Leserbriefe

 

zu I. Schirmer-Vowinckel, »Zum Schicksal der Zigeuner im Dritten Reich« in VffG 3(4) (1999), S. 464ff.

Fälschungsverdacht Nr. 1

Sehr geehrter Herr Rudolf,

in der o. g. Ausgabe der VffG hatte sich Frau Schirmer-Vowinckel des vom Staatl. Museum Auschwitz Birkenau herausgegebenen Memorial Book, The Gypsies of Auschwitz-Birkenau angenommen. Die Autorin hielt es in ihrer Rezension für »unwahrscheinlich«, daß die Registriernummern der nach Auschwitz deportierten Zigeuner »doppelt«, getrennt nach Frauen und Männer, vergeben worden waren. Eine Antwort auf diese Zweifel gibt das Kalendarium der D. Czech.1

Demnach erfolgte die erste Einweisung von Zigeunern in das KL Auschwitz, am 26. 02. 1943; zur Anzahl der Deportierten heißt es:2

»es sind einige Männer, Frauen und Kinder angekommen. Sie werden in dem noch nicht fertiggestellten Lager im Abschnitt BIIe in Birkenau untergebracht, das den Namen Zigeunerlager BIIe erhält.«

Dem Kalendarium folgend, traf der nächste Transport in Auschwitz am 01. 03. 1943 ein: »Männer, Frauen und Kinder«. 3 Ein weiterer Transport folgte am 03. 03. 1943: »Männer, Frauen und Kinder« . Erstmals wurde eine Zahl genannt: »in diesem Transport haben sich 164 Männer befunden«.4 Der nächste »Transport mit Zigeunern« erreichte am 05. 03. 1943 das KL Auschwitz. Auch diese wurden im Block BIIe untergebracht.5

Die angekommenen Häftlinge seien in »getrennt für Männer und Frauen« geführten »Hauptbüchern« erfaßt worden:6

»Sie enthalten ein vollständiges Verzeichnis der Männer, die mit den Nummern 1 bis 10097, und der Frauen, die mit den Nummern 1 bis 10849 registriert sind«

Daß für die mit ersten vier Transporten Angekommenen keine Registriernummern bekannt sind, sei die Folge einer unzureichenden Verwahrung der Bücher: Ursprünglich »in Männerkleidungsstücke eingewickelt und in einem mit einem angepaßten Holzdeckel abgedichteten Zinkeimer verborgen«, sei dieser Eimer, nachdem bekannt geworden sei, »daß mehrere tausend Zigeuner, die im Zigeunerlager noch am Leben sind, liquidiert werden sollen«, innerhalb des Zigeunerlagers (allerdings mit einer anderen Lokalbezeichnung als in dem von Frau Schirmer-Vowinckel genannten Gedenkbuch) »an einer Stelle in der Nähe des Zaunes« vergraben worden. Am 13. Januar 1949 habe man den Eimer mit den »Hauptbüchern« ausgegraben:6

»Die Bücher sind stark durchfeuchtet, so daß die ersten Seiten teilweise stark beschädigt und unleserlich sind. Es kann deshalb nicht festgestellt werden, wie viele Zigeuner jeweils mit den ersten Transporten eingeliefert worden sind.«

Registriernummern wurden erstmals in der Eintragung vom 05. 03. 1943 genannt:7

»470 Zigeuner aus dem Reichsgebiet, unter ihnen 219 Männer und Jungen, die die Nummern Z-392 bis Z-610 erhalten, sowie 251 Frauen und Mädchen, die die Nummern Z-438 bis Z-688 erhalten, sind im Lager eingetroffen.«

Die angegebene Zahl von 470 bestätigt die getrennte Vergabe der Registriernummern. Würde es sich um einen gemeinsamen Nummernkreis handeln, dann wäre die an diesem Tage vergebene höchste Registriernummer nicht 688 sondern 862 gewesen. Daß die getrennte Registrierungen auch bei den folgenden Einweisungen beibehalten worden waren, ergibt sich u. a, aus den Eintragungen vom 13. 05. 1943 und 06. 11. 1943: Am 13. 05. 1943 wurde die Nummer 8866 an ein im Zigeunerlager geborenes Mädchen vergeben;8 Am 06. 11. 1943 erhielt die gleiche Nummer 8866 ein aus dem Reichsgebiet in das Zigeunerlager verbrachter Zigeuner.9

Mit den am 08. 07. 1944 vergebenen Nummern Z- 10090 bis Z- 10094 endet die namentliche Registrierung der Zigeuner:10

»Nach dieser Eintragung werden nur noch die ausgegebenen Nummern notiert, ohne anzugeben, an wen und wann sie ausgegeben worden sind«.

Am 21. 07. 1944 wurden, als »letzte Eintragung im Hauptbuch der Zigeunerinnen« die Nummern Z-10828 bis Z-10849 an 22 litauische Zigeunerinnen vergeben. Möglicherweise seien in diesem Transport auch Männer gewesen; eine Entzifferung - »falls sie getätigt wurde« - im »Hauptbuch der Zigeuner« sei nicht mehr möglich, da die letzten Seiten der Bücher, infolge ungenügenden Schutzes »in ihrem Versteck unter der Erde« durch Feuchtigkeit zerstört worden seien.11

Am 28. 07. 1944 wird erstmals ein Zugang ohne Angabe der Registriernummer genannt:12

»Im Zigeunerlager BIIe werden zwei Kinder geboren.«

Am 02. 08. 1944 nennt das Kalendarium für Birkenau (Familienlager BIIe, Quarantänelager BIIa. Männerlager BIId und Häftlingskrankenbaulager BIIf) eine Gesamtzahl von 2898 inhaftierten Zigeunern - »wahrscheinlich Männer und Frauen«.13

Am Nachmittag des gleichen Tages werden, dem Kalendarium folgend, weil sie »am Leben bleiben« sollen, 1408 Zigeuner und Zigeunerinnen, aus dem Lager BIIe und den Blöcken 10 und 11 des Stammlagers ausgesondert [selektiert!], »herbeigebracht« und in »andere Konzentrationslager überstellt«.14

Lt. Kalendarium wird »nach dem Abendappell« das Lager BIIe sowie »einige weitere Wohnbaracken in denen sich noch Zigeuner befinden« umstellt. Mit Lastwagen werden »2897 wehrlose Frauen, Männer und Kinder in die Gaskammer im Krematorium gefahren. « Weil die »Krematoriumsöfen zu der Zeit nicht in Betrieb [sind], werden die Leichen nach der Vergasung in der Grube neben dem Krematorium verbrannt«.15

