Leserbriefe

Allgemeines

Der selbstgefesselte Leser

Lieber Herr Rudolf,

Die Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung wirken in der geistigen Wüste, der politischen Käseglocke, dem kulturellen Müllplatz der BRDDR wie ein erfrischender Sommerregen, und sie werden durstig absorbiert; nur: von wem und mit welchen Konsequenzen? Ich frage mich ernsthaft, ob die Leser, auch all der anderen nonkonformen Veröffentlichungen, die nichts anderes tun, als "gefesselt" ihre Lektüre zu verschlingen, zwischendurch süchtig darauf warten und nichts anderes tun als warten, nicht auf eine subtile Art wirklich "gefesselt" werden, also neutralisiert und so harmlos sind, daß man davon absehen kann, sie in einen Kerker zu werfen, da sie sich selbst hinter Gitter gesetzt haben. Die Inquisition beschränkt sich so auf die Autoren, Verleger, etc., was für die Masse aber immer abstrakt bleibt, schon wegen der Berichterstattung in den Medien, die auf Fakten längst verzichtet, keine Argumente für oder wider bringt und so die ganze Sache quasi virtuell werden läßt als Teil des Fernsehlebens oder gedruckt als die tägliche Spalte "Neonazis" (jetzt schon ohne neo!).

Das klingt pessimistischer, als die Situation vielleicht ist, denn die Dunkelmänner wissen schon, daß einerseits die ständige Gehirnwäsche abstumpft und daß es nicht die Masse ist, die Änderungen herbeiführt, auch daß noch kein Lügensystem ewig gehalten hat, und diese speziellen Dunkelmänner kennen ihrem Wesen nach kein Maß und kein Ende, und ihr Lügengebäude hat zu viele schwache Stellen und ist auf Sand gebaut. Die Dinosaurier sind auch zugrunde gegangen, als sie am zahlreichsten und größten waren.

Aber wenn man annehmen darf, daß sich um Ihre Zeitschrift unabhängige Geister sammeln (als Leser), von denen keiner bereit ist, auch nur etwas Lektorenarbeit zu übernehmen (ich denke an Ihren letzten Aufruf), so muß man sich doch fragen, wo der Unterschied zu den Bequemen und Denkfaulen ist, die sich in ihrer freien Zeit bequem-behaglich als "willige Konsumenten" vor ihrem Fernseher räkeln.

Lassen Sie sich bloß nicht von diesen Gedanken negativ beeinflussen, sie drängen sich mir nur auf bei der Analyse der allgemeinen Situation und Auswegen aus ihr.

Alles Gute,

PHM


zu M. Reich-Sato, »Einheit 731…« (VffG 1/2000, S. 81-90)

Verehrte Redaktion,

Der Beitrag über die japanische Spezialeinheit, die Versuche an Menschen machte, stimmt. Gestern abend kam auf dem chinesischen Kanal CTV 4 ein Beitrag von 15 Minuten Länge. Da berichteten Japaner und Chinesen über schreckliche Dinge, und man sah originale Bilder dazu. Da können wir nur froh sein, daß wir sauber gekämpft haben!

Ihnen alles Gute!

Frank Löw


zu P. Damian, »Freiheit und Wahrheit vor Gericht« (VffG 3&4/2000, S. 385-393)

Werte Redaktion,

Damian erklärt den Konflikt, den die Revisionisten mit den Gläubigen der Holocaustreligion haben, mit der Unterscheidung zwischen scheinbarer und wahrer Welt. Er spricht von Wirklichkeit und Realität, was nur andere Worte sind für die gleiche Unterscheidung. Damian bleibt leider weit hinter der Geisteskraft zurück, mit der Nietzsche in Götzen-Dämmerung, Wie die "wahre Welt" endlich zur Fabel wurde das Thema behandelt. Nietzsches kraftvolle Worte seien hier zitiert:

»Geschichte eines Irrthums.

1. Die wahre Welt erreichbar für den Weisen, den Frommen, den Tugendhaften, – er lebt in ihr, er ist sie.

(Älteste Form der Idee, relativ klug, simpel, überzeugend. Umschreibung des Satzes "Ich, Plato, bin die Wahrheit".)

2. Die wahre Welt, unerreichbar für jetzt, aber versprochen für den Weisen, den Frommen, den Tugendhaften ("für den Sünder, der Busse thut").

