträumen in den vermeintlich gasdichten Räumen erstickt wären. Bei Verzicht auf die Zyklon B-Zugabe hätten sich zudem die Bewacher der SS nicht den Gefahren des schwer handhabbaren Giftes aussetzen müssen. Weiter hätte man dieses teure und rare Schädlingsbekämpfungsmittel für die dringend nötigen Sach- und Raumentwesung aufgehoben, anstatt es sinnlos als Zugabe für Erstickungskammern zu verschwenden. Schließlich ergäbe sich bei Verwendung sehr geringer Mengen Blausäure die paradoxe Situation, daß dadurch der Hinrichtungsprozeß gegenüber einer reinen Erstickung durch Sauerstoffmangel künstlich verlängert würde. Tödlich wäre die Zugabe sehr geringer Blausäuremengen nämlich nur für die Opfer, die nahe den Zyklon B-Einwurfstellen stünden. Denn nach der These von Wellers haben diese annähernd alle Blausäure in sich aufgenommen, so daß die Wand wie auch die Opfer an der Wand keine tödlichen Blausäuremengen mehr erhielten. Nach dem Tod der Opfer nahe der Einwurfstellen stünde den wenigen Überlebenden fern den Einwurfstellen somit etwas mehr Sauerstoff zur Verfügung, als wenn alle Opfer einen ausschließlichen Erstickungstod erleiden würden.
Schließlich muß man sich wundern, wie flexibel man in der Argumentation je nach Sachlage sein kann. Wurde bisher darauf verwiesen, daß die Existenz von Cyanidverbindungen in den durch Eisenblau verfärbten Mauern eines Raumes im ehemaligen Konzentrationslager Majdanek der Beweis für Menschenvergasungen sei24, so soll dieser fehlende Beweis in Auschwitz nunmehr kein Hinweis dafür sein, daß es dort keine Menschengaskammern gab. Folgt man der neueren Logik von Wellers, so können die Cyanidrückstände in Majdanek nicht von Menschenvergasungen, sondern nur von Entlausungen herrühren, womit die Vergasungsberichte über Majdanek zweifelhaft werden. Wie man dann aber noch behaupten kann, entsprechende Zeugenaussagen über Auschwitz sollen weiterhin unanzweifelbar sein, muß ein Rätsel bleiben.25
Die neuartige, bisherigen Positionen widersprechende These von G. Wellers entpuppt sich also bei näherer Betrachtung als willkürliche und realitätsferne Hilfskonstruktion.
Auch bei G. Wellers erstaunt schließlich, daß wiederum ein Nichtfachmann auf den Leuchter-Report reagiert, als ob es in der Welt keine Ingenieure und Chemiker gäbe.


6.5. Stellungnahme Dr. J. Bailer21

Trotz seiner Promotion in Chemie gelangt Bailer zu dem Schluß, daß Blausäure mit den in den Wänden befindlichen Eisenverbindungen keine merklichen Reaktionen eingehen könne. Die Analysenergebnisse Leuchters bezüglich der Entlausungskammern seien daher Artefakte (entweder Anstrichfarbe oder Fälschung). Er diskreditiert sich damit mehrfach: Erstens hat er sich nicht um die tatsächlich ablaufende Chemie anhand von Fachliteratur bemüht, was an der vollkommen fehlenden Zitierung ebendieser erkennbar ist. Daran hätte er erkennen müssen, daß seine Unterstellungen und Schlußfolgerungen vollkommen fehl gehen. Zweitens hat er es nicht für nötig befunden, vor Ort in Auschwitz die Fakten zu erkunden, anhand derer er die Falschheit seiner Aussage bemerkt hätte.
Da er selbst nach Konfrontation mit der Fachliteratur und dem Beweis der Eisenblaubildung durch Blausäurebegasung anhand eines Bauschadensfalles immer noch auf dem Standpunkt steht, es könne sich kein Eisenblau bilden, bleibt nichts anderes mehr zu sagen, als daß dieser Herr offensichtlich ein fanatischer Lügner und Fälscher ist.26


