Leserbriefe

Allgemeines

Sonderkommandos

Sehr geehrter, lieber Herr Rudolf,

ich sende Ihnen diesen Brief unter einem Pseudonym, weil ich der Gedankenpolizei nicht wieder auffallen möchte, obwohl der Inhalt dieses Briefes wohl keine strafrechtlichen Folgen hätte. Seitdem sich die Medien in Deutschland gegen alles, was rechts (rechtens) ist, verschworen haben, ist Umsicht geboten.

Am 24.1. d.J. habe ich im deutschen FS-Sender ARD einen Film mit dem Titel »Sklaven der Gaskammer« mit dem Untertitel »Das jüdische Sonderkommando in Auschwitz«, Dokumentation von Eric Friedler gesehen. Da Sie diesen Film wahrscheinlich nicht gesehen haben, möchte ich Ihnen einige Details schildern.

Der Film begann mit einem durchaus sympathisch aussehenden Mann namens Henryk Mandelbaum, der nach seiner Aussage 1944/45 mit 21 Jahren zum Sonderkommando des Krematorium V gehörte. Anhand der im Film gezeigten Mauerreste erklärte er, wo sich die Gaskammer zur Menschenvernichtung befunden hat. Er mußte vergaste Menschen von der Gaskammer zum Krematorium V schleppen. Folgende Männer kamen in dem Film noch zu Wort:

  1. Shlomo Vnezia, heute 77 Jahre alt, ebenfalls im Krematorium V tätig gewesen 44/45;
  2. Josef Mikusz, Abt.Arbeitseinsatz von 42 - 45;
  3. Itzohak Cohen, 44/45, Tätowierungs-Nr. 1 II 900, soweit ersichtlich;
  4. Morris Kesselman, Sonderkommando 44/45, damals 16 Jahre alt;
  5. Lemke Pliszko, Sonderkommando 44/45,
  6. Saul Hazan, Sonderkommando 44/45, Tätowierungs-Nr. 182527, soweit sichtbar. Er erzählte, daß an manchen Tagen 12.000 Menschen vernichtet wurden;
  7. Abraham Balbin, Begrabungskommando;
  8. Jakob Zylberberg, Sonderkommando 44/45;
  9. Jehoshua Rosenblum, Sonderkommando 44/45;
  10. Gabriel Malinski, Sonderkommando 43-44;
  11. Außerdem wurde Henryk Tauber gezeigt, wie er vor Polen ausgesagt hat, ohne daß er aber selbst zu Wort kam.

Asche wurde in einen Teich geschüttet, manchmal auch im Straßenbau oder als Dünger verwendet. Kinder lebendig ins Feuer geworfen. Lkw kippte alte, gebrechliche Menschen lebendig ins Feuer.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Max Hutten

Anmerkung der Redaktion

In Gideon Greifs Buch wir weinten tränenlos... (Böhlau, Köln 1995) sind die Interviews mit fünf weiteren (angeblichen) Mitgliedern der Birkenauer Sonderkommandos abgedruckt. Die Anzahl der überlebenden Mitglieder der Auschwitzer Sonderkommandos nimmt offenbar immer mehr zu. Man wird wohl davon ausgehen können, daß weit mehr als 20 davon heute noch im fortgeschrittenen Alter am Leben sind, was bedeutet, daß bei Kriegsende womöglich noch Hunderte lebten. Zumal diese Personen die Kronzeugen der Gaskammern wären, darf man mit Norman G. Finkelstein wohl noch fragen: »Wen hat Hitler eigentlich umgebracht?«


zu »Konzentrationslager für Ostdeutsche in der Sowjetunion«, Leserbrief (VffG 2/1999 S. 231f.)

Sehr geehrte Redaktion,

ich fand im Internet unter dem Begriff »Schmerinka« die Leserbriefe in Ihrer Zeitschrift und war erfreut, auf einen Überlebenden dieses russischen Internierungslagers zu treffen.

Ich suche dringend Kontakt zu ehemaligen Gefangenen der russischen Konzentrations- und Arbeitslager Winniza und Schmerinka in der Ukraine 1945/46, die Zeitzeugenschaft ablegen können, da für das Jahr 2001 die Publikation eines Buches geplant ist, das sich im wesentlichen diesem speziellen Thema sowie der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Schlesien widmet.

Mein Vater (geb. 1928, Bunzlau/Niederschlesien) war ein sogenannter Zivilinternierter in beiden Lagern und überlebte nur durch "glückliche" Umstände, die Reste seiner Familie wurden vertrieben. Er hinterließ ein Tagebuch mit Aufzeichnungen über Transporte und Lageraufenthalte (Zeitraum ca. ein Jahr) sowie Namenslisten umgekommener Kameraden mit Todesdatum und -ort, das in angereicherter und kommentierter Form veröffentlicht werden soll.