(Fortschritt der Idee: sie wird feiner, verfänglicher, unfaßlicher, – sie wird Weib, sie wird christlich…)

3. Die wahre Welt, unerreichbar, unbeweisbar, unversprechbar, aber schon als gedacht ein Trost, eine Verpflichtung, ein Imperativ.

(Die alte Sonne im Grunde, aber durch Nebel und Skepsis hindurch; die Idee sublim geworden, bleich, nordisch, königsbergisch.)

4. Die wahre Welt – unerreichbar? jedenfalls unerreicht. Und als unerreicht auch unbekannt. Folglich auch nicht tröstend, erlösend, verpflichtend: wozu könnte uns etwas Unbekanntes verpflichten? ...

(Grauer Morgen. Erstes Gähnen der Vernunft. Hahnenschrei des Positivismus.)

5. Die "wahre Welt" – eine Idee, die zu Nichts mehr nütz ist, nicht einmal mehr verpflichtend, – eine unnütz, eine überflüssig gewordene Idee, folglich eine widerlegte Idee: schaffen wir sie ab!

(Heller Tag; Frühstück; Rückkehr des bon sens und der Heiterkeit; Schamröthe Platos; Teufelslärm aller freien Geister.)

6. Die wahre Welt haben wir abgeschafft: welche Welt blieb übrig? die scheinbare vielleicht? ... Aber nein! mit der wahren Welt haben wir auch die scheinbare abgeschafft!

(Mittag; Augenblick des kürzesten Schattens; Ende des längsten Irrthums; Höhepunkt der Menschheit; INCIPIT ZARATHUSTRA.)«

Ihre scheinbare Welt wollen die Gläubigen der Gedenkreligion der ganzen Menschheit aufzwingen, die wahre wollen sie abschaffen. Aber damit werden sie, wenn Nietzsche Recht hat, auch ihre scheinbare zerstören. Werden sie das einsehen, ehe es zu spät ist?

Gerhard Schmieder


zu G. Rudolf, »Revisionismus und Zionismus« (VffG 1/2001, S. 2-9)

Zur Zukunft von Revisionismus und Zionismus

Hallo Germar,

Ich habe grade Deinen Artikel »Revisionismus und Zionismus. Eine gescheiterte revisionistische Konferenz in Beirut und ihre Auswirkungen« gelesen. Man muß ja schon sagen, daß Du tatsächlich was drauf hast, und manchmal habe ich das Gefühl, daß Deine Art zu denken meiner sehr ähnlich ist.

Mit Sicherheit ist es in Deinem und damit auch in meinem Interesse, auf jeden Fall zu verhindern, daß dem seriösen wissenschaftlichen Revisionismus auch nur eine Spur von plumpem Antijudaismus, Rechtsradikalismus oder Terrorismus anhaftet und daß er nicht zu einer existenziellen Gefahr für "die Juden" wird oder als solche angesehen wird. Natürlich muß der Revisionismus an sich, im Prinzip "politisch neutral" sein. Genauso wie Physik oder Chemie als Wissenschaft auch politisch neutral sind oder sein sollten.

Wie Du schon selbst gesagt hast, sollte man sicher die möglichen politischen Folgen bedenken, die Wahrheit dem aber deswegen nicht beugen. Falls Deine geäußerten Bedenken nicht nur taktisches Kalkül sein sollten und Du tatsächlich Angst haben solltest mit Deinem revisionistischen Engagement die Juden einer physischen Gefahr auszusetzen, so möchte ich sagen, daß es zwar sehr schwer ist, sich vorzustellen, wie ein Durchbruch des Revisionismus ablaufen wird. Falls dem Revisionismus aber ein Durchbruch gelingen sollte, wird dies ein eher langwieriger Prozeß sein. Es wird zwar ein hitziger, aber durch unendliche Diskussionen ein relativ geordneter Prozeß werden.