6.6. Gutachten Krakau 199027

Die schon im Abschnitt 4.3.2. angeführten Fragwürdigkeiten dieses Gutachtens seien hier zusammengefaßt. Das Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, erstellte im Auftrag des Auschwitz-Museums 1990 ein Gutachten, in dem, wie bei Leuchter, in Mauerproben aus den angeblichen 'Gaskammern' nach Cyanidrückständen gesucht wurde. In diesem Gutachten herrscht ein vollkommenes Einheiten-Chaos, so daß eine vernünftige Auswertung unmöglich ist. So gibt dieses Gutachten die gefundenen Cyanidkonzentrationen in µg (KCN) pro 100g an, eine unübliche Einheit. Beim Vergleich der Krakauer Analysenwerte mit denen von Leuchter und anderen inzwischen angefertigten Gutachten, die durchweg nach international genormten Verfahren ihre Analysen durchführten, erkennt man sofort, daß die Meßergebnisse Krakaus unhaltbar sind. Deren Ergebnisse liegen unterhalb der Nachweisgrenze der amerikanischen und deutschen Norm (1 bis 0,5 mg Cyanid pro kg Material), sogar solche Proben, die durch ihren blauen Schimmer deutlich im Bereich von einigen tausend mg pro kg Cyanid zu erwarten gewesen wären. Ursache dafür ist ein meßmethodischer Fehler, da die von den Polen angewendete Methode (Diffusionskammer) für die Spurenanalyse langzeitstabiler Cyanidverbindungen ungeeignet ist, wie die Polen selbst zugegeben haben.
Trotz der Tatsache, daß die Mauern der angeblichen 'Gaskammer' des Stammlagers (Leichenhalle) vollständig nicht und die der 'Gaskammer' (Leichenkeller I) des Krematoriums II teilweise nicht der Witterung ausgesetzt waren, erklärt das Krakauer Institut die negativen Analysenergebnisse aus den vermeintlichen 'Gaskammern' wie folgt:

»Cyanwasserstoff ist eine schwache Säure, was zur Folge hat, daß sich ihre Salze in Gegenwart von stärkeren Säuren leicht zersetzen. Eine solche stärkere Säure ist sogar Kohlensäure, die durch Reaktion von Kohlendioxid und Wasser entsteht. Stärkere Säuren wie z.B. die Schwefelsäure zersetzen Cyanide leichter. Dauerhafter sind komplexe Verbindungen von Cyanid-Ionen mit Schwermetallen. Das schon erwähnte "Preußisch-Blau" zählt zu solchen Verbindungen, aber auch dies zerfällt langsam in saurem Medium.
Daher war es kaum zu erwarten, daß sich nach 45-jährigem Zeitraum derivate Verbindungen von Cyaniden in Baumaterialien (Putz, Ziegel), die den Umwelteinflüssen (Niederschläge, saure Oxide, besonders Stickstoffmonoxid) ausgesetzt sind, erhalten würden.«

Wie der chemischen Fachliteratur entnehmbar, sind diese Aussagen besonders bezüglich der vermeintlichen Säureempfindlichkeit des Berliner-Blau-Pigmentes unhaltbar, da es sich gerade durch besondere Säurestabilität ausweist28. Ein in der Nähe von London durchgeführter Langzeittest hat darüber hinaus die enorme Stabilität des Pigments bewiesen29. Hätte das Institut seine Vergleichsproben von den nahe den mutmaßlichen 'Menschengaskammern' gelegenen Entlausungsgebäuden Bauwerk 5a und b genommen, so hätte das Bemerken der bis heute (!) äußerlich blauen Wände dieser Gebäude kaum zu diesem Fehlurteil geführt. In einem späterern Schreiben bestätigt das Institut, daß es weder ein angemessenes Nachweisverfahren angewendet hat, noch daß es genügend Sachverstand bezüglich der hier ablaufenden Chemie hat30:

»IV. Mit der von uns angewandten Methode waren wir nicht imstande alle Zyanidverbindungen zu bestimmen. Z.B. von Berliner-Blau kann nur ein Teil von Zyanidionen abgespalten werden. Wir mußten uns dabei mit IR-Spektroskopie bedienen aber nur für qualitative Ergebnisse […]
VIII. Das Wasser aktiviert viele chemische Prozesse. Die Kammern waren ganz gewiß nass. Was für einen Einfluß das auf die Bindung von HCN durch Zement (Wandputz) ausübt - ist uns unbekannt
[…]
IX. Die blauen Flecken auf den äußeren Wänden des Bauwerkes 5a in Birkenau sind nicht leicht zu erklären. Vor allem müssen wir prüfen, ob es wirklich Berliner-Blau ist
[…]«

Obwohl mit der entsprechenden Fachliteratur konfrontiert, beharren die Herren auf dem Standpunkt, daß sie nicht verstünden, wie sich nach Blausäurebegasungen von Wänden Eisenblau bilden könne. Sie wählten daher nach eigenen Angaben ein Verfahren aus, daß Eisenblau nicht nachweisen kann.31 Sie können dieses ihr Verhalten nicht erklären und setzten sich damit dem starken Verdacht aus, daß Ihre Arbeit lediglich das Ziel hat, andere Menschen in die Irre zu leiten. Es handelt sich also um eine Arbeit mit offensichtlich betrügerischer Absicht.32