Ich würde deshalb gerne mit Herrn M.M. oder anderen Überlebenden dieser Lager in Kontakt treten, um weitere detaillierte und authentische Informationen zu erhalten. Mir liegt sehr daran, daß die Geschehnisse im Zusammenhang mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den ehemaligen Ostgebieten und in russischen Lagern dokumentiert und bekannt gemacht werden, denn die den Zeitzeugen folgenden Generationen haben davon meist keine Kenntnis und für die Medien ist dies in der Regel ein Tabuthema.

Möglicherweise könnte ich über die Redaktion die Adresse/Telefonnr./Email-Adr. von Herrn M. erhalten, ansonsten würde ich bitten, meine Kontaktadressen bekannt zu geben in der Hoffnung, daß Herr M. oder andere Zeitzeugen sich bei mir melden.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Gruhn
Auenstr. 25
D-04105 Leipzig


zum Leserbrief R.H. Remlingen, »Fälschungsverdacht Nr. 2« (VffG 2/2000, S. 231)

Sehr geehrter Herr Rudolf,

Auf den ersten Blick können in der Tat die hier genannten Reg.-Nrn. samt zugehörigen Ausstellungsdaten zu Irritationen führen. Ein eindeutiges Indiz für eine Fälschung des "Schnellbriefes" vom 29. Januar 1943 sind sie jedoch nicht. Der "Schnellbrief" selbst liegt ja nicht im Original, sondern nur in gedruckter Form als »Nr. 15« der Schriftenreihe des Reichskriminalpolizeiamtes, Berlin vor, die als »Sammlung der auf dem Gebiete der vorbeugenden Verbrechensbekämpfung ergangenen Erlasse und sonstigen Bestimmungen« wahrscheinlich im Jahre 1941 - so handschriftlich auf das Vorsatzblatt geschrieben - begonnen worden war. Am Ende der ersten - gedruckten - Seite des Schnellbriefes steht nun ein Vermerk, der einmal darauf schließen läßt, daß diese Erlasse und Bestimmungen (»Nr. 15«!) kontinuierlich, die jeweiligen Ergänzungen enthaltend, auch in gedruckter Form vom RSHA herausgegeben worden waren. Eindeutig ist jedoch, daß die hier vorliegende »Nr. 15« erst nach dem 1.5.1943 gedruckt worden war. Der Vermerk lautet nämlich: »Der ursprüngliche Geheimcharakter ist gemäß VI 13 obigen Erlasses mit Wirkung vom 1.5. 1943 aufgehoben«. Damit gibt lediglich die Reg. Nr. V A 2 Nr. 64/43, vom 28.1.1943 einige Rätsel auf. Ob dies allerdings den Fälschungsverdacht stützen kann, ist fraglich; denn immerhin könnte es sich dabei auch schlicht um einen Druckfehler handeln.

Mit freundlichen Grüßen

Karl-Dieter Schönherr


zu Theo Retiker, »Anmerkungen zur wehrhaften Demokratie« (VffG 3&4/2000, S. 427)

Strafgesetzbuch
der Bundesrepublik Deutschland

§ 241a Politische Verdächtigung

(1) Wer einen anderen durch eine Anzeige oder eine Verdächtigung der Gefahr aussetzt, aus politischen Gründen verfolgt zu werden und hierbei im Widerspruch zu rechtsstaatlichen Grundsätzen durch Gewalt- oder Willkürmaßnahmen Schaden an Leib oder Leben zu erleiden, der Freiheit beraubt oder in seiner beruflichen oder wirtschaftlichen Stellung empfindlich beeinträchtigt zu werden, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer eine Mitteilung über einen anderen macht oder übermittelt und ihn dadurch der in Absatz 1 bezeichneten Gefahr einer politischen Verfolgung aussetzt.

(3) Der Versuch ist strafbar.

(4) Wird in der Anzeige, Verdächtigung oder Mitteilung gegen den anderen eine unwahre Behauptung aufgestellt oder ist die Tat in der Absicht begangen, eine der in Absatz 1 bezeichneten Folgen herbeizuführen, oder liegt sonst ein besonders schwerer Fall vor, so kann auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren erkannt werden.

Dies sei all denen ins Stammbuch geschrieben,
die meinen, sie könnten sich alles erlauben...

Sehr geehrter Herr Rudolf!