Vermutlich werden sich die Historiker in diesem Historikerstreit nie einig werden. Irgendwann werden die revisionistischen Thesen im Inland und vor allem auch im Ausland auf so viel Akzeptanz und Toleranz stoßen, daß man anfangen wird zu überlegen, den Volksverhetzungsparagraphen anders oder gar nicht mehr anzuwenden. In Europa oder den USA droht den Juden so oder so keine Verfolgung. Im Nahen Osten geben, so weit ich das beurteilen kann, die antizionistischen Araber mit ihrem Judenhaß nicht viel darauf, ob es nun einen Holocaust gegeben hat oder nicht. Sie hassen die Juden so oder so. Der palästinensische Student aus Deinem Artikel hat ja auch trotz seines Glaubens an einen Holocaust die Vernichtung Israels gefordert. Ihr Kampf würde sich dadurch nicht groß beeinflussen lassen. Und falls den Juden trotzdem eine Gefahr drohen sollte, wird die Welt, ob revisionistisch aufgeklärt oder nicht, heutzutage eine existenzielle Gefahr für die Juden abzuwenden wissen und sie in irgendeiner Form unterstützen.

Ob deswegen die Juden in Europa willkommen zu heißen sind, will ich ganz deutlich in Frage stellen. Die Juden in Israel von heute sind nicht die deutschen, assimilierten Juden von damals. Und wenn man in den Juden nichts besonders Schlechtes noch etwas besonders Gutes sehen will, sollte man auch nicht zwischen ihnen und anderen Einwanderern fremder Kulturkreise unterscheiden. Ob aber die Einwanderung von noch mehr solcher Ausländer für Europa ratsam wäre, muß dringend angezweifelt werden.

Daß aber die Juden ethnisch nach Europa gehören, ist schlichtweg falsch. Die semitischen Juden gehören ethnisch in den Nahen Osten und die khasarischen Juden, welche den weitaus größten Teil der europäischen Juden ausmachen, sind ein Turkvolk, das ethnisch gesehen irgendwo jenseits von Europa in den Osten gehört, ob einem das politisch koscher ist oder nicht.

Beste Wünsche und Grüße

Kylling


Paradigmensetzung

Lieber Germar,

Dein Text über Revisionismus und Zionismus, den ich vorgestern erhielt, hat mich zutiefst beeindruckt. Die Macht der Wissenschaft und des Wortes übersteigt die aller anderen Waffen.

Trotzdem habe ich schon heute abend eine bemerkenswerte Ernüchterung erfahren, wenn es um die strategischen Möglichkeiten der Umsetzung in die Praxis geht. Meine Frau und ich, wir waren von einer mexikanischen Familie eingeladen, die wir erst vor kurzem kennengelernt hatten und die von meinen revisionistischen Interessen nichts wissen. Er ist Bauingenieur und hat ein kleines Baugeschäft. Beim Gespräch erwähnte der Gastgeber so am Rande, daß der reichste Mexikaner ein Jude ist. Er besitzt die Telefongesellschaft Telmex uam. So ist es eben. Praktisch besitzen sie fast alle große Vermögen.

Bei Dir heißt es:

»Sollte es daher mit der Zeit zu einer Auflösung des Staates Israel kommen, so können für mich daher nur zwei Lösungsmodelle akzeptabel sein: Entweder das von Frau Amiel zitierte Modell der – womöglich unrealistischen – multikulturellen Kohabitation, oder die langsame und friedliche Rückumsiedlung der Staatsbürger Israels nach Europa und/oder Amerika, wohin sie ethnisch und politisch ohnehin gehören.«

Das ist eine Vision, die meiner Meinung nach an den Eigenschaften der Menschen vorbeigeht. Der Staat Israel wurde gegründet, um ihre Kohabitation mit anderen Völkern entbehrlich zu machen. Jedenfalls war das eines der Motive. Ob nun in Palästina oder in Europa und Amerika, die totale Kohabitation mit ihnen wird wieder zu noch schwereren Konflikten führen, wenn es nicht gelingt, sie auf eine völlig neue Basis zu stellen.

Politik ist zu allererst die Kunst des Möglichen. Sie muß den Menschen Rechnung tragen, wie sie sind, und nicht, wie sie sein sollten. Denn sie sind nun mal so, wie es schon im 19. Jahrhundert erkannt wurde. Maurice Joly, aber auch Machiavelli und der Autor der Protokolle der Weisen von Zion haben die wichtigen Eigenschaften dargelegt. Bei Joly, dessen Buch in weiten Teilen die Vorlage zu den Protokollen der Weisen von Zion geliefert hat, (die vermutlich eine Fälschung sind) heißt es dazu:

»[Die Völker sind] unfähig, die Unbequemlichkeiten eines freiheitlichen Regimes zu ertragen, aber geduldig bis zum Martyrium gegenüber allen Gewaltakten eines frechen Despoten […](Maurice Joly, Dialogue aux Enfers entre Montesqieu et Machiavel, Ein Streit in der Hölle, Fiktives Gespräch zwischen Montesquieu und Machiavelli über Macht und Recht, S. 51)