6.7. Prof. Dr. G. Jagschitz33

Das Sachverständigengutachten des Geisteswissenschaftlers Prof. Jagschitz, vorgelegt im Frühjahr 1992 vor einem Wiener Gericht, wurde streng nach dem unwissenschaftlichen Motto 'Non audiatur et altera pars' (Man möge keine anderen Argumente anhören) angefertigt. Herr Jagschitz weigerte sich standhaft, mit technischen und naturwissenschaftlichen Experten zusammenzuarbeiten, und spielte sich somit als Experte für die im Raume stehenden technischen und naturwissenschaftlichen Probleme auf34. Weiterhin legte er dem Gericht nur einen mündlichen Bericht über seine Arbeit vor, was für 3 Jahre Arbeit ein trauriges Ergebnis darstellt.
Prof. Jagschitz räumt der revisionistischen und der etablierten Forschung ähnliche Qualitäten ein. Er stützt sich vor allem auf Zeugenaussagen, wobei er die quellenkritischen Probleme zwar eingesteht, aber gleichzeitig für nicht relevant erklärt. Indem er die Zeugenaussage von Dr. Fischer zitiert, bestätigt er, daß die Zeugen von sehr kurzen Tötungszeiten (hier 2 Minuten) berichten, also vom Einsatz sehr großer Blausäuremengen. Damit straft er die Thesen vom Einsatz geringster Giftmengen von Wellers, Bailer, Wegner u.a. Lügen. Naturwissenschaftliche Gutachten hält er für völlig unnötig, da die Beweislage durch die Zeugen und durch die weltweite Anerkennung dieser Zeugnisse ausschlaggebend sei.
Daneben stützt sich Jagschitz auf ähnliche Argumente wie Pressac, so z.B. auf die These, daß die Errichtung großer Kremierungsanlagen Beweis für die Massenvernichtung sei. Prof. Jagschitz kann sich nach eigener Aussage bezüglich der Kremierungskapazität in Birkenau nur auf ein Dokument stützen, auf das sich auch J.-C. Pressac und W. Wegner berufen. Dieses angeblich im Juni 1943 erstellte Dokument unbekannter Herkunft stellt eine Kapazitätsberechnung für alle 5 Krematorien an, obwohl zur angeblichen Erstellungszeit dieses Dokumentes das Krematorium I bereits ausrangiert wurde, das Krematorium II wegen einer Reparatur stillgelegt war, das Krematorium IV schon defekt und aufgegeben war und das Krematorium V wegen Materialprobleme nur zeitweise einsatzfähig war (es fiel kurze Zeit später komplett aus).35 Zudem enthält das Dokument viele Fehlberechnungen und technische Unsinnigkeiten, so daß man zumindest an der Kompetenz des Erstellers dieses Dokumentes zweifeln muß36. Über die Diskrepanz zwischen der von Kremierungsfachleuten angegebenen Maximalkapazität der Birkenauer Krematorien (einige hundert täglich) und der u.a. von Prof. Jagschitz aufgrund dieses Dokumentes  untergeschobenen Kapazität (viele tausend täglich) äußert sich Jagschitz so:

»Ich sehe zum Beispiel keine Möglichkeit zu begreifen, wenn in einem, meiner Meinung nach eindeutigen Dokument von ca. 4.700 etlichen Kremierungen [täglich] durch die vier großen Krematorien berichtet wird, […], daß dann irgendein Krematoriumsfachmann aus der USA herkommt und sagt, es können nur Hundert gewesen sein, das ist für mich wirklich zu hoch, ich begreife das nicht,[…]«

Bei solch offensichtlicher Inkompetenz besitzt Prof. Jagschitz die Dreistigkeit, das Einholen technischer und naturwissenschaftlicher Gutachten für unnötig zu halten.
Weiterhin interpretiert Prof. Jagschitz ein Dokument, in dem der Lagerkommandant von Auschwitz, R. Höß, in einem Schreiben an alle Stellen des Lagers aufgrund eines Unfalls zu besonderer Vorsicht bei Barackenentlausungen mahnt37, als Beweis für Menschenvergasungen! Pressac stellt in seinem Buch unmißverständlich klar, daß dieses Dokument nicht von Menschenvergasungen, sondern von Barackenentwesungen handelt, wie seinem Inhalt auch leicht zu entnehmen ist.
In einigen Dingen überrascht Prof. Jagschitz: Er hält die autobiographischen Bleistift-Niederschriften von R. Höß für zweifelhaft, da die Handschrift deutlich erkennbar nicht die von R. Höß aus den frühen vierziger Jahren ist. Zu der Gesamtzahl der in Auschwitz Getöteten läßt er ebenso Sensationelles verlautbaren: Er setzt für die untere Grenze der in Auschwitz Getöteten einige Hunderttausend an.38