Nachfolgender Text wurde telephonisch an die auch in den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg unter der einheitlichen Rufnummer 01805/234566 installierten Staatsschutz-Agenturen für Denunzianten und Gelegenheits- bzw. Amateur-Spitzel übermittelt:

Die Frage »In der Presse war zu lesen, daß unter der Rufnummer 01805/234566 die Bürger Beobachtungen über rechtsextremistische Aktivitäten, Bedrohungen und Gewalttaten melden können. Ist das richtig so?« wurde am anderen Ende des Telefons jeweils bejaht.

»Nun, dann darf ich mich vorstellen, obwohl Sie sicher diesen Anruf auch zurückverfolgen können. Mein Name ist Karl Schönherr, und wohnen tu ich [...]. Nun ist es sicher so, daß, sollte man Bedrohungen oder gar Gewalttaten wahrnehmen, diese abzuwehren sind, bzw. dagegen einzuschreiten ist. Dafür zuständig ist die Polizei über deren Notruf. Wenn dagegen, in der Art totalitärer Staaten, die Bürger aufgefordert werden, "rechtsextremistische Aktivitäten" zu melden., dann ermöglicht dieser intentiöse semantische Wechselbalg, weil ja bewußt ungenau gehalten, jeder - ich sage das einmal prononciert - jeder sich wehrhaft demokratisch gebärdenden Kanaille, sich einschlägig zu prostituieren. Zu solchem perversen Tun aufzurufen, zum Denunziantentum aufzufordern, das, darf ich festhalten, ist ein erbärmliches, ein widerlich-verkommenes Verhalten derer, die offensichtlich glauben, nur auf diese Weise noch ihre Sinekuren sichern zu können. Wahrhaftig, ein solches Gemeinwesen oder sollte man besser sagen, Gemeineswesen, verdient wirklich, daß es sich selbst an die Wand fährt.«

Mit der Bitte, dies so an die vorgesetzte Stelle weiterzugeben, wurde das Gespräch beendet. Bayerischer Kommentar: »Das haben Sie aber schön gesagt!« Baden-Württembergischer Kommentar: »Werde ich so weitergeben

Es wäre schön und zu wünschen, daß diese bescheidene Aktion (zahlreiche!!) Nachahmer fände!

Mit freundlichen Grüßen

Karl-Dieter Schönherr


Zu »Gefälschtes "Geheimdokument"« (VffG 1/2000, S. 119)

Verehrte Redaktion!

Es mag sein, daß dieses Geheimdokument gefälscht ist. Aber es ist doch eine Tatsache, daß Schröder und Fischer vor ihrem Amtsantritt in Washington zur Vergatterung antreten mußten. Es ist doch eine Tatsache, daß die deutschen Goldreserven sich im Fort Knox (USA) befinden. De Gaulle hat seinerzeit die französischen Goldreserven nach Frankreich bringen lassen, um nicht erpreßt werden zu können. Es ist auch eine Tatsache, daß das Grundgesetz durch Art. 139 GG durch einen Federstrich durch die Alliierten aufgehoben werden kann und die Feindstaatenklausel es ihnen erlaubt, die BRD wieder ganz zu besetzen. Daher scheint dieses Geheimdokument für mich echt zu sein.

Georg Wiesholler, Ottobrunn


Zu H.-J. Witzsch, »Fremdarbeiter im Dritten Reich« (VffG 4/1999, S. 363-372)

Werte Redaktion,

Tschechische Arbeiter-Migranten ins "Reich" gab es schon immer. Interessant sind aber besonders die Zahlen nach der Protektoratserrichtung. Im März 1939 suchten deutsche Werber 20.000 Arbeiter. Es meldeten sich 50.000, von denen dann 30.000 einen Arbeitsvertrag erhielten (Dorfbote, 13.5.1939, Erscheinungsort Budweis, Auflage 40.000).

Für die weitere Zeit gibt das Buch Die Böhmische Passion Auskunft sozusagen aus erster Hand, denn sein Verfasser, Dr. Wilhelm Dennler, ein gebürtiger Schwabe, war im Amt des Reichsprotektors von 1939 bis 1945 zuständig für die Rekrutierung tschechischer Arbeitskräfte:

Dr. Dennler wurde bei Kriegsende inhaftiert und kam 1947 frei. Obwohl im letzten Kriegsjahr der ganze männliche Jahrgang 1924 "dienstverpflichtet" wurde, forderte niemand seinen Kopf.

Quelle: Wilhelm Dennler, Die böhmische Passion, Freiburg-Frankfurt 1953

Mit freundlichen Grüßen

F. Volk


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(1) (2001), S. 116-118.


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