Wie aus der Eintragung vom 03. 08. 1944 hervorgeht, bleibt »im Häftlingskrankenbaulager BIIf in Birkenau ein Zigeuner am Leben. «16 Dieser Kranke war aber offensichtlich in der am 02. 08. 1944 genannten Gesamtzahl der in Birkenau inhaftierten Zigeuner enthalten. Berücksichtigt man, das er nicht zu den Umgebrachten gehörte, dann fällt schon auf, daß es ausgerechnet »2897 wehrlose Frauen, Männer und Kinder« waren, die in der Gaskammer ermordet wurden. Wenn, wie es heißt, unter den am 02. 08. 1944 nach Buchenwald überstellten Häftlinge auch solche aus dem Lager BIIe gewesen sind, dann müßten diese Abgänge (um wieder auf die Zahl 2897 zu kommen), am selben Tage als Zugänge im Lager BIIe durch Häftlinge aus den Blöcken 10 und 11 des Stammlagers substituiert worden sein. Eine diesbezügliche Eintragung im Kalendarium gibt es jedoch nicht.

Aus der gleichen Eintragung ist aber auch noch eine andere Überlegung anzustellen. Es betrifft die Angabe der Verbringung der zur Vernichtung in der Gaskammer vorgesehenen 2897 Zigeunerinnen und Zigeuner. Sie seien mit »Lastwagen in die Gaskammer im Krematorium« gefahren worden. Welches Krematorium dabei gemeint ist, darüber gibt es im Kalendarium keine Aussage. Nimmt man das für diesen Fall am ungünstigsten gelegene Krematorium V an, dann mußten bis dorthin von der am weitest entfernt gelegenen Baracke der Lagers BIIe ±1200 m zurückgelegt werden.17 Es fällt außerordentlich schwer sich vorzustellen, daß, angesichts der mehr als angespannten Transport- und Treibstofflage im Sommer 1944, Fahrzeuge samt Betriebsstoff zur Verfügung standen, um den 2897 zur Exekution Bestimmten einen Fußmarsch von maximal 1,2 km zu ersparen.

Am 5. Oktober findet sich der letzte Eintrag, in dem Zigeuner genannt sind:17

»Aus dem KL Buchenwald werden 1188 Häftlinge in das KL Auschwitz überstellt. Unter den Überstellten befinden sich 800 Zigeuner, die bereits zuvor in Auschwitz waren. Wahrscheinlich werden die meisten Häftlinge aus diesem Transport in den Gaskammern getötet«.

Da Frau Schirmer-Vowinckel in ihrer Buchbesprechung auch auf einige Passagen des sogenannten „Zigeuner-Erlaßes" vom 16.12.1942 eingeht, überrascht es, daß sie dem unter III. genannten Abschnitt nur marginal ihre Aufmerksamkeit geschenkt hat.

Auch auf der Suche nach dem Himmler-Erlaß vom 16.12.1942, übersandte mir das Bundesarchiv in Koblenz den von der Rezensentin zitierten »Schnellbrief«. Unter der Nr. 15 ist er ein gedruckter Auszug aus der Schriftenreihe des Reichskriminalpolizeiamtes Berlin, und gehört zu einer Erlaßsammlung i.S. »Vorbeugende Verbrechensbekämpfung«. Herausgeber dieser Sammlung der auf dem Gebiete der vorbeugenden Verbrechensbekämpfung ergangenen Erlasse und sonstigen Bestimmungen war das Reichssicherheitshauptamt - Amt V. Handschrifltlich ist auf dem Deckblatt die Jahreszahl »(1941)« genannt.

Allerdings lassen sich Fragen hinsichtlich der Authentizität dieses Schriftstückes trotz der angegebenen Provenienz und Aufmachung nur bei oberflächlicher Betrachtung ausschließen. Dies nicht nur in Bezug auf die äußerliche Form, sondern vor allem auch in Bezug auf den Inhalt. Zwar ist der »Schnellbrief« in einer einheitlichen Schrifttype gedruckt, wobei auch die im Schriftverkehr innerhalb der SS üblichen SS-Runen verwendet worden waren. Aber betrachtet man den bereits erwähnten Abschnitt III. Des »Schnellbriefes«, dann gibt es da doch einige Merkwürdigkeiten, die ins Auge fallen.18

Nach dem fettgedruckten Betreff »Einweisung von Zigeunermischlingen, Rom-Zigeunern und balkanischen Zigeunern in ein Konzentrationslager« mit nachfolgender Nummer »I.« folgen, ebenfalls fettgedruckt, die Abschnitte »II. Von der Einweisung bleiben ausgenommen«, »IV. Verhängung von Vorbeugehaft«, »V. Haftunterlagen« und »VI. Sonstiges«. Beim Abschnitt III. fehlt hingegen eine Überschrift. Seinem Inhalt nach hätte er mit »Unfruchtbarmachung« überschrieben sein können (müssen). Folgt man dem Text dieses Abschnittes, war diese aber eigenartigerweise nur für jenen Personenkreis vorgesehen, der von der Einweisung in das KL ausgenommen war. Davon steht im »Betreff« aber nichts und erst recht kein Wort von Unfruchtbarmachung.