6.8. Prof. Dr. G. Fleming39

Der Deutsch-Dozent G. Fleming sagt aus, daß er in den Archiven Moskaus in 8 bis 9 Tagen genügend Material analysiert habe, um in der Lage zu sein, Pressacs Indizien zu vervollkommnen. Dazu habe Fleming pro Tag angeblich 800-900 Papiere geprüft oder 80-90 Papiere stündlich. Bei einem 10 Stunden Netto-Arbeitstag, was mit Ruhe- und Essenspausen ca. 12-14 Stunden Arbeit pro Tag bedeutet hätte. Er hat also pro Papier ca. 40-45 Sekunden Zeit zur Prüfung gehabt. Wenn diese Papiere im Schnitt 2 Seiten haben, sind dies 20-22,5 Sekunden pro Seite. Ein wahrhaftes Genie! Gesichtet haben mag er die Dokumente. Auf Echtheit, Authentizität, Relevanz etc. kann er sie aber unmöglich geprüft haben. Zudem erbringen die Unterlagen des Moskauer Archives den Beweis dafür, daß weder Fleming noch Pressac - entgegen ihrer Behauptungenn - alle 80.000 Dokumente des Museumsbestandes eingesehen haben.40
Nach G. Fleming gilt die als geheim eingestufte Dringlichkeitsanweisung zur Errichtung von Krematorien im Lager Auschwitz-Birkenau als Beweis für die Massenvernichtung. Die Errichtung der Krematorien nach dem Auftreten der viele tausend Opfer fordernden Typhus-Seuchen (vor allem im Sommer '42) war im Winter '42/'43 in der Tat dringlich, da die im Sommer mangels Kremierungskapazität in Massengräbern vergrabenen (und eben nicht verbrannten!) Typhus-Leichen bei Tauwetter im Frühjahr das Grundwasser von Birkenau verseucht hätten. Selbstverständlich spricht man im Krieg nur ungern über Seuchen im eigenen Machtbereich. Logischerweise wurden derartige Anweisungen mit einer entsprechenden Geheimhaltungsstufe versehen.
Als weiteres gewichtiges Argument für die Vernichtungsthese führt Fleming ein Dokument an, das die öffentliche Verwendung von Bauplänen der Anlagen in Birkenau verbietet. Pressac zitiert Zeugen, aus deren Aussagen klar hervorgeht, daß Baupläne und -fotos des Lagers Birkenau inklusive der Krematorien in den öffentlich zugänglichen Gebäuden der Bauleitung der Waffen-SS ausgehängt waren und eingesehen werden konnten41. Daß es Befehle gegeben hat, die dieses unterbinden sollten, kann man sich sehr gut vorstellen. Alles andere würde eher verwundern, schließlich war das Lager kein Erholungsheim. Als Arbeitslager mit kriegswichtiger Produktion konnte die deutsche Heeresleitung unmöglich an einer Verbreitung der inneren Details interessiert sein.
Als weiteres Indiz zur Stützung seiner These verweist Fleming auf die Tatsache, daß beim Baufortgang der Krematorien II und III in Birkenau die Zugänge zu den Kellerräumen verlegt wurden. Diese neuen Zugänge seien im Gegensatz zu den alten Zugängen nicht mit Leichenrutschen versehen gewesen. Fleming schließt sich Pressacs Meinung an, daß dies ein Indiz der Massenvernichtung sei, da Leichen keine Treppen hinabgehen könnten. Es sei damit bewiesen, daß die Menschen, die in dem Krematorium verbrannt wurden, noch lebten, als sie dieses betraten.
Das Problem der Verlegung des Zugangs zum Keller der Krematorien II & III ist ausführlich im Abschnitt 1.3.1. behandelt worden und soll hier kurz rekapituliert werden. Da der Plan für diese Krematorien ursprünglich für den Neubau eines Krematoriums im Stammlager in 3 km Entfernung bestimmt war, mußten mit der Planumstellung bei Verlegung nach Birkenau Veränderungen durchgeführt werden. Dies betrifft zum einen die wasserdichte Isolation der Keller wegen des hohen Grundwasserstandes, zum anderen die Verlegung des Kellerzuganges, da die Zufahrtsstraße in Birkenau an der anderen Gebäudeseite lag als am ursprünglichen Planungsort im Stammlager. Seltsamerweise hat man mit letzteren Planungsänderungen erst begonnen, als man den alten, an falscher Stelle befindlichen Zugang schon errichtet hat, eine Art Schildbürgerplanung. Den alten Zugang hat man in der Folge still gelegt. Die Planungen für die neuen Zugänge wie auch der Baufortgang an den Krematorien III bis V erfolgten im Gegensatz zum Baufortgang am Krematorium II nach Stalingrad. Ab dieser Zeit herrschte überall Materialmangel. Gerade dieser Mangel war schließlich die Ursache für den Ausfall der Krematorien IV und V unmittelbar nach Betriebsbeginn. Unter anderem wurde der neue Abgang in den Leichenkeller II mit seinen ca. 10 Stufen ohne Leichenrutsche gebaut. Da man aber Leichen auf einer Bahre durchaus 10 Stufen hinabtragen kann, dürfte dies der Verwendung der Räume als Leichenkeller keinen Abbruch getan haben. Schließlich muß man auch unter Verwendung einer Leichenrutsche Hand anlegen: von der Sterbestätte der Leichen zum Transportmittel, von diesem zur Rutsche, von dieser zur Aufbewahrungsstelle, von dort zum Aufzug, von dort zum Ofen bzw. auf die Einschubvorrichtung. Unzweifelhaft bleibt schließlich, daß die vielen Seuchentoten des Lagers Birkenau genau über diesen Zugang in die Leichenkeller gebracht wurden, ohne daß sie diesen Weg zu Fuß zurücklegen mußten. Es muß schon erstaunen, daß J.-C. Pressac, G. Fleming und andere hierin ein kriminelles Indiz zu erkennen glauben.
Zuletzt führt Fleming Dokumente an, die im Zusammenhang mit der Beschaffung von Zyklon B für das Lager Auschwitz von Materialien zur »Judenumsiedlung« sprechen. Dies sei nach Fleming einer jener Tarnbegriffe, hinter denen sich der Massenmord verberge. Wenn die Juden aber tatsächlich umgesiedelt werden sollten bzw. worden sind, dann sind sie durch die Arbeits- und Durchgangslager geschleust worden, wo sie bei Aufnahme wegen der Seuchengefahr die Wasch-, Entlausungs- und Desinfektionsmaßnahmen über sich ergehen lassen mußten. Insofern waren Anlagen und Mittel für diese Behandlung nötig zur Durchführung der Judenumsiedlung, wenn man das Massensterben unter den Juden wie unter ihren Bewachern bzw. allen zukünftigen Kontaktpersonen im Umsiedlungsgebiet vermeiden wollte. Zyklon B aber war im Zweiten Weltkrieg das Schädlingsvernichtungsmittel schlechthin! Mit ihm wurden überall in Europa Entlausungsaktionen durchgeführt, denn die Laus war besonders im Hinblick auf die Typhus-Seuche (Fleckfieber) der Krankheitsüberträger Nr. 1. Wie sehr diese Laus gefürchtet wurde, beweist der Spruch in einem der Kleider- und Sachentlausungsgebäude in Birkenau: »Eine Laus, Dein Tod«. Das angebliche Indiz Flemings bekommt also nur dann Gewicht, wenn man die Aussage des Dokuments inhaltswidrig deutet, dem Dokument also eine Aussage unterschiebt, die es nicht macht.
G. Fleming hat aus seinen Archiv-Studien in Moskau nichts nennenswert Neues ans Tageslicht gebracht. Seine angeblichen Indizien erweisen sich wie die von Pressac bei näherer Betrachtung als Wunschkonstruktionen ohne realen Hintergrund.