Hinzuzufügen ist noch die Erkenntnis über die Prämissen der Macht, die Gerhard Ritter definiert hat (Gerhard Ritter, Die Dämonie der Macht, Betrachtungen über Geschichte und Wesen des Machtproblems im politischen Denken der Neuzeit, Leibniz, München, 1948). Nach Ritter ist eben dies das dämonische Wesen der Macht, daß sie auf die Dauer nur dem Erfolg gewährt, der seinen Eigenwillen zur Richtschnur seines Handelns macht (Gestalten nach dem Analysieren). Wenn niemand da ist, der der Gesellschaft seinen Eigenwillen aufzwingt, ergibt sich eine Kakophonie, die schließlich in ein Chaos, in letzter Konsequenz mit gegenseitigem Hinmetzeln aller gegen alle, münden muß. Wenn die Revisionisten also etwas für die Zukunft tun wollen, dann müssen sie ein neues Paradigma (er)finden. Sie müssen die politischen Strukturen dafür aufbauen, daß es der Menschheit "verkauft" werden kann. Das ist nicht leicht und ich habe auch keine Idee, wie das zu machen wäre. Aber die Notwendigkeit scheint mir unausweichlich. Vielleicht findet sich ein Grüppchen kreativer Leute zusammen, die darüber nachdenken.

Ein erster Denkansatz könnte vielleicht darin bestehen, genau die oben dargelegten Erkenntnisse über die Eigenschaften der Menschen und Völker in etwas wohlgesetztere, d.h. nicht so zynische Worte zu fassen und sie einem Welt-Gesellschaftskonzept zugrunde zu legen. So aufgeklärt über die eigenen Grenzen, sind Menschen und Völker dann (vielleicht) nicht mehr so manipulierbar. Dann fallen sie hoffentlich nicht mehr so leicht auf die Wahnparolen der Autisten herein. Die Bereitschaft, sich solcher Selbsterkenntnis zu stellen, wird wohl vorhanden sein, wenn einmal die Ernüchterung eingetreten sein wird, die von der Aufdeckung der Shoahmanipulation ausgehen wird (wenn sie denn kommt).

Nur eines wird sich nicht ändern lassen: jede menschliche Erkenntnis, ob nun naturwissenschaftlicher, gesellschaftspolitischer oder religiöser Art, bedarf einer willkürlichen und konkreten Vorgabe, eines Axioms, eines Dogmas oder sonst einer Vereinbarung, die die Basis für die Kommunikation ausmacht und ihr zugleich ihre Grenzen aufgibt. Das kartesische Koordinatensystem der Mathematik ist nur ein Beispiel von vielen für eine solche willkürliche Vorgabe.

Im Übrigen hatten die Juden in den Jahrhunderten ihres Pariadaseins in den verschiedenen Gastvölkern einen erheblichen Selektionsdruck, sich der Willkür der axiomatischen Vorgaben, die allem menschlichen Erkennen zugrunde liegen, bewußt zu werden. Das kommt in der folgenden Aussage Sigmund Freuds zu Ausdruck:

»Sigmund Freud acknowledged this phenomenon in his "Address to the Society of B'nai B'rith" on May 1926: "Because I was a Jew I found myself free from many prejudices which restricted others in the use of their intellect; and as a Jew I was prepared to join the Opposition and to do without agreement with the "Compact minority".«

(Sigmund Freud hat dieses Phänomen in seiner Ansprache vor der B’nai B’rith Loge im Mai 1926 anerkannt: "Weil ich ein Jude war, war ich frei von vielen Vorurteilen, die andere beim Gebrauch ihres Intellekts einschränken; und als Jude war ich darauf vorbereitet, der Opposition beizutreten und ohne Zustimmung der "kompakten Minderheit" zu agieren.)

Da liegt der Hase im Pfeffer. Eine gut zusammenhaltende kleinere Gruppe, die an sich selbst glaubt und die unabhängig von den Axiomen der Mehrheit flexibel agiert, ist dieser allemal überlegen, weil sie aus den Grenzen des "Systems" heraus kann. Zur Zeit sind die Revisionisten in dieser Rolle. Sie haben deshalb tatsächlich die einzigartige Chance, der Weltpolitik eine neue Richtung mit einem neuen Paradigma zu geben. Ich fürchte nur, daß sie dafür zu viele Intellektuelle und zu wenig "Religionsstifter" unter sich haben. – Hans Küng hat sich der Frage der Versöhnung der Weltreligionen sein Leben lang gewidmet.