Wenn jedoch, ungeachtet eines fehlenden Bezuges und unvermittelt, in dieser »Durchführungsverordnung« zu dem Erlaß des RFSS vom 16.12.1942 plötzlich Bestimmungen zur Unfruchtbarmachung erscheinen, dann könnte dies, weil jenseits seiner Kompetenz, gewiß keine eigenmächtige Kreation des Chefs des Hauptamtes V im Reichssicherheitshauptamt gewesen sein, sondern mußte sich auf eine entsprechende Verfügung in dem Erlaß des RFSS bezogen haben. Hier stellt sich nun die Frage, welche Intentionen mit der befohlenen Einweisung der Zigeuner verfolgt wurde. Sollten sie, was immer wieder und mit Nachdruck behauptet wird, beseitigt, d.h. in den Gaskammern ermordet werden? Weshalb sind sie aber dann erst registriert worden, wenn sie doch umgebracht werden sollten? Weshalb hat man z. B. Schwangere nicht gleich ins Gas geschickt, die im KL Neugeborenen, noch Monate nach Einweisung der Mutter erst noch mit einer Registriernummer versehen? Und wenn dies nicht beabsichtigt war, weshalb war in dem »Schnellbrief« bei ausgerechnet jenen, die aus Gründen »Vorbeugender Verbrechensbekämpfung« aus dem Verkehr gezogen worden waren, auch nicht eine Fußnote enthalten, die auf eine womöglich beabsichtigte Unfruchtbarmachung hätte schließen lassen können? Ist es nicht geradezu grotesk zu nennen, daß statt dessen ausgerechnet »die Einwilligung zur Unfruchtbarmachung der über 12 Jahre alten aber noch nicht sterilen [!] zigeunerischen Personen anzustreben« ist für solche, die »von der Einweisung ausgenommen« bleiben, weil ihnen von den nationalsozialistischen Rassenfanatikern offensichtlich einige positive Eigenschaften zugesprochen worden waren: z. B. »zigeunerische Personen, die mit Deutschblütigen rechtsgültig verheiratet sind«, »sozial angepaßt lebende zigeunerische Personen, die in fester Arbeit standen und feste Wohnung hatten«, »zigeunerische Personen, die auf Anordnung des Reichskriminalpolizeiamtes aus den für Zigeuner geltenden Bestimmungen herausgenommen sind«, und schließlich, als Gipfel imbeziler Verwüstung im RSHA, »zigeunerische Personen, die noch zum Wehrdienst eingezogen sind oder im gegenwärtigen Krieg als versehrt oder mit Auszeichnungen aus dem Wehrdienst entlassen wurden« (sic!)?

Und die Merkwürdigkeiten setzen sich ja fort. Wie z. B. die manierierte Aufwallung mit dem Schwulst, es sei »eine unterschriftliche Erklärung [...] abzugeben«. Oder, wenn er meint, den Empfängern seines Exposés zumuten zu können, sie hätten, nach Satz 1. »die Einwilligung zur Unfruchtbarmachung anzustreben«, was ja immerhin darauf hindeuten könnte, daß eine, wie auch immer geratene Einflußnahme oder gar ein Mitspracherecht für die Betroffenen möglich gewesen sein sollte, dies aber dann, im Satz 4. rigoros ad absurdum führt, weil das Reichskriminalpolizeiamt am Ende dann doch tun würde, wozu es lustig sei: »entscheidet nach Darlegung der Gründe über das zu Veranlassende«(!). Welche »Gründe« dies dann sind, darüber hüllt sich der Herr Kriminalrat freilich in Schweigen.

Angesichts solcher formalen und inhaltlichen Ungereimtheiten, ist die Frage nach der Authentizität des »Schnellbriefes« unumgänglich. Eine Antwort hierzu war, wie sich schließlich herausstellte, schon vor Jahren gegeben worden. In den von Udo Walendy herausgegebenen Historischen Tatsachen aus dem Jahr 1985,19 fand sich nicht nur lediglich eine Bestätigung der o. e. kritischen Bemerkungen, sondern darüber hinaus, ein handfester Beweis für eine weitere Dokumentenfälschung. Der damaligen Untersuchung des »Schnellbriefes« stand, wie es dort heißt, lediglich die im Institut für Zeitgeschichte, München, in Fotokopie vorliegende Erlaßsammlung zur Verfügung, die von einem offensichtlichen Original in einer US-amerikanischen Bibliothek gefertigt wurde (Library Legal Division OMGUS APO 742, No. G 419. 57). Was sich bei dieser Prüfung herausgestellt habe, war, daß in einem »augenscheinlich authentischen Dokument nachträglich ein ganzer Abschnitt [Abschnitt III, d. Verf. ] verfälschend ausgewechselt worden ist«. Man habe das »ursprüngliche Blatt 324 mit dem [...] Paragraphen III [...] als einziges in der gesamten Sammlung nachträglich hineingeklebt. [...] Das ursprüngliche Blatt 324 ist sauber herausgeschnitten.«

Wenn der Autor schon damals darauf hinwies, daß derlei Manipulation Methode hatte, da es doch galt, zur volkspädagogisch erwünschten Gesundung entsprechend „Systemtypisches" zu präsentieren, so hat er nur einen Zustand apostrophiert, an dem sich bis heute wenig geändert hat.

Anmerkungen

  1. Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945, Rowohlt, Reinbek, 1989
  2. ebd. , S. 423
  3. ebd. , S. 426
  4. ebd. , S. 429
  5. ebd. , S. 432
  6. ebd. , Anm. S. 423
  7. ebd. , S. 433
  8. ebd. , S 493
  9. ebd. , S 646
  10. ebd. , S. 816 und Anm.
  11. ebd. , S. 826
  12. ebd. , S. 831; das »Zigeunerlager« diente inzwischen auch als »Durchgangslager« für ungarische Juden, ebd. , S. 829
  13. ebd. , S. 83 7
  14. ebd. , S. 838. Der Transport, bestehend aus »918 Männer und 490 Frauen« geht nach Buchenwald. Obwohl dabei einem Häftling die Flucht gelingt, treffen, lt. Eintrag Kalendarium 918 Zigeuner in Buchenwald ein. Ebd. , S. 840
  15. ebd. , S. 383
  16. John Ball, Air Photo Evidence, Delta (BC), 1992, S. 38f.
  17. Kalendarium, S 895f.
  18. »III. Soweit der unter Il 3-9 angeführte Personenkreis von der Einweisung in das Konzentrationslager ausgenommen wird, ist wie folgt zu verfahren:
    1. Die Einwilligung zur Unfruchtbarmachung der über 12 Jahre alten aber noch nicht sterilen zigeunerischen Personen ist anzustreben;
    2. Volljährige Personen haben im Falle der Einwilligung eine unterschriftliche oder mit dem Abdruck des rechten Zeigefingers versehene Erklärung abzugeben, die dem Reichskriminalpolizeiamt unter Angabe der Personalien in zweifacher Ausfertigung zu übersenden ist.
    3. Bei Minderjährigen über 12 Jahre ist die Erklärung vom gesetzlichen Vertreter abzugeben.
    4. Im Falle der Weigerung entscheidet nach Darlegung der Gründe das Reichskriniinalpolizeiamt über das zu Veranlassende. «
  19. Udo Walendy, Historische Tatsachen Nr. 23, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1985, S. 32.


Fälschungsverdacht Nr. 2

Sehr geehrter Herr Rudolf!