6.9. Dr. B. Clair

Bertrand Clair, ein promovierter französischer Ingenieur und Fachmann für Cyanidchemie, hat mein Gutachten einer sachlichen Kritik unterzogen.42 Wie Dr. J. Bailer vertritt er die These, daß sich durch die Einwirkung von Blausäure auf Gemäuer keine stabilen Eisencyanidverbindungen bilden könnten. Als Beweis dafür führt er an, daß ihm nie bekannt geworden sei, daß die Wände der Fabrik, in der er seit langem beschäftigt sei und in der mit Blausäure gearbeitet wird, blau geworden seien. Da man nicht davon ausgehen kann, daß die Fabrik unter Blausäuregas gesetzt wird - die Blausäure wird zum Schutz von Belegschaft und Umwelt in dichten Behältern sicher aufbewahrt - ist dies freilich kein Argument. Leider hat es Dr. Clair unterlassen, die von mir zitierte Fachliteratur zu konsultieren.43 Auch ein weiterer Hinweis darauf konnte ihn nicht dazu verleiten, sich kundig zu machen.44
Immerhin aber hat Dr. Clair eingestanden, daß es bei weitem nicht so einfach ist, mit Blausäure Menschen zu töten. Es bedürfe vielmehr größerer Mengen und längerer Zeiträume als allgemein angenommen. Die von Zeugen bekundeten kurzen Hinrichtungszeiten jedenfalls sprechen nach Dr. Clairs Meinung gegen die Anwendung von Zyklon B. Derartiges lasse sich nur mit flüssiger Blausäure erreichen. Da diese nach allgemeiner Auffassung nicht verwendet wurde, kann immerhin geschlußfolgert werden, daß auch Dr. Clair die Zeugenaussagen diesbezüglich für unglaubhaft hält.