Dies macht ihre Macht aus und dies führt auch immer wieder zur Verfolgung, wenn die sich "betrogen" Fühlenden dann aufwachen. Denn j e d e s Paradigma ist willkürlich und steht damit in irgendeiner Form einer Fiktion und damit auch einer Lüge nahe. In der Mathematik ist das harmlos, in der Gesellschaftspolitik aber nicht.

Allerdings haben die Juden vielleicht öfter als andere Interessengruppen Paradigmen gepflegt, die ihnen ganz handfeste wirtschaftliche Vorteile eintrugen, manchmal mit schamloser Ausbeutung der Gastvölker. Die Propagierung der Erinnerung an ihr Leid, das angeblich das anderer Völker weit übersteigt, zieht sich durch ihre ganze Geschichte. Es spricht in fast allen Menschen eine Wesensschicht an, in der sie zunächst fast "wehrlos" der Manipulation ausgesetzt sind.

Eine Arbeitsgruppe, die den Teufelskreis brechen will, müßte auch der unausweichlichen Globalisierung Rechnung tragen. Die Globalisierung ist unausweichlich, weil es Flugzeuge und Internet gibt. Die Maßnahmen der Bilderberger und der Haie des Turbokapitalismus sind hingegen nicht unausweichlich. Die Globalisierung kann sehr wohl in eine menschenwürdigere Form gebracht werden, als dies zur Zeit geschieht.

Aber das sind nur ganz vorläufige Denkansätze. Ich will damit keinesfalls eine Vorgabe machen. Vielleicht gibt es viel bessere Vorschläge.

Zum Abschluß eine Warnung: Der Mord an Alfred Herrhausen hat gezeigt, daß Leute, die sich im dargelegten Sinne engagieren, noch heftiger verfolgt werden, als die Geschichtsforscher, die sich der Forensik bedienen.

Herzliche Grüße

Dein Gerd


zu R. Faurisson, »Das Detail« (VffG 2/1998, S. 131)

Auch wenn es richtig ist, daß Churchill in seinem Buch NS-Hinrichtungsgaskammern nicht ausdrücklich erwähnt, so muß der Aufrichtigkeit halber aber folgendes Zitat erwähnt werden, in dem Churchill von einem systematischen Prozeß des Massakrierens von 6-7 Millionen Menschen in Vernichtungslagern spricht, womit nur die Gaskammern gemeint sein können. (W.S. Churchill, The Second World War, Bd. I, The Gathering Storm, S. 17):

»The wholesale massacre by systematised processes of six or seven millions of men, women, and children in the German execution camps exceeds in horror the rough-and-ready butcheries of Genghis Khan, and in scale reduces them to pigmy proportions.«

(Das unterschiedslose Massakrieren von sechs bis sieben Millionen Männern, Frauen und Kindern durch systematische Prozesse in den deutschen Hinrichtungslagern übersteigt den Horror der groben Schlächtereien Tschinghis Khans und läßt diese im Vergleich dazu zwergenhaft erscheinen.)

Alles Gute,

Hugh


zu P. Willms, »Kaiser Wilhelm II. und Theodor Herzl im Heiligen Land« (VffG 3&4/2000, S: 375-380)

Sehr geehrter Herr Rudolf,

Der Artikel über einen Vortrag, den Professor Dr. John C.G. Röhl über die Begegnung von Kaiser Wilhelm II mit Theodor Herzl gehalten hat, ist interessant. Der Referent war, wie nicht anders zu erwarten, zu dem Schluß gekommen, daß Wilhelm II doch irgendwie ein Antisemit gewesen sei. Allerdings bedurfte es dazu einiger Rabulistik. Über das Verhältnis von Wilhelm II zu den Juden gibt es eine Geschichte, die man in den "Denkwürdigkeiten" des ehemaligen Reichskanzlers Bernhard v. Bülow nachlesen kann (S. 405 der Ausgabe von 1930) und die im Jahre 1901 spielt. Der deutsche Botschafter in Wien, Heinrich Leonhard v. Tschirschky, hatte die Tochter des jüdischen Industriellen Stummer von Tavornok aus Budapest geheiratet und dem Kaiser bei irgendeiner Gelegenheit von seiner Frau vorgeschwärmt, wobei er so getan hatte, als ob sie aus dem österreichisch-ungarischen Hochadel stammte. Davon konnte nun keine Rede sein, allein schon die Kombination des bürgerlichen Familiennamens Stummer mit dem adligen Anhängsel von Tavornok deutet darauf hin, daß die Familie erst im 19. Jahrhundert vom Kaiser von Österreich-Ungarn geadelt worden war. Wilhelm II war jedenfalls interessiert und fragte kurze Zeit später den österreichischen Botschafter in Berlin, den ungarischen Grafen Szögyényi: »Nicht wahr, Frau v. Tschirschky ist von großer Familie?«, worauf dieser antwortete:

»Eure Majestät, bittäh, Frau v. Tschirschky ist aus guter, aus einer guten, säär guten Familie. Aber von (mit Betonung) Famühl- jo kann beiläufig nit die Rede sein.«

Nach näherer Aufklärung meinte der Kaiser lachend:

»Tschirschky kann dankbar sein, daß er einen vermögenden, und glücklich, daß er einen ehrenwerten Schwiegervater hat. Ob dieser nun der finnisch-ugrischen, der indogermanischen oder der semitischen Rasse angehört, ist ja ganz egal.«

Bülow hat diese Geschichte etwa um 1925 niedergeschrieben, 1929 ist er gestorben. Er hatte damals keinen Grund, sich bei den Juden Liebkind zu machen. Eher hätte er, wenn die Theorie vom latenten Antisemitismus der Deutschen denn stimmte, damit bei seiner konservativen Leserschaft Anstoß erregen müssen. Die Geschichte ist also höchstwahrscheinlich wahr, sie paßt auch zu allem andern, was wir über Wilhelm II wissen. Von einem amerikanischen Professor kann man allerdings so viel Allgemeinbildung nicht erwarten.

Mit freundlichen Grüßen!

CH


zu C. Müller, »Der Giftmordfall Marie Besnard« (VffG 3&4/2000, S. 347ff.)

Sehr geehrte Herr Rudolf!

Einer Ihrer Autoren hat den originellen Einfall gehabt, den Aufwand an Gutachten im Fall Auschwitz mit dem eines banalen Giftmordfalls aus der französischen Provinz, dem Fall Besnard, zu vergleichen und daran aufzuzeigen, in welchem geradezu vorwissenschaftlichen Stand die Diskussion um "Auschwitz" sich befindet. Es ist ihm dabei offenbar entgangen, daß einer der Gutachter, der im Fall Besnard eine zentrale Rolle gespielt hat, der Toxikologe Professor René Fabre von der Universität Paris, auch in einem zum Auschwitz-Komplex gehörenden Fall ein Gutachten erstattet hat, nämlich in dem Verfahren gegen Josef Kramer, den Kommandanten des KZ Natzweiler-Struthof im Elsaß.

Man kann die Geschichte nachlesen in Robert Faurissons Ecrits revisionnistes, S. 247ff. und 1552ff., übrigens ein Werk, das man jedem ans Herz legen kann, der ein bißchen französisch kann und sich ernsthaft für den Holocaust interessiert. Faurisson hat die Gerichtsakten im Militärarchiv in Meaux eingesehen, zusammen mit J.-C. Pressac und zwei Rechtsanwälten.

Kramer wurde vorgeworfen, im August 1943 insgesamt 88 jüdische Häftlinge in einem zur Gaskammer umgebauten Kühlraum des Lagers Struthof mit Blausäure vergast zu haben. Er legte auch ein passendes Geständnis ab, genauer gesagt drei Geständnisse innerhalb von viereinhalb Monaten, die in den Details nicht unerhebliche Differenzen aufwiesen. Aber das störte den Militärstaatsanwalt und den Untersuchungsrichter zunächst nicht.