Es ist schon sehr verdächtig, daß der Befehl vom 16.12.1942 nicht aufzufinden ist. Der „Schnellbrief" des RSHA kommt mir aber auch nicht ganz „koscher" vor.

Begründung: Der Brief des RSHA vom 29. Januar 1943 hat die „Registriernummer" VA2 Nr. 59/43g. In diesem Schreiben heißt es:

»VI. Sonstiges: Ähnliche Regelungen sind getroffen für Zigeuner aus den Alpen- und Donaugauen durch Erl. Des RSAH. [...], VA2 Nr. 64/43g vom 28.1.1943; Zigeuner aus dem Bezirk Byalostok durch Erl. Des RSHA. VA2 Nr. 206/43g vom 29.3.1943; [...] VA2 Nr. 208/43 vom 29.3.1943« (Hervorhebungen hinzugefügt)

Dieses Schreiben stammt vom 29.1.1943!!!

Mit freundlichen Grüßen

F.H. Remlingen


zu H.J. Witzsch, »Fremdarbeiter im Dritten Reich«, in VffG 3(4) (1999), S. 363-372, und O. Müller, »Sinti und Roma...«, ebenda, S. 437-442

Ergänzungen

Sehr geehrte Herren,

wieder ergänze ich Ihre Angaben zu aktuellen Themen, diesmal die sogen. Zwangsarbeiter, dann die möglichen Zahlen für Zigeuner.

Nach Stalingrad begann für mich 15-jährig der Einsatz als Luftwaffenhelfer, um wehrfähige Männer für die Front frei zu machen. Ich stand an der 8,8 in Wien zusammen mit Russen, an jedem Geschütz stellten sie die 4 Munikanoniere, nie gab es Probleme. Sie hatten ihre eigene Baracke, als „Russengeneral" einen intelligenten, deutsch sprechenden Ukrainer. Alle kamen mit, als es zum Übungsschießen an den Neusiedler See ging. Nur einmal mußte nach meiner Erinnerung der Batteriechef, Oblt. Zierold, zum Streit schlichten zu den Russen.

Oben: Eine „deportiert Sklavin" am Kiosk, wo sie Zeitungen auch in ihrer Landessprache erhält. (Signal, 24/1943)

Rechts: Drei der „deportierten Sklavinen" am freien Wochenende (Signal, 24/1943)

Meine Frau war 1942 „mithelfende Familienangehörige" auf dem elterlichen Hof in Westpreußen. Arbeitskräfte waren dort am Ort ansässige Kaschuben, die normal entlohnt wurden, und als Ostarbeiter Russinnen, die im Hause wohnten und am Tisch mit aßen, ihren Lohn bezogen und sich an freien Tagen unkontrolliert bewegen konnten.

1994 umrundeten wir den Ilmensee, machten Pause an einer Badestelle, wo mich eine Russin auf deutsch ansprach und in lebhaften Worten von ihrem kürzlichen Besuch in Deutschland auf ihrer Kriegsarbeitsstelle berichtete. Sie wäre in Trendelenburg bei Kassel im Einsatz gewesen und dort jetzt als alte Bekannte aufgenommen worden. Auf meine Frage, ob man sie nach der „Befreiung" sowjetischerseits belangt hätte, erklärte sie »selbstverständlich, 10 Jahre Arbeitslager wegen Kooperation usw.«

Die jetzigen Entschädigungsreden besprach ich mit einem ortsansässigen Bauern. Der holte das Personal-Entlohnungsbuch seines Vaters aus der Kriegszeit hervor. Darin waren alle Ostarbeiter namentlich, mit Herkunft und Alter enthalten, die monatlichen Lohnzahlungen (mindestens 30. - bei freier Station) durch Stempel des Finanzamtes anerkannt.

Mit der Zahl der Zigeuner scheint es ähnliche Schwierigkeiten zu geben, wie zur Zeit des Augustus, als „ein Gebot ausging, daß alle Welt geschätzet werden solle" - was gewissen biblischen Völkerschaften nicht recht war. Für die heutige Frage habe ich zwei Bücher gründlich durchgesehen (Ewald Ammende (Hg.) Die Nationalitäten in den Staaten Europas, Braumüller, Wien/Leipzig 1931; Wilhelm Winkler, Statistisches Handbuch der europäischen Nationalitäten, ebenda). Nur in wenigen Ländern sind sie konkret ausgewiesen, falls sie nicht unter »Andere und unbekannte Sprache« zu suchen wären. Konkrete Angaben finde ich für

Albanien 1918

11507

Jugoslawien 1924

16175

Bulgarien 1926

134844

Rumänien 1930

52570

Griechenland 1928

4998

Ungarn 1920

6989

Wenn für ein Land wie Polen die Angabe »78.634 anderer oder unbekannter Nationalität« mit dem Kommentar (»Hiebei sind auch die rund 40.000 „Hiesigen" inbegriffen, hauptsächlich Weißrussen«) versehen wird, fällt es schwer, auf große Summen zu kommen.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. H.M., Schülp

„Deportierte Sklaven" auf einem Firmengelände. (Signal, 24/1943)

„Deportierte Sklaven" in der Kantine beim Mittagstisch. (Signal, 24/1943)


„Sklaven" retten Munitionsfabrik

Sehr geehrte Herren!

Zu den ausländischen Arbeitern in der Kriegszeit teilte mir Herr Piller, der im Krieg Direktor der Hirtenberger Patronenfabrik war (Niederösterreich, südlich von Baden bei Wien) und auch nach 1955 wieder die Leitung und den Wiederaufbau übernommen hatte, mit:

Während eines Sonntagsnachmittags, als die Arbeit ruhte, brach in der Munitionsfabrik ein Brand aus. Die Fremdarbeiter kletterten aus freien Stücken ohne Auftrag über den Zaun und löschten das Feuer. Hätten diese die Zerstörung der Fabrik gewollt, hätten sie nur zuschauen müssen, wie das Werk in die Luft geflogen wäre. Auch ein Beispiel, das für die gute Behandlung der Ukrainer, Franzosen u.a. Fremdarbeiter zeugt, sonst wäre ein solcher Einsatz nicht denkbar.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Dr. E.Z, Baden