 

6.10. Richard J. Green

In einer ausführlichen Erwiderung im Internet hat sich Richard J. Green dem Rudolf Gutachten gewidmet, wobei er sich im wesentlichen von den vom Krakauer Institut Anfang der 90er Jahre erstatteten Gutachten leiten ließ (vgl. Abschnitt 6.6).45 Sein wesentlicher Nachteil ist, daß er des Deutschen nicht mächtig ist und daher nur auf wenige Ausschnitte meines 1993 erschienenen gedruckten Gutachtens, die ihm übersetzt wurden, reagierte. Von den vielen inzwischen erschienenen ergänzenden Arbeiten scheint er ebenso keine Kenntnis zu haben. Bei der bautechnischen Betrachtung der behandelten Gebäude liegt Green mit seiner Erkenntnis um viele Jahr hinter dem aktuellen Stand, insbesondere was die angeblichen Einwurflöcher in den Decken der Leichenkeller 1 der Krematorien II und III angeblangt. Obwohl Green den von mir vorgeschlagenen Bildungsweg für Eisenblau aus den Eisenoxiden der Baumaterialien und dem sich in der Wand bei HCN-Begasungen bildenden Cyaniden prinzipiell akzeptiert, hält er ihn dennoch für unwahrscheinlich, zumal in dem von ihm angenommen pH-neutralem Milieu der betrachteten Mauern. Den von mir 1994 in diesem Zusammenhang vorgestellten Bauschadensfall einer bayerischen Kirche nach nur einer Zyklon B-Begasung, der beweist, daß feuchtes, kühles und relative frisch verputztes Gemäuer schon nach einer Begasung zur Ausbildung massiver Eisenblaurückstände in der Lage ist – Bedingungen, wie sie besonders auch in den deuchten, kühlen und angeblich kurz nach der Fertogstellung in Betrieb gegangenen ›Gaskammern‹ der Krematorien II und III geherrscht haben werden – kennt er anscheinend nicht.46 Seine Erwiderung fußt daher insgesamt aus äußerst unzureichenden Kenntnissen und mußte daher sehr fehlerhaft werden.47

 

6.11. Zusammenfassung

Der Leuchter-Report ist nicht die allumfassende naturwissenschaftliche Erkenntnis. Er ist auch nicht fehlerfrei. Er wird aber durch dieses Gutachten und durch zwei Luftbildauswertungs-Gutachten45 in seinen Schlußfolgerungen bestätigt. Alle drei Gutachten stellen übereinstimmend fest: Die angeblichen Einrichtungen zur Massenvernichtung in Auschwitz und Birkenau waren für die bezeugte Verwendung ungeeignet.
Was bisher an Gegengutachten und Stellungnahmen erstaunlicherweise zumeist von Nichtfachleuten erschienen ist, ist in erster Linie beschämend. Die Tatsache, daß ein ohne Zweifel kompetenter Fachmann, der zum Komplex Stellung bezog, ohne sachliche Diskussion und wider das Menschenrecht auf Forschungs-, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit sofort und zu Unrecht von seinem Amt 'befreit' und gerichtlich verfolgt wurde, (Präsident der österreichischen Bundesingenieurkammer Lüftl46), während andere, die in Übereinstimmung mit den gleichen Rechten offensichtlich genehmen Unsinn verzapfen, zu Recht unbescholten bleiben (Bailer, Pressac, Markiewicz, Gubala, Labedz), erklärt aber manches.