Kramer erzählte, er hätte im Sommer 1943 von der Zentralverwaltung der Konzentrationslager den Befehl erhalten, etwa 80 jüdische Häftlinge, die ihm aus Auschwitz überstellt werden sollten, mit Gas zu töten und die Leichen an einen Professor Hirt von der medizinischen Fakultät der Universität Straßburg anzuliefern, der daran irgendwelche Untersuchungen anstellen wollte. Wegen der Einzelheiten sollte er sich mit diesem Professor in Verbindung setzen. Hirt gab Kramer ein Fläschchen (flacon) von ungefähr einem Viertelliter Inhalt mit einem weißen kristallinen Pulver, in dem Kramer »Cyanide« vermutete. Die Flasche war mit Wachs(!) verschlossen. Diese Pulver sollte Kramer in einen Trichter geben, der außerhalb der Gaskammer angebracht war und von dem ein Rohr (tuyau) ins Innere der Kammer führte. Das Pulver sollte in dem Trichter mit Wasser zusammengerührt werden, damit die Suspension in die Gaskammer fließen konnte. Kramer verfuhr gemäß diesen Instruktionen (der Professor war nicht selbst dabei) und vergaste die inzwischen eingetroffenen 88 Häftlinge in vier aufeinander folgenden Einzelaktionen. Nach jeweils einer halben Minute trat Bewußtlosigkeit ein, nach etwa 15 Minuten Lüftungszeit konnten die Leichen entnommen und nach Straßburg transportiert werden.

Das Militärgericht in Metz berief René Fabre, damals den wohl prominentesten Toxikologen in Frankreich, als Gutachter. Er sollte zwei Fragen beantworten:

Das Gutachten von René Fabre trägt das Datum vom 1. Dezember 1945. Leider war es aus den Gerichtsakten verschwunden, als Faurisson und Pressac sie einsahen. Es gab aber bei den Akten eine Gegendarstellung von drei Ärzten, aus der sein wesentlicher Inhalt rekonstruiert werden kann. Fahre verstand offenbar sein Handwerk und suchte die Spuren der Blausäure dort, wo sie auf jeden Fall hätten gefunden werden müssen, wenn es sie gegeben hätte. Er entnahm in der Gaskammer Putzmörtelbrocken (plâtras) und kratzte Material rund um den Entlüftungskamin ab (raclages autour de la cheminée). Bei den Leichen konzentrierte er sich auf das Blut und die inneren Organe (viscères). In keiner der Proben fand er Blausäure oder eine ihrer Verbindungen.

Es ist ein Jammer, daß dieses Gutachten heute verloren und nur indirekt in gehässigen Kommentaren von ein paar minderbemittelten Ärzten erhalten ist. Es wäre ein einmaliges und unwiderlegbares Dokument für den Revisionismus gewesen. Die Leichen waren noch relativ frisch, zwei Jahre zwischen Tod und Obduktion sind in der Forensik keine lange Zeit. Es ist kein chemischer oder physiologischer Vorgang denkbar, durch den Blausäure oder ihre Verbindungen in den Leichen hätten abgebaut werden können.

Zur Ehre der französischen Militärstaatsanwälte muß gesagt werden, daß sie nichts auf das Geschwätz der drei Ärzte gaben und sich an das Gutachten von Fabre hielten. In dem Prozeß gegen Kramer (Metz 1952) war ebenso wie in der Berufungsverhandlung (Lyon 1954) von Vergasung nicht mehr die Rede.

Das Gutachten von Fabre wirft auch ein bezeichnendes Licht auf das chemische Gutachten im Krakauer Höss-Prozeß, der fast gleichzeitig stattfand. Der Krakauer Chemiker hatte angeblich Blausäure in den Haaren von Toten gefunden, wo die Absorption um mehrere Größenordnungen geringer sein muß als im lebenden Gewebe, im Blut und in inneren Organen, wo Fabre nichts gefunden hatte. Und er hatte Blausäure in Metallteilen gefunden, obwohl die chemische Reaktion von Blausäure mit Metallen eine höchst zweifelhafte Sache ist. Auf die Idee, Blausäure im Putzmörtel zu suchen, ist er gar nicht erst gekommen. Offenbar hatte er versäumt, sich vor der Erstattung eines Gutachtens durch Nachschlagen im Chemielexikon mit den chemischen Eigenschaften der Blausäure vertraut zu machen.