Zeitungs-Lichtblicke

Sehr geehrter Herr Rudolf,

Als Leser Ihrer Revisionistischen Geschichtslektüre sehe ich die Zeitungsartikel, die sich mit Geschichte befassen, etwas anders. Als Beispiel habe ich Ihnen zwei solche Artikel beigefügt. So z.B. »Baustoff fürs Parteigelände« (Nürnberger Nachrichten, 21.1.2000, S. 13) über das KL Flossenbürg. Dort ist zu lesen: »Die Häftlinge sollten jährlich mindestes 25 000 Kubikmeter Granit abbauen. Dieses Produktionsziel war nur durch besonders brutale Arbeitsbedingungen zu schaffen«, aber ein Stück weiter »Neu ist allerdings die Erkenntnis von Paul Jaskot, dass die SS ab Ende 1940 spezielle Steinmetzwerkstätten in Flossenbürg einrichten ließ und dieses ebenfalls für die Lager Natzweiler, Groß-Rosen und Mauthausen plante. Im Dezember 1942 arbeiteten in Flossenbürg 1.200 Gefangene als Lehrlinge oder voll ausgebildete Steinmetze. Insgesamt wurden zu dieser Zeit 2238 Häftlinge innerhalb der SS-Unternehmen ausgebildet.«

Bereits am 21.3.1999 berichtete die gleiche Zeitung über Bordelle, die für die Häftlinge in mehreren KL (Mauthausen, Auschwitz, Dachau, Flossenbürg) und auch für Fremdarbeiter eingerichtet wurden (»„Dieses Unwesen wuchert wie Unkraut"«, S. 10).

Anmerkung der Redaktion

Vernichtung durch Ausbildung und Sex!


zu D. Tarter, »Peenemünde und Los Alamos« in VffG 3(4) (1999), S. 442-453

Sehr geehrter Herr Rudolf,

zunächst eine chemisch-physikalische Richtigstellung zu diesem Artikel. Selbstverständlich kann es sich bei der auf Seite 450, 1. Spalte, 2. Absatz, angedeuteten Möglichkeit einer Kernreaktion zwischen Deuterium und Luft nur um deren Bestandteil Sauerstoff und nicht um Stickstoff handeln, wie im Artikel behauptet. Diese Eventualität war übrigens auch Hitler bekannt, weswegen er den Bau einer Atombombe untersagte. Auch wenn Speer nach dem Krieg für sich in Anspruch nahm, Hitler den Bau einer derartigen Bombe ausgeredet zu haben, so muß man das wohl in den Bereich der Fabel verweisen, wie so manches, was Speer nachher behauptete, um sich reinzuwaschen.

Wenn Herr Tarter die wachsende Unsensibilität der Alliierten gegen menschliches Leid (wie z. B. die „Pulverisierung von Hamburg", von Duff Cooper schon Anfang 1940 angedroht) auf »Deutsche Repressalien und Exzeßgreuel« zurückführt, dann muß man ihm zweierlei entgegenhalten:

1. Die Deutsche Luftwaffe hat nie Terrorangriffe gegen die Zivilbevölkerung geflogen. Auch die Angriffe auf Warschau, Rotterdam oder Coventry fallen nicht in diese Kategorie. Dazu gibt es eine umfangreiche Materialsammlung des eher linksextrem und bestimmt nicht sehr deutschfreundlich eingestellten Militärgeschichtlichen Forschungsamtes Freiburg (jetzt Potsdam). Es hat 1993 die Buchreihe Vorträge zur Militärgeschichte herausgegeben. Aus deren Band 12 (Luftkriegführung im Zweiten Weltkrieg. Ein internationaler Vergleich) möchte ich nachfolgend eine kurze Zusammenfassung geben.

Schon 1923 - also lange vor Hitler - formulierte der Chef des britischen Luftstabes (Sir Hugh Trenchard), die Royal Air Force müßte beim nächsten Krieg (gegen Deutschland) den »Schrecken des Krieges tief ins feindliche Hinterland tragen«. Am wichtigsten sei die Vernichtung von Menschenleben unter der Zivilbevölkerung, so die RAF-Auffassung. Anfang der dreißiger Jahre forderte General Harris, daß Deutschland kapitulationsreif gebombt werden muß. (Einschub von mir: Aus diesen Äußerungen klingt schon die sicher auch Ihnen bekannte englische Doktrin vom dreißigjährigen Krieg gegen Deutschland von 1915 bis 1945 an, den John Major ja 1995 endgültig für beendet erklärte. Kohl scheute sich nicht, diese von der englischen Botschaft bestätigte Erklärung vom Bundespresseamt sinnentstellend fälschen zu lassen).

Bereits Mitte der dreißiger Jahre begann man mit der Entwicklung schwerer britischer Langstreckenbomber, um den geplante Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung führen zu können. Im Juli 1935 stellte die USA den ersten Prototypen ihres schnellen, als unbezwingbar geltenden, Langstreckenbombers fertig (später »Fliegende Festung« genannt). Die deutsche Luftwaffenführung lehnte die englische Doktrin ab. Nach ihrer Auffassung (niedergelegt in der bis Kriegsende peinlich genau beachteten Luftwaffendienstvorschrift 16) war die Hauptaufgabe der Luftwaffe die Bekämpfung der feindlichen Luftstreitkräfte. Danach folgten das »Eingreifen in die Operationen und Kampfhandlungen zu Land und zur See« und schließlich an letzter Stelle der »Kampf gegen die Kraftquellen der feindliche Armee«. Hierbei durften »Ziele in dicht bevölkertem Gebiet und Ziele in unmittelbarer Nähe von Objekten, auf die der Luftangriff verboten ist, nur in gezieltem Bombenwurf angegriffen werden.« Deutschland verfügte also bis zuletzt über keine schweren Bomber (die vom Dritten Reich 1937 vorgeschlagene Begrenzung der Luftrüstung auf leichte Bomber wurde von England abgelehnt). Der Historiker, der im Rahmen eines internationalen, wissenschaftlichen Kongresses darüber referierte, erwies der deutschen Seite seine Achtung mit der Bemerkung, »offensichtlich sollte die feindliche Zivilbevölkerung vor Schaden durch deutsche Bomben bewahrt werden.« Er deutete dies als »traditionelles humanitäres Denken« und als »Ausfluß der klassisch-kontinentalen Tradition der Kriegführung.«

Bevor Warschau von der deutschen Luftwaffe angegriffen wurde, forderten Flugblätter die Bevölkerung auf, die Stadt auf von der Deutschen Wehrmacht dafür freigehaltenen Straßen zu verlassen. Erst dann erfolgte der Angriff. Nach internationalem Kriegsrecht war der Angriff auf eine in der Frontlinie liegende und heftig verteidigte Stadt nicht zu beanstanden.