Anmerkungen

  1. Dokumentationszentrum des österreichischen Widerstandes, Bundesministerium für Unterricht und Kultur (Hg.), Amoklauf gegen die Wirklichkeit, Wien 1991, S. 36-40, Original im Staatlichen Museum Auschwitz.
  2. F. Kadell, Die Katyn Lüge, Herbig, München 1991.
  3. J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, B. Trzcinska, Gutachten, Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, 24. September 1990; teilweise veröffentlicht z.B. in: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, 1991, 39(2), S. 18f.
  4. Schreiben des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes, Oranienburg, vom 6.8.1942, IMT-Dokument 511-USSR, zitiert nach: Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof, Nürnberg 1949, S. 553f. Darin wird die Wiederverwertung von Häftlings-Schnitthaar ab 20 mm Schnittlänge befohlen.
  5. J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gaschambers, Beate-Klarsfeld-Foundation, New York 1989; ders., Die Krematorien von Auschwiz. Die Technik des Massenmordes, Piper, München 1994.
  6. J.-C. Pressac, Jour J, 12. Dezember 1988, I-X; J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique… aaO. (Fußnote 5, S. 53.
  7. J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique…, aaO. (Fußnote 5), S. 224.
  8. Vernehmung des Henryk Tauber vom 25.5.1945, Anlage 18, Band 11 des Höß-Verfahrens, zitiert nach J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique…, aaO. (Fußnote 5), S. 489f.
  9. J.C. Pressac, ebenda, S. 93ff., Kapitel über Bau- und Funktionsweise der in den damaligen deutschen Konzentrationslagern errichteten Kremierungsöfen.
  10. Ebenda, S. 469ff., über einige Aussagen der Zeugen C.S. Bendel, M. Nyiszli und H. Tauber.
  11. W. Lüftl, »Sachverständigenbeweis versus Zeugenbeweis«, Konstruktiv, Dezember 1991, 166, 31f.
  12. Briefwechsel W. Lüftl, persönliche Mitteilung an den Verfasser.
  13. Les crématoires d'Auschwitz. La technique de la meurtre de masse, CNRS, Paris 1993; dt., aaO. (Fußnote 5).
  14. R. Faurisson, The Journal of Historical Review, Spring 1991, 11 (1), S. 25ff.; ebenda, Summer 1991, 11 (2), S. 133ff.
  15. Erstmals in: E. Gauss, Vorlesungen über Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1993.
  16. Vgl. dazu: Herbert Verbeke (Hg.), Auschwitz: Nackte Fakten, Vrij Historisch Onderzoek, Postbus 46, B-2600 Berchem 1, 1996.
  17. W. Wegner, in U. Backes, E. Jesse, R. Zitelmann (Hg.), Die Schatten der Vergangenheit, Propyläen, Frankfurt 1990, S. 450ff. (Online-Fassung mit Kommentaren von G. Rudolf)
  18. Privater Briefwechsel des Verfassers mit W. Wegner. Vgl. W. Häberle, »Zu Wegners Kritik am Leuchter-Gutachten«, Deutschland in Geschichte und Gegenwart, 1991, 39(2), S. 13-17.
  19. Briefwechsel mit dem Autor über die Veröffentlichung in Anmerkung 17.
  20. G. Wellers, »Der Leuchter-Bericht über die Gaskammern von Auschwitz«, Dachauer Hefte, November 1991, 7(7), S. 230-241.
  21. So ebenfalls die These von J. Bailer, »Der Leuchter-Bericht aus der Sicht eines Chemikers«, in: Amoklauf gegen die Wirklichkeit, Dokumentationszentrum des österreichischen Widerstandes, Bundesministerium für Unterricht und Kultur (Hg.), Wien 1991, S. 47-52; ders. ebenda, 2. Auflage 1992.
  22. Eine Zusammenstellung der bezeugten Exekutionszeiten von überwiegend wenigen Minuten auf Grundlage der von den Exterminationisten vorgebrachten Zeugenaussagen ist angefertigt worden von: E. Lachout, Gutachten, Wien 11.1.1992, S. 6f. Siehe auch Gutachten Prof. G. Jagschitz, weiter unten.
  23. J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique…, aaO. (Fußnote 5), S. 18.
  24. Vgl. dazu in F. A. Leuchter, An Engineering Report on the alleged Execution Gas Chambers at Auschwitz, Birkenau and Majdanek, Poland, Samisdat Publishers Ltd., Toronto 1988; und: D. Cole, J. Hist. Rev. 1993, 14(2), 11-13.
  25. Vgl. dazu die Ausführungen zu Majdanek sowie zu dieser Wellerschen Paradoxie in: G. Rudolf und E. Gauss, »Die 'Gaskammern' von Auschwitz und Majdanek«, in: E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994.
  26. J. Bailer,  in: B. Bailer-Galanda, W. Benz, W. Neugebauer (Hg.), Wahrheit und Auschwitzlüge, Deuticke, Wien 1995; vgl. hierzu meine Kritik »Zur Kritik an "Wahrheit und Auschwitzlüge"«, in: Vrij Historisch Onderzoek (Hg.), Kardinalfragen zur Zeitgeschichte, Postbus 46, B-2600 Berchem 1, 1996.