Noch ein Wort zu dem "weißen Pulver", das Kramer von Hirt bekommen haben soll. Es ist fast überflüssig zu sagen, daß man auf der ganzen Welt keinen Chemiker finden wird, der einem erklären kann, was das für ein Pulver sein soll. Aber für jemand, der sich in pseudowissenschaftlichen Mythen auskennt, ist das "weiße Pulver" ein alter Bekannter. Zur Zeit des 2. Palästinakriegs wurde an deutschen Stammtischen über ein vergleichbares weißes Pulver geredet, das man nur in einen Kanister Wasser zu geben brauchte, um dieses in einen Treibstoff zu verwandeln, mit dem man Auto fahren konnte. Das Pulver war von einem – natürlich deutschen – Chemiker erfunden worden, aber die Ölindustrie – natürlich die amerikanische – hatte diesen Chemiker bestochen oder gleich umgebracht, um ihre Absatzmärkte nicht zu verlieren, so daß der Menschheit diese wichtige Erfindung verloren ging.

Das Zweite Deutsche Fernsehen brachte damals sogar in einer Vorabendsendung einen Report über einen Erfinder, dem es gelungen war, einen alten Ackerschlepper mit einer Mischung 1: 1 aus Dieselöl und Wasser zum Laufen zu bringen, jedoch erst nach Zugabe eines geheimen weißen Pulvers. Der Reporter des ZDF war allerdings skeptisch. Auch beim Fernsehen gibt es intelligente Menschen.

Ein ganz ähnliches weißes Pulver spielt eine Rolle in einigen Erzählungen über den Holocaust. Dieses Pulver wurde bei der Verbrennung von Leichen im Freien angewandt: man streute es über die Leichen, und die brannten dann von selbst wie Zunder. Man sieht die enge chemische Verwandtschaft der beiden Pulver: das eine konnte einen unbrennbaren Stoff, nämlich Wasser, in eine Art Benzin oder Dieselöl verwandeln, das andere konnte einen ebenfalls unbrennbaren Stoff, nämlich Leichen, in einen Brennstoff verwandeln.

Die verschiedenen weißen Pulver haben einen ehrwürdigen Urahnen: den lapis philosophorum oder Stein der Weisen, der in den alchimistischen Traktaten meistens als ein weißes Pulver beschrieben wird, von dem ein Quentchen, in einen großen Tiegel mit geschmolzenem Blei geworfen, ausreicht, dieses in das allerfeinste Gold zu verwandeln.

Verräterisch ist hier auch das Wachs (cire), mit dem das Fläschchen von Professor Hirt verschlossen gewesen sein soll. Seit dem Beginn der wissenschaftlichen Chemie vor etwa 250 Jahren hat man als Verschluß von Flaschen entweder Korkstöpsel verwendet oder, vor allem bei gefährlichen oder empfindlichen Stoffen aber eingeschliffene Glasstopfen. Wachs als Flaschenverschluß gehört in die vorwissenschaftliche Zeit. Für den Laien liegt der Gedanke an Wachs nahe, weil er irrtümlich annimmt, ein solcher Verschluß sei gasdicht; der Fachmann weiß es besser. Aber der Laie braucht irgendeine Art vorwissenschaftliche Bildung in der Chemie, um auf Wachs zu kommen. Josef Kramer war im Zivilberuf Buchhändler gewesen. Wer weiß, in welchem Schmöker über die Zeit des Paracelsus oder der Familie Borgia er etwas über weiße Pulver und mit Wachs verschlossene Phiolen gelesen hat. Oder stammen diese Reminiszenzen von den Vernehmungsoffizieren? Auch die französische Trivialliteratur nimmt gern ihre Stoffe aus diesen finsteren Zeiten.

Übrigens: auf S. 347 von VffG 3-4/2000 findet sich ein Tippfehler, es muß anstatt Kolometrie natürlich heißen Kolorimetrie.

Das böse Wort über den "Vorstadtapotheker" J-C. Pressac (S. 349) stammt nicht von Serge Klarsfeld, sondern von einem anderen Antirevisionisten, Pierre Vidal-Naquet. Auch Antirevisionisten haben manchmal Intelligenzblitze. Es gibt jedenfalls keine treffendere und bösartigere Bezeichnung für jemanden, dessen Arbeitsplatz nicht der Labortisch ist, sondern der Ladentisch, über den Zahnpasta und Aspirin verkauft werden.

Und noch eins: Könnte nicht Robert Faurisson einen Artikel über das Gutachten von Fabre schreiben? Sein Kenntnisstand ist weitaus besser als der meine; ich habe nur von ihm abgeschrieben. Die Übersetzung ins Deutsche könnte Christian Müller übernehmen.

Mit freundlichen Grüßen!

Dipl.-Ing. WF


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(2) (2001), S. 231-236.


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