Rotterdam wurde von der niederländischen Armee hartnäckig gegen die bereits ins Stadtgebiet eingedrungenen deutschen Truppen verteidigt. Kapitulationsaufforderungen blieben unbeantwortet. Erst als Bomber im Anflug auf die Stadt waren, bot der holländische Oberbefehlshaber Verhandlungen an. Es war wegen der bereits eingezogenen Schleppantennen nahezu unmöglich, die Flugzeuge zu unterrichten. 57 leichte Bomber, die nicht mehr erreichbar waren, warfen ihre Bomben auf Viertel am Stadtrand, in dem die holländischen Stellungen lagen. Obwohl sie nur Sprengbomben warfen, verursachte der Treffer auf eine Margarinefabrik einen großen Brand, dem etwa 600 Holländer (Soldaten und Zivilisten) zum Opfer fielen. Die alliierte „psychologische Kriegführung" stilisierte diese völkerrechtlich gedeckte Kriegshandlung zu einem Terrorangriff und behauptete, 30.000 Holländer seien dabei umgekommen (so steht es in besagtem Band 12).

Der deutsche Luftangriff auf Belgrad am 6.4.1941 war ebenfalls kein Angriff auf die Zivilbevölkerung, sondern er war auf militärische Unterkünfte, Flugbasen, Flakstellungen und Militärbehörden gerichtet.

Anfang Mai 1940 ordnete Churchill die Aufnahme des Bombenkrieges auf die seit 1936(!) ausgesuchten zivilen Ziele in Deutschland an (so sein Biograph Emry Hughes). Schon am nächsten Tag warfen englische Flugzeuge ungezielt vor allem nachts Bomben auf Wohngebiete in West- und Norddeutschland. Bis zum 13. Mai 1940 registrierte die deutsche Seite insgesamt 51 englische Luftangriffe auf nichtmilitärische Ziele. Ab 25. August 1940 flogen englische Bomber Nachtangriffe gegen Berlin und warfen ungezielt Bomben ins Stadtgebiet.

Diese Luftangriffe wurden von einer sich steigernden englischen Propaganda begleitet. Im August 1940 kündigte der englische Informationsminister Duff Cooper in Rundfunk und Presse an, die RAF werde nunmehr, »Hamburg pulverisieren«.

In Deutschland wurde die Stimmung in der Bevölkerung zunehmend gereizt. Man fragte, warum sich Deutschland gegen die permanenten Nachtangriffe der Engländer auf deutsche Wohnviertel nicht wehre (Einschub von mir: Etwa um diese Zeit wurde Göring vom Volk zum »Reichsmeier« umbenannt, weil er nach Kriegsbeginn großmäulig verkündet hatte, er wolle Meier heißen, wenn je ein feindliches Flugzeug das Reichsgebiet angreife). Die wachsende Mißstimmung veranlaßte Hitler, in einer öffentlichen Rede als Erwiderung auf die Drohung Duff Coopers, Hamburg zu »pulverisieren«, anzukündigen, Deutschland werde dann englische Städte »ausradieren«. Dieser Ankündigung Hitlers folgten aber keine Taten. Erst nachdem die Engländer achtmal Berlin angegriffen hatten, erfolgte am 6. September 1940 ein Gegenangriff auf London. Den Besatzungen der leichten Bomber war ausdrücklich verboten worden, ihre Bomben auf Wohngebiete zu werfen. Ziele waren vielmehr Docks und Rüstungsbetriebe.

Auch die offiziell als Vergeltungsangriffe deklarierten Bombenangriffe auf London wurden stets gezielt auf Rüstungsbetriebe geführt. Die RAF hingegen setzte ihre Angriffe auf Wohngebiete deutscher Städte fort. Nachdem nachts Bomben auf Wohnviertel Münchens geworfen worden waren, flog die deutsche Luftwaffe am 14. November 1940 einen Angriff auf Coventry, mit dem Befehl, die 17 Flugmotoren- und andere Rüstungswerke mit Bomben zu belegen, die über die ganze Stadt verteilt waren. Dabei wurden knapp sechs Prozent der bebauten Fläche zerstört (zum Vergleich: in Hamburg wurden 74 Prozent zerstört). Etwa 400 Einwohner Coventrys fanden den Tod. Die Kathedrale wurde versehentlich getroffen und brannte aus. Nach Einschätzung von Völkerrechtlern und Militärhistorikern war dieser Angriff, gezielt auf die englische Flugmotorenindustrie, völkerrechtlich zulässig und keinesfalls ein gegen die Zivilbevölkerung gerichteter Terrorangriff. Das wurde seinerzeit auch vom englischen Kriegskabinett so gesehen, das intern diesen Angriff als »legitime Kriegshandlung« bewertete und auch später nicht als Anklagepunkt in Nürnberg vorgebracht hat.

So viel zum Terror im Luftkrieg, der also ausschließlich von den Alliierten verübt wurde.

2. Was die »Repressalien und Exzeßgreuel« im Osten anbelangt, so steht eindeutig fest, daß die sowjetische Soldateska vom ersten Tag des Krieges im Osten an unmenschliche Grausamkeiten an gefangenen deutschen Soldaten beging. Diese unbeschreiblichen Bestialitäten sind in dem Buch Verbrechen an der Wehrmacht von Prof Dr. Franz W. Seidler dokumentiert. Er ist seit der Herausgabe dieses Buches von seiner Zunft verfemt. Auch die jüdisch-bolschewistischen Partisanen hinter der deutschen Front wüteten im Auftrag Stalins (gemäß seinem Fackelmännerbefehl 428), zum Teil in deutschen Uniformen, mit gleicher Barbarei. Sie rühmten sich, mehr als 500.000 deutsche Soldaten hinterrücks umgebracht zu haben. Wie hätten wohl die sensiblen Alliierten auf solche Heimtücke reagiert? Sie haben ja nach dem Krieg mit Erschießungen im Verhältnis 1:200 gedroht, sollte einem ihrer ruhmreichen Helden auch nur ein Haar gekrümmt werden.

Bei dem abgeschlagenen Landungsversuch einer englischen Spezialeinheit bei Dieppe erbeuteten die Deutschen Handbücher dieser »special force«. Noch das humanste im Arsenal der Tötungsmöglichkeiten für einen am Boden liegenden Deutschen war, ihm den Kopf mit den Schuhen zu zertreten. Der unbeschreibliche Inhalt wurde geheim gehalten, weil man um die Moral der Truppe fürchtete.