  27. J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, B. Trzcinska, Gutachten, Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, 24. September 1990; teilweise veröffentlicht z.B. in: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, 1991, 39(2), S. 18f.
  28. J.A. Sistino, in Pigment Handbook, Vol. 1, Wiley and Sons, New York 1974, S. 401-407; Degussa AG, Schriftenreihe Pigmente, Nr. 50, Frankfurt/Main 1985; H. Ferch, H. Schäfer, Schriftenreihe Pigmente, Nr. 77, Degussa AG, Frankfurt/Main 1990.
  29. Teststart: J.M. Kape, E.C. Mills, Trans. Inst. Met. Finish. 1958, 35, 353-384; Testende und Auswertung: ebenda, 1981, 59, 35-39.
  30. Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, Schreiben an W. Wegner, o.D. (Winter 91/92), o.A. (unleserliche Unterschrift) unveröffentlicht.
  31. J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, Z Zagadnien Nauk Sadowych, 1994, Z XXX, S. 17-27.
  32. G. Rudolf, »Leuchter-Gegengutachten: Ein Wissenschaftlicher Betrug?«, in: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, 1995, 43(1), S. 22-26; G. Rudolf und J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, »Briefwechsel«, in: Sleipnir, 1995, 1(3), S. 29-33, Verlag der Freunde, Postfach 35 02 64, 10211 Berlin.
  33. G. Jagschitz, 3. - 5. Verhandlungstag der Strafsache Honsik, 29.4., 30.4., 4.5.1992, Az. 20e Vr 14184 und Hv 5720/90, Landgericht Wien.
  34. Annahmeverweigerung der entgeltlos angeboteten Hilfe von W. Lüftl und G. Rudolf, privater Briefwechsel derselben.
  35. J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique…, aaO. (Fußnote 5), S. 244.
  36. Persönliche Mitteilung Dipl.-Ing. W. Lüftl.
  37. J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique…, aaO. (Fußnote 5), S. 201.
  38. Weitere Details zu diesem skandalösen Gutachten vgl.: W. Rademacher, »Der Fall Lüftl, oder: die Justiz zur Zeitgeschichte«, in: E. Gauss (Hg.), aaO. (Fußnote 25).
  39. G. Fleming, »The Auschwitz-Archives in Moscow«, Jewish Quarterly, Herbst 1991, S.9-12
  40. Private Auskunft von J. Graf, der in Moskau die Unterlagen einsehen konnte. Dort muß jeder in einem Buch mit seiner Unterschrift quittieren, welche Unterlagen er eingesehn hat. Weder Fleming noch Pressac haben den gesamten Bestand gesichtet! Vgl. F. Toben, »Ein KGB-Novellist: Gerald Fleming«, Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung, 1997, 1(2), S. 87-91.
  41. J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique…, aaO. (Fußnote 5), S. 367.
  42. B. Clair, »Expertises révisionnistes«, Revision (Issy-les-Moulineaux), 1997, 80, S. 3-5; B. Clair, »Revisionistische Gutachten«, Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung, 1997, 1(2), S. 102-104.
  43. G. Rudolf, »Zur Kritik am Rudolf Gutachten«, ebenda, S. 104-108; in Revision, 1997, 82/83, S. 3f. (»Le titre surprenant du docteur Clair«) erschien nur ein Abschnitt dieser Erwiderung.
  44. Vgl. B. Clairs unsachliche Reaktion in »Les taches bleues«, Revision, 1997, 82/83, S. 5. Wahrscheinlich hat Dr. Clair nur den in der gleichen Ausgabe als Ausschnitt aus meiner Erwiderung gekennzeichneten Artikel gelesen, nicht aber das vollständige deutsche Original. Das würde seine Reaktion erklären.
  45. Richard J. Green, »The Chemistry of Auschwitz«, 10.5.1998, und »Leuchter, Rudolf and the Iron Blues«, 25.3.1998.
  46. Vgl. E. Gauss »"Holzschutz durch Blausäure-Begasung. Blaufärbung von Kalkzement-Innenputz"«, in: ders. (Hg.), aaO. (Fußnote 25), S. 401-404.
  47. Eine detailliertere Darstellung der Mängel dieses Beitrages erschien in den Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1999, 3(1), S. 34-??. Umfassender in englischer Sprache.
  48. J.C. Ball, Air Photo Evidence, Auschwitz, Treblinka, Majdanek, Sobibor, Bergen Belsen, Belzec, Babi Yar, Katyn Forest, Ball Recource Services Ltd., Delta, Canada 1992; vgl. ders. »Luftbild-Beweise«, in: E. Gauss (Hg.), aaO. (Fußnote 25); sowie: J. Konieczny, The Soviets, but not the Western Allies, should have bombed the Auschwitz camp, Polish Historical Society, Stamford CT, 1993.
  49. Siehe dazu in: W. Lüftl, Holocaust (Glaube und Fakten), Wien, Oktober 1991; vgl. ders., J. Hist. Rev. Winter 1992-93 12(4), 391. Zum Rücktritt des Präsidenten der österreichischen Bundesingenieurskammer W.Lüftl siehe: Süddeutsche Zeitung, 14.3.1992, S. 8; The Washington Post, 24.5.1992, S. A46; vgl. W. Rademacher, »Der Fall Lüftl, oder: die Justiz zur Zeitgeschichte« in: E. Gauss (Hg.), aaO. (Fußnote 25).


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