Abschließend noch eine Bemerkung zu Dora-Mittelbau. Welche abstruse Logik hätte „die Nazis" dazu bringen können, die Arbeiter erst mit großem Aufwand monatelang auszubilden und sie dann durch Arbeit zu vernichten? Deutsche Zeugen dafür, allen voran Speer, sind einfach unglaubwürdig. Was haben solche Leute nach dem Krieg nicht alles behauptet (und andere damit angeschwärzt). Dazu muß man doch nur die (erpreßten) Geständnisse eines Gerstein oder - Friede seiner Asche - Höß lesen, um zu erkennen, welcher Wahrheitsgehalt darin steckt. Die Leichenhaufen, die man im Zusammenhang mit Dora-Mittelbau zeigt, stammen von einem Terrorangriff der Amerikaner auf Nordhausen kurz vor Kriegsende.

Wie schreibt der Autor so schön am Schluß? Das moralische Urteil wird von den Siegern definiert und der Besiegte muß es erdulden. Ebenso, wie deren bigotte Heuchelei.

Mit freundlichem Gruß

Friedrich Stelzel, Mümchen


zum Leserbrief zu D. Irving, »Menschenhäute«, in VffG 3(4) (1999), S. 469

Sehr geehrter Herr Rudolf,

es ist wohl wieder einmal die vielzitierte „Duplizität der Ereignisse". Just als ich die Dezember-Nummer der VffG erhielt, in der ein Leserbrief zum Thema »Menschenhäute« veröffentlicht worden war, hatte man dem möglicherweise etwas aus den Fugen geratenen Sohn des ehemaligen Reichsleiters Martin Bormann wieder einmal Gelegenheit für einen weiteren Fernsehauftritt geboten: Er war Gast in der Sendung »Berliner Begegnungen« und erzählte u.a. auch dort seine einschlägige Geschichte; der relevante Ausschnitt aus diesem Interview liegt bei.

K.-J. H., Leonberg

Gerüchte oder Tatsachen? Aus: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 13, Bibliographisches Institut, Leipzig/Berlin, 1906, S. 610 (Zum Vergrößern Bild anklicken)

Auszug aus »Berliner Begegnungen« - ARD vom 24.01.2000

Gast: Martin Bormann jun.

Gesprächspartner = G; Bormann = B.

»G.: ... Als sie im Sommer 1945 - Sie haben es eben angesprochen - erstmals gelesen haben, erfahren, es hat Sie ja völlig unvorbereitet getroffen, von den Verbrechen der Nazis, wie haben Sie reagiert, haben Sie drauf reagiert, haben Sie es zunächst einmal geglaubt?

B.: Ja ich konnte mich dem eigentlich nicht widersetzen, denn das Erste was ich da bekommen habe als Dokumentation in den Salzburger Nachrichten war die Befreiung von Bergen-Belsen durch britische Truppen. Und eine Photoreportage, und vor diesen Leichenbergen ausgemergelter Menschen da, da bleibt einem die Luft weg. Und ich konnte mit keinem Menschen darüber sprechen...

G.: Als 14-jähriger gemeinsam mit Ihrer Mutter und Ihrer jüngeren Schwester die Himmler-Geliebte Hedwig Potthast auf dem Obersalzberg besucht und ... nicht auf dem Obersalzberg ...

P.: Schneewinkellehen...

G.: Aber in der Nähe dort...

B.: Ja, gehört zur Gemeinde Königssee.

G.: Und die habe dann gesagt, „ich zeige Euch etwas" und habe Sie in das Mansardenzimmer ihres Hauses geführt, das ein Himmler-Zimmer war, und in diesem Zimmer habe sich ein kleiner Tisch befunden und ein Hocker aus Menschenknochen. Also die Beine...

B.: Oberschenkelknochen...

G.: Oberschenkelknochen, Unterschenkelknochen und Bauch...

B.: Nein, nein, nur Oberschenkelknochen. Das Andere war falsch übersetzt.*

G.: Ah! Knochen, auf denen dieses Tischchen und der Hocker gestanden sind und ein Beckenknochen als Sitzfläche für den Hocker und eine Ausgabe von Mein Kampf, die mit Menschenhaut überzogen gewesen sei...

B.: Nein, auf Menschenhaut geschrieben war.

G: auf Menschenhaut geschrieben war. Ja, und...

B.: ...und eine Lampe.

G.: ...und eine Lampe, auch mit Menschenhaut.

B.: Lampenschirm aus Menschenhaut.

G.: Ah, wie war Ihre Reaktion damals?

B.: Mein Gott, ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, ohne die Reaktion meiner Mutter. Meine Mutter ist furchtbar erschrocken und hat eigentlich sehr, sehr plötzlich den Besuch abgebrochen und wir sind nach Hause gefahren und meine Schwester die hat - das habe ich von einer Schulkameradin von meiner Schwester vor zwei Jahren vielleicht erfahren, die war tagelang verstört in der Schule.

G.: ...die war ja noch jünger als Sie.

B.: Die war ein Jahr jünger, ein gutes Jahr jünger als ich, ja. Und das ist die 1957 Verstorbene, nicht. Daß die vollkommen verstört war in der Schule und nicht sagen konnte, warum. Ja, und ich erinnere mich, daß wir Zuhause eine Parallelausgabe von diesem Mein Kampf hatten, das ist ein großer Foliant gewesen, den hat die Mutter sofort verschwinden lassen.

G.: Sie selber haben, was einsehbar ist, diese Szene offenbar danach verdrängt aus Ihrem Bewußtsein. Aber Sie haben sie nicht vergessen.

B.: Habe sie nicht vergessen. Außerdem war noch ein Kamerad dabei, der bei uns damals in den - das war Weihnachtsferien 44, Zuhause war, weil seine Eltern ausgebombt waren.

G.: Mit scheint die Geschichte deswegen auch wichtig, weil sie einen klaren Widerspruch bildet zu dieser vielzitierten, berühmten Formulierung von der Hannah Arendt, über die „Banalität des Bösen", zumindest was Himmler betrifft, ausgehend von diesem Mansardenzimmer, kann man vermuten, er war nicht nur ein banaler Bösewicht, er war tatsächlich ein Monster.

B.: Ich würde das nicht wagen so zu sagen. Sondern um die Zeit, als es zu diesem Exzessen kam, sage ich mal, waren schlimmere Exzesse als die Verwendung von menschlichen Leichnamen als Rohstoffquelle längst gelaufen durch die Vivisektionsversuche und all diese Furchtbarkeiten an lebenden Opfern, diese Tiefdruck- oder Hochdruck- und Gefrierversuche, was da alles gelaufen ist im KZ Dachau unter ärztlicher Aufsicht. Darüber gibt der Ärzteprozeß von Nürnberg Auskunft. Ja, die Abgründigkeit des menschlichen Bösen, oder der Möglichkeit des Böseseins des Menschen, die ist nicht erschöpft durch diese, durch dieses Gruselzimmer.

G.: Das stimmt. Nur, dieses Gruselzimmer ist in einer gewissen Weise einfach ein Signal. Alle anderen haben doch die Verbrechen - der Eichmann ist an seinem Schreibtisch gesessen - sie haben es von sich weggeschoben. Der trägt sich das Grauen auch noch nach Hause und delektiert sich daran. Das fällt mir an dieser Geschichte auf...«

* Gemeint ist wohl eine Stelle bei Gitta Sereny, die diese Aussage des M. Bormann zitiert hat.


Dipl.-Ing. Wolfgang Fröhlich

Arbeitsgemeinschaft zur Aufdeckung zeitgeschichtlicher Lügen
[...Anschrift gestrichen]

1. Mai 2000

An seine Exzellenz
dem Botschafter der Islamischen Republik Iran
Jauresgasse 9
A-1030 Wien

Eure Exzellenz!

Ich bitte Sie um politisches Asyl in der Botschaft der Islamischen Republik Iran!

Ursache und Hintergründe: Ich werde nun schon seit Jahren von der österreichischen politischen Justiz verfolgt, weil ich mir in meinem Land, der „demokratischen" Republik Österreich, den „Luxus" leiste, mich getreu der göttlichen Wahrheit und getreu dem von mir geleisteten akademischen Eid als Naturwissenschaftler zu verhalten, indem ich politisch verordnete Lügen, wie die sogenannten Zyklon-B-„Gaskammern" in Dritten Reich und den sogenannten „Holocaust" an den Juden, mit angeblich 6 Millionen Opfer, anprangere. Möglicherweise sind Ihnen einige meiner Schriften bekannt, weil ich sie u.a. auch an die Botschaft des Iran sandte.

Zum Repertoire des Terrors gehörten zwei Zwangs-Psychiatrierungen, wie einst in Stalins Sowjetunion, und im Jahre 1996 eine 14-tägigen Beugehaft, die man als Untersuchungshaft hinstellte. Natürlich ohne Rechtsgrundlage. Obwohl seit mehr als einem halben Jahrzehnt eine gerichtliche Voruntersuchung gegen mich im Gange ist, wurde mir bis zum heutigen Tag keine Anklage zugestellt. Offensichtlich scheut man ein öffentliches Gerichtsverfahren. Gleichfalls ein eklatanter Verstoß gegen herrschendes österreichisches Recht.

Gestern abend erschienen vor meiner Wohnungstüre im Auftrag der politischen Justiz mehrere Polizeibeamte mit kugelsicheren Westen und Kampfausrüstung - ganz so als ob ich ein Schwerverbrecher wäre - mit einem neuerlichen Haftbefehl in der Hand, der natürlich wieder ohne jede Rechtsgrundlage und sogar gegen eine ausdrückliche Entscheidung des Obersten Gerichtshofes ausgestellt worden war. Da ich aber nicht anwesend war, zog das Kommando unverrichteter Ding wieder ab. In dem Zusammenhang möchte ich erwähnen, daß ich nicht vorbestraft bin und es auch nie war. Mein „Verbrechen" besteht einzig und allein darin, göttliche Gesetze höher zu achten, als den Willen einer satanischen Lobby!

Vor etwa einem Jahr trat ein Vertreter dieser Lobby, der „Holocaust"-Lobby, an mich heran, um mich zu überreden, mein technisches Gutachten über die Zyklon-B-Gaskammern, welches ich anläßlich des politischen Schauprozesses gegen Herrn Jürgen Graf, in der Schweiz, erstellt hatte, insoweit zu modifizieren, daß ein Einsatz des Entwesungsmittels Zyklon-B zum Zweck eines Massenmordes doch „irgendwie denkbar" erscheint. Ich sollte dafür 5 Millionen US-Dollar erhalten! Natürlich bin ich diesem Handel nicht nähergetreten.

Da die österreichische politische Justiz nur zu genau weiß, daß sie mich nie zur Lüge zwingen wird können, fürchte ich im gegenwärtigen Stadium um mein Leben! In letzter Zeit häufen sich hierzulande die Todesfälle im Umkreis der Politik. Ich verweise auf den angeblichen Selbstmord des oppositionellen Studenten Matthias Seger, aus Wien 7 - „zufällig" am Tag des Judentums, am 17. Jänner 2000! Sein Vater ist an der Verbreitung eines Buches über die Zionistischen Protokolle beteiligt! - und auf den Tod des von den Medien als Briefbombenleger aufgebauten Sonderlings Franz Fuchs, dessen „Selbstmord" in Anbetracht seines körperlichen Zustandes und anderer Fakten dermaßen grotesk erscheint, daß es sich kaum in Worte fassen läßt. Erstaunlich, was man den Menschen alles einreden kann! Nach uns vorliegenden Informationen sollen die gedungenen Mörder (aus Geheimdienstkreisen) von einem Beamten in die Zelle von Franz Fuchs geschleust worden sein, um dort ihr schauriges Handwerk verrichten zu können. Daß Franz Fuchs den Regierungswechsel in Österreich nicht überleben wird, war jedem denkenden Menschen klar!

Mit der Bitte um positive Erledigung meines Ansuchens, zeichne ich mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung

Dipl.-Ing. Wolfgang Fröhlich

PS: Ich erlaube mir, Sie in den nächsten Tagen zu kontaktieren - wenn ich dazu noch in der Lage bin!


Errata

E. Manon, »Wahnwelten«, VffG 3/99, S. 309: Es muß heißen: nach Prof. Y. T. Radday nur 5.600 Wörter.

M. Reich-Sato, »Einheit 731« ebenda, Anmerkungen zur Tabelle 89f.: Die Numerierung erfolgte doppelt mit den texteigenen Anmerkungen. Zur Korrektur sie den Beitrag im Internet (vho.org/VffG/2000/1/Reich-Sato81-90.html)


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(2) (2000), S. 229-235.


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